Archiv für Oktober 2017

Ingolstadt: Das braune Umfeld des Militärmuseums

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete am 13. Oktober 2017 das UnterstützerInnen des Armeemuseums in Ingolstadt rechtsradikale Thesen auf ihrer Homepage verbreiten:

„Gerade zu abstoßend fand er, was er da las, sagt Ansgar Reiß. Dass die Geschichtsbücher in den Schulen wahre Fakten über den Zweiten Weltkrieg wegließen. Dass Hitler eigentlich ja den Frieden wollte, die Polen aber nach dem Krieg gierten. „Das sind skandalöse revisionistische, rechtsradikale Thesen“, sagt Reiß. Er fand sie auf der Seite der „Freunde des Bayerischen Armeemuseums“ in Ingolstadt, des Museums, das er selbst leitet. Sofort löschte Reiß den Link zu dem Unterstützerverein von der Internetseite seines Museums und distanziert sich auf’s Weiteste von seinen „Freunden“.
Was jetzt durch die Veröffentlichung im Netz auf einen Schlag sichtbar wurde, schwelt schon länger. Neu nämlich ist Reiß die zweifelhafte Gesinnung einiger im Unterstützerverein nicht. Schon 2013 saß er in einem Vortrag des Vereins, in dem das amerikanische Finanzkapital für den Beginn des Ersten Weltkriegs verantwortlich gemacht wurde.
Schon damals war ihm bewusst, dass sich dahinter wohl antisemitische Einstellungen verbargen. Er äußerte seine Kritik, immer wieder, wie er sagt. Passiert sei nichts. Reiß ließ es erst einmal auf sich beruhen. „Man kann sich selbstkritisch die Frage stellen, ob man früher und energischer dagegen hätte einschreiten sollen“, sagt Reiß. Das Verhältnis aber zum Verein sei immer eng gewesen, die Scheu vor einem offenen Eklat zu groß. […]
Dass es bei den „Freunden des Armeemuseums“ nur einige wenige mit rechter Gesinnung gibt, bezweifelt Andreasch und verweist auf das Kuratorium. Dem gehöre Klaus Hammel an, einer der bekanntesten extrem rechten Publizisten.“

Quelle:
* Lisa Schnell: Unterstützer des Armeemuseums verbreiten rechtsradikale Thesen, Süddeutsche, 13. Oktober 2017, http://www.sueddeutsche.de/bayern/ingolstadt-unterstuetzer-des-armeemuseums-verbreiten-rechtsradikale-thesen-1.3705573

AfD-Landesvorsitzender lobt Rommel und Wehrmacht

Im Interview mit der FAZ im Mai 2017 meinte Uwe Junge, Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen AfD und ehemaliger Berufssoldat, die „Bundeswehr steht auch in der Tradition der Wehrmacht.“ Außerdem lobte er auch Rommel als „große[n] militärische[n] Führer“.

Höxter: Ex-Berufssoldat für rassistische Ausfälle auf Facebook verurteilt

Das Oberlandesgericht Hamm hat im September 2017 einen ehemaligen Berufssoldaten aus Höxter wegen Volksverhetzung auf Facebook zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.750 Euro verurteilt.
Er hatte u.a. Flüchtlinge als „Gesochse“, „Affen“ und „Ungeziefer“ bezeichnet.
Der Verurteilt war bereits im Oktober 2016 vom Landgericht Detmold verurteilt worden, hatte aber Berufung und später Revision eingelegt.
Der verurteilte Rassist ist inzwischen aus der Bundeswehr ausgeschieden.

Quelle:
* Janet König: Rassismus bei Facebook: Ex-Berufssoldat aus Höxter verurteilt, 26.09.17, http://www.nw.de/lokal/kreis_hoexter/hoexter/hoexter/21929328_Rassismus-bei-Facebook-Ex-Berufssoldat-aus-Hoexter-verurteilt.html

Berliner Reservistenkameradschaft nennt sich nach Ritterkreuzträger

Die „Reservistenkameradschaft 14“ in der Landesgruppe Berlin ist seit dem 12. Mai 2004 nach dem Ritterkeuzträger Günter Halm (1922-2017) benannt.
Günther Halm Reservistenkameradschaft
Sie selbst schreibt auf ihrer Internet-Präsenz „Über Günter Halm, den Namensgeber“:

„Der Namensgeber unserer Reservistenkameradschaft verstarb am 26. September 2017. Günter Halm wurde 27. August 1922 in Elze/Niedersachsen geboren und wuchs in Hildesheim auf. Nach dem Besuch der Oberrealschule leistete er ein zweijähriges Praktikum als Vorbereitung auf das Studium ab. Im August 1941 kam die Einberufung zum Wehrdienst. Nach der Grundausbildung kam er im April 1942 zum Deutschen Afrika-Korps. Hier zeichnete er sich als Richtschütze einer Panzerabwehrkanone in mehreren Einsätzen mit besonderem Mut aus und dies vor allem in der Schlacht um die El-Alamein-Stellung, in der er sieben Kampfwagen der Briten abgeschossen und damit einen Durchbruch verhindert hatte. Schon mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet, verlieh Generalfeldmarschall Erwin Rommel im August 1942 dem damals 20-jährigen Grenadier das Ritterkreuz. Er war damit der jüngste Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht. Als Leutnant geriet er 1944 im Kessel von Falaise in alliierte Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Für ihn war an ein Studium in den Nachkriegsjahren nicht zu denken. So entschloss sich Günter Halm, zusammen mit seiner Ehefrau die Brennstoffhandlung seiner Schwiegereltern zu übernehmen, die er bis 1988 geführt und dann aus Altersgründen verkauft hatte.“

Unerwähnt bleibt dabei, dass der dieses Jahr verstorbene Halm auch Bundesvorsitzender der rechten „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR) war. Zur OdR verfügte das Verteidigungsministerium 1999 ein Kontaktverbot. Offenbar ist es trotzdem kein Problem, wenn eine Reservistenkameradschaft nach dem OdR-Vorsitzenden benannt ist.