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Buchtipp: Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“

Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“ erschien bereits vor über zehn Jahren im Papyrossa-Verlag und war erkennbar ein Beitrag in der Diskussion über die Wehrmachts-Ausstellung. Nichtsdestotrotz ist der Band bis heute aktuell. Neben lesenswerten Kapiteln über die deutsche Besatzungsherrschaft in Griechenland und Italien, gibt es auch einen analytischen Teil, der versucht aufzuzeigen, warum die Bundeswehr generell nach rechts neigt. Dabei werden sechs Punkte genannt:
1. In der Bundeswehr fehlt eine klare Trennlinie zwischen (Rechts-)Konservativismus und Rechtsextremismus.
2. Die neuen „out of area“-Einsätze fördern eine stärkere Bezugnahme auf die letzten Kampfeinsätze einer deutschen Armee, ergo der Wehrmacht.
3. Die bis heute bestehende Wehrmachts-Tradition in der Bundeswehr, die es seit der Gründung 1956 gab.
4. Das spezifische Milieu, dass die Bundeswehr als Männerbund und überproportionaler Arbeitsgeber für Ostdeutsche mit niedrigem Bildungsgrad bildet.
5. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Geschichtsrevisionismus und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.
6. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Rassismus seit 1990 und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.

In dem Buch wird auch Kritik an dem häufig verwendeten verschleiernden Begriff „Verstrickung“ geübt und auf den Konflikt der beiden Bundeswehr-Fraktionen der Reformer (Vertreter des Konzepts der „Inneren Führung“) und der Traditionalisten eingegangen.
Insgesamt sehr lesenswert!

* Johannes Klotz (Hg.): Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen, Köln 1998

Was wollten die Männer vom 20. Juli 1944?

Die Bundeswehr und die Politiker beziehen sich heute gerne auf das Attentat vom 20. Juli 1944. Nur selten wird dabei gefragt, was die Attentäter eigentlich anstreben und wo ihre Motive lagen. Von diesen Ziele und Motiven wird in der Presse und den vielen Ansprachen nur selten berichtet. Es mag daher zuerst erstaunen, wenn sich eine geplante öffentliche Ansprache der Stauffenberg-Verschwörer an „Soldaten und Nationalsozialisten“ richtete.
Der Historiker Hans Mommsen hat sich in seinem Buch „Alternative zu Hitler“ (München, 2000) mit den Motiven, Anschauungen und Zielen der Attentäter beschäftigt. Mit „Attentäter“ sind im Folgenden nicht nur die Ausführenden des konkreten Attentats gemeint, sondern der gesamte Kreis der Eingeweihten.

Heterogenität und Motive
Die politische und soziologische Bandbreite der Attentäter war immens. Deswegen sind generelle Aussagen schwierig, es lassen sich jedoch durchaus Tendenzen konstatieren. Von fortschrittlich bis zutiefst reaktionär. Von den europäisch gesinnten Adeligen Moltke und Yorck bis zum „roten Grafen“ Schulenburg, der mit dem national„revolutionären“ Nationalsozialisten Strasser sympathisierte.
Soziologisch gesehen stammten die meisten Attentäter aus der Oberschicht und waren (ehemalige) Staatsdiener. Die Arbeiterschicht hatte im Kreis der Attentäter keine eigene Stimme. Die wenigen Sozialdemokraten im Kreis kamen vom rechten SPD-Flügel und stammten aus dem Bürgertum.
Einig waren sich die Attentäter lediglich in ihrer Opposition gegen Hitler und ihrer Ablehnung des Kommunismus. Ihre Motive zum Widerstand waren auch teilweise antikommunistischer Natur. So seltsam es klingt, sie hatten die Angst vor der Entwicklung Hitlers zum „braunen Bolschewisten“ und ebenso vor einer Revolution wie 1918 infolge einer Kriegsbelastung.
Ebenfalls ein Motiv zum Widerstand war die Beschmutzung der Ehre der deutschen Armee durch deren Verstrickung in Holocaust und Kriegsverbrechen. Allerdings mutet es seltsam an, dass der beschmutzte „Ehrenschild“ der Wehrmacht das Problem war und nicht die Massaker an hunderttausenden Zivilisten an sich.

Antisemitismus und Kriegsverbrechen
Die nationalkonservativen Kreise, aus denen die Attentäter stammten waren nicht selten antisemitisch. Die Attentäter anscheinend auch. Besonders gegen die nach 1918 in Deutschland eingewanderten osteuropäischen Juden richtete sich der Antisemitismus.
Nicht wenige gingen von der Existenz einer „Judenfrage“ aus, die es zu lösen gelte. Zwar lehnten sie Gewalt gegen Juden zumeist ab, aber die Pläne der Attentäter sahen teilweise eine Ausbürgerung von Juden vor.

Unter den Attentäter befanden sich auch Kriegsverbrecher und NS-Täter wie Arthur Nebe, Chef einer Einsatzgruppe, die zehntausende Juden ermordete. Oder wie von Stülpnagel, der Militärbefehlshaber in Frankreich, lässt am 14.08.1941 verlautbaren: Wer sich kommunistisch betätigt oder kommunistische Aktivitäten unterstützt, muß mit der Todesstrafe rechnen. Unter von Stülpnagels Verantwortung werden als Vergeltungsmaßnahme für Attentate hunderte Geiseln ermordet. Insgesamt starben in Frankreich während der Nazi-Besatzung 100.000 französische Zivilisten, davon 30.000 durch Maßnahmen zur so genannten „Partisanenbekämpfung“, wie die erwähnten Geiselmorde. Außerdem soll von Stülpnagel das antisemitische Pogrom in Lemberg begünstigt haben.

Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohl fühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun.

Brief Stauffenbergs n seine Frau aus dem Jahr 1939

Ausdrücklich ausgenommen werden muss an dieser Stelle Yorck, dessen Warnung vor einer Razzia gegen Juden in Dänemark u.a. dazu beitrug, dass sich die meisten von ihnen retten konnten.

Kriegs-Beteiligung
Die Attentäter stellten eine nationalkonservative Fraktion im Militär dar. Diese Fraktion hat sich trotz Distanz und Kritik an der NS-Führung durchaus an der Planung und Ausführung bei den Überfällen auf und der Okkupation von Deutschlands Nachbarländern beteiligt. Auch am „Rasse- und Vernichtungskrieg“ waren sie beteiligt. Mommsen spricht in diesem Zusammenhang von einer „loyalen Mitarbeit der Militärs in Fragen der unmittelbaren Kriegsführung“.
In Verbindung mit der Kriegs-Beteiligung ist bei vielen der Attentäter aus der Militär-Opposition auch das Motiv zu suchen. Der Krieg war verloren, nun galt es zu retten was zu retten ist. Einige spielten auch mit dem Gedanken eines Separatfriedens im Westen bei Weiterführung des Krieges im Osten.

Ziele
Mommsen zeichnet nach, dass die Zukunftsentwürfe der Attentäter sich mit der Zeit änderten. Anfangs war noch ein Regierungswechsel mit Reformen („kalter Staatsstreich“) geplant, bei dem die „Errungenschaften“ des Nationalsozialismus beibehalten werden sollte, inklusive ideologische Anleihen. Beispielsweise sollte die nationalsozialistische Einheits„gewerkschaft“ „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) mit Zwangsmitgliedschaft sollte als „Deutsche Gewerkschaft“ fortbestehen.
Schließlich wandelten sich die Planungen aber von der Palastrevolte zum Umsturz. Ihre Zielvorstellung des Post-Hitler-Deutschlands (Mommsen: „konservative Gegenutopien“) trugen teilweise faschistische Züge, waren aber auf jeden Fall autoritär und antiliberal. Eine Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie war nicht geplant. Sie waren ja schon vor 1933 häufig Gegner der Weimarer Demokratie und Republik, die sie als „Massendemokratie“ und „Parteienstaat“ bezeichneten. Hier ist ein elitär-aristokratisches Verständnis der Attentäter zu entdecken.
Eine Teilfraktion orientierte sich am Vorbild Horthy-Ungarn, einer faschistisch-autoritären Ersatz-Monarchie.

Viele Attentäter waren für die Beibehaltung von Hitlers Expansionsgewinnen bis hin zum 1940 annektierten Elsass-Lothringen.

Fazit
Warum sich die Bundesrepublik auf die Attentäter ausschließlich positiv bezieht ist nicht wirklich erkennbar, wollten die Attentäter doch keine parlamentarische Demokratie einführen. Auch für die Bundeswehr sind sie schlecht geeignet. Mit diesem Vorbild kann man jahrelang in einer Diktatur mitarbeiten und sich an Kriegen beteiligen.
JF-Titelblatt Stauffenberg
Die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ hat die antiegalitären und stellenweise antidemokratischen Vorstellungen der Attentäter richtig erkannt und bezieht sich daher mit voller Überzeugung auf diese Gruppe. Das sollte zu denken geben!

ein Nazi mit Vorliebe fürs Militärische

In dem rechtsextremen Blatt „hier & jetzt“ Ausgabe 11/08 stand der Münchner NPD-Stadtrat und Träger der Ehrenmedaille der Bundeswehr Karl Richter („Bürgerinitiative Ausländerstop“) Rede und Antwort. Um einmal die Wichtigkeit des Militärischen für die extreme Rechte zu verdeutlichen hier ein Ausschnitt aus dem Interview.
Auf die Frage:

Die taz apostrophierte sie jüngst als „Bundeswehrberater“, und in Ihrer Biographie ist
die Rede davon, Sie seien „Träger des tschechischen Militär-Fallschirmspringerabzeichens“.
Sind Sie jemand, der gerne Krieg spielt?

antwortet Richter:

Nein, aber das Militärische ist in meinen Augen eine essentielle Lebensform: es wird nicht diskutiert, sondern gemacht. Von Spengler stammt dieser wunderschöne Satz: „Wo nicht befohlen wird, geschieht nichts.“ Genau darum geht es. Wir haben sechzig Jahre bundesdeutscher Verkümmerung auf dem Buckel. Was wollen Sie mit Personal erreichen, das die Kategorien von Befehl und Gehorsam nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt? Das gilt gilt gerade auch für den politischen Bereich. Jeder trägt sein eigenes kleines aufgeblähtes Ego mit sich herum, niemand kann sich zurücknehmen und ins zweite Glied treten. Was soll dabei herauskommen? Und das mit dem „Bundeswehrberater“ hat den Hintergrund, daß ich 2001 wieder in die Bundeswehr eintrat, mich nach zwanzig Jahre nach meinem Wehrdienst erneut mustern ließ und dann im Rahmen der Reservistenarbeit unter anderem Unterricht in politischer Bildung gab. Das macht kein Kompaniechef gerne, und ich erzählte dann etwas über Moltke, die Umerziehung nach dem Krieg und sinnigerweise auch über „Rechtsextremismus“ – die Rekruten bekamen die einschlägigen rechten Zeitungen von mir in die Hand gedrückt, als Anschauungsmaterial. Irgendwann schaffte es dann aber sogar der BND, mich zu „enttarnen“, und ich erhielt einen verdrucksten Brief des Münchner Standortkommandanten. Was bleibt, ist die Erinnerung, daß Winterkampf im Gebirge unheimlich viel Spaß macht. Und das MG 3 ist einfach eine feine Waffe.

Namenspatenonkel: General von Lettow-Vorbeck

Lettow-Vorbeck-Biografie
Im Folgenden sollen ein paar Informationen aus dem Buch „Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit“ von Uwe Schulte-Varendorff (Berlin, 2006) wiedergegeben werden. Das Buch beschäftigt sich kritisch mit der Biografie von General Lettow-Vorbeck, der Namensgeber für mehrere Bundeswehr-Kasernen war und gewesen ist. Drei von vier Kasernen(um)benennungen nach Letto-Vorbeck stammen noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und das nicht ohne Grund:
* 1938 in Leer/Ostfriesland
* 1938 in Bremen (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1939 in Hamburg-Wandsbeck (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1962 in Bad Segeberg

Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870-1962) war von Anfang an beseelt vom preußischen Militärgeist. Bereits 1881 trat er in das Kadettenkorps in Potsdam ein und es folgte eine die typische Karriere eines Angehörigen der Kaste des Militär-Adels. Im Jahr 1900 schloss er sich der „1. Ostasiatischen Infanterie-Brigade“ an und beteiligte sich damit am sogenannten Boxer-Feldzug, der Niederschlagung eines antiwestlichen Aufstandes in China. Beim Ausrücken in Bremen hörte er damals höchstselbst die berüchtigte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II., in der dieser aufforderte den Chinesen jedes Pardon zu verwehren. In China erlebte er seine „Feuertaufe“ beim Angriff im Januar 1901 auf ein „Boxernest“, ein angeblicher Rebellen-Ort (in Wahrheit oft ein unbeteiligtes Dorf). Unbändiger Ehrgeiz trieb ihn an. Danach tat Lettow-Vorbeck organisatorischen Stabsdienst. Als in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ (heute: Namibia) ein Aufstand aufbrach, in dem sich Einheimische gegen Unterdrückung auflehnten, meldete er sich auch hier freiwillig. Er diente 1904-07 als Adjutant und Stabsoffizier des Kommandanten Trotha, der verantwortlich ist für das Genozid an den Herero und Nama.

Nach einer Zwischenzeit in dem „2. Seebataillon Wilhelmshaven“ der kaiserlichen Marine trat er 1913 wieder der „Kaiserlichen Schutztruppe bei. Deren Kommandeur in „Deutsch-Ostafrika“ (heute: Tansania) und zeitweise auch Kamerun er wurde.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es auch in Afrika zu Kampfhandlungen. Die vorher festgelegten Regelungen in der Kongo-Akte (keine Kämpfe in den Kolonien) wurden von beiden Seiten konsequent missachtet. Lettow-Vorbeck versuchte gleich zu Anfang die strategisch wichtige britische Uganda-Bahn angreifen. Als Portugal 1916 in den Krieg gegen Deutschland eintrat, wendete sich Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auch gegen die, sich im Süden befindliche Kolonie „Portugiesisch-Ostafrika“ (heute: Mocambique). Durch flexibles Ausweichen und einiges taktisches Geschick konnte Lettow-Vorbeck gegen die Übermacht aus britischen, indischen, südafrikanischen, belgischen und portugiesischen Truppen lange aushalten.
Spätestens mit seinem Einfall in die portugiesische Kolonie 1917 wandelte sich der Krieg Lettow-Vorbecks in einen Kleinkrieg. Seinen geplanten Zug von einer Küste zur anderen Küste nach Angola konnte Lettow-Vorbeck nicht beenden. In Nordrhodesien (heute: Sambia) musste er schließlich kapitulieren.
Entgegen der Mär von den treuen Kolonialuntertanen, gab es während des Kampfes in Afrika Aufstände von Einheimischen (Seite 50-54), die wohl die Chance sahen das deutsche Joch abzuschütteln. Unter en Aufständischen war auch das Volk der Massai. Gegen die Massai wurden von Lettow-Vorbeck Strafexpeditionen befohlen, bei denen ganze Dörder niedergebrannt wurden. Ihren Widerstand mochte Lettow-Vorbeck den Massai auch später nicht vergeben, er machte aus ihnen in seinen Memoiren später die „Urjuden“ (Seite 102).
Weitere Opfer des unnötigen Krieges in den Kolonien war die Zivilbevölkerung, die unter einer kriegsverursachten Nahrungsmittelknappheit litt. Der Autor Uwe Schulte-Varendorff konstatiert über die ständigen Beschlagnahmungen und die Taktik der „verbrannten Erde“ (vernichtung aller Nahrungsmittel und Anbauflächen):
„Bei der von Lettow-Vorbeck praktizierten Kriegsführung verwundert es nicht, dass die afrikanische Zivilbevölkerung an letzter Stelle der Nahrungskette stand.“
(Seite 55)
Das rigorose Vorgehen mündete in eine allgemeine Hungersnot, die 300.000 Menschen das Leben kostete (Seite 57).
Stand die einfache Zivilbevölkerung auf der untersten Stufe, so ging es auch den im deutschen Diensten stehenden Askaris nicht immer gut. Ihr Spitzname für ihren Kommandanten Lettow-Vorbeck war „Herr, der unser Leichentuch schneidert.“ Um die Reihen der Askaris wieder aufzufüllen, wurden Zivilisten zwangsrekrutiert. Unter den Neu-Rekrutierten befanden sich auch Minderjährige, also de facto Kindersoldaten, die als „Signalschüler“ (Kundschafter) eingesetzt worden (Seite 60).
Viele Neu-Rekrutierte, im Durchschnitt etwa 20%, flohen und schlossen sich teilweise den Alliierten oder den Aufständischen an. Soviel zum Mythos von den „treuen Askaris“. Wurden die Deserteure wieder eingefangen, so wurden sie oft öffentlich hingerichtet, aber mindestens ausgepeitscht.
Wesentlich schlechter als den Askaris erging es den Trägern in Lettow-Vorbecks Truppe. Diese wurden fast gänzlich zwangsrekrutiert und in Ketten gelegt. Sie starben zu zehntausenden an Erschöpfung, Hunger und Kälte. Insgesamt sollen 100-120.000 umgekommen sein (Seite 59).
Insgesamt, also von Deutschen und Alliierten verursacht, starben bei den Kämpfen in Ostafrika 700.000 Menschen!!!

Trotz seiner Gefangenschaft kehrte Lettow- Vorbeck im März 1919 umjubelt nach Deutschland zurück. Als „im Felde unbesiegt“ diente er der anti-demokratischen Rechten immer das lebende, positive Gegenstück zur „Dolchstoßlegende“. Lettow-Vorbecks Unbesiegtsein, sollte beweisen, dass die Front auch in Europa ohne den „Dolchstoß“ standgehalten, ja gesiegt hätte. Behauptungen, die jeder Militärhistoriker als Legende einstuft.
In der Weimarer Republik behielt von Lettow-Vorbeck von Anfang bis Ende seine deutschvölkische Gesinnung bei. Er sprach schon früh auf Versammlungen der NSDAP, der er bereits vor 1933 positiv gegenüberstand.
Doch nicht nur als Redner wandte er sich gegen die junge Republik. Im Jahr 1920 schloss er sich dem Kapp-Lüttwitz-Putsch an. Mit seinem „Korps Lettow-Vorbeck“, etwa 10.000 Soldaten besetzte er Mecklenburg. Am 15. März erschossen seine Truppe 15 Menschen in Schwerin.
„Geübt“ hatte er zuvor schon in Hamburg während der sogenannten „Sülzeunruhen“ (Juni 1919: Die Sülzeunruhen, auch als Hamburger Sülzeaufstand bekannt, ereigneten sich im späten Juni 1919 in Hamburg. Auslöser war die Annahme der Bevölkerung, dass verfaulte Tierkadaver zu Sülze verarbeitet und verkauft würden.).
In beiden Fällen verhielt sich Lettow-Vorbeck wie ein Militär in besetztem Feindesland.
Das Scheitern des Kapp-Lüttwitz-Putsches hatte für ihn lediglich den Abschied aus dem Armee-Dienst zur Folge.
Als Abgeordneter vertrat er gegen Ende die antidemokratische und antisemitische „Deutschnationale Volkspartei“ (DNVP) im Reichstag.

Im Jahr 1939 wurde von Lettow-Vorbeck von Hitler zum General z.b.V. (zur besonderen Verfügung) ernannt, wobei diese besondere Verfügung vor allem in propagandistischen Tätigkeiten für das Regime.
Entgegen allen Legenden war Afrika aber nur ein Nebenschauplatz, der niemals die Anzahl an Truppen band, die Lettow-Vorbeck für sich beanspruchte (300.000).

Auch zur Bundeswehr stand Lettow-Vorbeck in gutem Verhältnis. Seine Beerdigung erfuhr alle erdenklichen Ehren:
„Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Lettow-Vorbeck in Hamburg, wo er am 9. März verstarb. Die Beisetzung erfolgte am 13. März 1964 in Pronstorf in Schleswig-Holstein.
Die Feierlichkeiten anläßlich seiner Beisetzung werfen ein bezeichnendes Licht auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr; man gewährte Lettow-Vorbeck ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren. Sechs Stabsoffiziere der Bundeswehr hielten am Sarg die Totenwache, angetreten waren eine Ehrenkompanie des Panzergrenadierregiments aus Neumünster mit Musikkorps und ein Halbzug des Seebataillons aus Borkum. Der Kommandeur des Panzergrenadierregiments, Oberst Schmidt, trug dem Sarg das Ordenskissen mit den zahlreichen Auszeichnungen des Generals voran. Bei der Beisetzung war auch der Befehlshaber im Wehrbereich I, Konteradmiral Rösing, anwesend. Beim Hinablassen des Sarges spielte das Musikkorps »Heil Dir im Siegerkranz«. Auf Veranlassung der Bundesregierung und mit Hilfe der Bundeswehr waren eigens zwei ehemalige Askari der »Schutztruppe« aus Tansania als Staatsgäste eingeflogen worden.
Die Traueransprache hielt der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU), der betonte, dass Lettow-Vorbeck »wahrlich im Felde unbesiegt« geblieben sei. Der General habe das »Gesetz der Menschlichkeit, der Sitte und des Rechts eingehalten«, denn »als Grundlage der von ihm ganz persönlich geprägten Kriegsführung galten Kampf und Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber«. Hassel sah in Lettow-Vorbeck »eine der großen Gestalten, die das Leitbild beanspruchen dürfen … Vorbild genannt zu werden.«“
(Seite 126 und 127)

Heute wäre es an der Zeit diese nationalistische Identifikationsfigur mit ihrer blutigen Geschichte vom Heldenpodest zu stoßen und Lettow-Vorbecks Name von Kasernen und Straßenschildern zu tilgen.

Das reich bebilderte und nicht zu sehr akademische Buch ist vorbehaltsfrei jedem und jeder interessierten LeserIn zu empfehlen!

Quelle:
* Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit, Berlin 2006

Der Verlag des Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof

Wie das Münchner „Antifaschistische Informations- und Dokumentations-Archiv“ (AIDA) auf seiner Homepage berichtet ist für den 05.11.2008 der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof (* 1939) aus Buxtehude bei Münchner Burschenschaft Cimbria als Referent zum Thema „Das Deutsch-Tschechische Drama 1918-1938“ angekündigt. Übrigens nicht die erste Burschenschaft bei der Schultze-Rhonhof referiert.
Schultze-Rhonhof ist Bundeswehr-Generalmajor a.D. und ehemaliger Territorialer Befehlshaber für Niedersachsen und Bremen. Er trat 1959 in die Bundeswehr ein und lehrte bis 1996 an der „Führungsakademie der Bundeswehr“.
Im Jahr 2003 veröffentlichte Schultze-Rhonhof sein geschichtsrevisionistisches Werk „Der Krieg, der viele Väter hatte“ im Münchener Olzog-Verlag.
Der Krieg, der viele Väter hatte
Zusätzlich betreibt er die Homepage „Vorkriegsgeschichte“ und tritt als Referent und Redner in der extremen Rechten auf, von SS-Veteranen über Burschenschaften bis zu NPD-Nahen Organisationen.
Inlet des Buch von Schultze-Rhonhof
Laut AIDA beurteilte das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz im Jahr 2007 eine Aussage von Schultze-Rhonhof („entscheidende Bemühungen der damaligen Reichsregierung, die den Frieden retten wollte und um alles in der Welt einen Krieg zu vermeiden suchte.“) zum Kriegsbeginn 1939 wie folgt:
„Die in dieser Aussage zum Ausdruck kommende, jeden seriösen Forschungsstand ignorierende Behauptung, Hitler-Deutschland habe nicht einmal den Krieg gegen Polen gewollt und sei daher ganz unschuldig am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gewesen, gehört zu den klassischen Konstanten in der verzerrten Realitätswahrnehmung rechtsextremer Geschichtsrevisionisten.“

Selbst der Verfassungsschutz erkennt also einen rechtsextremen Geschichtsrevisionisten. Stellt sich die Frage welcher Verlag einen solchen bei sich beheimaten würde. Wie bereits erwähnt ist Schultze-Rhonhofs Hausverlag der Olzog-Verlag mit Sitz in München. Der Olzog-Verlag ist keineswegs ein genuin rechtsextremer Verlag. Er gilt sogar als renommiert. In ihm werden auch Bücher mit kritischem Inhalt zum Thema Rechtsextremismus („Rechtsextremismus im Internet“ von Rainer Fromm und Barbara Kernbach – 2001, Sammelband „Schwarze Geister, Neue Nazis – Jugendliche im Visier totalitärer Bewegungen“ – 2008) verlegt. Ob die Aufnahme dieser Bücher ins Angebot einem taktischen Kalkül entspringt oder ob eher bei der Herausgabe des Schultze-Rhonhof-Buches finanzielle Motive im Vordergrund standen ist für Außenstehende unersichtlich.
Als nicht genuin rechtsextremer Verlag ist es natürlich einfacher für LeserInnen aus der Mitte der Gesellschaft ohne Scheu und Vorwarnung zu erwerben.
Der Olzog-Verlag weiß aber trotzdem, wo er den rechten Teil seiner Kundschaft ansprechen muß und schaltete daher mehrmals Anzeigen in dem rechtsliberalen Monatsblatt „eigentümlich frei“. Auch verfügt der Olzog-Verlag mit den Autoren Konrad Löw und Stefan Scheil über weitere eindeutig rechte Autoren.

Das Brisante ist, dass der Olzog-Verlag auch mit der „Bundeszentrale für politische Bildung“ (BzpB) zusammenzuarbeiten scheint. Dort jedenfalls kann man das Buch „Die politischen Parteien in Deutschland“, ein inhaltlich nicht zu beanstandentes Standartwerk, aus dem Olzog-Verlag vergünstigt erwerben.

Schultze-Rhonhof und sein Wirken ähneln sehr einem bereits verstorbenen Geschichtsrevisionisten. Der US-Autor David L. Hoggan (1923-1988) veröffentlichte 1961 im rechtsextremen Grabert-Verlag (Sitz: Tübingen) sein Machwerk „Der erzwungene Krieg“ (im Original: „The Forced War“), dass nur in Deutschland verlegt wurde.
Bei beiden Büchern nimmt der Titel den Inhalt vorweg. Beide leugnen die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg. Von der Fachwelt und der überregionalen Presse jeweils als unhistorisch abgelehnt und widerlegt erreichten beide Werke doch hohe Auflagen.
* „Der erzwungene Krieg“ erschien kürzlich in der 15. Auflage, wie der Euro-Kurier 10/2008 des Grabert-Verlages stolz vermeldete, und erzielte bis heute über 100.000 verkaufte Exemplare. Zeitweise befand er sich sogar auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
* „Der Krieg, der viele Väter hatte“ erscheint mittlerweile in der sechsten Auflage erscheint und erzielte bis heute laut einer Werbe-Anzeige im Magazin „eigentümlich frei“ des Olzog-Verlages über 30.000 verkaufte Exemplare.

Hoggan, wie Schultze-Rhonhof tingelten als Referenten durch die extreme Rechte in Deutschland, deren Bedürfnis nach Entschuldung und Relativierung deutscher Geschichte sie damit bedienten. Diese Entschuldung ist die Voraussetzung für die Wiedergeburt eines völkischen und nationalistischen Deutschlands.

Grundsätzlich geht es für die gesellschaftliche Mitte aber auch ohne. Joschka Fischer begründete ja bekanntlich die deutsche Beteiligung am Krieg gegen Jugoslawien nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.

Quellen:
* AIDA München: Münchner Burschenschaft lädt Geschichtsrevisionisten ein, 31. Oktober 2008, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1332%3Amuenchner-burschenschaft-laedt-geschichtsrevisionist-ein
* Recherche Nord: Buxtehude: Nachgeladen: Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof 22.07.2008, http://www.recherche-nord.com/index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=74
* Michael Quelle: Gerd Schultze-Rhonhof »1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte« Politischen Standort 2005 gehalten: Rechtsaußen, Januar 2006; www.stade.vvn-bda.de/schrh.htm
* Jan Phillip: Der militärische Revisionist, in: Der Rechte Rand Nr. 104 – Jan./Febr. 2007, Seite 17

Ergänzung (09.11.08): Der Olzog-Autor Stefan Scheil
Buch Stefan Scheil
Stefan Scheil (* 1963) gilt als der „Hofhistoriker“ der neurechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ (JF). Als Autor schreibt er aber auch für die rechtsextreme „Deutsche Geschichte“, die extrem rechte „Deutsche Militärzeitschrift“, die „Konservative Deutschen Zeitung“, aber auch für die FAZ. Als Referent trat er bereits für den rechtsextremen Sudholt-Verlag, die „Staats- und Wirtschaftspolitische Vereinigung“ und das JF-nahe „Institut für Staatspolitik“ auf.
(Anton Maegerle: Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der „Jungen Freiheit“, in: Stephan Braun / Ute Vogt (Hgg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, Seite 205-206)

Voll auf Linie

Im Stil eines Landser-Heftchen erzählt der spätere Bundeswehr- und NATO-General Johann Adolf Graf von Kielmansegg (1906-2006) von seiner Beteiligung beim Überfall auf Polen und auf Frankreich.
Da Kielmansegg in der späteren Bundeswehr eine wichtige Position inne hatte, lohnt sich der Blick in das Buch. Wie die Lektüre nämlich zeigt, handelt es sich beim Autoren nicht „nur“ um einen Mitläufer und kadavergehorsamen Wehrmachtsoffizier, es handelt sich vielmehr um einen führertreuen Nazi. Voll auf Linie eben.
Panzerschlacht-Buch
Hier ein paar exemplarische Zitate aus dem Buch „Panzer zwischen Warschau und Atlantik“:

Es war uns allen klar, Deutschland machte sich bereit, den polnischen Übermut zu brechen, der bereits über die Grenze griff. Wir hielten den Atem an, als wir des Führers letztes Angebot an Polen hörten, eine Straße und eine Eisenbahnlinie! Und wir wären keine deutschen Soldaten gewesen, wenn wir micht gewünscht hätten, daß Polen nicht annähme.

(Seite 13)

Kein Mensch schießt oder geht in Deckung, es waren ja nicht die ersten deutschen Bomber, die heute aus Polen zurückkamen.

(Seite 20, 21)

Auch die Gefangenen mehren sich, sie werden einfach nach hinten geschickt. Bewachung ist gar nicht möglich, wo es geht, werden Volksdeutsche mit der Führung beauftragt. Man kann dies alles ohne Besorgnis tun, die gefangenen Polen sind froh, daß sie das Leben gerettet haben; Entbehrung und Entsetzen der letzten Tage stehen deutlich in ihren Gesichtern geschrieben.

(Seite 48, 49)

In Wiskitki war es unglaublich. Unmöglich, darin Unterkunft zu beziehen. Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zu atmen. Erklärlich wurde das wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah. Überhaupt haben wir alle es wohl kaum für möglich gehalten, daß es solche Typen, wie wir sie zwar aus dem »Stürmer«, aber doch nicht aus Deutschland kannten, in solcher Zahl und in solcher Vollkommenheit – mit negativen Vorzeichen – in Polen geben könnte.

(Seite 61)

Der Pole hat, wie er es liebt, noch bei Dunkelkeit beginnend, mit überraschend starken Kräften von Norden und Nordwesten angegriffen.

(Seite 69)

Alles sah friedlich aus, selbst die Ruinen der abgebrannten Häuser hatten irgendwie einen anderen, fast möchte man sagen unwirklichen Charakter bekommen.

(Seite 75)

Ich saß auf dem Stuhl des Oberhauptes eines Staates, den wir nicht nur einfach militärisch besiegt hatten, sondern der durch unseren Sieg ausgelöscht war aus der Geschichte, entgegen deren Sinn er, künstlich ins Leben gerufen, zwanzig Jahre lang versucht hatte zu existieren […].

(Seite 81)

Nach der Durchfahrt von Chagny und Bouvellemont hören die bis dahin deutlich zu sehenden und zu riechenden Spuren des Kampfes auf. Diese beiden Orte sind die letzten zerstörten Dörfer einer breiten Zone, in welcher sich die Durchbruchsschlacht von Sedan in den vergangenen drei Tagen abgespielt hat. In dieser Zone gibt es keinen Ort, der nicht zerschossen oder verbrannt wäre, in dem nur wenige Häuser noch die Möglichkeit einer Unterkunft bieten. Brandgeruch liegt überall in der Luft, und an vielen Stellen sind die Flammen noch nicht erloschen.

(Seite 131)

Denn in dieser friedlichen Landschaft fehlt der Mensch. Alles ist tot und leer, nicht einmal die alten Leute sind dageblieben.

(Seite 131)

Wir können melden, daß wir den Auftrag, den die Geschichte, Deutschland und der Füher uns gestellt haben, durchführten bis zum letzten, und wir können melden, daß wir bereit sind, genauso den Auftrag durchzuführen, der als einziger noch zwischen uns und der Freiheit steht, die Vernichtung Englands.

(Seite 248)

Bleibt nur hinzuzufügen, dass die Wehrmacht bereits 1939 beim Überfall auf Polen zahlreiche Kriegsverbrechen verübte (vgl. Jochen Böhler, 2006). Gleiches gilt auch für den Frankreich-Feldzug, wo es insbesondere zu Verbrechen an farbigen Kolonialsoldaten kam 8VGL: Scheck: Keine Kameraden).

Die Homepage der Bundeswehr über Kielmansegg früheres Wirken und seine Wiederverwendung:

Graf Kielmansegg absolvierte von 1937 bis 1939 die letzte noch im Frieden stattfindende Ausbildung für den Generalstabsdienst, in den er 1940 übernommen wurde. Es folgten Verwendungen in Truppengeneralstäben in Polen, Frankreich, Russland und anschließend in der Operationsabteilung des Heeres. Er war befreundet mit Graf von Stauffenberg und wurde nach dem Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet. Eine direkte Beteiligung an den Attentatsplänen war ihm nicht nachzuweisen. Nach der Versetzung zur Truppe führte er das Panzergrenadierregiment 111 bis zum Kriegsende, das an der Westfront eingesetzt war. Als Oberst geriet er in Gefangenschaft, aus der er Mitte 1946 entlassen wurde. Die nächsten Jahre war er journalistisch und im Verlagswesen tätig.
Mit der Ernennung zum General hatte er die höchste Sprosse der militärischen Karriereleiter erreicht. Ende März 1968 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

(Rede zum Tode von Kielmansegg, 2006)

Quellen:
Graf Kielmansegg (Major im Generalstabe einer Panzer-Division): Panzer zwischen Warschau und Atlantik, Verlag „Die Wehrmacht“ Berlin 1941

Zum Tode von General a. D. von Kielmansegg, Berlin, 0.05.2006, http://tinyurl.com/27c6ok

Jochen Böhler: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt/M. 2006

Raffael Scheck: Keine Kameraden, in: DIE ZEIT 03/2006 S. 88 [http://www.zeit.de/2006/03/A-Gefangene]

brauner Bestseller von Ex-Militär

Nach einer aktuellen Werbe-Anzeige des Olzog-Verlag wurde Gerd Schultze-Rhonhofs geschichtsverfälschende Buch „1939 – der Krieg der viele Väter hatte“ bereits 30.000 Mal verkauft worden. Damit ist dieses tendenziöse Machwerk eines hohen Ex-Militärs zu einem Bestseller unter den geschichtsrevisionistischen Werken geworden.

Buchtipp: Die Macht im Hintergrund

Kritische Bücher zu dem Thema „Rechtsextremismus und Militär“ sind Mangelware. Ab und zu gibt es ein paar Artikel zu dem Thema in antifaschistischen Fachpublikationen und wenn das Thema Konjunktur hat, greifen es auch einmal Tagespresse oder das Fernsehen auf.
Selten sind diese Artikel aber umfassender oder wirklich analytisch.
Eine Ausnahme bildet das 2004 erschienene Buch „Die Macht im Hintergrund“ des Autors Ullrich Sander. Im Gegensatz zu dem Buch „Szenen einer Nähe. Das große Rechtsum bei der Bundeswehr“ (Köln, 1998) des Autors ist es weniger eine Fallsammlung und sehr analytisch.
So beleuchtet der Autor auch wie die Reichswehr-Führung bereits seit 1925 die Revanche plante. Hitler konnte auf diese Planungen dann zurückgreifen.
Doch der Hauptteil des Buches widmet sich der Zeit nach 1945, also der Bundeswehr, und ihren Wurzeln in der Hitler-Wehrmacht. Sander deckt dabei deutlich antidemokratische Töne in der Truppe auf. Enthalten ist in dem Buch eine Analyse der 1960er Jahrgänge der Truppen-Zeitschrift „Information für die Truppe“ (IfdT). Das mag lang zurück liegend erscheinen, aber die Soldaten die unter den damaligen Bedingungen und dem damaligen Geist ausgebildet worden, sind heute in den höchsten Offiziersrängen angekommen. Doch ausgebildet hat die heutige Führungsgeneration in der Bundeswehr, eine Generation, die in der Wehrmacht „groß geworden“ ist:

Der »deutsche Weg« hinein in die NATO war von Wehrmachtsoffizieren geebnet worden. Ihre Nachfolger versuchen, Verbrechen deutscher Militärs im Zweiten Weltkrieg zu rechtfertigen, damit die Bundeswehr, geprägt von ihrer Vorläuferin, der Wehrmacht, nationalen deutschen Kriegskurs hält.

(Sander: 51)

Im Gegensatz zu den offiziellen Darstellungen war die Bundeswehr und ihre militärische
Führung nicht nur Befehlsempfänger der deutschen Regierung, sondern auch selbst ein Akteur. In der so genannten „Schule der Nation“ manifestierte sich ein deutscher Militarismus, der an die Politik eigene Forderungen stellte und eine eigene Agenda aufstellte.
Dieser deutsche Militarismus wird ebenso mitgetragen und vorangetrieben von einer Reihe illustrer Organisationen, die neben der Bundeswehr existieren, wie beispielsweise die Clausewitz-Gesellschaft. Hier bietet der Autor einen Blick hinter die Kulissen.
Durch gezielte Schwerpunkt-Lobbyarbeit bei Medien und Politik und Einwirkung in den normalen bundensdeutschen Alltag versuchen solche Organisationen ihre Forderungen einzubringen.
Das Fazit des Autors ist, dass rechte Tendenzen in der Bundeswehr ihre Quelle oft in der Truppe selbst haben und nicht das Ergebnis von Einwirkungen von außerhalb sind.

Schade ist dass dem Buch ein Namens- und Organisations-Verzeichnis fehlt um besser Recherche betreiben zu können.
Auch ein Vergleich zwischen den Wehrmachts-Wurzeln der NVA, die es durchaus gab, und denen der Bundeswehr und den unterschiedlichen Auswirkungen wären interessant gewesen.

Ullrich Sander: Die Macht im Hintergrund. Militär und Politik in Deutschland von Seeckt bis Struck, Köln 2004, Papyrossa-Verlag, 204 Seiten
Preis: 14 Euro
ISBN: 3-89438-287-2

Lesetipp: AsFrAb-Positionspapier

Die „Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung“ (AsFrAb) hat ein lesenswertes Positionspapier zu dem Skandal in Coesfeld veröffentlicht. Zur Erinnerung: Insgesamt 18 Ausbilder einer Bundeswehreinheit in Coesfeld wurde in einem Prozess vorgeworfen 163 ihrer Untergebenen misshandelt zu haben.
Das Positionspapier ist im Januar 2008 erschienen und trägt den Titel:
Bundeswehrskandal Coesfeld – Bedauerlicher Einzelfall oder mehr?, Autor ist Michael Behrendt.
Der knappe Text enthält eine kluge Analyse was die Armee bzw. das System dahinter allgemein angeht und entlarvt die „Einzelfall“-Konstruktion als solche. In der Armee wird nämlich, verstärkt durch die militärtypische Entindividualisierung (Uniformiertheit, Kollektivstrafen) und Kämpferkult, generell ein System geschaffen dass Fälle wie dem von Coesfeld fördert:

Militärische Organisationsformen arbeiten systematisch mit Gewalt. Gewalt wird offiziell nach außen angewandt und herrscht im Innern.

Auch die Spiegelbild-These, nämlich dass die Bundeswehr ein Abbild der Gesellschaft darstelle, wird als solche entlarvt.
Im Übrigen ist der Fall Coesfeld auch quantitativ kein Einzelfall. Laut einer in dem Text zitierten Studie des Familienministeriums von 2004 hatten 58,9% der Befragten angegeben während des Wehrdienstes schikaniert, misshandelt oder unterdrückt worden zu sein.
Eher selten aber kommen systematische Misshandlungen ans Licht, in Coesfeld hatte sich von den 163 betroffenen Soldaten keiner beschwert, nur der Zufall brachte die unglaublichen Zustände ans Licht.

Zum Positionspapier: http://www.asfrab.de/Publikationen/Positionen.php

Die Falschbehauptung eines Ex-Generals und Geschichtsrevisionisten

In der aktuellen Online-Ausgabe der „Antifaschistische Nachrichten“ wird eine Behauptung des derzeit populären Geschichtsrevisionisten Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof geanuer unter die Lupe genommen. Die Behauptung nämlich, polnische Juden seien 1933-38 zu hunderttausenden ins benachbarte Deutschland geflüchtet. Das Motiv dieser absurden Behauptung ist schnell klar, denn damit soll widerlegt werden dass es sich beim „Dritten Reich“ um ein radikal antisemitischen Staaten gehandelt hat oder zumindest einen nicht so schlimmen wie der polnische Nachbar. Wie überhaupt Schultze-Rhonhof den totalitären Nazi-Staat als rational und friedliebend versucht darzustellen.
Michael Quelle vom VVN Stade macht sich nun die Mühe und zerrt hervor, was sich hinter der Fußnote verbirgt, auf der diese Behauptung steht. Die Fußnote führt zu dem Autor Benoist-Méchin (1901-1983), der ein französischer Militärschriftsteller war und dessen Werke auch in rechtsextremistischen Verlagen in Deutschland veröffentlicht wurden. Benoist-Méchin war ein Kollaborateur des Nazi-freundlichen Vichy-Regimes und wurde dafür zum Tode verurteilt, später aber begnadigt. Aber auch Benoist-Méchin bezieht sich nur auf eine weitere Fußnote, die zu dem Autor Erich Kern (eigentlicher Erich Johannes Kernmayr bzw. Erich Kern 1906-1991) führt. Dieser wurde auch der „Rosenberg der Hitlerjugend“ genannt und war 1939 Gaupresseamtsleiter in der Gauleitung Wien der NSDAP und später SS-Sturmbannführer. Doch selbst dieser Autor behauptet ohne Quellenangabe nur dass 557.000 Juden 1933-38 Polen verlassen haben, nicht aber dass diese nach Deutschland gegangen wären.

Michael Quelle (VVN-BdA Stade): Es bleibt dann am Ende eine Naziquelle!. Überprüfung einer Behauptung von Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof , in: „Antifaschistische Nachrichten“ Nr. 01/2008, http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2008/01/1schultzerhon.shtml

Nachgelesen: Raki am Igman

Erschienen ist „Raki am Igman“, Untertitel: „Texte und Reportagen aus dem Bosnien-Einsatz der Bundeswehr“ im unbekannten Verlag „edition die Lanze“ mit Postfach im Steinheim (Bayern). Am Ende des Buches findet sich die Werbung für zwei CDs mit „Soldaten- und Freiheitsliedern“, zu bestellen unter „Die Schallquelle“, einem Label mit demselben Postfach in Steinheim, dass heute in Kempten (Allgäu) ansässig ist und immer noch als einziges Buch „Raki im Igman“ im Angebot führt. Daneben gibt es Lyrik von dem „Blut-und-Boden“-Schriftsteller Hermann Löns oder Agnes Miegel, die einst Lobhymnen auf Adolf Hitler verfasste, und diverse Musik-CDs, vornehmlich mit bündischer und Volksmusik oder Soldatenliedern. Auf einer der CDs ist die „Deutsche Gildenschaft“ als Urheber benannte. Dabei dürfte es sich um die „Deutsche Hochschulgilde“ (DHG) handeln, eine elitär-völkische Studentenverbindung, der auch der Autor Kubitschek nachweislich angehört. Da dass Buch auf der Homepage mit „Bündische in Bosnien“ beworben wird, dürfte auch der Co-Autor Peter Felser aus diesen bündischen Zusammenhängen stammen. Er ist ebenso wie Hendrik Brödenfeld, von dem die fünf Zeichnungen im Buch stammen, gelegentlicher Autor in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Die Einbindung des Labels „Die Schallquelle“ in die rechte Szene beweist auch beispielsweise deren Werbung in dem „nationalrevolutionären“ Magazin „wir selbst“ 1998 und 1999 (Clemens Heni: Salonfähigkeit der Neue Rechten, Marburg 2007, Seite 437).
Laut einer Meldung des Informationsdienst „Blick nach Rechts“ (BnR) aus dem Jahr 2003 schreibt der Betreiber der „Schallquelle“, Bernd Widmer als Gast in der revanchistischen der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ und war ehemals „Leitstellenführer Süd des Bund Heimattreuer Jugend (BHJ). BnR nennt Kubitschek als zweiten „Schallquelle“-Gründer.

Raki am Igman

Das Buch selbst ist eine Sammlung von recht banalen Erlebnissen der beiden Autoren, die sie auf knapp 150 Seiten in 20 kurze Kapitel unterteilt haben. Trotz der Wiedergabe von unspektakulären Erlebnissen und Anekdoten ist das Buch auch erkennbar politisch.
Dass fängt schon im Vorwort an, in dem der Autor gegen ein, vermeintlich unbedarftes, „westliches Friedensgehirn“ (Seite 6) wettert.
Mit Pathos und nur mäßig spannend erzählt Kubitscheks kaum verhohlenes alter ego im Buch, Oberleutnant Rieboch, von seinen Erlebnissen in Bosnien-Herzegowina, wo er als Teilnehmer an einer UN-Friedenstruppe mehrere Monate verbrachte.
Interessant wird es kurz, als am Rande erwähnt wird, dass im Lager der deutschen Truppen der Text eines „Panzerliedes“ aushängt (S. 90), was noch aus Vor-Bundeswehr-Zeiten her stammt. Laut kurzer Internet-Recherche stammt das Lied aus der Feder eines Oberleutnants, der es am 25. Juni 1933 verfasste . Hier ein kleiner Ausschnitt aus diesem Opus, zum besseren Verständnis:

Für unsres Reiches Heer?
Ja Reiches Heer?
Für Deutschland zu sterben
Ist uns höchste Ehr.

Auch interessant wird es, als das gute Verhältnis von deutschen Mannschaftsangehörigen mit einem, aus Deutschland stammenden, Fremdenlegionär beschrieben wird. Dieser, im Buch „Kleister“ genannt, war in der Bundeswehr Unteroffizier und NPD-Mitglied (dort: Saalordner), in der französischen Fremdenlegion nach der im Buch wiedergegebenen eigenen Aussage an einem Attentat auf den französischen Präsidenten beteiligt und nach eigener Aussage immer noch bekennender Rassist. Das Verhältnis des 1997 34jährigen Hauptgefreiten der Fremdenlegion zu den Bundeswehrangehörigen schien solch eine offenbarte Biografie nicht sonderlich zu stören (S. 91-94).
Nach mehreren Kapiteln vorangestellten Zitaten des Kriegsliebhabers Ernst Jünger (S. 26, 43) berichtete Kubitschek alias Rieboch auch von dem Vorkommnis, dass ihn zeitweilig Rang und Dienst kostete. Kubitschek war 16. August 2001 entlassen worden, wegen dieses Vorkommnis, seiner Autorentätigkeit in der nationalistisch „Jungen Freiheit“ und der Veröffentlichung von „Raki am Igman“. Allerdings wurde Kubitschek nach einer rechten Solidaritäts-Kampagne im April 2002 bereits wieder rehabilitiert. Auch im Buch schildert Kubitschek wie er als Reaktion auf die Nachricht von dem Tod Ernst Jüngers eine, mit fünf Mann schlecht besuchte, Lesung mit Texten aus Jüngers Buch „Stahlgewitter“ veranstaltet (S. 116-123).
Im 18. Kapitel („Wehrmacht“) versucht Kubitschek seine „Kritik“ an der so genannten „Wehrmachtsausstellung“ in einem als Dialog nur spärlich bekleidetem Monolog wiederzugeben (S. 124-134). Partisanenerschießungen werden da als vom Völkerrecht angeblich gedeckt verteidigt, Völkermord wird frei nach Nolte als dem Krieg innewohnende Brutalisierungstendenz relativiert bzw. als Reaktion auf sowjetische Verbrechen dargestellt („Da rollt eine Armee anders weiter als in Frankreich“, S. 129) und unhaltbare Aussagen werden gemacht:
„Was sich dort [in Ostpreußen] an willkürlicher und planmäßiger Vergewaltigung und Verstümmelung abgespielt hta, monatelang, bis nach Berlin hinein, wirst du bei der Wehrmacht nicht finden.“ (S. 131)
Es ist typisch für Rechte alle Verbrechen während der Besatzung in anti-slawischer Manier nur auf die Sowjets zu projezieren und so dass Nazi-Propagandabild von den „bloschewistisch-asiatischen Horden“ zu bedienen.
Alles in allem ein Buch, dass als Produkt eines zweier Bundeswehroffiziere auf Auslandseinsatz durchaus skandalös ist. Auch in Verbindung mit den anderen politischen Aktivitäten Kubitscheks erscheint dessen Entlassung mehr als gerechtfertigt. Sie wurde aber auf Grund einer von Rechtskonservativen bis Rechtsextremen getragenen Unterschriftenkampagne wieder zurückgenommen.

Verwendete Literatur

Götz Kubitschek, Peter Felser: Raki am Igman, Steinheim 1999

Meldungen (über die Schallquelle), Blick nach Rechts – Ausgabe 11/2003

AutorInnenverzeichnis der „Jungen Freiheit“

Braunes von Ex-Militärs unterm Weihnachtsbaum

In der aktuellen Ausgabe des braunen Magazins „Deutsche Geschichte“ (6/2007) wird auf der farbigen Cover-Innenseite ein Weihnachts-Spezial der besonderen Art angeboten. Neben Himalaja-Salz („Salz der Erde“) oder Himalaja-Duschgel werden zwei DVDs als potenzielles Weihnachtsgeschenk angepriesen. Beide DVDs sind Dokumentationen von Auftritten zweier extrem rechter Referenten aus dem Bereich Militär. Bei dem einem handelt es sich, angepriesen als „Kamerad Schweiger“, um das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Herbert Schweiger, der als Referent vor allem gerne bei der NPD auftritt. Bei jüngeren Neonazis ist er deshalb beliebt, weil er als noch lebender Waffen-SSler so etwas wie Authentizität verkörpert. Bei Sudholt jedenfalls wird sein Vortrag „Deutschland und Rußland im Blickpunkt europäischer Zukunft“, gehalten am 9. November 2007, angeboten (Preis: 14 Euro).
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung der rechtsextremen Organisationen „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ (vormals: „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“), dem NPD geführtem „Nationalen Bündnis Dresden“ und dem NPD-Kreisverband Dresden am 6. November 2007 hatte Schweiger diesen Vortrag schon vor angeblich 90 ZuhörerInnen (Eigenangabe!) zum Besten gegeben. Die Videoaufzeichnung vom 9. November stammt von einer ähnlichen Veranstaltung, nämlich von einer Veranstaltung mit dem NPD-Kreisverband Stollberg, an der angeblich 50 Personen (Eigenangabe!) teilnahmen.
Die zweite DVD dokumentiert einen Auftritt von Ex-KSK-General Reinhard Günzel, der wegen seines Lobes für die antisemitisch durchsetzte Rede des Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus der Bundeswehr entlassen wurde. Dieser stammt vom 13. Oktober 2007 und heißt „Sprechen wir über Deutschland“ (Preis: 14 Euro).
Bestellt werden können die beiden DVDs über die Linda Sudholt Online Versandbuchhandlung mit Sitz in Inning am Ammersee (Bayern). Linda Sudholt ist die Gattin von Gert Sudholt, der Betreiber der rechtsextremen Verlagsgesellschaft Berg, der auch zweimonatlich die „Deutsche Geschichte“ herausgibt.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Dezember 2007
Quellen:
„Deutsche Geschichte“ 06/2007, Seite 2

Bericht vom NPD-Kreisvorsitzenden Jens Baur auf der NBDD-Homepage (07.11.2007)

Bericht auf der rechtsextremen Homepage „Freies Netz Chemnitz“ (16.11.2007)

Lesetipp: Antifa-Infoblatt Nr. 77

AIB.77
Der Schwerpunkt des Antifa-Infoblatt Nr. 77 liegt im Bereich Militarismus und Anlieger, wozu es folgende Artikel gibt:

»Landser«-Romane: Extrem rechter Ideologietransfer in Serie – Geschichtsfälschung auf Hochglanz: Die Deutsche Militärzeitschrift – In Tradition von Wehrmacht und SS – Partei-Soldaten der extremen Rechten

Der Artikel „In Kameradschaft treu“ findet sich auch online zum lesen.

+++ Ergänzung +++
Lanser-Heft
Der kritische und kluge AIB-Beitrag über die Landser-Romane ist besonders gelungen. Einmal weil er die Verbindungen der Landser-Autoren zur deutschen Nachkriegsrechten aufzeigt, aber vor allem weil er schön die Wirkung dieser Lektüre auf den, zumeist jungen und männlichen, Leser darstellt und analysiert. Endlich mal wieder ein kritischer Beitrag zum Thema Landser-Heftchen, nachdem der letzte kritische Text, von dem der Blog-Autor weiß, vor neun Jahren im Spiegel erschienen ist.

Linktipp: „Helden“gedenken

Ein lesenswerter Artikel vom 4. Oktober 2007 über so genannte *Heldengedenken* bei der Bundeswehr findet sich unter: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57026