Archiv der Kategorie 'Geschichte Wehrmacht'

Ehemaliger Bundeswehr-Soldat schändet Stolperstein für NS-Opfer

Wie ein NDR-Bericht vermeldet hat in Emden der Rentner Hans Bär (73) bereits zweimal einen Stolperstein ausgegraben. Der Stolperstein erinnert an das KPD-Mitglied Johann Wilkens, der 1943 im Alter von 32 Jahren im berüchtigten „Strafbataillon 999“ in Tunesien starb.
Dem NDR kommentierte Bär seine Tat: „Ein Grabstein eines Kommunisten direkt vor meiner Haustür, das kann ich als ehemaliger Bundeswehrsoldat nicht dulden“.

Der NDR berichtete über über die Schändung:

Nach zwei Wochen schnappte Bär sich einen Spaten und grub den Stolperstein aus, „damit ich ihn nicht mehr sehen musste“, wie er erklärt. Er legte ihn für Passanten sicht- und lesbar unter seine Hecke. Der Arbeitskreis reagierte am vergangenen Montag: Der Stein wurde wieder an der ursprünglichen Stelle verlegt. Angehörige des gestorbenen KPD-Mitglieds legten in einer Zeremonie Rosen nieder. Hans Bär griff noch während dieser Gedenkfeier zu seinem Besen und fegte die Rosen in den Rinnstein. „Absolut respektlos dem Opfer und seinen Angehörigen gegenüber“, sagt Edda Melles vom Arbeitskreis Stolperstein. Keine Stunde später griff Hans Bär zum Spaten und pflanzte den Gedenkstein erneut um. Weg von seinem Eingangsbereich, drei Meter nach links: „Dann muss ich nicht jeden Tag drüber laufen.“


Verwendete Quelle:

* Rentner buddelt Stolperstein immer wieder aus, NDR, 03.02.2016, https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Rentner-buddelt-Stolperstein-immer-wieder-aus,stolperstein146.html

Waffen-SS-Veteran als Nazi-Zeitzeuge

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Unter dem Label „Treffen der Generationen“ organisieren Neonazis seit Jahren Veranstaltungen, bei denen Alt-Nazis dem Nachwuchs ihre „Lebenserinnerungen“, zumeist Kriegserinnerungen, präsentieren – jetzt auch im westfälischen Hamm.
Der lokale Kreisverband der Partei „Die Rechte“ (DR) organisierte das „1. Treffen der Generationen“, dem weitere Veranstaltungen mit den „letzten noch lebenden Zeitzeugen aus der Erlebnisgeneration“ folgen sollen. Nach Angaben der Veranstalter kamen „rund 50 Gäste aus allen Generationen und von verschiedenen Parteien und Organisationen“. Referent war der 90-jährige Kurt Barckhausen aus Kassel.
Mit 17 Jahren habe sich Barckhausen freiwillig zur Waffen-SS gemeldet, weiß der DR-Kreisverband zu berichten. Bei Kriegsende gehörte er demnach als Untersturmführer der 3. SS-Division „Totenkopf“ an. „Lebhaft“ habe Barckhausen über seine Zeit als Soldat in der „größten Freiwilligenarmee Europas“ berichtet, so „Die Rechte“. Auch sein Einsatz nach dem Mai 1945 imponiert den in der Worch-Partei organisierten Neonazis: Barckhausen habe „in Bedrängnis geratenen ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS“ gefälschte Entlassungspapiere besorgt und damit „einige Kameraden vor den alliierten Häschern retten“ können. „Stehende Ovationen“ gab es dem Veranstaltungsbericht zufolge für Barckhausens Bekenntnis, „dass er seinen Eid, den er als Soldat geschworen hat, bis heute nicht gebrochen hat“.

Quelle:
* ts: SS-Zeitzeugen, BnR, 04.12.2013

Gedenkveranstaltung für Wehrmachtsoberst in Berlin

Am 100. Geburtstag des hochdekorierten Wehrmachtsoberst Werner Mölders (* 1913) am 18. März hielten dessen Fans von der Mölders-Vereinigung eine Gedenkveranstaltung auf dem Invalidenfriedhof in Berlin ab. Die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Nr. 14-2013 berichtet über das Gedenken:

„Die auf dem Invalidenfriedhof versammelten ehemaligen Angehörigen der Bundesluftwaffe erwarteten dann wohl auch mit einiger Spannung die Ansprache des katholischen Militärdekans a.D. Heinz Hecker, der sich aus Ermangelung aktiver Militärgeistlicher bereit erklärt hatte, die Feier am Grabe Mölders zu gestalten. […] Im Anschluß an die Andacht versammelten sich die Teilnehmer im Haus des katholischen Militärbischofs. Mit großer Spannung wurden die Ausführungen des parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), des – wie er sich nannte – „Bürgers Schmidt“ erwartet.
Sein Auftritt, der politisch durchaus brisant ist, erschien den meisten wohl wie eine indirekte Zurücknahme der „Entnamung“ des Jagdgeschwaders 74. Schmidt wandt sich sichtlich zwischen
einer Anerkennung der militärischen Leistungen von Mölders und dem, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Was bleibt? Der Bürger Schmidt hatte einen Bürger in Uniform mitgebracht
– einen Oberstleutnant. Und so war dann doch noch die Bundeswehr leibhaftig vertreten. Mehr wagte diese Republik einem im Einsatz für sein Vaterland zu Tode gekommenen
hervorragenden Soldaten, den seine Untergebenen „Vati“ nannten, nicht an die Seite zu stellen.“

Waffen-SS-Veteran tritt vor Neonazis auf

Am 13. Oktober 2012 trat der Waffen-SS-Freiwillige Ulrich Franz bei einer Neonazi-Rednerveranstaltung im Landkreis Altötting vor „gut 50 Zuschauer“ aus der rechten Szene auf. Franz hatte ab 1941 in der Waffen-SS-Division „Wiking” und später in der Waffen-SS-Division „Frundsberg” gedient.
Franz Ullrich von der Waffen-SS

Österreich: Fallschirmjäger-Verein organisiert ein Gedenken an „Helden“ der Wehrmacht

Der „Verein Militärischer Fallschirmjäger Verbund Ostarrichi“ organisiert in Feldbach (Südsteiermark) ein Treffen zum Gedenken gefallener Wehrmachtssoldaten. Die „Kretafeier“ zog 2010 und 2011 etwa 200 Personen an, 2009 sind es nur 50 gewesen.
Für Zulauf soll nach Medienberichten Josef Paul Puntigam, Brigadier a. D., ehemaliger Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres und ehemaliger Kommandant der Jägerschule, gesorgt haben. Puntigam ist seit 2008 zum Präsidenten des Fallschirmjäger-Vereins. Außerdem ist Puntigam Mitglied der Studentenverbindung Tafelrunde Wiking und hat das Vorwort zu dem 2006 im extrem rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst. Der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ stand er für die Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006 als Interviewpartner zur Verfügung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Bundesheerangehörige in Uniform ,Polizisten und Mitglieder der rechtsextremen Kameradschaft IV, der frühere Waffen-SS-Mitglieder angehören. Dem Heer wurde von offizieller Stelle die Teilnahme am Treffen in Feldbach untersagt. Deswegen dürfen Vereinsmitglieder bei ihren Veranstaltungen keine Uniform tragen.

Wie das Magazin „Falter“ herausgefunden hat, ist der Verein mehr als nur ein brauner Traditionsverband:

Die Soldaten sollen im Kampfanzug erscheinen, bei Polizisten ist die Uniform erwünscht. So steht es auf dem Anmeldeformular für den „Ersten Internationalen Hochgebirgsmarsch samt Schießen“, bei dem die Teilnehmer vergangenes Wochenende in der Gegend von Kaprun auf bis zu 2639 Metern Seehöhe durchs Gebirge marschierten. […] Der Milf-O klingt nicht nur militärisch, er ist auch straff organisiert und hat in den Bundesländern „Standortkommandanten“, „Kommandanten“ für die verschiedenen Bundesheerkasernen sowie für Polizei und die Justizwache und auch einen „Ansprechpartner für unsere deutschen Kameraden“. […] Oder die ausländischen Kameraden kommen zu Besuch nach Österreich. Der „bayerische Soldatenbund“ konnte auf einem Schießplatz in Niederösterreich „mit Großkalibergewehren der Marke Heckler & Koch SL 7 und Steyr AUG StG 77“ das Schießabzeichen des Milf-O „erringen“. Ermöglicht worden sei dies durch die „hervorragenden Kontakte“ eines Bundesheer-Vizeleutnants, der ebenfalls im Vorstand des Milf-O sitzt.
Überhaupt nützt dieser Verein Bundesheereinrichtungen, als wäre er Teil des Heeres, darf sich bei Tagen der offenen Tür in verschiedenen Kasernen präsentieren, hat in der „Heeresunteroffiziersakademie“ in Enns sogar eine eigene Informationsecke zur Verfügung gestellt bekommen.

Quellen:
* Kerstin Scheller, Gudrun Springer: Militärverein organisiert braune Feier, Der Standard, 21. August 2012, http://derstandard.at/1345164758910/Militaerverein-organisiert-braune-Feier
* Schießübungen für Ostarrichi?, 22. August 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/08/22/schiesubungen-fur-ostarrichi/
* Nina Horaczek: An die Gewehre, an die Gewehre!, aus FALTER 34/12, http://www.falter.at/falter/2012/08/21/an-die-gewehre-an-die-gewehre/

Braune Namensgeber bei der Bundeswehr

Nicht nur die Kasernen der Bundeswehr haben braune Namenspaten. Ein sehr lesenswerter Artikel von Thorsten Stegemann untersucht beleuchtet die Hintergründe des Namensgebers des „Werner-Hahlweg-Preis“, der vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung verliehen wird.
Der Militärhistoriker Werner Hahlweg engagierte sich offenbar früh im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDSt), trat im Juni 1933 in die SS ein und wurde 1936 Mitglied der NSDAP. Außerdem war Hahlweg 1937 im Auftrag der Danziger Gaupropagandaleitung der NSDAP an der Ausstellung „Das politische Danzig“ beteiligt. Im Jahr 1939 wurde er einberufen, habilitierte sich, nahm am Feldzug gegen die Sowjetunion teil und schaffte es 1942 zum Dozenten für Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsgeschichte, Heeres- und Waffenkunde. Ab 1943 war er im Heereswaffenamt und übernahm später ein nicht näher definiertes „Kommando in den besetzten Gebieten“. Für was bitteschön ist dieser Mann denn ein Vorbild?

Interessant ist was auch noch in dem Artikel berichtet wird:
„Dass sich die Reihe der unseligen Querverbindungen endlos fortsetzen ließe, liegt vor allem daran, dass sie permanent aktualisiert wird. So findet in diesen Tagen am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, das als Dienststelle der Bundeswehr und Teil der Streitkräftebasis fungiert, ein Kolloquium mit dem Titel „Neue Perspektiven organisierter Gewalt“ statt.
Dort wird der Weg des Gerhard Graf von Schwerin „vom General der Panzertruppen zum Unternehmens- und Politikberater“ nachgezeichnet. Es geht aber auch um einen mentalitätsgeschichtlichen Vergleich zwischen dem Irak-Krieg und „Großbritanniens strategischem Bombenkrieg“ in den Jahren 1939 bis 1945 oder um „ethnic cleansing and hidden retribution in the Czechoslovak Army 1944-1952″.“

Quelle:
* Thorsten Stegemann: Die Altlasten der Bundeswehr, 21.06.2012, http://www.heise.de/tp/artikel/37/37133/1.html

PM „Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren“ vom 22.04.2012

Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren Die „General-Konrad-Kaserne wird umbenannt“, dass berichtet die
„Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens am Freitag den 20.04.2012 [1]. Dem Bericht zufolge habe das Bundesverteidigungsministerium angekündigt, die General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall noch im Laufe dieses Jahres umbenennen zu wollen. Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) bestätigte in dem
TV-Bericht diese Meldung. Wörtlich sagte er: „Es ist in der Tat richtig, dass der bisherige Name der General Konrad Kaserne umbenannt werden soll. Das ist jetzt ein Thema, das man angehen kann, weil jetzt erst klar ist, dass die Kaserne überhaupt weiterhin besteht“. Zum möglichen neuen Namen wollte sich Schmidt laut Süddeutscher Zeitung [2] nicht äußern. Nachdem der Nazigeneral Konrad auch für das Bundesverteidigungsministerium untragbar geworden ist, sieht das RABATZ-Bündnis nun auch Bad Reichenhalls Bürgermeister Herbert Lackner (CSU) in der Pflicht. Er solle sich von dem von General Konrad gegründeten Kameradenkreis der Gebirgstruppe distanzieren, so Anna Jade eine Sprecherin des Bündnisses. Dieser von Kritikern als „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ [3] bezeichnete Kameradenkreis organisiert jährlich im Mai in Bad Reichenhall eine sogenannte „Kreta Gedenkfeier“. Dazu Anna Jade wörtlich: „Es ist ein Skandal, dass ein demokratischer Bürgermeister bei einer solch geschichtsrevisionistischen Gedenkfeier, bei der die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt werden, teilnimmt“.

1 http://www.br.de/themen/aktuell/inhalt/kaserne-bad-reichenhall-umbenennung100.html

2 http://www.sueddeutsche.de/V5938X/583965/Reichenhaller-Kaserne-wird-umbenannt.html

3 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html

PM „Bad Reichenhall: Kasernenumbenennung kann nur ein erster Schritt sein“

Der in den Medien [1] diskutierte Vorschlag der “Initiative gegen falsche Glorie“, die nach dem dem Nazigeneral Konrad („Schlächter von der Krim“ [2]) benannte Bad Reichenhaller Kaserne endlich umzubenennen, wird vom Rabatz Bündnis begrüßt. Das Bündnis hatte in der Vergangenheit
mehrfach auf die skandalöse Namensgebung und rechte Traditionspflege hingewiesen [3].
An der menschenverachtenden Ideologie von General Konrad besteht für das Rabatz Bündnis keinerlei Zweifel. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte der Bad Reichenhaller Nazigeneral [4]: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück“. Der Kasernenname steht für das Rabatz-Bündnis symbolisch für die kontinuierliche rechte Traditionspflege in Bad Reichenhall. Konrad war nach dem II. Weltkrieg auch an der Gründung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ beteiligt.
Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“

Der von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnete „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ veranstaltet noch immer jährlich im Mai eine sogenannte Kretagedenkfeier. Dabei wird der „Kampf um Kreta“ „gefallenen“ Reichenhaller Gebirgsjäger und dem Bombenangriff auf Reichenhall gedacht, wobie die Täter_innen zu Opfern und Held_innen
verklärt werden. Dass Rabatz-Bündnis geht davon aus, dass dabei auch dieses Jahr die auf Kreta begangenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht (über 3500 Zivilist_innen wurden ermordet und über 30 Dörfer komplett zerstört) im Allgemeinen und die Greueltaten der Reichenhaller Gebirgstruppe im Besonderen (u.a. die Zerstörung der Stadt Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941) verschwiegen werden. Angesichts dieser Bad Reichenhaller Zustände erklärt Anna Jade, eine Sprecherin des Rabatz-Bündnisses:

„Eine Umbenennung der Bundeswehrkaserne ist mehr als überfällig, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Die rechte Gedenkpolitik in Bad Reichenhall stinkt seit Jahrzehnten zum Himmel. Egal ob das ungestörte jährliche SS-Gedenken der NPD am Kugelbach oder die geschichtsrevisionistische Kretagedenkfeier des Kamaradenkreises, eine solche Gedenkpolitik ist nicht tolerierbar. Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert werden“

1 Nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/y5w38v/562924/Neue-Debatte-um-Konrad-Kaserne.html) berichtet auch die Lokalpresse (u.a. bgland24.de). Der Radiosender Bayernwelle Süd -Ost fragt in einer Umfrage bereits: „Die General-Rudolf-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll einen neuen Namen bekommen. Denn Konrad war ein General in der Nazi-Zeit. Nach wem oder wie würden Sie die Kaserne benennen?“

2 Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden
bombadieren“. Vgl. Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.

3 Zuletzt am 10.Juni 2011 in der Pressemitteilung „Auch Name der Kaserne ist skandalös“,
http://rabatz-buendnis.org/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/)

4 Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100

Lettland: SS-Veteranen marschieren

Waffen-SS-Veteran in Riga 2012
Am 16. März sind in Riga (Lettland) erneut noch lebende Angehörige der lettischen Waffen-SS-Divisionen und ihre SympathisantInnen aufmarschiert.
Die Medien berichten von 1.500 bis 2.000 Teilnehmern des Marsches durch die Innenstadt. Davor gab es einen Gedenk-Gottesdienst im Rigaer Dom.
Den Marsch gibt es seit Jahren, er findet immer am 16. März statt, der als „Tag der Legionäre“ gilt. Als „Lettische Legionäre“ dienten 140.000 Letten in der Waffen-SS und 50.000 davon fielen im Krieg. Teile der lettischen Kollaborateure waren direkt in den Mord an den baltischen und weißrussischen Juden involviert.
Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt etwa die Hälfte der Bevölkerung den Marsch ab.

Quellen:
* Lettische SS-Veteranen marschieren trotz Protest, tagesschau.de, 16.03.12, http://www.tagesschau.de/ausland/lettland138.html
* FOCUS Online: Umstrittenes Gedenken in Lettland: SS-Veteranen marschieren durch Riga, Freitag, 16.03.2012, http://www.focus.de/politik/ausland/umstrittenes-gedenken-in-lettland-ss-veteranen-marschieren-durch-riga_aid_724898.html
* Hannes Gaillscheg: Lettland: Marsch der SS-Veteranen in Riga, „Die Presse“, 16.03.12, http://diepresse.com/home/panorama/welt/741061/Marsch-der-SSVeteranen-in-Riga?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do

Estland: sicherer Hafen für NS-Kriegsverbrecher?

Ein Fernsehbericht über die Verhältnisse in Estland zeigt zum wiederholten Male dass dort Veteranen der Waffen-SS als Freiheitskämpfer verklärt werden.
Selbst Ritterkreuzträger werden gefeiert:
Ritterkreuzträger Estland

SS-Veteranen Estland 2011

Quelle:
* Estonia, Nazi safe haven, TV-Bericht, 21.11.11, http://rt.com/news/estonia-nazi-gorshkov-haven-803/

Volkstrauertag in München: Burschenschafter, Ritterkreuzträger und die Bundeswehr

Robert Andreasch vom AIDA-Archiv in München hat einen informativen Artikel über den diesjährigen Volkstrauertag in München veröffentlicht:

Zusammen mit bekannten ultrarechten Organisationen wie der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ehemaliger Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehöriger und der völkischen „Burschenschaft Danubia“ gestalteten Bundeswehr und Bundespolizei die Veranstaltung zum Volkstrauertag im Münchner Hofgarten. Im Publikum anwesend: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
Bei einer vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ mitinitiierten Veranstaltung zum Volkstrauertag kam es am Sonntag, 13. November 2011, im Hofgarten an der Staatskanzlei zu einer bemerkenswerten Allianz: Bundespolizeidirektion und Bundeswehr gestalteten den Trauerzug und die Kranzniederlegung gemeinsam mit ultrarechten Gruppen wie der „Burschenschaft Danubia“ oder der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR).
In den Stunden vor der Gedenkfeier war der Ablauf von den Staatsorganen gemeinsam mit den Aktivisten der rechten Gruppen besprochen und eingeübt worden. Sympathisant_innen der beteiligten Ultrarechten hatten zudem im Vorfeld Eintrittskarten für die Veranstaltung ausgehändigt bekommen. Im Publikum, das diesem Aufzug beiwohnte, befand sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

„Traditionsgemeinschaft“
Die „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ besteht unter diesem Namen seit 1955, davor gab es die „Gemeinschaft der Ritterkreuzträger“. Der Name bezieht sich auf die nationalsozialistische Tapferkeitsauszeichnung: Infolge des Polenfeldzugs verlieh Adolf Hitler persönlich über 7000 „Ritterkreuz“-Auszeichnungen zum „Eisernen Kreuz“. 438 dieser militärischen Orden erhielten Mitglieder der SS und Waffen-SS, z. B. der Kriegsverbrecher und SS-Obergruppenführer Josef „Sepp“ Dietrich. Konnten zunächst nur Träger eines „Ritterkreuzes“ oder des sogenannten „Militärverdienstkreuzes“ Mitglied der OdR werden, nimmt die Organisation heute auch Sympathisant_innen auf. Joachim Philipp aus Unterschleißheim ist stellvertetender Vorsitzender der OdR.
Die militaristische „Ordensgemeinschaft“ spricht das nationalsozialistische Deutschland von der Schuld am Zweiten Weltkrieg frei. Im Juni 1993 hieß es in der organisationsinternen Zeitschrift „Ritterkreuz“: „Das Beharren bundesdeutscher Lehrstuhlinhaber und verbeamteter Historiker auf der Legende am deutschen Überfall auf die Sowjetunion weitet sich zum peinlichsten Desaster der Nachkriegsgeschichte aus“.  Auf ihrer Jubiläumsveranstaltung im Jahr 2004 traten Reinhard Günzel, Dauerreferent der rechten Szene, sowie der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof auf, der in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ ebenfalls die deutsche Kriegsschuld relativiert. Mitglieder der OdR standen in der Vergangenheit mit der extremen Rechten in Verbindung, z. B. über das Düsseldorfer Mitglied Hajo Herrmann, Multiaktivist in der deutschen Neonaziszene, oder bei der jährlichen SS-apologetischen Gedenkfeier auf dem Kärntner Ullrichsberg.

Schwarz-weiß-rot
1999 erließ Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping ein Kontaktverbot für Soldat_innen der Bundeswehr gegenüber der OdR, da diese von Leuten geführt werde, „die sehr nahe am Rechtsradikalismus sind, zum Teil direkt drin“. Für Beerdigungen und Kranzniederlegungen werden heute teilweise wieder Ausnahmeregelungen getroffen, z. B. dergestalt, dass Kränze der OdR von Bundeswehrsoldat_innen statt von den OdR-Delegierten niedergelegt werden. Im Hofgarten trugen Bundeswehrsoldaten den Kranz der OdR, der mit einer Kranzschlaufe (Aufschrift: „Traditionsgemeinschaft des Eisernen Kreuzes – Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“) in schwarz-weiß-rot, den Farben von Kaiserreich und Nationalsozialismus sowie einem „Eisernen Kreuz“ dekoriert war. Nur einen Meter dahinter folgten die beiden Delegierten der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ihrem Kranz.

„Heldengedenken“
Aber die OdR war nicht die einzige ultrarechte Organisation, die unter den Augen von Innenminister Herrmann am Sonntag Vormittag im Hofgarten vertreten war. Im offiziellen Trauerzug der Veranstaltenden und unter den in Formation Angetretenen befanden sich auch Mitglieder des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ sowie Vertreter Münchner Burschenschaften, darunter „Chargen“ (in Phantasieuniformen gekleidete Funktionäre) der bis ins neonazistische Spektrum hinein verwobenen „Burschenschaft Danubia“. Die Münchner Burschenschaft „Cimbria“ hatte die Volkstrauertagsveranstaltung gar unter der aus dem Nationalsozialismus stammenden Bezeichnung „Heldengedenken“ in ihrem Semesterprogramm eingetragen.

„Kameradenkreis“
Beim „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ handelt es sich um eine Organisation, in der sich sowohl ehemalige Mitglieder von Gebirgsjägereinheiten der NS-Wehrmacht und der Waffen-SS als auch ehemalige und aktive Mitglieder der Bundeswehrgebirgstruppe organisieren. Ehrenpräsident der Vereinigung war der in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilte General a. D. Hubert Lanz.

„Danubia“
Die „Danubia“ gehört zu den am weitesten rechtsaußen angesiedelten studentischen „Burschenschaften“ überhaupt. Sie ist Teil der völkischen „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) deutscher und österreichischer Burschenschaften, die zuletzt im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) rassebiologische Aufnahmekriterien festschreiben lassen wollte. Das Haus der „Danubia“ in der Möhlstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen wird auch von Mitgliedern der neonazistischen „Kameradschaft München“ besucht.
Ein führendes Mitglied der Neonazitruppe soll nach Informationen des a.i.d.a.-Archivs in der letzten Zeit sogar unter der Danubia-Adresse gemeldet gewesen sein. Die neonazistische „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ hat in Kooperation mit Burschenschaftern der Danubia in deren Haus ein oberbayerisches „Regionaltreffen“ abgehalten. Das Referentenprogramm der Burschenschaft in den letzten Jahren liest sich wie das „Who is who“ der extrem rechten Szene. Im Mai 2011 hatte die „Danubia“ z. B. den „nationalrevolutionären“ Publizisten Jürgen Schwab (Nürnberg) als Vortragenden eingeladen. Schwab, der regelmäßig Texte auf der Homepage des neonazistischen „Freien Netz Süd“ veröffentlicht, war wenige Tage vorher, am 1. Mai, zusammen mit dem stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Karl Richter beim Neonaziaufmarsch in Heilbronn als Redner aufgetreten.

Quelle:
* Robert Andreasch: Rechtsum im Hofgarten, 27. November 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2604:rechtsum-im-hofgarten&catid=41:parteien-und-organisationen&Itemid=151

Rommel kein Nazi-Opfer, sondern Nazi-Täter

Zitate aus dem lesenswerten Artikel „Generalabrechnung“ über den Kult um Rommel in Heidenheim:

„Sicher ist: Er war ein heftiger Bewunderer Hitlers und hat den Aufstieg der Nationalsozialisten ausdrücklich begrüßt. Er befehligte eine Panzerdivison beim Angriffskrieg gegen Frankreich, ab Februar 1941 bekämpfte er in Libyen und Ägypten die britischen Truppen, zeitweise mit Erfolg. Hitler protegierte Rommel, innerhalb von nur elf Jahren stieg dieser vom Major zum Generalfeldmarschall auf. Hitlers Vertrauen dankte Rommel mit Ergebenheit.
Sicher ist auch, dass Rommel kein Antisemit war. Er hat allerdings nie öffentlich gegen judenfeindliche NS-Politik protestiert. Als er sich – spätestens im Frühsommer 1944 nach der erfolgreichen Invasion der Alliierten in der Normandie – zumindest innerlich von Hitler distanzierte, tat er das keinesfalls aus moralischen Gründen. Ihn störte nicht der Diktator, sondern dessen Erfolglosigkeit.“

„Heidenheim ist nicht die einzige deutsche Stadt, die noch an Erwin Rommel erinnert. 22 Straßen und Wege tragen seinen Namen, 15 davon in Baden-Württemberg, dazu zwei Kasernen der Bundeswehr. Das liegt ganz wesentlich an zwei Mythen. Der erste lautet: Rommel führte einen sauberen, ritterlichen Krieg, verhielt sich auch dem Feind gegenüber anständig. Der zweite besagt, Rommel habe mit dem Widerstand sympathisiert, sei gar in die Pläne der Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg involviert gewesen. Beides muss heute stark bezweifelt werden.“

„Am 14.10.1944 wurde Rommel als Verschwörer gegen Hitler zum Selbstmord gezwungen.
Ganz falsch ist das nicht, bloß irreführend. Tatsächlich fuhren an besagtem Tag zwei hochrangige Generäle zu Rommels Anwesen. Sie konfrontierten ihn mit Aussagen verhörter Widerstandskämpfer, die seinen Namen genannt hatten. Rommel bestritt jede Beteiligung, wurde aber vor die Wahl gestellt: Suizid oder Anklage vor dem Volksgerichtshof. Er entschied sich für die Zyankalikapsel. Dass er wirklich von dem Bombenanschlag vom 20. Juli wusste, gilt heute als unwahrscheinlich. Auch die Witwe und Sohn Manfred, später Oberbürgermeister von Stuttgart, haben das nach Kriegsende bezeugt.“

Quelle:
* Generalabrechnung, 13.11.2011, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/generalabrechnung/5827484.html

PM des RABATZ-Bündnis zum NS-Verbrechen in Skines in Griechenland (27.07.2011)

Kriegsverbrechen nicht verschweigen

Reichenhall – 70 Jahre ist es am kommenden Montag, 1.August, her, dass Reichenhaller Gebirgsjäger die griechische Ortschaft Skines zerstörten und 148 Zivilist_innen ermordeten. In der oberbayerischen Kurstadt erinnert bislang aber nichts an die Opfer, stattdessen wird dort der Täter gedacht.

Während der deutschen Besatzung der Mittelmeer Insel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 aber sind den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen. Dort heißt es wörtlich: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt.
Sie erfasst die Orte Alikianu, Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.“ [1]
Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“[2] In Bad Reichenhall hingegen erinnert im Ortsbild nichts an die
Kriegsverbrechen der örtlichen Gebirgsjäger. Für das antifaschistische Bündnis RABATZ ist das Gegenteil der Fall. „Durch rechte, geschichtsrevisionistische Traditionspflege werden in Bad Reichenhall die Täter zu Helden verklärt. Die Bundeswehrkaserne ist immer noch nach einem Nazigeneral benannt und eine ‚Kreta Brücke‘[3] glorifiziert den faschistischen deutschen Angriffskrieg. Und das sind nur zwei Beispiel von vielen.” so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses. Da sich in Bad Reichenhall trotz einer antifaschistischen Kampagne die Zustände bisher offensichtlich nichts geändert hätten, sieht sich das Bündnis verpflichtet nochmals zu intervenieren. „Wir planen für September eine Vorführung des Filmes ‚Als die Deutschen vom Himmel fielen‘[4]. Dieser behandelt die Geschehnisse auf Kreta zwischen 1941-45. Selbstverständlich überlegen wir auch, nächstes Jahr erneut in Bad Reichenhall zu demonstrieren,” so Jade über mögliche weitere Aktionen.

[1] BA-MA, RH 28-1/ 6, Tätigkeitsbericht der 5.Geb.Div. Vom 1.8.194 – 15.3.1942, Blatt 105 ff. Seite 2 des Berichtes (ohne Paginierung).
[2] Vgl. Inschrift des Denkmals, insgesamt werden  141 Opfer  genannt: Gemeinde Fournes 45, Skines 32 (Nördliche Ortschaften:) Alikianos 13, Koufos 5, Vatolakkos 17, (Westlich Ortschaften:) Nea Roumata 5, Prases 12, (Südliche Ortschaften: ) Orthouni 9, Karanos 2, Meskla 1
[3] Bereits im Mai diesen Jahres fordete das Bündins eine Umbenennung der Brücke nach den Bad Reichenhaller Antifaschisten Johann Winkler und Gottfried Reischl gefordert, der Stadtrat blieb aber bis heute untätig. Vgl. Pressemitteilung BRH 2011-3 vom 14.05.2011
[4] Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer. Weitere Infos: www.kreta-film.net

Estland: Waffen-SS-Veteranen hielten Gedenk-Demo ab

Am 30. Juli 2011 haben sich in Sinimiae (Estland) noch lebende Mitglieder der 20. (estnischen) Waffen-SS-Division versammelt. Es gab auch eine antifaschistische Gegenkundgebung.
Diese Veteranen-Versammlungen werden regelmäßig auch von Weltkriegs-Veteranen aus Lettland und Finnland besucht.
Sinimiae ist der Ort an dem 1944 eine größere Schlacht zwischen den Deutschen und ihren Verbündeten und der Roten Armee stattfand.

SS-Treffen Sinimiae a

SS-Treffen Sinimiae b

SS-Treffen Sinimiae c

Quellen:

* Recurrences of Nazism: Estonian Waffen-SS vets hold another rally, 30. Juli 2011, http://english.ruvr.ru/2011/07/30/53951198.html
* News-Meldung: http://rt.com/news/ss-division-celebration-activists/

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (10.6.2011)

Rabatz: „Auch Name der Kaserne ist skandalös“

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten GebirgsjägerRegiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren¹“. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.

¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Bad Reichenhall a
OBEN: Reichsadler mit Edelweiß an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall NS-Wandbild
OBEN: nationalsozialistisches Wandgemälde an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall c
OBEN: Grab Rudolf Konrads am Reichenhaller Friedhof

Burschenschaft setzt sich für Wehrmachtsflieger und Ritterkreuzträger ein

Anti-Mölders
Der 1941 tödlich verunglückte Werner Mölders war ein Ritterkreuzträger und flog auch für die „Legion Condor“ Einsätze auf Seiten des faschistischen Putschisten und späteren Diktators Franco.
In der Bundeswehr gehörte Mölders als vermeintlich unpolitischer Leistungsträger lange zu den Traditionslinien.
Jagdgeschwader Mölders

Im Internet sind interne Mitteilungen aus dem korporierten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ aufgetaucht. In den Mitteilunge findet sich auch ein „Dringlichkeitsantrag von Rheinfranken Marburg betreffend die Tilgung des Names des Wehrmachts-Jagdfliegers Oberst Werner Mölders bei der Bundeswehr“ aus dem Jahr 2005.
In einem Brief, enthalten im Protokoll der Verhandlungen des Burschentages 2005, an den damaligen Verteidigungsminister Peter Struck heißt es u.a.

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
die Deutsche Burschenschaft, die Gemeinschaft deutscher Burschenschaften, die aus der in Jena
gegründeten Burschenbewegung von 1815 hervorgegangen sind oder sich zu ihr bekennen,
[…]
* die sich in ihrer jetzt 190-jährigen Geschichte stets zum Prinzip der Wehrhaftigkeit
bekannt hat,
* in deren Reihen zahlreiche Reserveoffiziere sind,
hat sich auf ihrem diesjährigen Burschentag in Eisenach, ihrem obersten Beschlußorgan,
eingehend mit Ihrer Entscheidung vom 28. Januar 2005 befaßt. Danach haben Sie, Herr
Minister, entschieden (wie der Presse vom Folgetag zu entnehmen war), daß der Jagdflieger Werner Mölders nicht mehr Namensgeber der Bundeswehrkaserne in Visselhövede in Niedersachsen und des in Neuburg an der Donau stationierten Jagdgeschwaders 74 der Bundesluftwaffe sein soll.
[…]
Auch nach gründlicher Auswertung aller uns zu diesem Thema zugänglichen Unterlagen sehen
wir uns nicht in der Lage, die ergangene Entscheidung nachzuvollziehen. Das liegt daran, daß
bisher wichtige Einzelheiten nicht veröffentlicht worden sind. Nachfolgend möchten wir unter
Beschränkung auf das Wesentliche diejenigen Punkte ansprechen, in denen unseres Erachtens
eine umfassende Unterrichtung der Öffentlichkeit nicht nur wünschenswert, sondern
erforderlich erscheint.
[…]
Wir hoffen, daß Sie, sehr geehrter Herr Minister, nicht zu diesen gehören und wünschen Ihnen
den Mut und die Bereitschaft, getroffene Entscheidungen aufgrund sachlicher Kritik zu
überprüfen und erforderlichenfalls zu ändern.

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Italien: Prozess gegen NS-Kriegsverbrecher in Verona

Aus einer Pressemitteilung der AG Reggio-Emilia:

Berlin, 19. Mai 2011

Verona: Einer der letzten großen Prozesse gegen deutsche NS-Täter kurz vor Urteilsverkündung

Lebenslange Haftstrafen beantragt/Prozessbeobachterin zu Gast in Berlin

Am 22. Juni wird das Urteil des Militärgerichts Verona gegen zehn ehemalige Wehrmachtsangehörige erwartet. Es ist einer der letzten NS-Prozesse dieser Größenordnung. Die Staatsanwaltschaft wird nach eigenen Angaben für alle Angeklagten lebenslange Haftstrafen beantragen. Nebenkläger sind hunderte Angehörige der Opfer, die Provinzen Toskana und Emilia Romagna und lokale Gemeindeverwaltungen.
Den ehemaligen Angehörigen der Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ wird vorgeworfen, im Frühjahr 1944 bei als „Partisanenbekämpfung“ getarnten Massakern in Norditalien über 400 ZivilistInnen ermordet zu haben. Trotz der Schwere der Vorwürfe wird in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt. Deutschland weigert sich bis heute, Täter aus der NS-Zeit ohne ihr Einverständnis auszuliefern:

„Die deutsche Regierung ist dafür verantwortlich, dass keine der im Ausland verurteilten NS-Täter jemals ihre Haftstrafen antreten müssen, sondern hier unbehelligt ihren Lebensabend genießen können“, so Anne Lepper, Pressesprecherin der AG Reggio-Emilia.

Ohne bisherige Berichterstattung in deutschen Medien findet der Prozess erst über 65 Jahre nach den Ereignissen statt. Viele Angehörige der Opfer sind mittlerweile gestorben.

Prozessbeobachterin Marianne Wienemann betont: „Der Prozess ist die längst fällige Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die von der Allgemeinheit verdrängt und vergessen wurde. Jetzt gilt es, diese aus den Mauern des Gerichtes in die Öffentlichkeit zu tragen!“

Marianne Wienemann wird auf Einladung der AG Reggio-Emilia vom aktuellen Stand in Verona berichten und auf Besonderheiten von NS-Strafprozessen in Italien eingehen. Sie ist freie Mitarbeiterin des Istoreco (Institut zur Geschichte der Resistenza und zur Zeitgeschichte in Reggio-Emilia) und steht nach Anmeldung gern für Interviews zur Verfügung.

Gespräch mit Prozessbeobachterin: „Die Angeklagten erscheinen nicht…“
Freitag, 27. Mai 2011, 19 Uhr, Statthaus Böcklerpark, Prinzenstr.1a, Berlin

Rechter Zeitzeuge von SS hetzt und wird festgenommen

Der Blog „BraunzoneBw“ berichtete in der Vergangenheit schon mehrmals über das neonazistische „Treffen der Generationen“ auf dem Altnazis aus Waffen-SS und Wehrmacht vor Neonazis referieren.
Wie der Berliner Blog „Berlin Rechtsaußen“ schreibt fand nun am 7. Mai 2011 das „4. Treffen der Generationen – Zentrale Gendenkveranstaltung für die Opfer des 8. Mai 1945“ statt und zwar in der so genannten „Erlebnisscheune“ in Kirchheim bei Erfurt (Thüringen).
Der Blog „Berlin Rechtsaußen“ schreibt:

Am vergangenen Samstag sollen vor allem in der Szene bekannte Berliner für die Unterhaltung der Anwesenden gesorgt haben. Neben dem ehemaligen Krankenpfleger des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der in Spandau lebende Abdallah Melaouhi, waren auch ein Mitglied der „Waffen SS Division Frundsberg“ und der Berliner Szene-Liedermacher Sebastian Döring, der unter dem Künstlernamen „Fylgien“ auftritt, angekündigt.

Gleichzeitig berichten die Medien in Zusammenhang mit der Veranstaltung von der Festnahme eines 89jährigen Berliners wegen Volksverhetzung und der Beschlagnahme seines Vortragpapiers. Offenbar hatte der Waffen-SS-Veteran in seine Zeitzeugen-Rede zuviel vom Geist des Nationalsozialismus einfließen lassen.

Quelle:

* „Treffen der Generationen“ mit Berliner Gästen, 10. Mai 2011, http://www.blog.schattenbericht.de/2011/05/%E2%80%9Etreffen-der-generationen%E2%80%9C-mit-berliner-gasten/

Wehrmachts-Zeitzeuge referierte bei Neonazis

Unter dem Titel “Mit dem DAK am Feind – Zeitzeugenvortrag am 7. November“ wurde von dem Neonazi-Newsportal „Netzwerk Mitte“ aus Dresden eine Veranstaltungsbericht veröffentlicht. DAK steht für „Deutsches Afrikakorps“ und war die Bezeichnung des von dem General Rommel geführten deutschen Heeres in Nordafrika. Das DAK war ursprünglich eine Unterstützung für die kolonialen Großmachtsambitionen des faschistischen Italiens im afrikanischen Mittelmeerraum gedacht. Durch Siege über die Briten trotz Unterlegenheit war das DAK und sein kommandierender Generalfeldmarschall Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“, sehr populär bei Hitler und der Bevölkerung Nazi-Deutschlands.
Wüstenfuchs Rommel
Bis heute genießen Rommel und sein DAK starkes Ansehen sowohl in der bürgerlichen Mitte als in Neonazi-Kreisen. In der bürgerlichen Mitte wird Rommel als scheinbar unpolitischer General, genialer Stratege und Widerstandskämpfer hochgehalten. Zwar wurde Rommel nach dem Stauffenberg-Attentat vom paranoiden Hitler zum Gift-Selbstmord gezwungen, aber für Verbindungen Rommels zur Militär-Opposition unter Stauffenberg gibt es keinerlei Beweis. Im Gegenteil, Rommel war bis dahin ausgesprochen „führertreu“ gewesen.
Auch das DAK hat keine weiße Weste. Unter der deutschen Besatzung Nordafrikas wurden die nordafrikanischen Juden massiv diskriminiert und im Gefolge Rommels fand sich auch eine Einsatzgruppe, ein Todesschwadron, dass für die jüdische Bevölkerung Palästinas bestimmt war.
Davon freilich erzählte der Zeitzeuge und ehemalige DAK-Soldat Rudolf Schneider aus Strauchitz bei Dresden, der zeitweise persönlicher Fahrer von Rommel war, seinen angeblich 140 Zuhörern (Eigenangabe) nichts.

Berichte von DAK-Veteranen scheinen bei extrem Rechten beliebt zu sein. Ein anderer DAK-Veteran und Waffen-SS-Freiwilliger, Wilhelm Langsam aus Göppingen, referierte unter dem Titel „Mit Rommel in Afrika und mit der Bibel um die Welt“ am 27. März 2010 bei der NPD Heilbronn. In dem Veranstaltungsbericht auf der NPD-Homepage heißt es:

Seine bisherigen Eindrücke vom politischen Wollen dieser Partei und dies, auch und gerade, im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Volkes und Staates, ließen ihn jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass seine Lebensmaximen und die der NPD im wesentlichen Deckungsgleich sind.
Seinen beeindruckenden Vortrag schloss er mit den Worten: „Ich bin einer von Euch“!
Auf diese Aussage können wir stolz sein!“

Wilhelm Langsam ist nicht nur irgendein Veteran, er ist der offizielle Vorsitzende des „Verband Deutsches Afrika- Korps“ e.V.

Dass Rommels Afrikakorps unter Neonazis einen legendären Ruf genießt, kann man auch daran erkennen, dass in den Szene-Versänden Kleidungsstücke mit Bezugnahme auf das DAK vertrieben werden wie die unten stehenden Bilder zeigen.

Afrika-Corps

Tshirt Afrikakorps