Archiv der Kategorie 'Heer'

Rechte Vorkommnisse auf KSK-Feier

Am 27. April 2017 gab es auf einer Schießanlage in der Nähe von Stuttgart auf der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des „Kommando Spezialkräfte“ ein Schweinskopfwerfen. „Außerdem sollen mehrere Soldaten den Hitlergruß gezeigt sowie Rechtsrock gehört haben.“

Verwendete Quelle:
* Rechtsextremismus: Ermittlungen gegen Elitesoldaten, NRZ, 17.08.2017,
https://www.nrz.de/politik/rechtsextremismus-ermittlungen-gegen-elitesoldaten-id211613103.html

Soldat gibt sich als Flüchtling aus, offenbar um Anschlag zu planen

Im unterfränkischen Hammelburg wurde am 26. April Franco A. aus Offenbach, einen 28-jährigen Oberleutnant der Bundeswehr, verhaftet, der eigentlich im französischen Illkirch stationiert ist. Offenbar plante er oder eine Gruppe einen Anschlag entweder auf Flüchtlingsheime oder als so genannte false-flag-Operation.
Er hatte sich im Dezember 2015 in Erstaufnahmeeinrichtung im hessischen Gießen als syrischer Flüchtling ausgegeben. Dabei sprach er nur Französisch und gab sich als Sohn einer christlichen Obstanbauerfamilie und Teil einer französischen Minderheit in Syrien aus. Das Täuschungsmanöver wirkte, ihm wurde vom „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ sogenannter subsidiärer Schutz gewährt.
Erneut wurde er Anfang Februar in Wien vorübergehend festgenommen, weil eine auf einer Flughafentoilette versteckte Pistole abholte. Jedoch ließen ihn die österreichischen Behörden laufen, obwohl sie zuerst ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes gegen ihn eröffnet hatten. Immerhin informierten sie das BKA, wodurch Franco A. offenbar in den Fokus der deutschen Behörden geriet. Diese durchsuchten am 26. April zusammen mit österreichischen und französischen Kolleg*innen 16 Wohnungen und Diensträume der Bundeswehr in Illkirch, Schwarzenborn, Idar-Oberstein und in Munster. Dabei fanden sie Waffen, Sprengstoff und „Anhaltspunkte für ein fremdenfeindliches Motiv“, wie es hieß.
Neben Franco A. wurde auch ein Offenbacher Student festgenommen. Inzwischen ist von bis zu fünf Personen die Rede.
Hinweise auf Franco A.s extrem rechte Gesinnung hatte es schon früh gegeben. Er studierte ab 2009 an der französischen Militärschule Saint-Cyr und verfasste bis Ende Dezember 2013 eine Masterarbeit und reichte sie ein. Diese Masterarbeit wurde 2014 von französischen Professoren als extremistisch und nicht vereinbar mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingestuft. Sie trug den Titel „Politischer Wandel und Subversionsstrategie“. Ein Bundeswehrgutachter meinte: „In manchen Teilen liest sich der Text wie eine Gebrauchsanweisung für rassistische Propaganda“ und „Die Liste der Feindbilder des Verfassers ist ebenso bunt wie lang“. Wegen des Inhalts wurde Franco A. nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen und die Arbeit wurde als „nicht bestanden“ bewertet. Darauf schrieb Franco A. eine neue Masterarbeit. Dafür erhielt er am 22. Juli 2014 seinen Abschluss in Staats- und Sozialwissenschaften an der Saint-Cyr.
Das Verteidigungsministerium dagegen will erst seit kurzem vom Inhalt der Masterarbeit wissen.
Inzwischen sind auch Bilder von der Stube von Franco A. aufgetaucht. Zu sehen ist u.a. das Gehäuse eines Sturmgewehrs Typ G 36 mit eingeritztem Hakenkreuz und eine Pergament-Urkunde aus dem Dritten Reich.

Jungoffiziere appellieren: Zurück zum soldatischen Heros und Pathos!

Für den 11. Februar 2016 ist in Berlin in der neurechten „Bibliothek des Konservatismus“ der Vortrag „Armee im Aufbrauch“ mit dem Referenten Florian Rotter angekündigt.
Rotter, Florian Screenshot
Der Vortragstitel ist zugleich auch der Titel eines Sammelbandes, an dem Rotter mitgeschrieben hat.

Auch ohne den Band gelesen zu haben, scheint der Inhalt des Buches den Rezensionen nach bedenklich zu sein.

Gemeint ist der von Marcel Bohnert und Lukas J. Reitstetter 2014 herausgegebenen Sammelband „Armee im Aufbruch. Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr“, der im Berliner „Carola Hartmann Miles-Verlag“ erschienen ist.

In der kritischen Rezension „Kommunikation in Uniform“ Magazin „konkret“ 4/15 zitiert der Rezensent Peer Heinelt aus dem Buch:

„Wo frühe Vorgänger der bundesdeutschen Gesellschaft die Verehrung des Opfers im Namen des Vaterlandes […] als zentrale Quelle sozialen Zusammenhalts praktizierten, ist heutzutage eine sehr misstrauische Haltung gegenüber jedem kriegerischen Altruismus zu beobachten. […] Zu unserer Gesellschaft gehören heute mehr denn je Dekadenz, unkontrollierte Gewalt und Rücksichtslosigkeit. Zu der postheroischen Gesellschaft gehören Defätisten, radikale Hedonisten und arrogante Selbstdarsteller.“

Es wird also der Verlust des Krieger-Ethos und des Pathos beklagt.
Den Mitautor Birkhoff zitiert er mit den Worten:

„Während in der Zivilgesellschaft Diskurs und politische Differenzen die demokratische Kultur bereichern, wirken sie als Charakterzug eines militärischen Führers wie lähmendes Gift.“

Das ist eine klare Absage an das Modell des ‚Staatsbürgers in Uniform‘.
Der Autor Rotter fordert laut Heinelts Rezension eine Rückbesinnung auf „klassische preußische Tugenden“.

Auch in der konservativen FAZ wird das Buch von Gerald Wagner in seiner Rezension „Keiner weiß, wie der Landser tickt“ vom 9. Dezember 2015 eher kritisch betrachtet.
Auch Wagner fällt die Verachtung der Jungoffiziere für das Zivile auf. Niemand „weiß, wie ,die Landser‘ ticken“, so der O-Ton im Buch.
Er zitiert den Autor Florian Rotter, nach dem die deutsche Gesellschaft „hedonistisch und individualistisch“ sei, die „Essenz der gesellschaftlichen Werte“ seien „Selbstverwirklichung, Konsumlust, Pazifismus und Egoismus“.
Und der Autor Pritzke schildere die „individualisierte Gesellschaft“ als „breite Masse“, von der sich die „Elite des deutschen Offizierskorps abheben“ müsse.
Bei Wagner laufen solche Kommentare als „geistiges Säbelrasseln“.

Das die Rezension zu dem Sammelband in dem neurechten Strategiemagazin „Sezession“ positiv besprochen wurde und diese Rezension auf die Homepage zum Buch unkommentiert gestellt wurde, verwundert da kaum.

Jungrechter Jungoffizierskreis

Die gefällige Rezension bei „Sezession“ und der Referenten-Auftritt Rotters bei der neurechten „Bibliothek des Konservatismus“ dürften kein Zufall sein, denn mehrere der AutorInnen weisen Kontake zur rechten Szene auf.

Bei den 16 AutorInnen von „Armee im Aufbruch“ handelt es sich mehrheitlich um Studierende der Politikwissenschaft, Geschichte und Pädagogik an der „Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr“ in Hamburg. Die meisten haben den Rang eines Leutnants inne.

Hauptmann Marcel Bohnert (* 1979) ist nicht nur Autor, sondern auch einer der beiden Herausgeber. Laut der zum Buch gehörenden Homepage „www.armee-im-aufbruch.de“ war der Offizier bereits mehrfach im Auslandseinsatz: „Er war 1999/2000 Gruppenführer in der Task Force Zur im Kosovo sowie 2011/2012 Chef einer Infanteriekompanie in der Task Force Kunduz in Afghanistan.“
Bohnert war aber auch am 15. November 2014 als Referent für das deutschnationale „Studienzentrum Weikersheim“ in Tübingen angekündigt. Überdies war er Mitautor des Sammelbands „Soldatentum. Auf der Suche nach Identität und Berufung der Bundeswehr heute“ (München, 2013), an dem sich auch neurechte Offiziere beteiligten.

An „Soldatentum“ hat ebenso wie an „Armee im Aufbruch“ auch der Offizier Martin Böcker mitgeschrieben.
Böcker war Chefredakteur des Uni-Magazins „Campus“ der Münchner Bundeswehr-Universität, was es durch eine zeitweilige neurechte Unterwanderung in die Schlagzeilen schaffte. Böcker war auch Autor für das rechte Infoportal „blauenarzisse.de“, den „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009), das neurechte Strategieblatt „Sezession“ und die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Am 13. Dezember 2013 referierte Böcker bei der Tübinger Burschenschaft Germania Straßburg zum Thema „Die Aktualität der Idee des Staatsbürgers in Uniform“.

Hitlergrüße eines Soldaten in Schweinfurt vor Gericht

Im März diesen Jahres stand der Oberfeldwebel K. vor Gericht, der in einem Dienstzimmer des Gebäudes 324 der Kaserne im bayrischen Hammelburg (Kreis Bad Kissingen) am 25. Oktober 2011 den Hitlergruß entbot und auch .K.s Freund, Hauptfeldwebel A., Ranghöchste im Raum, grüßte in derselben Weise zurück.
Den auch anwesenden Hauptgefreiten P. fordert der Hautfeldwebel auf ihm nach zu tun: „Und, was ist mit dir?“ Dieser ziert sich zunächst. „Mach das jetzt“, befiehlt er schließlich. Als der Hauptgefreite dann den linken Arm anhebt, korrigiert er: „Nein, den anderen.“ Der Untergebene gehorcht ihm.
Nach dem Bekanntwerden dieses Vorfalls wurde der Hauptfeldwebel (33) in den Innendienst versetzt, ein Disziplinarverfahren eingeleitet und er später vom Dienst suspendiert. Seit September 2012 ist Hauptfeldwebel A. bei gekürzten Bezügen von rund 1.600 Euro im Monat vom Dienst befreit. Nun hat sich auch der Oberfeldwebel vor Gericht verantworten müssen.
Das Amtsgericht Bad Kissingen verurteilte nun den 33jährigen Hauptfeldwebel, Berufssoldat und Lehrgangsleiter zu sechs Monaten auf Bewährung plus Geldauflage verurteilt und das Landgericht Schweinfurt
verwarf seine Berufung gegen dieses Urteil. Dagegen legte der Verurteilte Revision vor dem Oberlandesgericht Bamberg ein.
Allein aufgrund eines Formfehlers zu den Rechtsfolgen wurde das Urteil wieder aufgehoben und das Verfahren an eine andere Kammer des Landgerichts Schweinfurt zurückverwiesen. Aber die Schuld selbst gilt bereits als rechtskräftig festgestellt.
Da eine Freiheitsstrafe zu seinem Rauswurf aus der Bundeswehr führen würde, versucht der
Verteidiger des Hauptfeldwebels eine Geldstrafe statt einer Freiheitsstrafe zur Bewährung erreichen. Für den Angeklagten sei der Soldaten-Beruf immer sein Traum gewesen: „Ich lebe für die Bundeswehr.“
Auf den Hauptfeldwebel wartet ein weiteres Verfahre vor einem Truppendienstgericht.
Außerdem gebe es ein Handy-Video vom Übungsdorf Bonnland, gedreht vom Oberfeldwebel K., der sich vom Angeklagten mit dem Hitlergruß im Dienstzimmer verabschiedet hatte. Darauf sei ein Soldat in weißer Schneetarnuniform zu sehen, der wie ein Mitglied des rassistischen amerikanischen Ku-Klux-Klan mit einem brennenden Kreuz „herumhüpft“ und „White Power“ rufe. Zudem sei ein Gebäude im Bonnland sei als „Wolfsschanze“ bezeichnet worden – der Name eines „Führer-Hauptquartiers“.
Offenbar handelte es sich bei den Hitlergrüßen nicht um einen einmaligen Vorfall.

Quelle:
* Stefan Sauer: Hitlergruss in der Kaserne: Soldat vor Gericht, Main-Post, 06.03.2015, http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Hitlergruss-in-der-Kaserne-Soldat-vor-Gericht;art495764,8609019

Bundeswehr-Fallschirmjäger a.D. sprach 2012 auf rechten Kreta-Gedenken in Österreich

Landser - Angriff auf Kreta

Auch im eingestellten Magazin „Der Landser“ wurde dem deutschen Überfall auf Kreta gehuldigt

Aus dem Grazer Magazin „Enterhaken“ Nr. 25:

Seit knapp 60 Jahren treffen sich jährlich um den 20.Mai, den Jahrestag des deutschen Überfalls auf Kreta 1941, Veteranen von Gebirgsjäger- und Fallschirmjägereinheiten in Gniebing, nahe Feldbach in der Südoststeiermark. Hier wird sowohl der Eroberung Kretas durch deutsche Truppen gedacht wie auch der Eroberung der von der Roten Armee schon befreiten Stadt Feldbach durch Fallschirmjäger und Waffen-SS im Jahr 1945.
Veranstaltungsort ist die Karnerhöhe in der Gemeinde Gniebing. Das Denkmal, das im Zentrum des Aufmarsches steht, besteht aus einer 13 Meter hohen Steinsäule, auf der ein Adler im Sturzflug sitzt, auf dem Denkmal selbst sind mehrere Tafeln angebracht, darunter eine mit der Widmung: “Hier kämpften und fielen in den ersten Apriltagen des Schicksalsjahres 1945 deutsche Fallschirmjäger. Getreu ihrem Eid und Gehorsam der beschworenen Pflicht.”
In den letzten 5 Jahren schwankte die TeilnehmerInnenzahl stark. Nahmen 2008 nur ca. 30 Personen teil, waren es 2011 und 2012 rund 200. Die TeilnehmerInnen, darunter Burschenschafter und Mitglieder der KIV, der Veteranenorganisation der Waffen-SS, marschieren mit Musik, KranzträgerInnen und Fahnenabordnungen als “Schweigemarsch” zum Denkmal. Kamerad betrauert die Toten, ehrt den Heldenkampf und versichert sich gegenseitig „ewiger“ und „wahrer“ Werte. Doch welche zwei Operationen des „Dritten Reiches“ werden „gefeiert“?

In einem längeren Bericht auf dem Blog des „AK Hinterland“ wird aus der Ansprache eines Oberleutnant a.D. der Bundeswehr Jochen Haupt von 2012 zitiert, der als Repräsentant des „Bundes Deutscher Fallschirmjäger“ vor Ort war eine Rede hielt:

Am Fallschirmjägerehrenmal in Feldbach/Steiermark fand ich folgende Inschrift: ‚Die für das Vaterland starben, ehren wir am besten, wenn wir für das Vaterland leben.‘ Dem heutigen deutschen Durchschnittsbürger ist das Wort Vaterland zumindest suspekt, für ihn spielt das Vaterland keine große Rolle mehr. Militärische Tugenden werden argwöhnig beäugt, Einsatz für das Vaterland erscheint heute vielen nach Jahrzehnten der Sicherheit und des Wohlergehens eher lächerlich. Umso mehr ist davon auszugehen, dass für die Mehrzahl der hier in Gottes Frieden ruhenden Deutschen Fallschirmjäger das Vaterland in ihren Wertevorstellungen ganz vorn stand. Über 4.500 meist ganz junge Männer, viele unter 20 Jahre alt, gaben ihr junges Leben für ihre Überzeugungen.

Dass diese Überzeugungen nationalsozialistischer Art waren, wird nicht erwähnt.

* Mehr unter: http://akhinterland.wordpress.com

Misshandlung von Soldaten in Thüringer Kaserne

Die Zeitung „Die Welt“ berichtete:

Im Fall des misshandelten Bundeswehrsoldaten in der Werratal-Kaserne in Bad Salzungen sind neue Details bekannt geworden. Laut Medienberichten soll das mutmaßliche Opfer von drei Kameraden mit Nadeln aus einem Tackergerät beschossen worden sein. Wie „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel Online“ am Samstag berichteten, sollen die Männer den Soldaten zudem mit Filzstiften bemalt, mit starkem Klebeband gefesselt und mit obszönen Videofilmen gedemütigt haben. Der Soldat hatte sich an einen Gruppenführer gewandt.
Die Kameraden sollen die Verpflegung des mutmaßlichen Opfers mit ihren Geschlechtsteilen berührt und dies gefilmt haben, wie die „SZ“ schreibt. Das Filmmaterial soll dem Soldaten vorgespielt worden sein, nachdem er die Nahrung gegessen hatte. Der junge Mann berichtete auch, die drei Zeitsoldaten hätten sein Gesicht mit Filzstift bemalt, Ausrüstungsgegenstände zerstört, ihm mit einer Feldmütze ins Gesicht geschlagen sowie ihn in den Schwitzkasten genommen und über den Flur gezogen.
Ein Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Meiningen konnte die Informationen am Samstag nicht bestätigen. Der Behörde liege die Strafanzeige noch nicht vor, Details könnten daher noch nicht genannt werden.“
Ähnlicher Fall bei der Marine
Den Berichten zufolge sollen sich die Übergriffe im Oktober und November in der Werratal-Kaserne abgespielt haben. Demnach wandte sich der Soldat wegen der Misshandlungen schließlich vergangenen Mittwoch an einen Gruppenführer. Der Verdacht richtet sich nun gegen drei Soldaten des Panzergrenadierbataillons 391 aus der Werratal-Kaserne, darunter ein Unteroffizier. Alle drei sollen ihrem mutmaßlichen Opfer dem Rang nach vorgesetzt sein.

Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Bundestages wiegelte gegenüber der Presse ab: „Vergleichbare Fälle gibt es leider immer wieder einmal, eine Häufung oder gar ein systematisches Problem kann ich aber momentan nicht erkennen“.
Eine streng hierarchische und wenig transparente und demokratische Institution wie die Bundeswehr erleichtert aber durchaus derartige Fälle von Misshandlungen.

Quelle:
* dpa/sara: Bundeswehrsoldat wohl mit Tackernadeln beschossen, „Die Welt“, 14.12.13, http://www.welt.de/politik/deutschland/article122940790/Bundeswehrsoldat-wohl-mit-Tackernadeln-beschossen.html

NSU-Helfer André E. lernte Waffengebrauch bei Bundeswehr

Die „taz“ berichtet in einem Artikel:

Der Neonazi André E. war erst wenige Tage bei der Bundeswehr im thüringischen Gotha, da kommt einem Oberleutnant zu Ohren, dass sein neuer Panzerschütze politisch schwierige Ansichten vertritt. Er fragt André E., ob dieser ein „Anhänger rechtsextremem Gedankenguts“ sei. Der antwortet: „Ich denke nationalsozialistisch.“ Ob er rechtsextreme Tattoos habe, will der Oberleutnant von André E. weiter wissen. Ja, sagt der, unter anderem habe er „Blut und Ehre“ eintätowiert, „da ich die militärische Leitung der SS bewundere“.
Danach flog André E. nicht etwa aus der Bundeswehr, sondern durfte noch zehn Monate bis zum Ende seines Wehrdienstes im August 2000 bleiben.
Wenige Tage nach der Befragung begann die Schießausbildung. Der bekennende Nationalsozialist lernte das Ballern mit dem Sturmgewehr G3, der Pistole P8 und das Handgranatenwerfen – und wurde zum Gefreiten befördert.“
Weiter heißt es in dem Artikel:
„Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im November 2011 fanden die Beamten neben Nazi-Devotionalien auch André E.s Dienstzeugnis von der Bundeswehr. „Im Kameradenkreis war er anerkannt“, bescheinigte ihm der Kompaniechef darin. Für seinen weiteren Werdegang wünsche er ihm „alles Gute, viel Glück und Erfolg“.

André E., Jahrgang 1979, kommt aus Zwickau, stammt aber aus Johanngeorgenstadt. Er war Mitglied der Nazi-Gruppe „Brigade Ost“. Er soll angeblich Mitglied der 2009 verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) gewesen sein. Mit seinem Zwillingsbruder Maik E. besuchte er geheime Lager der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ in Thüringen.
Der (frühere?) Nazi-Skin soll seit mindestens 2001 NSU-Unterstützer gewesen sein. Er soll 2007 gemeinsam mit seiner Ehefrau das Propagandavideo hergestellt haben. Jedenfalls nutzten Zschäpe und Böhnhardt Bahncards, die auf die Namen von André und dessen Frau Susann ausgestellt waren, bezahlt wurden diese Karten von E.s Konto. Außerdem hat er für die drei Untergetauchten in der Zeit von 1999 bis 2000 eine Wohnung in einem Chemnitzer Plattenbau angemietet. E. betrieb den Nazi-Versand „Caput Mortuum“ (Deutsch: „Totenkopf“) für Szene-T-Shirts.

Quelle:
* Wolf Schmidt: SS-Fan am Sturmgewehr, 07.11.2012, http://www.taz.de/Neonazis-in-der-Bundeswehr/!105086/

PM Demonstration „Entnazifizierung und Entmilitarisierung“ in Bad Reichenhall

Dieser Blog veröffentlicht mit einiger Verspätung eine Pressemitteilung des antifaschistischen RABATZ-Bündnis:
„Am Samstag, 19. Mai 2012 demonstrierten  in Bad Reichenhall rund 150 Menschen für die „Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“. Auf der vom RABATZ-Bündnis organisierten Demonstration  wurde unter anderem der Umgang mit der Neonaziszene in Bad Reichenhall  kritisiert und ein Ende der ungebrochen rechten Traditionspflege durch die Bundeswehr gefordert. „Wir sind heute hier, um rechte Traditionspflege der Bundeswehr
anzugreifen. Dabei wollen wir keineswegs den Ruf der Bundeswehr oder den Ruf des Ortes Bad Reichenhall retten, sondern den militaristischen Normalzustand in der oberbayerischen Provinz angreifen.“ Mit diesen Worten startete einer der ersten Redebeiträge auf der antifaschistischen Demonstration. Die Polizei hingegen schien andere Ziele zu verfolgen: Unter juristisch äußerst fragwürdigen Vorwänden wurde die Demonstration mehrfach gestoppt und ein reibungsloser Ablauf verhindert. Ohne gesetzliche Grundlage mussten sich Anreisende beinahe ausnahmslos schon
bei der Ankunft Taschen und Rucksäcke durchsuchen lassen und ihre Personalien aufnehmen lassen. Neben den völlig übertriebenen Kontrollen schon vor Beginn der Demonstration, wurden einzelne Demonstrationsteilnehmer*innen dazu gezwungen Fahnenstangen abzusägen. Die zahlreichen Repressalien, denen die Demonstrationsteilnehmer*innen ausgeliefert waren, stehen nach Auffassung der Veranstalter*innen im Widerspruch zu demokratischen Grundrechten wie der im Grundgesetz formulierten Versammlungsfreiheit. „Dass die Demokratie nicht durch uns Antifaschisten und Antifaschistinnen gefährdet ist,“ so Maximilian Buchner, Pressesprecher des Rabatz-Bündnis, „sondern dadurch, dass von Seiten der Staatsgewalt Teilnehmer*innen antifaschistischer Demonstrationen gegängelt werden, hat sich in Bad Reichenhall wieder einmal gezeigt. Die Stadt Bad Reichenhall und das Landratsamt Berchtesgadener Land, das die Durchführung der Demonstration mit völlig unverhältnismäßigen Auflagen eingeschränkt hat, hatte alle Register gezogen, um einer längst überfälligen Auseinandersetzung mit der  in der Stadt betriebenen geschichtsrevisionistischen Gedenkpolitik um Kretabrückenfest und SS-Gedenken sowie dem lokalen Naziproblem aus dem Weg zu gehen.“
Erst vergangenen Samstag konnte in Bad Reichenhall am Kugelbach ein SS-Gedenken störungsfrei stattfinden bei dem sich ca. 70 Neonazis zusammenfanden. Bei der letztjährigen SS-Feier waren auch die beiden verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger anwesend, die 2003 wegen einem geplanten Sprengstoff-Attentat auf die Grundsteinlegung des jüdischen Kulturzentrums in München inhaftiert wurden.
Am kommenden Dienstag soll in Bad Reichenhall, unter Beteiligung der Bundeswehr, wieder die sogenannte „Kretagedenkfeier“ des örtlichen Kameradenkreis der Gebirgstruppen stattfinden. Der oftmals als „Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher“ bezeichnete Kameradenkreis wurde u.a. von dem als „der Schlächter von der Krim“ bekannten Nazi-General Rudolf Konrad gegründet. Das RABATZ-Bündnis befürchtet, dass dort erneut „Geschichtsklitterung betrieben und der Angriffskrieg der Wehrmacht auf Kreta glorifiziert wird“.  Nach Auffassung des Vorsitzenden des örtlichen Kameradenkreises der Gebirgstruppen, Manfred Held, stehe das Gedenken im Zeichen „sinnloser Gewalt von beiden Seiten“. Buchner ist empört über solche Aussagen: „ Der Widerstand der kretischen Zivilbevölkerung und der Partisanen war legitim und alles andere als sinnlos, denn jeder Widerstand gegen die Wehrmacht hat dazu beigetragen, den Krieg schneller zu beenden und damit, Europa vom Faschismus zu befreien“.

Österreich: „Kreta-Gedenken“ diesmal ohne Bundesheer?

Die österreichische Zeitung „Der Standart“ berichtet über eine umstrittene Gedenkveranstaltung in Gniebing in der Steiermark:

Am Samstag soll im steirischen Gniebing (Bezirk Feldbach) wieder eine Gedenkveranstaltung stattfinden, zu der die Vereine Kameradschaft vom Edelweiß, der Militär Fallschirmspringer Verbund-Ostarrichi und der Bund ehemaliger Fallschirmjäger einladen. Zumindest von 2009 bis 2011 nahmen dort auch Rekruten und Offiziere des Bundesheers teil, wie Fotos, die die Veteranenvereine online stellten, beweisen.
Laut Einladungstext von 2011 gedenkt man dem Überfall der Wehrmacht auf Kreta 1941 und dem als „heldenhaft“ bezeichneten Kampf gegen die Alliierten im Frühling 1945 im Raum Feldbach.
Dass das Bundesheer an Veranstaltungen teilnimmt, bei denen des NS-Regimes gedacht wird, ist durch den sogenannten Traditionserlass verboten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte dem Standard bisher nur die Teilnahme junger Soldaten im Vorjahr, erklärte diese aber damit, dass „eines 2010 verstorbenen jungen Bundesheersoldaten, der aus Feldbach stammte, gedacht wurde“. Ob dabei „gegen einschlägige Bestimmungen des Bundesheers verstoßen wurde, wird umgehend untersucht werden“, heißt es weiter. Für heuer ist die Teilnahme von Bundesheerangehörigen jedenfalls verboten. Grün-Abgeordneter Harald Walser, der das Gedenken mit jungen Soldaten aufdeckte, reicht das nicht: „Wieder reagiert der Minister nur mit Einzelweisung, es braucht nachhaltige Lösungen.“

Quellen:
* cms: Veteranenfeier: Ministerium prüft Teilnahme von Heer, Der Standart, 18. Mai 2012, http://derstandard.at/1336697148336/Steiermark-Veteranenfeier-Ministerium-prueft-Teilnahme-von-Heer
* Gniebing (Stmk) / Hörsching (OÖ) : Rechte Umtriebe beim Heer, 18. May 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/05/18/gniebing-stmk-horsching-oo-rechte-umtriebe-beim-heer/

PM „Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren“ vom 22.04.2012

Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren Die „General-Konrad-Kaserne wird umbenannt“, dass berichtet die
„Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens am Freitag den 20.04.2012 [1]. Dem Bericht zufolge habe das Bundesverteidigungsministerium angekündigt, die General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall noch im Laufe dieses Jahres umbenennen zu wollen. Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) bestätigte in dem
TV-Bericht diese Meldung. Wörtlich sagte er: „Es ist in der Tat richtig, dass der bisherige Name der General Konrad Kaserne umbenannt werden soll. Das ist jetzt ein Thema, das man angehen kann, weil jetzt erst klar ist, dass die Kaserne überhaupt weiterhin besteht“. Zum möglichen neuen Namen wollte sich Schmidt laut Süddeutscher Zeitung [2] nicht äußern. Nachdem der Nazigeneral Konrad auch für das Bundesverteidigungsministerium untragbar geworden ist, sieht das RABATZ-Bündnis nun auch Bad Reichenhalls Bürgermeister Herbert Lackner (CSU) in der Pflicht. Er solle sich von dem von General Konrad gegründeten Kameradenkreis der Gebirgstruppe distanzieren, so Anna Jade eine Sprecherin des Bündnisses. Dieser von Kritikern als „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ [3] bezeichnete Kameradenkreis organisiert jährlich im Mai in Bad Reichenhall eine sogenannte „Kreta Gedenkfeier“. Dazu Anna Jade wörtlich: „Es ist ein Skandal, dass ein demokratischer Bürgermeister bei einer solch geschichtsrevisionistischen Gedenkfeier, bei der die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt werden, teilnimmt“.

1 http://www.br.de/themen/aktuell/inhalt/kaserne-bad-reichenhall-umbenennung100.html

2 http://www.sueddeutsche.de/V5938X/583965/Reichenhaller-Kaserne-wird-umbenannt.html

3 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html

PM „Bad Reichenhall: Kasernenumbenennung kann nur ein erster Schritt sein“

Der in den Medien [1] diskutierte Vorschlag der “Initiative gegen falsche Glorie“, die nach dem dem Nazigeneral Konrad („Schlächter von der Krim“ [2]) benannte Bad Reichenhaller Kaserne endlich umzubenennen, wird vom Rabatz Bündnis begrüßt. Das Bündnis hatte in der Vergangenheit
mehrfach auf die skandalöse Namensgebung und rechte Traditionspflege hingewiesen [3].
An der menschenverachtenden Ideologie von General Konrad besteht für das Rabatz Bündnis keinerlei Zweifel. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte der Bad Reichenhaller Nazigeneral [4]: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück“. Der Kasernenname steht für das Rabatz-Bündnis symbolisch für die kontinuierliche rechte Traditionspflege in Bad Reichenhall. Konrad war nach dem II. Weltkrieg auch an der Gründung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ beteiligt.
Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“

Der von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnete „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ veranstaltet noch immer jährlich im Mai eine sogenannte Kretagedenkfeier. Dabei wird der „Kampf um Kreta“ „gefallenen“ Reichenhaller Gebirgsjäger und dem Bombenangriff auf Reichenhall gedacht, wobie die Täter_innen zu Opfern und Held_innen
verklärt werden. Dass Rabatz-Bündnis geht davon aus, dass dabei auch dieses Jahr die auf Kreta begangenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht (über 3500 Zivilist_innen wurden ermordet und über 30 Dörfer komplett zerstört) im Allgemeinen und die Greueltaten der Reichenhaller Gebirgstruppe im Besonderen (u.a. die Zerstörung der Stadt Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941) verschwiegen werden. Angesichts dieser Bad Reichenhaller Zustände erklärt Anna Jade, eine Sprecherin des Rabatz-Bündnisses:

„Eine Umbenennung der Bundeswehrkaserne ist mehr als überfällig, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Die rechte Gedenkpolitik in Bad Reichenhall stinkt seit Jahrzehnten zum Himmel. Egal ob das ungestörte jährliche SS-Gedenken der NPD am Kugelbach oder die geschichtsrevisionistische Kretagedenkfeier des Kamaradenkreises, eine solche Gedenkpolitik ist nicht tolerierbar. Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert werden“

1 Nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/y5w38v/562924/Neue-Debatte-um-Konrad-Kaserne.html) berichtet auch die Lokalpresse (u.a. bgland24.de). Der Radiosender Bayernwelle Süd -Ost fragt in einer Umfrage bereits: „Die General-Rudolf-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll einen neuen Namen bekommen. Denn Konrad war ein General in der Nazi-Zeit. Nach wem oder wie würden Sie die Kaserne benennen?“

2 Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden
bombadieren“. Vgl. Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.

3 Zuletzt am 10.Juni 2011 in der Pressemitteilung „Auch Name der Kaserne ist skandalös“,
http://rabatz-buendnis.org/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/)

4 Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100

Ex-KSK-Soldat im Rückblick auf Rechtsterrorismus mit dabei

In einem beim „Blick nach Rechts“ erschienen Rückblick auf rechtsterroristische Umtriebe wird auch der Überfall eines ehemaligen KSK-Soldaten erwähnt:
Im Juni 2000 überfiel dann ein ehemaliges Mitglied des Kommandos Spezialkräfte (KSK), der Neonazi Andre Chladek, eine Bundeswehreinheit während einer Übung auf einem Truppenübungsplatz in Baden-Württemberg, er erbeutete sechs Pistolen und 1550 Schuss Munition. Später floh Chladek nach Gera und wurde gestellt.

Quelle:
* Andrea Röpke: Explosive Stimmung in der braunen Szene, Blick nach Rechts, 12.03.2012, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/explosive-stimmung-in-der-braunen-szene

Bundeswehr-Soldat hört im ICE Nazi-Musik

Am 29. Januar 2012 wurde auf der Zugfahrt von Berlin nach Hannover ein 20jähriger Mann mit dem Ziel Wilhelmstein-Kaserne in Neustadt-Luttmersen festgenommen, weil er herumpöbelte, Fahrgäste belästigte und auf seinem Notebook Nazi-Musik hörte. Bei dem Festgenommenen handelte es sich nach Medienberichten um einen stark alkoholisierten Bundeswehrsoldaten des Panzerbataillons 33 der 1. Panzerdivision, deren Stab ihren Sitz in Hannover hat. Nach der Beschlagnahme seines Laptops wurde der Festgenommene den Feldjägern übergeben.

Quellen:
* dapd: Bundeswehrsoldat beschallt ICE mit rechtsextremer Musik, 30.01.2012, http://www.derwesten.de/panorama/bundeswehrsoldat-beschallt-ice-mit-rechtsextremer-musik-id6297765.html
* Soldat hört Rechtsrock im ICE, 30.01.2012,
http://www.sn-online.de/Nachrichten/Hannover/Uebersicht/Soldat-hoert-Rechtsrock-im-ICE

DMZ Nr. 84 vom November/Dezember 2011 und DMZ-Sonderausgabe zu Fallschirmjägern erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 84 vom November/Dezember ist 2011 erschienen.
DMZ Nr. 84

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Khaled al-Kassamani (* 1970), Funktionär der „Syrisch Sozialen Nationalistischen Partei“ (SSNP) im Libanon, die 2005 einer von der syrischen Baath-Partei unter Assad geführten Einheitsfront beigerteten ist. Die „Syrische Soziale Nationalistische Partei“ (SSNP) wurde von einem Hitlerverehrer gegründet. Ihre Mitglieder träumen von einem großsyrischen Reich, das den Libanon, Zypern, Jordanien, Kuwait, Teile von Ägypten und der Türkei und natürlich Israel einschließt.
Als Parteisymbol verwendet sie eine Art Hakenkreuz und Mitglieder singen auf die Melodie von „Deutschland, Deutschland über alles“ eine arabische Hymne „Gegrüßet seist Du, Syrien …“ und sollen auch den faschistischen Gruß verwenden.
SSNP

Das Interview führte der ehemalige DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter. Dieser hat aus offenkundiger Sympathie diesen syrischen Faschisten interviewt. Auch dessen Verbündeten Assad, den syrischen Machthaber, skizziert Ochsenreiter in seinem Artikel „Syrien im Würgegriff“ als eine Art von Außen bedrängten Landesvater. In Wahrheit ist Assad gerade verantwortlich für die blutige Niederschlagung eines unbewaffneten Aufstandes. Die Schätzungen gehen inzwischen von mehreren tausend Toten aus.
Syrien im Würgegriff

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen.
* dem extrem rechten Tübinger Grabert-Verlag.
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin

Darüber hinaus ist ein DMZ-Sonderheft zum Thema „Fallschirmjäger“ erschienen.
DMZ-Sonderheft Fallschirmjäger
Dem DMZ-Sonderheft liegt auch eine CD bei, dass drei Lieder enthält: 1. „Rot scheint die Sonne“, 2. „Fallschirmjäger greifen an“ und 3. „Es war ein verwegenes Jagen“)

In dem, in Bundeswehr-Fallschirmjäger-Kreisen inoffiziell bis heute gern gesungenen Lied „Fallschirmjäger greifen an“, heißt es:

Hurra, wir starten, hurra, wir starten, / wenn die erste Morgensonne scheint, / Fallschirmjäger, Fallschirmjäger / gehen ran an den Feind!

Und im Refrain heißt es unter Bezug auf Siege der deutschen Wehrmacht:

Narvik, Rotterdam, Korinth / Und das heiße Kreta sind / Stätten unserer Siege! / Ja, wir greifen immer an, / Fallschirmjäger gehen ran, / Sind bereit, zu wagen!

Quellen:
* DMZ Nr. 8?
* DMZ-Sonderausgabe zum Thema „Fallschirmjäger“

Frauenfeindliche Praxis in Unteroffiziersschule

Wie die Presse berichtet soll ein 35jähriger Oberfeldwebel seine Position als Ausbilder gegenüber neuen Soldatinnen ausgenutzt haben, um Drohungen (u.a. eine Pistole auf der Brust), entwürdigende Sprüche, und dazu rechte Äußerungen machen zu können.
Das Ganze soll sich an zwei Unteroffiziersschulen in Heide und Gaushorn abgespielt haben und der Unteroffizier steht dafür nun vor in Heide Gericht. Er behauptet nun, seine Äußerungen seien „Running Gags“ gewesen.

Quelle:

* Unteroffiziersschulen in Heide. Keine Strafe für Frauenfeindlichkeit, 23. September 2011, http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/artikeldetail/article/2158/keine-strafe-fuer-frauenfeindlichkeit.html

Bundeswehr-Soldat kann wegen Nazi-Symbolik fristlos entlassen werden

Ein Soldat bei der Bundeswehr kann während der ersten vier Dienstjahre fristlos entlassen werden, wenn er Nazisymbolik bei Übungen trägt. Im konkreten Fall hatte ein Soldat bei einer dienstinternen Sportveranstaltung ein Trikot mit dem Staffelwappen seines Regiments, auf dem das Wort „Arisch“ und das Kürzel „18“ (steht für den 1. und 8. Buchstabe im Alphabet, also für AH = „Adolf Hitler“) aufgebracht war. Begründung für die Entlassung, war dass sein Verbleiben in seinem Dienstverhältnis als Zeitsoldat das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährden würde. Das Verwaltungsgericht Hannover entschied, dass der Kläger durch sein Verhalten gegen Dienstpflichten verstoßen hat. Ein Soldat, der im Dienst Bekleidungsstücke trägt, auf denen u.a. Propagandaparolen von Goebbels und Anspielungen auf Adolf Hitler aufgedruckt sind, verletzt seine politische Treuepflicht i. S. d. § 8 SG.

Quelle:
* Entlassung wegen rechtsextremistischer Symbole auf Trikot, 28. September 2011, http://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/entlassung-wegen-rechtsextremistischer-symbole-auf-trikot-333539

PM des RABATZ-Bündnis zum NS-Verbrechen in Skines in Griechenland (27.07.2011)

Kriegsverbrechen nicht verschweigen

Reichenhall – 70 Jahre ist es am kommenden Montag, 1.August, her, dass Reichenhaller Gebirgsjäger die griechische Ortschaft Skines zerstörten und 148 Zivilist_innen ermordeten. In der oberbayerischen Kurstadt erinnert bislang aber nichts an die Opfer, stattdessen wird dort der Täter gedacht.

Während der deutschen Besatzung der Mittelmeer Insel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 aber sind den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen. Dort heißt es wörtlich: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt.
Sie erfasst die Orte Alikianu, Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.“ [1]
Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“[2] In Bad Reichenhall hingegen erinnert im Ortsbild nichts an die
Kriegsverbrechen der örtlichen Gebirgsjäger. Für das antifaschistische Bündnis RABATZ ist das Gegenteil der Fall. „Durch rechte, geschichtsrevisionistische Traditionspflege werden in Bad Reichenhall die Täter zu Helden verklärt. Die Bundeswehrkaserne ist immer noch nach einem Nazigeneral benannt und eine ‚Kreta Brücke‘[3] glorifiziert den faschistischen deutschen Angriffskrieg. Und das sind nur zwei Beispiel von vielen.” so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses. Da sich in Bad Reichenhall trotz einer antifaschistischen Kampagne die Zustände bisher offensichtlich nichts geändert hätten, sieht sich das Bündnis verpflichtet nochmals zu intervenieren. „Wir planen für September eine Vorführung des Filmes ‚Als die Deutschen vom Himmel fielen‘[4]. Dieser behandelt die Geschehnisse auf Kreta zwischen 1941-45. Selbstverständlich überlegen wir auch, nächstes Jahr erneut in Bad Reichenhall zu demonstrieren,” so Jade über mögliche weitere Aktionen.

[1] BA-MA, RH 28-1/ 6, Tätigkeitsbericht der 5.Geb.Div. Vom 1.8.194 – 15.3.1942, Blatt 105 ff. Seite 2 des Berichtes (ohne Paginierung).
[2] Vgl. Inschrift des Denkmals, insgesamt werden  141 Opfer  genannt: Gemeinde Fournes 45, Skines 32 (Nördliche Ortschaften:) Alikianos 13, Koufos 5, Vatolakkos 17, (Westlich Ortschaften:) Nea Roumata 5, Prases 12, (Südliche Ortschaften: ) Orthouni 9, Karanos 2, Meskla 1
[3] Bereits im Mai diesen Jahres fordete das Bündins eine Umbenennung der Brücke nach den Bad Reichenhaller Antifaschisten Johann Winkler und Gottfried Reischl gefordert, der Stadtrat blieb aber bis heute untätig. Vgl. Pressemitteilung BRH 2011-3 vom 14.05.2011
[4] Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer. Weitere Infos: www.kreta-film.net

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (10.6.2011)

Rabatz: „Auch Name der Kaserne ist skandalös“

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten GebirgsjägerRegiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren¹“. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.

¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Bad Reichenhall a
OBEN: Reichsadler mit Edelweiß an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall NS-Wandbild
OBEN: nationalsozialistisches Wandgemälde an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall c
OBEN: Grab Rudolf Konrads am Reichenhaller Friedhof

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (7.6.2011)

Brannenburg Tag der der offenen Tür
OBEN:: Kinder hatten bereits 2009 Zugang zu realistisch anmutenden Waffen (beim Tag der offenen Tür in Brannenburger Kaserne am 11.07.2009)

Bad Reichenhall Tag der offenen Tür
OBEN: Kind an Panzerabwehrwaffe (beim Tag der offenen Tür der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall am 28.5.2011)

Kind an der Waffe
OBEN: Screenshot von Spiegel-Online

RABATZ-Bündnis fordert Auflösung der Gebirgstruppe

Mit ihrem Tag der offenen Tür haben die Reichenhaller Gebirgsjäger einen bundesweiten Skandal ausgelöst. Nun zeigen neue Bilder, dass der aktuelle Skandal kein Einzelfall ist. Auf ihnen ist zu sehen, wie ein Kind an einem schweren Geschütz liegt. Schon damals ließen Bundeswehr-Gebirgspioniere Kinder mit Waffen spielen.

Ein mittlerweile im Internet kursierendes Video vom Tag der offenen Tür in der Kaserne in Bad Reichenhall zeigt ebenfalls, wie dort Kindern Zugang zu verschieden Waffentypen ermöglicht wurde. (http://www.youtube.com/watch?v=sVyTHudk3rA)

Das RABATZ-Bündnis spricht der Bundeswehr die Kompetenz im Umgang mit Heranwachsenden ab und fordert daher ein Ende der Kooperation von Schulen mit der Bundeswehr, sowie die grundsätzliche Beendigung von Werbung gegenüber Kindern und Jugendlichen.

Dazu erklärt Anna Jade, Sprecherin der RABATZ-Bündnis:
„Es ist im Sinne einer Erziehung zu Demokratie und Gewaltfreiheit vollkommen unverantwortlich, dass die Bundeswehr Lehreinheiten an Schulen gestalten darf. Die Kooperationsvereinbarungen zwischen Kultusministerien einzelner Länder und der Bundeswehr müssen deshalb aufgehoben werden.Das Militär muss einen Platzverweis für Schulhöfe erhalten.“

In der aktuellen Debatte verweist die Bundeswehr darauf, dass Kinder in ihren den Kasernen prinzipiell nicht mit Waffen in Kontakt kommen sollen. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt, dass sich diese Behauptung mit dem Auftauchen neuer Bilder nicht aufrecht erhalten lässt. Militaristische und kriegsverherrlichende Einstellungen prägen die Gebirgstruppe ganz grundsätzlich. Dies zeigt sich z.B. an der Benennung der Bad Reichenhaller Kaserne nach dem Wehrmachtsgeneral Rudolf Konrad oder an der Verklärung des deutschen Überfalls auf Kreta. Vor einigen Wochen beteiligten sich Bad Reichenhaller Gebirgsjäger an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestags der deutschen Invasion auf Kreta. Reichenhaller Gebirgsjäger waren dort in Kriegsverbrechen, wie z.B. die Ermordung von 148 Einwohner der Ortschaft Skines, verwickelt.

Anna Jade:
„Ob Kinder an Gewehren, ekelerregende Mutproben mit rohen Innereien, Leichenschändungen oder NS-verherrlichende Gedenkpolitik – die Gebirgstruppe produziert einen Skandal nach dem anderen. Es wäre besser, sie würde vollständig aufgelöst.“

„Kinder an Gewehren in der Karfreitkaserne Brannenburg“
http://rabatz-buendnis.info/?attachment_id=1214

QUELLE: www.badreichenhall.org .

PS: Nachtrag: Laut Presse ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

PM des RABATZ-Bündnis zum Skandal beim Tag der offenen Tür in Bad Reichenhaller Bundeswehrkaserne

Kinder schießen auf Mini-Gebäude

OBEN: Kleine Kinder müssen mit Waffen auf Miniaturstadt schießen.

Beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne hatte die Bundeswehr als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter
einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“.

Die im Kosovo gelegene Stadt Mitrovica erlangte traurige Berühmtheit, als dort 1999 trotz Anwesenheit der KFOR albanische Nationalisten das gesamte Roma-Viertel des Ortes plünderten und zerstörten. Mehrere tausend Häuser wurden dabei zerstört, ca. 8000 Roma wurden aus dem Ort
vertrieben¹.

2004 wurden bei Anti-Serbischen Pogrome, die von Mitrovica ausgingen, viele Häuser und Einrichtungen der serbischen Bevölkerung zerstört, im ganzen Kosovo gab es viele Tote und hunderte zerstörte Häuser².

Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert³.
Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt. Als Teil der Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen, bspw. auf Kefalonia und auf Kreta beteiligt.

Erst vorletzte Woche hatte das RABATZ-Bündnis mit einer Demonstration auf die ungebrochene Verherrlichung der Wehrmacht durch die Bundeswehr und weite Teile der Reichenhaller Bevölkerung aufmerksam gemacht. Die Antifaschist_innen kritisierten dabei v.a. das sog. „Kretagedenken“, bei dem der deutsche Angriffskrieg gegen Kreta verherrlicht wird.

Dazu erklärt Anna Jade (Sprecherin des RABATZ-Bündnis):
„Die Bundeswehr versucht, schon kleinen Kindern Spaß an Waffen und militärischer Gewalt zu vermitteln. Kindern im Rahmen des Kinderprogramms Waffen in die Hand zu geben und sie auf eine Miniaturstadt schießen zu lassen, ist ein unfassbarer Skandal. Die Bundeswehr hat die Miniaturstadt „Mitrovica“ genannt. Sie verherrlicht damit im Kinderprogramm Pogrome. Dies ist eine widerwärtige Verhöhnung der Opfer.

Wir haben in letzter Zeit mehrfach auf die Verherrlichung von Kriegsverbrechen in Bad Reichenhall aufmerksam gemacht. Durch den neuen Skandal sehen wir uns darin bestätigt, antimilitaristisch und
antifaschistisch zu intervenieren. Wir fordern:
* die sofortige Schließung der nach dem SS-General Rudolf Konrad benannten General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall
* eine kritische Aufarbeitung der Geschichte Bad Reichenhalls und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
* die sofortige Beendigung der Verherrlichung des Nationalsozialismus, der Wehrmacht und der Gebirgstruppe
* die sofortige Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Gebirgstruppen und ihrer Angehörigen
* ein dauerhaftes Bleiberecht für alle Menschen, die aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen sind, anstatt der Bagatellisierung der antiserbischen und antiziganistischen Pogrome
* die sofortige Beendigung von militaristischen Werbeaktionen der Bundeswehr, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen
* den sofortigen Rücktritt der für den Tag der offenen Tür verantwortlichen Personen der Bundeswehr.“

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¹ vgl. Bericht auf der Homepage des UNHCR:
  http://www.unhcr.org/45f5743a4.html
² Spiegel Online vom 22.3.2004:
  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-30285762.html ; vgl.
  Chronologie der Süddeutschen Zeitung vom 15.2.2008:
  http://is.gd/Redll4
³ vgl. Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß – Die 1.Gebirgs-Division
  im Zweiten Weltkrieg; Berlin 2008; S. 110ff.

QUELLE: www.badreichenhall.org