Archiv der Kategorie 'Marine'

Rassismus in der Bundeswehr

Die taz stellte in einem Artikel im September 2017 die Geschichte eines muslimischen Soldaten mit dem Pseudonym Stefan Peters vor, der in der Bundesmarine diente und Rassismus und Ignoranz erlebte. Hier ein paar Ausschnitte aus dem Artikel:

„Er schaltet seinen Laptop ein und öffnet eine Mail, die er im Herbst 2011 an den damaligen Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus geschrieben hatte. Sie beginnt mit dem Satz: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal an Sie wenden müsste . . .“
[…] Heute ärgert ihn, wie die Bundeswehr mit dem Fall des rechtsextremen Soldaten Franco A. umgeht. Als sei A., der Terrorverdächtige, der sich als Flüchtling ausgab und Anschläge plante, nur ein Einzelfall. Peters ist davon überzeugt, selbst Opfer rechter Seilschaften in der Bundeswehr gewesen zu sein.
Alles fing mit einem Bier an. Das war 2009, Peters ist Wehrdienstleistender, er lehnt es ab, mit seinen Kameraden Alkohol zu trinken, und verweist auf seinen Glauben. Ein Rekrut attackiert ihn: Wer nicht trinkt, vergewaltigt auch seine Schwester. Dass er anders ist, spricht sich schnell an Bord herum. An der Essensausgabe meint Peters böse Blicke zu sehen, wenn er Mahlzeiten ohne Schweinefleisch bestellt. Jemand schmiert auf sein Bett: „Scheißmoslem“.
Heute ist Peters erstaunt, was ihm damals normal vorkam. Auf den Bordservern der „Bayern“ waren sämtliche Alben der Böhsen Onkelz gespeichert. Die Lieder der wegen Nähe zum Rechtsrock umstrittenen Band hat jeder Soldat herunterladen können. Auch er selbst hörte sich die Onkelz gern an, es ist sein Soundtrack für diese Zeit. War er der Einzige, dem auffiel, dass ein Unteroffizier T-Shirts der unter Neonazis beliebten Modemarke Thor Steinar trug? Störte sich niemand daran?
Bei einem Landausflug in Norwegen kommt es zu einem Übergriff. Mehrere Männer halten Peters fest, damit ein anderer ihm Bier einflößen kann. Peters wendet sich an seine Vorgesetzten. Die Hänseleien hören danach auf.
[…] 2012 druckt eine Regionalzeitung das Foto eines Soldaten, der vor dem Auslaufen der Fregatte seine Frau küsst. Das Bild eines athletischen Mustersoldaten und seiner schönen Frau – es scheint wie für eine Bundeswehrbroschüre gemacht. Es sind Nesrin und Stefan Peters.
Nesrin Peters erzählt, wie sie sich wirklich fühlten in jenem Jahr. Ihr Mann sei jedes Mal schlechter drauf gewesen, wenn sie sich gesehen hätten. „Das war für unsere Beziehung ganz schön hart“, sagt sie.
Dabei hätte er nach der freiwilligen Verlängerung 2011 beinahe nicht auf seine zweite Reise mit der „Bayern“ gehen können. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) unterzieht Peters seit seinem Eintritt in die Bundeswehr einer Sicherheitsprüfung. „Ich bin Muslim und bin mit einer Afghanin verheiratet“, sagt Peters, als wäre das Erklärung genug.
Der Vorgang an sich stört ihn damals nicht. Bis er erfährt, dass ihn sein Arbeitgeber als Sicherheitsrisiko einstuft.
[…] Der muslimische Soldat, der wegen seines Glaubens zu Beginn seines Dienstes ein Bier verweigert, greift jetzt aus Frust bei jeder Gelegenheit zur Flasche. Doch auch jetzt, wo er säuft, erregt er Missfallen. Bei einer Feier in einem italienischen Hafen stürmt ein Unteroffizier auf ihn zu. Er schimpft, dass ein Muslim, der trinkt, keinen Grund habe, Schweinefleisch zu verweigern. Er versucht ihn zu schlagen, erst zwei andere Kameraden halten ihn davon ab.
So eine Attacke ist schlimm, sagt Peters. Schlimmer aber sei die Reaktion der anwesenden Offiziere gewesen. Sie bestrafen den Unteroffizier nicht.“

Quelle:
* Rassismus bei der Bundeswehr – Der Feind in meinem Boot, taz, 08.06.2017, http://www.taz.de/Rassismus-bei-der-Bundeswehr/!5416908/

Rechtsrock im Hintergrund auf dem Bundeswehr-Segelschulschiff Gorch Fock

Nazi-Marken-Werbung bei Kategorie C
OBEN: Werbung für die Nazi-Marke Erik&Sons im CD-Booklet von KC

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Die Bundeswehr sieht sich im Zusammenhang mit ihrem Segelschulschiff Gorch Fock erneut  kritischen Fragen ausgesetzt. Diesmal geht es um Rechtsrock. Aufmerksame Zuschauer hatten bei der Ausstrahlung einer NDR-Reportage über die Ausbildungsfahrt des nach dem Tod einer jungen Kadettin 2010 in die Schlagzeilen geratenen Schiffes bemerkt, dass an Bord lautstark Musik von der seit 1997 aktiven Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ zu hören ist. Von dem Törn von Madeira nach London im April mit einem Reporterteam an Bord wird eine Szene ausgestrahlt, bei der Marinesoldaten Müll entsorgen. Im Hintergrund erklingt dabei der Song „Gleich raucht’s“ der Bremer Rechtsrock-Hooliganband, die vom Bremer Verfassungsschutz unter der Rubrik Rechtsextremismus benannt und bewertet wird. Das Marinekommando in Rostock hat jetzt angekündigt, den Vorgang zu untersuchen.

Quelle:
* Horst Freires: Rechtsrock auf der Gorch Fock, Blick nach Rechts, 15.08.2013, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/rechtsrock-auf-der-gorch-fock

Rassistischer Übergriff bei der Marine

Auf dem Schnellboot „Hermelin“ der Deutschen Marine haben Anfang Februar 2013 mehrere Obermaate (Unteroffiziere) im Hafen von Beirut ihren vorgesetzten Bootsmann thailändischer Herkunft fast nackt auf einem Tisch gefesselt und mit den Worten „hier wohnen die Mongos“ beschmiert.
Dass das Wort „Mongo“ in diesem Fall nicht behindertenfeindlich, sondern rassistisch gemeint ist und auf die asiatische Herkunft des Opfers anspielt, ist ziemlich eindeutig. Übrigens hat auch das behindertenfeindliche Schimpfwort „Mongo“ eine rassistische Wurzel. Mit der veralteten Bezeichnung „Mongoloide“ wurden behinderte Menschen offenbar bezeichnet, weil ihre Gesichtszüge an Asiaten erinnern sollen.

Das Verteidigungsministerium konnte in diesem Vorfall keinen rassistischen Hintergrund erkennen. Wenn es sich selbst in diesem eindeutig rassistischen Fall nicht offiziell um Rassismus handelt, dann ist klar, warum die bundeswehr eine relativ geringe Zahl an rechten Vorfällen aufweist.

Quelle:

* Marinesoldaten demütigen Vorgesetzten, 27.02.2013, http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundeswehr-marinesoldaten-demuetigen-vorgesetzten-12096133.html

Guter Kommentar zu dem rassistischen Übergriff in der Marine

Wenn vier weiße deutsche Marinesoldaten einen ebenfalls deutschen Vorgesetzten mit thailändischen Vorfahren aus seiner Koje zerren, ihn mit Klebeband und Spanngurten an einem Tisch festkleben und –binden, und ihm die Worte „Hier wohnen die Mongos“ auf den Körper malen, dann ist das eine rassistische Tat. Und das Motiv für eine rassistische Tat ist selbstverständlich Rassismus. Das sollte so selbstverständlich sein, dass sich jede Spekulation und jede Ausflucht erübrigt. Stattdessen sollte unmittelbar damit begonnen werden, über Maßnahmen nachzudenken, mit denen sich Rassismus innerhalb der Marine (und natürlich auch anderswo) bekämpfen lässt.

Quelle:
* Rassismus „Rassismus“ nennen; http://www.sprachlog.de/2013/02/27/rassismus-rassismus-nennen/

Neurechte Offiziere an Bundeswehruni in München

Martin Böcker aus München war anfangs Betreiber des rechten Interview-Blogs „www.dasgespraech.de“ und schrieb später für rechte Blätter wie „Junge Freiheit“ und „Sezession“. Boeckers bei Sezession Zudem nahm er auch an einer Kranzniederlegung am Grab des rechten Vordenkers Oswald Spengler teil. Außerdem gibt er bereitwillige zu, er besuche regelmäßig „guten Gewissens“ Veranstaltungen des ultrarechten thinktanks „Institut für Staatspolitik“ (IfS).

Nun sorgte Böcker für Furore. Er ist nämlich nicht nur Student an der Bundeswehr-Universität in München, sondern auch der neue Chefredakteur des Studierenden-Magazins seiner Universität.
Campus 1-2011
In der Ausgabe Nr. 131 des Magazins „Der Rechte Rand“ findet sich in dem Artikel „Rechtsum im »Institut für Staatspolitik«“ (Seite 22) von Robert Andreasch folgender Abschnitt:

Eines hat [Martin] Böcker freilich mit [Götz] Kubitschek gemeinsam: Jener war, was Böcker noch ist: Soldat, das heißt genauer studierender Offizier an der Universität der Bundeswehr (Fachbereich Staats- und Sozialwissenschaften) in Neubiberg bei München. Zusammen mit Leutnant zur See Felix Springer (Autor für »Sezession« und JF) und […] Larsen K[…] (Autor in JF und »Blaue Narzisse«) bildet Böcker den Kern der Münchner IfS-Aktivisten. Das rechte Trio stellt keine Ausnahme dar: Ein größerer Trupp von Soldaten/Studierenden der Bundeswehruniversität besucht zusammen mit Burschenschafter regelmäßig rechte Veranstaltungen in München, ob von der »Bürgerbewegung Pax Europa« oder beispielsweise von »Politically Incorrect«.

Der genannte Martin Böcker ist nun der neue Chefredakteur der Studierendenzeitung „Campus“ Organ des Studentischen Konvents an der Bundeswehr-Universität in München.
Bereits im Editorial von „Campus“ kündigen der Oberleutnant und seine Gesinnungsgenossen an, den Schutz der Pressefreiheit „werden wir schamlos ausnutzen.“

Böcker nennt auch den „Dienst“ der Frauen in der Bundeswehr „dankenswert, edel und gut“, schreibt aber zugleich von „der misslungenen Integration der Frau in den Streitkräften“. Im Heft führt der Redakteur und Leutnant zur See, Felix Springer, diese antifeministische These weiter aus:

Unbestritten ist, dass sich die körperlichen Anlagen männlicher und weiblicher Soldaten grundlegend unterscheiden, damit auch die reale Leistungsfähigkeit. […] In der militärischen Ausbildung sind entweder doppelte Maßstäbe oder eine Absenkung des allgemeinen Leistungsniveaus die Folge. Beides wirkt negativ auf den Kampfwert

Die Auswirkungen der Neubesetzung des Chefpostens bei „Campus“ zeigen sich sogleich. Das IfS konnte eine ganzseitige Anzeige in dem Magazin schalten.
Immerhin: Die Uni-Präsidentin erklärte laut „Süddeutsche“ eine Anzeige wie die des „Instituts für Staatspolitik“ werde es in Campus nicht mehr geben.
Doch Böcker ist nicht der einzige braune Passagier an Bord von „Campus“. So berichtet das AIDA-Archiv:

Doch Martin Böcker ist nicht allein bei „Campus“ eingestiegen: Mindestens ein weiterer „Campus“-Redakteur ist als Autor für „Sezession“ tätig, ein dritter schreibt für die extrem rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und das IfS-nahe Online-Portal „Blaue Narzisse“.

Quellen:
* Maria Holzmüller Bundeswehr: Rechtsruck im Uni-Magazin Rechter Aktivist leitet Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199 & http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199-2
* DWK/rb: Rechter Aktivist lenkt Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.welt.de/regionales/muenchen/article13487682/Rechter-Aktivist-lenkt-Zeitung-an-Bundeswehr-Uni.html
* Robert Andreasch: Skandal an Bundeswehr-Uni in Neubiberg, AIDA-Archiv, 14. Juli 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2444:skandal-an-bundeswehr-uni-in-neubiberg-&catid=43:weitere-rechte-aktivitn&Itemid=151
* Andreas Speit: Lufthoheit über den Seminaren, taz, 18.07.2011, http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2011%2F07%2F18%2Fa0027&cHash=fb013a5a50

Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt

Der neurechte Vordenker Dr. Erik Lehnert, Geschäftsführer des extrem rechten „Instituts für Staatspolitik“ (im Selbstanspruch ein „Reemtsma-Institut von rechts“) mit Sitz in Schnellroda (Sachsen-Anhalt), konnte unlängst in der Zeitschrift „Marineforum“ Ausgabe 7/8 2011 zum Thema „Gleichstellung um jeden Preis? Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten“ schreiben. Lehnert beschreibt in seinem Beitrag, der offenbar eine Kurzversion seiner IfS-Studie „Die Frau als Soldat – der Gorch Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften“ darstellt, die Transformation der Bundeswehr und kritisiert dabei vor allem den zunehmenden Zugang von Frauen zu den Streitkräften.
Er schreibt u.a.:

Seither ist die Armee das Experimentierfeld einer Gleichheitsideologie, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Zu denen nicht zuletzt der Tod der Kadettin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November 2010 gehört.

Frauen spricht er qua biologischer Voraussetzung die Möglichkeit zum Militärdienst ab:

Obwohl der große technologische Fortschritt viele Entbehrungen und Strapazen, die Soldaten über Jahrhunderte ertragen mussten, erleichtert hat, bleibt der Kampfeinsatz immer noch eine außergewöhnliche physische und psychische Herausforderung. Die Natur hat Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich ausgestattet.

Denn den Frauen fehle es am aggressiv machenden Testosteron-Hormon:
„Mit Blick auf die Tatsache, dass Kampf und Krieg ein gewisses Maß an Aggression erfordert, sind die meisten Frauen in dieser Hinsicht denkbar ungünstig ausgestattet.“
Lehnert folgert, dass die „Feminisierung der Streitkräfte“ inhuman sei und die zwei tödlich verunglückten Gorch Fock-Kadettinen Opfer weiblicher Umstände, also selber Schuld, seien:

Unter Absehung von der Realität wurde den jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun. Insofern sind die beiden verunglückten Kadettinnen (2008, 2010) Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen solcher »Gleichberechtigung« verschwiegen hat.

Spiegel-Online nennt Lehnerts Text treffend einen „erstaunliche[n] Rückfall in sexistische Denkmuster“. Das neben dem Inhalt auch schon der Autor an sich ein Skandal ist, erwähnt Spiegel-Online leider nicht. Immerhin gelang es dem Geschäftsführer eines extrem rechten thinktanks in dem Fachblatt der Marine-Offizier-Vereinigung (Auflage: 8.500 Exemplare) einen Artikel zu platzieren.
Auch nach der Kritik am Artikelinhalt, verteidigte der Chefredakteur Jürgen Kratzmann gegenüber Spiegel-Online den Beitrag und lehte Wert darauf, dass es bei dem Beitrag „auch nicht ansatzweise“ um eine „Verhöhnung“ der tödlich verunglückten Kadettin gehe.

Quellen:
* Marine-Magazin verunglimpft Frauen an Bord, 08.07.2011, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,773161,00.html
* Joachim Zepelin: Soldatinnen fallen leichter, 07.07.2011
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bundeswehr-soldatinnen-fallen-leichter/60075426.html

Konteradmiral außer Dienst als Referent der extremen Rechten

Der Blog „Berlin Rechtsaußen“ berichtet davon, dass der zeitweise inaktive rechte Gesprächszirkel „Dienstagsgespräch“ von Hans-Ulrich Pieper in Berlin wieder aufgenommen wurde. Im September soll dabei der „Konteradmiral Prof. Dr. Günther Pöschel“ referiert haben. Pöschel ist ein Konteradmiral außer Dienst (a.D.) und soll früher Kommandeur der Sektion Seestreitkräfte (4. Sektion) der NVA gewesen sein.
Der Blog „Berlin Rechtsaußen“ berichtet auch davon, dass Piepers neue Veranstaltungsreihen in Kooperation mit der extrem rechten Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ aus dem Verlagshaus von Gerd Sudholt stattfindet. Dazu passt, dass Pöschel in der „Deutschen Geschichte“ schreibt und bereits mehrfach bei Sudholt-Veranstaltungen als Referent angekündigt war.

Quelle:
* Berlin Rechtsaußen: Das „Dienstagsgespräch“ trifft sich weiter, 04. Oktober 2010,
http://www.blog.schattenbericht.de/2010/10/das-%E2%80%9Edienstagsgesprach%E2%80%9C-trifft-sich-weiter/

Lesetipp: „Sprengstoff und Waffen“

Die NGO “German Foreign Policy” hat einen kritischen Artikel über die jüngst aufgedeckten Verbindungen zwischen dem Lörracher Neonazi-Bombenbastler und dem Marine-Soldaten Julien L., der in den „Spezialisierten Einsatzkräften der Marine“ (SEK M) diente, einmal genauer hinzuschauen und auch noch einmal den deutschen Beitrag zum rechtsterroristischen Gladio-Netzwerk zu erwähnen. Auch hier hatte ein rechter Bombenbastler Kontakte zu den Streitkräften.

Quelle:
* German Foreign Policy: Sprengstoff und Waffen, 06.10.09, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57638 bzw. http://linksunten.indymedia.org/en/node/12179

Marine-Elitesoldat und JN-Mitglied

In der im schleswig-holsteinischen Eckernförde stationierten „Boardingkompanie“ der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine“ gibt es laut Medienberichten ein braunes Ei im Nest. Gemeint ist der 23jährige Julien L. aus Lörrach, der sich als Zeitsoldat für vier Jahre in der „SEK Boardingkompanie, Team Nr. 5“ verpflichtet hat. In Lörrach war Julien L. Gründungsmitglied des dortigen JN-Stützpunktes. Der Leiter des Stützpunktes, Thomas Baumann, geriet in die Schlagzeilen, als eine Hausdurchsuchung den Verdacht bestätigte, dass er bombenfähiges Material horte. Seither sitzt Baumann in Haft. Zu genau diesem verhinderten Bombenbastler unterhielt der Marine-Elitesoldat Kontakte.
Über Konsequenzen ist noch nichts bekannt.

Quelle:
* Stefan Schölermann: Reportage: Ein Neonazi als Bundeswehr-Elitesoldat, NDR Info, 24.09.09, http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nazibundeswehr100.html

Kampfschwimmer: In Tradition einer Wehrmachtseinheit?

Der Autor Dieter Stockfisch lieferte für die aktuelle Ausgabe des Militärmagazins „Strategie und Technik“ einen Artikel über die Kampfschwimmer-Einheiten der Wehrmacht, die er als Vorgänger der Bundeswehr-Kampfschwimmer darstellt. Der Artikel ist ebenso ein Beispiel für eine entkontextualisierte Geschichtsschreibung wie für die kaum gehemmte Bewunderung für Wehrmachts-Einheiten. Der Autor beschreibt ohne auf die Hintergründe (Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg) groß einzugehen, die Geschichte der 1943 aufgestellten Wehrmachts-Kampfschwimmer. Dieser Kleinkampfverband wurde 1943/44 im faschistischen Italien ausgebildet. Stockfisch schreibt zu den Einsätzen der Wehrmachts-Einheit in tümelnder Manier:

Die deutschen Kampfschwimmer führten ihre Einsätze mit haarsträubender Kühnheit und Verwegenheit durch und zahlten mit hohen Verlusten.

(Seite 52)
Ein Dieter Stockfisch wird im Antifa-Infoblatt 42/1998 (Seite 6) aus dem Militärmagazin „Soldat und Technik“ Juni 1996 wie folgt zitiert:
Der Soldat bedürfe der „Sichtbarkeit seiner Geschichte und muß in ihr verwurzelt sein, denn Geschichte begründet Identität und trägt zur Orientierung bei.

Quelle:
* Dieter Stockfisch: Kampfschwimmer der Marine, in: „Strategie und Technik“ Juli 2009, Seite 50-53

Aufschlussreiche Kommentare

Als vor kurzem bekannt wurde, dass laut NPD-Blog die Möglichkeit besteht, dass ein NPD-Funktionär aus Niedersachsen Bundeswehr-Trainer sein könnte (BBw berichtete) griff auch das Nazi-Newsportal „Altermedia“ diese Nachricht auf. In dem „Altermedia“-Artikel wird nichts Neues dazu gesagt. Interessanter sind die Einträge in der Kommentar-Spalte, die dort von „Altermedia“-LeserInnen hinterlassen wurden. Einige der rechtsextremen Kommentar-schreiberInnen verraten etwas über rechte Tendenzen in der Truppe. Hier ein paar Zitate:

Zu meiner Bundeswehrzeit, gab es jede Menge NPD-Mitglieder unter den höheren Dienstgraden und auch etliche, die schon in der Wehrmacht Dienst taten. Daran hat sich kein Aas gestört. […]

(Benutzer: Tand und Schande, Datum: 27. August 2008, 12:56 Uhr)

Also als ich bei der Armee war, gab es Nationale zuhauf dort. Und das vor allem in den mittleren aber auch höheren Dienstgraden.

(Benutzer: DuDu, Datum: 27. August 2008, 13:36 Uhr)

Wasn Witz!!
Zu meiner Zeit haben wir noch beim marschieren altes Liedgut der Wehrmacht gesungen.
Ich sag nur ” Auf der Strasse nach Paris ”
Ausserdem ist im Allgemeinen bekannt das gerade die Elitetruppen durchgehend National eingestellt sind !! […]

(Benutzer: Whopperjoe, 27. August 2008, 14:10 Uhr)

Ich war 1997 beim Bund – bei der Marine. Ich sag euch nur eines: Wenn DA der Verfassungsschutz mit beigewesen wäre… ouh ouh ouh… selbst die Offiziere waren rechts, fast alle! Gerade (!) bei der Bundeswehr (und nebenbei angemerkt, auch bei der Polizei) sind mehr rechts als man vermutet. Traut sich natürlich nur keiner das zu sagen, da es ja “verboten” ist.

(Benutzer: Marc, Datum: 27. August 2008, 14:35 Uhr)

Ha Ha Ha
Dann müßen sie die halbe Bundeswehr entlassen !
Ha Ha Ha !!!!!!!!!!!!!

(Benutzer: Kämpfer, 27. August 2008, 14:58 Uhr)

Ich erinnere mich, wenn ich so was lese immer wieder gern an die Erzählungen eines Arbeitskollegen. Der erzählte mir, das es bis zu dem so genannten Traditionserlass völlig normal war, das in den Kasernen Reichskriegsflaggen an den Stubenwänden hingen und Parolen wie “Nicht du bist der Maßstab, sondern die Front” völlig normal waren. Schade dass man heute versucht jegliche Verbindung zwischen der Geschichte und dem aktuellen Wehrorgan zu verwischen.

(Benutzer: Technokrat, 27 August 2008, 16:39 Uhr)

Ich hatte als 20 jähriger Seekadett einen OvWa, der (adlig) zu mir sagte:
“Ich bin ein preußischer Offizier und aus ihnen mache ich einen”
Das als Antwort darauf, weil ich nicht rufen wollte: “Ich hab den Kaiser hoch zu Roß gesehen, Hurra, Hurra, Hurra!”
So ein Schwachsinn aber auch!
Unter meinen Kameraden, gerade beim Sekadetten-Lehrgang waren einige die mal mit dem rechten Arm gegrüßt haben.
Die Marine ist wohl einer der letzten Horte in denen noch deutsches Soldatentum gepflegt wird.
Allerdings, muß man nicht gleich vom deutschen Soldatentum auf Neonazis schließen.
Man munkelt, daß es schon vor 1933 deutsche Soldaten gegeben haben soll
Ach ja: Alte Soldatenlieder haben wir auch gesungen.

(Benutzer: Müllerchen, 27. August 2008, 17:00 Uhr)

[…] ich muss dir, was die Auslandseinsätze angeht wiedersprechen. Zu meiner Zeit ( 1992 ) hatten wir ne ganze Menge Grundwehrdienstleistende beim Einsatz im Golf ( Minensuche vor Kuwait ).
War damals an Bord des Tender Donau, an Turm Alpha 100mm, und wir waren in Manama ( Bahrain ) staioniert ( falls hier einige meinen das wäre ersponnen ).
Abgesehen davon kann ich mich sehr gut an meine Zeit bei der BW erinnnern. Wir hatten auch die alten Soldatenlieder am laufen, und wisst ihr was… da gab es kaum einen der nicht mitgesungen hat. […]

(Benutzer: Carsten J., Datum: 28. August 2008, 9:03 Uhr)

Quelle:
* Altermedia-Artikel „Psst, ich hab da was gehört…. Großes „Nazi-Outing“ bei der Bundeswehr…?“ vom 27.08.08