Archiv für Juli 2018

ehem. NATO-Kommandeur schreibt in neurechter Wochenzeitung

Michael Vollstedt (* 1943) ist Generalmajor a.D. Er war Major der Luftwaffe, diente elf Jahre im Bundesministerium der Verteidigung und diente bis 2000 sieben Jahre im Nato-Hauptquartier in Brüssel.
Seit geraumer Zeit schreibt er gelegentlich für die neurechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
In der aktuellen „Jungen Freiheit“ (30/2018) hat Michael Vollstedt einen Kommentar zum Nato-Gipfel am 11. und 12. Juli 2018 verfasst.
Michael Vollstedt JF-Autor
In diesen nennt er das russische Kaliningrad „Königsberg“ und kritisiert das die NATO vergessen hätte sich dem Thema Migration zu widmen:

„Vor allem das Thema Massenmigration hätte man aber nicht auslassen dürfen, denn eine ungezügelte Zuwanderung würde die südeuropäischen Bündnisstaaten destabilisieren und in der Folge die ganze Nato schwächen. Dies ist ein aktuelles, klares und substantielles Sicherheitsrisiko, das die Nato beschäftigen muß, so wie die Aktivitäten Rußlands gegenüber der Ukraine oder im Kaukasus.“

AfD Hessen heroisiert tote BundeswehrsoldatInnen

Die rechtspopulistische AfD in Hessen will eine Heroisierung von in Auslandseinsätzen umgekommenen BundeswehrsoldatInnen. Sie schreibt in ihrem Landtagswahlprogramm 2018 auf Seite 88:

„Dauerndes Ruherecht für Bundeswehrsoldaten
Die Gefallenen der beiden Weltkriege genießen das ewige Ruherecht. Dies würdigt ihren Mut und ihr tragisches Opfer in angemessener Weise. Gleichzeitig sind ihre Gräber der Welt eine Mahnung, am Frieden festzuhalten. Wir finden, dass eine Demokratie, die auch heute von ihren Soldaten den Einsatz des eigenen Lebens verlangt, ihrer in ebensolcher Weise gedenken sollte. Und in ebensolcher Weise sollten ihre Gräber uns eine Mahnung sein, welche Verantwortung wir tragen, wenn wir heute Soldaten in Einsätze entsenden. Die AfD sieht viele der Auslandseinsätze, an denen Deutschland sich derzeit beteiligt, kritisch. Ein Mensch aber, der als Soldat in treuer Auftragserfüllung sein Leben gibt, soll nicht schlechter gestellt sein, als einer, der dies zu Zeiten der Weltkriege tat. Wir werden uns daher dafür einsetzen, dass für Ehrengräber von Angehörigen der Bundeswehr, deren Tod bei, oder infolge einer besonderen Auslandsverwendung eingetreten ist, das dauernde Ruherecht gilt. Die Kosten hierfür soll nicht der Friedhofsträger, sondern das Land Hessen tragen.“

Näheverhältnis Bundeswehr und „Deutsche Burschenschaft“

Der extrem rechte Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) sucht immer wieder die Nähe zur Bundeswehr. Diese Szenen einer Nähe zeigen sich auch bei einem Blick ins DB-Verbandsorgan „Burschenschaftliche Blätter“ 4-2017, in dem die Tradition in der Bundeswehr verteidigt wird.
Bundeswehr in Burschenschaftlichen Blättern
Oder wenn einzelne DB-Burschenschaften wie die Markomannia Greifswald im April 2018 eine Soldaten- und Reservistenkneipe abhält.
Soldaten- und Reservistenkneipe der Burschenschaft Markomannia

Australien: mit Hakenkreuz-Flagge in Afghanistan

Australische Soldaten posierten 2007 während ihres Einsatz in Afghanistan mit einer Hakenkreuz-Flagge. Diese tat wird als „Scherz“ verharmlost. In einem Artikel dazu heißt es.

„Die Fahne sei über eine längere Zeit herumgereicht und immer wieder an verschiedenen Orten angebracht worden, sagte ein Soldat mit Kenntnis vom Bild dem Sender. Fotos davon zirkulierten frei in den Kasernen. Es sei aber nicht so, dass in der Truppe echte Neonazis gewesen wären, so der Soldat. Vielmehr sei das Hissen der Flagge nur «ein perverser Scherz» gewesen.“

Quelle:
* krj: Riesenärger wegen «perversem Scherz» Australische Soldaten kämpften unter der Nazi-Flagge. Blick, 16.06.2018, https://www.blick.ch/news/ausland/riesenaerger-wegen-perversem-scherz-australische-soldaten-kaempften-unter-der-nazi-flagge-id8503550.html

rechte Reservisten in Mecklenburg-Vorpommern

Die „taz“ berichtete:

„Was soll nur aus Jörg S. werden? Das ist der Versicherungsvertreter aus Rostock, ein Prepper, der sich auf den Untergang der Zivilisation vorbereitet und einst dem Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr auffiel, weil er beim rechtsextremen Thule-Netzwerk zu Besuch war.“

Jörg S. sollte rausgeworfen werden, doch:

„Ein Gericht entschied: Formfehler, Ausschluss ungültig. Und plötzlich ernannten dann andere Reservisten ausgerechnet Jörg S. zum Landesdelegierten. Der kündigte an, als Vorstandsmitglied zu kandidieren.“

Und weiter:

„Denn in dem gespaltenen Verband tobt seit Jahren ein offener Krieg. Der Landesvorsitzende Helge Stahn war auch in einem anderen Fall mit harter Hand vorgegangen. Er versucht seit Jahren, einen hauptamtlichen Mitarbeiter loszuwerden, dem vorgeworfen wird, Tausende rechtsextremistische Musikdateien auf einer dienstlichen Festplatte gespeichert zu haben. Der Mitarbeiter, der bis heute für den Verband arbeitet, kontert dagegen: Er werde vom Vorsitzenden gemobbt. Auch über diese „Festplattenaffäre“ hatte die taz ausführlich berichtet.
Das ist auch der Hintergrund, vor dem bereits die letzte Landesvorstandswahl juristisch angegriffen wurde. Am Samstag soll die Wahl, so hatte es ein Schiedsgericht empfohlen, nun also wiederholt werden. Der Ausgang ist wieder mal offen: Nach Informationen der taz sind derzeit neue Ausschlussschreiben unterwegs. Sie sollen auch verhindern, dass Jörg S. sich am Samstag zur Wahl stellen kann.“

Quelle:
* Christina Schmidt, Martin Kaul: Ein Prepper auf Reserve, taz, 22.06.18, http://www.taz.de/!5515049/

Verleihung des Admiral-Johannesson-Preises, benannt nach einem NS-Täter

Am 25. Mai 2018 wurde in der Aula der Marineschule Mürwik auch der Admiral-Johannesson-Preis verliehen. Laut der „Initiative gegen falsche Glorie“ war Rolf Johannesson ein treuer Parteigänger des NS-Regimes:

„So räsonierte er im August 1944 darüber, dass die Waffen entscheiden würden, ob Hitler „ein Segen oder ein Fluch für Deutschland“ sei. Als kurz vor Kriegsende ein britischer Großangriff auf Helgoland bevor-stand, beschlossen fünf Männer auf der Insel, die weiße Flagge zu hissen, um sinnlose Opfer zu vermeiden. Sie wurden verraten und festgenommen, ihr Todesurteil wurde von Johannes-son bestätigt, sie wurden noch am selben Tag, am 21. April 1945, in Cuxhaven-Sahlenburg hingerichtet.“

Die Initiative verlangt stattdessen:

„Wir fordern den Inspekteur der Marine auf, bei der feierlichen Preisverleihung am 25. Mai dieser fünf Opfer der NS-Gewaltherrschaft namentlich zu gedenken:
Georg E. Braun, Erich P.J. Friedrichs, Kurt A. Pester, Karl Fnouka und Martin O. Wachtel. Wer vergisst, der tötet ein zweites Mal!“

Quelle:
* Initiative gegen falsche Glorie, Mitteilung an die Presse vom 2. Mai 2018

letzter Wehrmachts-Deserteur verstorben

Am 7. Juli 2018 ist Ludwig Baumann (1921-2018) verstorben, der letzte bekannte Wehrmachts-Deserteur.
Ludwig Baumann
In einem Nachruf der „Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz“ heißt es:

„Uns erreichte die traurige Nachricht, dass heute am frühen Morgen Ludwig Baumann im 97. Lebensjahr verstorben ist. Der hochbetagte Vorsitzende ist seit 1990 Herz, Motor und Stimme der Opfervereinigung gewesen. Sein unermüdliches Engagement hat zur gesellschaftlichen Anerkennung und gesetzlichen Rehabilitierung der Kriegsdienstverweigerer, Wehrkraftzersetzer und Deserteure der Wehrmacht geführt. Sein authentisches Wirken, sein Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltfreiheit ist ein wichtiger Impuls für die zivilgesellschaftliche Entwicklung gewesen. Ludwig Baumann wird uns und geschichts-bewussten, kritischen Teilen der bundesdeutschen Gesellschaft, die ihm für sein Lebenswerk sehr dankbar sind, in lebendiger Erinnerung bleiben.“

Quelle:
* INFORMATION für BV-Mitglieder, Freunde u. Unterstützer/innen, Juli 2018