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Besuch der Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“

Ausstellung Mythos Rommel

International und National bekannt ist Generalfeldmarschall Erwin Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“. In Deutschland ist und war Rommel vielerorts sehr populär. Bis heute gibt es eine ganze Reihe von Sachen die nach Hitlers Lieblingsgeneral benannt wurden:
* ein Rommel-Denkmal in Rommels Geburtsstadt Heidenheim an der Brenz
* drei Rommel-Kasernen
* ein Rommel-Zerstörer der Bundesmarine
* diverse Rommelstraßen, laut Google-Map im Ganzen zehn Stück
Rommelstraßen

Eine Ausstellung über den Mythos Rommel im Stuttgarter „Haus der Geschichte“ klang interessant und viel versprechend. Der Titel ließ eine kritische Darstellung Rommels und seines Mythos´ erwarten. Gilt doch des Teufels General heute noch bei vielen im In- und Ausland als Meister-Stratege und gar als Vorbild, obwohl er als aktiver Teil des Rasse- und Vernichtungskrieges Hitler-Deutschlands war. Jeder Sieg Rommels war auch ein Sieg für Hitler und dessen Vernichtungskrieg.

In der Ausstellung erfährt der Besucher erst von der Karriere Rommels als Erster-Weltkriegs-Offizier. Als solcher erhielt er auch denn Tapferkeits-Orden „Pour le Merite“. Dass Tapferkeit im Krieg immer bedeutet, dass andere sterben, wird aber nirgendwo erwähnt.

Man erfährt weiterhin, dass Rommel im Jahre 1938 erstmals das Kommando über das Führerhauptquartier hatte und den Einmarsch im Sudetenland koordinierte. Über Hintergründe, Nationalsozialismus, die Verfolgung von Juden und politischen Gegnern aber erfährt der Besucher nichts.

Man erfährt, dass Rommel ein Buch mit dem Titel „Infanterie greift an“ verfasst hat, von Hitler protegiert wurde und sich als Blitzkrieger in Frankreich auszeichnete.
Was die deutsche Wehrmacht in Frankreich überhaupt zu suchen hatte oder dass sie hunderte gefangene schwarze und arabische französische Soldaten ermordete, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass Rommel in Lybien Erfolge feierte, der jüngste Generalfeldmarschall der deutschen Wehrmacht und „ein begeisterter Hobbyfotograf“ war.
Was Rommel plötzlich in Afrika zu suchen hatte oder wie es der einheimischen Bevölkerung unter der deutsch-italienischen Besatzung ging, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass es kleine Eastolin-Figuren von Rommel gab und dass Rommel seit Ende 1943 Inspekteur des so genannten „Atlantikwalls“ war.
Über bei den Bauarbeiten des „Atlantikwalls“ eingesetzte Zwangsarbeiter erfährt der Besucher nichts.

Es wird gemutmaßt, dass Rommel vom Attentat auf Hitler 1944 wusste. Beteiligt war er hingegen nicht. Dass Hitler Rommel umbringen ließ, soll ja nicht angezweifelt werden. Aber gegen das sich abzeichnende Kriegsende hin, kam es allgemein zu Selbstzerfleischungen unter den Nazis. Widerstand ist das noch nicht. Immerhin findet sich in der Ausstellung auch der Brief von Rommels Frau Lucie-Marie Rommel, die am 9. September an den Stuttgarter Polizeichef schreibt, dass ihr Mann nicht am Attentat beteiligt war.

Ein Teil der Ausstellung beschreibt auch das Verhältnis von Bundeswehr und nennt Rommel den geistigen Vater der Bundeswehr. Interessant ist, dass der alte Kompanie-Wimpel der Rommelkaserne in Dornstadt bei Ulm und dass das alte Wappen des Grenadier-Bataillons 281 (Dornstadt) sehr dem Symbol von Rommels Afrikakorps ähnelte.
Es gab drei Kasernen, die nach Rommel benannt wurden und die Soldaten der Rommel-Kaserne in Dornstadt pflegen noch heute Rommels Gedenkstein in Herrlingen.
Mitstricker am Rommel-Mythos war der Bundeswehrgeneral Dr. Hans Seidel, der 1949 das Buch „Invasion 1944“ verfasste, in dem er schrieb Rommel verkörpere das „gute deutsche Soldatentum“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rommel in dieser Ausstellung als Nicht-Nazi und unpolitischer Berufssoldat dargestellt wird. Dass ist eine glatte Verfälschung der historischen Wahrheit. Rommel war vielleicht nicht ein fanatischer Nazi vom Typ eines Julius Streicher, aber er war – ohne je NSDAP-Mitglied gewesen zu sein – ein Sympathisant des NS-Regimes und besonders seiner Re-Militarisierungs- und Expansions-Pläne. Damit war Rommel eine Art pragmatischer Nazi, aber eben ein Nazi.
Ohne irgendeinen kritischen Filter vorzuschalten wird Rommel im Stil eines Landser-Heftes als „Stahlgestalt“ dargestellt. Diese Ausstellung dekonstruiert nicht etwa den „Mythos Rommel“, sondern sie führt ihn konsequent fort.
Anstatt Kriegsbilder mit Opferbildern zu konfrontieren, finden sich nur großflächige Schwarzweiß-Bilder, die Rommel als Soldaten zeigen und wahrscheinlich aus der Nazi-Propaganda stammen.
Lediglich dreimal wird im Hintergrund in weißer Schrift auf schwarzweißen Hintergrund pflichtschuldig etwas zu deutschen Gräueltaten eingeblendet. Einmal sogar ein ganzer Satz zu den Juden in Tunesien.

Andere Kriegsverbrechen unter Rommels Obhut hingegen werden vollkommen ausgelassen.
Unter Rommels Zuständigkeit wurden laut dem Blog „Eisberg“ in mindestens zwei italienischen Dörfern Massaker begangen:

In Boves kam es am 19. September 1943 zur Ermordung von 24 Personen durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“.
In Caiazzo wurden im Oktober 1943 22 Zivilisten wegen „Hilfe für den Feind“ bei einer
durch den Wehrmachtsleutnant Lehniyk-Emden befehligten Aktion erschossen.

Ebenfalls nicht in die Ausstellung eingearbeitet wurden die neuen Erkenntnisse des Buches „Halbmond und Hakenkreuz“. In dem offen gelegt wird, dass Rommel eine SS-Einsatzgruppe mit „im Gepäck“ hatte, die 5 Monate die tunesischen Juden terrorisierte und dafür vorgesehen war mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung die Juden in Palästina zu ermorden, so wie es Einsatzgruppen im Osten taten.

Der Blog „Eisberg“ schreibt dazu:

Für die antisemitische Mobilisierung der Einheimischen war u. a. Konstantin von Neurath zuständig. Neurath war Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes beim Afrikakorps und betrieb mit der Propagandakompanie des Korps massive antisemitische Hetze und versuchte so die arabische Bevölkerung Ägyptens für die Deutschen einzunehmen.
Obwohl durch britische Erfolge Rommel Palästina nie erreichte büßten 2.500 tunesische Juden die kurze deutsche Besetzung mit ihrem Leben. Allein nach der Eroberung des Judenviertels von Benghazi 1942 und der Deportation von mehr als 2000 Juden durch die Wüste starben ein Fünftel […]

Der Mythos Rommel in der extremen Rechten wurde von der Ausstellung überhaupt nicht erwähnt. Dieser Blog berichtete ja schon davon, dass die extrem rechte „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ) ihre erste Sonderausgabe 2009 dem Thema „Rommel und das deutsche Afrikakorps“ widmete. Auch das Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau zum Todestag am 14. Oktober 2007 anlässlich Rommels 63. Todestages der Trauer-Veranstaltung in Herrlingen beiwohnten, nachdem sie zuvor eine eigene Zeremonie abgehalten hatten, berichtete „Braunzone Bundeswehr“.

Kritik nur im Gästebuch und auf dem Klo
Eine solche Ausstellung hat natürlich einen unkritischen Eindruck auf die Besucher hinterlassen. Das illustrieren eindrucksvoll Einträge im Gästebuch.
Hier werden „Rommels Verdienste gewürdigt“ oder „eine würdige Ausstellung über einen großen Strategen“.
Doch so mancher Eintrag zeugt auch von Kritik und Entsetzen über die ausstellung. Auf den Punkt bringt es der Eintrag des 10jährigen Jonas:
„Das ist voll verherlichung! Wie viele leute sind wegen Rommel draufgegangen?“
[Fehler im Original]
Kritik an Rommel-Ausstellung
Kritik fand sich nicht nur im Gästebuch, sondern ebenfalls auf dem Männer-Klo in Gestalt eines Flugblattes (siehe Bild). In diesem wurde ein Befehl Rommels vom 23. September 1943 zitiert in dem es u.a. heißt:
„Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Bagodgliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht.“
(vom Foto abgetippt)
Weiter wurde in dem Flugblatt darauf verwiesen, dass die als Zwangsarbeiter ausgebeuteten italienischen Kriegsgefangenen („Italienische Militär-Internierten“) nie entschädigt wurden:
„Bis HEUTE [Hervorhebung im Original] wurden die Überlebenden dieser Tortur von der Bundesregierung NICHT [Hervorhebung im Original] entschädigt!!!“

Quellen
* Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“, http://www.mythos-rommel.de/
* R. Schwarzenberg: Erwin Rommel: Des Teufels General, http://eisberg.blogsport.de/2007/06/17/erwin-rommel-des-teufels-general/

Namenspatenonkel: General von Lettow-Vorbeck

Lettow-Vorbeck-Biografie
Im Folgenden sollen ein paar Informationen aus dem Buch „Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit“ von Uwe Schulte-Varendorff (Berlin, 2006) wiedergegeben werden. Das Buch beschäftigt sich kritisch mit der Biografie von General Lettow-Vorbeck, der Namensgeber für mehrere Bundeswehr-Kasernen war und gewesen ist. Drei von vier Kasernen(um)benennungen nach Letto-Vorbeck stammen noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und das nicht ohne Grund:
* 1938 in Leer/Ostfriesland
* 1938 in Bremen (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1939 in Hamburg-Wandsbeck (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1962 in Bad Segeberg

Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870-1962) war von Anfang an beseelt vom preußischen Militärgeist. Bereits 1881 trat er in das Kadettenkorps in Potsdam ein und es folgte eine die typische Karriere eines Angehörigen der Kaste des Militär-Adels. Im Jahr 1900 schloss er sich der „1. Ostasiatischen Infanterie-Brigade“ an und beteiligte sich damit am sogenannten Boxer-Feldzug, der Niederschlagung eines antiwestlichen Aufstandes in China. Beim Ausrücken in Bremen hörte er damals höchstselbst die berüchtigte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II., in der dieser aufforderte den Chinesen jedes Pardon zu verwehren. In China erlebte er seine „Feuertaufe“ beim Angriff im Januar 1901 auf ein „Boxernest“, ein angeblicher Rebellen-Ort (in Wahrheit oft ein unbeteiligtes Dorf). Unbändiger Ehrgeiz trieb ihn an. Danach tat Lettow-Vorbeck organisatorischen Stabsdienst. Als in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ (heute: Namibia) ein Aufstand aufbrach, in dem sich Einheimische gegen Unterdrückung auflehnten, meldete er sich auch hier freiwillig. Er diente 1904-07 als Adjutant und Stabsoffizier des Kommandanten Trotha, der verantwortlich ist für das Genozid an den Herero und Nama.

Nach einer Zwischenzeit in dem „2. Seebataillon Wilhelmshaven“ der kaiserlichen Marine trat er 1913 wieder der „Kaiserlichen Schutztruppe bei. Deren Kommandeur in „Deutsch-Ostafrika“ (heute: Tansania) und zeitweise auch Kamerun er wurde.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es auch in Afrika zu Kampfhandlungen. Die vorher festgelegten Regelungen in der Kongo-Akte (keine Kämpfe in den Kolonien) wurden von beiden Seiten konsequent missachtet. Lettow-Vorbeck versuchte gleich zu Anfang die strategisch wichtige britische Uganda-Bahn angreifen. Als Portugal 1916 in den Krieg gegen Deutschland eintrat, wendete sich Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auch gegen die, sich im Süden befindliche Kolonie „Portugiesisch-Ostafrika“ (heute: Mocambique). Durch flexibles Ausweichen und einiges taktisches Geschick konnte Lettow-Vorbeck gegen die Übermacht aus britischen, indischen, südafrikanischen, belgischen und portugiesischen Truppen lange aushalten.
Spätestens mit seinem Einfall in die portugiesische Kolonie 1917 wandelte sich der Krieg Lettow-Vorbecks in einen Kleinkrieg. Seinen geplanten Zug von einer Küste zur anderen Küste nach Angola konnte Lettow-Vorbeck nicht beenden. In Nordrhodesien (heute: Sambia) musste er schließlich kapitulieren.
Entgegen der Mär von den treuen Kolonialuntertanen, gab es während des Kampfes in Afrika Aufstände von Einheimischen (Seite 50-54), die wohl die Chance sahen das deutsche Joch abzuschütteln. Unter en Aufständischen war auch das Volk der Massai. Gegen die Massai wurden von Lettow-Vorbeck Strafexpeditionen befohlen, bei denen ganze Dörder niedergebrannt wurden. Ihren Widerstand mochte Lettow-Vorbeck den Massai auch später nicht vergeben, er machte aus ihnen in seinen Memoiren später die „Urjuden“ (Seite 102).
Weitere Opfer des unnötigen Krieges in den Kolonien war die Zivilbevölkerung, die unter einer kriegsverursachten Nahrungsmittelknappheit litt. Der Autor Uwe Schulte-Varendorff konstatiert über die ständigen Beschlagnahmungen und die Taktik der „verbrannten Erde“ (vernichtung aller Nahrungsmittel und Anbauflächen):
„Bei der von Lettow-Vorbeck praktizierten Kriegsführung verwundert es nicht, dass die afrikanische Zivilbevölkerung an letzter Stelle der Nahrungskette stand.“
(Seite 55)
Das rigorose Vorgehen mündete in eine allgemeine Hungersnot, die 300.000 Menschen das Leben kostete (Seite 57).
Stand die einfache Zivilbevölkerung auf der untersten Stufe, so ging es auch den im deutschen Diensten stehenden Askaris nicht immer gut. Ihr Spitzname für ihren Kommandanten Lettow-Vorbeck war „Herr, der unser Leichentuch schneidert.“ Um die Reihen der Askaris wieder aufzufüllen, wurden Zivilisten zwangsrekrutiert. Unter den Neu-Rekrutierten befanden sich auch Minderjährige, also de facto Kindersoldaten, die als „Signalschüler“ (Kundschafter) eingesetzt worden (Seite 60).
Viele Neu-Rekrutierte, im Durchschnitt etwa 20%, flohen und schlossen sich teilweise den Alliierten oder den Aufständischen an. Soviel zum Mythos von den „treuen Askaris“. Wurden die Deserteure wieder eingefangen, so wurden sie oft öffentlich hingerichtet, aber mindestens ausgepeitscht.
Wesentlich schlechter als den Askaris erging es den Trägern in Lettow-Vorbecks Truppe. Diese wurden fast gänzlich zwangsrekrutiert und in Ketten gelegt. Sie starben zu zehntausenden an Erschöpfung, Hunger und Kälte. Insgesamt sollen 100-120.000 umgekommen sein (Seite 59).
Insgesamt, also von Deutschen und Alliierten verursacht, starben bei den Kämpfen in Ostafrika 700.000 Menschen!!!

Trotz seiner Gefangenschaft kehrte Lettow- Vorbeck im März 1919 umjubelt nach Deutschland zurück. Als „im Felde unbesiegt“ diente er der anti-demokratischen Rechten immer das lebende, positive Gegenstück zur „Dolchstoßlegende“. Lettow-Vorbecks Unbesiegtsein, sollte beweisen, dass die Front auch in Europa ohne den „Dolchstoß“ standgehalten, ja gesiegt hätte. Behauptungen, die jeder Militärhistoriker als Legende einstuft.
In der Weimarer Republik behielt von Lettow-Vorbeck von Anfang bis Ende seine deutschvölkische Gesinnung bei. Er sprach schon früh auf Versammlungen der NSDAP, der er bereits vor 1933 positiv gegenüberstand.
Doch nicht nur als Redner wandte er sich gegen die junge Republik. Im Jahr 1920 schloss er sich dem Kapp-Lüttwitz-Putsch an. Mit seinem „Korps Lettow-Vorbeck“, etwa 10.000 Soldaten besetzte er Mecklenburg. Am 15. März erschossen seine Truppe 15 Menschen in Schwerin.
„Geübt“ hatte er zuvor schon in Hamburg während der sogenannten „Sülzeunruhen“ (Juni 1919: Die Sülzeunruhen, auch als Hamburger Sülzeaufstand bekannt, ereigneten sich im späten Juni 1919 in Hamburg. Auslöser war die Annahme der Bevölkerung, dass verfaulte Tierkadaver zu Sülze verarbeitet und verkauft würden.).
In beiden Fällen verhielt sich Lettow-Vorbeck wie ein Militär in besetztem Feindesland.
Das Scheitern des Kapp-Lüttwitz-Putsches hatte für ihn lediglich den Abschied aus dem Armee-Dienst zur Folge.
Als Abgeordneter vertrat er gegen Ende die antidemokratische und antisemitische „Deutschnationale Volkspartei“ (DNVP) im Reichstag.

Im Jahr 1939 wurde von Lettow-Vorbeck von Hitler zum General z.b.V. (zur besonderen Verfügung) ernannt, wobei diese besondere Verfügung vor allem in propagandistischen Tätigkeiten für das Regime.
Entgegen allen Legenden war Afrika aber nur ein Nebenschauplatz, der niemals die Anzahl an Truppen band, die Lettow-Vorbeck für sich beanspruchte (300.000).

Auch zur Bundeswehr stand Lettow-Vorbeck in gutem Verhältnis. Seine Beerdigung erfuhr alle erdenklichen Ehren:
„Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Lettow-Vorbeck in Hamburg, wo er am 9. März verstarb. Die Beisetzung erfolgte am 13. März 1964 in Pronstorf in Schleswig-Holstein.
Die Feierlichkeiten anläßlich seiner Beisetzung werfen ein bezeichnendes Licht auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr; man gewährte Lettow-Vorbeck ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren. Sechs Stabsoffiziere der Bundeswehr hielten am Sarg die Totenwache, angetreten waren eine Ehrenkompanie des Panzergrenadierregiments aus Neumünster mit Musikkorps und ein Halbzug des Seebataillons aus Borkum. Der Kommandeur des Panzergrenadierregiments, Oberst Schmidt, trug dem Sarg das Ordenskissen mit den zahlreichen Auszeichnungen des Generals voran. Bei der Beisetzung war auch der Befehlshaber im Wehrbereich I, Konteradmiral Rösing, anwesend. Beim Hinablassen des Sarges spielte das Musikkorps »Heil Dir im Siegerkranz«. Auf Veranlassung der Bundesregierung und mit Hilfe der Bundeswehr waren eigens zwei ehemalige Askari der »Schutztruppe« aus Tansania als Staatsgäste eingeflogen worden.
Die Traueransprache hielt der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU), der betonte, dass Lettow-Vorbeck »wahrlich im Felde unbesiegt« geblieben sei. Der General habe das »Gesetz der Menschlichkeit, der Sitte und des Rechts eingehalten«, denn »als Grundlage der von ihm ganz persönlich geprägten Kriegsführung galten Kampf und Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber«. Hassel sah in Lettow-Vorbeck »eine der großen Gestalten, die das Leitbild beanspruchen dürfen … Vorbild genannt zu werden.«“
(Seite 126 und 127)

Heute wäre es an der Zeit diese nationalistische Identifikationsfigur mit ihrer blutigen Geschichte vom Heldenpodest zu stoßen und Lettow-Vorbecks Name von Kasernen und Straßenschildern zu tilgen.

Das reich bebilderte und nicht zu sehr akademische Buch ist vorbehaltsfrei jedem und jeder interessierten LeserIn zu empfehlen!

Quelle:
* Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit, Berlin 2006

Wehrmacht oder Bundeswehr?

In dem Artikel „Von „Auschwitz“ bis „entartet““ vom 19. Dezember 2007 wird am Rande über eine Namensfrage vor 51 Jahren berichtet:
„Wohl kaum jemand dürfte sich noch erinnern, dass 1955/56 als Name für die Armee der jungen Nachkriegsrepublik ernsthaft zunächst an „Wehrmacht“ gedacht wurde, war doch das Vorgängerheer auch in Hitlers Weltkrieg angeblich „sauber“ geblieben.“
In einem älteren Artikel in der Wochenzeitung „Das Parlament“ berichtet die Autorin zu dieser Thematik, dass zur Gründung der Bundeswehr 1956 laut einer Umfrage vom Allensbacher Institut, dass 35% der Befragten für den Namen Wehrmacht für die „neue“ Armee stimmten und nur 25% für die Bezeichnung „Bundeswehr“.
Angesichts des damals wohl noch verbreiteteren Bild von der „sauberen Wehrmacht“ überrascht das Ergebnis nicht und dass der Name auch in Regierungs-und Militärkreisen ernsthaft erwogen wurde überrascht ebenso wenig, da die Bundeswehr in der Anfangszeit fast ausschließlich von ehemaligen Wehrmachts-Angehörigen aufgebaut wurde. Diese Geburtshelfer in Lotenmantel prägen die Bundeswehr bis heute.

Aktualitätsgrad: 1955/56
Quellen:
Gerd Korinthenberg, dpa: Von „Auschwitz“ bis „entartet“. NS-Zeit in der Sprache, 19.12.2007, http://www.n-tv.de/894674.html

Susanne Kailitz: Geburtsstunde der Bundeswehr, in: „Das Parlament“ Nr. 1/2 2006 vom 2./9. Januar 2006, Seite 20