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Generalmajor a.D. veröffentlicht in extrem rechten Verlag

Schwipper-Buch
Ein Generalmajor a.D. der NVA, Bernd Schwipper, hat im Verlag „Druffel & Vowinckel“ ein Buch mit dem Titel „Deutschland im Visier Stalins“ veröffentlicht. „Druffel & Vowinckel“ gehört zum Verlags-Netzwerk des extrem rechten Verlegers Gert Sudholt.
Das Vorwort stammt von Stefan Scheil, dem Hofhistoriker der stramm rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, der neuerdings auch bei der AfD aktiv ist. Das Nachwort stammt von Generalleutnant a.D. Franz Uhle-Wettler. Franz Uhle-Wettler aus Meckenheim (NRW) war bis 1987 Kommandeur des NATO-Defence-College in Rom und soll am militärpolitischen Teil des extrem rechten Republikaner-Partei mitgeschrieben haben.
Inhaltlich geht es in dem Buch offenbar darum den deutschen Überfall auf die Sowjetunion als „Präventivschlag“ zu rechtfertigen.
Ein ‚Bernhard Schwipper‘ war bereits am Ende April, Anfang Mai 2011 als Referent bei den so genannten „Zeitgesprächen“ der extrem rechten Sudholt-Verlage angekündigt und zwar zum Thema „Wollte Stalin marschieren?“. Es dürfte sich um dieselbe Person handeln.

Deutsche Soldaten halfen 1973 beim Angriff auf Israel

Wer glaubt, dass Kriegseinsätze deutscher Soldaten nach 1945 erst mit dem Kosovo-Krieg stattfanden, der irrt. Die DDR-Armee „Nationale Volksarmee“ (NVA) war schon früher im Ausland aktiv. Gemeint ist nicht die angebliche Beteiligung von NVA-Soldaten beim Einmarsch in die Tschechoslowakei (CSSR) 1968.
Falsifikat NVA in der CSSR
Obwohl die DDR-Regierung dazu bereit war, kam es aus politischen Gründen nicht dazu. Ein bekanntes Foto, was angeblich einen NVA-Soldat in der CSSR zeigt, ist ein Falsifikat. Im August 1968, kurz vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in die CSSR titelte das DDR-Blatt „Neues Deutschland“ „Der Zionismus herrscht in Prag“ (Nach: Hellfeld). Das Nazi-Hetzblatt „Völkischer Beobachter“ hatte bereits 1939 nach dem deutschen Einmarsch in der Rest-Tschechei geschrieben: „In Prag regiert das Judentum“.

Während 1968 die DDR bereit war sich an einer militärischen Intervention im Nachbarland zu beteiligen, so war sie 1979 nicht bereit sich an der sowjetischen Intervention in Afghanistan zu beteiligen. Die UdSSR fragt die DDR nämlich 1979 an, ob sie 30.000 Soldaten nach Afghanistan schicken würde. Wie wir wissen kam es aber nie dazu. Anderswo hingegen waren DDR-Spezialisten im Auslandseinsatz aktiv.
Honeckers Afrikakorps
In Angola sollen etwa 2.000 Experten aus der DDR der MPLA-Regierung im Bürgerkrieg gegen die von den USA und Apartheids-Südafrika finanzierten UNITA-„Rebellen“ unterstützt haben.

Am 6. Oktober 1973 griffen am Suez-Kanal ägyptische, auf den Golan-Höhen syrische Armeen, völlig überraschend israelische Stellungen an. Unter schweren Opfern gelang es Israel sich in diesem Zweifronten-Krieg zu verteidigen. Die DDR stellt sich in diesem Krieg von Anfang an auf die Seite des syrischen Baath-Regimes unter Assad (inzwischen verstorben und durch Assad junior ersetzt) [1]. In einen Brief an den Staatschef heißt es: Die DDR werde alles in ihren Kräften stehende tun, um den Kampf Syriens gegen die „imperialistisch-zionistische Aggression wirksam zu unterstützen.“
Am 14. Oktober stimmt der DDR-Staatschef Erich Honecker höchstpersönlich zu an den Angreifer Syrien in großem Umfang Waffen zu liefern, darunter zwölf MiG-21. Diese MiG kamen vom Stützpunkt „Marxwalde“ (Ost-Berlin). Piloten und Techniker des Jagdfliegergeschwaders 8 begleiteten den Transport der zerlegten Jagdflieger mit zivilen sowjetischen Transportflugzugen über Budapest. Dazu wurden die Hoheitsabzeichen und jegliche deutsche Beschriftung an den Flugzeugen abgebeizt und die Soldaten in Uniformen der zivilen DDR-Handelmarine neu eingekleidet – eine völkerrechtswidrige Tarnmaßnahme.
In Syrien wurden die Flugzeuge wieder zusammengesetzt und von den mitgereisten NVA-Piloten getestet. Die drohenden Luftkämpfe mit israelischen Piloten fanden aber nicht statt.
Ein Radiokommentator nannte die israelische Flugwaffe im Krieg 1973 die „Nazi-Luftwaffe Israel“ (Nach: Hellfeld).

Der in der DDR starke Antizionismus wird von vielen Experten heutzutage als verbrämter Antisemitismus gesehen. Viele Ausdrucksformen des DDR-Antizionismus waren auf jeden Fall klar erkennbar antisemitisch. So wurde beispielsweise der Nazijäger Simon Wiesenthal aus Österreich bei der Stasi als „Angehöriger des israelischen Geheimdienstes“ geführt.
Die aus diesem Antizionismus resultierende Unterstützung der und Solidarität mit der „Palästinensische Befreiungsbewegung“ PLO hatte ganz praktische Folgen. In Prora auf Rügen, dem Standort des größten geplanten Nazi-KdF-Heims, wurden Palästinenser von der DDR militärisch ausgebildet, wie dem Autor einmal ein ehemaliger NVA-Soldat erzählte. Die Offiziershochschule „Otto Winzer“ bei Prora war offiziell für die Ausbildung ausländischer Militärkader zuständig.
Zudem gewährte die DDR dem Olympia-Attentäter Abou Daoud Asyl und spätestens seit dem Libanon-Krieg 1982 wurden verwundete palästinensische Kämpfer in der DDR medizinisch verpflegt.

Allgemein herrschte in der DDR eine starke Militarisierung der Gesellschaft vor. Die Jugend wurde in der „Gesellschaft für Sport und Technik“ und teilweise bei den Pionieren paramilitärisch ausgebildet, ebenso die Beschäftigten in so genannten „Betriebskampfgruppen“.

Anmerkungen:
[1] Der Staatschef Assad hielt in Syrien den deutschen Kriegsverbrecher Alois Brunner, SS- Hauptsturmführer und rechte Hand von Eichmann, versteckt. Vermutlich bis an dessen Lebensende.

Quellen
* Stefan Meining: Geheimoperation Aleppo Erich Honeckers Krieg gegen Israel, report MÜNCHEN vom 06.10.2008, http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-aleppo-israel-ID1223205037854.xml
* Thomas Haury: Antisemitismus in der DDR, http://www.bpb.de/themen/I2CRVI,0,Antisemitismus_in_der_DDR.html
*http://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Volksarmee#Milit.C3.A4rische_Erfahrung_und_Auslandspr.C3.A4senz (Wikipedia ist eine problematische Quelle, aber dieser Eintrag ist mit Fußnoten belegt)
* Matthias von Hellfeld: Die Nation erwacht, Köln 1993, Seite 84