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Mittenwald: Gebirgstruppen-Veteranen mussten sich früher treffen

Bereits am 17. Mai 2009 fand die Gedenkfeier mit Messe des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ am Hohen Brendten bei Mittenwald (Oberbayern) statt. Es sollen zwischen 300 und 500 Personen daran teilgenommen haben.
Seit einiger Zeit treffen sich die Veteranen nicht mehr wie gewohnt zu Pfingsten, sondern müssen sich außerhalb des traditionellen Zeitpunktes versammeln. Diese Verschiebung ist dem Druck von KritikerInnen zu verdanken, die darauf aufmerksam machten, dass SS- und Wehrmachts-Einheiten der Gebirgsjäger massiv an Kriegsverbrechen, u.a. in Griechenland, beteiligt waren. Immerhin hatten der AK Distomo und der AK Angreifbare Traditionspflege weit über 100 potenzielle NS-Kriegsverbrecher aus den Reihen der Gebirgstruppe angezeigt.
Die Angehörigen dieser Einheiten gehören zu den Teilnehmern an den Traditionstreffen in Mittenwald und auch die Nachfolger dieser Einheiten in der Bundeswehr bezogen sich positiv auf Gebirgsjäger-Einheiten der Wehrmacht und ihre Anführer.
Am Pfingstsamstag fand in Mittenwald eine Demonstration des „AK Angreifbare Traditionspflege“ statt, auf der etwa 200 Demonstranten die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer forderten.

Quellen:
* * Joachim F. Tornau: Angriff auf konservative Gebirgsjäger, Frankfurter Rundschau, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1780835_Kriegsverbrechen-Angriff-auf-konservative-Gebirgsjaeger.html
* die Kampagnen-Homepage http://www.keine-ruhe.org/

Mittenwald-Nachlese

Treffen der Generationen
Hier eine kleine Zusammenfassung der Berichte über das 51. Gebirgsjägertreffen in Mitenwald.
Dieses Jahr waren es bedeutend weniger Bundeswehrsoldaten (unterstützten die Veranstaltung mit Kranzträgern, Kraftfahrern und Ehrenposten), Veteranen und ihre Verwandten, die nach Mittenwald fanden. Die Zeitungsberichte vermelden 5-800 Teilnehmer (2007: 1.500) an der traditionellen Feier auf dem Hohen Brendten.
Auch aus dem Ausland fanden Gäste zu dem Treffen. So wurde der österreichische Brigadier a. D. Josef Puntigam begrüßt. Puntigam, eheamliger Kommandant der Jägerschule und Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres, hatte das Vorwort zu dem 2006 im rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst und stand auch schon der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006) für ein Interview zur Verfügung. Brisant ist, dass man in Österreich um den mehr als zweifelhaften Charakter der Veranstaltung zu wissen scheint. Deshalb hat das österreichische laut „Junge Welt“ seinen Soldaten verboten hat, in Uniform daran teilzunehmen.
Als hochstehender Militär von deutscher Seite hatte der frühere NATO-General Klaus Reinhardt teilgenommen.
Die Tageszeitung „Junge Welt“ berichtet davon, dass der Vorsitzende der Ortskameradschaft Mittenwald in seiner Ansprache den Wehrmachtsgeneral Hubert Lanz zitierte, der die Gebirgstruppen einstmals als „Elite des Herzens und des Geistes“ bezeichnet hatte.
Lanz wurde, obwohl in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt, später Ehrenpräsident des Kameradenkreises der Gebirgsjägertruppe.

Protest
Am Samstag demonstrierten etwa 150 Antifaschisten stundenlang in der Innenstadt von Mittenwald.
Fast hätte es eine wirkungsvolle Intervention bei der Traditionsfeier auf dem „Hohen Brendten“ selbst gegeben. Der Regionalzug München-Mittenwald stoppte auf freier Strecke nahe dem Veranstaltungsort durch eine Notbremsung. Knapp fünfzig Demonstranten versuchten aus dem Zug heraus auf den „Hohen Brendten“ vorzudringen, wurden aber von der Polizei gestoppt.
Mittenwald 2008

Resümee
Zwar werden nach mehreren Jahren Protesten gegen die Veranstaltung und inzwischen gut dokumentierten und nachgewiesen Kriegsverbrechen, auch von den Veranstalten, z.B. beim Gedenkgottesdienst „Fehler“ der Soldaten im Zweiten Weltkrieg eingeräumt, aber die werden, sofern es sich nicht sowieso nur um Lippenbekenntnisse handelt, eher als schwarze Schafe hingestellt. Denn insgesamt, so das Bild, waren die Gibirgsjäger der Hitlerschen Wehrmacht und Waffen-SS ja tapfer. Dieses Bild ist auch ein offizielles. So heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Ulla Jelpke (Linksfraktion) von Seiten der Regierung
„Von einer verbrecherischen Geschichte der Gebirgstruppen zu sprechen,
ist historisch falsch.“

Quellen:

* Frank Brendle: Kriegsverbrecher geehrt. 800 Teilnehmer bei Wehrmachtsglorifizierung auf Gebirgsjägertreffen, in: „Junge Welt“ vom 05.05.2008
* Demonstranten stoppen Zug – Sturm auf Hohen Brendten gescheitert, in: Garmisch Partenkirchner Tageblatt vom 04.05.2008
* Joachim F. Tornau: Alte Kameraden mit schlechtem Gedächtnis, in: Frankfurter Rundschau vom 5. Mai 2008

* AK Angreifbare Traditionspflege: Entering Mittenwald, Pfingsten 2005