Archiv der Kategorie 'Heer'

PM des RABATZ-Bündnis zum NS-Verbrechen in Skines in Griechenland (27.07.2011)

Kriegsverbrechen nicht verschweigen

Reichenhall – 70 Jahre ist es am kommenden Montag, 1.August, her, dass Reichenhaller Gebirgsjäger die griechische Ortschaft Skines zerstörten und 148 Zivilist_innen ermordeten. In der oberbayerischen Kurstadt erinnert bislang aber nichts an die Opfer, stattdessen wird dort der Täter gedacht.

Während der deutschen Besatzung der Mittelmeer Insel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 aber sind den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen. Dort heißt es wörtlich: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt.
Sie erfasst die Orte Alikianu, Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.“ [1]
Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“[2] In Bad Reichenhall hingegen erinnert im Ortsbild nichts an die
Kriegsverbrechen der örtlichen Gebirgsjäger. Für das antifaschistische Bündnis RABATZ ist das Gegenteil der Fall. „Durch rechte, geschichtsrevisionistische Traditionspflege werden in Bad Reichenhall die Täter zu Helden verklärt. Die Bundeswehrkaserne ist immer noch nach einem Nazigeneral benannt und eine ‚Kreta Brücke‘[3] glorifiziert den faschistischen deutschen Angriffskrieg. Und das sind nur zwei Beispiel von vielen.” so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses. Da sich in Bad Reichenhall trotz einer antifaschistischen Kampagne die Zustände bisher offensichtlich nichts geändert hätten, sieht sich das Bündnis verpflichtet nochmals zu intervenieren. „Wir planen für September eine Vorführung des Filmes ‚Als die Deutschen vom Himmel fielen‘[4]. Dieser behandelt die Geschehnisse auf Kreta zwischen 1941-45. Selbstverständlich überlegen wir auch, nächstes Jahr erneut in Bad Reichenhall zu demonstrieren,” so Jade über mögliche weitere Aktionen.

[1] BA-MA, RH 28-1/ 6, Tätigkeitsbericht der 5.Geb.Div. Vom 1.8.194 – 15.3.1942, Blatt 105 ff. Seite 2 des Berichtes (ohne Paginierung).
[2] Vgl. Inschrift des Denkmals, insgesamt werden  141 Opfer  genannt: Gemeinde Fournes 45, Skines 32 (Nördliche Ortschaften:) Alikianos 13, Koufos 5, Vatolakkos 17, (Westlich Ortschaften:) Nea Roumata 5, Prases 12, (Südliche Ortschaften: ) Orthouni 9, Karanos 2, Meskla 1
[3] Bereits im Mai diesen Jahres fordete das Bündins eine Umbenennung der Brücke nach den Bad Reichenhaller Antifaschisten Johann Winkler und Gottfried Reischl gefordert, der Stadtrat blieb aber bis heute untätig. Vgl. Pressemitteilung BRH 2011-3 vom 14.05.2011
[4] Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer. Weitere Infos: www.kreta-film.net

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (10.6.2011)

Rabatz: „Auch Name der Kaserne ist skandalös“

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten GebirgsjägerRegiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren¹“. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.

¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Bad Reichenhall a
OBEN: Reichsadler mit Edelweiß an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall NS-Wandbild
OBEN: nationalsozialistisches Wandgemälde an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall c
OBEN: Grab Rudolf Konrads am Reichenhaller Friedhof

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (7.6.2011)

Brannenburg Tag der der offenen Tür
OBEN:: Kinder hatten bereits 2009 Zugang zu realistisch anmutenden Waffen (beim Tag der offenen Tür in Brannenburger Kaserne am 11.07.2009)

Bad Reichenhall Tag der offenen Tür
OBEN: Kind an Panzerabwehrwaffe (beim Tag der offenen Tür der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall am 28.5.2011)

Kind an der Waffe
OBEN: Screenshot von Spiegel-Online

RABATZ-Bündnis fordert Auflösung der Gebirgstruppe

Mit ihrem Tag der offenen Tür haben die Reichenhaller Gebirgsjäger einen bundesweiten Skandal ausgelöst. Nun zeigen neue Bilder, dass der aktuelle Skandal kein Einzelfall ist. Auf ihnen ist zu sehen, wie ein Kind an einem schweren Geschütz liegt. Schon damals ließen Bundeswehr-Gebirgspioniere Kinder mit Waffen spielen.

Ein mittlerweile im Internet kursierendes Video vom Tag der offenen Tür in der Kaserne in Bad Reichenhall zeigt ebenfalls, wie dort Kindern Zugang zu verschieden Waffentypen ermöglicht wurde. (http://www.youtube.com/watch?v=sVyTHudk3rA)

Das RABATZ-Bündnis spricht der Bundeswehr die Kompetenz im Umgang mit Heranwachsenden ab und fordert daher ein Ende der Kooperation von Schulen mit der Bundeswehr, sowie die grundsätzliche Beendigung von Werbung gegenüber Kindern und Jugendlichen.

Dazu erklärt Anna Jade, Sprecherin der RABATZ-Bündnis:
„Es ist im Sinne einer Erziehung zu Demokratie und Gewaltfreiheit vollkommen unverantwortlich, dass die Bundeswehr Lehreinheiten an Schulen gestalten darf. Die Kooperationsvereinbarungen zwischen Kultusministerien einzelner Länder und der Bundeswehr müssen deshalb aufgehoben werden.Das Militär muss einen Platzverweis für Schulhöfe erhalten.“

In der aktuellen Debatte verweist die Bundeswehr darauf, dass Kinder in ihren den Kasernen prinzipiell nicht mit Waffen in Kontakt kommen sollen. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt, dass sich diese Behauptung mit dem Auftauchen neuer Bilder nicht aufrecht erhalten lässt. Militaristische und kriegsverherrlichende Einstellungen prägen die Gebirgstruppe ganz grundsätzlich. Dies zeigt sich z.B. an der Benennung der Bad Reichenhaller Kaserne nach dem Wehrmachtsgeneral Rudolf Konrad oder an der Verklärung des deutschen Überfalls auf Kreta. Vor einigen Wochen beteiligten sich Bad Reichenhaller Gebirgsjäger an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestags der deutschen Invasion auf Kreta. Reichenhaller Gebirgsjäger waren dort in Kriegsverbrechen, wie z.B. die Ermordung von 148 Einwohner der Ortschaft Skines, verwickelt.

Anna Jade:
„Ob Kinder an Gewehren, ekelerregende Mutproben mit rohen Innereien, Leichenschändungen oder NS-verherrlichende Gedenkpolitik – die Gebirgstruppe produziert einen Skandal nach dem anderen. Es wäre besser, sie würde vollständig aufgelöst.“

„Kinder an Gewehren in der Karfreitkaserne Brannenburg“
http://rabatz-buendnis.info/?attachment_id=1214

QUELLE: www.badreichenhall.org .

PS: Nachtrag: Laut Presse ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

PM des RABATZ-Bündnis zum Skandal beim Tag der offenen Tür in Bad Reichenhaller Bundeswehrkaserne

Kinder schießen auf Mini-Gebäude

OBEN: Kleine Kinder müssen mit Waffen auf Miniaturstadt schießen.

Beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne hatte die Bundeswehr als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter
einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“.

Die im Kosovo gelegene Stadt Mitrovica erlangte traurige Berühmtheit, als dort 1999 trotz Anwesenheit der KFOR albanische Nationalisten das gesamte Roma-Viertel des Ortes plünderten und zerstörten. Mehrere tausend Häuser wurden dabei zerstört, ca. 8000 Roma wurden aus dem Ort
vertrieben¹.

2004 wurden bei Anti-Serbischen Pogrome, die von Mitrovica ausgingen, viele Häuser und Einrichtungen der serbischen Bevölkerung zerstört, im ganzen Kosovo gab es viele Tote und hunderte zerstörte Häuser².

Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert³.
Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt. Als Teil der Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen, bspw. auf Kefalonia und auf Kreta beteiligt.

Erst vorletzte Woche hatte das RABATZ-Bündnis mit einer Demonstration auf die ungebrochene Verherrlichung der Wehrmacht durch die Bundeswehr und weite Teile der Reichenhaller Bevölkerung aufmerksam gemacht. Die Antifaschist_innen kritisierten dabei v.a. das sog. „Kretagedenken“, bei dem der deutsche Angriffskrieg gegen Kreta verherrlicht wird.

Dazu erklärt Anna Jade (Sprecherin des RABATZ-Bündnis):
„Die Bundeswehr versucht, schon kleinen Kindern Spaß an Waffen und militärischer Gewalt zu vermitteln. Kindern im Rahmen des Kinderprogramms Waffen in die Hand zu geben und sie auf eine Miniaturstadt schießen zu lassen, ist ein unfassbarer Skandal. Die Bundeswehr hat die Miniaturstadt „Mitrovica“ genannt. Sie verherrlicht damit im Kinderprogramm Pogrome. Dies ist eine widerwärtige Verhöhnung der Opfer.

Wir haben in letzter Zeit mehrfach auf die Verherrlichung von Kriegsverbrechen in Bad Reichenhall aufmerksam gemacht. Durch den neuen Skandal sehen wir uns darin bestätigt, antimilitaristisch und
antifaschistisch zu intervenieren. Wir fordern:
* die sofortige Schließung der nach dem SS-General Rudolf Konrad benannten General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall
* eine kritische Aufarbeitung der Geschichte Bad Reichenhalls und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
* die sofortige Beendigung der Verherrlichung des Nationalsozialismus, der Wehrmacht und der Gebirgstruppe
* die sofortige Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Gebirgstruppen und ihrer Angehörigen
* ein dauerhaftes Bleiberecht für alle Menschen, die aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen sind, anstatt der Bagatellisierung der antiserbischen und antiziganistischen Pogrome
* die sofortige Beendigung von militaristischen Werbeaktionen der Bundeswehr, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen
* den sofortigen Rücktritt der für den Tag der offenen Tür verantwortlichen Personen der Bundeswehr.“

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¹ vgl. Bericht auf der Homepage des UNHCR:
  http://www.unhcr.org/45f5743a4.html
² Spiegel Online vom 22.3.2004:
  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-30285762.html ; vgl.
  Chronologie der Süddeutschen Zeitung vom 15.2.2008:
  http://is.gd/Redll4
³ vgl. Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß – Die 1.Gebirgs-Division
  im Zweiten Weltkrieg; Berlin 2008; S. 110ff.

QUELLE: www.badreichenhall.org

PM des es RABATZ-Bündnis zur antifaschistischen Demonstration am 21.5.2011 in Bad Reichenhall

Gestern (Sa 21.05.2011) demonstrierten in Bad Reichenhall über 200 Menschen kraftvoll gegen „rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand“. Die Antifaschist_innen kritisierten die geschichtsrevisionistische Gedenkpolitik in der oberbayerischen Provinzstadt und wurden aus der Bevölkerung heraus auch prompt mit dem Hitlergruß bedacht. Anlass für die kraftvolle Demonstration war der 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta. „Skines, Distomo, das war Mord – Entschädigung der Opfer jetzt sofort!“ schallte es entsprechend durch die Kurstadt, die selbst mit dem zweideutigen Motto „Wo die Zeit Urlaub macht“ um Tourist_innen wirbt. Skines und Distomo sind Ortschaften in Griechenland, die Schauplatz grausamer Massaker der deutschen Wehrmacht waren. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 ist den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division nachzuweisen.
Die Veranstalter_innen vom RABATZ-Bündnis halten es für einen Skandal, dass in Bad Reichenhall neben einer jährlichen Gedenkfeier, auch noch eine Brücke den Überfall der Wehrmacht auf Kreta glorifiziert. Auf der Demonstration wurde die Umbenennung der Kretabrücke in „Winkler-Reischl-Brücke“ gefordert. Johann Winkler und Gottfried Reischl waren Kommunisten aus Bad Reichenhall. Sie stellten kleine antifaschistische Agitationszettel her und steckten diese in Bad Reichenhaller Gaststätten in die Mäntel von Soldaten. Beide wurden von den Nazis ermordet.
In den Redebeiträgen auf der Demonstration wurde auch der Zusammenhang von Militarismus und Patriarchat thematisiert. Wörtlich hieß es in dem Redebeitrag des Antisexistischen Aktionsbündnis München (asab_m):
„Männern zugeschriebene Eigenschaften wie Härte, Disziplin und Autorität sind im Militär institutionalisiert. Kriege beginnen nicht erst zu dem Zeitpunkt, wenn zu den Waffen gegriffen wird. Sie sind die Eskalation des Normalzustandes“.
Eine Initiatorin der „Mittenwaldkampagne“ thematisierte ausführlich die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger und sprach von einem „Kult von Männlichkeit, Körperkraft und siegreichem Kampf gegen die Natur, alles wesentliche Elemente nationalistischer Ideologie“, für welchen die Gebirgstruppe stand. Weiterhin kritisierte sie die Namensgebung der Bad Reichenhaller Kaserne nach General Konrad, „der sich als antisemitischer Schlächter im Vernichtungskrieg auf der Krim bewies“ und 1943 in einem Befehl erklärte: „Die Juden sind unser Unglück“. Das RABATZ-Bündnis zeigte in einem Redebeitrag, das, während in Bad Reichenhall noch recht unverhohlen die Taten der nationalsozialistischen Gebirgstruppe glorifiziert wird, sich vielerorts eine Gedenkpolitik etabliert hat, nach der, gerade aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands eine Verantwortung für das „geläuterte“ Deutschland und seine Armee erwachse. So werde eine positive Identifikation mit Nation und Militär geschaffen. Dass dieses „geläuterte“ Deutschland aber weiterhin die Entschädigung von NS-Opfern verweigert, wurde in einem Redebeitrag des Hamburger „AK-Distomo“ deutlich, welcher aktiv die Forderungen von NS-Opfern und Überlebenden aus Distomo vertritt.
Die Notwendigkeit einer antifaschistischen Intervention in Bad Reichenhall stellen die Störversuch von neonazistischen Kleinstgruppen während der Demonstration unter Beweis, welche zum Teil sogar offen den Hitlergruß zeigten. Auf der Abschlußkundgebung wurden in einem Redebeitrag noch zahlreiche weitere Beispiele für die Aktivitäten der lokalen Neonaziszene aufgezeigt. Auch der Bericht eines ehemaligen Schülers des Bad Reichenhaller Gymnasiums über eine Vielzahl unglaublicher Vorfälle zeigte, wie wichtig diese Demonstration war.
Besonders drastisch war dabei, dass eine Lehrkraft in einer Vertretungsstunde den Holocaust leugnete. Sie behauptete, die Verbrennungsöfen und Gaskammern in Auschwitz seien erst nach dem Krieg und von den Amerikanern errichtet worden.
Der Polizeiansatz während der Demonstration wird von dem RABATZ-Bündnis als „unverhältnismäßig“ kritisiert. Dazu Anna Jade ein Sprecherin des Bündnisses wörtlich:
„Nur dem umsichtigen Verhalten der Demonstrationsteilnehmer_innen ist es zu verdanken, dass es trotz massiver polizeilicher Angriffe auf die Grundrechte von Versammlungsfreiheit und informationeller Selbstbestimmung nicht zu Ausschreitungen gekommen ist.“
So nahm die Polizei bereits bei den nach RABATZ Meinung „illegalen Vorkontrollen“1, Personen wegen Lappalien wie zum Beispiel Fahnenstangen aus Zeltstangen fest. Während der Demonstration provozierten Teile der Einsatzkräfte unter anderem durch Abfilmen von Demonstrationsteilnehmer_innen und durch Spalierlaufen. Auch den rigiden Auflagenbescheid des Landratsamtes Berchtesgaden halten die Veranstalter_innen für rechtswidrig. Es wurde angekündigt eine Fortsetzungsfeststellungsklage einzureichen, um bei einer eventuellen Demonstration im nächsten Jahr keine derartigen Einschnitte gegen die Versammlungsfreiheit mehr hinnehmen zu müssen. Ob auch im nächsten Jahr eine antifaschistische Demonstration in Bad Reichenhall stattfindet ist derzeit jedoch noch unklar. „Das hängt unter anderem mit der politischen Entwicklung in Bad Reichenhall zusammen“ heißt es aus RABATZ-Kreisen.

QUELLE: http://badreichenhall.org

PM des RABATZ-Bündnis vom 14.05.2011 zu der Forderung nach einer Brückenumbenennung in Rad Reichenhall

Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta, wollen am kommenden Samstag (21.05.2011) Antifaschist_innen in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand demonstrieren. In einer Presseerklärung fordert das Rabatz-Bündnis nun auch die Umbenennung der Kreta-Brücke in
Winkler-Reischl-Brücke.

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht, darunter „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall, Kreta an, hielt die Mittelmeerinsel bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Nach Angaben des Rabatz-Bündnisses sind auf Kreta über 3500 Zivilist_innen
hingerichtet und mehr als 30 Dörfer komplett zerstört worden. Am 01. August 1941 wurde zum Beispiel das Dorfes Skines durch die aus Bad Reichenhall kommende 5. Division niedergebrannt und die 148 Einwohner_innen erschossen. Nach der Meinung des antifaschistischen Bündnisses, zu welchem sich 10 linke Gruppen aus Österreich und Oberbayern zusammengeschlossen haben, sei es an der Zeit die Brücke umzubenennen. „Wir fordern den Stadtrat von Bad Reichenhall auf, die Kreta Brücke in Winkler-Reischl-Brücke umzubenennen“ so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses wörtlich. Johann Winkler (Müller, Jahrgang 1908) und Gottfried Reischl (Mechaniker, Jahrgang 1902) waren Antifaschisten aus Bad Reichenhall. Sie stellten unter anderem mit einem
Gummibuchstaben-Druckkasten kleine antifaschistische Agitationszettel her, und steckten diese in Bad Reichenhaller Gaststätten in die Mäntel von Soldaten. Als Winkler und Reischl an Ostern 1936 versuchten in die Tschechoslowakei zu fliehen, wurden sie verhaftet und nach München zurückgebracht. Dort wurde Reischl so stark mißhandelt, „dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und dort starb“ oder nach anderer Quelle „wurde er in seiner Zelle in der Ettsraße erschlagen“.1 Winkler starb 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück. „Es ist ein Skandal, dass
in Bad Reichenhall nichts an die antifaschistischen Widerstandskämpfer erinnert, aber ein Brückenname den faschistischen Angriffskrieg auf Kreta glorifiziert“ heißt es in einer Pressemitteilung.
In dem Aufruf zu der Demonstration, wird die am kommenden Dienstag (17.05) stattfindende „Kreta-Gedenkfeier“ als „geschichtsrevisionistisch“ und der Veranstalter, der Kameradenkreis der Gebirgstruppe, als „“Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ bezeichnet. Der Bundeswehr wird unter anderem aufgrund der Tatsache, dass die Kaserne in Bad Reichenhall noch immer nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist, eine „ungebrochene Traditionspflege“ vorgeworfen. Des weiteren soll gegen die Naziaktivitäten in der Region Bad Reichenhall demonstriert werden. Erst vergangenen Sonntag (08.05) trafen sich rund 80 Alt- und Neonazis zu einer SS-Gedenkfeier in
Karlstein/Bad Reichenhall und Ende April soll im Berchtesgadener Land ein „nationaler Liederabend“ stattgefunden haben. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich die NPD ohne Proteste zum monatlichen Stammtisch in einem Bad Reichenhaller Gasthaus treffen kann, betont das Rabatz-Bündnis. In dem Aufruf zur Demonstration heißt es deshalb unmissverständlich: „Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden“.

QUELLE: http://badreichenhall.org

PM des RABATZ-Bündnis vom 08.05.2011 zu dem erneuten SS-Gedenken in Bad Reichenhall

Neonazis hielten im Bad Reichenhaller Ortsteil Karlstein am Sonntag, den 08. Mai 2011 erneut ein neonazistisches SS-Gedenken zur Glorifizierung der SS-Einheit Charlemagne ab. Das RABATZ-bündnis kritisiert, dass auch dieses Jahr den vermutlich 80 Teilnehmer_innen kein zivilgesellschaftliche Widerstand entgegengesetzt wurde und ruft zu für den 21.Mai zu einer antifaschistischen Demonstration in Bad Reichenhall auf.

Die Charlemagne war eine Einheit der Waffen-SS, die überwiegend aus kollaborierenden französischen Freiwilligen bestand. Seit Jahrzehnten können ihr Alt- und Neonazis ungestört in Bad Reichenhall gedenken. Jahrelang beteiligten sich paramilitärisch auftretende, faschistische Gruppen aus dem In- und Ausland an der „Naziverehrung“. An der von dem NPD Kreisverband Traunstein- Berchtesgadner Land organisierten Nazifeier nahmen in diesem Jahr nach Polizeiangaben ca. 80 Alt- und Neonazis teil. Angereist war beispielsweise auch der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger, der an den Anschlagsplänen Münchner Neonazis auf das Jüdische Gemeindezentrum involviert war.
Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Nazigedenkfeier und ließ keine Bebobachter_innen zu. „Es ist bezeichnet für das reaktionäre Klima in und um Bad Reichenhall, dass sich gegen eine derartige Naziveranstaltung kein Protest regt. Auch das Verhalten der Polizei die Dokumentation von Beobachter_innen zu unterbinden ist mehr als unangemessen“, so Anna Jade vom antifaschistischen RABATZ-Bündnis.
Antifaschist_innen kritisieren, dass ein Gedenkkreuz, das sich zur faschistischen Pilgerstätte entwickelt hatte, von der Stadtverwaltung lediglich vom Parkplatz „Am Kugelbach“ in den Friedhof St. Zeno versetzt wurde. „Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Problematik Neonazismus und Gesichtsrevisionismus fand jedoch nicht statt.“, kritisieren die 10 antifaschistischen Gruppen aus Oberbayern und Österreich in einer gemeinsamen Presseerklärung.
Das SS-Gedenken dürfte dabei ein jährlicher Höhepunkt der lokalen Naziszene sein. Dieser war es erst vor drei Wochen geglückt einen „nationalen Liederabend“ in der Region abzuhalten. Die Neonazis brachten des weiteren in der Höhe des Grenzübergangs Walserberg, bei Bad Reichenhall, ein 8 Metern langes Transparent an, das lange Zeit nicht entfernt wurde1.
Das antifaschistische RABATZ-Bündnis zeigt sich verärgert, wie Neonazis in der Region Bad Reichenhall agieren können ohne auf Widerstand zu stoßen. Anna Jade, Pressesprecherin des Bündnisses betont deshalb, dass die antifaschistische Demonstration am 21. Mai in Bad Reichenhall sich nicht nur gegen rechte Traditionspflege und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand richte. Explizit sollen auch die aktuellen neonazistischen Aktivitäten im Raum Bad Reichenhall thematisiert werden. „Wegschauen und Verschweigen hilft nicht weiter, Neonazis und rechtes Gedankengut müssen aktiv bekämpft werden“ so Jade wörtlich.

QUELLE: www.badreichenhall.org

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Bundeswehr bei Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit von der Partie

In dem sehr lesenswerten Artikel „Mit Verspätung entnazifizieren“ von Johannes Müller in der Wochenzeitung „Jungle World“ heißt es u.a.:

Der Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU) wohnt regelmäßig dem »Kreta-Gedenken« des Kameradenkreises der Gebirgstruppe bei. Dieser Verein wird vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege als »Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher« bezeichnet und organisiert auch das jährliche Treffen von Wehrmachts- und SS-Veteranen in Mittenwald (Jungle World 22/09). In der übernächsten Woche will der Kameradenkreis wieder der »beim Kampf um Kreta im Zweiten Weltkrieg gefallenen Reichenhaller Gebirgsjäger« gedenken. Anregungen wie die des Münchener Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), auch den »dunklen Teil« der Geschichte zu durchleuchten, hört der Kameradenkreis hingegen nicht gern. So schimpfte Manfred Held, der Vorsitzende der Bad Reichenhaller Sektion, auf der Gedenkfeier 2009: »Wenn aber, wie auch Ude erkannte, ›das Militär für einen verbrecherischen Krieg missbraucht wurde‹, wer kann da an dieser Stelle vorwurfsvoll an die Vergangenheit erinnern?« Etwa 80 Zuhörer hatte Held nach Polizeiangaben.
Unter ihnen waren auch Angehörige der Bundeswehr. Die Traditionspflege der Armee passt zu Bad Reichenhall. Die Kaserne in der Stadt trägt den Namen des Nazigenerals Rudolf Konrad. An einem Gebäude an ihrem Eingang prangt nicht nur ein großes, nationalsozialistisches Wandgemälde, das Wehrmachtssoldaten zeigt, sondern auch ein steinerner Reichsadler. Bei diesem wurde lediglich das Hakenkreuz, das er in den Krallen hielt, durch ein Edelweiß ersetzt.

Quellen:
* Johannes Müller: Mit Verspätung entnazifizieren, in: „Jungle World“ Nr. 18 vom 5. Mai 2011,
http://jungle-world.com/artikel/2011/18/43120.html
* Johannes Müller: Erneut SS-Gedenken in Bad Reichenhall, 9. Mai 2011, http://www.hagalil.com/archiv/2011/05/09/bad-reichenhall-2/

Gegen das „Kreta-Gedenken“ der Gebirgsjäger in Bad Reichenhall

Antifaschist_innen und Antimilitarist_innen rufen mit folgendem Text zu einer Protestkundgebung in Bad Reichenhall auf:

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta rufen wir dazu auf, am Sa, 21.05.2011 in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand zu demonstrieren.
 
Bad Reichenhall ist ein Ort der symbolisch für die widerliche geschichtsrevisionistische, militaristische Gedenkpolitik in der oberbayerischen Provinz steht. Hier wurde noch 1966 zur Glorifizierung dieses Angriffskriegs die sogenannte „Kretabrücke“ eingeweiht. An dieser Brücke findet jährlich rund um den 20.Mai1 eine Gedenkfeier zu „Ehren“ der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und in Gedenken an dem Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall statt. So wird das gesellschaftliche Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus in die Vergessenheit gedrängt und die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt. Während die Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgstruppe nicht thematisiert werden. Ihr Kommandeur, Generalmajor Julius Ringel (1889 bis 1967) befahl 1941 aufgrund des (für die deutsche Führung völlig überraschenden) Widerstands der kretischen Bevölkerung: “ (…)für jeden deutschen Verwundeten oder Gefallenen zehn Kreter zu erschießen, Gehöfte und Dörfer, in denen deutsche Truppen beschossen werden, niederzubrennen, in allen Orten Geiseln sicherzustellen.“2 Angesichts dieser kriegerischen Tüchtigkeit erhielt Ringel im Juni 1941 das Ritterkreuz und zwei Jahre später „zum 10. Jahrestag der „Machtergreifung“ das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.3 Ringel verbrachte seine Pension in Bad Reichenhall, wo er 1967 verstarb, ohne sich je für die unter seinem Kommando verübten Gräueltaten verantworten zu müssen. Auf Kreta wurde das „Axiom von der Kollektivhaftung der Bevölkerung“ zum ersten Mal angewandt.4 Diese Vergeltungs-Morde lagen zeitlich vor den Massenliquidationen der Wehrmacht und der SS in der Sowjetunion und Serbien. Viele dieser Vergeltungsaktionen (z.B. Kandanos), bei denen tausende Zivilist_innen ermordet und zahlreiche Dörfer zerstört wurden, sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 ist hingegen den „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt. Sie erfasst die Orte Alikianu,Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.”5 Wie in Kandanos wurden in Skines die Häuser zerstört und die Menschen mussten ihre Häuser und Felder bis zum Ende der Besatzung verlassen. Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“6
 
Noch heute ist die Taditionspflege der Bundeswehr in großen Teilen ungebrochen. Dies macht sich nicht nur an deren Beiteiligung am „Kreta-Gedenken“ bemerkbar sondern auch dadurch, dass die Bundeswehrkaserne in Bad Reichenhall nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist. Konrad bekannte angesichts der verbrechen der Deutschenwehrmacht und SS: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe.“ In dem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug hat Konrad auf der Krim „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren lassen“7

Als Dekoration der von den Nazis erbauten General Konrad Kaserne prangt ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde, direkt über dem Haupteingang. Direkt daneben hängt ein steinerner Reichsadler an der Fassade, bei dem lediglich das Hakenkreuz durch ein Edelweiß ersetzt wurde.
 
Krieger des Lichts
 
In der deutschen Geschichtspolitik haben sich vielfältige Strategien herausgebildet, eine positive Identifikation mit Nation und Militär zu schaffen. Während beispielsweise in Mittenwald und Bad Reichenhall noch recht unverhohlen die Taten der nationalsozialistischen Gebirgstruppe glorifiziert werden, hat sich in weiten Teilen der Parteienlandschaft eine Lesart etabliert, nach der gerade aus den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands eine Verantwortung für das „geläuterte“ Deutschland und seine Armee erwächst. Eben durch dieses Eingeständnis deutscher Schuld, inszeniert sich hier eine Nation die aufgrund ihrer schonungslosen und „schmerzhaften“ Aufarbeitung der eigenen Geschichte dafür prädestiniert sei, Ähnliches zu verhindern, im Zweifelsfall durch militärische Intervention. So begründete etwa Joschka Fischer die deutsche Beteiligung am Kosovokrieg, mit dem Verweis auf den Holocaust. Nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz führt Deutschland heutzutage Krieg. Die profane Feststellung übrigens, dass die Bundeswehr tatsächlicher weniger aus dieser vorgeblichen moralischen Verantwortung heraus agiert, sondern um die Interessen des Standorts Deutschland auf dem Weltmarkt zu sichern und durchzusetzen, kann im Zuge dieser Inszenierung selbst einen Bundespräsidenten das Amt kosten.8
 
Einher mit der neuen Rolle dieses „geläuterten“ Deutschlands geht eine intensive Kampagne der Militarisierung der Gesellschaft durch öffentliche Gelöbnisse oder auch massive PR-Kampagnen an Schulen, Jobcentern und Universitäten, in denen sich die Bundeswehr als sicherer Arbeitgeber in Krisenzeiten präsentiert. Im Zuge der Umstrukturierung zur Berufsarmee, will die Bundeswehr zudem künftig stärker um Geringqualifizierte werben, um ihren Personalbedarf an den niedrigen Rängen zu decken. Darüber hinaus wird und wurde wiederholt versucht, die Möglichkeiten des Einsatz des Bundeswehr im Inneren auszuloten. Während dem aktuell noch ein verfassungsrechtlicher Riegel vorgeschoben scheint, kommt es doch immer wieder zu Einsätzen der Armee im Dienste der „inneren Sicherheit“, etwa bei der Überwachung linker Aktivist_innen bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm durch Spähpanzer und Tornado-Flugzeuge oder dem Einsatz von „Feldjägern“ gegen Antimilitarist_innen beim Gelöbnis auf dem Münchner Marienplatz.
 
Die Opfer, der Held und das andere Deutschland
 
Eine wichtige Funktion in der deutschen Aufarbeitungs- und Geschichtspolitik, erfüllen Strategien zur moralischen Entlastung der Nation. So wird einerseits die deutsche Schuld eingestanden. Doch viele der Protagonist_innen des staatsoffiziellen Gedenkens vergessen dabei nicht auch auf die deutschen Toten, auf das „deutsche Leiden“ zu verweisen. Undifferenziert wird dann den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht, unter die kontextlos sowohl die Angehörigen der nationalsozialistischen Armee, als auch die von ihnen Ermordeten subsumiert werden. Als Beispiel kann hier etwa das Gedenken an die Toten der alliierten Bombardements deutscher Städte angeführt werden.
 
Zudem kreiert sich Deutschland seine „Held_innen“, als positiven Bezugspunkt nationaler Historie in den „zwölf dunklen Jahren“. Während etwa Hitler-Attentäter Stauffenberg in den ersten Jahren nach der Niederschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands noch überwiegend als „Verräter“ betrachtet wurde, dient er mittlerweile als Beleg für ein „anderes besseres Deutschland“. So zweifelhaft dieses Abfeiern eines überzeugten Nationalsozialisten sein mag, in Bad Reichenhall ist selbst das noch nicht angekommen.
 
Bad Reichenhall – Wo die Zeit Urlaub macht

An dem geschichtsrevisionitischen „Kreta-Gedenken“ der „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“9, dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe, nimmt neben Vertreter_innen der Bundeswehr auch der Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall teil. Daszeugt davon, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Wehrmacht in Bad Reichenhall bislang noch nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil: Militarismus und Geschichtsrevisionismus scheinen all gegenwärtig. Dies zeigt auch ein Zitat von Georg Ringsgwandl, welcher in Bad Reichenhall aufwuchs:
„Ich erinnere mich schmerzhaft an die Zeiten als Kind, als man meinen Vater, der im Krieg mehrfach wegen ‚ehrenrührigen Verhaltens‘ und Befehlsverweigerung degradiert worden war, in der Nachkriegszeit oft auf der Straße zur Rede stellte. Das waren Nazis und Militärs, auch General Ringel, der in der BRD komfortabel seine Pension verlebte und sich dann aus der Affäre zog mit dem Argument, dass mein Vater den gebotenen Anstand vermissen lasse.“10

Kein Wunder, dass sich in einem solchen Klima Militarist_innen, Rechtskonservative11, Rechtspopulist_innen12 sowie Alt- und Neonazis wohl fühlen und schon fest zum Ortsbild gehören. In einer Stadt, in der Vorträge zum Thema Antisemitismus im örtlichen Haus der Jugend untersagt werden13 und sich der Schulrektor nicht einmal entschuldigt, wenn als „Panne“ bei einem Festakt zur „deutsch-französischen Freundschaft“ „Deutschland, Deutschland über alles“ aus den Lautsprechen tönt14, erregt das rechte Treiben nur in Ausnahmefällen Aufsehen. Zum Beispiel als 1999 ein Jugendlicher, dessen Zimmer voll mit NS-Devotionalien war, Amok lief und vier Menschen und sich selbst erschoss15. Als am 20./21. Oktober 2007 das Bundestreffen der nazistischen „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ in Bad Reichenhall statt fand gab es jedoch keine Proteste. Genauso wenig gibt es Widerstand, wenn Neonazis in Bad Reichenhall Kundgebungen und Horst Wessel-Feiern16 organisieren oder sich die NPD zum monatlichen Stammtisch (z.T. Mit NPD-Größen wie Holger Apfel) im lokalen Gasthaus trifft. Die seit Jahrzehnten stattfindende jährlichen SS-Gedenkfeier (am 08.Mai in Karlstein/Bad Reichenhall zu Ehren der SS-Division „Charlemagne“) wurde erst 2006 in den Medien kritisch beachtet, als bei Polizeikontrollen neben Hakenkreuzfahnen auch Sprengmittel, Pistolen, Rauchbomben und andere Waffenteile bei den ca. 130 anwesenden Alt- und Neonazis (u.a. aus Deutschland, Frankreich, Italien und Dänemark) beschlagnahmt wurden. Trotzdem können sich Alt- und Neonazis weiterhin ungestört treffen. Während am 08.05.2010 in München tausende Menschen ein Neonaziaufmarsch durch Blockaden verhindert, konnte am selben Tag in Bad Reichenhall ungestört das neonazistisches SS-Gedenken stattfinden17 und wir befürchte dies auch für 2011.
 
Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden !!!

(unvollständige) Chronik rechter Vorkommnisse bei den Gebirgsjägern
* 18. Mai 1993: Sechs Angehörige der Gebirgsjäger grölen im Intercity von München nach Bad Reichenhall NS-Parolen und attackieren einen behinderten, ausländischen Fahrgast.
* Mitte 1994 bis Anfang 1995: Im sächsischen Schneeberg drehen 19 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftssoldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 Videofilme, die unter anderem Soldaten beim Hitlergruß zeigen und gewaltverherrlichende Szenen enthalten. Der Film gelangt erst im Herbst 1997 an die Öffentlichkeit.
* 20.05.01: Der CDU-Abgeordnete Wolfgang von Stetten (* 1941), Präsident des rechtslastigen Studienzentrums Weikersheim, überbrachte am 20. Mai 2001 „die Grüße der Mitglieder des Deutschen Bundestages und ihres Präsidenten Thierse“ bei einem Treffen von 600 ehemaligen Fallschirmspringern und Gebirgsjägern, die im Zweiten Weltkrieg an der Luftlandeschlacht um Kreta teilgenommen hatten, bei ihrem Veteranentreffen auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Maleme auf Kreta. Weder der Bundestag noch Wolfgang Thierse waren informiert, es hatte weder Zustimmung noch Genehmigung dafür gegeben (Der Vater fiel als Flugzeugführer am 20. Mai 1941 auf Kreta.).
* 2003 oder 2004: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan posieren mit menschlichen Totenschädeln und Knochen aus einem Gräberfeld in einer Kiesgrube bei Kabul, in der früher sowjetische Soldaten beerdigt worden waren.
Erst im Herbst 2006 gelangten dabei aufgenommene Fotos an die Öffentlichkeit. Es wurden im Zuge von Ermittlungen etwa ein Dutzend Beteiligte identifiziert, darunter auch Angehörige der Gebirgsjäger aus Mittenwald.
* 29. Juni 2007: Am 29. Juni 2007 berichtet das „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“, dass ein 23-jähriger Soldat des in Mittenwald stationierten Gebirgsjägerbataillons 233 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde, weil er Juden verunglimpft hat. Der Hauptgefreite wurde vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro verurteilt, weil er bei einer Schießübung einen Schuss mit den Worten „Drecksjudd“ und „Stirb, du Jud“ begleitet hatte.

Quellen:
* Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls – antifaschistischen Demonstration, 11.04.2011, http://linksunten.indymedia.org/de/node/37402
* Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung: Bundeswehrchronik 1986 bis 1995, www.asfrab.de/Publikationen/Profil/Chronik1986bis1995.php
* Chronik des Hasses – Der „blick nach rechts“ dokumentiert antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr 2007, Zusammenstellung von Anton Maegerle, http://www.bnr.de/bnraktuell/ausgabe172007/chronikdeshasses/

Brigadegeneral a.D. in Rechtsaußen-Blatt

In der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) Nr. 05/2011 meldet sich ein Rudi Ehninger aus Kirchheim, Brigadegeneral a.D., per Leserbrief zu Wort. Ehninger war zuletzt Stabschef des Deutsch-niederländischen Korps in Münster.
Er kommentiert den Beitrag „Rufmord aus dem Bauch heraus“ von Fritz Zwicknagl in der „Jungen Freiheit“ Nummer 51/2010.
Er schließt sich Zwicknagels Kritik an dem ehemaligen Verteidigungsminister Struck an, der beklagt das Struck den KSK-Brigadegeneral Günzel entlassen hat. Günzel war damals aufgefallen durch seine Sympathiebekundung mit dem Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der durch eine mit antisemitischen Stereotypen durchsetzte Rede einen Skandal ausgelöst hatte. Ehninger nennt die durch Struck veranlasste Entlassung Günzels „in Wahrheit nur schäbig.“
Ehninger trat auch schon als Autor der JF in Erscheinung und war Unterzeichner des rechten Aufrufes „Gegen das Vergessen“ vom 8. Mai 2005, in dem kritisiert wird, dass der 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung gesehen wird.

Hier mal ein JF-Cover zur besseren Einordnung dieser Zeitung:
Junge Freiheit gegen Homo-Lobby

Soldat schreibt bei Hetzportal

Ein wohl in Eutin (Schleswig-Holstein) stationierter Truppenoffizier mit dem Pseudonym-Kürzel „J.S.“ („Ich bin Truppenoffizier mit Leib und Seele.“) hat für den rechtspopulistischen und islamophoben Blog “Politically Incorrect” (PI-News) über “Gutmenschen”, Friedensbewegte und eine von ihm fanatsierte „linksgrüne Meinungsdiktatur“ geschrieben. Dabei bedauert der u.a. dass die Soldaten ihre Dienstwaffe nicht in der Freizeit mitnehmen dürfen: „Und man darf, bis auf Ausnahmen, leider nur im Dienst Schusswaffen führen.“
Der Berufsoffizier, der nach eigenen Angaben seit sieben Jahren beim Heer ist, ist damit ein anschauliches Beispiel für einen Offizier mit politischen Ansichten der so genannten Neuen Rechten.

Quelle:
J.S.: Zwischen den Stühlen, PI-News, 23. November 2010

Mittenwald & bundesweit: entwürdigende Aufnahmerituale

Der Beschwerdebrief eines ehemaligen Soldaten, der von April bis September 2009 in Mittenwald stationiert war, deckte auf, dass in Mittenwald im Juni 2009 offenbar drei bis heute aktive Gebirgsjäger und einige Ehemalige ihn „außerhalb der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne“ Soldaten gezwungen hätten, Alkohol bis zum Erbrechen zu trinken und rohe Schweineleber zu essen, um in der internen Hierarchie des Bataillon 233 aufzusteigen. Ebenso mussten die Neulinge nackt Kletterübungen machen. Diese Aufnahme-Rituale soll es seit Ende der 1980er Jahre geben.

Inzwischen haben sind nach den Medienberichten über 50 weitere Fälle aufgetaucht, vor allem durch Hinweise ehemaliger Soldaten. Militär und Politik sprechen trotz dieser Lawine von „Ausrutschern“ und „Einzelfällen“. Seltsam aber, dass die Aufnahmerituale in der Bundeswehr sogar eigene Bezeichnungen haben. Solche kruden Aufnahmerituale passen übrigens gut in die Analyse der Bundeswehr als archaischer Männerbund.
Aufnahmeritual in der Bundeswehr
OBEN: Internetfundsache

Quelle:
* Christof Schnürer: „Tiefpunkt meines Soldatenlebens“, in: Garmisch-Partenkirchener Tagblatt vom 11. Februar 2010

Bundeswehr wird mit Wehrmachts-Literatur trainiert

Ein Artikel in der Berliner Tageszeitung „taz“ berichtet über die Verwendung von Wehrmachts-Literatur bei der Ausbildung von Bundeswehr-Soldaten. Dabei bezieht sich die „taz“ auf einen Beitrag des Historikers Detlef Bald in der neuen Ausgabe des Hefts des „Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik“ an der Universität Hamburg mit dem Titel „Bundeswehr im Krieg – wie kann die Innere Führung überleben?“. Der Historiker analysiert darin kritisch die Ausbildungsrichtlinien und -materialien der Bundeswehr. Dabei stieß er auch auf die Bücher „Einsatznah ausbilden“ und „Üben und schießen“, die in der Grundausbildung benutzt werden und den Ausbildern als Nachschlagewerke dienen.
So wird u.a. empfohlen die „Vorstellung von Kriegswirklichkeit“ u.a. durch beispielhafte Erfahrungsberichte des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg heranzuziehen. Eine positive Bezugnahme auf den Rasse- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht also. Im Konkreten dient z.B. der Winterkampf in der Sowjetunion oder die Abwehr der Operation der Alliierten in der Normandie als vorbildhaftes Schlachtengemälde.
Auch kleine gereimte Merksätze für die Panzerabwehr der Wehrmacht werden zitiert:
„Selbst in der äußersten Erregung /
bewahre kühle Überlegung.“
Der Historiker Bald fasst zusammen: „Die ,Ausbildungshilfen‘ sind ein Machwerk der Legendenbildung. […] Perfide ist der Duktus, Vorschriften und Richtlinien aus der Zeit des Nationalsozialismus in vermeintlich unpolitischer Absicht durch Zitate in die Gegenwart der Bundeswehr zu holen und amtlich zu erklären, diese Lehren seien ,zeitlos‘. Damit werden Wehrmacht und ihre Nazi-Ideale ethisch gesäubert und enthistorisiert. Das Gütesiegel des Heeresamtes bestätigt dies.“

Quelle:
* Bettina Gaus: Bundeswehr-Lehrmaterial von der Wehrmacht. Von Stalingrad nach Afghanistan, 08.12.09,
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/von-stalingrad-nach-afghanistan/

„Narvik, Rotterdam, Korinth und das heiße Kreta sind Stätten unserer Siege!“

Während des Zweiten Weltkrieges entstand das Fallschirmjäger-Lied „Hinter den Bergen“ in dessen Refrain es heißt:
„Narvik, Rotterdam, Korinth
Und das heiße Kreta sind
Stätten unserer Siege!
Ja, wir greifen immer an,
Fallschirmjäger gehen ran,
Sind bereit, zu wagen!“
Es beschreibt also durch die Wehrmacht-Fallschirmjäger während der Überfälle auf Nachbarländer eroberte Orte. Die Besetzung dieser Gebiete gingen einher mit Gräueln, auf Kreta beispielsweise starben während der deutschen Besatzungszeit tausende Zivilisten.
Es gibt als mehr als genug Gründe dieses Lied“gut“ aus Wehrmachtszeiten in den Mülleimer der Geschichte zu werfen. Doch dem ist nicht so. Googelt man den Refrain kommt man auf die Homepage dreier Bundeswehr-Organisationen:
* Puma-Kompanie
Reservisenkameradschaft Buchholz
* Reservisten-Kameradschaft Buchholz
Der Fallschirmpionier
* IG Fallschirmpioniere“ bzw. dessen Nachrichtenblatt „Der Fallschirmpionier“. In diesem wird überdies von der Teilnahme der IG an Reenactment-Veranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg berichtet (deutsche Besetzung der Niederlande 1940 in Dordrecht, Arnheim 1944 und Hürtgenwald 1944). Offensichtlich haben dabei die Mitglieder der IG auch Wehrmachts-Soldaten gespielt.

Quellen:
* „Der Fallschirmpionier. Nachrichtenblatt für die IG Fallschirmpioniere“ Heft 4 – 2009, Seite 4-6, 7 und 10
* Homepage der Puma-Kompanie
* Homepage der Reservisten-Kameradschaft Buchholz

Mittenwald: Gebirgstruppen-Veteranen mussten sich früher treffen

Bereits am 17. Mai 2009 fand die Gedenkfeier mit Messe des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ am Hohen Brendten bei Mittenwald (Oberbayern) statt. Es sollen zwischen 300 und 500 Personen daran teilgenommen haben.
Seit einiger Zeit treffen sich die Veteranen nicht mehr wie gewohnt zu Pfingsten, sondern müssen sich außerhalb des traditionellen Zeitpunktes versammeln. Diese Verschiebung ist dem Druck von KritikerInnen zu verdanken, die darauf aufmerksam machten, dass SS- und Wehrmachts-Einheiten der Gebirgsjäger massiv an Kriegsverbrechen, u.a. in Griechenland, beteiligt waren. Immerhin hatten der AK Distomo und der AK Angreifbare Traditionspflege weit über 100 potenzielle NS-Kriegsverbrecher aus den Reihen der Gebirgstruppe angezeigt.
Die Angehörigen dieser Einheiten gehören zu den Teilnehmern an den Traditionstreffen in Mittenwald und auch die Nachfolger dieser Einheiten in der Bundeswehr bezogen sich positiv auf Gebirgsjäger-Einheiten der Wehrmacht und ihre Anführer.
Am Pfingstsamstag fand in Mittenwald eine Demonstration des „AK Angreifbare Traditionspflege“ statt, auf der etwa 200 Demonstranten die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer forderten.

Quellen:
* * Joachim F. Tornau: Angriff auf konservative Gebirgsjäger, Frankfurter Rundschau, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1780835_Kriegsverbrechen-Angriff-auf-konservative-Gebirgsjaeger.html
* die Kampagnen-Homepage http://www.keine-ruhe.org/

Dokumentiert: Aufruf zum Protest in Mittenwald zu Pfingsten 2009

„Auf nach Mittenwald! Die militaristische Traditionspflege der Gebirgsjäger angreifen!
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrecher!

Seit Anfang der 1950er Jahre versammeln sich alljährlich junge Soldaten aus aktiven Gebirgsjäger-Einheiten und alte Kameraden aus Wehrmachtsverbänden im bayerischen Mittenwald. Gemeinsam ehren sie ihre Toten aus zwei Weltkriegen und den Kriegen der Gegenwart. Traditionspflege bedeutet für sie: Die Massaker und andere Kriegsverbrechen, die die Gebirgstruppe während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland, Italien, Frankreich und anderen von Deutschland besetzten Ländern Europas begingen, ungebrochen als heldenhaftes soldatisches Handeln zu glorifizieren und in dieser Linie ihre aktuellen Kriegseinsätze abzufeiern.
Gegen diesen militaristischen Kult protestieren wir seit sieben Jahren.
So auch in diesem Jahr.
Mittenwald steht exemplarisch für die Verquickung von deutschem Militär, Kirche und Gesellschaft. Wie einst die Wehrmacht, ist heute die Bundeswehr der größte Arbeitgeber im Ort. Die gesamte Stadt ist mit ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Struktur auf das Engste mit dem Militär verbunden. Das schafft Loyalitäten mit Mördern und Kriegsverbrechern, die schwerer wiegen als die offenkundig zu abstrakt gebliebene politisch-moralische Verpflichtung, sich mit deren Opfern auseinander zu setzen und dieser zu gedenken. Bis heute weigert sich die Gemeinde beispielsweise, für die Opfer von Massakern der Gebirgstruppe der Wehrmacht auf Kephallonia und in Falzano ein Denkmal zu errichten. Gemeinsam mit Überlebenden der nationalsozialistischen Besatzungs- und Vernichtungspolitik werden wir der Stadt deshalb in diesem Jahr ein bleibendes Denkmal übergeben, einen „Stein des Anstoßes“, der die Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen am Standort der 1. Gebirgsjägerdivision in den Ort tragen und befördern soll.
Unsere Kampagne „Angreifbare Traditionspflege“ hat die Gebirgstruppe in die Defensive gezwungen. Seit unserer ersten Intervention in Mittenwald 2002 nahm eine stetig wachsende Öffentlichkeit zur Kenntnis, welche Kriegsverbrechen Gebirgsjäger zu verantworten haben. Der dadurch gewachsene politische Druck führte unter anderem zu dem Verfahren gegen das Mitglied des Kameradenkreises Josef Scheungraber, der seit September 2008 in München vor Gericht steht. Seine Einheit hatte im August 1944 als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 15 ZivilistInnen in Falzano di Cortona in ein Bauerhaus gesperrt und es dann gesprengt. Bis auf einen 15-jährigen Jungen kamen alle Personen ums Leben. Das italienische Militärgericht in La Spezia verurteilte Scheungraber wegen dieses Verbrechens 2006 zu lebenslanger Haft. Es ist zwar ein Erfolg, dass der Prozess gegen Scheungraber nun überhaupt auch in Deutschland stattfindet und dass das Verbrechen auch hier nicht länger unter den Teppich gekehrt werden kann. Dennoch wird das Verfahren wohl leider auf einen Freispruch hinauslaufen. Damit wäre ein zentrales Ziel nicht erreicht: Ein insbesondere für die Angehörigen der Ermordeten offizielles Anerkennen, dass es sich um ein Kriegsverbrechen gehandelt hat.
Auch in Mittenwald selbst hat sich seit Beginn unserer Proteste einiges geändert:
Im Jahr 2001 konnte das Traditionstreffen noch als größtes deutsches Soldatentreffen mit bis zu 5000 TeilnehmerInnen rechnen. In den letzten Jahren kamen allerdings (nur) noch 500 bis 1000 Kameraden, KumpanInnen und Kriegsverbrecher auf den Hohen Brendten. Dies ist zum einen sicher der Tatsache geschuldet, dass viele unterdessen verstorben sind. Zum anderen ist aber sicher vielen der Spaß an ihrem geselligen Zusammensein mit den Kameraden gründlich verdorben, da sie jedes Jahr aufs neue mit dem Vorwurf konfrontiert werden, keine Kriegshelden, sondern Mörder zu sein.
Der wiederkehrende Protest hat zudem dafür gesorgt, dass immer weniger TouristInnen in Mittenwald einen Ort für ruhiges Entspannen sehen. Seit zwei Jahren muss die Traditionsfeier daher auf Drängen der Gemeinde Mittenwald auf andere Termine verlegt werden. Auch in diesem Jahr haben die Kameraden angekündigt, ihr Treffen zwei Wochen vor dem Pfingsttermin abzuhalten. Stattdessen werden wir zu Pfingsten vor Ort sein und den traditionellen Termin ihrer Heldenfeier inhaltlich neu besetzen:
Im Mittelpunkt werden gemeinsam mit Überlebenden die Erinnerung an die NS-Opfer und die Verbrechen der Täter stehen. Wir wollen damit den Teil der Kampagne abschließen, der sich gegen die Brendtenfeier und die Vertuschung der Verbrechen richtet. Mit dem Denkmal für die Bevölkerung Mittenwalds werden wir einen „Stein des Anstoßes“ im Ort der Täter schaffen, in dem sich die das Gedenken an die Opfer deutscher Kriegsverbrechen und deren Forderung nach Entschädigung manifestiert. Bildlich gesprochen: In Mittenwald ist jeden Tag Pfingsten. Die Leugnung der Kriegsverbrechen und die Verhöhnung der Opfer findet in der alljährlichen Brendtenfeier ihre Zuspitzung, doch sie ist Teil des Alltags im Divisionsstandort Mittenwald. Unsere Intervention zielt darauf, in diesem deutschen Alltag einen Ort des Erinnerns und der alltäglichen Auseinandersetzung zu schaffen.
Die Verdrängung der Verbrechen, die Auslöschung der Erinnerung an die Opfer und die Straflosigkeit der Täter ist die Voraussetzung für den Militarismus von heute. Die deutsche Justiz hat zum einen praktisch niemanden für die Massaker der Gebirgsjäger verurteilt. Deutsche Täter hatten im Nachkriegsdeutschland nichts zu befürchten. Zum anderen weigert sich die Bundesregierung bis heute, die Opfer oder deren Angehörige von SS-und Wehrmachtsmassakern in Italien und Griechenland zu entschädigen. Nun reichte die Bunderegierung sogar gegen rechtskräftige Urteile italienischer und griechischer Gerichte, die Deutschland zu Entschädigungszahlungen verpflichten, Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein. Dabei beruft sie sich auf die Staatenimmunität. In einer Zeit, in der die Bundeswehr, darunter zahlreiche Einheiten der Gebirgsjäger, weltweit Krieg führt, ist es offenbar notwendig, den Militärs juristisch den Rücken frei zu halten. Denn seit Mitte der 1990er Jahre kämpfen Gebirgsjäger in der Bundeswehr als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos „Spezialkräfte“ an zahlreichen Kriegsschauplätzen. Auch die Kriege der Gegenwart sind ohne Mord, Vergewaltigung und Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung nicht denkbar.
Diesem Zusammenhang zwischen der Entsorgung der Geschichte und dem aktuellen aktuellen Militarismus werden wir uns in Zukunft verstärkt widmen. Neben der historisch ausgerichteten Thematisierung des Militarismus werden die Unterstützung der Entschädigungsforderungen der NS-Opfer sowie die Forderung und kritische Begleitung von Gerichtsverfahren gegen deutsche Kriegsverbrecher ein wichtiger Bestandteil unserer antifaschistischen Initiativen sein. Diese historisch eingebettete Auseinandersetzung kann nicht umhin, auch den aktuellen Militarismus in die Fokus zu nehmen. Das Militär hat keine Zukunft. Es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen Entwicklung der Menschheit entgegensteht, in Mittenwald und überall.“

Quelle: http://www.keine-ruhe.org/node/109

Kontraste-Bericht deckt Wehrmachtstradition in der Bundeswehr auf

Ein Bericht des TV-Polit-Magazins „Kontraste“, gesendet am 09. April, verwies auf Wehrmachts-Rückstände in der Bundeswehr.

Beispiel: Bund deutscher Pioniere
Kontraste berichtet über das Traditionsverständnis dieses Ehemaligen-Verbandes:

Auf der Internet-Seite des Vereins stoßen wir unter der Rubrik Ehrungen auf eine ganze Liste von Ritterkreuzträgern der Wehrmacht. Wie selbstverständlich stellt der Bund deutscher Pioniere hier seine Verbundenheit mit Hitlers treuesten Soldaten zur Schau. Darunter auch Soldaten von SS-Divisionen wie „Das Reich“ oder „Wiking“. Diese Einheit hat mehrere Massaker an jüdischen Häftlingen begangen.

Von Verteidigungsminister Jung wurde daraufhin gefordert, er möge seine Ehrenmitgliedschaft im „Bund deutscher Pioniere“ aufzugeben.

Beispiel: interne Handbücher
Kontraste recherchierte den Inhalt interner Bundeswehr-Handbücher:

In ihnen lebt Hitlers Wehrmacht auf jeder Seite wieder auf. Hunderte Wehrmachts-Kriegsgeschichten werden hier dem Bundeswehrsoldaten vorgesetzt – die ihn bei der Ausbildung in „Kampf –Stimmung“ bringen sollen.
So findet sich darin zum Beispiel der Erlebnisbericht von einem Panzervernichtungstrupp 1944, Zitat:
„Die Panzerfaust schussbereit lauern wir und verfolgen die Stahlkolosse…Gespannt sehen wir, wie ein Kamerad, die Panzerfaust in der Hand, und von Deckung zu Deckung springend, den Panzer ‚angeht’ wie ein Jäger das Wild …Eine riesige Stichflamme und der Koloß brennt lichterloh.“
Immer wieder auch Landsergeschichten, die den angeblich heroischen Geist der Truppe im Rußlandfeldzug beschwören, Zitat:
„Das Vertrauen zur Führung ist unangetastet. Daß ständig kaum ausgeheilte Verwundete und Halbkranke zum ‚alten Haufen’ drängen, ist …ein Beweis für den Geist der Truppe…“
An anderer Stelle wird ein junger Offizier aus dem Jahr 43 zitiert, der sich über die eingeschlossenen Wehrmachtstruppen in Stalingrad empört, Zitat:
„Es fehlte jeder Kampf- und Abwehrwille.“

Oder:

Im Buch Üben und Schießen bedient sich die Bundeswehr sogar beim Thema soldatische Erziehung der Naziliteratur. Hinter dem Namen „Altrichter“ verbirgt sich ein Buch aus dem Jahre 1935 über das Wesen Soldatischer Erziehung. Darin ist vom „völkischen Geist“ des Soldaten die Rede, und:
„Den beherrschenden Mittelpunkt bildet die bei der Vereidigung dem Führer…gelobte Treue.““
Ein General Walter Spindler, General für die Ausbildung im Heer, äußert sich zu den Vorwürfen wie folgt:
„Gleichwohl gibt es militärische Grundweisheiten, die Einzelschützen, die Führer von Verbänden zu verinnerlichen haben. Und militärische Grundweisheiten existierten auch während der 12 Jahre eines totalitären Regimes.

Ein Telepolis-Artikel der an den Kontraste-Bericht anknüpft berichtet davon, dass ein Vorgänger-Werk von „Einsatznah ausbilden“ bereits 1987 den Deutschen Bundestag beschäftigte. Demnach sei „Einsatznah ausbilden“ bereits die entschärfte Version seines Vorgängers „Kriegsnah ausbilden“.

Quellen:
* Caroline Walter und Alexander Kobylinski: Unselige Traditionen – wie viel Wehrmacht steckt in der Bundeswehr?, 09.04.09, http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_9_4/unselige_traditionen.html
* Marcus Meier: Wehrmachtstraditionen: Mal einsatz-, mal kriegsnah, Telepolis, 11.04.09, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30106/1.html

Bundeswehrsoldat unter den Verdächtigen

Am 11. März 2009 hat die Polizei Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern einer neonazistischen Wehrsportgruppe in Winsen/Aller (Niedersachsen) durchsucht und dabei auch zahlreiche Waffen gefunden. Sieben Personen im Alter zwischen 17 und 26 Jahren, vier Erwachsene und drei Jugendliche, werden verdächtigt folgende Straftaten verübte zu haben:
* Bildung einer bewaffneten Gruppe
* Verstoßen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz
* Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
Bei der Durchsuchung wurden knapp 20 Waffen gefunden, darunter zahlreiche Softair-Waffen, ein Luftgewehr, Schreckschusspistolen und Deko-Waffen, die mit Schwarzpulver geladen gewesen seien. Die Nazi-Truppe nannte sich „Division 88″. Die Zahl 88 steht in der Nazi-Szene für zweimal den achten Buchstaben im Alphabet: HH, kurz für „Heil Hitler“.
Unter den mutmaßlichen Mitgliedern der Wehrsportgruppe sei auch, so die Behörden, ein Bundeswehrsoldat, der derzeitig in einer Kaserne im Raum Wilhelmshaven stationiert wäre.

Quellen:
* NPD-Blog: Nazi-Wehrsportgruppe gegen muslimische Terroristen?!?, 12.03.09,
http://npd-blog.info/2009/03/12/nazi-wehrsportgruppe-gegen-muslimische-terroristen/
* ad: Umfangreiches Waffenarsenal sichergestellt, „Blick nach rechts“, 13.03.2009, http://www.bnr.de/bnraktuell/aktuellemeldungen/umfangreicheswaffenarsenalsichergestellt/

Traditionsverband trifft Bundeswehr

Der bis heute bestehende „Traditionsverband ehemaliger Kolonial- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ beruft sich auf eine über 100jährige Tradition von „Kolonialkriegervereinen“. Die Veteranen, die sich in diesen Vereinen sammelten waren beteiligt an allerhand Massakern und Aufstandsniederschlagungen der gegen ihren Willen Kolonisierten und Ausgebeuteten.
Traditionsverband in Farbe

Die deutsche Kolonialherrschaft kostete mehrere hunderttausend Menschen das Leben. Allein bei dem Boxerkrieg in China, in dem mit deutscher Beteiligung ein Aufstand brutal niedergeschlagen wurde, starben Tausende. Nach der Entsetzung des Diplomatenviertels sandte der deutsche Kaiser Wilhelm II fast 20.000 deutsche Soldaten nach China und hetzt sie vor ihrer Abfahrt am 27. Juli 1900 in Bremerhaven mit seiner berüchtigten Hunnen-Rede auf, in der er dazu auffordert keine Gefangene zu machen.
Bei der Niederschlagung von Aufständen in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1903 bis 1909 starben etwa 70.000 Einheimische und bei der Niederschlagung des Maji-Maji-Krieges 1905 im Süden des heutigen Tansania durch deutsche Truppen und ihre arabischen und einheimischen Verbündeten kam es zu über 150.000 Toten.
Bei den Kämpfen zwischen britischen und deutschen Kolonial-Truppen unter General von Lettow-Vorbeck in Ostafrika starben 1914-17 hunderttausende von Menschen, in der Mehrheit Zivilisten.

Es ist notwendig, dass unsere Zivilisation ihren Tempel auf Bergen von Leichen, auf einem Ozean von Tränen und auf dem Röcheln unzähliger Sterbenden errichtet.

Graf Haseler (1893)

Heute sammeln sich im Traditionsverband natürlich keine Veteranen mehr. Der letzte Schutztruppen-Angehörige im Traditionsverband verschied 1991. Die neue Generation besteht aus Kolonialnostalgikern und Kolonialgeschichtsrevisionisten, die nicht selten aus den Reihen der Bundeswehr entstammen oder über familiäre Verbindungen zur deutschen Kolonialgeschichte verfügen. Auch einige politisch weit rechts stehende Personen engagieren sich im Traditionsverband. Dieser darf auch insgesamt als äußerst rechtslastig eingestuft werden.

Bei der Durchsicht des Verbandsorgan „Mitteilungsblatt“ wird eine jahrzehntelange gute Beziehung zwischen Traditionsverband und Bundeswehr offenbar. Eine Auswahl an Zitaten im Folgenden spricht für sich.

Über die Beisetzung des Generals v. Lettow-Vorbecks am 13. März 1964 in der Familiengrabstätte in Pronstorf (Schleswig-Holstein) heißt es:

Von den Morgenstunden an hielten dort am Sarge sechs Stabsoffiziere der 6. Panzergrenadier-Division Neumünster die Totenwache.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Nach der Feier in der Kirche nahmen das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der 6. Panzergrenadier-Division sowie ein Ehrenzug des Borkumer Seebataillons der Marine auf dem Friedhof Aufstellung, um dem Toten die letzten militärischen Ehren zu erweisen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch erklang hierbei das „Preußen-Lied“.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Von der Bundeswehr nahmen hohe Offiziere an der Beisetzung teil – u.a. der Befehlshaber im Wehrbezirk I, Konteradmiral Rösing, der Kommandeur der 6. Panzergrenadier-Division, Generalmajor Haag, der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor de Maziere.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 4)

Über die Trauerrede des Bundesverteidigungsministers und späteren Verbandmitglieds von Hassel heißt es:

Der neuen Bundeswehr habe der General wesentliche Elemente der militärischen Führungskunst vorgelebt, indem er sich selbst die gleichen hohen Leistungen abforderte, wie seinen Untergebenen. Seine Kriegsführung auf der Grundlage von Ritterlichkeit und Anständigkeit verdiene den dank der jungen Generation.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 5)

Eine weitere Beziehung ergab sich zum Instandsetzungsbataillon 6 der Bundeswehr. Dieses Bataillon war in der Kaserne untergebracht, die den Namen des Generals trug. Hier war vor dem Krieg das Infanterieregiment 69 der Wehrmacht kaserniert, das ebenfalls die Tradition der deutschen Schutztruppe fortgeführt hatte.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 54)

Der Vorsitzende KLAUS VOLLMER [ein Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr; B-Bw] konnte dank seiner ehemaligen Dienststellung bei der Bundeswehr nicht nur die Verbindung mit der ´Aktiven Truppe´ intensivieren.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 72)

Traditionsverband und Auslandseinsätze
Das Cover des Verbandsblattes beweist, dass der Traditionsverband die Auslandseinsätze der Bundeswehr in kolonialer Tradition sieht