Archiv der Kategorie 'Fundstücke'

Braunes Blatt im neueröffneten Bundeswehr-Museum

Eine Presse-Meldung berichtet darüber das im Shop des Dresdner Militärhistorischen Museums der Bundeswehr auch drei Exemplare des braunen Magazins „Deutsche Geschichte“ zum Kauf angeboten wurden.
In der Presse-Meldung heiß es:

Ein Historiker habe die Magazine Ende vergangener Woche entdeckt und das Verteidigungsministerium informiert, sagte Bangert weiter. Daraufhin seien diese sofort aus dem Verkehr gezogen worden.

Quelle:
* dapd-lsc: Rechtsextremen-Magazin in Militärhistorischem Museum angeboten, http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Rechtsextremen-Magazin-in-Militaerhistorischem-Museum-angeboten-artikel7893081.php

Braune Einsprengsel im olivgrünen Vorfeldgeflecht der Bundeswehr

Die rechtskonservative „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.“ hat am 15. Januar 2012 in Berlin im Hilton-Hotel ihren Neujahrsempfang abgehalten. Dafür wurde auch in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ per Anzeige geworben. In dieser Anzeige wird auch Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, als Ehrengast angekündigt.
In einem Bericht in der „Preußisch Allgemeinen Zeitung“ vom 28.Januar zu dem Neujahrsempfang heißt es:

Als Ehrengast und Festredner begrüßte Tschapke den Wehrbeauftragten des Deutschen
Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Dieser bekannte sich in seiner Rede uneingeschränkt
zu den preußischen Tugenden. So führte er aus, Gehorsam und Pflichterfüllung seien einst die
Eckpfeiler der preußischen Armee gewesen und hätten auch für die Bundeswehr zu gelten.

JF-Anzeige Neujahrsempfang
Beim Neujahrsempfang waren neben der „Jungen Freiheit“ oder der ihr nahe stehenden „Bibliothek des Konservatismus“ auch der „Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V.“ und das „Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung“ mit einem Stand vertreten.

Hamburg: Burschenschaft Germania, Militär und Bundeswehr

In einem lesenswerten Beitrag auf dem linken Informationsportal „Indymedia linksunten“ heißt es:

Wer Mitglied der Germania werden will, darf weder Frau noch offensichtlich „undeutsch“ sein, er kann aber Neonazi sein und er muss gedient haben. Denn bei den Waffenstudenten wird nicht nur die Verteidigung der Ehre bei der Mensur, sondern auch die des Vaterlandes mit der Waffe verlangt. So wundert es wenig, dass Alte Herren im Reservistenverband der Bundeswehr organisiert sind und Aktive an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) studieren. Auch Veranstaltungen widmet die Germania gerne soldatischen Themen.
So machte HSU-Student Martin D. im Juli 2010 seinen Fuxenvortrag zum Thema „private Söldnerfirmen“ und im November folgte dann Fux Jan-Mortimer B. mit dem Thema „Afghanistan – Der deutsche Versuch im ‚großen neuen Spiel’ zu bestehen – aus Sicht eines Truppenoffiziers“.
Die wichtigste Verbindung der Germanen zur Bundeswehr dürfte jedoch Oberstleutnant d. R. Ramon-Stefan Schmidt als Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. repräsentieren. Dass Kamerad Schmidt auch zum Vortrag des Naziideologen Schwab in sein Burschenhaus ging, ist nicht unwahrscheinlich. Immerhin war der Oberreservist bis 2009 auch stellvertretender Vorsitzender des Altherrenverbandes der Germania. Die Alten Herren haben durch ihre finanzielle, personelle und ideelle Unterstützung erheblichen Einfluss auf die Vorgänge im Germanenhaus. Ob sich der Genuss, oder auch nur die Duldung von Nazivorträgen allerdings mit der Verantwortung für 2.200 Reservisten aus Hamburg verträgt ist fraglich. Nazifreund Schmidt ist formell immerhin auch Vorsitzender von Hauptmann der Reserve Michael Neumann, besser bekannt als Hamburgs Innensenator.

Quelle:
* Felix Krebs: HH: Nazis, Burschen, Bundeswehr, 11.01.2012, http://linksunten.indymedia.org/de/node/53106

Kokettieren mit Waffen

Wie der Fall der Nazi-Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ gezeigt hat, kokettieren Rechte gerne mit Waffen und benutzen sie auch zum Morden.
Dazu mal als Fundstück ein Screenshot-Bild vom ehemaligen Chefredakteur des „Deutschen Militärzeitschrift“, Manuel Ochsenreiter.

Manuel Ochsenreiter bewaffnet

Militärpfarrer schreibt in neurechten Blatt

Im typisch nationalistischen Duktus beklagt der Ulrich Kronenberg, der als Militärseelsorger
Soldaten der Bundeswehr im Feldlager von Kabul (Afghanistan) betreute, in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (Nr. 47/2011), dass Tod von Soldaten in der Bundesrepublik nicht mehr ausreichend gewürdigt werde und versucht dabei dem Soldatentod noch einen Sinn zu geben:

Das deutsche Volk hat allen Grund, sich in Ehrfurcht und Demut vor seinen toten Söhnen zu verneigen, anstatt in „höflichem Desinteresse“ zu verharren und die trauernden Angehörigen zu vergessen. Das ist mein Wunsch zum Volkstrauertag 2011.


Quelle:

* Ulrich Kronenberg: Volkstrauertag. Anteilnahme statt Phrasen, in: „Junge Freiheit“ Nr. 47/2011

Estland: sicherer Hafen für NS-Kriegsverbrecher?

Ein Fernsehbericht über die Verhältnisse in Estland zeigt zum wiederholten Male dass dort Veteranen der Waffen-SS als Freiheitskämpfer verklärt werden.
Selbst Ritterkreuzträger werden gefeiert:
Ritterkreuzträger Estland

SS-Veteranen Estland 2011

Quelle:
* Estonia, Nazi safe haven, TV-Bericht, 21.11.11, http://rt.com/news/estonia-nazi-gorshkov-haven-803/

Na Endlich! Neonazis raus aus dem Reservistenverband!

Wie die Medien berichten wurden acht extreme Rechte, mehrheitlich NPD-Mitglieder, aus dem Reservistenverband der Bundeswehr in Sachsen, der insgesamt 1.600 Mitglieder hat, entfernt:

Der sächsische Reservistenverband der Bundeswehr hat sich nach der mutmaßlichen Neonazi-Mordserie von acht Mitgliedern getrennt, die in der NPD oder der rechtsextremen Szene aktiv sind.
Neben dem Landtagsabgeordneten Winfried Petzold, der in der Leipziger Odermannstraße ein Bürgerbüro betreibt, sind darunter auch weitere NPD-Kader aus der Region.

Durch ihre Mitgliedschaft im Reservisten war es den Rechten erlaubt Waffen zu besitzen. Insgesamt sollen Sachsens Rechte im Besitz von über 150 Schusswaffen sein.

Quelle:
* Robert Nößler: Leipziger NPD-Funktionäre nach Neonazi-Morden aus Reservistenverband
ausgeschlossen, 23.11.11, http://nachrichten.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/leipziger-npd-funktionaere-nach-neonazi-mordserie-aus-reservistenverband-ausgeschlossen/r-mitteldeutschland-a-114661.html

Rommel kein Nazi-Opfer, sondern Nazi-Täter

Zitate aus dem lesenswerten Artikel „Generalabrechnung“ über den Kult um Rommel in Heidenheim:

„Sicher ist: Er war ein heftiger Bewunderer Hitlers und hat den Aufstieg der Nationalsozialisten ausdrücklich begrüßt. Er befehligte eine Panzerdivison beim Angriffskrieg gegen Frankreich, ab Februar 1941 bekämpfte er in Libyen und Ägypten die britischen Truppen, zeitweise mit Erfolg. Hitler protegierte Rommel, innerhalb von nur elf Jahren stieg dieser vom Major zum Generalfeldmarschall auf. Hitlers Vertrauen dankte Rommel mit Ergebenheit.
Sicher ist auch, dass Rommel kein Antisemit war. Er hat allerdings nie öffentlich gegen judenfeindliche NS-Politik protestiert. Als er sich – spätestens im Frühsommer 1944 nach der erfolgreichen Invasion der Alliierten in der Normandie – zumindest innerlich von Hitler distanzierte, tat er das keinesfalls aus moralischen Gründen. Ihn störte nicht der Diktator, sondern dessen Erfolglosigkeit.“

„Heidenheim ist nicht die einzige deutsche Stadt, die noch an Erwin Rommel erinnert. 22 Straßen und Wege tragen seinen Namen, 15 davon in Baden-Württemberg, dazu zwei Kasernen der Bundeswehr. Das liegt ganz wesentlich an zwei Mythen. Der erste lautet: Rommel führte einen sauberen, ritterlichen Krieg, verhielt sich auch dem Feind gegenüber anständig. Der zweite besagt, Rommel habe mit dem Widerstand sympathisiert, sei gar in die Pläne der Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg involviert gewesen. Beides muss heute stark bezweifelt werden.“

„Am 14.10.1944 wurde Rommel als Verschwörer gegen Hitler zum Selbstmord gezwungen.
Ganz falsch ist das nicht, bloß irreführend. Tatsächlich fuhren an besagtem Tag zwei hochrangige Generäle zu Rommels Anwesen. Sie konfrontierten ihn mit Aussagen verhörter Widerstandskämpfer, die seinen Namen genannt hatten. Rommel bestritt jede Beteiligung, wurde aber vor die Wahl gestellt: Suizid oder Anklage vor dem Volksgerichtshof. Er entschied sich für die Zyankalikapsel. Dass er wirklich von dem Bombenanschlag vom 20. Juli wusste, gilt heute als unwahrscheinlich. Auch die Witwe und Sohn Manfred, später Oberbürgermeister von Stuttgart, haben das nach Kriegsende bezeugt.“

Quelle:
* Generalabrechnung, 13.11.2011, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/generalabrechnung/5827484.html

Frauenfeindlichkeit ist doch kein Kavaliersdelikt: Uni Trier schmeißt Militärhistoriker raus

Die Gast-Professur dieses Wintersemester von Prof. Dr. Martin van Creveldt für das „Historisch-Kulturwissenschaftliche Zentrum“ der Uni Trier ist nach Protesten infolge eines skandalösen Vortrages vorzeitig beendet worden. Martin van Creveldt kommt aus Israel, wo er bis zu seiner Emeritierung 2008 Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem war. Martin van Creveldt gilt Kritikern als Wehrmachts-Apologet und flirtete in Vergangenheit häufiger mit der extremen Rechten in Deutschland. Er ist regelmäßiger Autor für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“, schrieb aber bereits auch schon für die extrem rechte „Deutsche Militärzeitschrift“ und das neurechte Strategieblatt „Sezession“. Zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei“, einem rechtsliberalen Magazin. Als Referent trat er bereits beim 8. Berliner Kolleg (Dezember 2004) des neurechten „Institut für Staatspolitik“ in Erscheinung.

Martin van Creveldt soll sich in Trier während seines Vortrags massiv frauenfeindlich geäußert haben. Ein Blog zitiert in u.a. mit folgenden Worten:

„Wie bei der feministischen Literatur zu diesen Themen hängt alles davon ab, wie sehr manche Damen Sex hassen”

(über Vergewaltigungen)

„Sie sind es, die dann auf die Wiederkehr der Männer warteten, für ihr Überleben beteten, sie mit offenen Schenkeln willkommen hießen, wenn sie heimkehrten”

„alle Frauen, oder zumindest sehr viele, genießen es, Männern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig abschlachten”

Hochschulgruppen nannten die Thesen von Martin van Creveldt „frauenfeindlich, militaristisch, antiisraelisch, vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv“. Nach den Protesten wurde van Crevelds Vertrag als Gastdozent nach nur einer Vorlesung „wegen gegenseitiger Vorbehalte“ aufgelöst.

Quellen:
* Zitate nach : http://www.16vor.de/index.php/2011/10/18/wenn-ich-menschen-sage-meine-ich-manner/
* Wenn Männer sich schlagen, erregt das die Frauen, 02.11.2011, in: „Welt Online“, http://www.welt.de/kultur/history/article13693394/Wenn-Maenner-sich-schlagen-erregt-das-die-Frauen.html#

Reservisten beim Neujahrsempfang eines rechten Vereins in Berlin

Die „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg“ ist politisch strammrechts einzuordnen. Sie lädt immer wieder extrem rechte Referenten ein und ihr Vize-Präsident ist Dr. Erik Lehnert, der seit September 2008 Geschäftsführer des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“ (IfS) ist. In der Preussischen Gesellschaft tummeln allerhand Reaktionäre, Kaisertreue, Rechtskonservative und auch extreme Rechte. In solchen Kreisen existiert eine starke Liebe zum Militär.
Das zeigen auch die Bilder vom Neujahrsempfang. Auf denen finden sich nicht nur diverse Uniformierte, es sieht auch so aus als ob der Reservistenverband einen eigenen Stand beim Neujahrsempfang hatte.
Jahresempfang Preussischer Gesellschaft a
Jahresempfang Preussische Gesellschaft b

Quellen:
* Homepage der „Preussischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg“
* APABIZ-Dossier zur „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg“, www.apabiz.de/archiv/material/Profile/Preussische%20Gesellschaft%20Berlin-Brandenburg.htm

Bundeswehr-Soldat kann wegen Nazi-Symbolik fristlos entlassen werden

Ein Soldat bei der Bundeswehr kann während der ersten vier Dienstjahre fristlos entlassen werden, wenn er Nazisymbolik bei Übungen trägt. Im konkreten Fall hatte ein Soldat bei einer dienstinternen Sportveranstaltung ein Trikot mit dem Staffelwappen seines Regiments, auf dem das Wort „Arisch“ und das Kürzel „18“ (steht für den 1. und 8. Buchstabe im Alphabet, also für AH = „Adolf Hitler“) aufgebracht war. Begründung für die Entlassung, war dass sein Verbleiben in seinem Dienstverhältnis als Zeitsoldat das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährden würde. Das Verwaltungsgericht Hannover entschied, dass der Kläger durch sein Verhalten gegen Dienstpflichten verstoßen hat. Ein Soldat, der im Dienst Bekleidungsstücke trägt, auf denen u.a. Propagandaparolen von Goebbels und Anspielungen auf Adolf Hitler aufgedruckt sind, verletzt seine politische Treuepflicht i. S. d. § 8 SG.

Quelle:
* Entlassung wegen rechtsextremistischer Symbole auf Trikot, 28. September 2011, http://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/entlassung-wegen-rechtsextremistischer-symbole-auf-trikot-333539

Bundeswehrsoldat gründete rechte Organisation mit

Laut einer Kurzmeldung war in Kassel ein Bundeswehrsoldat an der Gründung der extrem rechten „Deutschen Hilfsorganisation“ (DHO) beteiligt.

Quelle:
* Amtsgericht verurteilt rechtsextremen Kameradschaftschef. Strafe für Hakenkreuze und Angriff auf Polizei, http://www.hna.de/nachrichten/stadt-kassel/kassel/strafe-hakenkreuze-angriff-polizei-1397262.html

SS-Veteran als Zeitzeuge bei Nazi-Kameradschaft

Im Vereinsheim des Kleingärtnervereins Lange Hecke e.V. in Braunschweig hat am 20. August 2011 die Braunschweiger Nazi-Kameradschaft „Burschenschaft Thormania“ eine „Zeitzeugen- und Musikveranstaltung“ durchgeführt. An dieser Veranstaltung sollen knapp 100 Personen teilgenommen haben. Als „Zeitzeuge“ sprach dort das ehemalige Mitglied der Waffen-SS, Hans Marggraf.
In einem Beitrag auf Indymedia heißt es zum Hintergrund von Marggraf:

Marggraf war Freiwilliger in der „12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend“. Diese Division war an Kriegsverbrechen beteiligt. Sie verübte z.B. im April 1944 ein Massaker unter den Einwohner des Dorfes Ascq in Frankreich.2 Dabei wurden 86 Menschen ermordet. Hans Marggraf trat in den letzten Jahren immer wieder bei faschistischen Organisationen, wie der NPD oder bei „Kameradschaften“, als Redner auf. In revisionistischer Art und Weise wurde auch bei dieser Veranstaltung das verbrecherische Morden der SS zu einem angeblichen „Kampf um Deutschlands Freiheit und Einzigartigkeit“ umgedeutet.

Quelle:
* Nazikameradschaft veranstaltet Vortragsabend mit SS-Veteran im Kleingartenvereinsheim, 07.09.2011, http://linksunten.indymedia.org/de/node/46459

Antifeministischer Vortrag in Kiel

Das Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ Nummer 31-32/2011 berichtet von dem Vortrag von Martin van Creveldt in Kiel. Er trat dort für die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ und den „Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr“ an der Hermann-Ehlers-Akademie auf, dem Ableger der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Schleswig-Holstein. Er referierte vor allem über den Inhalt seines Buches „Das Wesen des Krieges“, dass in deutscher Übersetzung im äußerst rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich erschienen ist. Das Publikum bestand angeblich aus 100 Menschen, darunter auch drei Generale. Die „Junge Freiheit“ gibt auch van Creveldts antifeministischen Aussagen zum Thema Frauen in den Streitkräften wieder:

Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch „wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“. Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden.

Das solche rechten Töne von Martin van Creveldt kommen überrascht Kennen nicht. Der Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem gilt als Wehrmachts-Apologet und war Autor für die rechten Blätter „Junge Freiheit“ (regelmäßig), „Deutsche Militär-Zeitschrift“ und Sezession, zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei.“
Er war im Dezember 2004 auch schon bei dem extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ zu Gast.

Quellen:
* „Junge Freiheit“ 31-32/2011
* Frank Brendle: „In Kameradschaft treu“. Die Bundeswehr zwischen Tradition und Reform, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 77 – 4/2007, Seite 9

NVA-Kameradschaft verteidigt Wehrmacht

In der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 82 findet sich folgender Leserbrief:
DMZ-Leserbrief

Verteuflung muß aufhören
Wir, die Angehörigen des Kameradschaftsbunds Dresden-Löbtau der ehemaligen 7. Panzerdivision der NVA, beobachten mit Interesse die Umgestaltung des Militärhstorischen Museums in Dresden. Uns liegt am Herzen, daß auch das Kapitel Deutsche Wehrmacht nicht zu kurz kommt. Leider darf man sich wohl über die Darstellung dieses Kapitels deutscher Militärgeschichte keine Illusionen machen. Wir sind – genau wie die DMZ – der Überzeugung, daß die kollektive Verteufelung endlich ein Ende haben muß! Vielleicht kann die Deutsche Militärzeitschrift sich dieses Themas annehmen , wenn das Museum am 14. Oktober 2011 neueröffnet wird.

Waffen-SS-Ikone der Neonazis verstorben

Herbert Schweiger aus Mürzzurchlag in der Steiermark (Österreich) ist am 5. Juli im Alter von 87 Jahren verstorben. Schweiger galt nach dem „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ als „die graue Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene“. Schweiger, Jahrgang 1924, meldete sich als 17jähriger 1941 freiwillig zur Waffen-SS. Dort diente er als Untersturmführer bei den Pionieren in der „Leibstandarte-SS Adolf Hitler”und war auf der SS-Junkerschule Braunschweig.

Im Jahr 1953 war er der steirische Landesobmann des „Verbandes der Unabhängigen“ (VdU), dem Vorgänger der FPÖ. 1956 trat er als Spitzenkandidat der Nachfolgepartei FPÖ in Graz an, später gründete er die Landesorganisation Steiermark der neonazistischen „Nationaldemokratischen Partei“ (NDP). Anfang der 1960er Jahre unterstützte er aktiv den Bombenterror in Südtirol.
Er stand in Kontakte mit diversen neonazistischen Organisationen und war langjähriger Funktionär des „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“.
Viermal wurde Schweiger in Österreich wegen des Verstoßes gegen das NS-Wiederbetätigungsgesetz inhaftiert.
Schweiger war Vorsitzender des extrem rechten Verein „Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes“. Seine Motivation für die Gründung dieses Vereines erläutert er in dem NPD-Hausblatt „Deutsche Stimme“ vor zwei Jahren als er sagte:

Geopolitisch betrachtet kann uns nur eine Partnerschaft mit Russland vor einer demographischen Überflutung durch die anschwellenden Bevölkerungsmassen Asiens und Afrikas retten.

Aus dem März 2009 ist folgendes Zitat von Schweiger überliefert:

Der Jude von der Wall Street ist verantwortlich für die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Es ist heute dasselbe wie 1929, als 90 Prozent des Geldes in der Hand des Juden war. Hitler hatte damals die richtigen Lösungen.

Quellen:
* Die “Große Armee” wird immer größer und größer…, 6. Juli 2011, http://www.stopptdierechten.at/2011/07/06/die-grose-armee-wird-immer-groser-und-groser/
* APA: „Graue Eminenz“ der Neonazi-Szene ist tot, 06.07.2011, http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/675668/Graue-Eminenz-der-NeonaziSzene-ist-tot?_vl_backlink=/home/politik/zeitgeschichte/index.do
* Horst Freires: „Zur Großen Armee abberufen“, 08.07.11, http://www.bnr.de/content/ae-zur-grossen-armee-abberufen-ae
* hma: Schweiger tot

Burschenschaft setzt sich für Wehrmachtsflieger und Ritterkreuzträger ein

Anti-Mölders
Der 1941 tödlich verunglückte Werner Mölders war ein Ritterkreuzträger und flog auch für die „Legion Condor“ Einsätze auf Seiten des faschistischen Putschisten und späteren Diktators Franco.
In der Bundeswehr gehörte Mölders als vermeintlich unpolitischer Leistungsträger lange zu den Traditionslinien.
Jagdgeschwader Mölders

Im Internet sind interne Mitteilungen aus dem korporierten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ aufgetaucht. In den Mitteilunge findet sich auch ein „Dringlichkeitsantrag von Rheinfranken Marburg betreffend die Tilgung des Names des Wehrmachts-Jagdfliegers Oberst Werner Mölders bei der Bundeswehr“ aus dem Jahr 2005.
In einem Brief, enthalten im Protokoll der Verhandlungen des Burschentages 2005, an den damaligen Verteidigungsminister Peter Struck heißt es u.a.

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
die Deutsche Burschenschaft, die Gemeinschaft deutscher Burschenschaften, die aus der in Jena
gegründeten Burschenbewegung von 1815 hervorgegangen sind oder sich zu ihr bekennen,
[…]
* die sich in ihrer jetzt 190-jährigen Geschichte stets zum Prinzip der Wehrhaftigkeit
bekannt hat,
* in deren Reihen zahlreiche Reserveoffiziere sind,
hat sich auf ihrem diesjährigen Burschentag in Eisenach, ihrem obersten Beschlußorgan,
eingehend mit Ihrer Entscheidung vom 28. Januar 2005 befaßt. Danach haben Sie, Herr
Minister, entschieden (wie der Presse vom Folgetag zu entnehmen war), daß der Jagdflieger Werner Mölders nicht mehr Namensgeber der Bundeswehrkaserne in Visselhövede in Niedersachsen und des in Neuburg an der Donau stationierten Jagdgeschwaders 74 der Bundesluftwaffe sein soll.
[…]
Auch nach gründlicher Auswertung aller uns zu diesem Thema zugänglichen Unterlagen sehen
wir uns nicht in der Lage, die ergangene Entscheidung nachzuvollziehen. Das liegt daran, daß
bisher wichtige Einzelheiten nicht veröffentlicht worden sind. Nachfolgend möchten wir unter
Beschränkung auf das Wesentliche diejenigen Punkte ansprechen, in denen unseres Erachtens
eine umfassende Unterrichtung der Öffentlichkeit nicht nur wünschenswert, sondern
erforderlich erscheint.
[…]
Wir hoffen, daß Sie, sehr geehrter Herr Minister, nicht zu diesen gehören und wünschen Ihnen
den Mut und die Bereitschaft, getroffene Entscheidungen aufgrund sachlicher Kritik zu
überprüfen und erforderlichenfalls zu ändern.

660 extrem rechte Verdachtsfälle in der Bundeswehr jährlich

Auf NPD-Blog findet sich der Bericht über einen Welt-Artikel über den bundeswehreigenen Geheimdienst „Militärischer Abschirmdienst“ (MAD). Dabei wird auch erwähnt, dass der MAD MAD “jährlich ca. 660 Verdachtsfällen” im Bereich extreme Rechte nachgehe. Die meisten dieser Fälle würden sich auf so genannte Propagandadelikte beziehen, also auf das Abspielen von Nazi-Musik oder das Tragen von Nazi-Symbolik.

Quelle:
* NPD-Blog: Rechtsextreme Soldaten: MAD geht jährlich 660 Fällen nach, 01. Juni 2011, http://npd-blog.info/2011/06/01/rechtsextreme-soldaten-mad-geht-jahrlich-660-fallen-nach/

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Italien: Prozess gegen NS-Kriegsverbrecher in Verona

Aus einer Pressemitteilung der AG Reggio-Emilia:

Berlin, 19. Mai 2011

Verona: Einer der letzten großen Prozesse gegen deutsche NS-Täter kurz vor Urteilsverkündung

Lebenslange Haftstrafen beantragt/Prozessbeobachterin zu Gast in Berlin

Am 22. Juni wird das Urteil des Militärgerichts Verona gegen zehn ehemalige Wehrmachtsangehörige erwartet. Es ist einer der letzten NS-Prozesse dieser Größenordnung. Die Staatsanwaltschaft wird nach eigenen Angaben für alle Angeklagten lebenslange Haftstrafen beantragen. Nebenkläger sind hunderte Angehörige der Opfer, die Provinzen Toskana und Emilia Romagna und lokale Gemeindeverwaltungen.
Den ehemaligen Angehörigen der Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ wird vorgeworfen, im Frühjahr 1944 bei als „Partisanenbekämpfung“ getarnten Massakern in Norditalien über 400 ZivilistInnen ermordet zu haben. Trotz der Schwere der Vorwürfe wird in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt. Deutschland weigert sich bis heute, Täter aus der NS-Zeit ohne ihr Einverständnis auszuliefern:

„Die deutsche Regierung ist dafür verantwortlich, dass keine der im Ausland verurteilten NS-Täter jemals ihre Haftstrafen antreten müssen, sondern hier unbehelligt ihren Lebensabend genießen können“, so Anne Lepper, Pressesprecherin der AG Reggio-Emilia.

Ohne bisherige Berichterstattung in deutschen Medien findet der Prozess erst über 65 Jahre nach den Ereignissen statt. Viele Angehörige der Opfer sind mittlerweile gestorben.

Prozessbeobachterin Marianne Wienemann betont: „Der Prozess ist die längst fällige Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die von der Allgemeinheit verdrängt und vergessen wurde. Jetzt gilt es, diese aus den Mauern des Gerichtes in die Öffentlichkeit zu tragen!“

Marianne Wienemann wird auf Einladung der AG Reggio-Emilia vom aktuellen Stand in Verona berichten und auf Besonderheiten von NS-Strafprozessen in Italien eingehen. Sie ist freie Mitarbeiterin des Istoreco (Institut zur Geschichte der Resistenza und zur Zeitgeschichte in Reggio-Emilia) und steht nach Anmeldung gern für Interviews zur Verfügung.

Gespräch mit Prozessbeobachterin: „Die Angeklagten erscheinen nicht…“
Freitag, 27. Mai 2011, 19 Uhr, Statthaus Böcklerpark, Prinzenstr.1a, Berlin