Archiv der Kategorie 'Militarismus'

rechter thinktank plant „Sicherheitspolitische Tagung“ in Stuttgart

Für den 12. November hat das „Studienzentrum Weikersheim“ in Stuttgart eine „Sicherheitspolitische Tagung“ angekündigt. Diese soll unter der Leitung des Brigadegenerals a.D. Dieter Farwick aus Sigmaringen stattfinden. Dieser hatte unter Bernd Lucke für die AfD die Werbetrommel gerührt.
SZW-Seminar in Stuttgart 2016

IMI-Analyse zum Militarismus der AfD

Wendt als Soldat, Screenshot
Andre Wendt, AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen als Soldat in Afghanistan
(Bildquelle: Screenshot „AfD Sachsen Aktuell“ 10-2016)

Die „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) hat einen Beitrag von mir zur AfD „als Partei des (alten) deutschen Militarismus“ veröffentlicht. Hier der Link.

Quelle:
* Lucius Teidelbaum: Die AfD als Partei des (alten) deutschen Militarismus, in: IMI-Analyse 2016/17 (15. Juni 2016), http://www.imi-online.de/2016/06/15/die-afd-als-partei-des-alten-deutschen-militarismus/

Fundstück: Nazi-Modemarke und NS-Gebirgsjäger

Gebirgsjäger Ansgar Aryan
Die Neonazi-Modemarke „Ansgar Aryan“ wirbt auf Facebook mit einem Bild von NS-Gebirgsjägern.
Der Traditionsbezug deutscher Neonazis auf Wehrmacht und Waffen-SS bleibt ungebrochen.

Unkritischer Text der Bundeswehr zum „Eisernen Kreuz“

Auf der Homepage der Bundeswehr erschien ein unkritischer Text zum „Eisernen Kreuz“. Darin heißt es u.a. unter der Überschrift „Vereinnahmt vom NS-Regime“:
Bundeswehr Eisernkreuz

Vom Norddeutschen Bund bereits in der Kriegsflagge gezeigt, avancierte das Eiserne Kreuz im Gefolge des Deutsch-Französischen Krieges zum gesamtdeutschen Militärsymbol. In der Zwischenkriegszeit spielte es in der Heraldik der Reichswehr eine wichtige Rolle, aber auch in bei öffentlichen Auftritten rechtskonservativer Kriegerbünde.
Die Akzeptanz des ehemals preußischen Kreuzes als militärisches Nationalsymbol veranlasste die Machthaber nach 1935 zu seiner Adaption für die Gestaltung von Truppenfahnen der Wehrmacht und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Neustiftung des Eisernen Kreuzes. Seine nationalsozialistische Vereinnahmung war durch das Aufbringen eines Hakenkreuzes auf dem Avers augenfällig.
Dieser Missbrauch des Kreuzes der nationalsozialistischen Herrschaft und im Kontext des deutschen Vernichtungskrieges 1939 bis 1945 überlagerte für geraume Zeit den ursprünglichen Sinngehalt des Eisernen Kreuzes.

Angeblich

stand das Eiserne Kreuz nicht für Militarismus und obrigkeitliche Willkür, sondern im Gegensatz dazu für die staatsbürgerliche Pflicht und die Bereitschaft des Volkes, seine Rechte und Freiheiten zu verteidigen. Des Weiteren erinnerte es an die Legitimität einer bewaffneten Auflehnung gegen Unterdrückung und Tyrannei.

Das ist falsch! Das Eiserne Kreuz war immer ein militaristisches und nationalistisches Symbol. Als es 1813 entstand, kämpften nationalistisch motivierte Freiwillige gegen die französische Besatzung unter Napoleon. Die allermeisten dieser Freiwilligen zogen die Herrschaft des „eigenen“ Königs, der des „fremden“ Kaisers vor, die Art der Herrschaft an sich wurde kaum infrage gestellt.
Am Ende des Textes heißt es: „Die Bundeswehr hat sich seitdem oft gewandelt. Das Eiserne Kreuz ist aber ihr unverwechselbares Markenzeichen geblieben.“

Quelle:
* Vereinnahmt vom NS-Regime, http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYy9DsIwEIOfpQ9ArpGKKGxUXYCNBcqCrumpjcifwpUsPDzJgC15-WzDA7IdfvSMrL1DA3cYlD6MSYxpIoEvXskYeotEminSkxey5OBWhrmgvCMuyeRY55wjso8i-MimkDXGTISeYKhl38ld_Zf87reXc9fKpulP3bUchoizRRic3yhUC0Gwtk3HqvoBlfwj9g!!/

Antifeministischer Vortrag in Kiel

Das Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ Nummer 31-32/2011 berichtet von dem Vortrag von Martin van Creveldt in Kiel. Er trat dort für die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ und den „Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr“ an der Hermann-Ehlers-Akademie auf, dem Ableger der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Schleswig-Holstein. Er referierte vor allem über den Inhalt seines Buches „Das Wesen des Krieges“, dass in deutscher Übersetzung im äußerst rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich erschienen ist. Das Publikum bestand angeblich aus 100 Menschen, darunter auch drei Generale. Die „Junge Freiheit“ gibt auch van Creveldts antifeministischen Aussagen zum Thema Frauen in den Streitkräften wieder:

Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch „wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“. Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden.

Das solche rechten Töne von Martin van Creveldt kommen überrascht Kennen nicht. Der Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem gilt als Wehrmachts-Apologet und war Autor für die rechten Blätter „Junge Freiheit“ (regelmäßig), „Deutsche Militär-Zeitschrift“ und Sezession, zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei.“
Er war im Dezember 2004 auch schon bei dem extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ zu Gast.

Quellen:
* „Junge Freiheit“ 31-32/2011
* Frank Brendle: „In Kameradschaft treu“. Die Bundeswehr zwischen Tradition und Reform, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 77 – 4/2007, Seite 9

PM des RABATZ-Bündnis vom 14.05.2011 zu der Forderung nach einer Brückenumbenennung in Rad Reichenhall

Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta, wollen am kommenden Samstag (21.05.2011) Antifaschist_innen in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand demonstrieren. In einer Presseerklärung fordert das Rabatz-Bündnis nun auch die Umbenennung der Kreta-Brücke in
Winkler-Reischl-Brücke.

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht, darunter „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall, Kreta an, hielt die Mittelmeerinsel bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Nach Angaben des Rabatz-Bündnisses sind auf Kreta über 3500 Zivilist_innen
hingerichtet und mehr als 30 Dörfer komplett zerstört worden. Am 01. August 1941 wurde zum Beispiel das Dorfes Skines durch die aus Bad Reichenhall kommende 5. Division niedergebrannt und die 148 Einwohner_innen erschossen. Nach der Meinung des antifaschistischen Bündnisses, zu welchem sich 10 linke Gruppen aus Österreich und Oberbayern zusammengeschlossen haben, sei es an der Zeit die Brücke umzubenennen. „Wir fordern den Stadtrat von Bad Reichenhall auf, die Kreta Brücke in Winkler-Reischl-Brücke umzubenennen“ so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses wörtlich. Johann Winkler (Müller, Jahrgang 1908) und Gottfried Reischl (Mechaniker, Jahrgang 1902) waren Antifaschisten aus Bad Reichenhall. Sie stellten unter anderem mit einem
Gummibuchstaben-Druckkasten kleine antifaschistische Agitationszettel her, und steckten diese in Bad Reichenhaller Gaststätten in die Mäntel von Soldaten. Als Winkler und Reischl an Ostern 1936 versuchten in die Tschechoslowakei zu fliehen, wurden sie verhaftet und nach München zurückgebracht. Dort wurde Reischl so stark mißhandelt, „dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und dort starb“ oder nach anderer Quelle „wurde er in seiner Zelle in der Ettsraße erschlagen“.1 Winkler starb 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück. „Es ist ein Skandal, dass
in Bad Reichenhall nichts an die antifaschistischen Widerstandskämpfer erinnert, aber ein Brückenname den faschistischen Angriffskrieg auf Kreta glorifiziert“ heißt es in einer Pressemitteilung.
In dem Aufruf zu der Demonstration, wird die am kommenden Dienstag (17.05) stattfindende „Kreta-Gedenkfeier“ als „geschichtsrevisionistisch“ und der Veranstalter, der Kameradenkreis der Gebirgstruppe, als „“Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ bezeichnet. Der Bundeswehr wird unter anderem aufgrund der Tatsache, dass die Kaserne in Bad Reichenhall noch immer nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist, eine „ungebrochene Traditionspflege“ vorgeworfen. Des weiteren soll gegen die Naziaktivitäten in der Region Bad Reichenhall demonstriert werden. Erst vergangenen Sonntag (08.05) trafen sich rund 80 Alt- und Neonazis zu einer SS-Gedenkfeier in
Karlstein/Bad Reichenhall und Ende April soll im Berchtesgadener Land ein „nationaler Liederabend“ stattgefunden haben. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich die NPD ohne Proteste zum monatlichen Stammtisch in einem Bad Reichenhaller Gasthaus treffen kann, betont das Rabatz-Bündnis. In dem Aufruf zur Demonstration heißt es deshalb unmissverständlich: „Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden“.

QUELLE: http://badreichenhall.org

PM des RABATZ-Bündnis vom 08.05.2011 zu dem erneuten SS-Gedenken in Bad Reichenhall

Neonazis hielten im Bad Reichenhaller Ortsteil Karlstein am Sonntag, den 08. Mai 2011 erneut ein neonazistisches SS-Gedenken zur Glorifizierung der SS-Einheit Charlemagne ab. Das RABATZ-bündnis kritisiert, dass auch dieses Jahr den vermutlich 80 Teilnehmer_innen kein zivilgesellschaftliche Widerstand entgegengesetzt wurde und ruft zu für den 21.Mai zu einer antifaschistischen Demonstration in Bad Reichenhall auf.

Die Charlemagne war eine Einheit der Waffen-SS, die überwiegend aus kollaborierenden französischen Freiwilligen bestand. Seit Jahrzehnten können ihr Alt- und Neonazis ungestört in Bad Reichenhall gedenken. Jahrelang beteiligten sich paramilitärisch auftretende, faschistische Gruppen aus dem In- und Ausland an der „Naziverehrung“. An der von dem NPD Kreisverband Traunstein- Berchtesgadner Land organisierten Nazifeier nahmen in diesem Jahr nach Polizeiangaben ca. 80 Alt- und Neonazis teil. Angereist war beispielsweise auch der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger, der an den Anschlagsplänen Münchner Neonazis auf das Jüdische Gemeindezentrum involviert war.
Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Nazigedenkfeier und ließ keine Bebobachter_innen zu. „Es ist bezeichnet für das reaktionäre Klima in und um Bad Reichenhall, dass sich gegen eine derartige Naziveranstaltung kein Protest regt. Auch das Verhalten der Polizei die Dokumentation von Beobachter_innen zu unterbinden ist mehr als unangemessen“, so Anna Jade vom antifaschistischen RABATZ-Bündnis.
Antifaschist_innen kritisieren, dass ein Gedenkkreuz, das sich zur faschistischen Pilgerstätte entwickelt hatte, von der Stadtverwaltung lediglich vom Parkplatz „Am Kugelbach“ in den Friedhof St. Zeno versetzt wurde. „Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Problematik Neonazismus und Gesichtsrevisionismus fand jedoch nicht statt.“, kritisieren die 10 antifaschistischen Gruppen aus Oberbayern und Österreich in einer gemeinsamen Presseerklärung.
Das SS-Gedenken dürfte dabei ein jährlicher Höhepunkt der lokalen Naziszene sein. Dieser war es erst vor drei Wochen geglückt einen „nationalen Liederabend“ in der Region abzuhalten. Die Neonazis brachten des weiteren in der Höhe des Grenzübergangs Walserberg, bei Bad Reichenhall, ein 8 Metern langes Transparent an, das lange Zeit nicht entfernt wurde1.
Das antifaschistische RABATZ-Bündnis zeigt sich verärgert, wie Neonazis in der Region Bad Reichenhall agieren können ohne auf Widerstand zu stoßen. Anna Jade, Pressesprecherin des Bündnisses betont deshalb, dass die antifaschistische Demonstration am 21. Mai in Bad Reichenhall sich nicht nur gegen rechte Traditionspflege und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand richte. Explizit sollen auch die aktuellen neonazistischen Aktivitäten im Raum Bad Reichenhall thematisiert werden. „Wegschauen und Verschweigen hilft nicht weiter, Neonazis und rechtes Gedankengut müssen aktiv bekämpft werden“ so Jade wörtlich.

QUELLE: www.badreichenhall.org

Plädoyer für die Bundeswehrreform in rechter Wochenzeitung

In der „neurechten“ Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) erschien unter dem Titeln „Lehrmeister Krieg“ aus der Feder von Fritz Zwicknagl (* 1946) ein Beitrag, der die anstehende Bundeswehrreform und damit auch den Abkehr von der Wehrpflicht verteidigt. Er befindet sich damit vermutlich in der Minderheit, wie dieser Blog bereits berichtete, trauern andere rechte Schreiber der alten Bundeswehr und vor allem der Wehrpflicht hinterher.

Zwicknagl ist laut Kurzbiografie in der JF ein Oberst a. D. und diente als Fallschirmjäger und Generalstabsoffizier. Demnach war er zuletzt Leiter von Generalstabslehrgängen und Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr in Altenstadt.

Zwicknagl schreibt, dass die Reform eine notwendige Anpassung an das globale Tätigkeitsfeld der Bundeswehr und bezeichnet dabei Afghanen als „Grenzvölker“:

Das neue Kriegsbild, das wir beharrlich ignorierten, ist für viele unserer westlichen Nachbarn seit Jahrhunderten verfassungsrechtliche und militärische Normalität: Es herrscht tiefster Friede, aber an den Grenzen des Imperiums müssen ständig Aufstände bekämpft oder Grenzvölker zurückgeschlagen werden.

Der Preis der Reform, so Zwicknagl, sei der Preis der Anpassung und Akzeptanz als weltweit agierende Militärmacht:

Je beeindruckender das gelingt, desto selbstbewußter kann unser Land bei künftigen geostrategischen Zumutungen gegenüber der Hegemonialmacht auftreten.

Mitarbeiter von Dresdner Militärmuseum der Bundeswehr veröffentlicht im NPD-Verlag

Sein Buch „Sachsen 1945“ hat Wolfgang Fleischer (* 1952) im Riesaer Verlag „Deutsche Stimme“ veröffentlicht, dem NPD-Hausverlag. Fleischer selbst ist seit den Anfängen des Militärmuseums 1972 dessen ziviler Mitarbeiter und hatte laut der Sächsischen Zeitung (SZ) „bislang tadellosem Ruf als Experte“. Der Fachgebietsleiter beim Bundeswehrmuseum in Dresden hatte bereits der jüngsten Ausgabe des braunen Magazin „Deutsche Militärzeitschrift“ ein Interview gegeben (BraunzoneBw berichtete).
Screenshot: Sachsen 1945 auf der Homepage des DS-Versand
Sein neuestes Buch erschien nun in dem NPD-Verlag in der „Edition Tyr“, benannt nach einem germanischen Gott bzw. benennt sich nach diesem auch eine Rune. Diese Rune wurde auch im „Dritten Reich“ als Abzeichen der Reichsführerschulen der NSDAP verwendet. Das kann Zufall sein, ist aber bei der NPD eher unwahrscheinlich.
Der Museumsleiter, Oberstleutnant Matthias Rogg, gab sich schockiert und die SZ zitiert ihn mit den Worten „Das ist uns alles äußerst unangenehm“. Immerhin wurde mit einer Pressekonferenz reagiert, auf der Rogg klarstellte, dass das Museum sich ausdrücklich von der „Deutschen Stimme“ distanziere.
Die SZ gibt Rogg in ihrem Bericht wieder:

Der Mitarbeiter sei nicht vom Dienst suspendiert, „wir haben den Fall zur gründlichen Bearbeitung weitergegeben. Die Wehrbereichsverwaltung Ost in Strausberg übernimmt die juristische Prüfung, das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam die inhaltliche“, so Rogg. „Erst danach können wir über weitere Maßnahmen nachdenken.“ Im für ihn schlimmsten Fall muss Fleischer wohl mit seiner Entlassung rechnen.

Fleischer saß auch in der Dresdner Historikerkommission zum 13. Februar 1945, in der der Nazimythos über die hunderttausende Tote der Bombardierung endgültig ins Reich der Mythen verbannt und die Opferzahl mit 18-25.000 beziffert wurde.

Fleischers Co-Autor ist Roland Schmieder, ein Oberst der Reserve, der auch eine Zeit lang im Museum beschäftigt worden war.

Quellen:

* Oliver Reinhard: Verlagswechsel ins Abseits, in: Sächsische Zeitung, http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2512068
* bnr: Grenzüberschreitung, Blick nach Rechts, 15.07.2010, http://www.bnr.de/content/grenzueberschreitung
* Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Tyr-Rune_%28Orden%29

Burschenschaft Germania Hamburg ehrt Ritterkreuzträger

Am 9. Februar 2009 legten laut Eigenbericht im Verbandsorgan „Burschenschaftliche Blätter“ Mitglieder der extrem rechten Hamburger Burschenschaft Germania einen Kranz am Grab des 50 Jahre zuvor verstorbenen Wehrmachts-Panzergeneral Karl Mauss ab. Dieser wird als „Bundesbruder“ bezeichnet, d.h. er war Mitglied der Burschenschaft Germania. Maus war im Nationalsozialismus mit dem Ritterkreuz zum Eichenlaub mit Schwerter und Brillanten ausgezeichnet worden, der höchsten Auszeichnung des Regimes.
Burschenschaft Germania Hamburg an Ritterkreuzträger-Grab
In dem Bericht heißt es in heldentümelnder Weise:
„Als das „Lied vom guten Kameraden“ erschall, ergriff alle Anwesenden die Ehrfurcht vor einem wildbewegten, der soldatischen Pflicht gewidmeten Leben, welches Karl Mauss so beispielhaft zu erfüllen wußte.“

Quelle:
* Felix Lüdecke (Germania Hamburg): Zum 50. Todestag von Brillantenträger Karl Mauss, Burschenschaftliche Blätter Online, 29.01.10, http://www.burschenschaftliche-blaetter.de/netzversion/detailansicht/meldung/402/zum-50-tode.html

REPs und Reservistenkameradschaft

Eine veraltete Information, die aber beispielhaft zeigt, welche Funktion rechts dominierte Reservistenkameradschaften einnehmen können. Folgendes Zitat stammt aus dem Buch „Deutschland ganz rechts. Sieben Monate als Republikaner in BRD/DDR“ (Köln 1990) in dem Michael Schomers von seiner investigativen Langzeit-Reportage bei der rechtsradikalen Republikaner-Partei in Köln berichtet:

Am Ende des Abends spricht mich Peer an und meint, ich solle doch Mitglied im Reservistenverband werden. Das sei eine wichtige »Vorfeldorganisation«, denn da könne man wichtige Leute, die zu den Republikanern nicht kommen könnten zu Vorträgen einladen. Beispielsweise hohe Offiziere der Bundeswehr, die mit den Republikanern sympathisieren.

(Seite 152)

Besuch der Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“

Ausstellung Mythos Rommel

International und National bekannt ist Generalfeldmarschall Erwin Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“. In Deutschland ist und war Rommel vielerorts sehr populär. Bis heute gibt es eine ganze Reihe von Sachen die nach Hitlers Lieblingsgeneral benannt wurden:
* ein Rommel-Denkmal in Rommels Geburtsstadt Heidenheim an der Brenz
* drei Rommel-Kasernen
* ein Rommel-Zerstörer der Bundesmarine
* diverse Rommelstraßen, laut Google-Map im Ganzen zehn Stück
Rommelstraßen

Eine Ausstellung über den Mythos Rommel im Stuttgarter „Haus der Geschichte“ klang interessant und viel versprechend. Der Titel ließ eine kritische Darstellung Rommels und seines Mythos´ erwarten. Gilt doch des Teufels General heute noch bei vielen im In- und Ausland als Meister-Stratege und gar als Vorbild, obwohl er als aktiver Teil des Rasse- und Vernichtungskrieges Hitler-Deutschlands war. Jeder Sieg Rommels war auch ein Sieg für Hitler und dessen Vernichtungskrieg.

In der Ausstellung erfährt der Besucher erst von der Karriere Rommels als Erster-Weltkriegs-Offizier. Als solcher erhielt er auch denn Tapferkeits-Orden „Pour le Merite“. Dass Tapferkeit im Krieg immer bedeutet, dass andere sterben, wird aber nirgendwo erwähnt.

Man erfährt weiterhin, dass Rommel im Jahre 1938 erstmals das Kommando über das Führerhauptquartier hatte und den Einmarsch im Sudetenland koordinierte. Über Hintergründe, Nationalsozialismus, die Verfolgung von Juden und politischen Gegnern aber erfährt der Besucher nichts.

Man erfährt, dass Rommel ein Buch mit dem Titel „Infanterie greift an“ verfasst hat, von Hitler protegiert wurde und sich als Blitzkrieger in Frankreich auszeichnete.
Was die deutsche Wehrmacht in Frankreich überhaupt zu suchen hatte oder dass sie hunderte gefangene schwarze und arabische französische Soldaten ermordete, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass Rommel in Lybien Erfolge feierte, der jüngste Generalfeldmarschall der deutschen Wehrmacht und „ein begeisterter Hobbyfotograf“ war.
Was Rommel plötzlich in Afrika zu suchen hatte oder wie es der einheimischen Bevölkerung unter der deutsch-italienischen Besatzung ging, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass es kleine Eastolin-Figuren von Rommel gab und dass Rommel seit Ende 1943 Inspekteur des so genannten „Atlantikwalls“ war.
Über bei den Bauarbeiten des „Atlantikwalls“ eingesetzte Zwangsarbeiter erfährt der Besucher nichts.

Es wird gemutmaßt, dass Rommel vom Attentat auf Hitler 1944 wusste. Beteiligt war er hingegen nicht. Dass Hitler Rommel umbringen ließ, soll ja nicht angezweifelt werden. Aber gegen das sich abzeichnende Kriegsende hin, kam es allgemein zu Selbstzerfleischungen unter den Nazis. Widerstand ist das noch nicht. Immerhin findet sich in der Ausstellung auch der Brief von Rommels Frau Lucie-Marie Rommel, die am 9. September an den Stuttgarter Polizeichef schreibt, dass ihr Mann nicht am Attentat beteiligt war.

Ein Teil der Ausstellung beschreibt auch das Verhältnis von Bundeswehr und nennt Rommel den geistigen Vater der Bundeswehr. Interessant ist, dass der alte Kompanie-Wimpel der Rommelkaserne in Dornstadt bei Ulm und dass das alte Wappen des Grenadier-Bataillons 281 (Dornstadt) sehr dem Symbol von Rommels Afrikakorps ähnelte.
Es gab drei Kasernen, die nach Rommel benannt wurden und die Soldaten der Rommel-Kaserne in Dornstadt pflegen noch heute Rommels Gedenkstein in Herrlingen.
Mitstricker am Rommel-Mythos war der Bundeswehrgeneral Dr. Hans Seidel, der 1949 das Buch „Invasion 1944“ verfasste, in dem er schrieb Rommel verkörpere das „gute deutsche Soldatentum“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rommel in dieser Ausstellung als Nicht-Nazi und unpolitischer Berufssoldat dargestellt wird. Dass ist eine glatte Verfälschung der historischen Wahrheit. Rommel war vielleicht nicht ein fanatischer Nazi vom Typ eines Julius Streicher, aber er war – ohne je NSDAP-Mitglied gewesen zu sein – ein Sympathisant des NS-Regimes und besonders seiner Re-Militarisierungs- und Expansions-Pläne. Damit war Rommel eine Art pragmatischer Nazi, aber eben ein Nazi.
Ohne irgendeinen kritischen Filter vorzuschalten wird Rommel im Stil eines Landser-Heftes als „Stahlgestalt“ dargestellt. Diese Ausstellung dekonstruiert nicht etwa den „Mythos Rommel“, sondern sie führt ihn konsequent fort.
Anstatt Kriegsbilder mit Opferbildern zu konfrontieren, finden sich nur großflächige Schwarzweiß-Bilder, die Rommel als Soldaten zeigen und wahrscheinlich aus der Nazi-Propaganda stammen.
Lediglich dreimal wird im Hintergrund in weißer Schrift auf schwarzweißen Hintergrund pflichtschuldig etwas zu deutschen Gräueltaten eingeblendet. Einmal sogar ein ganzer Satz zu den Juden in Tunesien.

Andere Kriegsverbrechen unter Rommels Obhut hingegen werden vollkommen ausgelassen.
Unter Rommels Zuständigkeit wurden laut dem Blog „Eisberg“ in mindestens zwei italienischen Dörfern Massaker begangen:

In Boves kam es am 19. September 1943 zur Ermordung von 24 Personen durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“.
In Caiazzo wurden im Oktober 1943 22 Zivilisten wegen „Hilfe für den Feind“ bei einer
durch den Wehrmachtsleutnant Lehniyk-Emden befehligten Aktion erschossen.

Ebenfalls nicht in die Ausstellung eingearbeitet wurden die neuen Erkenntnisse des Buches „Halbmond und Hakenkreuz“. In dem offen gelegt wird, dass Rommel eine SS-Einsatzgruppe mit „im Gepäck“ hatte, die 5 Monate die tunesischen Juden terrorisierte und dafür vorgesehen war mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung die Juden in Palästina zu ermorden, so wie es Einsatzgruppen im Osten taten.

Der Blog „Eisberg“ schreibt dazu:

Für die antisemitische Mobilisierung der Einheimischen war u. a. Konstantin von Neurath zuständig. Neurath war Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes beim Afrikakorps und betrieb mit der Propagandakompanie des Korps massive antisemitische Hetze und versuchte so die arabische Bevölkerung Ägyptens für die Deutschen einzunehmen.
Obwohl durch britische Erfolge Rommel Palästina nie erreichte büßten 2.500 tunesische Juden die kurze deutsche Besetzung mit ihrem Leben. Allein nach der Eroberung des Judenviertels von Benghazi 1942 und der Deportation von mehr als 2000 Juden durch die Wüste starben ein Fünftel […]

Der Mythos Rommel in der extremen Rechten wurde von der Ausstellung überhaupt nicht erwähnt. Dieser Blog berichtete ja schon davon, dass die extrem rechte „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ) ihre erste Sonderausgabe 2009 dem Thema „Rommel und das deutsche Afrikakorps“ widmete. Auch das Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau zum Todestag am 14. Oktober 2007 anlässlich Rommels 63. Todestages der Trauer-Veranstaltung in Herrlingen beiwohnten, nachdem sie zuvor eine eigene Zeremonie abgehalten hatten, berichtete „Braunzone Bundeswehr“.

Kritik nur im Gästebuch und auf dem Klo
Eine solche Ausstellung hat natürlich einen unkritischen Eindruck auf die Besucher hinterlassen. Das illustrieren eindrucksvoll Einträge im Gästebuch.
Hier werden „Rommels Verdienste gewürdigt“ oder „eine würdige Ausstellung über einen großen Strategen“.
Doch so mancher Eintrag zeugt auch von Kritik und Entsetzen über die ausstellung. Auf den Punkt bringt es der Eintrag des 10jährigen Jonas:
„Das ist voll verherlichung! Wie viele leute sind wegen Rommel draufgegangen?“
[Fehler im Original]
Kritik an Rommel-Ausstellung
Kritik fand sich nicht nur im Gästebuch, sondern ebenfalls auf dem Männer-Klo in Gestalt eines Flugblattes (siehe Bild). In diesem wurde ein Befehl Rommels vom 23. September 1943 zitiert in dem es u.a. heißt:
„Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Bagodgliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht.“
(vom Foto abgetippt)
Weiter wurde in dem Flugblatt darauf verwiesen, dass die als Zwangsarbeiter ausgebeuteten italienischen Kriegsgefangenen („Italienische Militär-Internierten“) nie entschädigt wurden:
„Bis HEUTE [Hervorhebung im Original] wurden die Überlebenden dieser Tortur von der Bundesregierung NICHT [Hervorhebung im Original] entschädigt!!!“

Quellen
* Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“, http://www.mythos-rommel.de/
* R. Schwarzenberg: Erwin Rommel: Des Teufels General, http://eisberg.blogsport.de/2007/06/17/erwin-rommel-des-teufels-general/

Stauffenberg-Mythos entmystifiziert

Stauffenberg-Gedenkstätte
Demnächst kommt der Film „Valkyrie“ (dt.: Operation Walküre – das Stauffenbergattentat) mit dem Hubbard-Anhänger Tom Cruise in die Kinos.
Die AutorInnen-Gruppe „Never going home“ hat sich aus diesem Anlass kritisch Stauffenberg und mit dem Bild bzw. seiner (Entlastungs-)Funktion auseinandergesetzt. Die gut 30 seitige Broschüre, die auch als PDF abrufbar ist, räumt auf mit dem Mythos Stauffenberg. Bereits am Anfang liest man:

„er und seine Mitverschwörer waren nationalkonservative elitäre Militaristen und Antisemiten“

Später heißt es zusammenfassend:
„Das Bild der Offiziere vom 20. Juli entsprach dabei lange dem Bild des ‚sauberen Offiziers der Wehrmacht‘, der politisch weder informiert noch engagiert gewesen sei. Aber es lässt sich längst belegen, dass diejenigen, die den Kopf Hitlers forderten, selbst Anhänger nationalsozialistischer Ideen waren: Antisemiten, Antibolschewisten und Völkisch-Nationale.“

Diese Erkenntnis, obwohl es jedeR hätte leicht wissen können, ist wichtig. Fungiert doch die Militäropposition um Stauffenberg als eine der zentralen Traditionsquellen für die Bundeswehr.
Zur Funktion der Vereidigung von Soldaten im Berliner Bendler-Block mit Berufung auf Stauffenberg schreiben die AutorInnen:

„Der Trick beim Gelöbnis am 20. Juli besteht also darin, die SoldatInnen auf ihr individuelles
Gewissen, als auch auf unbedingte Opferbereitschaft für das Vaterland zu vereidigen.“

Nicht nur für die, auch die Bundesrepublik beruft sich in ihrer demokratischen Tradition gerne auf den Antidemokraten Stauffenberg. Auch ein Teil der so genannte „Neuen Rechten“ hat Stauffenberg zu ihrem Idol erhoben um sich vom unpopulären Hitlerismus abzugrenzen und trotzdem auf antiemanzipatorisches Gedankengut zu berufen.

Hier noch zwei kritische O-Töne zu dem Stauffenberg-Kreislern:

Die größte Sorge war bis zum Ende, wie man ein Chaos verhindern (die Alliierten sollten »Vernunft« haben und bis zur Wiederherstellung der Ordnung und damit natürlich auch der Widerstandsfähigkeit des deutschen Heeres »stillhalten«) und die Gefahr des Bürgerkriegs bannen könne. Von dem, was im Osten geschah, waren sie alle unterrichtet, aber daß angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten ein Bürgerkrieg noch das Beste war, was Deutschland passieren hätte können, davon wäre wohl kaum einer von ihnen zu überzeugen gewesen. Vielleicht wäre dies anders bei der Linken gewesen, wenn man daran auch angesichts der Geschichte der deutschen Sozialdemokraten zweifeln darf.

Hanna Arendt über die Stauffenberg-Leute
(Hanna Arendt: Eichmann in Jerusalem, München 3. Auflage 2006, Seite. 187)

Ein wenig spät, Ihr Herren, die Ihr diesen Erzzerstörer Deutschlands gemacht habt, die Ihr ihm nachliefet, solange alles gut zu gehen schien, die Ihr […] unbedenklich jeden von euch gerade verlangten Treueid schworet, die Ihr euch zu armseligen Mamelucken des mit hunderttausend Morden, mit dem Jammer und dem Fluch der Welt belasteten Verbrechers erniedrigt habt und gestern die Republik verraten habt […] diese unwürdigen Enkel des großen Moltke […] sie verraten jetzt, wo der Bankerott nicht mehr verheimlicht werden kann, die pleite gehende Firma, um sich ein politisches Alibi zu schaffen – sie, die als platteste Machiavellisten noch alles verraten haben, was ihren Machtanspruch belastete.

Friedrich Reck-Malleczewen, Tagebucheintrag kurz bevor er im KZ ermordet wurde
(Nach: Hanna Arendt: Eichmann in Jerusalem, München 3. Auflage 2006, Seite 191)

Quelle:
* nevergoinghome: Fragwürdige Traditionslinien (Broschüre), 26. September 2008, online unter: http://nevergoinghome.blogsport.de/images/FragwrdigeTraditionslinien.pdf

Namenspatenonkel: General von Lettow-Vorbeck

Lettow-Vorbeck-Biografie
Im Folgenden sollen ein paar Informationen aus dem Buch „Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit“ von Uwe Schulte-Varendorff (Berlin, 2006) wiedergegeben werden. Das Buch beschäftigt sich kritisch mit der Biografie von General Lettow-Vorbeck, der Namensgeber für mehrere Bundeswehr-Kasernen war und gewesen ist. Drei von vier Kasernen(um)benennungen nach Letto-Vorbeck stammen noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und das nicht ohne Grund:
* 1938 in Leer/Ostfriesland
* 1938 in Bremen (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1939 in Hamburg-Wandsbeck (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1962 in Bad Segeberg

Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870-1962) war von Anfang an beseelt vom preußischen Militärgeist. Bereits 1881 trat er in das Kadettenkorps in Potsdam ein und es folgte eine die typische Karriere eines Angehörigen der Kaste des Militär-Adels. Im Jahr 1900 schloss er sich der „1. Ostasiatischen Infanterie-Brigade“ an und beteiligte sich damit am sogenannten Boxer-Feldzug, der Niederschlagung eines antiwestlichen Aufstandes in China. Beim Ausrücken in Bremen hörte er damals höchstselbst die berüchtigte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II., in der dieser aufforderte den Chinesen jedes Pardon zu verwehren. In China erlebte er seine „Feuertaufe“ beim Angriff im Januar 1901 auf ein „Boxernest“, ein angeblicher Rebellen-Ort (in Wahrheit oft ein unbeteiligtes Dorf). Unbändiger Ehrgeiz trieb ihn an. Danach tat Lettow-Vorbeck organisatorischen Stabsdienst. Als in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ (heute: Namibia) ein Aufstand aufbrach, in dem sich Einheimische gegen Unterdrückung auflehnten, meldete er sich auch hier freiwillig. Er diente 1904-07 als Adjutant und Stabsoffizier des Kommandanten Trotha, der verantwortlich ist für das Genozid an den Herero und Nama.

Nach einer Zwischenzeit in dem „2. Seebataillon Wilhelmshaven“ der kaiserlichen Marine trat er 1913 wieder der „Kaiserlichen Schutztruppe bei. Deren Kommandeur in „Deutsch-Ostafrika“ (heute: Tansania) und zeitweise auch Kamerun er wurde.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es auch in Afrika zu Kampfhandlungen. Die vorher festgelegten Regelungen in der Kongo-Akte (keine Kämpfe in den Kolonien) wurden von beiden Seiten konsequent missachtet. Lettow-Vorbeck versuchte gleich zu Anfang die strategisch wichtige britische Uganda-Bahn angreifen. Als Portugal 1916 in den Krieg gegen Deutschland eintrat, wendete sich Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auch gegen die, sich im Süden befindliche Kolonie „Portugiesisch-Ostafrika“ (heute: Mocambique). Durch flexibles Ausweichen und einiges taktisches Geschick konnte Lettow-Vorbeck gegen die Übermacht aus britischen, indischen, südafrikanischen, belgischen und portugiesischen Truppen lange aushalten.
Spätestens mit seinem Einfall in die portugiesische Kolonie 1917 wandelte sich der Krieg Lettow-Vorbecks in einen Kleinkrieg. Seinen geplanten Zug von einer Küste zur anderen Küste nach Angola konnte Lettow-Vorbeck nicht beenden. In Nordrhodesien (heute: Sambia) musste er schließlich kapitulieren.
Entgegen der Mär von den treuen Kolonialuntertanen, gab es während des Kampfes in Afrika Aufstände von Einheimischen (Seite 50-54), die wohl die Chance sahen das deutsche Joch abzuschütteln. Unter en Aufständischen war auch das Volk der Massai. Gegen die Massai wurden von Lettow-Vorbeck Strafexpeditionen befohlen, bei denen ganze Dörder niedergebrannt wurden. Ihren Widerstand mochte Lettow-Vorbeck den Massai auch später nicht vergeben, er machte aus ihnen in seinen Memoiren später die „Urjuden“ (Seite 102).
Weitere Opfer des unnötigen Krieges in den Kolonien war die Zivilbevölkerung, die unter einer kriegsverursachten Nahrungsmittelknappheit litt. Der Autor Uwe Schulte-Varendorff konstatiert über die ständigen Beschlagnahmungen und die Taktik der „verbrannten Erde“ (vernichtung aller Nahrungsmittel und Anbauflächen):
„Bei der von Lettow-Vorbeck praktizierten Kriegsführung verwundert es nicht, dass die afrikanische Zivilbevölkerung an letzter Stelle der Nahrungskette stand.“
(Seite 55)
Das rigorose Vorgehen mündete in eine allgemeine Hungersnot, die 300.000 Menschen das Leben kostete (Seite 57).
Stand die einfache Zivilbevölkerung auf der untersten Stufe, so ging es auch den im deutschen Diensten stehenden Askaris nicht immer gut. Ihr Spitzname für ihren Kommandanten Lettow-Vorbeck war „Herr, der unser Leichentuch schneidert.“ Um die Reihen der Askaris wieder aufzufüllen, wurden Zivilisten zwangsrekrutiert. Unter den Neu-Rekrutierten befanden sich auch Minderjährige, also de facto Kindersoldaten, die als „Signalschüler“ (Kundschafter) eingesetzt worden (Seite 60).
Viele Neu-Rekrutierte, im Durchschnitt etwa 20%, flohen und schlossen sich teilweise den Alliierten oder den Aufständischen an. Soviel zum Mythos von den „treuen Askaris“. Wurden die Deserteure wieder eingefangen, so wurden sie oft öffentlich hingerichtet, aber mindestens ausgepeitscht.
Wesentlich schlechter als den Askaris erging es den Trägern in Lettow-Vorbecks Truppe. Diese wurden fast gänzlich zwangsrekrutiert und in Ketten gelegt. Sie starben zu zehntausenden an Erschöpfung, Hunger und Kälte. Insgesamt sollen 100-120.000 umgekommen sein (Seite 59).
Insgesamt, also von Deutschen und Alliierten verursacht, starben bei den Kämpfen in Ostafrika 700.000 Menschen!!!

Trotz seiner Gefangenschaft kehrte Lettow- Vorbeck im März 1919 umjubelt nach Deutschland zurück. Als „im Felde unbesiegt“ diente er der anti-demokratischen Rechten immer das lebende, positive Gegenstück zur „Dolchstoßlegende“. Lettow-Vorbecks Unbesiegtsein, sollte beweisen, dass die Front auch in Europa ohne den „Dolchstoß“ standgehalten, ja gesiegt hätte. Behauptungen, die jeder Militärhistoriker als Legende einstuft.
In der Weimarer Republik behielt von Lettow-Vorbeck von Anfang bis Ende seine deutschvölkische Gesinnung bei. Er sprach schon früh auf Versammlungen der NSDAP, der er bereits vor 1933 positiv gegenüberstand.
Doch nicht nur als Redner wandte er sich gegen die junge Republik. Im Jahr 1920 schloss er sich dem Kapp-Lüttwitz-Putsch an. Mit seinem „Korps Lettow-Vorbeck“, etwa 10.000 Soldaten besetzte er Mecklenburg. Am 15. März erschossen seine Truppe 15 Menschen in Schwerin.
„Geübt“ hatte er zuvor schon in Hamburg während der sogenannten „Sülzeunruhen“ (Juni 1919: Die Sülzeunruhen, auch als Hamburger Sülzeaufstand bekannt, ereigneten sich im späten Juni 1919 in Hamburg. Auslöser war die Annahme der Bevölkerung, dass verfaulte Tierkadaver zu Sülze verarbeitet und verkauft würden.).
In beiden Fällen verhielt sich Lettow-Vorbeck wie ein Militär in besetztem Feindesland.
Das Scheitern des Kapp-Lüttwitz-Putsches hatte für ihn lediglich den Abschied aus dem Armee-Dienst zur Folge.
Als Abgeordneter vertrat er gegen Ende die antidemokratische und antisemitische „Deutschnationale Volkspartei“ (DNVP) im Reichstag.

Im Jahr 1939 wurde von Lettow-Vorbeck von Hitler zum General z.b.V. (zur besonderen Verfügung) ernannt, wobei diese besondere Verfügung vor allem in propagandistischen Tätigkeiten für das Regime.
Entgegen allen Legenden war Afrika aber nur ein Nebenschauplatz, der niemals die Anzahl an Truppen band, die Lettow-Vorbeck für sich beanspruchte (300.000).

Auch zur Bundeswehr stand Lettow-Vorbeck in gutem Verhältnis. Seine Beerdigung erfuhr alle erdenklichen Ehren:
„Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Lettow-Vorbeck in Hamburg, wo er am 9. März verstarb. Die Beisetzung erfolgte am 13. März 1964 in Pronstorf in Schleswig-Holstein.
Die Feierlichkeiten anläßlich seiner Beisetzung werfen ein bezeichnendes Licht auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr; man gewährte Lettow-Vorbeck ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren. Sechs Stabsoffiziere der Bundeswehr hielten am Sarg die Totenwache, angetreten waren eine Ehrenkompanie des Panzergrenadierregiments aus Neumünster mit Musikkorps und ein Halbzug des Seebataillons aus Borkum. Der Kommandeur des Panzergrenadierregiments, Oberst Schmidt, trug dem Sarg das Ordenskissen mit den zahlreichen Auszeichnungen des Generals voran. Bei der Beisetzung war auch der Befehlshaber im Wehrbereich I, Konteradmiral Rösing, anwesend. Beim Hinablassen des Sarges spielte das Musikkorps »Heil Dir im Siegerkranz«. Auf Veranlassung der Bundesregierung und mit Hilfe der Bundeswehr waren eigens zwei ehemalige Askari der »Schutztruppe« aus Tansania als Staatsgäste eingeflogen worden.
Die Traueransprache hielt der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU), der betonte, dass Lettow-Vorbeck »wahrlich im Felde unbesiegt« geblieben sei. Der General habe das »Gesetz der Menschlichkeit, der Sitte und des Rechts eingehalten«, denn »als Grundlage der von ihm ganz persönlich geprägten Kriegsführung galten Kampf und Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber«. Hassel sah in Lettow-Vorbeck »eine der großen Gestalten, die das Leitbild beanspruchen dürfen … Vorbild genannt zu werden.«“
(Seite 126 und 127)

Heute wäre es an der Zeit diese nationalistische Identifikationsfigur mit ihrer blutigen Geschichte vom Heldenpodest zu stoßen und Lettow-Vorbecks Name von Kasernen und Straßenschildern zu tilgen.

Das reich bebilderte und nicht zu sehr akademische Buch ist vorbehaltsfrei jedem und jeder interessierten LeserIn zu empfehlen!

Quelle:
* Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit, Berlin 2006

Deutscher Marinebund lud russischen Rechtsextremisten aus

Zwei Vorträge des russischen Rechtsextremisten Wjatscheslaw Daschitschew sind nach Kritik abgesagt worden. Daschitschew sollte einmal auf einer Veranstaltung der extrem rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung“ (SWG) in Kiel sprechen. Dies stieß aber auf Kritik von SPD und Grünen.
Auch der Vortrag Daschitschews zur Eröffnung der Ausstellung über den Kreuzer „Prinz Eugen“ beim „Deutschen Marinebund“, einem gemeinnützigen Verein mit dem Ziel der Förderung des „maritimen Bewusstseins“, in Kiel wurde abgesagt.
Daschitschew, der auch eine Zeit lang Gorbatschows Berater war, ist bereits mehrmals in Vergangenheit bei rechtsextremen Gruppen als Redner aufgetreten und ist auch Mitglied im Vorstand der extrem rechten Kontinent-Europa-Stiftung.

Quelle:
Felix Krebs: brauner Besuch mit Folgen, in: „Der Rechte Rand“ Nr. 113, Mai / Juni 2008, Seite 26

Über ein Stück Blech mit Geschichte

Nicht das Bild einer nackten Frau, die ihre Schamhaare entblösst, ist obszön,
sondern das eines Generals im, der seine im Agressionskrieg verdienten Orden zur Schau stellt.

Herbert Marcuse

Die Medien berichteten vor kurzem von der Idee von einigen Politikern, eine Auszeichnung wieder einzuführen, die dem „Eisenen Kreuz“ ähneln soll. Vor einiger Zeit gab es schon eine vergleichbare Initiative von der Basis her. Ein Fähnrich hatte damals eine Petition gestartet mit dem Ziel das „Eiserne Kreuz“ wieder einzuführen (BraunzoneBw berichtete!).
Zur Erinnerung: Das „Eiserne Kreuz“ war in allen deutschen Staatsformen vor 1945 in Gebrauch, um junge Menschen dafür zu mobilisieren für Volk und Vaterland in die Schlacht zu ziehen. Von den blutigen Schlachtfeldern Verduns bis hin an den Wolgastrand bei Stalingrad im Zuge eines erbarmbungslosen Vernichtungsfeldzuges. Eine Auszeichnung an der also viel Blut klebt.
Allerdings waren damals nicht genug Unterschriften zusammen gekommen, damit sich der Bundestag
Ob die derzeitige Diskussion, diesmal aber von oben geführt, eine verspätete Nachwirkung dieser Basis-Initiative ist, ist nicht ersichtlich.
Bei der Diskussion um die Wiedereinführung einer solchen Auszeichnung wird aber gerne vergessen, dass das „Eiserne Kreuz“ schon seit Anfang an in der Bundeswehr existiert. Und zwar in abgewandelter Form als Zeichen der Bundeswehr. Überhaupt gibt es in der Bundeswehr eine reichlich unkritische Nähe zu diesem Orden, wie folgende Zitate beweisen:

Das Eiserne Kreuz hat einen festen Platz in der deutschen Geschichte. Zunächst als Tapferkeitsauszeichnung gedacht, entwickelte es sich bald zum Staatssymbol. Seit 1956 ist es das Hoheitszeichen der Bundeswehr.
[…]
„Die dritte Stiftung erfolgte zu Beginn des Ersten Weltkrieges am 5. August 1914 durch Kaiser Wilhelm II. Von den rund 13 Millionen Kriegsteilnehmern erhielt fast jeder Dritte eines der Eisernen Kreuze am schwarzen und weißen Bande verliehen.“
[…]
Im Zweiten Weltkrieg wurden noch weitere Stufen des Eisernen Kreuzes eingeführt. Die Testpilotin Hanna Reitsch bekam 1942 als einzige Frau das Eiserne Kreuz verliehen. Zum Balkenkreuz verändert, prangte es zudem auf den Panzern und Flugzeugen der Wehrmacht.
Von den Offizieren des 20. Juli 1944 waren 13 Inhaber des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes. 711 Ritterkreuzträger dienten später in der Bundeswehr, von den 114 einen Generalsrang erreichten. Insgesamt wurde das Eiserne Kreuz etwa 2,3 Millionen mal während des Krieges verliehen.

Quelle: Das Eiserne Kreuz, Berlin, 30.03.2004, http://tinyurl.com/2deqhv

Das Eiserne Kreuz bleibt auch weiterhin das Symbol des deutschen militärischen Selbstverständnisses. Das Eiserne Kreuz bringt aber nicht mehr Schrecken, sondern Hoffnung, und das genießt heute weltweite Anerkennung.

Quelle: 11.10.2005 Rede des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Wolfgang Schneiderhan
Rede des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Wolfgang Schneiderhan im Rahmen der 18. Informationstagung für pensionierte Generale, Admirale und Sanitätsoffiziere im Generalsrang am 11. Oktober 2005 in Bonn, http://tinyurl.com/ytsnz4

Quellen:
„Eisernes Kreuz“ als Nazi-Symbol, http://www.buendnis-toleranz.de/nn_580448/DE/Grundlageninformationen/NaziCodes/Nazi-Codes,lv2=580460,lv3=599602,templateId=renderPrint.html

Stefan Schulte und Nadine Michel: Ex-Generäle befürworten Eisernes Kreuz, Spiegel-Online, 06. März 2008, http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,539842,00.html

Neu Krieger“denk“mäler braucht das Land?

Eigentlich müsste es doch genug davon geben. Von den steinernen Kuben, die landauf landab in jedem Dorf zu finden sind. Darauf sind die Gefallenen oder schlimmer noch: die „Helden“ verzeichnet, die 1871 bis 1945 in den jeweiligen deutschen Kriegen starben. Seltsamerweise hat sich als Begriff für diese Steinungetüme das Wort „Denkmal“ eingebürgert. In Wahrheit haben die meisten dieser „Denkmäler“ aber recht wenig mit Denken zu tun und sollten daher ehrlicherweise auch „Ehrenmäler“ genannt werden. Denn das sind sie vollkommen unkritische „Ehrenmäler“. Es ist fraglich, ob man den Toten tatsächlich einen Gefallen tut, indem man ihren Taten versucht posthum einen Sinn anzudichten. Statt „starben für ihr Vaterland“ oder „erlagen dem Heldentod“, wäre „starben für im Angriffskrieg“ oder „verbluteten sinnlos für Kaiser und Vaterland“ wohl ehrlicher. Gefragt oder gar draufgeschrieben ist nie das Wo, Was, Wie oder Warum. Wo starben die „Helden“? Was taten Sie dort? Wie taten sie es? Und vor allem: Warum?
Vielleicht wären dann kommende Generationen nicht mehr so gierig danach auf dem Schlachtfeld zu sterben, wenn sie um den leeren Pathos wüssten.
Leider scheint es anscheinend noch nicht genug von diesen kontextlosen Ehrenmälern.
So berichtet ein Artikel in den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“, dass neue dieser Soldaten-Ehrenmäler entstanden seien, z.B. in Guben oder Lieskau.
Spannend wäre es einmal zu erfahren, wer die neuen militaristischen Monumente eigentlich bezahlt.

Quelle: Thorsten Metzner: „Skandalöse“ neue Kriegerdenkmale. Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg kritisiert Kommunen und warnt vor Rechtsextremen, Potsdamer Neueste nachrichten, 15.2. 2008, http://www.pnn.de/Pubs/nachrichten/pageviewer.asp?TextID=15930

Namensgeber für Schule mit Vergangenheit in der NS-Rüstungsindustrie

Es sind die Sklaverei, die unerhörte Summe an Elend, Leid und Tod des Lagers Dora im Dienst der Herstellung von Fernwaffen, die Hitler nicht den Sieg gebracht, später aber die Eroberung des Weltraums ermöglicht haben, nachdem Russen und Amerikaner ohne eine Spur von Scham die Wissenschaftler des Reiches in ihre Dienste gestellt hatten.

Jean Michel, Dora, Paris 1975
(Nach: Eifeld, Seite 277)

Nicht nur Kasernen erhalten Namen von Personen mit brauner (Militär-)Geschichte, auch bei Schulen findet sich so manch seltsamer Namenspatron. Eigentlich aber sind die Zeiten in denen Schulen z.B. nach der NS-gläubigen Dichterin Agnes Miegel benannt werden vorbei. Zwar existieren noch z.B. Straßen, die nach ihr benannt wurden bis heute, aber die Benennung ist schon älteren Datums. Doch kann dergleichen auch heute noch geschehen. Auf eine mehr als zweifelhafte Neu-Benennung mach der Autor Lars Gaede in der Tageszeitung „taz“ aufmerksam.
Screenshot_Klaus-Riedel-Schule
Eine Mittelschule in Bernstadt auf dem Eigen (Ost-Sachsen) wurde im September 2007 nach einem Entwickler der Nazi-Rakete V2 benannt, der selbst ein Sohn der Stadt ist und dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Doch Klaus Riedel ist nicht irgendein Raketenforscher. Er entwickelte die „Wunderwaffe“ der Nazis, die V2-Rakete, mit. Schätzungweise sollen bei der Produktion bis zu 20.000 Zwangsarbeiter umgekommen sein, z.B. bei der Sklavenarbeit um die unterirdischen Produktionsstätten in den Fels zu treiben. Die Häftlinge kamen aus den Konzentrationslagern Dachau (Zeppelin), Mauthausen (Rax), Sachsenhausen (DEMAG) und Buchenwald (Heeresversuchanstalt Peenemünde), bzw. dem Unterlager Dora-Mittelbau (siehe Zitat oben).
Weitere 12.000 Menschen starben bei den Raketenangriffen z.B. auf Großbritannien. Zum Glück stellte sich die „Wunderwaffe“ als sehr verwundbar heraus, so dass nur eine Minderheit ihr Ziel erreichte.
Riedel selbst starb 1944 bei einem Autounfall und konnte sich im Gegensatz zu seinen Kollegen daher nicht als Experte von den Alliierten anwerben lassen. Die frühen Raketenprogramme der NASA gehen z.B. auf berühmte NS-Experten zurück. Der berühmteste davon ist wohl Wernher von Braun. Auch dieser ist Namenspatron, nämlich
Bis jetzt ist die Kritik an der Neubenennung der Schule eher eine Minderheitenposition eines Gymnasium im bayerischen Friedberg und einer weiteren Schule im hessischen Neuhof.
Laut dem taz-Artikel stellte sich der Bürgermeister von Bernstadt auf dem Eigen hinter die Benennung. Laut einem Spiegel-Artikel ließ der Ort Riedel bereits 1993 ein Denkmal bauen.

Verwendete Literatur
Lars Gaede: Schule nach Nazi-Raketen-Erfinder benannt. Waffenschmied als Vorbild, in: taz, 04.02.2008, http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/waffenschmied-als-vorbild-fuer-schueler/?src=SZ&cHash=0f520cf3f1

Rainer Eisfeld: >Fortschritt< durch Vernichtung Raketenpioniere und KZ-Häftlinge im NS-Staat, in: Yves Beon: Planet Dora, Gerlingen 1999, Seite 276-298

Klaus Riedel – nur ein „Raketenpionier“?, Linksammlung der Grünen-Politikerin Astrid Günther Schmidt, http://www.astrid-guenther-schmidt.de/kontrovers.html/p2_articleid/181

Alexandra Sillgitt und Jochen Leffers: Raketenbauer der Nazis ist Namenspate einer Schule, Spiegel-Online, 05. Februar 2008, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,533072,00.html

Homepage der Schule