Archiv der Kategorie 'Sonstiges'

Offizier sieht keinen Rassismus bei der Truppe

Der Offizier und ‚People of Colour‘, Dominik Wullers will keinen Rassismus in der Bundeswehr ausmachen. In einem Kommentar in ‚Die Zeit‘ schreibt er:

Abschließend noch ein Kommentar zum ach so weitverbreiteten Rassismus in der Bundeswehr: Das ist Bullshit. Wie in jeder Organisation gibt es auch in der Bundeswehr Idioten und geistig Arme. Nur: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen geht die Bundeswehr massiv gegen rechtsradikale Kameraden vor. Unter anderem mit einem eigenen Geheimdienst, dem Militärischen Abschirmdienst, der bei dem kleinsten Nazi-Verdacht eine Kaserne auf den Kopf stellt. Und wer glaubt, dass es nach einer gemeinsam durchgestandenen Gefechtsübung noch „Ausländer“ gibt, hat keine Ahnung von der zusammenschweißenden Wirkung unseres Berufs.

Quelle:
* Dominik Wullers: Was glaubt ihr eigentlich, wer wir sind?, Die Zeit, 24. November 2013, http://www.zeit.de/2013/48/soldaten-deutschland

Unkritischer Text der Bundeswehr zum „Eisernen Kreuz“

Auf der Homepage der Bundeswehr erschien ein unkritischer Text zum „Eisernen Kreuz“. Darin heißt es u.a. unter der Überschrift „Vereinnahmt vom NS-Regime“:
Bundeswehr Eisernkreuz

Vom Norddeutschen Bund bereits in der Kriegsflagge gezeigt, avancierte das Eiserne Kreuz im Gefolge des Deutsch-Französischen Krieges zum gesamtdeutschen Militärsymbol. In der Zwischenkriegszeit spielte es in der Heraldik der Reichswehr eine wichtige Rolle, aber auch in bei öffentlichen Auftritten rechtskonservativer Kriegerbünde.
Die Akzeptanz des ehemals preußischen Kreuzes als militärisches Nationalsymbol veranlasste die Machthaber nach 1935 zu seiner Adaption für die Gestaltung von Truppenfahnen der Wehrmacht und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Neustiftung des Eisernen Kreuzes. Seine nationalsozialistische Vereinnahmung war durch das Aufbringen eines Hakenkreuzes auf dem Avers augenfällig.
Dieser Missbrauch des Kreuzes der nationalsozialistischen Herrschaft und im Kontext des deutschen Vernichtungskrieges 1939 bis 1945 überlagerte für geraume Zeit den ursprünglichen Sinngehalt des Eisernen Kreuzes.

Angeblich

stand das Eiserne Kreuz nicht für Militarismus und obrigkeitliche Willkür, sondern im Gegensatz dazu für die staatsbürgerliche Pflicht und die Bereitschaft des Volkes, seine Rechte und Freiheiten zu verteidigen. Des Weiteren erinnerte es an die Legitimität einer bewaffneten Auflehnung gegen Unterdrückung und Tyrannei.

Das ist falsch! Das Eiserne Kreuz war immer ein militaristisches und nationalistisches Symbol. Als es 1813 entstand, kämpften nationalistisch motivierte Freiwillige gegen die französische Besatzung unter Napoleon. Die allermeisten dieser Freiwilligen zogen die Herrschaft des „eigenen“ Königs, der des „fremden“ Kaisers vor, die Art der Herrschaft an sich wurde kaum infrage gestellt.
Am Ende des Textes heißt es: „Die Bundeswehr hat sich seitdem oft gewandelt. Das Eiserne Kreuz ist aber ihr unverwechselbares Markenzeichen geblieben.“

Quelle:
* Vereinnahmt vom NS-Regime, http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYy9DsIwEIOfpQ9ArpGKKGxUXYCNBcqCrumpjcifwpUsPDzJgC15-WzDA7IdfvSMrL1DA3cYlD6MSYxpIoEvXskYeotEminSkxey5OBWhrmgvCMuyeRY55wjso8i-MimkDXGTISeYKhl38ld_Zf87reXc9fKpulP3bUchoizRRic3yhUC0Gwtk3HqvoBlfwj9g!!/

Fundstück: Rechte in der Bundeswehr in den 1980ern

Ein Undercover-Journalist berichtet in dem Buch „Die Neonazis“ von 1978 an einer Stelle von einem Gespräch mit einem Mitglied der Kühnen-Truppe „Aktion Nationaler Sozialisten“:

Michael winkt ab: »Der ist okay. Es ist einer von uns. Der ist Bundeswehrsoldat. Bei uns gibt es die Anordnung, daß sich Soldaten sämtlichen Kontakten mit uns enthalten müssen. Die NSDAP-Mitglieder in der Bundeswehr haben eine eigene Organisationsstruktur. Wir müssen verhindern, daß sie – wie ich – rausfliegen.« Der Anteil der Soldaten in neonazistischen Gruppen ist verhältnismäßig groß. Die wehrsportbegeisterten Jungnazis zählen schon die Monate, wann sie in die Truppe einrücken dürfen und ihr militärisches Wissen und Können »offiziell« erweitern können. Andererseits haben auch – wenn auch nur wenige – Unteroffiziere und manche Offiziere für Naziorganisationen ihr Herz entdeckt. Major Lindner, Oberleutnant Temmler und Oberstleutnant Witt sind einige der bekannten Beispiele für Offiziere, die hohe NPD-Funktionen ausüben, ohne nur im geringsten Schwierigkeiten mit der Bundeswehrführung zu bekommen.

Quelle:
* Jürgen Pomorin / Reinhard Junge: Die Neonazis, Dortmund 1978, Seite 58

Guter Text zur „DMZ Zeitgeschichte“

DMZ Zeitgeschichte
Von der Homepage „Endstation Rechts“:

Zu den in den Regalen der Bahnhofsbuchhandlungen unter der Rubrik „Geschichte“ angebotenen Zeitschriften hat sich 2012 mit „DMZ Zeitgeschichte“ ein neues Angebot gesellt, dessen Titel allgemein und unverfänglich klingt. Doch bereits mit seinem Namen täuscht es die Passanten, denn das Heft widmet sich nicht den vielfältigen Bereichen der Zeitgeschichte, sondern konzentriert sich auf ein einziges Thema. Dieses behandelt es zudem nicht aus einer populärwissenschaftlichen, sondern aus einer für Rechtsextremisten typischen Sicht. Die „DMZ Zeitgeschichte“ beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Verherrlichung der Waffen-SS. Ein Gastbeitrag.
Die einseitige Ausrichtung auf die nationalsozialistische Streitmacht der seit 2012 erscheinenden Zeitschrift „DMZ Zeitgeschichte“ verwundert allerdings angesichts des verlegerischen Hintergrundes nicht, denn das Heft ist ein Seitenprojekt der „Deutschen Militärzeitschrift“ (DMZ). Bei ihr handelt es sich um ein 1995 entstandenes Magazin, das nach einer 2003 erfolgten Insolvenz vom Kieler Verleger Dietmar Munier übernommen wurde. Munier wiederum ist einer der wichtigsten Akteure der rechtsextremistischen Publizistik, der ein Zeitschriften- und Verlagsgeflecht um seinen „Arndt-Verlag“ und seinen Versandhandel „Lesen & Schenken“ betreibt. Die DMZ widmet sich seit der Übernahme einer Themenpalette, die sowohl die Bundeswehr und moderne Waffentechnik als auch die Wehrmacht und die Waffen-SS abdeckt. Während das Magazin dabei einerseits aktuelle wehrpolitische Themen nüchtern behandelt, verbreitet es andererseits beschönigende Artikel über die Streitkräfte des „Dritten Reiches“. Dadurch macht sich die DMZ für einen breiten Leserkreis interessant, der von nicht extremistisch eingestellten Personen mit einem generellen Interesse am Militärwesen bis hin zu Rechtsextremisten mit ihrer verklärenden Sicht auf den NS-Staat reicht. Da dies unter Verzicht auf eine offene rechtsextremistische Agitation erfolgt, schreckt die Zeitschrift die Laufkundschaft der Zeitschriftenhändler nicht ab, könnte jedoch aufgrund dieser Mäßigung für nicht wenige der am „Dritten Reich“ interessierten Leser auf Dauer zu langweilig sein.

Mit der „DMZ Zeitgeschichte“ richtet sich nun ein neues Blatt an die zuletzt genannten Personen. Dabei stellt die vierteljährlich erscheinende Schrift die Waffen-SS als militärische Eliteeinheit vor und sieht sie als Opfer einer angeblichen Desinformation, die deren öffentlichen Ruf negativ bestimmt. Dementsprechend beabsichtigt die Zeitschrift, der von ihr abgelehnten öffentlichen Meinung ihre Sicht entgegenzustellen und – nach eigener Aussage – vor allem Jugendliche anzusprechen. Im Aufbau verfügt sie über eine feste Struktur. Die einzelnen Rubriken enthalten hauptsächlich Schilderungen einstiger Kampfhandlungen, Vorstellungen wichtiger SS-Soldaten, Berichte über deren Ausrüstung sowie Interviews mit Veteranen. Inhaltlich entsprechen die Artikel der in der gemäßigten rechtsextremistischen Publizistik üblichen Ausrichtung. Dazu gehört – wie bei der DMZ – der Verzicht auf eine direkte rechtsextremistische Agitation. Stattdessen enthalten die Beiträge eine Kombination aus der Unterschlagung des ideologischen Hintergrundes der Waffen-SS mit der Betonung ihrer militärischen Leistungen. Gleichzeitig geht die Zeitschrift nicht auf deren in ganz Europa verübte Kriegsverbrechen und ihre Rolle im Holocaust ein, sondern stellt von alliierten Soldaten an ihren Angehörigen begangene Taten heraus. Dies geschieht etwa durch eine Berichterstattung über mehrere 1944/45 erfolgte Erschießungen gefangener SS-Soldaten durch amerikanische Soldaten, wobei unterschlagen wird, dass die alliierten Kombattanten unter dem Eindruck der massenhaften Verbrechen des „Dritten Reiches“ standen, derer sie unter anderem in den von ihnen befreiten Konzentrationslagern gewahr geworden waren.

Die Artikel über Kampfhandlungen beschreiben unter vor allem für die Waffen-SS besonders bedeutende Schlachten wie Charkow (1943) oder Budapest (1944/45). Dies erfolgt jeweils aus einer rein militärgeschichtlichen Perspektive. Ebenso werden bei der Vorstellung besonders erfolgreicher SS-Soldaten lediglich deren militärische Leistungen, nicht jedoch deren politische Werdegänge vorgestellt, sodass sie allein als Elitekrieger erscheinen. Die Berichte über deren ehemalige Ausrüstung bestehen aus sachlichen Beschreibungen von Waffen, Uniformen und Orden. Dies dürfte das Interesse von generell an Militaria interessierten Lesern wecken. Mit den verschiedenen Interviews ermöglicht „DMZ Zeitgeschichte“ nicht nur ehemaligen Veteranen, sich nach mehr als sechs Jahrzehnten öffentlich darzustellen, sondern präsentiert den von ihr erhofften jugendlichen Lesern Vorbilder.

Insgesamt lenkt die Zeitschrift durch ihre Berichterstattung davon ab, dass es sich bei der Waffen-SS nicht um eine Streitmacht wie andere auch handelte, sondern um eine vom Nationalsozialismus durchdrungene Parteiarmee der NSDAP, die als Instrument in einem rassistischen Vernichtungskrieg diente. Somit verherrlicht sie einerseits die Truppe und präsentiert andererseits insbesondere jungen Rechtsextremisten ein historisches Ideal für deren eigene Lebensgestaltung. Dietmar Munier hat mit der „DMZ Zeitgeschichte“ sein publizistisches Angebot erweitert. Das Magazin ist dadurch Teil eines unauffälligen Expansionsprozesses, der die starke Stellung des norddeutschen Verlegers im rechtsextremistischen Publikationswesen festigt.

Quelle:
* Elmar Vieregge: Das Magazin „DMZ Zeitgeschichte“ und die Verherrlichung der Waffen-SS am Zeitschriftenkiosk, 18. Mai 2013, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=8253:das-magazin-%E2%80%9Edmz-zeitgeschichte%E2%80%9C-und-die-verherrlichung-der-waffen-ss-am-zeitschriftenkiosk&Itemid=773

Ex-Luftwaffen-Oberst beim BND unter Rassismus-Verdacht

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt in einem Artikel vom 22. März 2013:

„Der Bundesnachrichtendienst (BND) – der deutsche Geheimdienst, der im Ausland operiert – suspendierte in einem anderen Fall den Leiter seiner Mainzer Verbindungsstelle von seinem Posten und leitete gegen den Luftwaffen-Oberst der Reserve ein Disziplinarverfahren ein. Ihm werden unter anderem rechtspopulistische und islamfeindliche Äußerungen vorgeworfen.

Der Anwalt spricht von Mobbing
Der Beamte, der auch in Afghanistan im Einsatz war, soll angeblich ein Islamhasser sein. Das Bild des Bundespräsidenten soll er in der Dienststelle abgehängt und in die Besenkammer verbannt haben. Angeblich habe der Beamte bei Morgenbesprechungen gegen Ausländer polemisiert und gegen Politiker, die Deutschland in den Abgrund zögen. Auf Veranstaltungen verbreite er Untergangsszenarien.
Sein Anwalt Reinhard Mußgnug weist die Vorwürfe zurück. Der BND-Regierungsdirektor werde gemobbt, erklärt Mußgnug, der Ordinarius für Öffentliches Recht an der Uni Heidelberg ist. Der 62-Jährige weise „auf die bekannten Gefahren des Terrorismus und des Islamismus“ hin, schrieb Mußgnug dem BND. „Es mag sein, dass er diese Gefahren ernster nimmt als andere. Er übertreibt sie jedoch nicht.“ Ob er sich rechtspopulistisch äußere, müsse „dahingestellt bleiben“. Der BND-Mann denke und rede eher konservativ. Sein Mandant habe nur etwas gegen „Ultra-Islamisten wie die Taliban oder Salafisten“, sagt Mußgnug.“

Quelle:
* Hans Leyendecker und Tanjev Schultz: Rassistische Äußerungen Die Kreuzritter vom Verfassungsschutz, 22. März 2013, http://www.sueddeutsche.de/politik/rassistische-aeusserungen-die-kreuzritter-vom-verfassungsschutz-1.1630700

Analyse des rechten Blatts „Soldat im Volk“

Bei „Blick nach Rechts“ ist eine sehr lesenswerte Analyse des rechten Blatts „Soldat im Volk“ erschienen, worin es u.a. heißt:

Für Tradition und Fortschritt europäischen Soldatentums“ will das Blatt „Soldat im Volk“ eintreten. Tatsächlich ist das Organ des Verbands Deutscher Soldaten (VDS) nach wie vor ein Hort extrem rechten Gedankenguts.
Den Leitartikel der Zeitschrift, die seit 1951 erscheint, verfasst stets der VDS-Bundesvorsitzende Max Klaar (Bonn). Bei der Bundeswehr befehligte er einst eine Einheit von Fallschirmjägern. Klaar findet: „Beide Weltkriege wurden von Großbritannien und seinen Verbündeten als zweiter 30-jähriger Krieg geführt, um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten.“ So steht es in der Ausgabe 4/2012. […] Als Autoren kommen in „Soldat im Volk“ einschlägig bekannte Namen zu Wort: die geschichtsrevisionistischen Publizisten Franz Uhle-Wettler und Gerd Schulze-Rhonhof zum Beispiel, der rechtsextreme Verleger Gert Sudholt, Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, der Ökonom Eberhard Hamer sowie Jürgen Reichardt, der in den 80er Jahren Sprecher des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner war und heute Präsident des völkisch-reaktionären Bayerischen Soldatenbundes ist. Die Beiträge werden teilweise aus anderen Publikationen übernommen. […] Die Bundesregierung fand im Jahr 2000 bei der Zeitschrift „einzelne tatsächliche Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund“. So wurde in Anzeigen für die revisionistische Schrift „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“ (VffG) geworben. „Soldat im Volk“ druckte auch einen unkommentierten Text eines Führungsmitglieds der US-Neonazipartei NSPA ab. „Die Grundaussagen vieler Artikel in ,Soldat im Volk‘ sind kaum von denen in rechtsradikalen Publikationen unterscheidbar“, stellten schon in den 90er Jahren Bundestagsabgeordnete der Grünen in einer kleinen Anfrage fest.
VDS-Chef Klaar fuhr 2011 nach Washington, um an einer eigenartigen Zeremonie teilzunehmen. Dabei entschuldigte sich der ehemalige US-Major Merrit Drucker stellvertretend beim VDS-Vorsitzenden für Zustände in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern nach dem Zweiten Weltkrieg. Drucker wurde bei der Aktion von dem revisionistischen Publizisten James Bacque („Der geplante Tod“) unterstützt. Dessen Thesen hat die seriöse Geschichtswissenschaft längst widerlegt.

Quelle:
* Magnus Bosch: Völkisch-reaktionäres Weltbild, Blick nach Rechts, 27.02.2013, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/voelkisch-reaktionaeres-weltbild

Leserbrief in extrem rechter Zeitung bringt nach Jahrzehnten Licht ins Dunkel

Im Jahr 1982 stirbt Hans-Ullrich Rudel, höchstdekorierter Luftwaffenpilot im „Dritten Reich“, Ikone des Nationalsozialismus und des Nachkries-Rechtsextremismus.
Bundeswehrsoldaten in Uniform nehmen damals in Dornhausen an der Beerdigung des Altnazis und Wehrmachtfliegers Hans-Ullrich Rudel teil, die von insgesamt 2.500 Personen, vor allem aus dem rechten Spektrum, begleitet wird.
Während des Begräbnisses überflogen Bundeswehr-Kampfflugzeuge der Typen „Phantom“ und „Starfighter“ mehrfach im Tiefflug den Ort.

Nun äußerte sich in der extrem rechten Wochenzeitung „National-Zeitung“, dem Ex-DVU-Blatt, Nr 3 vom 11. Januar 2013 ein Lauftwaffen-Veteran in einem Leserbrief:

Sehr geehrter Dr. Frey!
In der National-Zeitung wurde ein interessanter Artikel über Oberst Rudel veröffentlicht. Ich selbst bin ehemaliger Starfighter- und Phantom-Pilot der Luftwaffe und kann mich noch sehr gut an
die Sache mit dem Überflug erinnern. Auch daran, wie verzweifelt die dem Primat der Politik unterworfene Luftwaffenführung die „Schuldigen“ gesucht hatte. Ich habe allerdings „Manschetten“ vor der Macht der Political Correctness, die die Gut-Menschen immer wieder dazu verleitet, Existenzen Andersdenkender zu vernichten. Das „Letzte Geleit“ des Überflugs in Flugformation „Missing Man“ beim Rudel-Begräbnis war eine Sache, die nicht geplant, noch weniger per Flugauftrag ausgegeben werden durfte, sondern die sich spontan unter den Formationsfliegern ergeben hatte, zumal Ort und Zeit des Begräbnisses kein „Geheimnis“ waren.
Denn jeder Luftwaffen-Pilot sah damals die Einsatzbereitschaft und die fliegerischen Leistungen
von Oberst Rudel als Vorbild. Das durfte allerdings damals schon in der Öffentlichkeit nicht laut gesagt werden, man hatte den „Fall Kruppi und Franke“ noch zu gut in Erinnerung.
R. Bockelmann, per E-Post

(Seite 12)

Leichter Anstieg in der offiziellen Statistik rechter Vorkommnisse in der Bundeswehr

Aus einer „Heute“-Meldung vom 28. Dezember 2012:

Die Zahl rechtsextremistischer Vorkommnisse bei der Bundeswehr ist nach Jahren des Rückgangs 2012 wieder leicht gestiegen. Nach dpa-Informationen wurden bis Mitte Dezember 66 Vorfälle mit Verdacht auf einen rechtsextremistischen Hintergrund gemeldet. Im gesamten Vorjahr waren es 63 – der niedrigste Stand seit Anfang der 1990er Jahre. Bis 2009 wurden Jahr für Jahr noch mehr als 100 rechtsextremistische Vorkommnisse bei der Bundeswehr registriert. […] Bei den Verdachtsfällen aus dem laufenden Jahr handelt es sich fast ausschließlich um Propaganda-Delikte wie das Hören rechter Musik, Zeigen des Hitlergrußes, „Sieg Heil“-Rufe oder Hakenkreuz-Schmierereien. 21 der Verdachtsfälle wurden bereits bestätigt, die anderen werden noch geprüft.

Trotzdem sollte diese scheinbar geringe Zahl nicht um eine unabhängige Erhebung. Es handelt sich vielmehr um eine offizielle Statistik von freiwillig innerhalb der Bundeswehr gemeldeten Vorkommnissen.

Quelle:
* Mehr rechte Taten in der Bundeswehr, Quelle: dapd, dpa, 28.12.2012,
http://www.heute.de/Mehr-rechte-Taten-in-der-Bundeswehr-25952822.html

Neurechter Vordenker propagiert Soldaten-Ethos

Der „Wahlpreuße“ Götz Kubitschek ist Oberleutnant der Reserve, war 1998 als Leutnant der Reserve in Sarajevo stationiert und führte dort einen Einsatzzug des Bataillons für Operative Information und publizierte als Co-Autor über seine Erlebnisse während seines Bosnien-Einsatzes. Er wurde am 16. August 2001 aus einer Wehrübung entlassen und im April 2002 nach einer neurechten Kampagne für ihn rehabilitiert. Kubitschek gilt als Vordenker der so genannten „Neuen Rechten“, einer extrem rechten Strömung jenseits des Nationalsozialismus. Er gründete im Jahr 2000 zusammen mit Karlheinz Weißmann das „Institut für Staatspolitik“ (IfS), ist seit 2002 Geschäftsführer des Verlages Edition Antaios und war bis 2008 Leiter des „Institutes für Staatspolitik“. Folgendes Zitat von ihm vom 7. Oktober 2012 vom „Sezession“-Blog verdeutlicht anschaulich seine militärische Lebenshaltung:

Die jungen Leute sollen strammstehen, da, wo sie sind. Die sollen nicht hierherkommen und ihre Gehversuche vorzeigen, das interessiert uns nicht. Uns interessiert ihr dienstfähiges Gesicht, wir wollen sehen, ob sie Soldaten der Idee werden können, ja oder nein: der Idee der Nation oder der Tradition, der Reaktion oder der Nutzlosigkeit, des Ego non oder des Si vis pacem, para bellum. Wenn man sich gegen unsere Epoche stellt und sich dem Anspruch einer deutlich herausgemeißelten Gegen-Gestalt unterwirft: dem Widerständigen nämlich, braucht man keine Karriere zu machen: Man dient einfach, fertig, öffnet den Rotwein mit der Schere oder trinkt den teuersten Cognac, den man auftreiben kann – nie jedoch, weil »man das so macht« oder weil es ein Bild dafür gibt irgendwo, sondern weil man ist, wie man ist, heute, jetzt, schon immer. Denn dies gehört zum unverwechselbaren Stil der Ein-Mann-Kaserne, deren Tore aus Mangel an Versöhnung mit den gegenwärtigen Verhältnissen geschlossen wurden: Nur so kann darin an der Form und im Stil der EXPRESSIVEN LOSLÖSUNG gearbeitet werden.

Fundstück: Rassismus in der Kaserne

In dem Neuauflage von 2012 des Reportagen-Sammelbands von Günter Wallraff: Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere (Köln) beschreibt an einer Stelle auch ein schwarzer Deutscher seine Rassismus-Erfahrungen in der Bundeswehr:

Dr. S. K., 40 Jahre, deutscher Staatsbürger, der ursprünglich aus Eritrea stammt, schreibt: »Ich bin 1979 mit der Familie als Asylbewerber nach Deutschland geflüchtet, habe dann hier studiert, bin ausgebildeter Jurist und habe in verschiedenen Banken gearbeitet. Meine einschneidenden Erfahrungen mit Diskriminierung oder Rassismus habe ich während meiner Wehrdienstzeit bei den Fallschirmjägern erfahren müssen. Zum Beispiel als ic in der Franz-Joseph-Strauß-Kaserne in Altenstadt bei Schongau an den Kopf geknallt bekam: „Wir dulden keine falschen Neger bei den Fallschirmjägern.“ Oder immer wieder aufgefordert wurde, ich solle doch dorthin zurückgehen, wo ich hergekommen sei […].«

(Seite 75)

Lesetipp in eigener Sache

Braunzone Bundeswehr

TV-Bericht zu Neonazi in Reservisten-Gruppe

Wie bereits berichtet hat der „Hessische Rundfunk“ darauf hingewiesen, dass ein Bundeswehr-Hauptmann, Michael L., in Afghanistan stationiert ist, der über Kontakte zu Neonazis verfügt und sich 2008 um eine Mitgliedschaft in der NPD beworben hatte. Herausgekommen war das bei Recherchen über die „Marschgruppe Hürtgenwald“ des Reservistenverbandes der Bundeswehr. Diese Reservisten-Gruppe wird von dem SPD-Stadtverordneter und Oberstleutnant der Reserve Otto Baumann geleitet, der von Kollegen als „deutschnational“ beschrieben wird und der auch schon mal Beiträge aus dem Nazi-Hochglanzmagazin „Zuerst!“ rumgeschickt hat. Bereits früher war bekannt geworden, dass sich in der „Marschgruppe Hürtgenwald“ mehrere Neonazis befanden. Darunter auch Roman W.; Otto Baumann hatte damals angegeben er hätte von nichts gewusst. Allerdings war er zeitweise der Rechtsanwalt von Roman W. Gewesen.

Quelle:

* Bericht des „Hessischen Rundfunk“, http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?key=standard_document_46081275&jmpage=1&type=v&rubrik=36086&jm=1&mediakey=fs/defacto/rechte_4268

Braune Namensgeber bei der Bundeswehr

Nicht nur die Kasernen der Bundeswehr haben braune Namenspaten. Ein sehr lesenswerter Artikel von Thorsten Stegemann untersucht beleuchtet die Hintergründe des Namensgebers des „Werner-Hahlweg-Preis“, der vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung verliehen wird.
Der Militärhistoriker Werner Hahlweg engagierte sich offenbar früh im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDSt), trat im Juni 1933 in die SS ein und wurde 1936 Mitglied der NSDAP. Außerdem war Hahlweg 1937 im Auftrag der Danziger Gaupropagandaleitung der NSDAP an der Ausstellung „Das politische Danzig“ beteiligt. Im Jahr 1939 wurde er einberufen, habilitierte sich, nahm am Feldzug gegen die Sowjetunion teil und schaffte es 1942 zum Dozenten für Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsgeschichte, Heeres- und Waffenkunde. Ab 1943 war er im Heereswaffenamt und übernahm später ein nicht näher definiertes „Kommando in den besetzten Gebieten“. Für was bitteschön ist dieser Mann denn ein Vorbild?

Interessant ist was auch noch in dem Artikel berichtet wird:
„Dass sich die Reihe der unseligen Querverbindungen endlos fortsetzen ließe, liegt vor allem daran, dass sie permanent aktualisiert wird. So findet in diesen Tagen am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, das als Dienststelle der Bundeswehr und Teil der Streitkräftebasis fungiert, ein Kolloquium mit dem Titel „Neue Perspektiven organisierter Gewalt“ statt.
Dort wird der Weg des Gerhard Graf von Schwerin „vom General der Panzertruppen zum Unternehmens- und Politikberater“ nachgezeichnet. Es geht aber auch um einen mentalitätsgeschichtlichen Vergleich zwischen dem Irak-Krieg und „Großbritanniens strategischem Bombenkrieg“ in den Jahren 1939 bis 1945 oder um „ethnic cleansing and hidden retribution in the Czechoslovak Army 1944-1952″.“

Quelle:
* Thorsten Stegemann: Die Altlasten der Bundeswehr, 21.06.2012, http://www.heise.de/tp/artikel/37/37133/1.html

Neonazis wollten in Leipzig eine Veranstaltung mit Waffen-SS-Mitglied abhalten

Für den Raum Leipzig, mutmaßlich das „Nationale Zentrum Leipzig“, wurde nach Recherche des DOKMZ per Facebook ein „SS-Zeitzeugenvortrag“ beworben. Angekündigt war ein Mitglied der SS-Division Frundsberg, der „von seinen Kriegserlebnissen und seiner Gefangenschaft“ berichten soll.
Als Zeitzeuge vor Neonazis trat bisher bereits ein Gottfried Pönitz, Jahrgang 1926, aus Hartha auf. Pönitz soll sich 1942 als Kriegsfreiwilliger zur Waffen-SS gemeldet haben, gehörte zeitweise der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ an und war später SS-Rottenführer der 10. Waffen-SS-Division Frundsberg.
Bisher unbestätigt ist ein aktueller Eintrag bei Facebook, der lautet: “Der Vortrag wird aus gesundheitlichen Gründen verschoben”.

DMZ Nr. 87 vom Mai/Juni 2012 erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 87 vom Mai/Juni 2012 ist erschienen.
DMZ Nr. 87 a
Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Major Dr. Thomas Müller, Schweizer Militärexperte
DMZ Nr. 87 b
Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem Nazi-Magazin „Zuerst!“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“
* dem rechten Blatt „Zur Zeit“
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin
* History-Films
* dem Atlas-Verlag

DMZ Nr. 86 vom März/April 2012 erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 86 vom März/April 2012 ist erschienen.
DMZ Nr. 86
In dieser DMZ-Ausgabe geht es u.a. um die Waffen-SS-Division „Das Reich“.
DMZ Nr. 86 - Freiheitskämpfer
Der ehemalige DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter berichtet von seiner Teilnahme an einer Konferenz in Teheran. Auf der Konferenz trat auch der iranische Autokrat Ahmadinedschad auf. Es sollen insgesamt 1.000 Personen aus 57 Ländern teilgenommen haben.
DMZ Nr. 86 - Teheran-Konferenz

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Andreas Engelbrecht, der Direktor für „Maritime Security“ beim „International Security Network“ (ISN).

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem Nazi-Magazin „Zuerst!“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“
* dem rechten Blatt „Zur Zeit“
* dem extrem rechten Versand Kienesberger
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin

Braunes Blatt im neueröffneten Bundeswehr-Museum

Eine Presse-Meldung berichtet darüber das im Shop des Dresdner Militärhistorischen Museums der Bundeswehr auch drei Exemplare des braunen Magazins „Deutsche Geschichte“ zum Kauf angeboten wurden.
In der Presse-Meldung heiß es:

Ein Historiker habe die Magazine Ende vergangener Woche entdeckt und das Verteidigungsministerium informiert, sagte Bangert weiter. Daraufhin seien diese sofort aus dem Verkehr gezogen worden.

Quelle:
* dapd-lsc: Rechtsextremen-Magazin in Militärhistorischem Museum angeboten, http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Rechtsextremen-Magazin-in-Militaerhistorischem-Museum-angeboten-artikel7893081.php

Braune Einsprengsel im olivgrünen Vorfeldgeflecht der Bundeswehr

Die rechtskonservative „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.“ hat am 15. Januar 2012 in Berlin im Hilton-Hotel ihren Neujahrsempfang abgehalten. Dafür wurde auch in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ per Anzeige geworben. In dieser Anzeige wird auch Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, als Ehrengast angekündigt.
In einem Bericht in der „Preußisch Allgemeinen Zeitung“ vom 28.Januar zu dem Neujahrsempfang heißt es:

Als Ehrengast und Festredner begrüßte Tschapke den Wehrbeauftragten des Deutschen
Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Dieser bekannte sich in seiner Rede uneingeschränkt
zu den preußischen Tugenden. So führte er aus, Gehorsam und Pflichterfüllung seien einst die
Eckpfeiler der preußischen Armee gewesen und hätten auch für die Bundeswehr zu gelten.

JF-Anzeige Neujahrsempfang
Beim Neujahrsempfang waren neben der „Jungen Freiheit“ oder der ihr nahe stehenden „Bibliothek des Konservatismus“ auch der „Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V.“ und das „Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung“ mit einem Stand vertreten.

Hamburg: Burschenschaft Germania, Militär und Bundeswehr

In einem lesenswerten Beitrag auf dem linken Informationsportal „Indymedia linksunten“ heißt es:

Wer Mitglied der Germania werden will, darf weder Frau noch offensichtlich „undeutsch“ sein, er kann aber Neonazi sein und er muss gedient haben. Denn bei den Waffenstudenten wird nicht nur die Verteidigung der Ehre bei der Mensur, sondern auch die des Vaterlandes mit der Waffe verlangt. So wundert es wenig, dass Alte Herren im Reservistenverband der Bundeswehr organisiert sind und Aktive an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) studieren. Auch Veranstaltungen widmet die Germania gerne soldatischen Themen.
So machte HSU-Student Martin D. im Juli 2010 seinen Fuxenvortrag zum Thema „private Söldnerfirmen“ und im November folgte dann Fux Jan-Mortimer B. mit dem Thema „Afghanistan – Der deutsche Versuch im ‚großen neuen Spiel’ zu bestehen – aus Sicht eines Truppenoffiziers“.
Die wichtigste Verbindung der Germanen zur Bundeswehr dürfte jedoch Oberstleutnant d. R. Ramon-Stefan Schmidt als Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. repräsentieren. Dass Kamerad Schmidt auch zum Vortrag des Naziideologen Schwab in sein Burschenhaus ging, ist nicht unwahrscheinlich. Immerhin war der Oberreservist bis 2009 auch stellvertretender Vorsitzender des Altherrenverbandes der Germania. Die Alten Herren haben durch ihre finanzielle, personelle und ideelle Unterstützung erheblichen Einfluss auf die Vorgänge im Germanenhaus. Ob sich der Genuss, oder auch nur die Duldung von Nazivorträgen allerdings mit der Verantwortung für 2.200 Reservisten aus Hamburg verträgt ist fraglich. Nazifreund Schmidt ist formell immerhin auch Vorsitzender von Hauptmann der Reserve Michael Neumann, besser bekannt als Hamburgs Innensenator.

Quelle:
* Felix Krebs: HH: Nazis, Burschen, Bundeswehr, 11.01.2012, http://linksunten.indymedia.org/de/node/53106

Bundeswehr-Studimagazin fest in neurechter Hand

Die neue Ausgabe von „campus“, der „Zeitschrift des studentischen Konvents“ der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München ist erschienen. Die letzte Ausgabe von „campus“ war umstritten, weil der neue Chefredakteur, Oberleutnant Martin Böcker aus München, und mehrere weitere Mitarbeiter der rechten Strömung der „Neuen Rechten“ zuzuordnen sind (BraunzoneBw berichtete), die sich an der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ orientiert. So trat Böcker als Autor für die neurechten Online-Formate „Blaue Narisse“ und „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009) und die Print-Formate „Sezession“ und „Junge Freiheit“ in Erscheinung. Böckers politische Orientierung schlug sich auch massiv inhaltlich im ersten Heft unter seiner Ägide als Chefredakteur nieder, in dem sich u.a. eine Anzeige des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“. Trotz laut gewordener Kritik konnte sich Böcker auf dem Posten als Chefredakteur halten.

campus 02-2011

Die zweite „campus“-Ausgabe unter Böckers Verantwortung trägt das Titelthema „Offizierskorps und Gesellschaft – Wer nicht redet, wird nicht gehört“.
Der Chefredakteur Martin Böcker beklagt in seinem Leitartikel unter der Überschrift „Wirkung geht vor Deckung“ die „Marginalisierung des Soldaten“ und fordert den (politisch) eigenmächtigen Soldaten, der sich als Teil der Elite versteht. Als Gewährsmann wird der Rechtsschreiber Gerd-Klaus Kaltenbrunner und dessen Elite-Definition herangezogen. Mit Verweis auf Kaltenbrunner wird sich auf dessen Absage an die „„humanitaristischen Werten“ wie „Mündigkeit, Emanzipation, Gleichheit“. Martin Böcker nennt diese Werte, „Werte, die in einer funktionierenden Armee nicht im selben Maße umgesetzt
werden können, wie in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft – auch und gerade, wenn die Armee diese Gesellschaft schützt.“ Böcker beendet seinen Leitartikel mit der Forderung:

Dazu müssen deutsche Offiziere aus dem Schatten der reinen Funktions-Elite heraustreten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs beanspruchen, in Teilen also selbst Elite werden.

Als Interviewpartner stand dem Magazin der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld zur Verfügung, dessen Gast-Vortragsreihe in Trier auf Grund seines vulgären Antifeminismus und Sexismus nach Protesten abgebrochen werden musste (BraunzoneBw berichtete).
Auf die Frage „Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung deutscher Offiziere?“ antwortet van Creveld:

Ihre Offiziere haben Angst. Und das auch aus guten Gründen, schließlich kann der kleinste Fehler zur Folge haben, dass er als „Extremist“ gebrandmarkt und wie ein wildes Tier zur Strecke gebracht wird. Das Ergebnis ist, dass man keine Bundeswehr-Einrichtung betreten kann, ohne sofort mit diesem Geruch von Bürokratie, politischer Korrektheit und Unterwürfigkeit konfrontiert zu werden.

Unter dem Titel „Entschieden für die Tapferkeit“ schreibt Böckers Gesinnungsgenosse Lars Kempf über Tapferkeit „nicht nur ein pathetischer Anspruch an den Soldaten, sondern“ als „ethisches Fundament.“ Kempf will im Kampf das Nachdenken ausgeschaltet wissen:

So relevant die Fragen nach Gewissen und Verantwortlichkeit im Vorfeld sein mögen, führen sie im Gefecht selbst bloß zu Irritationen und stiften Verwirrung.

Zu der Bundeswehr-Werbekampagne „Wir. Dienen. Deutschland“ hat Böcker einen lobenden Kommentar verfasst:

Diese implizit vermittelte Erkenntnis [Deutschland zu dienen] bringt dem Soldaten die Achtung entgegen, die der irgenwie eher so pazifistische Bionade-Intellektuelle nicht aufbringen kann. […] Vielleicht könnte dieser Zusammenhang, würde er in der Kampagne deutlicher hervorgebracht, nicht nur für den Dienst in den Streitkräften, sondern auch für den Dienst der Streitkräfte werben.

Fazit: So genannte „Neue Rechte“, Sympathiegänger der antidemokratischen „Konservativen Revolution“, haben das Studimagazin an einer Universität gekapert, an der etwa die Hälfte des deutschen Offiziersnachwuchses ausgebildet wird. Die rechte Wortergreifungsstrategie im Rahmen des geschriebenen Wortes schlägt sich auch inhaltlich nieder. Ganz unverhohlen und vor allem offenbar auch ohne dabei aufgehalten zu werden arbeitet eine rechte Jungoffiziers-Riege an der rechten, politischen Verschiebung ihrer Offizierskameraden.