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Neurechte Offiziere an Bundeswehruni in München

Martin Böcker aus München war anfangs Betreiber des rechten Interview-Blogs „www.dasgespraech.de“ und schrieb später für rechte Blätter wie „Junge Freiheit“ und „Sezession“. Boeckers bei Sezession Zudem nahm er auch an einer Kranzniederlegung am Grab des rechten Vordenkers Oswald Spengler teil. Außerdem gibt er bereitwillige zu, er besuche regelmäßig „guten Gewissens“ Veranstaltungen des ultrarechten thinktanks „Institut für Staatspolitik“ (IfS).

Nun sorgte Böcker für Furore. Er ist nämlich nicht nur Student an der Bundeswehr-Universität in München, sondern auch der neue Chefredakteur des Studierenden-Magazins seiner Universität.
Campus 1-2011
In der Ausgabe Nr. 131 des Magazins „Der Rechte Rand“ findet sich in dem Artikel „Rechtsum im »Institut für Staatspolitik«“ (Seite 22) von Robert Andreasch folgender Abschnitt:

Eines hat [Martin] Böcker freilich mit [Götz] Kubitschek gemeinsam: Jener war, was Böcker noch ist: Soldat, das heißt genauer studierender Offizier an der Universität der Bundeswehr (Fachbereich Staats- und Sozialwissenschaften) in Neubiberg bei München. Zusammen mit Leutnant zur See Felix Springer (Autor für »Sezession« und JF) und […] Larsen K[…] (Autor in JF und »Blaue Narzisse«) bildet Böcker den Kern der Münchner IfS-Aktivisten. Das rechte Trio stellt keine Ausnahme dar: Ein größerer Trupp von Soldaten/Studierenden der Bundeswehruniversität besucht zusammen mit Burschenschafter regelmäßig rechte Veranstaltungen in München, ob von der »Bürgerbewegung Pax Europa« oder beispielsweise von »Politically Incorrect«.

Der genannte Martin Böcker ist nun der neue Chefredakteur der Studierendenzeitung „Campus“ Organ des Studentischen Konvents an der Bundeswehr-Universität in München.
Bereits im Editorial von „Campus“ kündigen der Oberleutnant und seine Gesinnungsgenossen an, den Schutz der Pressefreiheit „werden wir schamlos ausnutzen.“

Böcker nennt auch den „Dienst“ der Frauen in der Bundeswehr „dankenswert, edel und gut“, schreibt aber zugleich von „der misslungenen Integration der Frau in den Streitkräften“. Im Heft führt der Redakteur und Leutnant zur See, Felix Springer, diese antifeministische These weiter aus:

Unbestritten ist, dass sich die körperlichen Anlagen männlicher und weiblicher Soldaten grundlegend unterscheiden, damit auch die reale Leistungsfähigkeit. […] In der militärischen Ausbildung sind entweder doppelte Maßstäbe oder eine Absenkung des allgemeinen Leistungsniveaus die Folge. Beides wirkt negativ auf den Kampfwert

Die Auswirkungen der Neubesetzung des Chefpostens bei „Campus“ zeigen sich sogleich. Das IfS konnte eine ganzseitige Anzeige in dem Magazin schalten.
Immerhin: Die Uni-Präsidentin erklärte laut „Süddeutsche“ eine Anzeige wie die des „Instituts für Staatspolitik“ werde es in Campus nicht mehr geben.
Doch Böcker ist nicht der einzige braune Passagier an Bord von „Campus“. So berichtet das AIDA-Archiv:

Doch Martin Böcker ist nicht allein bei „Campus“ eingestiegen: Mindestens ein weiterer „Campus“-Redakteur ist als Autor für „Sezession“ tätig, ein dritter schreibt für die extrem rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und das IfS-nahe Online-Portal „Blaue Narzisse“.

Quellen:
* Maria Holzmüller Bundeswehr: Rechtsruck im Uni-Magazin Rechter Aktivist leitet Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199 & http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199-2
* DWK/rb: Rechter Aktivist lenkt Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.welt.de/regionales/muenchen/article13487682/Rechter-Aktivist-lenkt-Zeitung-an-Bundeswehr-Uni.html
* Robert Andreasch: Skandal an Bundeswehr-Uni in Neubiberg, AIDA-Archiv, 14. Juli 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2444:skandal-an-bundeswehr-uni-in-neubiberg-&catid=43:weitere-rechte-aktivitn&Itemid=151
* Andreas Speit: Lufthoheit über den Seminaren, taz, 18.07.2011, http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2011%2F07%2F18%2Fa0027&cHash=fb013a5a50

Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt

Der neurechte Vordenker Dr. Erik Lehnert, Geschäftsführer des extrem rechten „Instituts für Staatspolitik“ (im Selbstanspruch ein „Reemtsma-Institut von rechts“) mit Sitz in Schnellroda (Sachsen-Anhalt), konnte unlängst in der Zeitschrift „Marineforum“ Ausgabe 7/8 2011 zum Thema „Gleichstellung um jeden Preis? Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten“ schreiben. Lehnert beschreibt in seinem Beitrag, der offenbar eine Kurzversion seiner IfS-Studie „Die Frau als Soldat – der Gorch Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften“ darstellt, die Transformation der Bundeswehr und kritisiert dabei vor allem den zunehmenden Zugang von Frauen zu den Streitkräften.
Er schreibt u.a.:

Seither ist die Armee das Experimentierfeld einer Gleichheitsideologie, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Zu denen nicht zuletzt der Tod der Kadettin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November 2010 gehört.

Frauen spricht er qua biologischer Voraussetzung die Möglichkeit zum Militärdienst ab:

Obwohl der große technologische Fortschritt viele Entbehrungen und Strapazen, die Soldaten über Jahrhunderte ertragen mussten, erleichtert hat, bleibt der Kampfeinsatz immer noch eine außergewöhnliche physische und psychische Herausforderung. Die Natur hat Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich ausgestattet.

Denn den Frauen fehle es am aggressiv machenden Testosteron-Hormon:
„Mit Blick auf die Tatsache, dass Kampf und Krieg ein gewisses Maß an Aggression erfordert, sind die meisten Frauen in dieser Hinsicht denkbar ungünstig ausgestattet.“
Lehnert folgert, dass die „Feminisierung der Streitkräfte“ inhuman sei und die zwei tödlich verunglückten Gorch Fock-Kadettinen Opfer weiblicher Umstände, also selber Schuld, seien:

Unter Absehung von der Realität wurde den jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun. Insofern sind die beiden verunglückten Kadettinnen (2008, 2010) Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen solcher »Gleichberechtigung« verschwiegen hat.

Spiegel-Online nennt Lehnerts Text treffend einen „erstaunliche[n] Rückfall in sexistische Denkmuster“. Das neben dem Inhalt auch schon der Autor an sich ein Skandal ist, erwähnt Spiegel-Online leider nicht. Immerhin gelang es dem Geschäftsführer eines extrem rechten thinktanks in dem Fachblatt der Marine-Offizier-Vereinigung (Auflage: 8.500 Exemplare) einen Artikel zu platzieren.
Auch nach der Kritik am Artikelinhalt, verteidigte der Chefredakteur Jürgen Kratzmann gegenüber Spiegel-Online den Beitrag und lehte Wert darauf, dass es bei dem Beitrag „auch nicht ansatzweise“ um eine „Verhöhnung“ der tödlich verunglückten Kadettin gehe.

Quellen:
* Marine-Magazin verunglimpft Frauen an Bord, 08.07.2011, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,773161,00.html
* Joachim Zepelin: Soldatinnen fallen leichter, 07.07.2011
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bundeswehr-soldatinnen-fallen-leichter/60075426.html

Waffen-SS-Ikone der Neonazis verstorben

Herbert Schweiger aus Mürzzurchlag in der Steiermark (Österreich) ist am 5. Juli im Alter von 87 Jahren verstorben. Schweiger galt nach dem „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ als „die graue Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene“. Schweiger, Jahrgang 1924, meldete sich als 17jähriger 1941 freiwillig zur Waffen-SS. Dort diente er als Untersturmführer bei den Pionieren in der „Leibstandarte-SS Adolf Hitler”und war auf der SS-Junkerschule Braunschweig.

Im Jahr 1953 war er der steirische Landesobmann des „Verbandes der Unabhängigen“ (VdU), dem Vorgänger der FPÖ. 1956 trat er als Spitzenkandidat der Nachfolgepartei FPÖ in Graz an, später gründete er die Landesorganisation Steiermark der neonazistischen „Nationaldemokratischen Partei“ (NDP). Anfang der 1960er Jahre unterstützte er aktiv den Bombenterror in Südtirol.
Er stand in Kontakte mit diversen neonazistischen Organisationen und war langjähriger Funktionär des „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“.
Viermal wurde Schweiger in Österreich wegen des Verstoßes gegen das NS-Wiederbetätigungsgesetz inhaftiert.
Schweiger war Vorsitzender des extrem rechten Verein „Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes“. Seine Motivation für die Gründung dieses Vereines erläutert er in dem NPD-Hausblatt „Deutsche Stimme“ vor zwei Jahren als er sagte:

Geopolitisch betrachtet kann uns nur eine Partnerschaft mit Russland vor einer demographischen Überflutung durch die anschwellenden Bevölkerungsmassen Asiens und Afrikas retten.

Aus dem März 2009 ist folgendes Zitat von Schweiger überliefert:

Der Jude von der Wall Street ist verantwortlich für die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Es ist heute dasselbe wie 1929, als 90 Prozent des Geldes in der Hand des Juden war. Hitler hatte damals die richtigen Lösungen.

Quellen:
* Die “Große Armee” wird immer größer und größer…, 6. Juli 2011, http://www.stopptdierechten.at/2011/07/06/die-grose-armee-wird-immer-groser-und-groser/
* APA: „Graue Eminenz“ der Neonazi-Szene ist tot, 06.07.2011, http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/675668/Graue-Eminenz-der-NeonaziSzene-ist-tot?_vl_backlink=/home/politik/zeitgeschichte/index.do
* Horst Freires: „Zur Großen Armee abberufen“, 08.07.11, http://www.bnr.de/content/ae-zur-grossen-armee-abberufen-ae
* hma: Schweiger tot

Ritterkreuzträger-Zeitzeugenvortrag bei Nazi-Veranstaltung angekündigt

Der Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet:

Am 7. Mai soll im thüringischen Kirchheim in der Szene-Lokalität „Erlebnisscheune“ im Hotel „Romantischer Fachwerkhof“ das so genannte „4. Treffen der Generationen“ stattfinden.
[…] Neben Melaouhi soll ein namentlich nicht genannter Ritterkreuzträger zu den Anwesenden sprechen.

Quelle:
* Anton Maegerle: Geschichtsunterricht für den Nachwuchs, 19.04.2011

„Afghanistankonferenz“ bei Burschenschaft in Würzburg

Am 18. April fand bei der Burschenschaft Adelphia in Würzburg eine so genannte „Afghanistankonferenz“ statt, an der nach Eigenangabe 40 Personen teilnahmen. Die Burschenschaft Adelphia ist ein rechter Männerbund, der Mitglied in dem sehr rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) ist. Bei dieser „Afghanistankonferenz“ traten der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Spatz und Oberstleutnant Carsten Spiering auf, die zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr referierten.
In einem Bericht heißt es, dass Carsten Spiering, der ehemalige Pressesprecher von Oberst Klein, „von dessen innerer Zerrissenheit in den entscheidenden Minuten des Angriffs auf die beiden gestohlenen Tanklaster. Als überzeugter Christ sei es für ihn eine besondere Überwindung gewesen, diesen Angriff zu befehlen, welcher aus militärischer Sicht allerdings alternativlos und somit absolut notwendig gewesen sei […]“.

Diese eindeutige Pro-Bundeswehr-Veranstaltung illustriert erneut das Nähe-Verhältnis zwischen Bundeswehr und Studentenverbindungen auf das der Arbeitskreis „Braunzone Bundeswehr“ bereits früher in einem Artikel in dem IMI-Magazin „Ausdruck“ ausführlicher eingegangen ist.

Auf dem Haus der Burschenschaft Adelphia Würzburg fanden in Vergangenheit auch immer wieder Vorträge mit rechtslastigen Referenten statt. So referierte bei einer DB-internen Tagung vom 11. bis zum 13. März 2011 auf dem Haus der Adelphia zum Thema „Lage in Deutschland“ auch auch Harald Seubert, der kooptierter Beisitzer im deutschnationalen „Studienzentrum Weikersheim“ und seit 2010 Präsident des ultrarechten „Preußeninstituts“ ist. Am 6. Dezember 2007 referierte der Burschenschaftler und CSU-Funktionär Hannes Kaschkat zum Thema „Berufsfreiheit und Staatskontrolle. (am Beispiel B! Danubia München und Sascha Jung)“. Kaschkat wurde 1997 stellvertretender Vorsitzender des extrem rechten Vereins „Unser Land – Wissenschaftliche Stiftung für Deutschland“ und ist oder war Vizepräsident der „Gesellschaft für die Einheit Deutschlands e.V.“ (GED).

Quelle:
* Michael Christl: „Afghanistankonferenz“ auf dem Adelphenhaus in Würzburg, 01.04.11

Schon wieder ein Ex-Militär als Referent in brauner Runde

Bei den so genannten „Zeitgesprächen“ der extrem rechten Sudholt-Verlage, die vom 29. April bis zum 1. Mai irgendwo in Bayern stattfinden ist erneut ein ehemaliger Offizier angekündigt. Ein „Dr. rer. mil. Bernhard Schwipper, Generalmajor a.D.“ soll zu dem Thema „Wollte Stalin marschieren?“ referieren.
Sudholt-Zeitgespräche

Brigadegeneral a.D. in Rechtsaußen-Blatt

In der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) Nr. 05/2011 meldet sich ein Rudi Ehninger aus Kirchheim, Brigadegeneral a.D., per Leserbrief zu Wort. Ehninger war zuletzt Stabschef des Deutsch-niederländischen Korps in Münster.
Er kommentiert den Beitrag „Rufmord aus dem Bauch heraus“ von Fritz Zwicknagl in der „Jungen Freiheit“ Nummer 51/2010.
Er schließt sich Zwicknagels Kritik an dem ehemaligen Verteidigungsminister Struck an, der beklagt das Struck den KSK-Brigadegeneral Günzel entlassen hat. Günzel war damals aufgefallen durch seine Sympathiebekundung mit dem Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der durch eine mit antisemitischen Stereotypen durchsetzte Rede einen Skandal ausgelöst hatte. Ehninger nennt die durch Struck veranlasste Entlassung Günzels „in Wahrheit nur schäbig.“
Ehninger trat auch schon als Autor der JF in Erscheinung und war Unterzeichner des rechten Aufrufes „Gegen das Vergessen“ vom 8. Mai 2005, in dem kritisiert wird, dass der 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung gesehen wird.

Hier mal ein JF-Cover zur besseren Einordnung dieser Zeitung:
Junge Freiheit gegen Homo-Lobby

Bundeswehr-Militärbischof Mixa abgetreten

Nachdem herausgekommen war, dass er Kinder geohrfeigt hatte und dass späterauch noch geleugnet hatte, bot der katholische Bischof Walter Mixa (* 1941) am 21. April dem Papst seinen Rücktritt vom Amt des Bischofs von Augsburg und von dem des s der Bundeswehr an. Mixa war seit 2000 deutscher katholischer Militärbischof.
Mixa ist politisch im konservativen Rechtsaußenbereich zu verorten, so soll er Mitglied im rechtsklerikalen „Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem“, er ist Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Tuiskonia zu München und steht der Paneuropa-Union nahe. Ebenso beteiligte er sich mit einem Beitrag an der Festschrift für Günther Rohrmoser, den inzwischen verstorbenen Hausphilosophen des deutschnationalen „Studienzentrum Weikersheim“.
Auch inhaltlich fiel Mixa durch reaktionäre oder rechte Thesen und Sprüche auf. Mixa tat sich mit kritischen Äußerungen zur Evolutionstheorie hervor, brachte die in Deutschland durchgeführten Abtreibungen mit der Zahl der Holocaust-Opfer in Verbindung, er meinte, „dass es uns nicht gut bekommt, wenn wir uns für unsere Nationalität schämen“ und für ihn war das Grundübel des 20. Jahrhunderts ein „aggressiver Atheismus“ und „gottloses Verhaltensweisen“.
Da ist es kein Wunder, dass Mixa die Gefahr des „Rechtsextremismus“ in der Bundeswehr als „nicht sehr groß“ einschätzte.

Rechtspopulistischer Reservist

In Nordrhein-Westfalen baut sich seit einigen Jahren eine neue extrem rechte Partei auf – mit Verbindung zum Reservistenverband der Bundeswehr.

Die rechtspopulistische „Pro-Bewegung“ konnte ihre Sitze in den Kreistagen, Stadträten und Bezirksvertretungen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen bei der letzten Kommunalwahl 2009 von 15 auf jetzt 46 Sitze mehr als verdreifachen. Grundlage für den erfolgreichen Stimmgewinn am rechten Rand ist unter anderem eine gezielte Abgrenzung zu neonazistischen Parteien und Kameradschaften. Dennoch kann die laut NRW-Verfassungsschutz nur einige hundert Mitglieder zählende rechtsextreme Pro-Bewegung ihre Wurzeln nicht leugnen: Pro-Deutschland Vorsitzender Manfred Rouhs war in den 1980er-Jahren Vorsitzender der Jugendorganisation der NPD in Nordrhein-Westfalen und trat dort auch als Direktkandidat für die neonazistische Partei an. Zusammen mit Markus Beisicht gründete Rouhs auch den Kölner Kreisverband der Republikaner. Beide waren zuvor in der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ aktiv, Beisicht ist heute Vorsitzender von Pro-NRW. Ein weiterer Punkt verbindet die Rechtspopulisten mit den Neonazis: ihr Militarismus.
Pro-Funktionär Hauer
Kevin Gareth Hauer gehört zur Führungsspitze der selbsternannte „Bürgerbewegung“. Hauer, ein ehemaliges Mitglied der Republikaner, gründete vor einigen Jahren die Ortsgruppe „Pro Gelsenkirchen“, deren Vorsitzender er ist und deren Meinung er auch im Rat der Stadt Gelsenkirchen vertritt. Zudem ist Hauer stellvertretender Vorsitzender von Pro-NRW und Reservist der Bundeswehr im Rang eines Leutnants, womit er sich in der Öffentlichkeit rühmt. Hauer soll auch nicht vor Kontakten mit der NPD und freien Neonazi-Kameradschaften in Bochum-Wattenscheid zurückschrecken.

Quellen:
* N.N.: „Der Vorstand“, in: www.pro-nrw.org – letzter Zugriff am 16. Februar 2010.
* Laurin, Stefan: Pro Gelsenkirchen: Zum Glück ist es Hauer, 5. Februar 2009, in: www.ruhrbarone.de – letzter Zugriff am 16. Februar 2010.

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 74 vom März/April 2010 erschienen

DMZ Nr. 74
Dieser DMZ-Ausgabe lag eine farbige Einladung zum Lesertreffen von „Lesen & Schenken“ am 19. bis 21. März 2010 bei Bamberg bei, zu dem Dietmar Munier, der Leiter der extrem rechten Verlage zu denen auch die DMZ zu rechnen ist, einlädt. Bei diesem Lesertreffen sollen allerhand Größen der extrem rechten Szene auftreten.

Interviewpartner dieser Ausgabe sind:
* Olaf Haselhorst (* 1963), zwölf Jahre Dienst bei der Marine, Autor für das neurechte Strategieblatt „Sezession“ und die militaristische „Militär & Geschichte“. Laut „Blick nach Rechts“ gehört er der rechten Burschenschaft Germania Hamburg an.
* Reinhard Uhle-Wettler (* 1932), der die Bundeswehr 1989 als stellvertretender Kommandant der 1. Luftlandedivision in Bruchsal verließ. Eine Zeit lang war er niedersächsischer Landesvorsitzende der rechtskonservativen DSU. Beiträge von ihm erschienen im revanchistischen „Ostpreußenblatt“, im extrem rechten Magazin „Nation+Europa“ (NE), in dem REPs-Blatt „Zeit für Protest“, in der extrem rechten Zeitschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ (DGG) oder in „Neue Ordnung“. Von 1995 bis 2008 war Uhle-Wettler Vorsitzender der äußerst rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung“. Im Jahr 1996 erschien von ihm im extrem rechten Hohenrain-Verlag das Buch „Die Überwindung der Canossa-Republik“ und 1998 war er (Mit-) Herausgeber einer Festschrift für den Holocaustleugner David Irving.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* Venatu-Messer
* dem Miliatria-Magazin
* der Waffensammlerbörse Luzern
* der Firma History-Films
*dem „Nation Europa“-Nachfolger „Zuerst!“, bei dem der DMZ-Chefredakteur Ochsenreiter auch Redakteur ist.
* das Waffen-SS-Ehemaligen-Magazin „Der Freiwillige“.
* dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag.
* dem NPD-Verlag „Deutsche Stimme“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* den Verlagen „Bonus“ und „Pour le Merite“, die beide wie die DMZ zum Imperium des Verlegers Dietmar Munier gehören.

Quellen:
* Illustrer Kreis. Rechtsextreme Gäste im Schlosshotel, Blick nach Rechts, http://www.bnr.de/content/illustrer-kreis
* Jan Phillip: Der Preuße, in: Der Rechte Rand Nr. 104 – Jan./Febr. 2007, Seite 16
* Anton Maegerle: Graberts Autoren und ihre Bedeutung für die rechte Szene, in: Martin Finkenberger / Horst Junginger (Hrsg.): Im Dienste der Lügen, Seite 172-174

Marine-Elitesoldat und JN-Mitglied

In der im schleswig-holsteinischen Eckernförde stationierten „Boardingkompanie“ der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine“ gibt es laut Medienberichten ein braunes Ei im Nest. Gemeint ist der 23jährige Julien L. aus Lörrach, der sich als Zeitsoldat für vier Jahre in der „SEK Boardingkompanie, Team Nr. 5“ verpflichtet hat. In Lörrach war Julien L. Gründungsmitglied des dortigen JN-Stützpunktes. Der Leiter des Stützpunktes, Thomas Baumann, geriet in die Schlagzeilen, als eine Hausdurchsuchung den Verdacht bestätigte, dass er bombenfähiges Material horte. Seither sitzt Baumann in Haft. Zu genau diesem verhinderten Bombenbastler unterhielt der Marine-Elitesoldat Kontakte.
Über Konsequenzen ist noch nichts bekannt.

Quelle:
* Stefan Schölermann: Reportage: Ein Neonazi als Bundeswehr-Elitesoldat, NDR Info, 24.09.09, http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nazibundeswehr100.html

Bundeswehr-Rechtsaußen-General verstorben

In der Nacht vom 27. auf den 28. April 2009 ist in Rendsburg der ehemalige General Günter Kießling verstorben. Er dürfte vor allem durch die so genannte „Kießling-Affäre“ bekannt sein, die sich im Zeitraum Dezember 1983 bis Januar 1984 ereignete. Damals wurde der Offizier Günther Kießling wird wegen angeblicher Homosexualität als „Sicherheitsrisiko“ entlassen. Später wurde Kießling rehabilitiert. Nicht wegen des homophoben Charakter des Vorganges, sondern weil Kießling nicht homosexuell war.

Kießling war einer der letzten Personen mit Wehrmachts-Vergangenheit in der Bundeswehr. In der Wehrmacht war er zuletzt Leutnant und in der Bundeswehr wurde er bis 1971 der bis dato jüngster General. In den Jahren 1982/83 war Kießling stellvertretender NATO-Oberbefehlshaber in Europa und ging 1984 als Vier-Sterne-General a.D. in den Ruhestand.

In der Zeit nach seinem aktiven Dienst fiel Kießling durch zahlreiche rechte Aktivitäten auf.
So war er 1994 Mitbegründer der rechtspopulistischen Partei “Bund freier Bürger”. Auch als Referent trat er bei allerhand rechtslastigen Gruppen auf. So bei der Burschenschaft Germania (1989), dem ultrarechten „Gesamtdeutschen Studentenverband“ (GDS), bei CAUSA (eine Unterorganisation der Mun-Sekte), bei der geschichtsrevisionistischen „Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt“, beim ultrarechten „Freundeskreis für Kultur- und Zeitgeschichte“, bei der extrem rechten Burschenschaft Olympia Wien (05.11.1989, Festrede zum 130. Stiftungsfest), beim „Deutschen Seminar“ oder bei den „Weißensee-Gesprächen“, die das „Freiheitliche Bildungswerk“ (FPÖ) veranstaltet.
Für die ultrarechte „Deutsch-Russländische Gesellschaft“ (DRG) trat er nicht nur als Festredner auf, sonder war er auch Kuratoriumsmitglied. Ebenso war auch eine Zeit lang Beiratsmitglied im extrem rechten „Neuen Deutschen Nationalverein“. Auch seine Auftritte bei Burschenschaften waren kein Zufall, war doch Kieling selbst Mitglied der Burschenschaft Spandovia Berlin (anderen Angaben nach auch der Sugambria bzw. Germania Bonn). Ebenso war er Ehrenmitglied des Veteranenverbandes der 298. Infanteriedivision der Wehrmacht.

Beiträge von ihm erschienen in diversen rechten Blättern wie dem revanchistischen „Ostpreußenblatt“, der Zeitschrift „Europa“, dem national“revolutionären“ Magazin „wir selbst“, der österreichischen „Aula“, der ultrarechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“, aber auch in der Volksbund-Mitgliederzeitschrift “Stimme & Weg” (3/2001).

Trotz dieser rechten Aktivitäten, würdigte der derzeitige Verteidigungsminister Jung Kießling als verdientes Bundeswehr-Mitglied, dass auch nach seiner Entlassung aus dem Dienst, der Bundeswehr eng verbunden gewesen sei (!).

Quellen:
* Jan Phillip: Der Burschenschafter, in: Der Rechte Rand Nr. 104 – Jan./Febr. 2007, Seite 17
* Jens Mecklenburg: Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, Seite 480/81

Günzel als Sicherheitsberater für „pro NRW“

Der SPD-nahe Informationsdienst „Blick nach Rechts“ berichtet folgendes über das Treiben des Ex-KSK-Chefs Günzel:

Des Know-hows eines Ex-Militärs will sich „pro NRW“ offenbar bei der Vorbereitung ihrer im Mai geplanten Demonstration anlässlich des „Antiislamisierungs-Kongresses“ bedienen.
Nachdem der Kölner Polizeipräsident die Demonstration quer durch die Innenstadt am Dienstag wegen Sicherheitsbedenken verboten hatte, erklärte „pro NRW“ am Mittwoch, Klage gegen diese Entscheidung beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht zu haben. Die Klägerin „pro NRW“ sei „uneingeschränkt bereit“, im Rahmen ihrer Kooperationsverpflichtungen am Sicherheitskonzept für den Demonstrationszug und an „operativen Maßnahmen“ mitzuwirken, zitieren die Rechtspopulisten aus der Stellungnahme ihrer Rechtsbeistände. Falls die Kölner Polizei diese Bereitschaft annehme, „würde die Klägerin beispielsweise an den ehemaligen Brigadegeneral der Bundeswehr Reinhard Günzel mit der Bitte herantreten, an der Sicherheitskonzeption mitzuarbeiten“. Günzel, der Kommandeur der Bundeswehr-Sondereinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) war, verfüge „anhand dieser Tätigkeit über genügend Erfahrungen in Sicherheitsfragen unter einsatztaktischen und operativen Gesichtspunkten“.

Quelle:
ts: Günzel als Sicherheitsberater, in: Blick nach Rechts, 30.04.09,
http://www.bnr.de/content/guenzel-als-sicherheitsberater

Rommel und der Zeitgeist

Erwin Rommel hat im Dritten Reich das Buch „Infanterie greift an“ veröffentlicht, in dem er popularisierend und unkritisch seine Erlebnisse während des Ersten Weltkrieges beschreibt.
Rommel-Buch
Interessant ist hierbei sein beigefügtes Vorwort, was sich voll auf der Höhe des herrschenden Zeitgeistes oder vielmehr des braunen Ungeistes befindet. Es ist nicht explizit nationalsozialistisch aber doch stark deutschnational und bellizistisch (kriegstreiberisch):

Die unmittelbar nach den Gefechten gemachten Aufzeichnungen sollen der wehrhaften deutschen Jugend zeigen, mit welch grenzenloser Tapferkeit der deutsche Soldat und insbesondere der Infanterist in dem 4 ½jährigen Krieg für sein Deutschland gekämpft hat.

aus: Oberstleutnant Rommel: Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam, 2. Auflage 1937

Kommentar zu dem untigen Kommentar (25.09.2009):
Das bei Rommel Verbrechen Ausgangspunkt seiner militärischen Leistungen sind wird nicht reflektiert. Es kann keine Trennung zwischen militärischen Vorgehen und den Verbrechen der Nationalsozialisten gemacht werden.
Die in Nordafrika lebenden 500.000 Juden waren massiv bedroht von der, durch Rommel geleiteten Expansion. Es gab mehr als 100 Arbeitslager in Rommels Herrschaftsbereich, die für Oppositionelle, aus Frankreich Deportierte und eben auch Juden errichtet wurden. Da ist es vollkommen egal, ob Rommel selbst ein Antisemit war, oder nicht.

Rommel war kein Antinazi oder distanzierter General, sondern ein Hitler-Protege und Vorzeigemarschall, der seine Vorteile durch die Vermarktung durch die NS-Propaganda zog. Seine positive Grundhaltung gegenüber dem Nationalsozialismus, ermöglichte ihm eine große militärische Karriere.

Besuch der Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“

Ausstellung Mythos Rommel

International und National bekannt ist Generalfeldmarschall Erwin Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“. In Deutschland ist und war Rommel vielerorts sehr populär. Bis heute gibt es eine ganze Reihe von Sachen die nach Hitlers Lieblingsgeneral benannt wurden:
* ein Rommel-Denkmal in Rommels Geburtsstadt Heidenheim an der Brenz
* drei Rommel-Kasernen
* ein Rommel-Zerstörer der Bundesmarine
* diverse Rommelstraßen, laut Google-Map im Ganzen zehn Stück
Rommelstraßen

Eine Ausstellung über den Mythos Rommel im Stuttgarter „Haus der Geschichte“ klang interessant und viel versprechend. Der Titel ließ eine kritische Darstellung Rommels und seines Mythos´ erwarten. Gilt doch des Teufels General heute noch bei vielen im In- und Ausland als Meister-Stratege und gar als Vorbild, obwohl er als aktiver Teil des Rasse- und Vernichtungskrieges Hitler-Deutschlands war. Jeder Sieg Rommels war auch ein Sieg für Hitler und dessen Vernichtungskrieg.

In der Ausstellung erfährt der Besucher erst von der Karriere Rommels als Erster-Weltkriegs-Offizier. Als solcher erhielt er auch denn Tapferkeits-Orden „Pour le Merite“. Dass Tapferkeit im Krieg immer bedeutet, dass andere sterben, wird aber nirgendwo erwähnt.

Man erfährt weiterhin, dass Rommel im Jahre 1938 erstmals das Kommando über das Führerhauptquartier hatte und den Einmarsch im Sudetenland koordinierte. Über Hintergründe, Nationalsozialismus, die Verfolgung von Juden und politischen Gegnern aber erfährt der Besucher nichts.

Man erfährt, dass Rommel ein Buch mit dem Titel „Infanterie greift an“ verfasst hat, von Hitler protegiert wurde und sich als Blitzkrieger in Frankreich auszeichnete.
Was die deutsche Wehrmacht in Frankreich überhaupt zu suchen hatte oder dass sie hunderte gefangene schwarze und arabische französische Soldaten ermordete, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass Rommel in Lybien Erfolge feierte, der jüngste Generalfeldmarschall der deutschen Wehrmacht und „ein begeisterter Hobbyfotograf“ war.
Was Rommel plötzlich in Afrika zu suchen hatte oder wie es der einheimischen Bevölkerung unter der deutsch-italienischen Besatzung ging, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass es kleine Eastolin-Figuren von Rommel gab und dass Rommel seit Ende 1943 Inspekteur des so genannten „Atlantikwalls“ war.
Über bei den Bauarbeiten des „Atlantikwalls“ eingesetzte Zwangsarbeiter erfährt der Besucher nichts.

Es wird gemutmaßt, dass Rommel vom Attentat auf Hitler 1944 wusste. Beteiligt war er hingegen nicht. Dass Hitler Rommel umbringen ließ, soll ja nicht angezweifelt werden. Aber gegen das sich abzeichnende Kriegsende hin, kam es allgemein zu Selbstzerfleischungen unter den Nazis. Widerstand ist das noch nicht. Immerhin findet sich in der Ausstellung auch der Brief von Rommels Frau Lucie-Marie Rommel, die am 9. September an den Stuttgarter Polizeichef schreibt, dass ihr Mann nicht am Attentat beteiligt war.

Ein Teil der Ausstellung beschreibt auch das Verhältnis von Bundeswehr und nennt Rommel den geistigen Vater der Bundeswehr. Interessant ist, dass der alte Kompanie-Wimpel der Rommelkaserne in Dornstadt bei Ulm und dass das alte Wappen des Grenadier-Bataillons 281 (Dornstadt) sehr dem Symbol von Rommels Afrikakorps ähnelte.
Es gab drei Kasernen, die nach Rommel benannt wurden und die Soldaten der Rommel-Kaserne in Dornstadt pflegen noch heute Rommels Gedenkstein in Herrlingen.
Mitstricker am Rommel-Mythos war der Bundeswehrgeneral Dr. Hans Seidel, der 1949 das Buch „Invasion 1944“ verfasste, in dem er schrieb Rommel verkörpere das „gute deutsche Soldatentum“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rommel in dieser Ausstellung als Nicht-Nazi und unpolitischer Berufssoldat dargestellt wird. Dass ist eine glatte Verfälschung der historischen Wahrheit. Rommel war vielleicht nicht ein fanatischer Nazi vom Typ eines Julius Streicher, aber er war – ohne je NSDAP-Mitglied gewesen zu sein – ein Sympathisant des NS-Regimes und besonders seiner Re-Militarisierungs- und Expansions-Pläne. Damit war Rommel eine Art pragmatischer Nazi, aber eben ein Nazi.
Ohne irgendeinen kritischen Filter vorzuschalten wird Rommel im Stil eines Landser-Heftes als „Stahlgestalt“ dargestellt. Diese Ausstellung dekonstruiert nicht etwa den „Mythos Rommel“, sondern sie führt ihn konsequent fort.
Anstatt Kriegsbilder mit Opferbildern zu konfrontieren, finden sich nur großflächige Schwarzweiß-Bilder, die Rommel als Soldaten zeigen und wahrscheinlich aus der Nazi-Propaganda stammen.
Lediglich dreimal wird im Hintergrund in weißer Schrift auf schwarzweißen Hintergrund pflichtschuldig etwas zu deutschen Gräueltaten eingeblendet. Einmal sogar ein ganzer Satz zu den Juden in Tunesien.

Andere Kriegsverbrechen unter Rommels Obhut hingegen werden vollkommen ausgelassen.
Unter Rommels Zuständigkeit wurden laut dem Blog „Eisberg“ in mindestens zwei italienischen Dörfern Massaker begangen:

In Boves kam es am 19. September 1943 zur Ermordung von 24 Personen durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“.
In Caiazzo wurden im Oktober 1943 22 Zivilisten wegen „Hilfe für den Feind“ bei einer
durch den Wehrmachtsleutnant Lehniyk-Emden befehligten Aktion erschossen.

Ebenfalls nicht in die Ausstellung eingearbeitet wurden die neuen Erkenntnisse des Buches „Halbmond und Hakenkreuz“. In dem offen gelegt wird, dass Rommel eine SS-Einsatzgruppe mit „im Gepäck“ hatte, die 5 Monate die tunesischen Juden terrorisierte und dafür vorgesehen war mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung die Juden in Palästina zu ermorden, so wie es Einsatzgruppen im Osten taten.

Der Blog „Eisberg“ schreibt dazu:

Für die antisemitische Mobilisierung der Einheimischen war u. a. Konstantin von Neurath zuständig. Neurath war Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes beim Afrikakorps und betrieb mit der Propagandakompanie des Korps massive antisemitische Hetze und versuchte so die arabische Bevölkerung Ägyptens für die Deutschen einzunehmen.
Obwohl durch britische Erfolge Rommel Palästina nie erreichte büßten 2.500 tunesische Juden die kurze deutsche Besetzung mit ihrem Leben. Allein nach der Eroberung des Judenviertels von Benghazi 1942 und der Deportation von mehr als 2000 Juden durch die Wüste starben ein Fünftel […]

Der Mythos Rommel in der extremen Rechten wurde von der Ausstellung überhaupt nicht erwähnt. Dieser Blog berichtete ja schon davon, dass die extrem rechte „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ) ihre erste Sonderausgabe 2009 dem Thema „Rommel und das deutsche Afrikakorps“ widmete. Auch das Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau zum Todestag am 14. Oktober 2007 anlässlich Rommels 63. Todestages der Trauer-Veranstaltung in Herrlingen beiwohnten, nachdem sie zuvor eine eigene Zeremonie abgehalten hatten, berichtete „Braunzone Bundeswehr“.

Kritik nur im Gästebuch und auf dem Klo
Eine solche Ausstellung hat natürlich einen unkritischen Eindruck auf die Besucher hinterlassen. Das illustrieren eindrucksvoll Einträge im Gästebuch.
Hier werden „Rommels Verdienste gewürdigt“ oder „eine würdige Ausstellung über einen großen Strategen“.
Doch so mancher Eintrag zeugt auch von Kritik und Entsetzen über die ausstellung. Auf den Punkt bringt es der Eintrag des 10jährigen Jonas:
„Das ist voll verherlichung! Wie viele leute sind wegen Rommel draufgegangen?“
[Fehler im Original]
Kritik an Rommel-Ausstellung
Kritik fand sich nicht nur im Gästebuch, sondern ebenfalls auf dem Männer-Klo in Gestalt eines Flugblattes (siehe Bild). In diesem wurde ein Befehl Rommels vom 23. September 1943 zitiert in dem es u.a. heißt:
„Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Bagodgliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht.“
(vom Foto abgetippt)
Weiter wurde in dem Flugblatt darauf verwiesen, dass die als Zwangsarbeiter ausgebeuteten italienischen Kriegsgefangenen („Italienische Militär-Internierten“) nie entschädigt wurden:
„Bis HEUTE [Hervorhebung im Original] wurden die Überlebenden dieser Tortur von der Bundesregierung NICHT [Hervorhebung im Original] entschädigt!!!“

Quellen
* Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“, http://www.mythos-rommel.de/
* R. Schwarzenberg: Erwin Rommel: Des Teufels General, http://eisberg.blogsport.de/2007/06/17/erwin-rommel-des-teufels-general/

Ultra-Rassist war Schatzmeister von Landes-Reservistenverbandes

Die Tageszeitung „taz“ berichtet in einem langen und sehr lesenswerten Artikel über die Umtriebe des 2008 verstorbenen Steuerberater Wolfgang Lütkemeyer aus Erfurt.
Dieser ging nicht nur Erfurts „besserer“ Gesellschaft ein und aus (war z.B. Mitglied des Rotary-Clubs), sondern war auch für zwei Nazi-Vereine aktiv. Er war von 1994 bis zu seinem Tod Schatzmeister „Familienwerks“ und 1993 bis 2001 im Vorstand der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ (AG GGG) aktiv. Die „Artgemeinschaft“ hat die rassistische Lehre des, im Nationalsozialismus populären, Ideologen „Rasse-Günther“ verinnerlicht. Mitglieder können deshalb nur für Personen werden, die der (fiktiven) „nordisch-fälischen Rasse“ zugeordnet werden. Beide Vereine stehen unter dem Vorsitz des Hamburger Nazi-Anwaltes Jürgen Rieger (* 1946). Der „Nazi in Anwaltsrobe“ (ZEIT) wurde im Juni 2005 für die Bedrohung eines Fotografen im September 2004 zu einer Geldstrafe von 1.600 Euro verurteilt.
Todesmeldung Lüttkemeyer
Das Brisante, der Oberstleutnant der Reserve Lütkemeyer war auch Schatzmeister des thüringischen Landesverbandes des Reservistenvereins und Bezirksbeauftragter der Bundeswehr für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ). In der letztgenannten Funktion hätte Lütkemeyer auch Einsicht in Krisen- und Notstandspläne gehabt.
Weiterhin war Lütkemeyer Schatzmeister der Jagdgenossenschaft „Fahnerhöhe“. Hier soll er angeblich Geld unterschlagen haben. Sein Tod 2008 war ein Selbstmord und soll die Reaktion auf eine Hausdurchsuchung gewesen sein.

Dieser extreme Fall zeigt, dass die Reihen der Bundeswehr keinesfalls abgesichert sind gegen das Einsickern von Neonazis. Die „Artgemeinschaft“ steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und die Stellung Lütkemeyers als Schatzmeister des Rieger-Vereins „Familienwerk“ wäre durch einen einfachen Blick in die Vereinsakten festzustellen gewesen.

Reservisten gegen Rechts
Verlautbarungen dieser Art haben da auch nicht geholfen …

Quellen:
* M. Baumgärtner & T. Schmidt: Der völkische Herr Lütkemeyer. Extremist der Mitte, in: Taz vom 20.02.2009, http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/extremist-der-mitte/
* Frank Brendle: Neonazi führte Bundeswehrkommando, Junge Welt, 21.02.2009
* Kirche für arische Kämpfer – Die Artgemeinschaft, in: Antifa-Infoblatt 1/07, http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/74/16.php
* Andrea Röpke: Jürgen Rieger, DRR Nr. 95 – Juli/August 2005, Seite 18/19

Brauner Militärhistoriker feiert 75. Geburtstag

Auf dem Haus der extrem rechten Burschenschaft Danubia in München feierten am 15.November 2008 über 100 geladene Gäste den 75. Geburtstag des Militärhistorikers Franz W. Seidler (* 1933). Seidler ist emeritierter Ordinarius für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München.
Seit 1973 war Seidler an der Bundeswehrhochschule tätig, zuvor war er wissenschaftlicher Direktor der Münchner Heeresoffiziersschule (1969-1972) und Referent im Bundesverteidigungsministerium (1963-1968) gewesen. Als Referent trat Seidler bei allerhand rechten bis extrem rechten Gruppen auf: Bei der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP), der „Hamburger Burschenschaft Germania“, bei den „Bogenhauser Gesprächen“ der „Burschenschaft Danubia“, dem „Verein Unser Land“ von Alfred Mechtersheimer, dem FPÖ-nahen „Neuen Klub Salzburg“, beim Verein „Die Deutschen Konservativen“ oder der „Burschenschaft AFV! Rugia Karlsbad“ in Dresden.
Autor ist Seidler u.a. in den „Burschenschaftlichen Blättern“, dem Verbandsorgan der „Deutschen Burschenschaft“. Als Buchautor erschienen seine Bücher im „Pour le Merite“-Verlag, einem Unter-Verlag des rechtsextremen Arndt-Verlag.
Inhaltlich versucht Seidler sich vor allem in einer Apologie der Wehrmacht und ihrer Verbrechen. In einer Dokumentation des „Deutschlandfunks“ wurde ihm 1997 vorgehalten:

„die Hitlersche Ausrottungs- und Eroberungspolitik im Zweiten Weltkrieg nicht nur zu rechtfertigen, sondern sie mit vorwiegend edlen Zügen zu versehen, den Zügen eines fundamentalistischen Antikommunismus“
Ein Interview mit Professor Dr. Franz W. Seidler erscheint diese Woche auch in der neuen Ausgabe der DVU-nahen Nationalzeitung.

Bei der 75. Geburtstagsfeier Seidlers waren laut DMZ-Bericht folgende Personen aus der (extremen) Rechten anwesend: Konrad Löw (Unterstützer der Moon-Sekte, Autor in den rechten Blättern „Sezession“ und „Criticon“ München), Dietmar Munier (Geschäftsführer des rechtsextremen Arndt-Verlages), Herbert Fleissner (rechter Groß-Verleger), Bernd Kallina (Danubia-Mitglied), Dr. Hans Merkel (CSU-Mitglied, Danubia-Unterstützer, DMZ-Interviewpartner), Fred Duswald (Danubia-Mitglied, in den 70er Jahren Führungskader der neonazistischen NDP, Vorstandsmitglied des 1998 aufgelösten „Vereins Dichterstein Offenhausen“), Dietrich Witzel (Ritterkreuzträger, vermutlich als Oberleutnant und Chef des „Fronteinsatzkommandos 200 der Abwehr“ aktiv im Afghanistan beim Aufstacheln der einheim. Bevölkerung), Dr. Klaus Goebel (siehe Artikel weiter unten), Günter Deschner (DMZ- und „Junge Freiheit“-Autor), Oberst a.D. Klaus-Ulrich Hammel (ehemaliger Stabschef der 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr, Aktivist für den rechtspopulist. „Bund Freier Bürger“), Hans-Ulrich Kopp (Danubia-Mitglied, Witikobund-Bundesvorstandsmitglied) und Alfred Mechtersheimer (Vorsitzender der extrem rechten „Deutschland-Bewegung“).
Einiger dieser Gestalten tauchen auch als Mitautoren der Festschrift zum Geburtstag Seidlers, Alfred Schickel (Hg.): „Kein Dogma! Kein Verbot! Kein Tabu!“, auf. Erschien en ist die Festschrift natürlich im Munier-Verlag „Pour le Merite“.

Quellen:
* „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Januar-Februar 2009
* Anton Maegerle: Konspirativer Kongress, in: „Blick nach Rechts“-Ausgabe 05/2005

Namenspatenonkel: General von Lettow-Vorbeck

Lettow-Vorbeck-Biografie
Im Folgenden sollen ein paar Informationen aus dem Buch „Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit“ von Uwe Schulte-Varendorff (Berlin, 2006) wiedergegeben werden. Das Buch beschäftigt sich kritisch mit der Biografie von General Lettow-Vorbeck, der Namensgeber für mehrere Bundeswehr-Kasernen war und gewesen ist. Drei von vier Kasernen(um)benennungen nach Letto-Vorbeck stammen noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und das nicht ohne Grund:
* 1938 in Leer/Ostfriesland
* 1938 in Bremen (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1939 in Hamburg-Wandsbeck (inzwischen geschlossen, aber nie umbenannt)
* 1962 in Bad Segeberg

Paul Emil von Lettow-Vorbeck (1870-1962) war von Anfang an beseelt vom preußischen Militärgeist. Bereits 1881 trat er in das Kadettenkorps in Potsdam ein und es folgte eine die typische Karriere eines Angehörigen der Kaste des Militär-Adels. Im Jahr 1900 schloss er sich der „1. Ostasiatischen Infanterie-Brigade“ an und beteiligte sich damit am sogenannten Boxer-Feldzug, der Niederschlagung eines antiwestlichen Aufstandes in China. Beim Ausrücken in Bremen hörte er damals höchstselbst die berüchtigte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II., in der dieser aufforderte den Chinesen jedes Pardon zu verwehren. In China erlebte er seine „Feuertaufe“ beim Angriff im Januar 1901 auf ein „Boxernest“, ein angeblicher Rebellen-Ort (in Wahrheit oft ein unbeteiligtes Dorf). Unbändiger Ehrgeiz trieb ihn an. Danach tat Lettow-Vorbeck organisatorischen Stabsdienst. Als in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ (heute: Namibia) ein Aufstand aufbrach, in dem sich Einheimische gegen Unterdrückung auflehnten, meldete er sich auch hier freiwillig. Er diente 1904-07 als Adjutant und Stabsoffizier des Kommandanten Trotha, der verantwortlich ist für das Genozid an den Herero und Nama.

Nach einer Zwischenzeit in dem „2. Seebataillon Wilhelmshaven“ der kaiserlichen Marine trat er 1913 wieder der „Kaiserlichen Schutztruppe bei. Deren Kommandeur in „Deutsch-Ostafrika“ (heute: Tansania) und zeitweise auch Kamerun er wurde.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es auch in Afrika zu Kampfhandlungen. Die vorher festgelegten Regelungen in der Kongo-Akte (keine Kämpfe in den Kolonien) wurden von beiden Seiten konsequent missachtet. Lettow-Vorbeck versuchte gleich zu Anfang die strategisch wichtige britische Uganda-Bahn angreifen. Als Portugal 1916 in den Krieg gegen Deutschland eintrat, wendete sich Lettow-Vorbeck mit seinen Truppen auch gegen die, sich im Süden befindliche Kolonie „Portugiesisch-Ostafrika“ (heute: Mocambique). Durch flexibles Ausweichen und einiges taktisches Geschick konnte Lettow-Vorbeck gegen die Übermacht aus britischen, indischen, südafrikanischen, belgischen und portugiesischen Truppen lange aushalten.
Spätestens mit seinem Einfall in die portugiesische Kolonie 1917 wandelte sich der Krieg Lettow-Vorbecks in einen Kleinkrieg. Seinen geplanten Zug von einer Küste zur anderen Küste nach Angola konnte Lettow-Vorbeck nicht beenden. In Nordrhodesien (heute: Sambia) musste er schließlich kapitulieren.
Entgegen der Mär von den treuen Kolonialuntertanen, gab es während des Kampfes in Afrika Aufstände von Einheimischen (Seite 50-54), die wohl die Chance sahen das deutsche Joch abzuschütteln. Unter en Aufständischen war auch das Volk der Massai. Gegen die Massai wurden von Lettow-Vorbeck Strafexpeditionen befohlen, bei denen ganze Dörder niedergebrannt wurden. Ihren Widerstand mochte Lettow-Vorbeck den Massai auch später nicht vergeben, er machte aus ihnen in seinen Memoiren später die „Urjuden“ (Seite 102).
Weitere Opfer des unnötigen Krieges in den Kolonien war die Zivilbevölkerung, die unter einer kriegsverursachten Nahrungsmittelknappheit litt. Der Autor Uwe Schulte-Varendorff konstatiert über die ständigen Beschlagnahmungen und die Taktik der „verbrannten Erde“ (vernichtung aller Nahrungsmittel und Anbauflächen):
„Bei der von Lettow-Vorbeck praktizierten Kriegsführung verwundert es nicht, dass die afrikanische Zivilbevölkerung an letzter Stelle der Nahrungskette stand.“
(Seite 55)
Das rigorose Vorgehen mündete in eine allgemeine Hungersnot, die 300.000 Menschen das Leben kostete (Seite 57).
Stand die einfache Zivilbevölkerung auf der untersten Stufe, so ging es auch den im deutschen Diensten stehenden Askaris nicht immer gut. Ihr Spitzname für ihren Kommandanten Lettow-Vorbeck war „Herr, der unser Leichentuch schneidert.“ Um die Reihen der Askaris wieder aufzufüllen, wurden Zivilisten zwangsrekrutiert. Unter den Neu-Rekrutierten befanden sich auch Minderjährige, also de facto Kindersoldaten, die als „Signalschüler“ (Kundschafter) eingesetzt worden (Seite 60).
Viele Neu-Rekrutierte, im Durchschnitt etwa 20%, flohen und schlossen sich teilweise den Alliierten oder den Aufständischen an. Soviel zum Mythos von den „treuen Askaris“. Wurden die Deserteure wieder eingefangen, so wurden sie oft öffentlich hingerichtet, aber mindestens ausgepeitscht.
Wesentlich schlechter als den Askaris erging es den Trägern in Lettow-Vorbecks Truppe. Diese wurden fast gänzlich zwangsrekrutiert und in Ketten gelegt. Sie starben zu zehntausenden an Erschöpfung, Hunger und Kälte. Insgesamt sollen 100-120.000 umgekommen sein (Seite 59).
Insgesamt, also von Deutschen und Alliierten verursacht, starben bei den Kämpfen in Ostafrika 700.000 Menschen!!!

Trotz seiner Gefangenschaft kehrte Lettow- Vorbeck im März 1919 umjubelt nach Deutschland zurück. Als „im Felde unbesiegt“ diente er der anti-demokratischen Rechten immer das lebende, positive Gegenstück zur „Dolchstoßlegende“. Lettow-Vorbecks Unbesiegtsein, sollte beweisen, dass die Front auch in Europa ohne den „Dolchstoß“ standgehalten, ja gesiegt hätte. Behauptungen, die jeder Militärhistoriker als Legende einstuft.
In der Weimarer Republik behielt von Lettow-Vorbeck von Anfang bis Ende seine deutschvölkische Gesinnung bei. Er sprach schon früh auf Versammlungen der NSDAP, der er bereits vor 1933 positiv gegenüberstand.
Doch nicht nur als Redner wandte er sich gegen die junge Republik. Im Jahr 1920 schloss er sich dem Kapp-Lüttwitz-Putsch an. Mit seinem „Korps Lettow-Vorbeck“, etwa 10.000 Soldaten besetzte er Mecklenburg. Am 15. März erschossen seine Truppe 15 Menschen in Schwerin.
„Geübt“ hatte er zuvor schon in Hamburg während der sogenannten „Sülzeunruhen“ (Juni 1919: Die Sülzeunruhen, auch als Hamburger Sülzeaufstand bekannt, ereigneten sich im späten Juni 1919 in Hamburg. Auslöser war die Annahme der Bevölkerung, dass verfaulte Tierkadaver zu Sülze verarbeitet und verkauft würden.).
In beiden Fällen verhielt sich Lettow-Vorbeck wie ein Militär in besetztem Feindesland.
Das Scheitern des Kapp-Lüttwitz-Putsches hatte für ihn lediglich den Abschied aus dem Armee-Dienst zur Folge.
Als Abgeordneter vertrat er gegen Ende die antidemokratische und antisemitische „Deutschnationale Volkspartei“ (DNVP) im Reichstag.

Im Jahr 1939 wurde von Lettow-Vorbeck von Hitler zum General z.b.V. (zur besonderen Verfügung) ernannt, wobei diese besondere Verfügung vor allem in propagandistischen Tätigkeiten für das Regime.
Entgegen allen Legenden war Afrika aber nur ein Nebenschauplatz, der niemals die Anzahl an Truppen band, die Lettow-Vorbeck für sich beanspruchte (300.000).

Auch zur Bundeswehr stand Lettow-Vorbeck in gutem Verhältnis. Seine Beerdigung erfuhr alle erdenklichen Ehren:
„Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Lettow-Vorbeck in Hamburg, wo er am 9. März verstarb. Die Beisetzung erfolgte am 13. März 1964 in Pronstorf in Schleswig-Holstein.
Die Feierlichkeiten anläßlich seiner Beisetzung werfen ein bezeichnendes Licht auf das Traditionsverständnis der Bundeswehr; man gewährte Lettow-Vorbeck ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren. Sechs Stabsoffiziere der Bundeswehr hielten am Sarg die Totenwache, angetreten waren eine Ehrenkompanie des Panzergrenadierregiments aus Neumünster mit Musikkorps und ein Halbzug des Seebataillons aus Borkum. Der Kommandeur des Panzergrenadierregiments, Oberst Schmidt, trug dem Sarg das Ordenskissen mit den zahlreichen Auszeichnungen des Generals voran. Bei der Beisetzung war auch der Befehlshaber im Wehrbereich I, Konteradmiral Rösing, anwesend. Beim Hinablassen des Sarges spielte das Musikkorps »Heil Dir im Siegerkranz«. Auf Veranlassung der Bundesregierung und mit Hilfe der Bundeswehr waren eigens zwei ehemalige Askari der »Schutztruppe« aus Tansania als Staatsgäste eingeflogen worden.
Die Traueransprache hielt der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU), der betonte, dass Lettow-Vorbeck »wahrlich im Felde unbesiegt« geblieben sei. Der General habe das »Gesetz der Menschlichkeit, der Sitte und des Rechts eingehalten«, denn »als Grundlage der von ihm ganz persönlich geprägten Kriegsführung galten Kampf und Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber«. Hassel sah in Lettow-Vorbeck »eine der großen Gestalten, die das Leitbild beanspruchen dürfen … Vorbild genannt zu werden.«“
(Seite 126 und 127)

Heute wäre es an der Zeit diese nationalistische Identifikationsfigur mit ihrer blutigen Geschichte vom Heldenpodest zu stoßen und Lettow-Vorbecks Name von Kasernen und Straßenschildern zu tilgen.

Das reich bebilderte und nicht zu sehr akademische Buch ist vorbehaltsfrei jedem und jeder interessierten LeserIn zu empfehlen!

Quelle:
* Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit, Berlin 2006

Der Verlag des Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof

Wie das Münchner „Antifaschistische Informations- und Dokumentations-Archiv“ (AIDA) auf seiner Homepage berichtet ist für den 05.11.2008 der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof (* 1939) aus Buxtehude bei Münchner Burschenschaft Cimbria als Referent zum Thema „Das Deutsch-Tschechische Drama 1918-1938“ angekündigt. Übrigens nicht die erste Burschenschaft bei der Schultze-Rhonhof referiert.
Schultze-Rhonhof ist Bundeswehr-Generalmajor a.D. und ehemaliger Territorialer Befehlshaber für Niedersachsen und Bremen. Er trat 1959 in die Bundeswehr ein und lehrte bis 1996 an der „Führungsakademie der Bundeswehr“.
Im Jahr 2003 veröffentlichte Schultze-Rhonhof sein geschichtsrevisionistisches Werk „Der Krieg, der viele Väter hatte“ im Münchener Olzog-Verlag.
Der Krieg, der viele Väter hatte
Zusätzlich betreibt er die Homepage „Vorkriegsgeschichte“ und tritt als Referent und Redner in der extremen Rechten auf, von SS-Veteranen über Burschenschaften bis zu NPD-Nahen Organisationen.
Inlet des Buch von Schultze-Rhonhof
Laut AIDA beurteilte das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz im Jahr 2007 eine Aussage von Schultze-Rhonhof („entscheidende Bemühungen der damaligen Reichsregierung, die den Frieden retten wollte und um alles in der Welt einen Krieg zu vermeiden suchte.“) zum Kriegsbeginn 1939 wie folgt:
„Die in dieser Aussage zum Ausdruck kommende, jeden seriösen Forschungsstand ignorierende Behauptung, Hitler-Deutschland habe nicht einmal den Krieg gegen Polen gewollt und sei daher ganz unschuldig am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gewesen, gehört zu den klassischen Konstanten in der verzerrten Realitätswahrnehmung rechtsextremer Geschichtsrevisionisten.“

Selbst der Verfassungsschutz erkennt also einen rechtsextremen Geschichtsrevisionisten. Stellt sich die Frage welcher Verlag einen solchen bei sich beheimaten würde. Wie bereits erwähnt ist Schultze-Rhonhofs Hausverlag der Olzog-Verlag mit Sitz in München. Der Olzog-Verlag ist keineswegs ein genuin rechtsextremer Verlag. Er gilt sogar als renommiert. In ihm werden auch Bücher mit kritischem Inhalt zum Thema Rechtsextremismus („Rechtsextremismus im Internet“ von Rainer Fromm und Barbara Kernbach – 2001, Sammelband „Schwarze Geister, Neue Nazis – Jugendliche im Visier totalitärer Bewegungen“ – 2008) verlegt. Ob die Aufnahme dieser Bücher ins Angebot einem taktischen Kalkül entspringt oder ob eher bei der Herausgabe des Schultze-Rhonhof-Buches finanzielle Motive im Vordergrund standen ist für Außenstehende unersichtlich.
Als nicht genuin rechtsextremer Verlag ist es natürlich einfacher für LeserInnen aus der Mitte der Gesellschaft ohne Scheu und Vorwarnung zu erwerben.
Der Olzog-Verlag weiß aber trotzdem, wo er den rechten Teil seiner Kundschaft ansprechen muß und schaltete daher mehrmals Anzeigen in dem rechtsliberalen Monatsblatt „eigentümlich frei“. Auch verfügt der Olzog-Verlag mit den Autoren Konrad Löw und Stefan Scheil über weitere eindeutig rechte Autoren.

Das Brisante ist, dass der Olzog-Verlag auch mit der „Bundeszentrale für politische Bildung“ (BzpB) zusammenzuarbeiten scheint. Dort jedenfalls kann man das Buch „Die politischen Parteien in Deutschland“, ein inhaltlich nicht zu beanstandentes Standartwerk, aus dem Olzog-Verlag vergünstigt erwerben.

Schultze-Rhonhof und sein Wirken ähneln sehr einem bereits verstorbenen Geschichtsrevisionisten. Der US-Autor David L. Hoggan (1923-1988) veröffentlichte 1961 im rechtsextremen Grabert-Verlag (Sitz: Tübingen) sein Machwerk „Der erzwungene Krieg“ (im Original: „The Forced War“), dass nur in Deutschland verlegt wurde.
Bei beiden Büchern nimmt der Titel den Inhalt vorweg. Beide leugnen die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg. Von der Fachwelt und der überregionalen Presse jeweils als unhistorisch abgelehnt und widerlegt erreichten beide Werke doch hohe Auflagen.
* „Der erzwungene Krieg“ erschien kürzlich in der 15. Auflage, wie der Euro-Kurier 10/2008 des Grabert-Verlages stolz vermeldete, und erzielte bis heute über 100.000 verkaufte Exemplare. Zeitweise befand er sich sogar auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
* „Der Krieg, der viele Väter hatte“ erscheint mittlerweile in der sechsten Auflage erscheint und erzielte bis heute laut einer Werbe-Anzeige im Magazin „eigentümlich frei“ des Olzog-Verlages über 30.000 verkaufte Exemplare.

Hoggan, wie Schultze-Rhonhof tingelten als Referenten durch die extreme Rechte in Deutschland, deren Bedürfnis nach Entschuldung und Relativierung deutscher Geschichte sie damit bedienten. Diese Entschuldung ist die Voraussetzung für die Wiedergeburt eines völkischen und nationalistischen Deutschlands.

Grundsätzlich geht es für die gesellschaftliche Mitte aber auch ohne. Joschka Fischer begründete ja bekanntlich die deutsche Beteiligung am Krieg gegen Jugoslawien nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.

Quellen:
* AIDA München: Münchner Burschenschaft lädt Geschichtsrevisionisten ein, 31. Oktober 2008, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1332%3Amuenchner-burschenschaft-laedt-geschichtsrevisionist-ein
* Recherche Nord: Buxtehude: Nachgeladen: Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof 22.07.2008, http://www.recherche-nord.com/index.php?option=com_content&task=view&id=165&Itemid=74
* Michael Quelle: Gerd Schultze-Rhonhof »1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte« Politischen Standort 2005 gehalten: Rechtsaußen, Januar 2006; www.stade.vvn-bda.de/schrh.htm
* Jan Phillip: Der militärische Revisionist, in: Der Rechte Rand Nr. 104 – Jan./Febr. 2007, Seite 17

Ergänzung (09.11.08): Der Olzog-Autor Stefan Scheil
Buch Stefan Scheil
Stefan Scheil (* 1963) gilt als der „Hofhistoriker“ der neurechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ (JF). Als Autor schreibt er aber auch für die rechtsextreme „Deutsche Geschichte“, die extrem rechte „Deutsche Militärzeitschrift“, die „Konservative Deutschen Zeitung“, aber auch für die FAZ. Als Referent trat er bereits für den rechtsextremen Sudholt-Verlag, die „Staats- und Wirtschaftspolitische Vereinigung“ und das JF-nahe „Institut für Staatspolitik“ auf.
(Anton Maegerle: Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der „Jungen Freiheit“, in: Stephan Braun / Ute Vogt (Hgg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, Seite 205-206)

Münchner NPD-Stadtrat gibt sich militaristisch

Aus einem kritischen Bericht über den NPD-Stadtrat und rechtsextremen Multi-Funktionär Karl Richter:

Auch seine Jahre bei der Bundeswehr scheinen Richter stark geprägt zu haben. Das Militärische sei in seinen „Augen eine essentielle Lebensform: es wird nicht diskutiert, sondern gemacht.“, so der rechtsextreme Kommunalpolitiker gegenüber „Hier&Jetzt“. Vor diesem Hintergrund erschließt sich leichter, was Richter meint, wenn er von seinen Ratskollegen abwertend als „Rathaus-Demokraten“ spricht. Und er versäumt es auch nicht, schnippisch darauf hinzuweisen, dass „das MG 3 (…) einfach eine feine Waffe“ sei.

Quelle:
* „Das MG 3 ist einfach eine feine Waffe“ – Über Karl Richter und das Militärische als Lebensform, 04.08.2008, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1887&Itemid=240