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Jungoffiziere appellieren: Zurück zum soldatischen Heros und Pathos!

Für den 11. Februar 2016 ist in Berlin in der neurechten „Bibliothek des Konservatismus“ der Vortrag „Armee im Aufbrauch“ mit dem Referenten Florian Rotter angekündigt.
Rotter, Florian Screenshot
Der Vortragstitel ist zugleich auch der Titel eines Sammelbandes, an dem Rotter mitgeschrieben hat.

Auch ohne den Band gelesen zu haben, scheint der Inhalt des Buches den Rezensionen nach bedenklich zu sein.

Gemeint ist der von Marcel Bohnert und Lukas J. Reitstetter 2014 herausgegebenen Sammelband „Armee im Aufbruch. Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr“, der im Berliner „Carola Hartmann Miles-Verlag“ erschienen ist.

In der kritischen Rezension „Kommunikation in Uniform“ Magazin „konkret“ 4/15 zitiert der Rezensent Peer Heinelt aus dem Buch:

„Wo frühe Vorgänger der bundesdeutschen Gesellschaft die Verehrung des Opfers im Namen des Vaterlandes […] als zentrale Quelle sozialen Zusammenhalts praktizierten, ist heutzutage eine sehr misstrauische Haltung gegenüber jedem kriegerischen Altruismus zu beobachten. […] Zu unserer Gesellschaft gehören heute mehr denn je Dekadenz, unkontrollierte Gewalt und Rücksichtslosigkeit. Zu der postheroischen Gesellschaft gehören Defätisten, radikale Hedonisten und arrogante Selbstdarsteller.“

Es wird also der Verlust des Krieger-Ethos und des Pathos beklagt.
Den Mitautor Birkhoff zitiert er mit den Worten:

„Während in der Zivilgesellschaft Diskurs und politische Differenzen die demokratische Kultur bereichern, wirken sie als Charakterzug eines militärischen Führers wie lähmendes Gift.“

Das ist eine klare Absage an das Modell des ‚Staatsbürgers in Uniform‘.
Der Autor Rotter fordert laut Heinelts Rezension eine Rückbesinnung auf „klassische preußische Tugenden“.

Auch in der konservativen FAZ wird das Buch von Gerald Wagner in seiner Rezension „Keiner weiß, wie der Landser tickt“ vom 9. Dezember 2015 eher kritisch betrachtet.
Auch Wagner fällt die Verachtung der Jungoffiziere für das Zivile auf. Niemand „weiß, wie ,die Landser‘ ticken“, so der O-Ton im Buch.
Er zitiert den Autor Florian Rotter, nach dem die deutsche Gesellschaft „hedonistisch und individualistisch“ sei, die „Essenz der gesellschaftlichen Werte“ seien „Selbstverwirklichung, Konsumlust, Pazifismus und Egoismus“.
Und der Autor Pritzke schildere die „individualisierte Gesellschaft“ als „breite Masse“, von der sich die „Elite des deutschen Offizierskorps abheben“ müsse.
Bei Wagner laufen solche Kommentare als „geistiges Säbelrasseln“.

Das die Rezension zu dem Sammelband in dem neurechten Strategiemagazin „Sezession“ positiv besprochen wurde und diese Rezension auf die Homepage zum Buch unkommentiert gestellt wurde, verwundert da kaum.

Jungrechter Jungoffizierskreis

Die gefällige Rezension bei „Sezession“ und der Referenten-Auftritt Rotters bei der neurechten „Bibliothek des Konservatismus“ dürften kein Zufall sein, denn mehrere der AutorInnen weisen Kontake zur rechten Szene auf.

Bei den 16 AutorInnen von „Armee im Aufbruch“ handelt es sich mehrheitlich um Studierende der Politikwissenschaft, Geschichte und Pädagogik an der „Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr“ in Hamburg. Die meisten haben den Rang eines Leutnants inne.

Hauptmann Marcel Bohnert (* 1979) ist nicht nur Autor, sondern auch einer der beiden Herausgeber. Laut der zum Buch gehörenden Homepage „www.armee-im-aufbruch.de“ war der Offizier bereits mehrfach im Auslandseinsatz: „Er war 1999/2000 Gruppenführer in der Task Force Zur im Kosovo sowie 2011/2012 Chef einer Infanteriekompanie in der Task Force Kunduz in Afghanistan.“
Bohnert war aber auch am 15. November 2014 als Referent für das deutschnationale „Studienzentrum Weikersheim“ in Tübingen angekündigt. Überdies war er Mitautor des Sammelbands „Soldatentum. Auf der Suche nach Identität und Berufung der Bundeswehr heute“ (München, 2013), an dem sich auch neurechte Offiziere beteiligten.

An „Soldatentum“ hat ebenso wie an „Armee im Aufbruch“ auch der Offizier Martin Böcker mitgeschrieben.
Böcker war Chefredakteur des Uni-Magazins „Campus“ der Münchner Bundeswehr-Universität, was es durch eine zeitweilige neurechte Unterwanderung in die Schlagzeilen schaffte. Böcker war auch Autor für das rechte Infoportal „blauenarzisse.de“, den „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009), das neurechte Strategieblatt „Sezession“ und die ultrarechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Am 13. Dezember 2013 referierte Böcker bei der Tübinger Burschenschaft Germania Straßburg zum Thema „Die Aktualität der Idee des Staatsbürgers in Uniform“.

Rechter bleibt auf Chefredakteur-Posten bei Bundeswehr-Uniblatt

Die drei neurechten Redakteure des Münchner Bundeswehr-Uni-Magazins „Campus“, Martin Böcker, Felix Springer und Larsen Kempf, bleiben im Amt. Besonders das der Chefredakteur Martin Böcker, der intellektuellen Strömung „Neue Rechte“ der extremen Rechten nahe steht, war auf Kritik gestoßen („BraunzoneBw“ berichtete). Trotzdem wurde Böcker im Studentischen Konvent der Bundeswehr-Universität München mit 16 zu 4 Stimmen bei drei Enthaltungen in seinem Amt bestätigt. Böcker hatte in seiner ersten Ausgabe von „Campus“ angekündigt, er wolle den Schutz der Meinungsfreiheit „schamlos ausnutzen“.

Quelle:
* Rüdiger Löster: Bundeswehr-Universität in Neubiberg: Martin Böcker bleibt Chefredakteur,
29.09.2011, http://www.endstation-rechts-bayern.de/2011/09/bundeswehr-universitat-in-neubiberg-martin-bocker-bleibt-chefredakteur/

Offiziersnachwuchs: bedenkliche rechte Minderheit

Erneut hat eine neue Studie offenbart, dass es unter jungen Bundeswehr-Offizieren eine bedenkliche rechte Minderheit gibt. Elf Prozent der befragten Jung-Offiziere sind dafür die Macht des Parlaments einzuschränken.
Die Studie wurde Ende 2007 vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben und unter den 2.300 Studierenden der Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München durchgeführt.
Die abgefragte parteipolitische Präferenz zeigt, dass die Bundeswehr keinesfalls ein Spiegel der Gesellschaft ist, sondern vielmehr deren rechter Zerrspiegel.
Etwa 70 Prozent der Befragten verorteten sich bei CDU/CSU, allerdings nur vier Prozent bei den extrem rechten Parteien NPD, DVU oder REPs. Es stellt sich nun die Frage, wie sehr diese Verortung politischen Konjunkturen unterliegt. Eventuell sind es auch einzelne Unions-Prominente wie der Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, die derzeit einen Teil des rechten Randes zu integrieren vermögen.
Außerdem darf nicht angenommen werden, dass nur vier Prozent der Bundeswehr-Uni-Studierenden eine extrem rechte Einstellung besitzen. Die Studie erbrachte nämlich, dass 13 Prozent der Befragten deutliche Sympathien für das Gedankengut der sogenannten Neuen Rechten haben.
Es stimmten sogar 38 Prozent der Forderung zu, Deutschland solle wieder von einer starken Elite geführt werden. Bedenklich ist, dass sich die Jung-Offiziere wohl selbst als zukünftige Angehörige der Elite sehen dürften. Auch Rassismus ist weiterhin weit verbreitet unter den Offizieren, 25 Prozent waren dafür, die Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland zu stoppen.
Angeblich ist die Zustimmung zur „Neuen Rechten“ unter jungen Zivilisten insgesamt doppelt so hoch wie unter den Offizieren, wiegeln die Studienmacher ab. Interessant wäre es aber, wie der Vergleich zwischen zivilen und militärischen Akademikern aussieht.

Quelle:

* Peter Blechschmidt: Die Rechtsverteidiger, in: Süddeutsche Zeitung vom 22.03.2010, http://www.sueddeutsche.de/politik/420/506589/text/

13% extrem rechte Studenten an den Bundeswehr-Unis

Laut einer ddp-Meldung stimmen 13 Prozent der Studenten an den Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg einer Befragung zufolge den antidemokratischen Politikzielen der „Neuen Rechten“ zu. Danach sehen sie u.a. die „nationale Identität Deutschlands durch die vielen Ausländer bedroht“ und bejahten die Aussage „eine starke Führungselite sollte den Weg Deutschlands“ bestimmen.
An den beiden Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München wird das zukünftige Offiziers-Korps der Bundeswehr ausgebildet.
Dies geht aus einer unveröffentlichten Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr hervor und bestätigt den anhaltenden Trend vorangegangener Studien.

Quelle:
* ddp: Magazin: Rechtes Gedankengut bei 13 Prozent der Bundeswehr-Studenten, 12.10.09, http://de.news.yahoo.com/17/20091010/tde-magazin-rechtes-gedankengut-bei-13-p-08c524b.html

Marine-Elitesoldat und JN-Mitglied

In der im schleswig-holsteinischen Eckernförde stationierten „Boardingkompanie“ der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine“ gibt es laut Medienberichten ein braunes Ei im Nest. Gemeint ist der 23jährige Julien L. aus Lörrach, der sich als Zeitsoldat für vier Jahre in der „SEK Boardingkompanie, Team Nr. 5“ verpflichtet hat. In Lörrach war Julien L. Gründungsmitglied des dortigen JN-Stützpunktes. Der Leiter des Stützpunktes, Thomas Baumann, geriet in die Schlagzeilen, als eine Hausdurchsuchung den Verdacht bestätigte, dass er bombenfähiges Material horte. Seither sitzt Baumann in Haft. Zu genau diesem verhinderten Bombenbastler unterhielt der Marine-Elitesoldat Kontakte.
Über Konsequenzen ist noch nichts bekannt.

Quelle:
* Stefan Schölermann: Reportage: Ein Neonazi als Bundeswehr-Elitesoldat, NDR Info, 24.09.09, http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nazibundeswehr100.html

Antisemitismus in der Bundeswehr

In einer beim SPD-nahen Informationsdienst „Blick nach Rechts“ veröffentlichten Fallsammlung antisemitischer Vorkommnisse betreffen zwei dieser Vorkommnisse auch die Bundeswehr:
* Ende März macht BILD einen antisemitischen Vorfall an der Universität der Bundeswehr in München öffentlich, der sich im Oktober 2005 ereignet hat. Damals sei die Stubentür eines
Offiziersschülers mit den Worten „Jude“ und „Sau“ beschmiert worden.
* Am 29. Juni berichtet das „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“, dass ein 23-jähriger Soldat des in Mittenwald stationierten Gebirgsjägerbataillons 233 unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde, weil er Juden verunglimpft hat. Der Hauptgefreite wurde vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro verurteilt, weil er bei einer Schießübung einen Schuss mit den Worten „Drecksjudd“ und „Stirb, du Jud“ begleitet hatte.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Oktober 2005, Juni 2007
Quelle: Chronik des Hasses – Der „blick nach rechts“ dokumentiert antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr 2007, Zusammenstellung von Anton Maegerle
http://www.bnr.de/bnraktuell/ausgabe172007/chronikdeshasses/