Archiv der Kategorie 'Traditionsverbände'

Wehrmachts-Zeitzeuge referierte bei Neonazis

Unter dem Titel “Mit dem DAK am Feind – Zeitzeugenvortrag am 7. November“ wurde von dem Neonazi-Newsportal „Netzwerk Mitte“ aus Dresden eine Veranstaltungsbericht veröffentlicht. DAK steht für „Deutsches Afrikakorps“ und war die Bezeichnung des von dem General Rommel geführten deutschen Heeres in Nordafrika. Das DAK war ursprünglich eine Unterstützung für die kolonialen Großmachtsambitionen des faschistischen Italiens im afrikanischen Mittelmeerraum gedacht. Durch Siege über die Briten trotz Unterlegenheit war das DAK und sein kommandierender Generalfeldmarschall Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“, sehr populär bei Hitler und der Bevölkerung Nazi-Deutschlands.
Wüstenfuchs Rommel
Bis heute genießen Rommel und sein DAK starkes Ansehen sowohl in der bürgerlichen Mitte als in Neonazi-Kreisen. In der bürgerlichen Mitte wird Rommel als scheinbar unpolitischer General, genialer Stratege und Widerstandskämpfer hochgehalten. Zwar wurde Rommel nach dem Stauffenberg-Attentat vom paranoiden Hitler zum Gift-Selbstmord gezwungen, aber für Verbindungen Rommels zur Militär-Opposition unter Stauffenberg gibt es keinerlei Beweis. Im Gegenteil, Rommel war bis dahin ausgesprochen „führertreu“ gewesen.
Auch das DAK hat keine weiße Weste. Unter der deutschen Besatzung Nordafrikas wurden die nordafrikanischen Juden massiv diskriminiert und im Gefolge Rommels fand sich auch eine Einsatzgruppe, ein Todesschwadron, dass für die jüdische Bevölkerung Palästinas bestimmt war.
Davon freilich erzählte der Zeitzeuge und ehemalige DAK-Soldat Rudolf Schneider aus Strauchitz bei Dresden, der zeitweise persönlicher Fahrer von Rommel war, seinen angeblich 140 Zuhörern (Eigenangabe) nichts.

Berichte von DAK-Veteranen scheinen bei extrem Rechten beliebt zu sein. Ein anderer DAK-Veteran und Waffen-SS-Freiwilliger, Wilhelm Langsam aus Göppingen, referierte unter dem Titel „Mit Rommel in Afrika und mit der Bibel um die Welt“ am 27. März 2010 bei der NPD Heilbronn. In dem Veranstaltungsbericht auf der NPD-Homepage heißt es:

Seine bisherigen Eindrücke vom politischen Wollen dieser Partei und dies, auch und gerade, im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Volkes und Staates, ließen ihn jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass seine Lebensmaximen und die der NPD im wesentlichen Deckungsgleich sind.
Seinen beeindruckenden Vortrag schloss er mit den Worten: „Ich bin einer von Euch“!
Auf diese Aussage können wir stolz sein!“

Wilhelm Langsam ist nicht nur irgendein Veteran, er ist der offizielle Vorsitzende des „Verband Deutsches Afrika- Korps“ e.V.

Dass Rommels Afrikakorps unter Neonazis einen legendären Ruf genießt, kann man auch daran erkennen, dass in den Szene-Versänden Kleidungsstücke mit Bezugnahme auf das DAK vertrieben werden wie die unten stehenden Bilder zeigen.

Afrika-Corps

Tshirt Afrikakorps

SS-Traditionsverband trifft sich Anfang November

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Bad Zwischenahn – Das 1967 gegründete „Kameradenwerk Korps Steiner e.V.“, die „Truppenkameradschaft der europäischen Freiwilligen in der Waffen-SS ‚III. Panzerkorps’“, will vom 4. bis 7. November sein diesjähriges Herbsttreffen durchführen.
Namensgeber des „Kameradenwerks“ ist der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS, Felix Steiner. Steiner wurde im März 1943 zum Kommandierenden General des III. germanischen SS-Panzerkorrps ernannt. Deren bekannteste Schlacht zog sich von Beginn 1944 bis zu ihrer Niederlage und dem folgenden Rückzug im Juli 1944 an der estnischen Stadt Narwa hin.
Zuletzt fand im Juli das Jahrestreffen des „Kameradenwerkes“ in der Rhön statt. Zugegen waren auch Kameraden aus Schweden, Finnland, Belgien, Niederlande und Österreich. Am Ende des Jahrestreffens wurde das einstige SS-Treuelied „Wenn alle untreu werden“ geschmettert.

Der Verein „Korps Steiner“ e.V. ist der Kameradschaftsverband des II. SS-Panzer-Korps.
Er soll 1999 rund 300 Mitglieder gehabt haben. Diese sind aber nicht alle Veteranen, da ihm auch nach 1945 geborene Personen beitreten können.
Vorsitzender war bzw. ist ein Kurt Meyer aus Mülheim.

Quellen:
* Anton Maegerle: Alte Kameraden, 05.10.2010, http://www.bnr.de/content/alte-kameraden-2
* „Das Nachkriegsnetz der SS“, in: Antifa Info Nr. 19 – Juli 1992, S. 18-21

Österreich: Ulrichsbergtreffen fand statt

Wie das rechte Onlinemagazin „Blaue Narzisse“ in einem Artikel schreibt fand vom 18. bis 19. September 2010 in Krumpendorf bei Klagenfurt in Kärnten (Österreich) die 50. Ulrichsberg-Gedenkfeier statt. Diese gibt es seit 1959, fiel aber letztes Jahr im offiziellen Rahmen aus.
Ausrichter war die Ulrichsberggemeinschaft, dessen Präsidenten Engelbert Tautscher auch die offizielle Begrüßung.
Das österreichische Bundesheer hat auf Grund von Protesten seine logistische und personelle Unterstützung zurückgezogen.
Laut „Blaue Narzisse“ sollen „rund 600 Teilnehmer zum Festakt nach Krumpendorf und am darauffolgenden Tag nach Herzogstuhl, wo die Hauptfeier in diesem Jahr stattfand“ gekommen sein. Gekommen waren Studentenverbindungen und FPÖ- bzw. FPK-Mitglieder, u.a. der Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch und der Vizekanzler a.D. Herbert Haupt.
„Blaue Narzisse“ berichtet auch von einem „am späten Tage abgehaltene Kameradschaftsabend“.
Möglicherweise handelt es sich dabei um das Treffen von SS-Veteranen im Hotel Krumpendorferhof im Rahmen des Ulrichsbergtreffen.

Lediglich 30 Gegendemonstranten protestierten gegen das Spektakel. Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr mehr Protest.

Quelle:
* „Blaue Narzisse Online“

Österreich: SS-Veteranen feiern mit ungarischen und österreichischen Neonazis

Das „ Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands“ berichtet in einer Meldung:

Im Rahmen der Feier seines 60. Geburtstages hielt die Landesgruppe Steiermark-Südburgenland des Österreichischen Soldatenverbandes/Kameradschaft IV (K IV) am 6. Juni im ungarischen Dég eine Gedenkveranstaltung ab. Laut einem Bericht auf alpen-donau habe eine Abordnung der neonazistischen und paramilitärischen Ungarischen Nationalen Front (MNA) auf Einladung der K IV an dieser Veranstaltung teilgenommen. Die ungarischen Neonazis schreiben, dass sie „mit großer Sympathie empfangen“ und zu einer weiteren Veranstaltung eingeladen worden seien.
Österreichische Neonazis berichten auf alpen-donau schon länger und voller Faszination angesichts der waffenstarrenden Kameraden von den zahlreichen Wehrsportübungen der MNA in vielen Regionen Ungarns. MNA-Führer István Györkös drohte öffentlich, dass „die neue Welt im Feuer, Schmutz und Blut geboren wird“ – worauf man sich (militärisch) vorbereite.
Die rechtsextreme K IV zählt u. a. den steirischen FPÖ-Abgeordneten Gerhard Kurzmann zu ihren Mitgliedern. Noch Anfang 2009 betonte er gegenüber der Wochenzeitung Falter, dass er „keinen Grund“ sehe, aus dem Traditionsverband der Waffen-SS auszutreten.

Eisernes Kreuz

Quelle:

* Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands: Ungarische Neonazis bei K IV, in: Neues von ganz rechts – Juni 2010, http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2010_06/k4.html

Lettland: alljährliches Waffen-SS-Veteranen-Treffen

In Lettlands Hauptstadt Riga sind trotz eines vom Stadtparlament ausgesprochenen Verbots am 16. März Veteranen der lettischen Waffen-SS aufmarschiert. Träger dieses Umzuges, der seit 1994 stattfindet, ist vor allem der Veteranenverband „Daugavas Vanagi“. Lange Zeit genoss dieser Umzug sogar die Unterstützung von Teilen der lettischen Politik, die am 1998 per Mehrheit im Parlament den 16. März zum Gedenktag erklärt hatte. Erst nach internationalen Protesten wurde der Gedenktag 2000 wieder gestrichen.
Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ schreibt zu den Hintergründen:

Am 16. März 1943 hatte die lettische Legion der Waffen-SS erstmals an Kämpfen gegen die Rote Armee bei Leningrad teilgenommen. Die lettische Waffen-SS bestand aus rund 146 000 Männern. Lettische Kollaborateure und deutsche Einsatzkräfte ermordeten 70 000 der 85 000 lettischen Juden. Die lettischen Veteranen pflegen enge Kontakte zu Gleichgesinnten in der Bundesrepublik. Noch vor wenigen Jahren waren „Lettland-Reisen“ ein fester Bestandteil der Jahresplanung des Hamburger Landesverbandes der Waffen-SS-treuen HIAG Hamburg unter Führung von Franz Schmitz. Angesagt bei Reisen dieser Art waren neben der Teilnahme an Aufmärschen so genannte Kameradschaftstreffen oder der Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs in Saldus. Umgekehrt nahmen Letten im Mai 2000 am 50-jährigen Jubiläum der HIAG Hamburg teil. Am 16. März 2006 waren Aktivisten des neonazistischen „Freundskreises Halbe“ beim Waffen-SS-Treiben in Riga vor Ort.

Quelle:
* am: , in „Blick nach Rechts“ vom 11.03.2010, http://www.bnr.de/content/waffen-ss-treiben-in-riga

Österreich: Ulrichsberg-Feier im kleinen Rahmen

Nach Presseberichten haben 150 Rechte vor allem von der FPÖ und deren Umfeld sich an einer Kranzniederlegung beim umstrittenen Heimkehrerdenkmal beteiligt. Dagegen protestierten 60 AntifaschistInnen.
Doch neben der FPÖ-Wandertour scheint es noch weitere Besuchsgruppen auf dem Ulrichsberg gegeben zu haben. Die österreichische Presse veröffentlichte ein Bild, dass beweist das der wohl bekannteste österreichische Neonazi, Gottfried Küssel, auch auf dem Berg war. Eventuell sogar mit der FPÖ-Delegation.

Quellen:
* Fritz Kimeswenger: Neonazi Küssel am Ulrichsberg, „Kärntner Krone“, 22.09.09, http://www.krone.at/krone/S25/object_id__162650/hxcms/
* APA: FPÖ-Wandertag auf den Ulrichsberg ohne Zwischenfälle, 20.09.09, http://derstandard.at/fs/1252771755475/FPOe-Wandertag-auf-den-Ulrichsberg-ohne-Zwischenfaelle

Österreich: braune Nester in der Armee

Unter der Überschrift „Die Traditionspflege des Bundesheeres“ versucht ein knapper Kommentar in der Tageszeitung „Der Standart“ kritisch zu reflektieren, wie es mit dem Traditionsverständnis der österreichischen Armee, dem „Bundesheer“, aussieht. So wir auch im Zusammenhang mit der Beteiligung des Bundesheeres an der Ulrichsberg-Gedenkfeier von Waffen-SS- und Wehrmachtsveteranen konstatiert: „Gut möglich, dass da auch unbehelligte Kriegsverbrecher transportiert wurden.“
Unter Bezug auf einen Essay in der Österreichischen militärischen Zeitschrift (ÖMZ) von General i.R. Hubertus Trauttenberg und Hauptmann d.Res.i.R. Gerhard Vogl heißt es weiter:
„Die Traditionspflege und – wichtiger – die Mentalität der Offiziere orientierte sich jahrzehntelang an der Deutschen Wehrmacht – von unkritischer Anbetung der militärischen Leistungen und einem falschen Ehrbegriff („Eid geleistet“ ) bis zu klassisch neo-nazistischer Ideologie.
Erst in den letzten Jahren begann man zaghaft die Frage zu stellen, ob man einem verbrecherischen Regime gegenüber seinen Eid halten oder „seine Pflicht tun“ (Kurt Waldheim) muss; wurden Offiziere, die im Widerstand waren und starben, mit Kasernenbenennungen, Gedenktafeln etc. geehrt. Rechte Tendenzen im Heer gibt es immer noch (und schon wieder). Einer der engsten Mitarbeiter von Generalmajor Raffetseder (Militärkdo. OÖ) behauptete, die Ernennung von General Trauttenberg zum Adjutanten von Bundespräsident Klestil sei das „Werk einer jüdischen Lobby“ . Der Militärgeistliche Superior Siegfried Lochner, der die Absolventen der Militärakademie in Wr.Neustadt betreut (und H.-C. Strache firmte), behauptet, der von den Nazis ermordete Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter verdiene praktisch nicht seinen Status als christlicher Märtyrer, weil sich Hitlerdeutschland ab 1943 in einem „Verteidigungskrieg“ (!) befunden habe. Handlungsbedarf für Kardinal Schönborn.
Das Verteidigungsministerium war lange Zeit eine Domäne der ÖVP, die auf die ländlichen Kameradschaftsbünde Rücksicht nahm, und der FPÖ, die mehr als bedenkliche Kader (u.a. einen schlagenden „Olympen“ im Heeresnachrichtenamt) unterbrachte. Das Heer ist an sich in keinem guten Zustand. Es braucht nicht auch noch die Duldung oder gar Förderung rechtsextremer Tendenzen. Deswegen war die Absage an den Ulrichsberg so wichtig; nun sollte ein weiteres Vorgehen gegen diverse „Nester“ folgen.“

Quellen:

* Hans Rauscher: Die Traditionspflege des Bundesheeres, in: „Der standart“, 02.09.09, http://derstandard.at/fs/1250691754448/Die-Traditionspflege-des-Bundesheeres
* Siehe auch: Feiger Fortschritt: Veteranen der Waffen-SS feiern am Ulrichsberg 50-jähriges Jubiläum, 22.8.2009, http://www.profil.at/articles/0934/560/249316/feiger-fortschritt-veteranen-waffen-ss-ulrichsberg-50-jaehriges-jubilaeum

Nun doch noch Ulrichsberg-Feier?

Die politische Rechte in Österreich soll angeblich nach der Absage der 50. Ulrichsberg-Feier eine eigene Feier auf dem Ulrichsberg veranstalten. Ausrichter der Feier am 20. September ist u.a. die FPÖ-Kärnten. Diese jedoch fährt zurück. Laut der Homepage der FPÖ-Kärnten veranstaltet die FPÖ nun keine echte Ulrichsbergfeier, sondern „lediglich eine Kranzniederlegung im Namen von Franz Schwager und Harald Jannach“. Sie „freuen sich über jeden weiteren Teilnehmer“.

Quellen:
* DiePresse.com: Kärnten: FPÖ veranstaltet eigenes Ulrichsbergtreffen, 03.09.09, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/505855/index.do?_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/index.do
* Eurorex: Österreich: Neonazis mobilisieren zur Kranzniederlegung der FPÖ am Ulrichsberg, 13.09.2009, http://www.eurorex.info/2009/09/13/osterreich-neonazis-mobilisieren-zur-kranzniederlegung-der-fpo-am-ulrichsberg/
* Eurorex: Österreich: FPÖ-Chef bezeichnet Deserteure der Wehrmacht als Mörder, 13.09.2009, http://www.eurorex.info/2009/09/13/osterreich-fpo-chef-bezeichnet-deserteure-der-wehrmacht-als-morder/

Lesetipp: Ulrichsberg wegpusten

Die 30seitige Textsammlung „Ulrichsberg wegpusten“ des AK gegen den Kärntner Konsens 2009 enthält äußerst interessante Beiträge. Diese beziehen sich nur zum Teil auf direkt auf die Veteranenfeier auf dem Ulrichsberg in Kärnten, die sich dieses Jahr zum 50.ten Mal jährt bzw. die Gegenproteste, die sich zum 5.ten Mal jähren.
Es geht nicht nur um die deutschnationalen Burschenschaften als mutmaßliche Fortsetzer der Feier nach dem Aussterben der „Erlebnisgeneration“. Ein Beitrag beispielsweise widmet sich kritisch dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann und Austrofaschisten Jörg Haider und dessen Hetze gegen Slowenen, Asylbewerber und Linke.
Prädikat: Sehr lesenswert.

* Download: http://u-berg.lnxnt.org/materialien/ubergbroschuere2009_web.pdf

Österreich: erst Ulrichsberg ohne Armee und dann Totalausfall

An dem seit 1958 stattfindenden Treffen von Wehrmachtssoldaten und Angehörige der Waffen-SS auf dem Ulrichsberg in Kärnten dürfen Angehörige des österreichischen Bundesheers nicht teilnehmen. Das hat der österreichische Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) dem Bundesheer verboten, weil es dort zu wenig Distanz zu NS-Gedankengut gebe. Das fällt dem Verteidigungsminister relativ spät ein, nachdem sich Bundesheer und österreichische Politiker über Jahrzehnte an der Feier beteiligt hatten.
Wirklich konsequent ist das Verbot ohnehin nicht. Laut Nachrichtenmeldung erlaubte Darabos, dass Soldaten in ihrer Freizeit an dem Treffen teilnehmen.

Inzwischen wurde das für den 20. September geplante 50. Ulrichsberg-Treffen erst einmal ganz abgesagt, soll aber bald in einer Halle nachgeholt werden. Offiziell wurden die Proteste von Gegnern des Treffens als Grund für die Absage benannt. Aber es dürfte auch die Absage des Militärs, dass bisher Musik und den Shuttle-Transport stellte, und die Anzeige gegen den geschäftsführenden Obmann (Vorsitzenden) der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Wolf Dieter Ressenig, wegen NS-Wiederbetätigung (konkret wegen Verkauf von NS-Devotionalien) eine Rolle gespielt haben. Präsident Rudolf Gallob (SPÖ) und Obmann Peter Steinkellner traten zwischenzeitlich zurück.
Wenig überraschend: Die beiden rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ bedauerten die Absage.

Hintergrund: Der Dachverband „Verein für die Heimkehrergedenkstätte Ulrichsberg“ (Ulrichsberggesellschaft) mit Sitz in Klagenfurt richtet die alljährliche Ulrichsberg-Gedenkfeier aus. Die Generalversammlung der Ulrichsberg-Gemeinschaft besteht aus den Vertretern von 40 Mitgliedsvereinen. Darin sind u.a. vertreten: die „Kameradschaft der Ritterkreuzträger“, die „Kameradschaft ehemaliger Gebirgsjäger“, die Vertriebenenlobby „Volksdeutschen Landsmannschaften“ (VLÖ), der „Österreichische Kameradschaftsbund“ oder der deutschnationale „Kärntner Abwehrkämpferbund“.

Quellen:
* Bundesheer darf nicht zum Wehrmacht-Treffen, in: „Der Focus“, 25.08.09, http://www.focus.de/politik/ausland/ns-gedankengut-bundesheer-darf-nicht-zum-wehrmacht-treffen_aid_429364.html
* Klaus Höfler: Ulrichsbergtreffen abgesagt: „Berg kann ja nichts dafür“, 27.08.09, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/504453/index.do?from=gl.home_politik
* red/APA: Veranstalter sagen Ulrichsberg-Treffen ab, in: „Der Standart“, 27. August 2009, http://derstandard.at/fs/1250691370275/Kaernten-Veranstalter-sagen-Ulrichsberg-Treffen-ab
* Walter Fanta, Valentin Sima (Hg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute; Klagenfurt 2003, 195-203
* DÖW: Nazi-Devotionalienhändler in Ulrichsberggemeinschaft, Neues von ganz rechts – Juli 2009, http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/2009_07/ulrichsberg.html

Rechtspopulistischer Kandidat ist Wehrmachts-Veteran

Die „Antifaschistischen Nachrichten“ berichten:

Mit Gerhard-Josef Hiller bewirbt sich für „Pro NRW“ im Bonner Wahlbezirk 05 ein ehemaliger Angehöriger der 21. Panzerdivision des „Deutschen Afrika-Korps“. Leserbriefe von Hiller finden sich u.a. in der Zeitschrift „Soldat im Volk“ des „Verband Deutscher Soldaten“, zu dem das Bundesverteidigungsministerium vor einigen Jahren wegen seiner extrem rechten Positionen ein Kontaktverbot ausgesprochen hatte.

Quelle:
* hma: „Pro NRW“-Kandidaten, aus: Antifaschistische Nachrichten 16/August 2009, http://www.nrw.vvn-bda.de/hma/an_2009_16.htm

Waffen-SS-Treffen in Estland

Wie in den Jahren zuvor versammelten sich auch dieses Jahr Veteranen der Waffen-SS in Sinimäe/Narva (Estland). Es war das Treffen der Veteranen der 20. SS-Division, die vor allem im „Bund der estnischen Freiheitskämpfer“ (3.000 Mitglieder) organisiert sind. Der „Bund der estnischen Freiheitskämpfer“ verfügt sogar mit dem „Club der Freunde des Estnischen Legion“ über eine eigene Jugendorganisation.
Dieses Treffen war das 65. Jubiläum der Kampfhandlungen gegen die Rote Armee. Deswegen sollen mehr Teilnehmer als üblich anwesend gewesen sein. Laut Bericht schwanken zwischen 400-1500 Teilnehmern. Es sollen auch Vertreter aus Litauen, Lettland, Holland, Norwegen, Dänemark und sogar Georgien teilgenommen haben. Fünf Gegendemonstranten, die sich als KZ-Häftlinge verkleidet hatten, wurden von der Polizei als „Friedensbrecher“ festgenommen.

Quellen:
* Blogartikel “Sinimäe, 26.07.09”, http://kloty.blogspot.com/
* Festnahmen bei Kundgebung gegen Waffen-SS-Treffen, Der Standart, 27.07.2009, http://derstandard.at/fs/1246543132824/Festnahmen-bei-Kundgebung-gegen-Waffen-SS-Treffen

SS-Veteranen trafen sich 2008 in der Ukraine zum 65.

In Iwano-Frankiwsk in der Ukraine gab es nach Angaben der extrem rechten Zeitschrift „Neue Ordnung“ Ausgabe II/2008 im Jahr 2008 zum 65. Jahrestag der Gründung der SS-Division Galizien eine Parade der Ex-Mitglieder.

iwano-Frankiwsk

Mittenwald: Gebirgstruppen-Veteranen mussten sich früher treffen

Bereits am 17. Mai 2009 fand die Gedenkfeier mit Messe des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ am Hohen Brendten bei Mittenwald (Oberbayern) statt. Es sollen zwischen 300 und 500 Personen daran teilgenommen haben.
Seit einiger Zeit treffen sich die Veteranen nicht mehr wie gewohnt zu Pfingsten, sondern müssen sich außerhalb des traditionellen Zeitpunktes versammeln. Diese Verschiebung ist dem Druck von KritikerInnen zu verdanken, die darauf aufmerksam machten, dass SS- und Wehrmachts-Einheiten der Gebirgsjäger massiv an Kriegsverbrechen, u.a. in Griechenland, beteiligt waren. Immerhin hatten der AK Distomo und der AK Angreifbare Traditionspflege weit über 100 potenzielle NS-Kriegsverbrecher aus den Reihen der Gebirgstruppe angezeigt.
Die Angehörigen dieser Einheiten gehören zu den Teilnehmern an den Traditionstreffen in Mittenwald und auch die Nachfolger dieser Einheiten in der Bundeswehr bezogen sich positiv auf Gebirgsjäger-Einheiten der Wehrmacht und ihre Anführer.
Am Pfingstsamstag fand in Mittenwald eine Demonstration des „AK Angreifbare Traditionspflege“ statt, auf der etwa 200 Demonstranten die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer forderten.

Quellen:
* * Joachim F. Tornau: Angriff auf konservative Gebirgsjäger, Frankfurter Rundschau, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1780835_Kriegsverbrechen-Angriff-auf-konservative-Gebirgsjaeger.html
* die Kampagnen-Homepage http://www.keine-ruhe.org/

Dokumentiert: Aufruf zum Protest in Mittenwald zu Pfingsten 2009

„Auf nach Mittenwald! Die militaristische Traditionspflege der Gebirgsjäger angreifen!
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrecher!

Seit Anfang der 1950er Jahre versammeln sich alljährlich junge Soldaten aus aktiven Gebirgsjäger-Einheiten und alte Kameraden aus Wehrmachtsverbänden im bayerischen Mittenwald. Gemeinsam ehren sie ihre Toten aus zwei Weltkriegen und den Kriegen der Gegenwart. Traditionspflege bedeutet für sie: Die Massaker und andere Kriegsverbrechen, die die Gebirgstruppe während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland, Italien, Frankreich und anderen von Deutschland besetzten Ländern Europas begingen, ungebrochen als heldenhaftes soldatisches Handeln zu glorifizieren und in dieser Linie ihre aktuellen Kriegseinsätze abzufeiern.
Gegen diesen militaristischen Kult protestieren wir seit sieben Jahren.
So auch in diesem Jahr.
Mittenwald steht exemplarisch für die Verquickung von deutschem Militär, Kirche und Gesellschaft. Wie einst die Wehrmacht, ist heute die Bundeswehr der größte Arbeitgeber im Ort. Die gesamte Stadt ist mit ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Struktur auf das Engste mit dem Militär verbunden. Das schafft Loyalitäten mit Mördern und Kriegsverbrechern, die schwerer wiegen als die offenkundig zu abstrakt gebliebene politisch-moralische Verpflichtung, sich mit deren Opfern auseinander zu setzen und dieser zu gedenken. Bis heute weigert sich die Gemeinde beispielsweise, für die Opfer von Massakern der Gebirgstruppe der Wehrmacht auf Kephallonia und in Falzano ein Denkmal zu errichten. Gemeinsam mit Überlebenden der nationalsozialistischen Besatzungs- und Vernichtungspolitik werden wir der Stadt deshalb in diesem Jahr ein bleibendes Denkmal übergeben, einen „Stein des Anstoßes“, der die Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen am Standort der 1. Gebirgsjägerdivision in den Ort tragen und befördern soll.
Unsere Kampagne „Angreifbare Traditionspflege“ hat die Gebirgstruppe in die Defensive gezwungen. Seit unserer ersten Intervention in Mittenwald 2002 nahm eine stetig wachsende Öffentlichkeit zur Kenntnis, welche Kriegsverbrechen Gebirgsjäger zu verantworten haben. Der dadurch gewachsene politische Druck führte unter anderem zu dem Verfahren gegen das Mitglied des Kameradenkreises Josef Scheungraber, der seit September 2008 in München vor Gericht steht. Seine Einheit hatte im August 1944 als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 15 ZivilistInnen in Falzano di Cortona in ein Bauerhaus gesperrt und es dann gesprengt. Bis auf einen 15-jährigen Jungen kamen alle Personen ums Leben. Das italienische Militärgericht in La Spezia verurteilte Scheungraber wegen dieses Verbrechens 2006 zu lebenslanger Haft. Es ist zwar ein Erfolg, dass der Prozess gegen Scheungraber nun überhaupt auch in Deutschland stattfindet und dass das Verbrechen auch hier nicht länger unter den Teppich gekehrt werden kann. Dennoch wird das Verfahren wohl leider auf einen Freispruch hinauslaufen. Damit wäre ein zentrales Ziel nicht erreicht: Ein insbesondere für die Angehörigen der Ermordeten offizielles Anerkennen, dass es sich um ein Kriegsverbrechen gehandelt hat.
Auch in Mittenwald selbst hat sich seit Beginn unserer Proteste einiges geändert:
Im Jahr 2001 konnte das Traditionstreffen noch als größtes deutsches Soldatentreffen mit bis zu 5000 TeilnehmerInnen rechnen. In den letzten Jahren kamen allerdings (nur) noch 500 bis 1000 Kameraden, KumpanInnen und Kriegsverbrecher auf den Hohen Brendten. Dies ist zum einen sicher der Tatsache geschuldet, dass viele unterdessen verstorben sind. Zum anderen ist aber sicher vielen der Spaß an ihrem geselligen Zusammensein mit den Kameraden gründlich verdorben, da sie jedes Jahr aufs neue mit dem Vorwurf konfrontiert werden, keine Kriegshelden, sondern Mörder zu sein.
Der wiederkehrende Protest hat zudem dafür gesorgt, dass immer weniger TouristInnen in Mittenwald einen Ort für ruhiges Entspannen sehen. Seit zwei Jahren muss die Traditionsfeier daher auf Drängen der Gemeinde Mittenwald auf andere Termine verlegt werden. Auch in diesem Jahr haben die Kameraden angekündigt, ihr Treffen zwei Wochen vor dem Pfingsttermin abzuhalten. Stattdessen werden wir zu Pfingsten vor Ort sein und den traditionellen Termin ihrer Heldenfeier inhaltlich neu besetzen:
Im Mittelpunkt werden gemeinsam mit Überlebenden die Erinnerung an die NS-Opfer und die Verbrechen der Täter stehen. Wir wollen damit den Teil der Kampagne abschließen, der sich gegen die Brendtenfeier und die Vertuschung der Verbrechen richtet. Mit dem Denkmal für die Bevölkerung Mittenwalds werden wir einen „Stein des Anstoßes“ im Ort der Täter schaffen, in dem sich die das Gedenken an die Opfer deutscher Kriegsverbrechen und deren Forderung nach Entschädigung manifestiert. Bildlich gesprochen: In Mittenwald ist jeden Tag Pfingsten. Die Leugnung der Kriegsverbrechen und die Verhöhnung der Opfer findet in der alljährlichen Brendtenfeier ihre Zuspitzung, doch sie ist Teil des Alltags im Divisionsstandort Mittenwald. Unsere Intervention zielt darauf, in diesem deutschen Alltag einen Ort des Erinnerns und der alltäglichen Auseinandersetzung zu schaffen.
Die Verdrängung der Verbrechen, die Auslöschung der Erinnerung an die Opfer und die Straflosigkeit der Täter ist die Voraussetzung für den Militarismus von heute. Die deutsche Justiz hat zum einen praktisch niemanden für die Massaker der Gebirgsjäger verurteilt. Deutsche Täter hatten im Nachkriegsdeutschland nichts zu befürchten. Zum anderen weigert sich die Bundesregierung bis heute, die Opfer oder deren Angehörige von SS-und Wehrmachtsmassakern in Italien und Griechenland zu entschädigen. Nun reichte die Bunderegierung sogar gegen rechtskräftige Urteile italienischer und griechischer Gerichte, die Deutschland zu Entschädigungszahlungen verpflichten, Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein. Dabei beruft sie sich auf die Staatenimmunität. In einer Zeit, in der die Bundeswehr, darunter zahlreiche Einheiten der Gebirgsjäger, weltweit Krieg führt, ist es offenbar notwendig, den Militärs juristisch den Rücken frei zu halten. Denn seit Mitte der 1990er Jahre kämpfen Gebirgsjäger in der Bundeswehr als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos „Spezialkräfte“ an zahlreichen Kriegsschauplätzen. Auch die Kriege der Gegenwart sind ohne Mord, Vergewaltigung und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung nicht denkbar.
Diesem Zusammenhang zwischen der Entsorgung der Geschichte und dem aktuellen aktuellen Militarismus werden wir uns in Zukunft verstärkt widmen. Neben der historisch ausgerichteten Thematisierung des Militarismus werden die Unterstützung der Entschädigungsforderungen der NS-Opfer sowie die Forderung und kritische Begleitung von Gerichtsverfahren gegen deutsche Kriegsverbrecher ein wichtiger Bestandteil unserer antifaschistischen Initiativen sein. Diese historisch eingebettete Auseinandersetzung kann nicht umhin, auch den aktuellen Militarismus in die Fokus zu nehmen. Das Militär hat keine Zukunft. Es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen Entwicklung der Menschheit entgegensteht, in Mittenwald und überall.“

Quelle: http://www.keine-ruhe.org/node/109

SS-Veteranen-Aufmarsch in Riga verboten

Die russische Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ berichtete, dass ein für den 16. März geplanter Marsch ehemaliger lettischer SS-Legionäre, von Stadtverwaltung von Riga verboten wurde. Am 16. März wurde in Lettland bislang jährlich von ehemaligen Angehörigen der lettischen Legion, einer Division der Waffen-SS, gedacht.
Seit 1998 findet am 16. März ein Treffen von ehemaligen Mitgliedern der 15. SS-Division (auch: „Lettische Legion“) statt. Am 16. März 1944 kam es zu einer russisch-sowjetischen Schlacht am Fluß Welikaja unter lettischer Beteiligung auf deutscher Seite.
An den vergangenen Treffen nahmen hohe lettische Politiker und Militärs teil. Der 16. März wurde vom lettischen Parlament auch offiziell zum „Tag des Gedenkens des lettischen Kriegers“ ernannt. Vermutlich nahmen in Vergangenheit auch deutsche SS-Mitglieder an den Feierlichkeiten teil.

Spiegel-Online berichtete unterdessen am 16.03.2009, dass trotz des Verbotes hunderte Veteranen der Waffen-SS in Riga aufmarschierten. Der eigentlich verbotene Aufmarsch wurde demnach auch noch von einem starken Polizeiaufgebot von Protesten abgeschirmt.

Quellen:

* RIA Novosti: Lettische Opposition begrüßt Verbot für SS-Marsch in Riga, 09.03.09, http://www.de.rian.ru/society/20090309/120481815.html
* AFP: Latvian court bans Waffen SS veterans‘ parade, demo, 15.03.09, http://www.ejpress.org/article/35362
* fsc/AFP: Veteranen der Waffen-SS marschieren durch Riga, 16.03.09, Spiegel-Online, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,613677,00.html

Traditionsverband trifft Bundeswehr

Der bis heute bestehende „Traditionsverband ehemaliger Kolonial- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ beruft sich auf eine über 100jährige Tradition von „Kolonialkriegervereinen“. Die Veteranen, die sich in diesen Vereinen sammelten waren beteiligt an allerhand Massakern und Aufstandsniederschlagungen der gegen ihren Willen Kolonisierten und Ausgebeuteten.
Traditionsverband in Farbe

Die deutsche Kolonialherrschaft kostete mehrere hunderttausend Menschen das Leben. Allein bei dem Boxerkrieg in China, in dem mit deutscher Beteiligung ein Aufstand brutal niedergeschlagen wurde, starben Tausende. Nach der Entsetzung des Diplomatenviertels sandte der deutsche Kaiser Wilhelm II fast 20.000 deutsche Soldaten nach China und hetzt sie vor ihrer Abfahrt am 27. Juli 1900 in Bremerhaven mit seiner berüchtigten Hunnen-Rede auf, in der er dazu auffordert keine Gefangene zu machen.
Bei der Niederschlagung von Aufständen in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1903 bis 1909 starben etwa 70.000 Einheimische und bei der Niederschlagung des Maji-Maji-Krieges 1905 im Süden des heutigen Tansania durch deutsche Truppen und ihre arabischen und einheimischen Verbündeten kam es zu über 150.000 Toten.
Bei den Kämpfen zwischen britischen und deutschen Kolonial-Truppen unter General von Lettow-Vorbeck in Ostafrika starben 1914-17 hunderttausende von Menschen, in der Mehrheit Zivilisten.

Es ist notwendig, dass unsere Zivilisation ihren Tempel auf Bergen von Leichen, auf einem Ozean von Tränen und auf dem Röcheln unzähliger Sterbenden errichtet.

Graf Haseler (1893)

Heute sammeln sich im Traditionsverband natürlich keine Veteranen mehr. Der letzte Schutztruppen-Angehörige im Traditionsverband verschied 1991. Die neue Generation besteht aus Kolonialnostalgikern und Kolonialgeschichtsrevisionisten, die nicht selten aus den Reihen der Bundeswehr entstammen oder über familiäre Verbindungen zur deutschen Kolonialgeschichte verfügen. Auch einige politisch weit rechts stehende Personen engagieren sich im Traditionsverband. Dieser darf auch insgesamt als äußerst rechtslastig eingestuft werden.

Bei der Durchsicht des Verbandsorgan „Mitteilungsblatt“ wird eine jahrzehntelange gute Beziehung zwischen Traditionsverband und Bundeswehr offenbar. Eine Auswahl an Zitaten im Folgenden spricht für sich.

Über die Beisetzung des Generals v. Lettow-Vorbecks am 13. März 1964 in der Familiengrabstätte in Pronstorf (Schleswig-Holstein) heißt es:

Von den Morgenstunden an hielten dort am Sarge sechs Stabsoffiziere der 6. Panzergrenadier-Division Neumünster die Totenwache.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Nach der Feier in der Kirche nahmen das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der 6. Panzergrenadier-Division sowie ein Ehrenzug des Borkumer Seebataillons der Marine auf dem Friedhof Aufstellung, um dem Toten die letzten militärischen Ehren zu erweisen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch erklang hierbei das „Preußen-Lied“.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Von der Bundeswehr nahmen hohe Offiziere an der Beisetzung teil – u.a. der Befehlshaber im Wehrbezirk I, Konteradmiral Rösing, der Kommandeur der 6. Panzergrenadier-Division, Generalmajor Haag, der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor de Maziere.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 4)

Über die Trauerrede des Bundesverteidigungsministers und späteren Verbandmitglieds von Hassel heißt es:

Der neuen Bundeswehr habe der General wesentliche Elemente der militärischen Führungskunst vorgelebt, indem er sich selbst die gleichen hohen Leistungen abforderte, wie seinen Untergebenen. Seine Kriegsführung auf der Grundlage von Ritterlichkeit und Anständigkeit verdiene den dank der jungen Generation.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 5)

Eine weitere Beziehung ergab sich zum Instandsetzungsbataillon 6 der Bundeswehr. Dieses Bataillon war in der Kaserne untergebracht, die den Namen des Generals trug. Hier war vor dem Krieg das Infanterieregiment 69 der Wehrmacht kaserniert, das ebenfalls die Tradition der deutschen Schutztruppe fortgeführt hatte.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 54)

Der Vorsitzende KLAUS VOLLMER [ein Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr; B-Bw] konnte dank seiner ehemaligen Dienststellung bei der Bundeswehr nicht nur die Verbindung mit der ´Aktiven Truppe´ intensivieren.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 72)

Traditionsverband und Auslandseinsätze
Das Cover des Verbandsblattes beweist, dass der Traditionsverband die Auslandseinsätze der Bundeswehr in kolonialer Tradition sieht

Zwischen Wehrmacht und Bundeswehr

Ein Ausschnitt aus dem Artikel „Gute Fragen und Schwarze Uniformen“ über den Münchner Prozess gegen den ehemaligen Gebirgsjäger und mutmaßlichen Kriegsverbrecher Scheungraber, erschienen im „Antifaschistischen Infoblatt“ Nr. 81 – Jan-Febr/2009.

Links neben Scheungraber sitzt dann noch der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Rainer Thesen. Er ist der bunteste Vogel unter dessen Verteidigern: Mitglied im Beirat des 1. FC Nürnberg, eifriger Leserbrief- und Aufruf-Unterschreiber u.a. für die »Junge Freiheit« und stolzer Bundeswehr-Oberst der Reserve. Wer in die obskuren Denkwelten dieses Advokaten eintauchen möchte, kann sich mal seinen Vortrag vom 28. November 2006 vor der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Nürnberg, mit dem einladenden Titel »Erschießungen von Geiseln, Sühnegefangenen und sonstigen Zivilpersonen im II. Weltkrieg« gehalten, durchlesen. Eines deutschen Soldaten, so Thesen im Kasernenton, seien die vorgeworfenen Taten unwürdig, und er beruft sich dabei auf die »damals geltenden Vorschriften der deutschen Wehrmacht«. Zynischer geht es kaum, nachdem die Menschheits-Verbrechen der deutschen Armeen im Zweiten Weltkrieg unterdessen sattsam dokumentiert und belegt sind. Aber, wie gesagt, die Verteidiger bewegen sich ganz offenbar in weltanschaulichen Kreisen, in denen Geiselerschießungen und Sühnemaßnahmen an der Zivilbevölkerung als »bedauerliche« Späne gelten, die unter dem Hobel Krieg zu fallen pflegen. So ist das halt im Krieg, da darf man nicht so zimperlich sein wie die verweichlichten Nachkriegsgenerationen. Thesen hat umfängliche Beweisanträge gestellt, die im Tenor besagen, dass, wer nicht selbst im Krieg war oder militärische Ausbildung genossen hat, nichts zum Geschehen 1944 in Falzano di Cortona beitragen könne. Dazu müsse dann schon ein »Sachverständiger« mit dem nötigen Stallgeruch wie der umtriebige »Militärhistoriker«, Interview-Partner der »Jungen Freiheit« und ebenfalls Oberst der Reserve, Klaus Hammel, herbeizitiert werden.

Quelle:
* Friedrich C. Burschel: Gute Fragen und Schwarze Uniformen, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 81 – Jan/Febr-2009, http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/81/20.php#7

Geschichte eines Nazi-„Heldengedenkens“ und sein Revival

Auf dem Waldfriedhof in Essel in der Lüneburger Heide kam es in Vergangenheit zu einem beständigen Gedenken alter und neuer Nazis, dass Mitte der 1990er einschlief.
In den vergangenen Jahren lebte dieses Gedenken aber wieder auf, sowohl bei Alt- als auch bei Neonazis. „Recherche Nord“ hat dazu einen sehr lesenswerten Beitrag verfasst. Dessen Lektüre wird Interessierten unbedingt empfohlen. Im Folgenden wird der Inhalt dieses Beitrages verkürzt wiedergegeben.

Historischer Hintergrund der so genannten „Heldengedenken“ in Essel war eine für die deutsche Seite militärisch sinnlose Schlacht um den „Aller-Brückenkopf“, der ganz im Sinne von Hitlers Aushalte-Befehlen verteidigt wurde. Dabei kämpften auf deutscher Seite Angehörige einer Marine-Einheit, Panzer-Grenardiere und Mitglieder der Waffen-SS.
Fünf Jahre nach Kriegsende wurde von der Gemeinde ein Soldatenfriedhof errichtet, worauf 114 gefallene Soldaten bestattet sind.
Schnell wurde aus dem Friedhof ein „Wallfahrtsort für Alt- und Neonazis“ („Recherche Nord“).

Der Waffen-SS-Traditions-Verein „Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen SS“ (kurz: „HIAG“) konnte bis in die 1970er Jahre problemlos mit Gemeinevertretern, örtlichen Vereinen und dem „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (VDK) am jährlichen Gedenken teilnehmen (Nach nicht zur Gänze bestätigten Angaben war der HIAG seit 1958 korporatives Mitglied des Volksbundes und erst 1986 wurde die Mitgliedschaft suspendiert.).
Erst das gewalttätige Auftreten von HIAG-Mitgliedern zerstörte diese Gedenk-Harmonie. HIAG-Mitglieder griffen in den 1970ern Pastor Dreier an, weil dieser es „gewagt“ hatte auch NS-Opfer in seiner Rede auf dem Friedhof zu erwähnen. Der Pastor musste von Mitgliedern des örtlichen Schützenvereins geschützt die Veranstaltung fluchtartig verlassen.
Dieses Ereignis führte zur Spaltung des Gedenkens. Es entstanden zwei voneinander abgetrennte Veranstaltungen. Der HIAG durfte aber weiter am Nachmittag des alljährlichen Volkstrauertages sein Gedenken auf dem Friedhof abhalten.

Nach und nach vergrößerte sich das HIAG-Gedenken und „alte Kameraden“ aus der Bundesrepublik und Belgien (flämische Waffen-SS-Mitglieder) stießen hinzu. Ebenso kamen Vertreter der neonazistischen „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR); Mitglieder des „Bundes der Notgemeinschaft ehemaliger Berufsmäßiger Arbeitsdienstangehöriger und ihrer Hinterbliebenen“ und Bundeswehr-Reservisten dazu. So nahmen an 1983 auch mehrere Mitglieder der „Reservistenkameradschaft Militärsport Buchholz/Aller“ teil.
Diese Benutzung des Friedhofs blieb aber nicht ohne Kritik. Am 13. November 1983 protestierten Aktivisten und Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Friedensbewegung mit einem Transparent gegen die HIAG. Abermals wurden HIAG-Leute gewalttätig und griffen die Demonstrierenden an. Übrigens nicht das erste Mal, dass HIAG-Mitglieder GegendemonstrantInnen angreifen.
Darauf hin fanden in den Jahren 1984 und 1985 größere Demonstrationen gegen das braune Treiben in Essel statt. Diese waren erfolgreich weil die HIAG nun wieder verdeckter agierte. Nur noch ein paar Kränze zeigten ein Fortbestehen des HIAG-Gedenkens an. Die erste größere Nutzung des Friedhofs fand in den 1990ern durch die 1995 verbotene Neonazi-Partei FAP statt.
Danach wurde es still um den Friedhof.

Inzwischen wurde die HIAG bundesweit offiziell 1992 aufgelöst. Regional existieren bis heute aber einige HIAG-Zirkel weiterhin, die teilweise über gute Kontakte zu Neonazis verfügen.
Es sollen u.a. noch folgende HIAG-Gruppen bestehen: HIAG Zweibrücken-Contwig, HIAG Rheinhessen, HIAG Westsachsen, HIAG-Ortsverband in Detmold, der HIAG-Kameradenkreis in Enger, HIAG Karlsruhe, HIAG Bruchsal-Bretten, HIAG Stuttgart, HIAG Kempten, HIAG Celle, HIAG-Kameradenkreis Berlin, HIAG Rheinhessen, HIAG München, HAIG Hannover …

Im Jahr 2006 fand sich wieder ein HIAG-Kranz vor Ort und 2007 versuchten über 20 Neonazis in Essel aufzumarschieren, was aber durch die Polizei verhindert wurde.
Dieses Jahr kehrten nicht nur erneut Neonazis zum Friedhof zurück, sondern auch die HIAG.
Nach Berichten marschierten am Volkstrauertag 32 Neonazis auf und in der Woche darauf kam der HIAG zurück nach Essel.
Nach Angaben von „Recherche Nord“ nahmen am HIAG-Gedenken am Totensonntag (23.11.08) „rund 50 Personen, vorwiegend aus Soltau-Fallingbostel, Celle und Hannover“ teil, darunter auch Jüngere. Zurückgelassen wurde dabei ein Kranz der „HIAG Hannover“.
„Recherche Nord“ schreibt zu diesem Revival der HIAG:
„In den vorangegangenen Jahren wurden nur wenig über die Aktivitäten dieser Strukturen bekannt. Öffentlichkeit wurde weitestgehend und wo möglich vermieden. Nach außen traten die Strukturen bislang vor allem durch die Publikation »Der Freiwillige – Monatszeitschrift der Waffen-SS« und eine geringe Anzahl, bekannt gewordener Zusammenkünfte.“

Quellen:
* Recherche Nord: Essel: Neue Wallfahrtsstätte von Neonazis in Essel?, 24.11.2008, http://www.recherche-nord.com/index.php?option=com_content&task=view&id=248&Itemid=74
* HIAG und Kameradschaftszene in Essel, 24.11.2008, http://de.indymedia.org/2008/11/233823.shtml

„Heldengedenken“ in Berlin mit allerhand Rechten

Beim „Heldengedenken“ auf dem Berliner Garnisionsfriedhof (BBw berichtete) waren wieder einige extreme Rechte vertreten, ebenso Veteranenverbände.
Auf den qualitativ sehr guten Fotos von Björn Kietzmann, eines kritischen Fotografen (http://www.flickr.com/photos/kietzmann/sets/72157609179582178/), lassen sich die Kranzinschriften von DVU, NPD und dem ebenfalls rechtsextremen „Der Stahlhelm – Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.“ erkennen. Daneben waren dieses Jahr laut Bildern und Berichten vertreten: Der rechte „Ring Deutscher Soldatenverbände“, ein „Traditionsverband der ehem. 26. Panzer-Div.“ und eine „Kameradschaft ehem. 67er“. Die Teilnehmerzahl soll insgesamt bei 40-50 Anwesenden gelegen haben (2007: 100, 2008: 200) und die der Gegendemonstranten bei 80.
Quelle: Indymedia
Das Foto stammt von Indymedia und ist daher meines Wissens frei verwendbar.

Quellen:
* Fotostrecke von Björn Kietzmann, http://www.flickr.com/photos/kietzmann/sets/72157609179582178/
* Berlin: Gruseln auf dem Garnisonsfriedhof, 16.11.08, http://de.indymedia.org/2008/11/233006.shtml