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ein Nazi mit Vorliebe fürs Militärische

In dem rechtsextremen Blatt „hier & jetzt“ Ausgabe 11/08 stand der Münchner NPD-Stadtrat und Träger der Ehrenmedaille der Bundeswehr Karl Richter („Bürgerinitiative Ausländerstop“) Rede und Antwort. Um einmal die Wichtigkeit des Militärischen für die extreme Rechte zu verdeutlichen hier ein Ausschnitt aus dem Interview.
Auf die Frage:

Die taz apostrophierte sie jüngst als „Bundeswehrberater“, und in Ihrer Biographie ist
die Rede davon, Sie seien „Träger des tschechischen Militär-Fallschirmspringerabzeichens“.
Sind Sie jemand, der gerne Krieg spielt?

antwortet Richter:

Nein, aber das Militärische ist in meinen Augen eine essentielle Lebensform: es wird nicht diskutiert, sondern gemacht. Von Spengler stammt dieser wunderschöne Satz: „Wo nicht befohlen wird, geschieht nichts.“ Genau darum geht es. Wir haben sechzig Jahre bundesdeutscher Verkümmerung auf dem Buckel. Was wollen Sie mit Personal erreichen, das die Kategorien von Befehl und Gehorsam nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt? Das gilt gilt gerade auch für den politischen Bereich. Jeder trägt sein eigenes kleines aufgeblähtes Ego mit sich herum, niemand kann sich zurücknehmen und ins zweite Glied treten. Was soll dabei herauskommen? Und das mit dem „Bundeswehrberater“ hat den Hintergrund, daß ich 2001 wieder in die Bundeswehr eintrat, mich nach zwanzig Jahre nach meinem Wehrdienst erneut mustern ließ und dann im Rahmen der Reservistenarbeit unter anderem Unterricht in politischer Bildung gab. Das macht kein Kompaniechef gerne, und ich erzählte dann etwas über Moltke, die Umerziehung nach dem Krieg und sinnigerweise auch über „Rechtsextremismus“ – die Rekruten bekamen die einschlägigen rechten Zeitungen von mir in die Hand gedrückt, als Anschauungsmaterial. Irgendwann schaffte es dann aber sogar der BND, mich zu „enttarnen“, und ich erhielt einen verdrucksten Brief des Münchner Standortkommandanten. Was bleibt, ist die Erinnerung, daß Winterkampf im Gebirge unheimlich viel Spaß macht. Und das MG 3 ist einfach eine feine Waffe.

Voll auf Linie

Im Stil eines Landser-Heftchen erzählt der spätere Bundeswehr- und NATO-General Johann Adolf Graf von Kielmansegg (1906-2006) von seiner Beteiligung beim Überfall auf Polen und auf Frankreich.
Da Kielmansegg in der späteren Bundeswehr eine wichtige Position inne hatte, lohnt sich der Blick in das Buch. Wie die Lektüre nämlich zeigt, handelt es sich beim Autoren nicht „nur“ um einen Mitläufer und kadavergehorsamen Wehrmachtsoffizier, es handelt sich vielmehr um einen führertreuen Nazi. Voll auf Linie eben.
Panzerschlacht-Buch
Hier ein paar exemplarische Zitate aus dem Buch „Panzer zwischen Warschau und Atlantik“:

Es war uns allen klar, Deutschland machte sich bereit, den polnischen Übermut zu brechen, der bereits über die Grenze griff. Wir hielten den Atem an, als wir des Führers letztes Angebot an Polen hörten, eine Straße und eine Eisenbahnlinie! Und wir wären keine deutschen Soldaten gewesen, wenn wir micht gewünscht hätten, daß Polen nicht annähme.

(Seite 13)

Kein Mensch schießt oder geht in Deckung, es waren ja nicht die ersten deutschen Bomber, die heute aus Polen zurückkamen.

(Seite 20, 21)

Auch die Gefangenen mehren sich, sie werden einfach nach hinten geschickt. Bewachung ist gar nicht möglich, wo es geht, werden Volksdeutsche mit der Führung beauftragt. Man kann dies alles ohne Besorgnis tun, die gefangenen Polen sind froh, daß sie das Leben gerettet haben; Entbehrung und Entsetzen der letzten Tage stehen deutlich in ihren Gesichtern geschrieben.

(Seite 48, 49)

In Wiskitki war es unglaublich. Unmöglich, darin Unterkunft zu beziehen. Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zu atmen. Erklärlich wurde das wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah. Überhaupt haben wir alle es wohl kaum für möglich gehalten, daß es solche Typen, wie wir sie zwar aus dem »Stürmer«, aber doch nicht aus Deutschland kannten, in solcher Zahl und in solcher Vollkommenheit – mit negativen Vorzeichen – in Polen geben könnte.

(Seite 61)

Der Pole hat, wie er es liebt, noch bei Dunkelkeit beginnend, mit überraschend starken Kräften von Norden und Nordwesten angegriffen.

(Seite 69)

Alles sah friedlich aus, selbst die Ruinen der abgebrannten Häuser hatten irgendwie einen anderen, fast möchte man sagen unwirklichen Charakter bekommen.

(Seite 75)

Ich saß auf dem Stuhl des Oberhauptes eines Staates, den wir nicht nur einfach militärisch besiegt hatten, sondern der durch unseren Sieg ausgelöscht war aus der Geschichte, entgegen deren Sinn er, künstlich ins Leben gerufen, zwanzig Jahre lang versucht hatte zu existieren […].

(Seite 81)

Nach der Durchfahrt von Chagny und Bouvellemont hören die bis dahin deutlich zu sehenden und zu riechenden Spuren des Kampfes auf. Diese beiden Orte sind die letzten zerstörten Dörfer einer breiten Zone, in welcher sich die Durchbruchsschlacht von Sedan in den vergangenen drei Tagen abgespielt hat. In dieser Zone gibt es keinen Ort, der nicht zerschossen oder verbrannt wäre, in dem nur wenige Häuser noch die Möglichkeit einer Unterkunft bieten. Brandgeruch liegt überall in der Luft, und an vielen Stellen sind die Flammen noch nicht erloschen.

(Seite 131)

Denn in dieser friedlichen Landschaft fehlt der Mensch. Alles ist tot und leer, nicht einmal die alten Leute sind dageblieben.

(Seite 131)

Wir können melden, daß wir den Auftrag, den die Geschichte, Deutschland und der Füher uns gestellt haben, durchführten bis zum letzten, und wir können melden, daß wir bereit sind, genauso den Auftrag durchzuführen, der als einziger noch zwischen uns und der Freiheit steht, die Vernichtung Englands.

(Seite 248)

Bleibt nur hinzuzufügen, dass die Wehrmacht bereits 1939 beim Überfall auf Polen zahlreiche Kriegsverbrechen verübte (vgl. Jochen Böhler, 2006). Gleiches gilt auch für den Frankreich-Feldzug, wo es insbesondere zu Verbrechen an farbigen Kolonialsoldaten kam 8VGL: Scheck: Keine Kameraden).

Die Homepage der Bundeswehr über Kielmansegg früheres Wirken und seine Wiederverwendung:

Graf Kielmansegg absolvierte von 1937 bis 1939 die letzte noch im Frieden stattfindende Ausbildung für den Generalstabsdienst, in den er 1940 übernommen wurde. Es folgten Verwendungen in Truppengeneralstäben in Polen, Frankreich, Russland und anschließend in der Operationsabteilung des Heeres. Er war befreundet mit Graf von Stauffenberg und wurde nach dem Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet. Eine direkte Beteiligung an den Attentatsplänen war ihm nicht nachzuweisen. Nach der Versetzung zur Truppe führte er das Panzergrenadierregiment 111 bis zum Kriegsende, das an der Westfront eingesetzt war. Als Oberst geriet er in Gefangenschaft, aus der er Mitte 1946 entlassen wurde. Die nächsten Jahre war er journalistisch und im Verlagswesen tätig.
Mit der Ernennung zum General hatte er die höchste Sprosse der militärischen Karriereleiter erreicht. Ende März 1968 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

(Rede zum Tode von Kielmansegg, 2006)

Quellen:
Graf Kielmansegg (Major im Generalstabe einer Panzer-Division): Panzer zwischen Warschau und Atlantik, Verlag „Die Wehrmacht“ Berlin 1941

Zum Tode von General a. D. von Kielmansegg, Berlin, 0.05.2006, http://tinyurl.com/27c6ok

Jochen Böhler: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt/M. 2006

Raffael Scheck: Keine Kameraden, in: DIE ZEIT 03/2006 S. 88 [http://www.zeit.de/2006/03/A-Gefangene]

Nachgelesen: Raki am Igman

Erschienen ist „Raki am Igman“, Untertitel: „Texte und Reportagen aus dem Bosnien-Einsatz der Bundeswehr“ im unbekannten Verlag „edition die Lanze“ mit Postfach im Steinheim (Bayern). Am Ende des Buches findet sich die Werbung für zwei CDs mit „Soldaten- und Freiheitsliedern“, zu bestellen unter „Die Schallquelle“, einem Label mit demselben Postfach in Steinheim, dass heute in Kempten (Allgäu) ansässig ist und immer noch als einziges Buch „Raki im Igman“ im Angebot führt. Daneben gibt es Lyrik von dem „Blut-und-Boden“-Schriftsteller Hermann Löns oder Agnes Miegel, die einst Lobhymnen auf Adolf Hitler verfasste, und diverse Musik-CDs, vornehmlich mit bündischer und Volksmusik oder Soldatenliedern. Auf einer der CDs ist die „Deutsche Gildenschaft“ als Urheber benannte. Dabei dürfte es sich um die „Deutsche Hochschulgilde“ (DHG) handeln, eine elitär-völkische Studentenverbindung, der auch der Autor Kubitschek nachweislich angehört. Da dass Buch auf der Homepage mit „Bündische in Bosnien“ beworben wird, dürfte auch der Co-Autor Peter Felser aus diesen bündischen Zusammenhängen stammen. Er ist ebenso wie Hendrik Brödenfeld, von dem die fünf Zeichnungen im Buch stammen, gelegentlicher Autor in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Die Einbindung des Labels „Die Schallquelle“ in die rechte Szene beweist auch beispielsweise deren Werbung in dem „nationalrevolutionären“ Magazin „wir selbst“ 1998 und 1999 (Clemens Heni: Salonfähigkeit der Neue Rechten, Marburg 2007, Seite 437).
Laut einer Meldung des Informationsdienst „Blick nach Rechts“ (BnR) aus dem Jahr 2003 schreibt der Betreiber der „Schallquelle“, Bernd Widmer als Gast in der revanchistischen der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ und war ehemals „Leitstellenführer Süd des Bund Heimattreuer Jugend (BHJ). BnR nennt Kubitschek als zweiten „Schallquelle“-Gründer.

Raki am Igman

Das Buch selbst ist eine Sammlung von recht banalen Erlebnissen der beiden Autoren, die sie auf knapp 150 Seiten in 20 kurze Kapitel unterteilt haben. Trotz der Wiedergabe von unspektakulären Erlebnissen und Anekdoten ist das Buch auch erkennbar politisch.
Dass fängt schon im Vorwort an, in dem der Autor gegen ein, vermeintlich unbedarftes, „westliches Friedensgehirn“ (Seite 6) wettert.
Mit Pathos und nur mäßig spannend erzählt Kubitscheks kaum verhohlenes alter ego im Buch, Oberleutnant Rieboch, von seinen Erlebnissen in Bosnien-Herzegowina, wo er als Teilnehmer an einer UN-Friedenstruppe mehrere Monate verbrachte.
Interessant wird es kurz, als am Rande erwähnt wird, dass im Lager der deutschen Truppen der Text eines „Panzerliedes“ aushängt (S. 90), was noch aus Vor-Bundeswehr-Zeiten her stammt. Laut kurzer Internet-Recherche stammt das Lied aus der Feder eines Oberleutnants, der es am 25. Juni 1933 verfasste . Hier ein kleiner Ausschnitt aus diesem Opus, zum besseren Verständnis:

Für unsres Reiches Heer?
Ja Reiches Heer?
Für Deutschland zu sterben
Ist uns höchste Ehr.

Auch interessant wird es, als das gute Verhältnis von deutschen Mannschaftsangehörigen mit einem, aus Deutschland stammenden, Fremdenlegionär beschrieben wird. Dieser, im Buch „Kleister“ genannt, war in der Bundeswehr Unteroffizier und NPD-Mitglied (dort: Saalordner), in der französischen Fremdenlegion nach der im Buch wiedergegebenen eigenen Aussage an einem Attentat auf den französischen Präsidenten beteiligt und nach eigener Aussage immer noch bekennender Rassist. Das Verhältnis des 1997 34jährigen Hauptgefreiten der Fremdenlegion zu den Bundeswehrangehörigen schien solch eine offenbarte Biografie nicht sonderlich zu stören (S. 91-94).
Nach mehreren Kapiteln vorangestellten Zitaten des Kriegsliebhabers Ernst Jünger (S. 26, 43) berichtete Kubitschek alias Rieboch auch von dem Vorkommnis, dass ihn zeitweilig Rang und Dienst kostete. Kubitschek war 16. August 2001 entlassen worden, wegen dieses Vorkommnis, seiner Autorentätigkeit in der nationalistisch „Jungen Freiheit“ und der Veröffentlichung von „Raki am Igman“. Allerdings wurde Kubitschek nach einer rechten Solidaritäts-Kampagne im April 2002 bereits wieder rehabilitiert. Auch im Buch schildert Kubitschek wie er als Reaktion auf die Nachricht von dem Tod Ernst Jüngers eine, mit fünf Mann schlecht besuchte, Lesung mit Texten aus Jüngers Buch „Stahlgewitter“ veranstaltet (S. 116-123).
Im 18. Kapitel („Wehrmacht“) versucht Kubitschek seine „Kritik“ an der so genannten „Wehrmachtsausstellung“ in einem als Dialog nur spärlich bekleidetem Monolog wiederzugeben (S. 124-134). Partisanenerschießungen werden da als vom Völkerrecht angeblich gedeckt verteidigt, Völkermord wird frei nach Nolte als dem Krieg innewohnende Brutalisierungstendenz relativiert bzw. als Reaktion auf sowjetische Verbrechen dargestellt („Da rollt eine Armee anders weiter als in Frankreich“, S. 129) und unhaltbare Aussagen werden gemacht:
„Was sich dort [in Ostpreußen] an willkürlicher und planmäßiger Vergewaltigung und Verstümmelung abgespielt hta, monatelang, bis nach Berlin hinein, wirst du bei der Wehrmacht nicht finden.“ (S. 131)
Es ist typisch für Rechte alle Verbrechen während der Besatzung in anti-slawischer Manier nur auf die Sowjets zu projezieren und so dass Nazi-Propagandabild von den „bloschewistisch-asiatischen Horden“ zu bedienen.
Alles in allem ein Buch, dass als Produkt eines zweier Bundeswehroffiziere auf Auslandseinsatz durchaus skandalös ist. Auch in Verbindung mit den anderen politischen Aktivitäten Kubitscheks erscheint dessen Entlassung mehr als gerechtfertigt. Sie wurde aber auf Grund einer von Rechtskonservativen bis Rechtsextremen getragenen Unterschriftenkampagne wieder zurückgenommen.

Verwendete Literatur

Götz Kubitschek, Peter Felser: Raki am Igman, Steinheim 1999

Meldungen (über die Schallquelle), Blick nach Rechts – Ausgabe 11/2003

AutorInnenverzeichnis der „Jungen Freiheit“