Archiv der Kategorie 'Traditionsverbände'

Reservistenverband schaltet Anzeige in „Junger Freiheit“

Marschgruppe Hürtgenwald
Das „Hartmut-Mayer-Archiv“ (hma) über eine Anzeige in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“:

„Die „Kurhessische Marschgruppe Hürtgenwald“ nimmt in einer Todesanzeige in der „Jungen Freiheit“ (37-2015) Abschied von ihrem Angehörigen, dem Stabsgefreiten d. R. Bernd Vollmer. Dieser starb Ende August bei einem Fallschirmsprung in den Niederlanden den „Soldatentod“. Gelobt werden Vollmers Mut und seine „preußische Pflichterfüllung“. Unterzeichnet wurde die Todesanzeige von Marschgruppenführer Baumann. Die „Marschgruppe Hürtgenwald“ gehört der „Kreisgruppe Kurhessen“ des „Reservistenverbandes“ an.“

Die hessische „Marschgruppe Hürtgenwald“ war schon vorher in die Schlagzeilen geraten, weil ihr Leiter Otto Baumann per Email Beiträge aus dem Nazi-Hochglanzmagazin „Zuerst!“ verschickt hatte. Der Oberstleutnant der Reserve wurde auch von Kollegen als „deutschnational“ beschrieben. Baumann war SPD-Stadtverordneter in Witzenhausen scheint aber zur AfD gewechselt zu haben. Für einen Skandal sorgte auch, dass in der Reservistengruppe zeitweise mehrere Neonazis untergekommen waren.

Quelle:
* hma: „Soldatentod“ in der „JF“, Antifaschistische Nachrichten 20/Oktober 2015

Dietl-Gedenkfeier in der Steiermark

Das antifaschistische Hartmut-Mayer-Archiv berichtet:

Aus Anlass des 70.Todestages des Wehrmacht-Generalobersten Eduard Dietl hat der “Österreichische Kameradschaftsbund“ (ÖKB) Ende Juni eine Gedenkfeier in der nordöstlichen Steiermark ausgerichtet. Etwa 200 Personen nahmen an der Veranstaltung teil, die an der Stelle stattfand, wo Dietl am 23.Juni 1944 mit einem Flugzeug abgestürzt war. Unter den Teilnehmern befanden sich Abordnungen der „Kameradschaft Gebirgsjäger-Regiment 139“, des „Kärntner Abwehrkämpferbundes“ und der „Kameradschaft vom Edelweiß“. Einen vom Pfarrer der Gemeinde Waldbach geleiteten Gottesdienst gab es in diesem Jahr zum letzten Mal auf dieser Gedenkfeier. Der Pfarrgemeinderat von Waldbach hatte unlängst einhellig beschlossen, sein Mitwirken an der „problematischen“ Gedenkfeier für ein früheres Mitglied der NSDAP künftig einzustellen.“

Veteranen-Blatt „Soldat im Volk“ hat Betrieb eingestellt

Das rechtslastige und geschichtsrevisionistische Vereinsorgan „Soldat im Volk“ des Wehrmachtveteranen-Organisation „Verband deutscher Soldaten“ (VdS) wurde Ende letzten Jahres eingestellt.
Bei „Blick nach Rechts“ hieß es in einem sehr lesenswerten Analyse über „Soldat im Volk“:

Für Tradition und Fortschritt europäischen Soldatentums“ will das Blatt „Soldat im Volk“ eintreten. Tatsächlich ist das Organ des Verbands Deutscher Soldaten (VDS) nach wie vor ein Hort extrem rechten Gedankenguts.
Den Leitartikel der Zeitschrift, die seit 1951 erscheint, verfasst stets der VDS-Bundesvorsitzende Max Klaar (Bonn). Bei der Bundeswehr befehligte er einst eine Einheit von Fallschirmjägern. Klaar findet: „Beide Weltkriege wurden von Großbritannien und seinen Verbündeten als zweiter 30-jähriger Krieg geführt, um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten.“ So steht es in der Ausgabe 4/2012. […] Als Autoren kommen in „Soldat im Volk“ einschlägig bekannte Namen zu Wort: die geschichtsrevisionistischen Publizisten Franz Uhle-Wettler und Gerd Schulze-Rhonhof zum Beispiel, der rechtsextreme Verleger Gert Sudholt, Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, der Ökonom Eberhard Hamer sowie Jürgen Reichardt, der in den 80er Jahren Sprecher des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner war und heute Präsident des völkisch-reaktionären Bayerischen Soldatenbundes ist. Die Beiträge werden teilweise aus anderen Publikationen übernommen. […] Die Bundesregierung fand im Jahr 2000 bei der Zeitschrift „einzelne tatsächliche Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund“. So wurde in Anzeigen für die revisionistische Schrift „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“ (VffG) geworben. „Soldat im Volk“ druckte auch einen unkommentierten Text eines Führungsmitglieds der US-Neonazipartei NSPA ab. „Die Grundaussagen vieler Artikel in ,Soldat im Volk‘ sind kaum von denen in rechtsradikalen Publikationen unterscheidbar“, stellten schon in den 90er Jahren Bundestagsabgeordnete der Grünen in einer kleinen Anfrage fest.
VDS-Chef Klaar fuhr 2011 nach Washington, um an einer eigenartigen Zeremonie teilzunehmen. Dabei entschuldigte sich der ehemalige US-Major Merrit Drucker stellvertretend beim VDS-Vorsitzenden für Zustände in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern nach dem Zweiten Weltkrieg. Drucker wurde bei der Aktion von dem revisionistischen Publizisten James Bacque („Der geplante Tod“) unterstützt. Dessen Thesen hat die seriöse Geschichtswissenschaft längst widerlegt.“
Auf der Homepage des „Verbandes Deutscher Soldaten“ findet sich folgender Eintrag vom 28. November 2013:
„So rufe ich Ihnen heute diese vier Worte zu, ohne dabei lächeln zu können. Es heißt, Abschied zu nehmen von unserer Verbandszeitung, die wir mangels Finanzmasse nicht länger herausgeben können, wenn nicht unerwarteter Geldregen eintrifft.
Vor fast 10 Jahren übernahm ich den Bundesvorsitz in scheinbar auswegsloser Situation; damals stand der VdS als berufsständische Vereinigung wegen der von Minister Struck verhängten Kontaktsperre zur Bundeswehr vor der Auflösungsfrage und war praktisch pleite. Ich bat Sie dann für die Fortsetzung der Arbeit um Spenden. Sie halfen seit 2004 mit insgesamt rund 150.000 Euro; namens des Bundesvorstandes kann ich Ihnen dafür auch heute gar nicht genug erneut dafür danken.
Die noch verbliebenen Mittel werden bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über die Kontaktsperre benötigt. Wer irgend kann, wird inständig um weitere Spenden gebeten, um die Zeit bis dahin durchstehen zu können. Sollte der Haushaltstopf durch glückliche Fügung die Wiederaufnahme von Soldat im Volk erlauben, wollen wir das gerne versuchen.
Der Verband deutscher Soldaten erkämpfte in den Anfangsjahren mit der 131-er Gesetzgebung die Kriegsopferversorgung. Zahllose VdS-Mitglieder bauten die neuen deutschen Streitkräfte mit auf und wirkten in besonderer Weise bei der Weitergabe soldatischer Tugenden und Traditionen an unsere jungen Soldaten mit.
Gegenwärtig erleben wir tief bestürzt, wie in der Bundeswehr die Erinnerung an unsere deutschen Armeen und deren Truppenteile gelöscht wird.
[…] In den letzten 10 Jahren widmete sich der VdS über Soldat im Volk besonders der Verteidigung von Recht und Freiheit des deutschen Volkes.

Quelle:
* Magnus Bosch: Völkisch-reaktionäres Weltbild, Blick nach Rechts, 27.02.2013, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/voelkisch-reaktionaeres-weltbild

Gedenkveranstaltung für Wehrmachtsoberst in Berlin

Am 100. Geburtstag des hochdekorierten Wehrmachtsoberst Werner Mölders (* 1913) am 18. März hielten dessen Fans von der Mölders-Vereinigung eine Gedenkveranstaltung auf dem Invalidenfriedhof in Berlin ab. Die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Nr. 14-2013 berichtet über das Gedenken:

„Die auf dem Invalidenfriedhof versammelten ehemaligen Angehörigen der Bundesluftwaffe erwarteten dann wohl auch mit einiger Spannung die Ansprache des katholischen Militärdekans a.D. Heinz Hecker, der sich aus Ermangelung aktiver Militärgeistlicher bereit erklärt hatte, die Feier am Grabe Mölders zu gestalten. […] Im Anschluß an die Andacht versammelten sich die Teilnehmer im Haus des katholischen Militärbischofs. Mit großer Spannung wurden die Ausführungen des parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), des – wie er sich nannte – „Bürgers Schmidt“ erwartet.
Sein Auftritt, der politisch durchaus brisant ist, erschien den meisten wohl wie eine indirekte Zurücknahme der „Entnamung“ des Jagdgeschwaders 74. Schmidt wandt sich sichtlich zwischen
einer Anerkennung der militärischen Leistungen von Mölders und dem, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Was bleibt? Der Bürger Schmidt hatte einen Bürger in Uniform mitgebracht
– einen Oberstleutnant. Und so war dann doch noch die Bundeswehr leibhaftig vertreten. Mehr wagte diese Republik einem im Einsatz für sein Vaterland zu Tode gekommenen
hervorragenden Soldaten, den seine Untergebenen „Vati“ nannten, nicht an die Seite zu stellen.“

Analyse des rechten Blatts „Soldat im Volk“

Bei „Blick nach Rechts“ ist eine sehr lesenswerte Analyse des rechten Blatts „Soldat im Volk“ erschienen, worin es u.a. heißt:

Für Tradition und Fortschritt europäischen Soldatentums“ will das Blatt „Soldat im Volk“ eintreten. Tatsächlich ist das Organ des Verbands Deutscher Soldaten (VDS) nach wie vor ein Hort extrem rechten Gedankenguts.
Den Leitartikel der Zeitschrift, die seit 1951 erscheint, verfasst stets der VDS-Bundesvorsitzende Max Klaar (Bonn). Bei der Bundeswehr befehligte er einst eine Einheit von Fallschirmjägern. Klaar findet: „Beide Weltkriege wurden von Großbritannien und seinen Verbündeten als zweiter 30-jähriger Krieg geführt, um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten.“ So steht es in der Ausgabe 4/2012. […] Als Autoren kommen in „Soldat im Volk“ einschlägig bekannte Namen zu Wort: die geschichtsrevisionistischen Publizisten Franz Uhle-Wettler und Gerd Schulze-Rhonhof zum Beispiel, der rechtsextreme Verleger Gert Sudholt, Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, der Ökonom Eberhard Hamer sowie Jürgen Reichardt, der in den 80er Jahren Sprecher des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner war und heute Präsident des völkisch-reaktionären Bayerischen Soldatenbundes ist. Die Beiträge werden teilweise aus anderen Publikationen übernommen. […] Die Bundesregierung fand im Jahr 2000 bei der Zeitschrift „einzelne tatsächliche Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund“. So wurde in Anzeigen für die revisionistische Schrift „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“ (VffG) geworben. „Soldat im Volk“ druckte auch einen unkommentierten Text eines Führungsmitglieds der US-Neonazipartei NSPA ab. „Die Grundaussagen vieler Artikel in ,Soldat im Volk‘ sind kaum von denen in rechtsradikalen Publikationen unterscheidbar“, stellten schon in den 90er Jahren Bundestagsabgeordnete der Grünen in einer kleinen Anfrage fest.
VDS-Chef Klaar fuhr 2011 nach Washington, um an einer eigenartigen Zeremonie teilzunehmen. Dabei entschuldigte sich der ehemalige US-Major Merrit Drucker stellvertretend beim VDS-Vorsitzenden für Zustände in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern nach dem Zweiten Weltkrieg. Drucker wurde bei der Aktion von dem revisionistischen Publizisten James Bacque („Der geplante Tod“) unterstützt. Dessen Thesen hat die seriöse Geschichtswissenschaft längst widerlegt.

Quelle:
* Magnus Bosch: Völkisch-reaktionäres Weltbild, Blick nach Rechts, 27.02.2013, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/voelkisch-reaktionaeres-weltbild

TV-Magazin berichtet über allerhand rechte Umtriebe in der Bundeswehr

Das TV-Magazin „Kontraste“ hat einen sehr sehenswerten Beitrag über rechte Umtriebe in der Bundeswehr erstellt. Darin erfährt der/die ZuschauerIn u.a., dass bei der Gedenkfeier der Bundeswehr zum Volkstrauertag – im Ehrenhain des Ausbildungszentrums Munster Bundeswehrsoldaten auch Kränze für Wehrmachtsdivisionen ablegen, darunter auch für berüchtigte Eliteeinheiten, ablegen. Genannt werden:
* die „Panzergrenadier-Division Großdeutschland“, die u.a. verantwortlich war für Massaker an dunkelhäutigen Soldaten der französischen Armee
* das Panzerkorps Feldherrnhalle, dass sich aus der Nazi-Schlägertruppe SA rekrutierte
Unter den Teilnehmer waren auch zahlreiche Veteranen der Wehrmacht und derWaffen SS und bereits am Vorabend gab es schon ein „Traditionstreffen“ im Offiziersheim der Bundeswehr.

Quelle:
* Caroline Walter und Gregor Witt: Unselige Traditionspflege bei der Bundeswehr, 29.11.12, http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_29_11/unselige_tradition.html

ÖSTERREICH: Teilnehmerzahlen bei Ulrichsberg-Treffen weit hinter den Erwartungen

Nach zwei Jahren Pause fand dieses Jahr am 16. September auf dem Ulrichsberg in Kärnten wieder das so genannte „Heimkehrertreffen“ statt. Hier versammelten sich wie zuvor Wehrmachts- und Waffen-SS-Veteranen, Rechtspopulisten von der FPÖ und deutschnationale Burschenschafter.
Die Veranstalter hatten vollmundig verkündet, es würden bis zu 900 Gäste erwartet. In Wirklichkeit kamen aber nur 3-400 auf den Berg. Fotos zeigen leere Stuhlreihen. Das Treffen begann auch noch mit einiger Verspätung, weil es Schwierigkeiten mit dem Transport zur Gedenkstätte gab. Im Gegensatz zu den Vorjahren unterstützte das österreichische Bundesheer seit 2009 das Treffen nicht mehr mit Transport-Fahrzeugen oder auf andere Art.
Festredner war Herbert Belschan von Mildenburg, ein Waffen-SS-Veteran. Ursprünglich war der Auftritt von Mildenburg nach Protesten abgesagt worden. Laut Mitgliedern des „Arbeitskreises gegen den Kärntner Konsens“ soll der Vorsitzende der Ulrichsberggemeinschaft von einer bewussten Finte gesprochen haben, um die Medien zu beruhigen.
Auch Walter Graf, ein Vertreter der „Gedenkkameradschaft Walter Nowotny“ hielt eine Ansprache.

Quellen:
* APA/red, derStandard.at: Mitglied der Waffen-SS hielt doch Ansprache bei Ulrichsbergtreffen, 16. September 2012, http://derstandard.at/1347492645838/Mitglied-der-Waffen-SS-hielt-doch-Ansprache-bei-Ulrichsbergtreffen
* DÖW: Umstrittenes „Ulrichsbergtreffen“, Neues von ganz rechts – September 2012

AIDA-Archiv zum „Bayerischen Soldatenbund 1874 e. V.“

Beim AIDA-Archiv München findet sich auf der Homepage in einem Eintrag zum „29. September 2012“ ein sehr lesenswerter Text zum „Bayerischen Soldatenbund 1874 e. V.“:

Hemau: Landesversammlung des BSB 1874 e. V.
Der ultrarechte „Bayerische Soldatenbund 1874 e. V.“ (BSB) will seine „Landesversammlung 2012″ in Hemau im oberpfälzischen Landkreis Regensburg abhalten (11.30 Uhr, Tangrintel-Halle, August-Glöckner-Ring 1). Berichten der Lokalmedien zufolge soll bei der BSB-Versammlung der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU, Erlangen) ein Grußwort halten.
Der BSB, der in der Münchner Ernst-von-Bergmann-Kaserne seinen Sitz unterhält, wirkt als Dachverband von 1100 sogenannten „Kriegervereinen“ in Bayern (darunter auch der „Kriegerverein“ „Soldaten- und Kriegerkameradschaft Hemau und Umgebung“ vor Ort). Bei den Zielen, so steht es auf der Homepage des BSB, sei man sich einig:
„In den Vorstellungen von Vaterland und Heimatliebe, im Bewusstsein, dem eigenen, dem deutschen Volk Treue zu schulden oder im Bekenntnis zum deutschen Soldatentum und seiner wechselvollen, insgesamt aber doch stolzen Geschichte herrscht ein hohes Maß an Übereinstimmung“. Im BSB fänden „Mitglieder aller Parteien und Strömungen, welche die deutsche Nation achten, die Leistungen und Opfer der Wehrmacht nicht leugnen und die Bundeswehr und ihre Soldaten mit Kopf und Herz bejahen“ eine Heimat.
Diese Apologie der NS-Wehrmacht ist kein Ausrutscher. Tatsächlich positioniert sich der BSB 1874 e. V. am rechten Rand: Regelmäßig werden in der Verbandszeitung „Treue Kameraden“ Artikel der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) und der ultrarechten „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ (PAZ) unverändert nachgedruckt. In vielen Ausgaben der BSB-Zeitschrift erscheinen Mitteilungen und Bilder des extrem rechten „Verband deutscher Soldaten“ (VdS), zu dem Angehörige der Bundeswehr seit 2004 keine Kontakte mehr unterhalten dürfen bzw. dessen Veranstaltungen sie nicht mehr unterstützen und besuchen dürfen. Für die Unterstützung durch den BSB und die Möglichkeit, so das „Kontaktverbot“ zu Bundeswehr-Angehörigen umgehen zu können, bedankt sich der extrem rechte „Verband deutscher Soldaten“ im Jahr 2012:
„Genau vor fünf Jahren suchten und fanden wir im BSB eine offizielle Vertretung unserer soldatischen Belange, nachdem uns dies durch den BW-Erlass ‚Kontaktverbot‘ nicht mehr möglich war. Die Verbandszeitschrift ‚Treue Kameraden‘ bildete nun für die VdS-Mitglieder im Landesverband Baden-Württemberg das Bindeglied zwischen Wehrmachtsangehörigen und Bundeswehrsoldaten.“
Im „Treue Kameraden“-Blatt des „Bayerischen Soldatenbunds“ ist geschichtsrevisionistische Propaganda nicht selten: In der Ausgabe September/Oktober 2010 durfte der bekannte Geschichtsrevisionist Alfred Schickel, Macher der extrem rechten „Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt“ (ZFI), eineinhalb Seiten über die „Benesch-Dekrete“ publizieren. Und BSB-Präsident Jürgen Reichardt (Wörth) behauptete in der Ausgabe Mai/Juni 2012, bei „zahllosen Deutschen“ habe „das Geschichtsbild der SED, entstanden aus dem Klassenkampf“ die „Deutungshoheit übernommen“. „Man kenne, so Reichardt weiter, „endgültige Wahrheiten. Ob 1. Weltkrieg, Wehrmacht, 2. Weltkrieg, ob Luftkrieg, U-Boot-Krieg, Bombenopfer, Vertreibungs- oder Gebietsverluste – was nicht mit bitterer Anklage gegen die deutsche Seite verbunden wird, gilt als ‚revisionistisch‘, unzulässig.“
Ob es ein extrem rechtes Ideologiefragment gibt, das sich nicht in der BSB-Zeitschrift finden lässt? In der März/April-Ausgabe 2011 schreibt Bernd Huber vom „Salzburger Kameradschaftsbund“ beispielsweise eine ganze Seite über „Die neue Diktatur der ‚Politischen Korrektheit‘“, über Theodor Adorno “ als „geistige(n) Paten am Taufbecken der gesellschaftszerstörenden 68er Bewegung“ und über angeblich fehlende Meinungsfreiheit anhand der „mahnenden Beispiele“ „Thilo Sarrazin, der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (CDU), Brigadegeneral Reinhard Günzel und Bundespräsident Horst Köhler“.
In der „Treue Kameraden“-Ausgabe September/Oktober 2011 verfasste der „Junge Freiheit“-Autor Klaus Hammel eine „Nachbetrachtung“ zum „Fall Scheungraber“. Der ehemalige NS-Wehrmachtsoffizier Josef Scheungraber war im August 2009 vom Landgericht München wegen Mordes in 14 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden, eine Revision gegen das Urteil verwarf der Bundesgerichtshof ein gutes Jahr später. Scheungraber hat die Haftstrafe nie antreten müssen. Hammel beklagt, dass bei „solchen Prozessen gegen ‚NS-Täter‘“"sehr großzügig mit dem Geld des Steuerzahlers“ umgegangen würde, „NS-Täter“ setzt er dabei in Anführungszeichen.
Immer wieder sind Texte im Mitteilungsblatt des BSBs von Rassismus und Antiziganismus durchdrungen: Wiederum Klaus Hammel schrieb z. B. im Januar/Februar-Heft 2011 biologistisch davon, es läge „in der Natur des Menschen, sich von ‚Anderen‘ abzugrenzen und in überschaubaren Gegebenheiten leben zu wollen“.  Im „Treue Kameraden“-Heft Mai/Juni 2012 beklagte Jürgen Reichardt: „Althergebrachte Bezeichnungen oder Namen, im Deutschen seit alters gebräuchlich, gelten längst als diskriminierend, selbst wenn jemand Negermusik oder Zigeunerweisen liebt. Von Abstammung ist keine Rede mehr; ‚Wurzeln‘ hat jemand, selbst wenn er kaum deutsch spricht. Zuwanderer oder eingereiste Ausländer haben ‚Migrationshintergrund‘“. Im Juli/August 2011-Heft ließ Reichardt ein nationalistisches Gedicht Detlef von Liliencrons (1844-1909) abdrucken: „Ich bin geboren, deutsch zu fühlen, bin ganz auf deutsches Denken eingestellt. Erst kommt mein Volk, und dann die vielen, erst meine Heimat, dann die Welt“.
Doch es geht noch schlimmer: Als Präsident des „Bayerischen Soldatenbunds“ wandte sich Jürgen Reichardt 2011 im Vorwort des Januar/Februar-Hefts an die Mitglieder und kritisierte den Paragraphen 130 des Strafgesetzbuch, der Volksverhetzung unter Strafe stellt, als, Zitat, „dehnbare(n) Gummiparagraph(en)“.


Quelle:

* http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3210:29-september-2012&catid=105:rechte-termine-sueden&Itemid=1216

Österreich: Fallschirmjäger-Verein organisiert ein Gedenken an „Helden“ der Wehrmacht

Der „Verein Militärischer Fallschirmjäger Verbund Ostarrichi“ organisiert in Feldbach (Südsteiermark) ein Treffen zum Gedenken gefallener Wehrmachtssoldaten. Die „Kretafeier“ zog 2010 und 2011 etwa 200 Personen an, 2009 sind es nur 50 gewesen.
Für Zulauf soll nach Medienberichten Josef Paul Puntigam, Brigadier a. D., ehemaliger Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres und ehemaliger Kommandant der Jägerschule, gesorgt haben. Puntigam ist seit 2008 zum Präsidenten des Fallschirmjäger-Vereins. Außerdem ist Puntigam Mitglied der Studentenverbindung Tafelrunde Wiking und hat das Vorwort zu dem 2006 im extrem rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst. Der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ stand er für die Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006 als Interviewpartner zur Verfügung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Bundesheerangehörige in Uniform ,Polizisten und Mitglieder der rechtsextremen Kameradschaft IV, der frühere Waffen-SS-Mitglieder angehören. Dem Heer wurde von offizieller Stelle die Teilnahme am Treffen in Feldbach untersagt. Deswegen dürfen Vereinsmitglieder bei ihren Veranstaltungen keine Uniform tragen.

Wie das Magazin „Falter“ herausgefunden hat, ist der Verein mehr als nur ein brauner Traditionsverband:

Die Soldaten sollen im Kampfanzug erscheinen, bei Polizisten ist die Uniform erwünscht. So steht es auf dem Anmeldeformular für den „Ersten Internationalen Hochgebirgsmarsch samt Schießen“, bei dem die Teilnehmer vergangenes Wochenende in der Gegend von Kaprun auf bis zu 2639 Metern Seehöhe durchs Gebirge marschierten. […] Der Milf-O klingt nicht nur militärisch, er ist auch straff organisiert und hat in den Bundesländern „Standortkommandanten“, „Kommandanten“ für die verschiedenen Bundesheerkasernen sowie für Polizei und die Justizwache und auch einen „Ansprechpartner für unsere deutschen Kameraden“. […] Oder die ausländischen Kameraden kommen zu Besuch nach Österreich. Der „bayerische Soldatenbund“ konnte auf einem Schießplatz in Niederösterreich „mit Großkalibergewehren der Marke Heckler & Koch SL 7 und Steyr AUG StG 77“ das Schießabzeichen des Milf-O „erringen“. Ermöglicht worden sei dies durch die „hervorragenden Kontakte“ eines Bundesheer-Vizeleutnants, der ebenfalls im Vorstand des Milf-O sitzt.
Überhaupt nützt dieser Verein Bundesheereinrichtungen, als wäre er Teil des Heeres, darf sich bei Tagen der offenen Tür in verschiedenen Kasernen präsentieren, hat in der „Heeresunteroffiziersakademie“ in Enns sogar eine eigene Informationsecke zur Verfügung gestellt bekommen.

Quellen:
* Kerstin Scheller, Gudrun Springer: Militärverein organisiert braune Feier, Der Standard, 21. August 2012, http://derstandard.at/1345164758910/Militaerverein-organisiert-braune-Feier
* Schießübungen für Ostarrichi?, 22. August 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/08/22/schiesubungen-fur-ostarrichi/
* Nina Horaczek: An die Gewehre, an die Gewehre!, aus FALTER 34/12, http://www.falter.at/falter/2012/08/21/an-die-gewehre-an-die-gewehre/

Lettland: SS-Veteranen marschieren

Waffen-SS-Veteran in Riga 2012
Am 16. März sind in Riga (Lettland) erneut noch lebende Angehörige der lettischen Waffen-SS-Divisionen und ihre SympathisantInnen aufmarschiert.
Die Medien berichten von 1.500 bis 2.000 Teilnehmern des Marsches durch die Innenstadt. Davor gab es einen Gedenk-Gottesdienst im Rigaer Dom.
Den Marsch gibt es seit Jahren, er findet immer am 16. März statt, der als „Tag der Legionäre“ gilt. Als „Lettische Legionäre“ dienten 140.000 Letten in der Waffen-SS und 50.000 davon fielen im Krieg. Teile der lettischen Kollaborateure waren direkt in den Mord an den baltischen und weißrussischen Juden involviert.
Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt etwa die Hälfte der Bevölkerung den Marsch ab.

Quellen:
* Lettische SS-Veteranen marschieren trotz Protest, tagesschau.de, 16.03.12, http://www.tagesschau.de/ausland/lettland138.html
* FOCUS Online: Umstrittenes Gedenken in Lettland: SS-Veteranen marschieren durch Riga, Freitag, 16.03.2012, http://www.focus.de/politik/ausland/umstrittenes-gedenken-in-lettland-ss-veteranen-marschieren-durch-riga_aid_724898.html
* Hannes Gaillscheg: Lettland: Marsch der SS-Veteranen in Riga, „Die Presse“, 16.03.12, http://diepresse.com/home/panorama/welt/741061/Marsch-der-SSVeteranen-in-Riga?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do

Estland: sicherer Hafen für NS-Kriegsverbrecher?

Ein Fernsehbericht über die Verhältnisse in Estland zeigt zum wiederholten Male dass dort Veteranen der Waffen-SS als Freiheitskämpfer verklärt werden.
Selbst Ritterkreuzträger werden gefeiert:
Ritterkreuzträger Estland

SS-Veteranen Estland 2011

Quelle:
* Estonia, Nazi safe haven, TV-Bericht, 21.11.11, http://rt.com/news/estonia-nazi-gorshkov-haven-803/

Volkstrauertag in München: Burschenschafter, Ritterkreuzträger und die Bundeswehr

Robert Andreasch vom AIDA-Archiv in München hat einen informativen Artikel über den diesjährigen Volkstrauertag in München veröffentlicht:

Zusammen mit bekannten ultrarechten Organisationen wie der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ehemaliger Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehöriger und der völkischen „Burschenschaft Danubia“ gestalteten Bundeswehr und Bundespolizei die Veranstaltung zum Volkstrauertag im Münchner Hofgarten. Im Publikum anwesend: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
Bei einer vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ mitinitiierten Veranstaltung zum Volkstrauertag kam es am Sonntag, 13. November 2011, im Hofgarten an der Staatskanzlei zu einer bemerkenswerten Allianz: Bundespolizeidirektion und Bundeswehr gestalteten den Trauerzug und die Kranzniederlegung gemeinsam mit ultrarechten Gruppen wie der „Burschenschaft Danubia“ oder der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR).
In den Stunden vor der Gedenkfeier war der Ablauf von den Staatsorganen gemeinsam mit den Aktivisten der rechten Gruppen besprochen und eingeübt worden. Sympathisant_innen der beteiligten Ultrarechten hatten zudem im Vorfeld Eintrittskarten für die Veranstaltung ausgehändigt bekommen. Im Publikum, das diesem Aufzug beiwohnte, befand sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

„Traditionsgemeinschaft“
Die „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ besteht unter diesem Namen seit 1955, davor gab es die „Gemeinschaft der Ritterkreuzträger“. Der Name bezieht sich auf die nationalsozialistische Tapferkeitsauszeichnung: Infolge des Polenfeldzugs verlieh Adolf Hitler persönlich über 7000 „Ritterkreuz“-Auszeichnungen zum „Eisernen Kreuz“. 438 dieser militärischen Orden erhielten Mitglieder der SS und Waffen-SS, z. B. der Kriegsverbrecher und SS-Obergruppenführer Josef „Sepp“ Dietrich. Konnten zunächst nur Träger eines „Ritterkreuzes“ oder des sogenannten „Militärverdienstkreuzes“ Mitglied der OdR werden, nimmt die Organisation heute auch Sympathisant_innen auf. Joachim Philipp aus Unterschleißheim ist stellvertetender Vorsitzender der OdR.
Die militaristische „Ordensgemeinschaft“ spricht das nationalsozialistische Deutschland von der Schuld am Zweiten Weltkrieg frei. Im Juni 1993 hieß es in der organisationsinternen Zeitschrift „Ritterkreuz“: „Das Beharren bundesdeutscher Lehrstuhlinhaber und verbeamteter Historiker auf der Legende am deutschen Überfall auf die Sowjetunion weitet sich zum peinlichsten Desaster der Nachkriegsgeschichte aus“.  Auf ihrer Jubiläumsveranstaltung im Jahr 2004 traten Reinhard Günzel, Dauerreferent der rechten Szene, sowie der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof auf, der in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ ebenfalls die deutsche Kriegsschuld relativiert. Mitglieder der OdR standen in der Vergangenheit mit der extremen Rechten in Verbindung, z. B. über das Düsseldorfer Mitglied Hajo Herrmann, Multiaktivist in der deutschen Neonaziszene, oder bei der jährlichen SS-apologetischen Gedenkfeier auf dem Kärntner Ullrichsberg.

Schwarz-weiß-rot
1999 erließ Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping ein Kontaktverbot für Soldat_innen der Bundeswehr gegenüber der OdR, da diese von Leuten geführt werde, „die sehr nahe am Rechtsradikalismus sind, zum Teil direkt drin“. Für Beerdigungen und Kranzniederlegungen werden heute teilweise wieder Ausnahmeregelungen getroffen, z. B. dergestalt, dass Kränze der OdR von Bundeswehrsoldat_innen statt von den OdR-Delegierten niedergelegt werden. Im Hofgarten trugen Bundeswehrsoldaten den Kranz der OdR, der mit einer Kranzschlaufe (Aufschrift: „Traditionsgemeinschaft des Eisernen Kreuzes – Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“) in schwarz-weiß-rot, den Farben von Kaiserreich und Nationalsozialismus sowie einem „Eisernen Kreuz“ dekoriert war. Nur einen Meter dahinter folgten die beiden Delegierten der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ihrem Kranz.

„Heldengedenken“
Aber die OdR war nicht die einzige ultrarechte Organisation, die unter den Augen von Innenminister Herrmann am Sonntag Vormittag im Hofgarten vertreten war. Im offiziellen Trauerzug der Veranstaltenden und unter den in Formation Angetretenen befanden sich auch Mitglieder des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ sowie Vertreter Münchner Burschenschaften, darunter „Chargen“ (in Phantasieuniformen gekleidete Funktionäre) der bis ins neonazistische Spektrum hinein verwobenen „Burschenschaft Danubia“. Die Münchner Burschenschaft „Cimbria“ hatte die Volkstrauertagsveranstaltung gar unter der aus dem Nationalsozialismus stammenden Bezeichnung „Heldengedenken“ in ihrem Semesterprogramm eingetragen.

„Kameradenkreis“
Beim „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ handelt es sich um eine Organisation, in der sich sowohl ehemalige Mitglieder von Gebirgsjägereinheiten der NS-Wehrmacht und der Waffen-SS als auch ehemalige und aktive Mitglieder der Bundeswehrgebirgstruppe organisieren. Ehrenpräsident der Vereinigung war der in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilte General a. D. Hubert Lanz.

„Danubia“
Die „Danubia“ gehört zu den am weitesten rechtsaußen angesiedelten studentischen „Burschenschaften“ überhaupt. Sie ist Teil der völkischen „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) deutscher und österreichischer Burschenschaften, die zuletzt im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) rassebiologische Aufnahmekriterien festschreiben lassen wollte. Das Haus der „Danubia“ in der Möhlstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen wird auch von Mitgliedern der neonazistischen „Kameradschaft München“ besucht.
Ein führendes Mitglied der Neonazitruppe soll nach Informationen des a.i.d.a.-Archivs in der letzten Zeit sogar unter der Danubia-Adresse gemeldet gewesen sein. Die neonazistische „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ hat in Kooperation mit Burschenschaftern der Danubia in deren Haus ein oberbayerisches „Regionaltreffen“ abgehalten. Das Referentenprogramm der Burschenschaft in den letzten Jahren liest sich wie das „Who is who“ der extrem rechten Szene. Im Mai 2011 hatte die „Danubia“ z. B. den „nationalrevolutionären“ Publizisten Jürgen Schwab (Nürnberg) als Vortragenden eingeladen. Schwab, der regelmäßig Texte auf der Homepage des neonazistischen „Freien Netz Süd“ veröffentlicht, war wenige Tage vorher, am 1. Mai, zusammen mit dem stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Karl Richter beim Neonaziaufmarsch in Heilbronn als Redner aufgetreten.

Quelle:
* Robert Andreasch: Rechtsum im Hofgarten, 27. November 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2604:rechtsum-im-hofgarten&catid=41:parteien-und-organisationen&Itemid=151

Österreich: Nur 100 Personen bei Ulrichsberg-Feier

Der österreichische „Standard“ berichtet unter der Überschrift „Gedenkveranstaltung im Konzerthaus wurde zum Flop“, dass nur etwa 100 Personen am sn der Ersatzveranstaltung für das rechte Soldaten- und Veteranentreffen am Ulrichsberg im Klagenfurter Konzerthaus zusammenfanden.

Einblicke in die Treffen in den vergangenen Jahren (alle Bilder sind Screenshots aus der Film-Doku der U-Berg-Gruppe) :
Ulrichsberg 1979 a
OBEN: Ulrichsberg 1979 mit österr. Bundesheer

Ulrichsberg 1979 b
OBEN: Ulrichsberg 1979, Wehrmachts- oder SS-Veteranen

Ulrichsberg 1979 c
OBEN: Ulrichsberg 1979, SS-Obersturmführer

Ulrichsberg d
OBEN: Ulrichsberg 2005, Mithilfe des Bundesheeres

Ulrichsberg 2005 b
OBEN: Ulrichsberg 2005, Krumpendorf-Abend der SS-Veteranen

Ulrichsberg 2005 c
OBEN: Ulrichsberg 2005, Krumpendorf-Abend der SS-Veteranen

Quelle:
* APA: Ulrichsbergtreffen in Klagenfurt mit nur 100 Besuchern, 18. September 2011, http://derstandard.at/1315006655624/Ulrichsbergtreffen-in-Klagenfurt-mit-nur-100-Besuchern

Österreich: 51. Ulrichsberg-Gedenkfeier

Das Hartmut-Mayer-Archiv schreibt:

Österreich/Klagenfurt. Die „Ulrichsberggemeinschaft“, die seit vielen Jahren unter dem Einfluß von Akteuren der SS-Veteranenorganisation „Kameradschaft IV“ steht, mobilisiert zu ihrer „51.Ulrichsberg-Gedenkfeier“ am 17. und 18.September in Kärnten. Am Samstag beginnt die Auffahrt zum Ulrichsberg um 13 Uhr. Nach einer Feier, die um 16.30 Uhr endet, findet abends ein „Heimatabend“ im Kursaal Krampendorf statt. Am Sonntag soll ab 10 Uhr eine große Festveranstaltung im Klagenfurter Konzerthaus stattfinden und später ein Festabend mit Musikbegleitung im Hotel Rosenheim in Krumpendorf. Beworben wird die Veranstaltung u.a. in der „Deutschen Nationalzeitung“.

NVA-Kameradschaft verteidigt Wehrmacht

In der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 82 findet sich folgender Leserbrief:
DMZ-Leserbrief

Verteuflung muß aufhören
Wir, die Angehörigen des Kameradschaftsbunds Dresden-Löbtau der ehemaligen 7. Panzerdivision der NVA, beobachten mit Interesse die Umgestaltung des Militärhstorischen Museums in Dresden. Uns liegt am Herzen, daß auch das Kapitel Deutsche Wehrmacht nicht zu kurz kommt. Leider darf man sich wohl über die Darstellung dieses Kapitels deutscher Militärgeschichte keine Illusionen machen. Wir sind – genau wie die DMZ – der Überzeugung, daß die kollektive Verteufelung endlich ein Ende haben muß! Vielleicht kann die Deutsche Militärzeitschrift sich dieses Themas annehmen , wenn das Museum am 14. Oktober 2011 neueröffnet wird.

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Ritterkreuzträger-Zeitzeugenvortrag bei Nazi-Veranstaltung angekündigt

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Am 7. Mai soll im thüringischen Kirchheim in der Szene-Lokalität „Erlebnisscheune“ im Hotel „Romantischer Fachwerkhof“ das so genannte „4. Treffen der Generationen“ stattfinden.
[…] Neben Melaouhi soll ein namentlich nicht genannter Ritterkreuzträger zu den Anwesenden sprechen.

Quelle:
* Anton Maegerle: Geschichtsunterricht für den Nachwuchs, 19.04.2011

Gegen das „Kreta-Gedenken“ der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall

Antifaschist_innen und Antimilitarist_innen rufen mit folgendem Text zu einer Protestkundgebung in Bad Reichenhall auf:

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta rufen wir dazu auf, am Sa, 21.05.2011 in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand zu demonstrieren.
 
Bad Reichenhall ist ein Ort der symbolisch für die widerliche geschichtsrevisionistische, militaristische Gedenkpolitik in der oberbayerischen Provinz steht. Hier wurde noch 1966 zur Glorifizierung dieses Angriffskriegs die sogenannte „Kretabrücke“ eingeweiht. An dieser Brücke findet jährlich rund um den 20.Mai1 eine Gedenkfeier zu „Ehren“ der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und in Gedenken an dem Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall statt. So wird das gesellschaftliche Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus in die Vergessenheit gedrängt und die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt. Während die Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgstruppe nicht thematisiert werden. Ihr Kommandeur, Generalmajor Julius Ringel (1889 bis 1967) befahl 1941 aufgrund des (für die deutsche Führung völlig überraschenden) Widerstands der kretischen Bevölkerung: “ (…)für jeden deutschen Verwundeten oder Gefallenen zehn Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, in denen deutsche Truppen beschossen werden, niederzubrennen, in allen Orten Geiseln sicherzustellen.“2 Angesichts dieser kriegerischen Tüchtigkeit erhielt Ringel im Juni 1941 das Ritterkreuz und zwei Jahre später „zum 10. Jahrestag der „Machtergreifung“ das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.3 Ringel verbrachte seine Pension in Bad Reichenhall, wo er 1967 verstarb, ohne sich je für die unter seinem Kommando verübten Gräueltaten verantworten zu müssen. Auf Kreta wurde das „Axiom von der Kollektivhaftung der Bevölkerung“ zum ersten Mal angewandt.4 Diese Vergeltungs-Morde lagen zeitlich vor den Massenliquidationen der Wehrmacht und der SS in der Sowjetunion und Serbien. Viele dieser Vergeltungsaktionen (z.B. Kandanos), bei denen tausende Zivilist_innen ermordet und zahlreiche Dörfer zerstört wurden, sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 ist hingegen den „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt. Sie erfasst die Orte Alikianu,Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.”5 Wie in Kandanos wurden in Skines die Häuser zerstört und die Menschen mussten ihre Häuser und Felder bis zum Ende der Besatzung verlassen. Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“6
 
Noch heute ist die Taditionspflege der Bundeswehr in großen Teilen ungebrochen. Dies macht sich nicht nur an deren Beiteiligung am „Kreta-Gedenken“ bemerkbar sondern auch dadurch, dass die Bundeswehrkaserne in Bad Reichenhall nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist. Konrad bekannte angesichts der verbrechen der Deutschenwehrmacht und SS: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe.“ In dem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug hat Konrad auf der Krim „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren lassen“7

Als Dekoration der von den Nazis erbauten General Konrad Kaserne prangt ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde, direkt über dem Haupteingang. Direkt daneben hängt ein steinerner Reichsadler an der Fassade, bei dem lediglich das Hakenkreuz durch ein Edelweiß ersetzt wurde.
 
Krieger des Lichts
 
In der deutschen Geschichtspolitik haben sich vielfältige Strategien herausgebildet, eine positive Identifikation mit Nation und Militär zu schaffen. Während beispielsweise in Mittenwald und Bad Reichenhall noch recht unverhohlen die Taten der nationalsozialistischen Gebirgstruppe glorifiziert werden, hat sich in weiten Teilen der Parteienlandschaft eine Lesart etabliert, nach der gerade aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands eine Verantwortung für das „geläuterte“ Deutschland und seine Armee erwächst. Eben durch dieses Eingeständnis deutscher Schuld, inszeniert sich hier eine Nation die aufgrund ihrer schonungslosen und „schmerzhaften“ Aufarbeitung der eigenen Geschichte dafür prädestiniert sei, Ähnliches zu verhindern, im Zweifelsfall durch militärische Intervention. So begründete etwa Joschka Fischer die deutsche Beteiligung am Kosovokrieg, mit dem Verweis auf den Holocaust. Nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz führt Deutschland heutzutage Krieg. Die profane Feststellung übrigens, dass die Bundeswehr tatsächlicher weniger aus dieser vorgeblichen moralischen Verantwortung heraus agiert, sondern um die Interessen des Standorts Deutschland auf dem Weltmarkt zu sichern und durchzusetzen, kann im Zuge dieser Inszenierung selbst einen Bundespräsidenten das Amt kosten.8
 
Einher mit der neuen Rolle dieses „geläuterten“ Deutschlands geht eine intensive Kampagne der Militarisierung der Gesellschaft durch öffentliche Gelöbnisse oder auch massive PR-Kampagnen an Schulen, Jobcentern und Universitäten, in denen sich die Bundeswehr als sicherer Arbeitgeber in Krisenzeiten präsentiert. Im Zuge der Umstrukturierung zur Berufsarmee, will die Bundeswehr zudem künftig stärker um Geringqualifizierte werben, um ihren Personalbedarf an den niedrigen Rängen zu decken. Darüber hinaus wird und wurde wiederholt versucht, die Möglichkeiten des Einsatz des Bundeswehr im Inneren auszuloten. Während dem aktuell noch ein verfassungsrechtlicher Riegel vorgeschoben scheint, kommt es doch immer wieder zu Einsätzen der Armee im Dienste der „inneren Sicherheit“, etwa bei der Überwachung linker Aktivist_innen bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm durch Spähpanzer und Tornado-Flugzeuge oder dem Einsatz von „Feldjägern“ gegen Antimilitarist_innen beim Gelöbnis auf dem Münchner Marienplatz.
 
Die Opfer, der Held und das andere Deutschland
 
Eine wichtige Funktion in der deutschen Aufarbeitungs- und Geschichtspolitik, erfüllen Strategien zur moralischen Entlastung der Nation. So wird einerseits die deutsche Schuld eingestanden. Doch viele der Protagonist_innen des staatsoffiziellen Gedenkens vergessen dabei nicht auch auf die deutschen Toten, auf das „deutsche Leiden“ zu verweisen. Undifferenziert wird dann den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht, unter die kontextlos sowohl die Angehörigen der nationalsozialistischen Armee, als auch die von ihnen Ermordeten subsumiert werden. Als Beispiel kann hier etwa das Gedenken an die Toten der alliierten Bombardements deutscher Städte angeführt werden.
 
Zudem kreiert sich Deutschland seine „Held_innen“, als positiven Bezugspunkt nationaler Historie in den „zwölf dunklen Jahren“. Während etwa Hitler-Attentäter Stauffenberg in den ersten Jahren nach der Niederschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands noch überwiegend als „Verräter“ betrachtet wurde, dient er mittlerweile als Beleg für ein „anderes besseres Deutschland“. So zweifelhaft dieses Abfeiern eines überzeugten Nationalsozialisten sein mag, in Bad Reichenhall ist selbst das noch nicht angekommen.
 
Bad Reichenhall – Wo die Zeit Urlaub macht

An dem geschichtsrevisionitischen „Kreta-Gedenken“ der „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“9, dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe, nimmt neben Vertreter_innen der Bundeswehr auch der Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall teil. Daszeugt davon, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Wehrmacht in Bad Reichenhall bislang noch nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil: Militarismus und Geschichtsrevisionismus scheinen all gegenwärtig. Dies zeigt auch ein Zitat von Georg Ringsgwandl, welcher in Bad Reichenhall aufwuchs:
„Ich erinnere mich schmerzhaft an die Zeiten als Kind, als man meinen Vater, der im Krieg mehrfach wegen ‚ehrenrührigen Verhaltens‘ und Befehlsverweigerung degradiert worden war, in der Nachkriegszeit oft auf der Straße zur Rede stellte. Das waren Nazis und Militärs, auch General Ringel, der in der BRD komfortabel seine Pension verlebte und sich dann aus der Affäre zog mit dem Argument, dass mein Vater den gebotenen Anstand vermissen lasse.“10

Kein Wunder, dass sich in einem solchen Klima Militarist_innen, Rechtskonservative11, Rechtspopulist_innen12 sowie Alt- und Neonazis wohl fühlen und schon fest zum Ortsbild gehören. In einer Stadt, in der Vorträge zum Thema Antisemitismus im örtlichen Haus der Jugend untersagt werden13 und sich der Schulrektor nicht einmal entschuldigt, wenn als „Panne“ bei einem Festakt zur „deutsch-französischen Freundschaft“ „Deutschland, Deutschland über alles“ aus den Lautsprechen tönt14, erregt das rechte Treiben nur in Ausnahmefällen Aufsehen. Zum Beispiel als 1999 ein Jugendlicher, dessen Zimmer voll mit NS-Devotionalien war, Amok lief und vier Menschen und sich selbst erschoss15. Als am 20./21. Oktober 2007 das Bundestreffen der nazistischen „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ in Bad Reichenhall statt fand gab es jedoch keine Proteste. Genauso wenig gibt es Widerstand, wenn Neonazis in Bad Reichenhall Kundgebungen und Horst Wessel-Feiern16 organisieren oder sich die NPD zum monatlichen Stammtisch (z.T. Mit NPD-Größen wie Holger Apfel) im lokalen Gasthaus trifft. Die seit Jahrzehnten stattfindende jährlichen SS-Gedenkfeier (am 08.Mai in Karlstein/Bad Reichenhall zu Ehren der SS-Division „Charlemagne“) wurde erst 2006 in den Medien kritisch beachtet, als bei Polizeikontrollen neben Hakenkreuzfahnen auch Sprengmittel, Pistolen, Rauchbomben und andere Waffenteile bei den ca. 130 anwesenden Alt- und Neonazis (u.a. aus Deutschland, Frankreich, Italien und Dänemark) beschlagnahmt wurden. Trotzdem können sich Alt- und Neonazis weiterhin ungestört treffen. Während am 08.05.2010 in München tausende Menschen ein Neonaziaufmarsch durch Blockaden verhindert, konnte am selben Tag in Bad Reichenhall ungestört das neonazistisches SS-Gedenken stattfinden17 und wir befürchte dies auch für 2011.
 
Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden !!!

(unvollständige) Chronik rechter Vorkommnisse bei den Gebirgsjägern
* 18. Mai 1993: Sechs Angehörige der Gebirgsjäger grölen im Intercity von München nach Bad Reichenhall NS-Parolen und attackieren einen behinderten, ausländischen Fahrgast.
* Mitte 1994 bis Anfang 1995: Im sächsischen Schneeberg drehen 19 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 Videofilme, die unter anderem Soldaten beim Hitlergruß zeigen und gewaltverherrlichende Szenen enthalten. Der Film gelangt erst im Herbst 1997 an die Öffentlichkeit.
* 20.05.01: Der CDU-Abgeordnete Wolfgang von Stetten (* 1941), Präsident des rechtslastigen Studienzentrums Weikersheim, überbrachte am 20. Mai 2001 „die Grüße der Mitglieder des Deutschen Bundestages und ihres Präsidenten Thierse“ bei einem Treffen von 600 ehemaligen Fallschirmspringern und Gebirgsjägern, die im Zweiten Weltkrieg an der Luftlandeschlacht um Kreta teilgenommen hatten, bei ihrem Veteranentreffen auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Maleme auf Kreta. Weder der Bundestag noch Wolfgang Thierse waren informiert, es hatte weder Zustimmung noch Genehmigung dafür gegeben (Der Vater fiel als Flugzeugführer am 20. Mai 1941 auf Kreta.).
* 2003 oder 2004: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan posieren mit menschlichen Totenschädeln und Knochen aus einem Gräberfeld in einer Kiesgrube bei Kabul, in der früher sowjetische Soldaten beerdigt worden waren.
Erst im Herbst 2006 gelangten dabei aufgenommene Fotos an die Öffentlichkeit. Es wurden im Zuge von Ermittlungen etwa ein Dutzend Beteiligte identifiziert, darunter auch Angehörige der Gebirgsjäger aus Mittenwald.
* 29. Juni 2007: Am 29. Juni 2007 berichtet das „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“, dass ein 23-jähriger Soldat des in Mittenwald stationierten Gebirgsjägerbataillons 233 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde, weil er Juden verunglimpft hat. Der Hauptgefreite wurde vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro verurteilt, weil er bei einer Schießübung einen Schuss mit den Worten „Drecksjudd“ und „Stirb, du Jud“ begleitet hatte.

Quellen:
* Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls – antifaschistischen Demonstration, 11.04.2011, http://linksunten.indymedia.org/de/node/37402
* Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung: Bundeswehrchronik 1986 bis 1995, www.asfrab.de/Publikationen/Profil/Chronik1986bis1995.php
* Chronik des Hasses – Der „blick nach rechts“ dokumentiert antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr 2007, Zusammenstellung von Anton Maegerle, http://www.bnr.de/bnraktuell/ausgabe172007/chronikdeshasses/

Lettland: SS-Veteranenmarsch in Riga

Am 16. März fand erneut in Riga (Lettland) der alljährliche Marsch der Veteranen der lettischen Waffen-SS und ihrer Anhänger durch den Rigaer Zentrum statt. Teilgenommen haben nach Berichten 2.500-3.000 Menschen, darunter auch Gäste aus Litauen und Estland.
Es gab ca. 100 Gegendemostranten.

Quelle:
* Riga, 16.03.2011, http://kloty.blogspot.com/2011/03/riga-16032011.html

Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige“

Der Munin-Verlag mit Sitz in Trier (ehemals: Reinsfeld bzw. Pluwig) ist ebenso wie das ihm zugehörige Magazin „Der Freiwillige“ eine Quasi-Hinterlassenschaft des 1992 aufgelösten „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG). Auf Regionalebene existieren freilich noch bis heute HIAG-Gliederungen. Der Munin-Verlag war ehemals der vereinseigene HIAG-Verlag.
BILD Munin-Verlag 1972

Das Magazin „Der Freiwillige“ ist das ehemalige Organ des Waffen-SS-Veteranenverbandes „HIAG“ und ist bis heute das Traditionsblatt der ehemaligen SS-Mitglieder. Ein Text in „Der Freiwillige“ 3/2001 (Seite 4 f.) verdeutlicht die ungebrochene Traditionslinie:
„Wenngleich »Der Freiwillige« nun nicht mehr das offizielle Organ der HIAG ist, bleibt seine Aufgabe, das Mitteilungsblatt aller Soldaten der früheren Waffen-SS darzustellen, unverändert.“
Inhaltlich besteht „Der Freiwillige“ u.a. aus Schlachtberichten von SS-Mitgliedern. Die Leserschaft bestand ja früher auch vor allem aus ehemaligen SS-Angehörigen. Diese „Erlebnisgeneration“ starb aber langsam aus. Vermutlich aus diesen Gründen ging die Auflagenzahl von „Der Freiwillige“ stark zurück. Im Jahr 1954 gegründet hatte „Der Freiwillige“ zu Hoch-Zeiten eine Auflage von 11.500 Stück, die 1992 noch 8.000 betrug und 2006 waren es nur noch 5.000 Exemplare. Heute erfreut sich das Heft vor allem in Neonazi-Kreisen bleibender Beliebtheit.

Der Munin-Verlag ist ähnlich gestrickt wie das Magazin. Er ist eindeutig extrem rechts und veröffentlichte vor allem Erlebnisberichte von SS-Mitgliedern. Nun hat sich der Munin-Verlag einer „Deutschen Buchunion“ (DBU) angeschlossen.
Der Redakteur Agte („Schriftleitung »Der Freiwillige«“) schreibt in: „Der Freiwillige“ 9/10-2010 (Seite 63) zu dieser Veränderung:
„Um Ihnen ab sofort ein noch interessanteres und vielseitigeres Programm […] anbieten zu können, hat sich der Munin-Verlag mit der Deutschen Buchunion – Verlag und Medienhandelsgesellschaft m.b.H. Zusammengeschlossen.“

Inhaber des Munin-/DBU-Verlages ist ein Patrick Agte (* 1965) aus Trier, Geschäftsführer des Veteranenverbandes Kameradschaftsverband des 1. Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS e.V. und u.a. Herausgeber des Bildbandes „Michael Wittmann, erfolgreichster Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg, und die Tiger der Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Seit 2000 ist Agte Inhaber des Munin-Verlages. Agte schein auch über gute Kontakte zu Jungnazis zu verfügen. Agte war laut einer Meldung von „Blick nach Rechts“ Nr. 4/2004 Ehrengast beim 2. Tag des Nationalen Widerstandes am 27. Mai 2000 der NPD in Passau. Ein Patrick Agte wird auch in einem Verzeichnis des NPD-Landesverband Rheinland-Pfalz von 1990 als Beisitzer im Landesvorstand aufgeführt.

Auf Agte ist die Homepage der „Deutschen Buchunion“ angemeldet, deren Symbol dem des Munin-Verlages gleicht.
Deutsche Buchunion
OBEN: Screenshot von der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (DBU), Header der Homepage der Deutschen Buchunion in verkleinerter Darstellung

Laut eigener Darstellung der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (Stand/Screenshot v. 30.01.2011) ist die DBU anscheinend ein Gemeinschaftsprojekt („unsere Verlage“) von: Munin-Verlag, Dörfler-Verlag, UraCant, Ares-Verlag, Verlag Pour le Merite (Arndt-Verlagskomplex), dwj Verlags-GmbH, Waffen-Arsenal, Waffen-Revue und „alio.lt“.
Kooperiert tatsächlich eine nicht explizit rechte Zeitschrift wie die „Waffen-Revue“ mit dem extrem rechten Munin-Verlag? Es sieht stark danach aus …

Verwendete Quellen:

* The Next Generation, in Antifa-Infoblatt Nr. 53 – 2.2001, Seite 16-17
* Blick nach Rechts Nr. 4-2004, 19. Februar 2004
* die oben benannten Ausgaben von „Der Freiwillige“