Reservisten mit an rechter Gruppe beteiligt

Am 28. August 2017 durchsuchten Polizeibeamte im Raum Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern unter Anleitung des Generalbundesanwalts sechs Häuser und Geschäftsräume. Durch Recherchen im Fall von Franco A. waren sie auf eine rechte Gruppe von Preppern, Leute die sich auf den Staatszerfall vorbereiten, aufmerksam geworden.
Bei den Durchsuchungen fanden sie auch Listen mit rund 5.000 Personen, darunter rund 100 Politiker*innen, samt Adressen und Bildern. Die Personen sind vor allem Linke, Flüchtlingshelfer*innen oder Beteiligte an Wohnprojekten. Ein Teil der Daten könnte von einem Polizisten über seinen Dienstcomputer beschafft worden sein.
Die Vermutung: Es könnte sich um Feindlisten handeln.

Die Durchsuchten gehörten alle zu der Messenger-Prepper-Gruppe „Nordkreuz“. Zu der 30köpfigen Gruppe gehören auch ein Kriminaloberkommissar, ein LKA-Beamter und ein Rechtsanwalt. Einige sind AfD-Mitglieder. Auffälligerweise sind fünf der sechs Durchsuchten in derselben Ortsgruppe des Reservistenverbandes der Bundeswehr. Im Bericht der taz heißt es:

„Nach Informationen von taz und NDR sind fünf der Personen, die im Rahmen der Ermittlungen in den Fokus geraten sind, in der Reservistenkameradschaft beim Fliegerhorst Laage organisiert. Das ist ein Flugplatz der Bundeswehr und seit 1993 Heimat des Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“.
Drei der Personen – zwei Zeugen und einer der Beschuldigten, bei dem die Namensliste gefunden wurde – sind Mitglied in der Reservistenarbeitsgemeinschaft Schießsport Schwerin-Hagenow. In solchen Gruppen wird etwa mit Pistolen oder Karabinern geschossen oder mit der zivilen Variante des Sturmgewehrs G3.“

Reservisten-Kameradschaft Fliegerhorst Laage
Offenbar scheinen sie hier die Waffen-Benutzung zu trainieren, um im Fall eines Staatszerfalls kämpfen zu können.

Aufmerksam auf die Gruppe geworden waren die Ermittlungsbehörden durch einen Reserveoffizier. Die Ostseezeitung schreibt:

„Beim Schießen treffen die Bundeswehr-„Prepper“ auch auf Horst S., den Major der Reserve mit den vielen Handy-Kontakten. S. war bis zum vergangenen März Vizelandeschef des Reservistenverbandes von Mecklenburg-Vorpommern. Sie tauschen ihre Gewehre untereinander aus. Der Major bewundert die Ordonanzwaffen des Rostocker Anwalts, historische halbautomatische Karabiner, Kaliber 7,62. Man versteht sich. „Wir haben alle eine gesunde konservative Einstellung“, sagt Horst S. Zusammen gehen sie sogar schießen auf der Schießsportanlage Schwerin-Hagenow – unter dem Dach des Reservistenverbands.“

Laut taz gilt Horst S. „als entscheidende Brücke zwischen zwei Verfahren, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen und Soldaten Franco A. – und die Erstürmung der Häuser in Mecklenburg-Vorpommern.“
Der Reserveoffizier war in den Fokus des MAD geraten „aufgrund seiner möglichen Nähen zu rechter Ideologie und Strukturen“. Die Ostseezeitung schreibt:

„Dabei gerät Horst S. ins Visier des Bundeswehr-Geheimdienstes MAD. Wenige Wochen nach der Verhaftung des Oberleutnants klingelt bei ihm zu Hause in Krakow am See das Telefon. Das Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern bittet zum Rapport nach Schwerin. Brigadegeneral Gerd Kropf stellt unbequeme Fragen und konfrontiert ihn mit belastenden Details. Horst S. gibt zu, über das rechtsextremistische Thule-Seminar Bücher über die Waffen-SS gekauft zu haben, angeblich um mehr über seinen Großvater, einen ehemaligen SS-Mann, zu erfahren. Damit hält er die Sache für erledigt – eine trügerische Fehleinschätzung. MAD und Bundesverfassungsschutz weiten ihre Ermittlungen aus – und stoßen auf den „Prepper“-Chat.“

Quellen
* Reservisten im Verdacht, taz, 15.09.17, http://taz.de/Rechte-Terrorzelle-in-Meck-Pomm/!5448278/
* Jörg Köpke/RND: Mecklenburg und die Eiserne Reserve, Ostseezeitung, 15.09.17, http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Mecklenburg-und-die-Eiserne-Reserve


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