Archiv der Kategorie 'Traditionspflege'

Österreich: Fallschirmjäger-Verein organisiert ein Gedenken an „Helden“ der Wehrmacht

Der „Verein Militärischer Fallschirmjäger Verbund Ostarrichi“ organisiert in Feldbach (Südsteiermark) ein Treffen zum Gedenken gefallener Wehrmachtssoldaten. Die „Kretafeier“ zog 2010 und 2011 etwa 200 Personen an, 2009 sind es nur 50 gewesen.
Für Zulauf soll nach Medienberichten Josef Paul Puntigam, Brigadier a. D., ehemaliger Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres und ehemaliger Kommandant der Jägerschule, gesorgt haben. Puntigam ist seit 2008 zum Präsidenten des Fallschirmjäger-Vereins. Außerdem ist Puntigam Mitglied der Studentenverbindung Tafelrunde Wiking und hat das Vorwort zu dem 2006 im extrem rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst. Der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ stand er für die Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006 als Interviewpartner zur Verfügung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Bundesheerangehörige in Uniform ,Polizisten und Mitglieder der rechtsextremen Kameradschaft IV, der frühere Waffen-SS-Mitglieder angehören. Dem Heer wurde von offizieller Stelle die Teilnahme am Treffen in Feldbach untersagt. Deswegen dürfen Vereinsmitglieder bei ihren Veranstaltungen keine Uniform tragen.

Wie das Magazin „Falter“ herausgefunden hat, ist der Verein mehr als nur ein brauner Traditionsverband:

Die Soldaten sollen im Kampfanzug erscheinen, bei Polizisten ist die Uniform erwünscht. So steht es auf dem Anmeldeformular für den „Ersten Internationalen Hochgebirgsmarsch samt Schießen“, bei dem die Teilnehmer vergangenes Wochenende in der Gegend von Kaprun auf bis zu 2639 Metern Seehöhe durchs Gebirge marschierten. […] Der Milf-O klingt nicht nur militärisch, er ist auch straff organisiert und hat in den Bundesländern „Standortkommandanten“, „Kommandanten“ für die verschiedenen Bundesheerkasernen sowie für Polizei und die Justizwache und auch einen „Ansprechpartner für unsere deutschen Kameraden“. […] Oder die ausländischen Kameraden kommen zu Besuch nach Österreich. Der „bayerische Soldatenbund“ konnte auf einem Schießplatz in Niederösterreich „mit Großkalibergewehren der Marke Heckler & Koch SL 7 und Steyr AUG StG 77“ das Schießabzeichen des Milf-O „erringen“. Ermöglicht worden sei dies durch die „hervorragenden Kontakte“ eines Bundesheer-Vizeleutnants, der ebenfalls im Vorstand des Milf-O sitzt.
Überhaupt nützt dieser Verein Bundesheereinrichtungen, als wäre er Teil des Heeres, darf sich bei Tagen der offenen Tür in verschiedenen Kasernen präsentieren, hat in der „Heeresunteroffiziersakademie“ in Enns sogar eine eigene Informationsecke zur Verfügung gestellt bekommen.

Quellen:
* Kerstin Scheller, Gudrun Springer: Militärverein organisiert braune Feier, Der Standard, 21. August 2012, http://derstandard.at/1345164758910/Militaerverein-organisiert-braune-Feier
* Schießübungen für Ostarrichi?, 22. August 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/08/22/schiesubungen-fur-ostarrichi/
* Nina Horaczek: An die Gewehre, an die Gewehre!, aus FALTER 34/12, http://www.falter.at/falter/2012/08/21/an-die-gewehre-an-die-gewehre/

Neonazis wollten in Leipzig eine Veranstaltung mit Waffen-SS-Mitglied abhalten

Für den Raum Leipzig, mutmaßlich das „Nationale Zentrum Leipzig“, wurde nach Recherche des DOKMZ per Facebook ein „SS-Zeitzeugenvortrag“ beworben. Angekündigt war ein Mitglied der SS-Division Frundsberg, der „von seinen Kriegserlebnissen und seiner Gefangenschaft“ berichten soll.
Als Zeitzeuge vor Neonazis trat bisher bereits ein Gottfried Pönitz, Jahrgang 1926, aus Hartha auf. Pönitz soll sich 1942 als Kriegsfreiwilliger zur Waffen-SS gemeldet haben, gehörte zeitweise der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ an und war später SS-Rottenführer der 10. Waffen-SS-Division Frundsberg.
Bisher unbestätigt ist ein aktueller Eintrag bei Facebook, der lautet: “Der Vortrag wird aus gesundheitlichen Gründen verschoben”.

Lettland: SS-Veteranen marschieren

Waffen-SS-Veteran in Riga 2012
Am 16. März sind in Riga (Lettland) erneut noch lebende Angehörige der lettischen Waffen-SS-Divisionen und ihre SympathisantInnen aufmarschiert.
Die Medien berichten von 1.500 bis 2.000 Teilnehmern des Marsches durch die Innenstadt. Davor gab es einen Gedenk-Gottesdienst im Rigaer Dom.
Den Marsch gibt es seit Jahren, er findet immer am 16. März statt, der als „Tag der Legionäre“ gilt. Als „Lettische Legionäre“ dienten 140.000 Letten in der Waffen-SS und 50.000 davon fielen im Krieg. Teile der lettischen Kollaborateure waren direkt in den Mord an den baltischen und weißrussischen Juden involviert.
Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt etwa die Hälfte der Bevölkerung den Marsch ab.

Quellen:
* Lettische SS-Veteranen marschieren trotz Protest, tagesschau.de, 16.03.12, http://www.tagesschau.de/ausland/lettland138.html
* FOCUS Online: Umstrittenes Gedenken in Lettland: SS-Veteranen marschieren durch Riga, Freitag, 16.03.2012, http://www.focus.de/politik/ausland/umstrittenes-gedenken-in-lettland-ss-veteranen-marschieren-durch-riga_aid_724898.html
* Hannes Gaillscheg: Lettland: Marsch der SS-Veteranen in Riga, „Die Presse“, 16.03.12, http://diepresse.com/home/panorama/welt/741061/Marsch-der-SSVeteranen-in-Riga?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do

Estland: sicherer Hafen für NS-Kriegsverbrecher?

Ein Fernsehbericht über die Verhältnisse in Estland zeigt zum wiederholten Male dass dort Veteranen der Waffen-SS als Freiheitskämpfer verklärt werden.
Selbst Ritterkreuzträger werden gefeiert:
Ritterkreuzträger Estland

SS-Veteranen Estland 2011

Quelle:
* Estonia, Nazi safe haven, TV-Bericht, 21.11.11, http://rt.com/news/estonia-nazi-gorshkov-haven-803/

Volkstrauertag in München: Burschenschafter, Ritterkreuzträger und die Bundeswehr

Robert Andreasch vom AIDA-Archiv in München hat einen informativen Artikel über den diesjährigen Volkstrauertag in München veröffentlicht:

Zusammen mit bekannten ultrarechten Organisationen wie der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ehemaliger Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehöriger und der völkischen „Burschenschaft Danubia“ gestalteten Bundeswehr und Bundespolizei die Veranstaltung zum Volkstrauertag im Münchner Hofgarten. Im Publikum anwesend: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.
Bei einer vom „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ mitinitiierten Veranstaltung zum Volkstrauertag kam es am Sonntag, 13. November 2011, im Hofgarten an der Staatskanzlei zu einer bemerkenswerten Allianz: Bundespolizeidirektion und Bundeswehr gestalteten den Trauerzug und die Kranzniederlegung gemeinsam mit ultrarechten Gruppen wie der „Burschenschaft Danubia“ oder der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR).
In den Stunden vor der Gedenkfeier war der Ablauf von den Staatsorganen gemeinsam mit den Aktivisten der rechten Gruppen besprochen und eingeübt worden. Sympathisant_innen der beteiligten Ultrarechten hatten zudem im Vorfeld Eintrittskarten für die Veranstaltung ausgehändigt bekommen. Im Publikum, das diesem Aufzug beiwohnte, befand sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann.

„Traditionsgemeinschaft“
Die „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ besteht unter diesem Namen seit 1955, davor gab es die „Gemeinschaft der Ritterkreuzträger“. Der Name bezieht sich auf die nationalsozialistische Tapferkeitsauszeichnung: Infolge des Polenfeldzugs verlieh Adolf Hitler persönlich über 7000 „Ritterkreuz“-Auszeichnungen zum „Eisernen Kreuz“. 438 dieser militärischen Orden erhielten Mitglieder der SS und Waffen-SS, z. B. der Kriegsverbrecher und SS-Obergruppenführer Josef „Sepp“ Dietrich. Konnten zunächst nur Träger eines „Ritterkreuzes“ oder des sogenannten „Militärverdienstkreuzes“ Mitglied der OdR werden, nimmt die Organisation heute auch Sympathisant_innen auf. Joachim Philipp aus Unterschleißheim ist stellvertetender Vorsitzender der OdR.
Die militaristische „Ordensgemeinschaft“ spricht das nationalsozialistische Deutschland von der Schuld am Zweiten Weltkrieg frei. Im Juni 1993 hieß es in der organisationsinternen Zeitschrift „Ritterkreuz“: „Das Beharren bundesdeutscher Lehrstuhlinhaber und verbeamteter Historiker auf der Legende am deutschen Überfall auf die Sowjetunion weitet sich zum peinlichsten Desaster der Nachkriegsgeschichte aus“.  Auf ihrer Jubiläumsveranstaltung im Jahr 2004 traten Reinhard Günzel, Dauerreferent der rechten Szene, sowie der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof auf, der in seinem Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ ebenfalls die deutsche Kriegsschuld relativiert. Mitglieder der OdR standen in der Vergangenheit mit der extremen Rechten in Verbindung, z. B. über das Düsseldorfer Mitglied Hajo Herrmann, Multiaktivist in der deutschen Neonaziszene, oder bei der jährlichen SS-apologetischen Gedenkfeier auf dem Kärntner Ullrichsberg.

Schwarz-weiß-rot
1999 erließ Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping ein Kontaktverbot für Soldat_innen der Bundeswehr gegenüber der OdR, da diese von Leuten geführt werde, „die sehr nahe am Rechtsradikalismus sind, zum Teil direkt drin“. Für Beerdigungen und Kranzniederlegungen werden heute teilweise wieder Ausnahmeregelungen getroffen, z. B. dergestalt, dass Kränze der OdR von Bundeswehrsoldat_innen statt von den OdR-Delegierten niedergelegt werden. Im Hofgarten trugen Bundeswehrsoldaten den Kranz der OdR, der mit einer Kranzschlaufe (Aufschrift: „Traditionsgemeinschaft des Eisernen Kreuzes – Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“) in schwarz-weiß-rot, den Farben von Kaiserreich und Nationalsozialismus sowie einem „Eisernen Kreuz“ dekoriert war. Nur einen Meter dahinter folgten die beiden Delegierten der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ ihrem Kranz.

„Heldengedenken“
Aber die OdR war nicht die einzige ultrarechte Organisation, die unter den Augen von Innenminister Herrmann am Sonntag Vormittag im Hofgarten vertreten war. Im offiziellen Trauerzug der Veranstaltenden und unter den in Formation Angetretenen befanden sich auch Mitglieder des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ sowie Vertreter Münchner Burschenschaften, darunter „Chargen“ (in Phantasieuniformen gekleidete Funktionäre) der bis ins neonazistische Spektrum hinein verwobenen „Burschenschaft Danubia“. Die Münchner Burschenschaft „Cimbria“ hatte die Volkstrauertagsveranstaltung gar unter der aus dem Nationalsozialismus stammenden Bezeichnung „Heldengedenken“ in ihrem Semesterprogramm eingetragen.

„Kameradenkreis“
Beim „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ handelt es sich um eine Organisation, in der sich sowohl ehemalige Mitglieder von Gebirgsjägereinheiten der NS-Wehrmacht und der Waffen-SS als auch ehemalige und aktive Mitglieder der Bundeswehrgebirgstruppe organisieren. Ehrenpräsident der Vereinigung war der in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilte General a. D. Hubert Lanz.

„Danubia“
Die „Danubia“ gehört zu den am weitesten rechtsaußen angesiedelten studentischen „Burschenschaften“ überhaupt. Sie ist Teil der völkischen „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) deutscher und österreichischer Burschenschaften, die zuletzt im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) rassebiologische Aufnahmekriterien festschreiben lassen wollte. Das Haus der „Danubia“ in der Möhlstraße im Münchner Stadtteil Bogenhausen wird auch von Mitgliedern der neonazistischen „Kameradschaft München“ besucht.
Ein führendes Mitglied der Neonazitruppe soll nach Informationen des a.i.d.a.-Archivs in der letzten Zeit sogar unter der Danubia-Adresse gemeldet gewesen sein. Die neonazistische „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ hat in Kooperation mit Burschenschaftern der Danubia in deren Haus ein oberbayerisches „Regionaltreffen“ abgehalten. Das Referentenprogramm der Burschenschaft in den letzten Jahren liest sich wie das „Who is who“ der extrem rechten Szene. Im Mai 2011 hatte die „Danubia“ z. B. den „nationalrevolutionären“ Publizisten Jürgen Schwab (Nürnberg) als Vortragenden eingeladen. Schwab, der regelmäßig Texte auf der Homepage des neonazistischen „Freien Netz Süd“ veröffentlicht, war wenige Tage vorher, am 1. Mai, zusammen mit dem stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Karl Richter beim Neonaziaufmarsch in Heilbronn als Redner aufgetreten.

Quelle:
* Robert Andreasch: Rechtsum im Hofgarten, 27. November 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2604:rechtsum-im-hofgarten&catid=41:parteien-und-organisationen&Itemid=151

Österreich: Nur 100 Personen bei Ulrichsberg-Feier

Der österreichische „Standard“ berichtet unter der Überschrift „Gedenkveranstaltung im Konzerthaus wurde zum Flop“, dass nur etwa 100 Personen am sn der Ersatzveranstaltung für das rechte Soldaten- und Veteranentreffen am Ulrichsberg im Klagenfurter Konzerthaus zusammenfanden.

Einblicke in die Treffen in den vergangenen Jahren (alle Bilder sind Screenshots aus der Film-Doku der U-Berg-Gruppe) :
Ulrichsberg 1979 a
OBEN: Ulrichsberg 1979 mit österr. Bundesheer

Ulrichsberg 1979 b
OBEN: Ulrichsberg 1979, Wehrmachts- oder SS-Veteranen

Ulrichsberg 1979 c
OBEN: Ulrichsberg 1979, SS-Obersturmführer

Ulrichsberg d
OBEN: Ulrichsberg 2005, Mithilfe des Bundesheeres

Ulrichsberg 2005 b
OBEN: Ulrichsberg 2005, Krumpendorf-Abend der SS-Veteranen

Ulrichsberg 2005 c
OBEN: Ulrichsberg 2005, Krumpendorf-Abend der SS-Veteranen

Quelle:
* APA: Ulrichsbergtreffen in Klagenfurt mit nur 100 Besuchern, 18. September 2011, http://derstandard.at/1315006655624/Ulrichsbergtreffen-in-Klagenfurt-mit-nur-100-Besuchern

SS-Veteran als Zeitzeuge bei Nazi-Kameradschaft

Im Vereinsheim des Kleingärtnervereins Lange Hecke e.V. in Braunschweig hat am 20. August 2011 die Braunschweiger Nazi-Kameradschaft „Burschenschaft Thormania“ eine „Zeitzeugen- und Musikveranstaltung“ durchgeführt. An dieser Veranstaltung sollen knapp 100 Personen teilgenommen haben. Als „Zeitzeuge“ sprach dort das ehemalige Mitglied der Waffen-SS, Hans Marggraf.
In einem Beitrag auf Indymedia heißt es zum Hintergrund von Marggraf:

Marggraf war Freiwilliger in der „12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend“. Diese Division war an Kriegsverbrechen beteiligt. Sie verübte z.B. im April 1944 ein Massaker unter den Einwohner des Dorfes Ascq in Frankreich.2 Dabei wurden 86 Menschen ermordet. Hans Marggraf trat in den letzten Jahren immer wieder bei faschistischen Organisationen, wie der NPD oder bei „Kameradschaften“, als Redner auf. In revisionistischer Art und Weise wurde auch bei dieser Veranstaltung das verbrecherische Morden der SS zu einem angeblichen „Kampf um Deutschlands Freiheit und Einzigartigkeit“ umgedeutet.

Quelle:
* Nazikameradschaft veranstaltet Vortragsabend mit SS-Veteran im Kleingartenvereinsheim, 07.09.2011, http://linksunten.indymedia.org/de/node/46459

PM des RABATZ-Bündnis zum NS-Verbrechen in Skines in Griechenland (27.07.2011)

Kriegsverbrechen nicht verschweigen

Reichenhall – 70 Jahre ist es am kommenden Montag, 1.August, her, dass Reichenhaller Gebirgsjäger die griechische Ortschaft Skines zerstörten und 148 Zivilist_innen ermordeten. In der oberbayerischen Kurstadt erinnert bislang aber nichts an die Opfer, stattdessen wird dort der Täter gedacht.

Während der deutschen Besatzung der Mittelmeer Insel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 aber sind den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen. Dort heißt es wörtlich: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt.
Sie erfasst die Orte Alikianu, Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.“ [1]
Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“[2] In Bad Reichenhall hingegen erinnert im Ortsbild nichts an die
Kriegsverbrechen der örtlichen Gebirgsjäger. Für das antifaschistische Bündnis RABATZ ist das Gegenteil der Fall. „Durch rechte, geschichtsrevisionistische Traditionspflege werden in Bad Reichenhall die Täter zu Helden verklärt. Die Bundeswehrkaserne ist immer noch nach einem Nazigeneral benannt und eine ‚Kreta Brücke‘[3] glorifiziert den faschistischen deutschen Angriffskrieg. Und das sind nur zwei Beispiel von vielen.” so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses. Da sich in Bad Reichenhall trotz einer antifaschistischen Kampagne die Zustände bisher offensichtlich nichts geändert hätten, sieht sich das Bündnis verpflichtet nochmals zu intervenieren. „Wir planen für September eine Vorführung des Filmes ‚Als die Deutschen vom Himmel fielen‘[4]. Dieser behandelt die Geschehnisse auf Kreta zwischen 1941-45. Selbstverständlich überlegen wir auch, nächstes Jahr erneut in Bad Reichenhall zu demonstrieren,” so Jade über mögliche weitere Aktionen.

[1] BA-MA, RH 28-1/ 6, Tätigkeitsbericht der 5.Geb.Div. Vom 1.8.194 – 15.3.1942, Blatt 105 ff. Seite 2 des Berichtes (ohne Paginierung).
[2] Vgl. Inschrift des Denkmals, insgesamt werden  141 Opfer  genannt: Gemeinde Fournes 45, Skines 32 (Nördliche Ortschaften:) Alikianos 13, Koufos 5, Vatolakkos 17, (Westlich Ortschaften:) Nea Roumata 5, Prases 12, (Südliche Ortschaften: ) Orthouni 9, Karanos 2, Meskla 1
[3] Bereits im Mai diesen Jahres fordete das Bündins eine Umbenennung der Brücke nach den Bad Reichenhaller Antifaschisten Johann Winkler und Gottfried Reischl gefordert, der Stadtrat blieb aber bis heute untätig. Vgl. Pressemitteilung BRH 2011-3 vom 14.05.2011
[4] Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer. Weitere Infos: www.kreta-film.net

Österreich: 51. Ulrichsberg-Gedenkfeier

Das Hartmut-Mayer-Archiv schreibt:

Österreich/Klagenfurt. Die „Ulrichsberggemeinschaft“, die seit vielen Jahren unter dem Einfluß von Akteuren der SS-Veteranenorganisation „Kameradschaft IV“ steht, mobilisiert zu ihrer „51.Ulrichsberg-Gedenkfeier“ am 17. und 18.September in Kärnten. Am Samstag beginnt die Auffahrt zum Ulrichsberg um 13 Uhr. Nach einer Feier, die um 16.30 Uhr endet, findet abends ein „Heimatabend“ im Kursaal Krampendorf statt. Am Sonntag soll ab 10 Uhr eine große Festveranstaltung im Klagenfurter Konzerthaus stattfinden und später ein Festabend mit Musikbegleitung im Hotel Rosenheim in Krumpendorf. Beworben wird die Veranstaltung u.a. in der „Deutschen Nationalzeitung“.

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (10.6.2011)

Rabatz: „Auch Name der Kaserne ist skandalös“

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten GebirgsjägerRegiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren¹“. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.

¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Bad Reichenhall a
OBEN: Reichsadler mit Edelweiß an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall NS-Wandbild
OBEN: nationalsozialistisches Wandgemälde an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall c
OBEN: Grab Rudolf Konrads am Reichenhaller Friedhof

NVA-Kameradschaft verteidigt Wehrmacht

In der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 82 findet sich folgender Leserbrief:
DMZ-Leserbrief

Verteuflung muß aufhören
Wir, die Angehörigen des Kameradschaftsbunds Dresden-Löbtau der ehemaligen 7. Panzerdivision der NVA, beobachten mit Interesse die Umgestaltung des Militärhstorischen Museums in Dresden. Uns liegt am Herzen, daß auch das Kapitel Deutsche Wehrmacht nicht zu kurz kommt. Leider darf man sich wohl über die Darstellung dieses Kapitels deutscher Militärgeschichte keine Illusionen machen. Wir sind – genau wie die DMZ – der Überzeugung, daß die kollektive Verteufelung endlich ein Ende haben muß! Vielleicht kann die Deutsche Militärzeitschrift sich dieses Themas annehmen , wenn das Museum am 14. Oktober 2011 neueröffnet wird.

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Bundeswehr bei Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit von der Partie

In dem sehr lesenswerten Artikel „Mit Verspätung entnazifizieren“ von Johannes Müller in der Wochenzeitung „Jungle World“ heißt es u.a.:

Der Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU) wohnt regelmäßig dem »Kreta-Gedenken« des Kameradenkreises der Gebirgstruppe bei. Dieser Verein wird vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege als »Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher« bezeichnet und organisiert auch das jährliche Treffen von Wehrmachts- und SS-Veteranen in Mittenwald (Jungle World 22/09). In der übernächsten Woche will der Kameradenkreis wieder der »beim Kampf um Kreta im Zweiten Weltkrieg gefallenen Reichenhaller Gebirgsjäger« gedenken. Anregungen wie die des Münchener Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), auch den »dunklen Teil« der Geschichte zu durchleuchten, hört der Kameradenkreis hingegen nicht gern. So schimpfte Manfred Held, der Vorsitzende der Bad Reichenhaller Sektion, auf der Gedenkfeier 2009: »Wenn aber, wie auch Ude erkannte, ›das Militär für einen verbrecherischen Krieg missbraucht wurde‹, wer kann da an dieser Stelle vorwurfsvoll an die Vergangenheit erinnern?« Etwa 80 Zuhörer hatte Held nach Polizeiangaben.
Unter ihnen waren auch Angehörige der Bundeswehr. Die Traditionspflege der Armee passt zu Bad Reichenhall. Die Kaserne in der Stadt trägt den Namen des Nazigenerals Rudolf Konrad. An einem Gebäude an ihrem Eingang prangt nicht nur ein großes, nationalsozialistisches Wandgemälde, das Wehrmachtssoldaten zeigt, sondern auch ein steinerner Reichsadler. Bei diesem wurde lediglich das Hakenkreuz, das er in den Krallen hielt, durch ein Edelweiß ersetzt.

Quellen:
* Johannes Müller: Mit Verspätung entnazifizieren, in: „Jungle World“ Nr. 18 vom 5. Mai 2011,
http://jungle-world.com/artikel/2011/18/43120.html
* Johannes Müller: Erneut SS-Gedenken in Bad Reichenhall, 9. Mai 2011, http://www.hagalil.com/archiv/2011/05/09/bad-reichenhall-2/

Ritterkreuzträger-Zeitzeugenvortrag bei Nazi-Veranstaltung angekündigt

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Am 7. Mai soll im thüringischen Kirchheim in der Szene-Lokalität „Erlebnisscheune“ im Hotel „Romantischer Fachwerkhof“ das so genannte „4. Treffen der Generationen“ stattfinden.
[…] Neben Melaouhi soll ein namentlich nicht genannter Ritterkreuzträger zu den Anwesenden sprechen.

Quelle:
* Anton Maegerle: Geschichtsunterricht für den Nachwuchs, 19.04.2011

Gegen das „Kreta-Gedenken“ der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall

Antifaschist_innen und Antimilitarist_innen rufen mit folgendem Text zu einer Protestkundgebung in Bad Reichenhall auf:

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta rufen wir dazu auf, am Sa, 21.05.2011 in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand zu demonstrieren.
 
Bad Reichenhall ist ein Ort der symbolisch für die widerliche geschichtsrevisionistische, militaristische Gedenkpolitik in der oberbayerischen Provinz steht. Hier wurde noch 1966 zur Glorifizierung dieses Angriffskriegs die sogenannte „Kretabrücke“ eingeweiht. An dieser Brücke findet jährlich rund um den 20.Mai1 eine Gedenkfeier zu „Ehren“ der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und in Gedenken an dem Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall statt. So wird das gesellschaftliche Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus in die Vergessenheit gedrängt und die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt. Während die Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgstruppe nicht thematisiert werden. Ihr Kommandeur, Generalmajor Julius Ringel (1889 bis 1967) befahl 1941 aufgrund des (für die deutsche Führung völlig überraschenden) Widerstands der kretischen Bevölkerung: “ (…)für jeden deutschen Verwundeten oder Gefallenen zehn Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, in denen deutsche Truppen beschossen werden, niederzubrennen, in allen Orten Geiseln sicherzustellen.“2 Angesichts dieser kriegerischen Tüchtigkeit erhielt Ringel im Juni 1941 das Ritterkreuz und zwei Jahre später „zum 10. Jahrestag der „Machtergreifung“ das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.3 Ringel verbrachte seine Pension in Bad Reichenhall, wo er 1967 verstarb, ohne sich je für die unter seinem Kommando verübten Gräueltaten verantworten zu müssen. Auf Kreta wurde das „Axiom von der Kollektivhaftung der Bevölkerung“ zum ersten Mal angewandt.4 Diese Vergeltungs-Morde lagen zeitlich vor den Massenliquidationen der Wehrmacht und der SS in der Sowjetunion und Serbien. Viele dieser Vergeltungsaktionen (z.B. Kandanos), bei denen tausende Zivilist_innen ermordet und zahlreiche Dörfer zerstört wurden, sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 ist hingegen den „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt. Sie erfasst die Orte Alikianu,Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.”5 Wie in Kandanos wurden in Skines die Häuser zerstört und die Menschen mussten ihre Häuser und Felder bis zum Ende der Besatzung verlassen. Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“6
 
Noch heute ist die Taditionspflege der Bundeswehr in großen Teilen ungebrochen. Dies macht sich nicht nur an deren Beiteiligung am „Kreta-Gedenken“ bemerkbar sondern auch dadurch, dass die Bundeswehrkaserne in Bad Reichenhall nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist. Konrad bekannte angesichts der verbrechen der Deutschenwehrmacht und SS: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe.“ In dem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug hat Konrad auf der Krim „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren lassen“7

Als Dekoration der von den Nazis erbauten General Konrad Kaserne prangt ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde, direkt über dem Haupteingang. Direkt daneben hängt ein steinerner Reichsadler an der Fassade, bei dem lediglich das Hakenkreuz durch ein Edelweiß ersetzt wurde.
 
Krieger des Lichts
 
In der deutschen Geschichtspolitik haben sich vielfältige Strategien herausgebildet, eine positive Identifikation mit Nation und Militär zu schaffen. Während beispielsweise in Mittenwald und Bad Reichenhall noch recht unverhohlen die Taten der nationalsozialistischen Gebirgstruppe glorifiziert werden, hat sich in weiten Teilen der Parteienlandschaft eine Lesart etabliert, nach der gerade aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands eine Verantwortung für das „geläuterte“ Deutschland und seine Armee erwächst. Eben durch dieses Eingeständnis deutscher Schuld, inszeniert sich hier eine Nation die aufgrund ihrer schonungslosen und „schmerzhaften“ Aufarbeitung der eigenen Geschichte dafür prädestiniert sei, Ähnliches zu verhindern, im Zweifelsfall durch militärische Intervention. So begründete etwa Joschka Fischer die deutsche Beteiligung am Kosovokrieg, mit dem Verweis auf den Holocaust. Nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz führt Deutschland heutzutage Krieg. Die profane Feststellung übrigens, dass die Bundeswehr tatsächlicher weniger aus dieser vorgeblichen moralischen Verantwortung heraus agiert, sondern um die Interessen des Standorts Deutschland auf dem Weltmarkt zu sichern und durchzusetzen, kann im Zuge dieser Inszenierung selbst einen Bundespräsidenten das Amt kosten.8
 
Einher mit der neuen Rolle dieses „geläuterten“ Deutschlands geht eine intensive Kampagne der Militarisierung der Gesellschaft durch öffentliche Gelöbnisse oder auch massive PR-Kampagnen an Schulen, Jobcentern und Universitäten, in denen sich die Bundeswehr als sicherer Arbeitgeber in Krisenzeiten präsentiert. Im Zuge der Umstrukturierung zur Berufsarmee, will die Bundeswehr zudem künftig stärker um Geringqualifizierte werben, um ihren Personalbedarf an den niedrigen Rängen zu decken. Darüber hinaus wird und wurde wiederholt versucht, die Möglichkeiten des Einsatz des Bundeswehr im Inneren auszuloten. Während dem aktuell noch ein verfassungsrechtlicher Riegel vorgeschoben scheint, kommt es doch immer wieder zu Einsätzen der Armee im Dienste der „inneren Sicherheit“, etwa bei der Überwachung linker Aktivist_innen bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm durch Spähpanzer und Tornado-Flugzeuge oder dem Einsatz von „Feldjägern“ gegen Antimilitarist_innen beim Gelöbnis auf dem Münchner Marienplatz.
 
Die Opfer, der Held und das andere Deutschland
 
Eine wichtige Funktion in der deutschen Aufarbeitungs- und Geschichtspolitik, erfüllen Strategien zur moralischen Entlastung der Nation. So wird einerseits die deutsche Schuld eingestanden. Doch viele der Protagonist_innen des staatsoffiziellen Gedenkens vergessen dabei nicht auch auf die deutschen Toten, auf das „deutsche Leiden“ zu verweisen. Undifferenziert wird dann den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht, unter die kontextlos sowohl die Angehörigen der nationalsozialistischen Armee, als auch die von ihnen Ermordeten subsumiert werden. Als Beispiel kann hier etwa das Gedenken an die Toten der alliierten Bombardements deutscher Städte angeführt werden.
 
Zudem kreiert sich Deutschland seine „Held_innen“, als positiven Bezugspunkt nationaler Historie in den „zwölf dunklen Jahren“. Während etwa Hitler-Attentäter Stauffenberg in den ersten Jahren nach der Niederschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands noch überwiegend als „Verräter“ betrachtet wurde, dient er mittlerweile als Beleg für ein „anderes besseres Deutschland“. So zweifelhaft dieses Abfeiern eines überzeugten Nationalsozialisten sein mag, in Bad Reichenhall ist selbst das noch nicht angekommen.
 
Bad Reichenhall – Wo die Zeit Urlaub macht

An dem geschichtsrevisionitischen „Kreta-Gedenken“ der „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“9, dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe, nimmt neben Vertreter_innen der Bundeswehr auch der Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall teil. Daszeugt davon, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Wehrmacht in Bad Reichenhall bislang noch nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil: Militarismus und Geschichtsrevisionismus scheinen all gegenwärtig. Dies zeigt auch ein Zitat von Georg Ringsgwandl, welcher in Bad Reichenhall aufwuchs:
„Ich erinnere mich schmerzhaft an die Zeiten als Kind, als man meinen Vater, der im Krieg mehrfach wegen ‚ehrenrührigen Verhaltens‘ und Befehlsverweigerung degradiert worden war, in der Nachkriegszeit oft auf der Straße zur Rede stellte. Das waren Nazis und Militärs, auch General Ringel, der in der BRD komfortabel seine Pension verlebte und sich dann aus der Affäre zog mit dem Argument, dass mein Vater den gebotenen Anstand vermissen lasse.“10

Kein Wunder, dass sich in einem solchen Klima Militarist_innen, Rechtskonservative11, Rechtspopulist_innen12 sowie Alt- und Neonazis wohl fühlen und schon fest zum Ortsbild gehören. In einer Stadt, in der Vorträge zum Thema Antisemitismus im örtlichen Haus der Jugend untersagt werden13 und sich der Schulrektor nicht einmal entschuldigt, wenn als „Panne“ bei einem Festakt zur „deutsch-französischen Freundschaft“ „Deutschland, Deutschland über alles“ aus den Lautsprechen tönt14, erregt das rechte Treiben nur in Ausnahmefällen Aufsehen. Zum Beispiel als 1999 ein Jugendlicher, dessen Zimmer voll mit NS-Devotionalien war, Amok lief und vier Menschen und sich selbst erschoss15. Als am 20./21. Oktober 2007 das Bundestreffen der nazistischen „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ in Bad Reichenhall statt fand gab es jedoch keine Proteste. Genauso wenig gibt es Widerstand, wenn Neonazis in Bad Reichenhall Kundgebungen und Horst Wessel-Feiern16 organisieren oder sich die NPD zum monatlichen Stammtisch (z.T. Mit NPD-Größen wie Holger Apfel) im lokalen Gasthaus trifft. Die seit Jahrzehnten stattfindende jährlichen SS-Gedenkfeier (am 08.Mai in Karlstein/Bad Reichenhall zu Ehren der SS-Division „Charlemagne“) wurde erst 2006 in den Medien kritisch beachtet, als bei Polizeikontrollen neben Hakenkreuzfahnen auch Sprengmittel, Pistolen, Rauchbomben und andere Waffenteile bei den ca. 130 anwesenden Alt- und Neonazis (u.a. aus Deutschland, Frankreich, Italien und Dänemark) beschlagnahmt wurden. Trotzdem können sich Alt- und Neonazis weiterhin ungestört treffen. Während am 08.05.2010 in München tausende Menschen ein Neonaziaufmarsch durch Blockaden verhindert, konnte am selben Tag in Bad Reichenhall ungestört das neonazistisches SS-Gedenken stattfinden17 und wir befürchte dies auch für 2011.
 
Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden !!!

(unvollständige) Chronik rechter Vorkommnisse bei den Gebirgsjägern
* 18. Mai 1993: Sechs Angehörige der Gebirgsjäger grölen im Intercity von München nach Bad Reichenhall NS-Parolen und attackieren einen behinderten, ausländischen Fahrgast.
* Mitte 1994 bis Anfang 1995: Im sächsischen Schneeberg drehen 19 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 Videofilme, die unter anderem Soldaten beim Hitlergruß zeigen und gewaltverherrlichende Szenen enthalten. Der Film gelangt erst im Herbst 1997 an die Öffentlichkeit.
* 20.05.01: Der CDU-Abgeordnete Wolfgang von Stetten (* 1941), Präsident des rechtslastigen Studienzentrums Weikersheim, überbrachte am 20. Mai 2001 „die Grüße der Mitglieder des Deutschen Bundestages und ihres Präsidenten Thierse“ bei einem Treffen von 600 ehemaligen Fallschirmspringern und Gebirgsjägern, die im Zweiten Weltkrieg an der Luftlandeschlacht um Kreta teilgenommen hatten, bei ihrem Veteranentreffen auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Maleme auf Kreta. Weder der Bundestag noch Wolfgang Thierse waren informiert, es hatte weder Zustimmung noch Genehmigung dafür gegeben (Der Vater fiel als Flugzeugführer am 20. Mai 1941 auf Kreta.).
* 2003 oder 2004: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan posieren mit menschlichen Totenschädeln und Knochen aus einem Gräberfeld in einer Kiesgrube bei Kabul, in der früher sowjetische Soldaten beerdigt worden waren.
Erst im Herbst 2006 gelangten dabei aufgenommene Fotos an die Öffentlichkeit. Es wurden im Zuge von Ermittlungen etwa ein Dutzend Beteiligte identifiziert, darunter auch Angehörige der Gebirgsjäger aus Mittenwald.
* 29. Juni 2007: Am 29. Juni 2007 berichtet das „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“, dass ein 23-jähriger Soldat des in Mittenwald stationierten Gebirgsjägerbataillons 233 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde, weil er Juden verunglimpft hat. Der Hauptgefreite wurde vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro verurteilt, weil er bei einer Schießübung einen Schuss mit den Worten „Drecksjudd“ und „Stirb, du Jud“ begleitet hatte.

Quellen:
* Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls – antifaschistischen Demonstration, 11.04.2011, http://linksunten.indymedia.org/de/node/37402
* Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung: Bundeswehrchronik 1986 bis 1995, www.asfrab.de/Publikationen/Profil/Chronik1986bis1995.php
* Chronik des Hasses – Der „blick nach rechts“ dokumentiert antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr 2007, Zusammenstellung von Anton Maegerle, http://www.bnr.de/bnraktuell/ausgabe172007/chronikdeshasses/

Lettland: SS-Veteranenmarsch in Riga

Am 16. März fand erneut in Riga (Lettland) der alljährliche Marsch der Veteranen der lettischen Waffen-SS und ihrer Anhänger durch den Rigaer Zentrum statt. Teilgenommen haben nach Berichten 2.500-3.000 Menschen, darunter auch Gäste aus Litauen und Estland.
Es gab ca. 100 Gegendemostranten.

Quelle:
* Riga, 16.03.2011, http://kloty.blogspot.com/2011/03/riga-16032011.html

Neonazis wollen am 8. Mai 2011 in Bad Reichenhall der SS gedenken

Das Münchner AIDA-Archiv berichtet unter der Überschrift „Neonazistisches SS-“Gedenken“ in Bad Reichenhall“ auf seiner Homepage:

Wie in den vergangenen Jahren soll es auch dieses Jahr wieder ein neonazistisches Gedenken an die SS-Division „Charlemagne“ in Bad Reichenhall geben: Der NPD-Kreisverband Traunstein bewirbt eine „Gedenkveranstaltung am Kugelbach anläßlich des 66. Jahrestages, der am 8.Mai 1945 von den alliierten ‚Befreiern‘ ermordeten 12 französischen Waffen-SS Angehörigen der Division Charlemagne“ auf der Homepage.

Quelle:
* Meldung des AIDA-Archivs, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2267:8-mai-2011&catid=105:rechte-termine-sueden&Itemid=1216

Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige“

Der Munin-Verlag mit Sitz in Trier (ehemals: Reinsfeld bzw. Pluwig) ist ebenso wie das ihm zugehörige Magazin „Der Freiwillige“ eine Quasi-Hinterlassenschaft des 1992 aufgelösten „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG). Auf Regionalebene existieren freilich noch bis heute HIAG-Gliederungen. Der Munin-Verlag war ehemals der vereinseigene HIAG-Verlag.
BILD Munin-Verlag 1972

Das Magazin „Der Freiwillige“ ist das ehemalige Organ des Waffen-SS-Veteranenverbandes „HIAG“ und ist bis heute das Traditionsblatt der ehemaligen SS-Mitglieder. Ein Text in „Der Freiwillige“ 3/2001 (Seite 4 f.) verdeutlicht die ungebrochene Traditionslinie:
„Wenngleich »Der Freiwillige« nun nicht mehr das offizielle Organ der HIAG ist, bleibt seine Aufgabe, das Mitteilungsblatt aller Soldaten der früheren Waffen-SS darzustellen, unverändert.“
Inhaltlich besteht „Der Freiwillige“ u.a. aus Schlachtberichten von SS-Mitgliedern. Die Leserschaft bestand ja früher auch vor allem aus ehemaligen SS-Angehörigen. Diese „Erlebnisgeneration“ starb aber langsam aus. Vermutlich aus diesen Gründen ging die Auflagenzahl von „Der Freiwillige“ stark zurück. Im Jahr 1954 gegründet hatte „Der Freiwillige“ zu Hoch-Zeiten eine Auflage von 11.500 Stück, die 1992 noch 8.000 betrug und 2006 waren es nur noch 5.000 Exemplare. Heute erfreut sich das Heft vor allem in Neonazi-Kreisen bleibender Beliebtheit.

Der Munin-Verlag ist ähnlich gestrickt wie das Magazin. Er ist eindeutig extrem rechts und veröffentlichte vor allem Erlebnisberichte von SS-Mitgliedern. Nun hat sich der Munin-Verlag einer „Deutschen Buchunion“ (DBU) angeschlossen.
Der Redakteur Agte („Schriftleitung »Der Freiwillige«“) schreibt in: „Der Freiwillige“ 9/10-2010 (Seite 63) zu dieser Veränderung:
„Um Ihnen ab sofort ein noch interessanteres und vielseitigeres Programm […] anbieten zu können, hat sich der Munin-Verlag mit der Deutschen Buchunion – Verlag und Medienhandelsgesellschaft m.b.H. Zusammengeschlossen.“

Inhaber des Munin-/DBU-Verlages ist ein Patrick Agte (* 1965) aus Trier, Geschäftsführer des Veteranenverbandes Kameradschaftsverband des 1. Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS e.V. und u.a. Herausgeber des Bildbandes „Michael Wittmann, erfolgreichster Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg, und die Tiger der Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Seit 2000 ist Agte Inhaber des Munin-Verlages. Agte schein auch über gute Kontakte zu Jungnazis zu verfügen. Agte war laut einer Meldung von „Blick nach Rechts“ Nr. 4/2004 Ehrengast beim 2. Tag des Nationalen Widerstandes am 27. Mai 2000 der NPD in Passau. Ein Patrick Agte wird auch in einem Verzeichnis des NPD-Landesverband Rheinland-Pfalz von 1990 als Beisitzer im Landesvorstand aufgeführt.

Auf Agte ist die Homepage der „Deutschen Buchunion“ angemeldet, deren Symbol dem des Munin-Verlages gleicht.
Deutsche Buchunion
OBEN: Screenshot von der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (DBU), Header der Homepage der Deutschen Buchunion in verkleinerter Darstellung

Laut eigener Darstellung der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (Stand/Screenshot v. 30.01.2011) ist die DBU anscheinend ein Gemeinschaftsprojekt („unsere Verlage“) von: Munin-Verlag, Dörfler-Verlag, UraCant, Ares-Verlag, Verlag Pour le Merite (Arndt-Verlagskomplex), dwj Verlags-GmbH, Waffen-Arsenal, Waffen-Revue und „alio.lt“.
Kooperiert tatsächlich eine nicht explizit rechte Zeitschrift wie die „Waffen-Revue“ mit dem extrem rechten Munin-Verlag? Es sieht stark danach aus …

Verwendete Quellen:

* The Next Generation, in Antifa-Infoblatt Nr. 53 – 2.2001, Seite 16-17
* Blick nach Rechts Nr. 4-2004, 19. Februar 2004
* die oben benannten Ausgaben von „Der Freiwillige“

Wehrmachts-Zeitzeuge referierte bei Neonazis

Unter dem Titel “Mit dem DAK am Feind – Zeitzeugenvortrag am 7. November“ wurde von dem Neonazi-Newsportal „Netzwerk Mitte“ aus Dresden eine Veranstaltungsbericht veröffentlicht. DAK steht für „Deutsches Afrikakorps“ und war die Bezeichnung des von dem General Rommel geführten deutschen Heeres in Nordafrika. Das DAK war ursprünglich eine Unterstützung für die kolonialen Großmachtsambitionen des faschistischen Italiens im afrikanischen Mittelmeerraum gedacht. Durch Siege über die Briten trotz Unterlegenheit war das DAK und sein kommandierender Generalfeldmarschall Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“, sehr populär bei Hitler und der Bevölkerung Nazi-Deutschlands.
Wüstenfuchs Rommel
Bis heute genießen Rommel und sein DAK starkes Ansehen sowohl in der bürgerlichen Mitte als in Neonazi-Kreisen. In der bürgerlichen Mitte wird Rommel als scheinbar unpolitischer General, genialer Stratege und Widerstandskämpfer hochgehalten. Zwar wurde Rommel nach dem Stauffenberg-Attentat vom paranoiden Hitler zum Gift-Selbstmord gezwungen, aber für Verbindungen Rommels zur Militär-Opposition unter Stauffenberg gibt es keinerlei Beweis. Im Gegenteil, Rommel war bis dahin ausgesprochen „führertreu“ gewesen.
Auch das DAK hat keine weiße Weste. Unter der deutschen Besatzung Nordafrikas wurden die nordafrikanischen Juden massiv diskriminiert und im Gefolge Rommels fand sich auch eine Einsatzgruppe, ein Todesschwadron, dass für die jüdische Bevölkerung Palästinas bestimmt war.
Davon freilich erzählte der Zeitzeuge und ehemalige DAK-Soldat Rudolf Schneider aus Strauchitz bei Dresden, der zeitweise persönlicher Fahrer von Rommel war, seinen angeblich 140 Zuhörern (Eigenangabe) nichts.

Berichte von DAK-Veteranen scheinen bei extrem Rechten beliebt zu sein. Ein anderer DAK-Veteran und Waffen-SS-Freiwilliger, Wilhelm Langsam aus Göppingen, referierte unter dem Titel „Mit Rommel in Afrika und mit der Bibel um die Welt“ am 27. März 2010 bei der NPD Heilbronn. In dem Veranstaltungsbericht auf der NPD-Homepage heißt es:

Seine bisherigen Eindrücke vom politischen Wollen dieser Partei und dies, auch und gerade, im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Volkes und Staates, ließen ihn jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass seine Lebensmaximen und die der NPD im wesentlichen Deckungsgleich sind.
Seinen beeindruckenden Vortrag schloss er mit den Worten: „Ich bin einer von Euch“!
Auf diese Aussage können wir stolz sein!“

Wilhelm Langsam ist nicht nur irgendein Veteran, er ist der offizielle Vorsitzende des „Verband Deutsches Afrika- Korps“ e.V.

Dass Rommels Afrikakorps unter Neonazis einen legendären Ruf genießt, kann man auch daran erkennen, dass in den Szene-Versänden Kleidungsstücke mit Bezugnahme auf das DAK vertrieben werden wie die unten stehenden Bilder zeigen.

Afrika-Corps

Tshirt Afrikakorps

Alle Jahre wieder: braune Heldenverehrung in Wien

Am 8. November findet auf dem Wiener Zentralfriedhof wie jedes Jahr eine Gedenkzeremonie für den 1944 gestorbenen Piloten Walter Nowotny, Jahrgang 1920, statt. Nowotny war ein Jagdflieger der deutschen Luftwaffe mit hoher Trefferquote, d.h. er hatte im Zweiten Weltkrieg auf der Seite Nazi-Deutschlands Erfolge zu verzeichnen.
Diese „Leistung“ macht Nowotny zu einer idealen „Stahlgestalt“. Beim Prinzip „Stahlgestalt“ werden Einzelpersonen der deutschen Wehrmacht her genommen, die im Kampf besonders gute „Leistungen“ erbracht haben. Diese „Leistungen“ werden entpolitisiert und entkontextualisiert als vorbildhaft dargestellt. Die Träger dieser „Leistungen“, „Stahlgestalten“, stehen meist nicht in einem direkten Zusammenhang mit NS-Verbrechen und sind damit vermeintlich ohne Schuld. Das ist natürlich Unsinn, gute Leistungen in einem Krieg auf der Seite eines verbrecherischen Staates bedeuteten, dass dieser länger Bestand hatte und in diesem Fall seinen Rasse- und Vernichtungskrieg im Osten weiterführen konnte. Außerdem waren die „Stahlgestalten“ des NS-Staates immer auch von der NS-Propaganda aufgebaute Vorbilder. Die Jugend und andere Soldaten wurde angehalten ihnen nachzueifern.
Das auch Nowotny ein Werbeträger für den Nationalsozialismus war erkennt man gut an dem Bericht über seine Beerdigung im „Völkischen Beobachter“. Das ideologische NS-Organ „Völkischer Beobachter“ schreibt am 17. November 1944 über die Beerdigung von Walter Nowotny unter dem Titel „Abschied von Walter Nowotny, dass Hitler einen Kranz sandte („Der Kranz des Führers beim Staatsakt in Wien“) und das auch der „Reichsjugendführer“ Baldur von Schirach anwesend war. In der im „Völkischen Beobachter“ wiedergegebenen Trauerrede heißt es: „Du bist als Nationalsozialist und Offizier unbeirrt Deinen Weg gegangen, ein bedingungsloser, fanatischer Kämpfer, erfüllt von dem Wissen um den Endsieg: Du warst getreu bis in den Tod.“
Anti-Nowotny
In den vergangenen Jahren nahmen an dem Nowotny-Gedenken Mitglieder des „Österreichischen Kameradschaftsbundes“ (ÖKB) teil. Der ÖKB ist eine Veteranenvereinigung und hat nach Eigenangaben eine konstante Mitgliederzahl von 250.000 Aktiven, von denen mittlerweile über zwei Drittel keine (Welt-)Kriegsteilnehmer mehr sind.
Die meisten Teilnehmer kamen aber wohl von der FPÖ-Jugendorganisation „Ring Freiheitlicher Jugend Österreich“, dem „Ring Freiheitlicher Studenten“ und den deutschnationalen Studentenverbindungen (insbesondere Burschenschaften). Daneben nahmen auch Mitglieder des neonazistischen „Bund freier Jugend“ (BfJ) teil bzw. organisierten ein eigenes Gedenken.
Seit 2003 wird die Haupt-Veranstaltung organisiert durch den FPÖ-nahen „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“. Dieser wurde im Juli 2003 von Stadtrat Johann Herzog (FPÖ-Stadtrat), Hans-Jörg Jenewein (FPÖ-Kommunalpolitiker) und Walter Seledec (ORF-Chefredakteur) gegründet. Obmann (Vorsitzender) ist (war?) der Wiener Professor und Burschenschaftler Gerhard Pendl.