Archiv der Kategorie 'Einzelpersonen'

Bundeswehrsoldat in Lörrach für rassistische Hetze verurteilt

Die „Badische Zeitung“ berichtet:

„Ein Zeitungsbericht war der Auslöser: Im Internet hat sich ein 28 Jahre alter Mann herabsetzend und beleidigend über Flüchtlinge ausgelassen und dazu aufgefordert, sie auf grausame Weise zu ermorden. Jetzt wurde er wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt und muss 300 Euro an einen Asylverein bezahlen.
Ein Bericht in der Badischen Zeitung über die Unterbringung von 200 Flüchtlingen hat den Angeklagten im Juni vergangenen Jahres so auf die Palme gebracht, dass er den menschenverachtenden Eintrag auf seinem Facebook-Account öffentlich postete. „Jawohl, ich habe das geschrieben“, gab der Angeklagte, der zurzeit bei der Bundeswehr ist, zackig-militärisch zu. Sonst machte er aber einen in sich gekehrten, depressiven Eindruck. „Es tut mir Leid, dass ich diesen Scheiß geschrieben habe“, sagte er vor Gericht. Ein paar Wochen später habe er den Eintrag gelöscht. Zu rechtsextremistischen Gruppierungen habe er keinen Kontakt. Der Kriminalbeamte, der in der Sache ermittelt hatte, sagte, der Angeklagte habe wohl auch mal in einer Facebook-Gruppe, die gegen die Flüchtlingsunterkunft in Efringen-Kirchen agitiert habe, etwas geschrieben. […]
Von seinem Arbeitgeber hat der junge Mann wegen seines Facebook-Eintrags eine Abmahnung erhalten. Der Angeklagte, der mit Mühe den Hauptschulabschluss geschafft hat, hat eine Ausbildung nicht beendet, weil der Ausbildungsbetrieb in die Insolvenz ging. Seitdem hat er mal hier, mal dort gejobbt. In diesem Jahr ging er freiwillig zur Bundeswehr, doch dort kann er wegen seiner psychischen Probleme nicht bleiben.“


Quelle:

* Thomas Loisl Mink: 28-Jähriger wegen Facebook-Hetze gegen Flüchtlinge zu Geldstrafe auf Bewährung verurteilt, Badische Zeitung, 17. Juni 2016, http://www.badische-zeitung.de/loerrach/28-jaehriger-wegen-facebook-hetze-gegen-fluechtlinge-zu-geldstrafe-auf-bewaehrung-verurteilt--123242646.html

Ehemaliger Bundeswehr-Soldat schändet Stolperstein für NS-Opfer

Wie ein NDR-Bericht vermeldet hat in Emden der Rentner Hans Bär (73) bereits zweimal einen Stolperstein ausgegraben. Der Stolperstein erinnert an das KPD-Mitglied Johann Wilkens, der 1943 im Alter von 32 Jahren im berüchtigten „Strafbataillon 999“ in Tunesien starb.
Dem NDR kommentierte Bär seine Tat: „Ein Grabstein eines Kommunisten direkt vor meiner Haustür, das kann ich als ehemaliger Bundeswehrsoldat nicht dulden“.

Der NDR berichtete über über die Schändung:

Nach zwei Wochen schnappte Bär sich einen Spaten und grub den Stolperstein aus, „damit ich ihn nicht mehr sehen musste“, wie er erklärt. Er legte ihn für Passanten sicht- und lesbar unter seine Hecke. Der Arbeitskreis reagierte am vergangenen Montag: Der Stein wurde wieder an der ursprünglichen Stelle verlegt. Angehörige des gestorbenen KPD-Mitglieds legten in einer Zeremonie Rosen nieder. Hans Bär griff noch während dieser Gedenkfeier zu seinem Besen und fegte die Rosen in den Rinnstein. „Absolut respektlos dem Opfer und seinen Angehörigen gegenüber“, sagt Edda Melles vom Arbeitskreis Stolperstein. Keine Stunde später griff Hans Bär zum Spaten und pflanzte den Gedenkstein erneut um. Weg von seinem Eingangsbereich, drei Meter nach links: „Dann muss ich nicht jeden Tag drüber laufen.“


Verwendete Quelle:

* Rentner buddelt Stolperstein immer wieder aus, NDR, 03.02.2016, https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Rentner-buddelt-Stolperstein-immer-wieder-aus,stolperstein146.html

Handelte Mundlos in der Bundeswehr mit Waffen?

Brisant klingt vor allem eine Passage: Ihm sei über Uwe Mundlos berichtet worden, „dass er über seinen Nazikameraden, Waffen und Sprengstoff aus dem Bestand von abgezogenen Rotarmisten besorgen“ könne. Ein Rekrut habe erzählt, „dass er von Mundlos eine (Pistole vom russischen Typ) Makarow gekauft hatte.“

Quelle:
* Martin Debes: NSU-Zeuge: Mundlos handelte in Bad Frankenhausen mit Waffen, Thüringer Allgemeine, 12.12.13, http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/NSU-Zeuge-Mundlos-handelte-in-Bad-Frankenhausen-mit-Waffen-774998417

Aufstand der Generäle

Laut der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) hat der Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) einen Protestbrief von 32 ehemaligen Generalen der Bundeswehr erhalten. Darin protestieren diese dagegen, dass der „Ehrenhain“ in Munster verändert werden soll. In Munster befindet sich ein Ausbildungszentrum der Bundeswehr, an dessen Standort sich ein „Ehrenhain“ mit Gedenksteinen auch an Wehrmachts-Einheiten befindet. Letztes Jahr nun, filmte ein TV-Team wie am Volkstrauertag auch ein Kranz für eine SS-Panzerdivision niedergelegt wurde. Die in einer Sendung verwendeten Bilder führten zu einem Skandal, woraufhin sich die Bundeswehr-Führung veranlasst sah den Gedenkort umzugestalten, sodass Wehrmachts-Bezüge verschwinden.
In dem ausschnittsweise von der JF zitierten Brief wird der Anlass für diese Maßnahme als „lächerlich unbedeutender Vorfall“ bezeichnet. Weiter heißt es in einer sehr rechtskonservativer Tonlage:

„Wenn schon die Mehrheit des deutschen Volkes seine in den Kriegen gefallenen Soldaten vergißt
und in vielen Kirchen die Gedenktafeln mit den Namen der Kriegstoten entfernt werden, ist es zumindest die Anstandspflicht der heutigen Soldaten, ihrer gefallenen Vorgänger zu gedenken und ihnen eine ehrende Erinnerung zu erweisen. […] In einem Land, in dem seit einiger Zeit mit Steuergeldern Gedenksteine für Deserteure errichtet werden, wirkt das dienstlich angeordnete Abbauen von Gedenkstätten für die Soldaten, die ihre Pflicht bis in den bitteren Tod hinein erfüllt haben, wie ein Faustschlag des Verteidigungsministers in das Gesicht seiner Soldaten.“

Die Aktion wäre überdies „ein klares Signal an junge Idealisten und Patrioten in Deutschland, sich dem Staat nicht mehr für den Militärdienst zur Verfügung zu stellen“.

Sammelband von jungrechten Offizieren präsentiert

Die drei neurechten Jungoffiziere Böcker, Kempf und Springer, die vor einiger Zeit das Studierendenmagazin der Bundeswehr-Universität bei München kaperten (BraunzoneBw berichtete) haben nun ein Sammelband herausgebracht. Der Band trägt den Titel „Soldatentum. Auf der Suche nach Identität und Berufung der Bundeswehr heute“ und ist im Olzog-Verlag erschienen. Über die Präsentation berichtete der neu Erik Lehnert, Chef des neurechten thinktanks „Institut für Staatspolitik“, berichtet auf „Sezession Online“ unter der Überschrift „Soldatentum – Böcker, Springer und Kempf präsentieren ihr Buch“:

Daß die drei Oberleutnante den Gesprächsfaden mit diesem Buch wieder aufnehmen, ist bemerkenswert und wird dadurch erstaunlich, wenn man bedenkt, daß der ehemalige Generalinspekteur Klaus Naumann und der aktuelle Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Ulrich Kirsch Geleitworte beigesteuert haben. Bei der gestrigen Vorstellung waren neben Kirsch und den drei Herausgebern noch die Mitautoren Prof. Carlo Masala und Hauptmann Bohnert sowie der Wehrbeauftrage Helmut Königshaus nicht nur anwesend, sondern auch durch Wortbeträge beteiligt.
Über mangelnde Unterstützung können sich die Herausgeber damit nicht beklagen und es ist zu hoffen, daß es ihnen gelingt, die Wahrnehmungsschwelle zu überspringen. Das Anliegen, das sie mit diesem Buch vorbringen, ist für die Zukunft der deutschen Armee entscheidend. Es geht ihnen um eine ehrliche Antwort auf die Frage, wozu und wem sie eigentlich dienen, wenn sie sich freiwillig bereiterklären, für die Bundesrepublik den Kopf hinzuhalten. Daß es darauf keine selbstverständliche Antwort mehr gibt, zeigte die Buchvorstellung, bei der sich vor allem über die mangelnde Wertschätzung der Soldaten durch die Gesellschaft beschwert wurde.

Auch in dem Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ wurde über die Buchpräsentation berichtet:

Knapp 50 Zuhörer, darunter auch einige Generäle, hat es am Dienstag in das Amt des Wehrbeauftragten gezogen. Hellmut Königshaus (FDP) ist erschienen, um das Buch „Soldatentum – Auf der Suche nach Identität und Berufung der Bundeswehr heute“ vorzustellen.

Quelle:
* Erik Lehnert: Soldatentum – Böcker, Springer und Kempf präsentieren ihr Buch, Sezession Online, 27.06.2013

Waffen-SS-Veteran tritt vor Neonazis auf

Am 13. Oktober 2012 trat der Waffen-SS-Freiwillige Ulrich Franz bei einer Neonazi-Rednerveranstaltung im Landkreis Altötting vor „gut 50 Zuschauer“ aus der rechten Szene auf. Franz hatte ab 1941 in der Waffen-SS-Division „Wiking” und später in der Waffen-SS-Division „Frundsberg” gedient.
Franz Ullrich von der Waffen-SS

Braune Tagung mit drei rechten Ex-Militärs

Sudholt-Zeitgespraech
Vom 5. bis zum 7. Oktober 2012 sollen im „Raum Halle/Weimar/Leipzig“ die Sudholt-Zeitgespräche zum Thema „Das Leben für die Freiheit – Die Epoche der Befreiungskriege“ stattfinden. Der Sudholt-Verlag ist ein extrem rechter Verlag aus Bayern. Als Referenten werden neben Bernd Rill, Prof. Jürgen Ziechmann, Albrecht Jebens, Günther Deschner, Walter Post und Dr. Helmut Simon auch die drei Ex-Militärs Christian E. O. Millotat Dr. Günther Roth (Brigadegeneral a.D.) und Dr. Heinz Magenheimer angekündigt:
* Dr. Heinz Magenheimer (* 1943) aus Österreich war Dozent an der österreichischen Landesverteidigungsakademie Wien („Institut für strategische Grundlagenforschung“) und vertritt die Präventivkriegs-These.
* Generalmajor a. D. Christian Otto Eduard Millotat (* 1943). Millotat diente 1963 bis 2004, war 13 Monate Stellvertreter des Kommandeurs der Kosovo Force in Pristina, war Stabsabteilungsleiter im Bundesverteidigungsministerium, leitender Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und zuletzt als Sicherheitsbeauftragter für Bosnien und Herzegowina. Er war Beisitzer in der Clausewitz-Gesellschaft und Leiter ihres Süd-West Kreises. Millotat ist Autor bzw. Mitarbeiter in des extrem rechten Magazins „Deutschen Geschichte“ und ist Autor im „Druffel & Vowinckel“-Verlag („Eliten der Bundeswehr im Einsatz“, 30. Oktober 2008, Vorwort von General a.D. Dr. Klaus Reinhardt).
* Dr. Günther Roth ist laut Veranstaltungsankündigung ein ein Brigadegeneral a.D.

Ex-KSK-Soldat im Rückblick auf Rechtsterrorismus mit dabei

In einem beim „Blick nach Rechts“ erschienen Rückblick auf rechtsterroristische Umtriebe wird auch der Überfall eines ehemaligen KSK-Soldaten erwähnt:
Im Juni 2000 überfiel dann ein ehemaliges Mitglied des Kommandos Spezialkräfte (KSK), der Neonazi Andre Chladek, eine Bundeswehreinheit während einer Übung auf einem Truppenübungsplatz in Baden-Württemberg, er erbeutete sechs Pistolen und 1550 Schuss Munition. Später floh Chladek nach Gera und wurde gestellt.

Quelle:
* Andrea Röpke: Explosive Stimmung in der braunen Szene, Blick nach Rechts, 12.03.2012, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/explosive-stimmung-in-der-braunen-szene

Bundeswehr-Soldat hört im ICE Nazi-Musik

Am 29. Januar 2012 wurde auf der Zugfahrt von Berlin nach Hannover ein 20jähriger Mann mit dem Ziel Wilhelmstein-Kaserne in Neustadt-Luttmersen festgenommen, weil er herumpöbelte, Fahrgäste belästigte und auf seinem Notebook Nazi-Musik hörte. Bei dem Festgenommenen handelte es sich nach Medienberichten um einen stark alkoholisierten Bundeswehrsoldaten des Panzerbataillons 33 der 1. Panzerdivision, deren Stab ihren Sitz in Hannover hat. Nach der Beschlagnahme seines Laptops wurde der Festgenommene den Feldjägern übergeben.

Quellen:
* dapd: Bundeswehrsoldat beschallt ICE mit rechtsextremer Musik, 30.01.2012, http://www.derwesten.de/panorama/bundeswehrsoldat-beschallt-ice-mit-rechtsextremer-musik-id6297765.html
* Soldat hört Rechtsrock im ICE, 30.01.2012,
http://www.sn-online.de/Nachrichten/Hannover/Uebersicht/Soldat-hoert-Rechtsrock-im-ICE

Braune Einsprengsel im olivgrünen Vorfeldgeflecht der Bundeswehr

Die rechtskonservative „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.“ hat am 15. Januar 2012 in Berlin im Hilton-Hotel ihren Neujahrsempfang abgehalten. Dafür wurde auch in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ per Anzeige geworben. In dieser Anzeige wird auch Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, als Ehrengast angekündigt.
In einem Bericht in der „Preußisch Allgemeinen Zeitung“ vom 28.Januar zu dem Neujahrsempfang heißt es:

Als Ehrengast und Festredner begrüßte Tschapke den Wehrbeauftragten des Deutschen
Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Dieser bekannte sich in seiner Rede uneingeschränkt
zu den preußischen Tugenden. So führte er aus, Gehorsam und Pflichterfüllung seien einst die
Eckpfeiler der preußischen Armee gewesen und hätten auch für die Bundeswehr zu gelten.

JF-Anzeige Neujahrsempfang
Beim Neujahrsempfang waren neben der „Jungen Freiheit“ oder der ihr nahe stehenden „Bibliothek des Konservatismus“ auch der „Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V.“ und das „Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung“ mit einem Stand vertreten.

Hamburg: Burschenschaft Germania, Militär und Bundeswehr

In einem lesenswerten Beitrag auf dem linken Informationsportal „Indymedia linksunten“ heißt es:

Wer Mitglied der Germania werden will, darf weder Frau noch offensichtlich „undeutsch“ sein, er kann aber Neonazi sein und er muss gedient haben. Denn bei den Waffenstudenten wird nicht nur die Verteidigung der Ehre bei der Mensur, sondern auch die des Vaterlandes mit der Waffe verlangt. So wundert es wenig, dass Alte Herren im Reservistenverband der Bundeswehr organisiert sind und Aktive an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) studieren. Auch Veranstaltungen widmet die Germania gerne soldatischen Themen.
So machte HSU-Student Martin D. im Juli 2010 seinen Fuxenvortrag zum Thema „private Söldnerfirmen“ und im November folgte dann Fux Jan-Mortimer B. mit dem Thema „Afghanistan – Der deutsche Versuch im ‚großen neuen Spiel’ zu bestehen – aus Sicht eines Truppenoffiziers“.
Die wichtigste Verbindung der Germanen zur Bundeswehr dürfte jedoch Oberstleutnant d. R. Ramon-Stefan Schmidt als Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. repräsentieren. Dass Kamerad Schmidt auch zum Vortrag des Naziideologen Schwab in sein Burschenhaus ging, ist nicht unwahrscheinlich. Immerhin war der Oberreservist bis 2009 auch stellvertretender Vorsitzender des Altherrenverbandes der Germania. Die Alten Herren haben durch ihre finanzielle, personelle und ideelle Unterstützung erheblichen Einfluss auf die Vorgänge im Germanenhaus. Ob sich der Genuss, oder auch nur die Duldung von Nazivorträgen allerdings mit der Verantwortung für 2.200 Reservisten aus Hamburg verträgt ist fraglich. Nazifreund Schmidt ist formell immerhin auch Vorsitzender von Hauptmann der Reserve Michael Neumann, besser bekannt als Hamburgs Innensenator.

Quelle:
* Felix Krebs: HH: Nazis, Burschen, Bundeswehr, 11.01.2012, http://linksunten.indymedia.org/de/node/53106

Bundeswehr-Studimagazin fest in neurechter Hand

Die neue Ausgabe von „campus“, der „Zeitschrift des studentischen Konvents“ der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München ist erschienen. Die letzte Ausgabe von „campus“ war umstritten, weil der neue Chefredakteur, Oberleutnant Martin Böcker aus München, und mehrere weitere Mitarbeiter der rechten Strömung der „Neuen Rechten“ zuzuordnen sind (BraunzoneBw berichtete), die sich an der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ orientiert. So trat Böcker als Autor für die neurechten Online-Formate „Blaue Narisse“ und „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009) und die Print-Formate „Sezession“ und „Junge Freiheit“ in Erscheinung. Böckers politische Orientierung schlug sich auch massiv inhaltlich im ersten Heft unter seiner Ägide als Chefredakteur nieder, in dem sich u.a. eine Anzeige des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“. Trotz laut gewordener Kritik konnte sich Böcker auf dem Posten als Chefredakteur halten.

campus 02-2011

Die zweite „campus“-Ausgabe unter Böckers Verantwortung trägt das Titelthema „Offizierskorps und Gesellschaft – Wer nicht redet, wird nicht gehört“.
Der Chefredakteur Martin Böcker beklagt in seinem Leitartikel unter der Überschrift „Wirkung geht vor Deckung“ die „Marginalisierung des Soldaten“ und fordert den (politisch) eigenmächtigen Soldaten, der sich als Teil der Elite versteht. Als Gewährsmann wird der Rechtsschreiber Gerd-Klaus Kaltenbrunner und dessen Elite-Definition herangezogen. Mit Verweis auf Kaltenbrunner wird sich auf dessen Absage an die „„humanitaristischen Werten“ wie „Mündigkeit, Emanzipation, Gleichheit“. Martin Böcker nennt diese Werte, „Werte, die in einer funktionierenden Armee nicht im selben Maße umgesetzt
werden können, wie in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft – auch und gerade, wenn die Armee diese Gesellschaft schützt.“ Böcker beendet seinen Leitartikel mit der Forderung:

Dazu müssen deutsche Offiziere aus dem Schatten der reinen Funktions-Elite heraustreten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs beanspruchen, in Teilen also selbst Elite werden.

Als Interviewpartner stand dem Magazin der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld zur Verfügung, dessen Gast-Vortragsreihe in Trier auf Grund seines vulgären Antifeminismus und Sexismus nach Protesten abgebrochen werden musste (BraunzoneBw berichtete).
Auf die Frage „Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung deutscher Offiziere?“ antwortet van Creveld:

Ihre Offiziere haben Angst. Und das auch aus guten Gründen, schließlich kann der kleinste Fehler zur Folge haben, dass er als „Extremist“ gebrandmarkt und wie ein wildes Tier zur Strecke gebracht wird. Das Ergebnis ist, dass man keine Bundeswehr-Einrichtung betreten kann, ohne sofort mit diesem Geruch von Bürokratie, politischer Korrektheit und Unterwürfigkeit konfrontiert zu werden.

Unter dem Titel „Entschieden für die Tapferkeit“ schreibt Böckers Gesinnungsgenosse Lars Kempf über Tapferkeit „nicht nur ein pathetischer Anspruch an den Soldaten, sondern“ als „ethisches Fundament.“ Kempf will im Kampf das Nachdenken ausgeschaltet wissen:

So relevant die Fragen nach Gewissen und Verantwortlichkeit im Vorfeld sein mögen, führen sie im Gefecht selbst bloß zu Irritationen und stiften Verwirrung.

Zu der Bundeswehr-Werbekampagne „Wir. Dienen. Deutschland“ hat Böcker einen lobenden Kommentar verfasst:

Diese implizit vermittelte Erkenntnis [Deutschland zu dienen] bringt dem Soldaten die Achtung entgegen, die der irgenwie eher so pazifistische Bionade-Intellektuelle nicht aufbringen kann. […] Vielleicht könnte dieser Zusammenhang, würde er in der Kampagne deutlicher hervorgebracht, nicht nur für den Dienst in den Streitkräften, sondern auch für den Dienst der Streitkräfte werben.

Fazit: So genannte „Neue Rechte“, Sympathiegänger der antidemokratischen „Konservativen Revolution“, haben das Studimagazin an einer Universität gekapert, an der etwa die Hälfte des deutschen Offiziersnachwuchses ausgebildet wird. Die rechte Wortergreifungsstrategie im Rahmen des geschriebenen Wortes schlägt sich auch inhaltlich nieder. Ganz unverhohlen und vor allem offenbar auch ohne dabei aufgehalten zu werden arbeitet eine rechte Jungoffiziers-Riege an der rechten, politischen Verschiebung ihrer Offizierskameraden.

Rechtsterroristen der 1970er: Unteroffizier mit dabei

In einem Artikel im „Neuen Deutschland“ werden frühere rechtsterroristische Umtriebe in der Bundesrepublik beschrieben und auch die Verwicklung von ehemaligen Bundeswehr-Soldaten in diese:

Die nach dem ehemaligen NPDler und Gauführer der Wiking Jugend Uwe Rohwer benannte siebenköpfige »Werwolf«-Einheit begeht zwischen November 1977 und Februar 1978 schwerste Straftaten, darunter bewaffnete Überfälle auf deutsche und niederländische Soldaten sowie einen Bankraub mit 66 000 DM Beute.
Den Ton gibt der ehemalige Unteroffizier Lothar Schulte an, der nach Fallschirmjäger- und Einzelkämpferausbildung wegen Misshandlung Untergebener unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen worden war. Nach Auffliegen der Gruppe erhalten Schulte und Rohwer Haftstrafen von elf bzw. neun Jahren.

Quelle:
* Carsten Hübner: Das Terrornetz von Michael Kühnen kannte kein Erbarmen, in: „Neues Deutschland“ vom 09.12.2011 , http://www.neues-deutschland.de/artikel/212904.das-terrornetz-von-michael-kuehnen-kannte-kein-erbarmen.html

Militärpfarrer schreibt in neurechten Blatt

Im typisch nationalistischen Duktus beklagt der Ulrich Kronenberg, der als Militärseelsorger
Soldaten der Bundeswehr im Feldlager von Kabul (Afghanistan) betreute, in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (Nr. 47/2011), dass Tod von Soldaten in der Bundesrepublik nicht mehr ausreichend gewürdigt werde und versucht dabei dem Soldatentod noch einen Sinn zu geben:

Das deutsche Volk hat allen Grund, sich in Ehrfurcht und Demut vor seinen toten Söhnen zu verneigen, anstatt in „höflichem Desinteresse“ zu verharren und die trauernden Angehörigen zu vergessen. Das ist mein Wunsch zum Volkstrauertag 2011.


Quelle:

* Ulrich Kronenberg: Volkstrauertag. Anteilnahme statt Phrasen, in: „Junge Freiheit“ Nr. 47/2011

Frauenfeindlichkeit ist doch kein Kavaliersdelikt: Uni Trier schmeißt Militärhistoriker raus

Die Gast-Professur dieses Wintersemester von Prof. Dr. Martin van Creveldt für das „Historisch-Kulturwissenschaftliche Zentrum“ der Uni Trier ist nach Protesten infolge eines skandalösen Vortrages vorzeitig beendet worden. Martin van Creveldt kommt aus Israel, wo er bis zu seiner Emeritierung 2008 Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem war. Martin van Creveldt gilt Kritikern als Wehrmachts-Apologet und flirtete in Vergangenheit häufiger mit der extremen Rechten in Deutschland. Er ist regelmäßiger Autor für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“, schrieb aber bereits auch schon für die extrem rechte „Deutsche Militärzeitschrift“ und das neurechte Strategieblatt „Sezession“. Zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei“, einem rechtsliberalen Magazin. Als Referent trat er bereits beim 8. Berliner Kolleg (Dezember 2004) des neurechten „Institut für Staatspolitik“ in Erscheinung.

Martin van Creveldt soll sich in Trier während seines Vortrags massiv frauenfeindlich geäußert haben. Ein Blog zitiert in u.a. mit folgenden Worten:

„Wie bei der feministischen Literatur zu diesen Themen hängt alles davon ab, wie sehr manche Damen Sex hassen”

(über Vergewaltigungen)

„Sie sind es, die dann auf die Wiederkehr der Männer warteten, für ihr Überleben beteten, sie mit offenen Schenkeln willkommen hießen, wenn sie heimkehrten”

„alle Frauen, oder zumindest sehr viele, genießen es, Männern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig abschlachten”

Hochschulgruppen nannten die Thesen von Martin van Creveldt „frauenfeindlich, militaristisch, antiisraelisch, vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv“. Nach den Protesten wurde van Crevelds Vertrag als Gastdozent nach nur einer Vorlesung „wegen gegenseitiger Vorbehalte“ aufgelöst.

Quellen:
* Zitate nach : http://www.16vor.de/index.php/2011/10/18/wenn-ich-menschen-sage-meine-ich-manner/
* Wenn Männer sich schlagen, erregt das die Frauen, 02.11.2011, in: „Welt Online“, http://www.welt.de/kultur/history/article13693394/Wenn-Maenner-sich-schlagen-erregt-das-die-Frauen.html#

Gericht bestätigt Entlassung von fundamentalistischen Bundeswehr-Soldaten

Sascha B. (28) aus Lennestadt (Sauerland), ein Bundeswehrzeitsoldat mit islamisch-fundamentalistischer Einstellung war zum 15. März 2010 aus der Bundeswehr entlassen worden, zwei Wochen vor dem regulären Ende der Dienstzeit, entlassen. Der vor sechs Jahren zum Islam salafistischer Ausprägung, eine fundamentalistische Strömung aus Saudi-Arabien, konvertierte Mann hatte sich u.a. über die Internetseite des deutschen Islamisten Pierre Vogel Flyer bestellt, die er verteilen wollte. „Aber nicht in der Kaserne!“, wie er sagte. In Gesprächen hatte der Islamist, der heute als LKW-Fahrer arbeitet, sich zur religiösen Rechtsordnung der Sharia bekannt und diese gegenüber der freiheitlich-demokratischen Grundordnung favourisiert.
Vor seinem Rauswurf hatte Sscha B. Fast vier Jahre lang als Stabsunteroffizier im Panzergrenadierbataillon 212 in der Augustdorfer Rommel-Kaserne gedient. Da ihn durch die frühzeitige Entlassung eine Entschädigung entgangen war, klagte der Islamist vor dem Verwaltungsgericht Minden. Das Gericht aber entschied, dass die Entlassung des „charakterlich ungeeigneten“ Stabsunteroffiziers rechtens gewesen sei.

Ein muslimischer Fundamentalist in der Bundeswehr ist eine absolute Seltenheit, viel häufiger dürften christliche Fundamentalisten dort zu finden sein. Über eine Entlassung solcherart Fundamentalisten ist dem Blog „BraunzoneBundeswehr“ aber bisher nichts bekannt geworden. Ist die Bundeswehr also auf dem christlichen Auge blind?
Überdies lässt sich noch hinzufügen, dass auch mit dem Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung Soldaten nicht per se zu den besseren Menschen macht, ihr Beruf besteht weiterhin darin auf andere Menschen zu schießen.

Quellen:
* Zeitsoldat pries die Scharia. Gericht: Bundeswehr durfte »charakterlich ungeeigneten« Stabsunteroffizier entlassen, 04. Oktober 2011, http://www.westfalen-blatt.de/nachricht/2011-10-04-zeitsoldat-pries-die-scharia/?tx_ttnews[backPid]=613&cHash=c3762984d621c9f035e7f1f6dd393251
* Stefan Koch: Streit um Bart und Scharia beim Bund. Ehemaliger Stabsunteroffizier wehrt sich gegen seine Entlassung vor dem Mindener Verwaltungsgericht, 05.10.2011, http://www.mt-online.de/lokales/minden/5080361_streit_um_bart_und_scharia_beim_bund.html
* ddp: Radikal-islamischer Soldat entlassen. Bundeswehr Gericht billigt Schritt – 28-Jähriger: Scharia bessere Staatsform, 5. Oktober 2011, http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Nachrichten/NWZ/Artikel/2704880/Radikal-islamischer-Soldat-entlassen.html

Frauenfeindliche Praxis in Unteroffiziersschule

Wie die Presse berichtet soll ein 35jähriger Oberfeldwebel seine Position als Ausbilder gegenüber neuen Soldatinnen ausgenutzt haben, um Drohungen (u.a. eine Pistole auf der Brust), entwürdigende Sprüche, und dazu rechte Äußerungen machen zu können.
Das Ganze soll sich an zwei Unteroffiziersschulen in Heide und Gaushorn abgespielt haben und der Unteroffizier steht dafür nun vor in Heide Gericht. Er behauptet nun, seine Äußerungen seien „Running Gags“ gewesen.

Quelle:

* Unteroffiziersschulen in Heide. Keine Strafe für Frauenfeindlichkeit, 23. September 2011, http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/artikeldetail/article/2158/keine-strafe-fuer-frauenfeindlichkeit.html

Bundeswehr-Soldat kann wegen Nazi-Symbolik fristlos entlassen werden

Ein Soldat bei der Bundeswehr kann während der ersten vier Dienstjahre fristlos entlassen werden, wenn er Nazisymbolik bei Übungen trägt. Im konkreten Fall hatte ein Soldat bei einer dienstinternen Sportveranstaltung ein Trikot mit dem Staffelwappen seines Regiments, auf dem das Wort „Arisch“ und das Kürzel „18“ (steht für den 1. und 8. Buchstabe im Alphabet, also für AH = „Adolf Hitler“) aufgebracht war. Begründung für die Entlassung, war dass sein Verbleiben in seinem Dienstverhältnis als Zeitsoldat das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährden würde. Das Verwaltungsgericht Hannover entschied, dass der Kläger durch sein Verhalten gegen Dienstpflichten verstoßen hat. Ein Soldat, der im Dienst Bekleidungsstücke trägt, auf denen u.a. Propagandaparolen von Goebbels und Anspielungen auf Adolf Hitler aufgedruckt sind, verletzt seine politische Treuepflicht i. S. d. § 8 SG.

Quelle:
* Entlassung wegen rechtsextremistischer Symbole auf Trikot, 28. September 2011, http://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/entlassung-wegen-rechtsextremistischer-symbole-auf-trikot-333539

Bundeswehrsoldat gründete rechte Organisation mit

Laut einer Kurzmeldung war in Kassel ein Bundeswehrsoldat an der Gründung der extrem rechten „Deutschen Hilfsorganisation“ (DHO) beteiligt.

Quelle:
* Amtsgericht verurteilt rechtsextremen Kameradschaftschef. Strafe für Hakenkreuze und Angriff auf Polizei, http://www.hna.de/nachrichten/stadt-kassel/kassel/strafe-hakenkreuze-angriff-polizei-1397262.html

Antifeministischer Vortrag in Kiel

Das Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ Nummer 31-32/2011 berichtet von dem Vortrag von Martin van Creveldt in Kiel. Er trat dort für die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ und den „Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr“ an der Hermann-Ehlers-Akademie auf, dem Ableger der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Schleswig-Holstein. Er referierte vor allem über den Inhalt seines Buches „Das Wesen des Krieges“, dass in deutscher Übersetzung im äußerst rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich erschienen ist. Das Publikum bestand angeblich aus 100 Menschen, darunter auch drei Generale. Die „Junge Freiheit“ gibt auch van Creveldts antifeministischen Aussagen zum Thema Frauen in den Streitkräften wieder:

Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch „wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“. Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden.

Das solche rechten Töne von Martin van Creveldt kommen überrascht Kennen nicht. Der Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem gilt als Wehrmachts-Apologet und war Autor für die rechten Blätter „Junge Freiheit“ (regelmäßig), „Deutsche Militär-Zeitschrift“ und Sezession, zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei.“
Er war im Dezember 2004 auch schon bei dem extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ zu Gast.

Quellen:
* „Junge Freiheit“ 31-32/2011
* Frank Brendle: „In Kameradschaft treu“. Die Bundeswehr zwischen Tradition und Reform, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 77 – 4/2007, Seite 9