Archiv für August 2017

Rechte Vorkommnisse auf KSK-Feier

Am 27. April 2017 gab es auf einer Schießanlage in der Nähe von Stuttgart auf der Abschiedsfeier für einen Kompaniechef des „Kommando Spezialkräfte“ ein Schweinskopfwerfen. „Außerdem sollen mehrere Soldaten den Hitlergruß gezeigt sowie Rechtsrock gehört haben.“

Verwendete Quelle:
* Rechtsextremismus: Ermittlungen gegen Elitesoldaten, NRZ, 17.08.2017,
https://www.nrz.de/politik/rechtsextremismus-ermittlungen-gegen-elitesoldaten-id211613103.html

AfD gründet „Arbeitskreis Bundeswehr und Wehrpolitik“

Die AfD hat im Mai 2017 als „Ausdruck von Souveränität und Selbstbehauptungswillen“ einen „Arbeitskreis Bundeswehr und Wehrpolitik“. Im Gründungstext heißt es:

„Die Bundeswehr ist die Lebensversicherung unseres Landes und das Instrument deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Eine starke Bundeswehr schützt Deutschland und seine Bürger, sichert die außenpolitische Handlungsfreiheit und angemessenen deutschen Einfluss in internationalen Bündnissen wie der NATO. Daher treten wir ein für:
eine schlagkräftige und einsatzbereite Bundeswehr mit durchhaltefähigen Strukturen“

Ebenso wird die Wiedereinsetzung der allgemeinen Wehrpflicht gefordert.
Genauso wie „eine Bundeswehr unter nationalem Kommando.“
Weiterhin bekennt sich der Arbeitskreis „Dienst an Volk und Vaterland und Wahrung soldatischer Tugenden als wesentliches Fundament unserer Streitkräfte“ und „den Werten deutschen Soldatentums und einem Traditionsverständnis, das die herausragenden Leistungen deutscher Soldaten vergangener Generationen angemessen würdigt“, sowie „einem ehrenden Gedenken unserer Gefallenen und der tapferen Soldaten aller Generationen.“
Zu den GründerInnen des Arbeitskreis heißt es:

„Wir sind aktive und ehemalige Soldaten. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Wir sind Mitglieder der Alternative für Deutschland. Wir wollen der Bundeswehr in und mit der AfD eine starke Stimme geben.“

Identitären-Aktivist übernimmt Schulung im Reservistenverband der Bundeswehr

Vortrag Deutsche Identität
Wie das Infoportal „Endstation Rechts“ berichtet, war Sebastian Zeilinger aus Bayern Anfang Mai 2017 an einer Schulung der Landesgruppe Niedersachsen des Reservistenverband der Bundeswehr als Referent zum Thema „Deutsche Identität“ beteiligt. Zeilinger ist seit Anfang 2016 stellvertretender Vorsitzender der extrem rechten „Identitären Bewegung“ (IB) und IB-Landeschef in Bayern.
Mit einem Beitrag war er in dem braungrünen Blatt „Umwelt&Aktiv“ (2-2009) vertreten.

Problematisches Bundeswehr-Liederbuch

Das seit 1991 existierende offizielle Bundeswehr-Liederbuch „Kameraden singt!“ wurde in jüngster Vergangenheit wegen seiner Inhalte kritisiert. So enthält es problematische Lieder wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, das „Panzerlied“, „Das Westerwaldlied“ oder kolonialistische Lieder wie „Wie oft sind wir geschritten auf schmalem Negerpfad“.
Einige der Lieder stammen auch aus der NS-Zeit, etwa „Das Leben ist ein Würfelspiel, wir würfeln alle Tage“, ein Lied von 1943. Am Anfang heißt es darin: „Wir kämpfen für das Vaterland und glauben, dass wir siegen.“ und in einem Refrain „Wir sind die Herren der Welt, die Könige auf dem Meer.“ An einer Stelle ist die Rede von „unsrer Flagge, so rot wie das Blut“, womit wohl die Hakenkreuzfahne gemeint ist.

Aktive Soldaten verteidigen Wehrmachts-Bezug der Bundeswehr und kritisieren Verteidigungsministerin

In dem Text „Woher kommt die Bundeswehr und wo steht sie?“ kommentieren die Verfasser Jens Barthelmeß, Jan Hoffmann und Heiko H. Perlitz, „alle aktive Soldaten im Dienstgrad Oberstleutnant“, das aktuelle Vorgehen der Verteidigungsministerin.
In ihrem Kommentar machen sie sich stark für einen entpolitisierten Bezug auf die Wehrmacht, aus deren Erfahrungen bis heute gelernt werden könnte:

„Eine Antwort auf diese Frage könnte sein, dass junge Soldaten sich nicht auf die „12 dunkelsten Jahre unserer Geschichte“ beziehen, sondern auf die Kampferfahrung, die in knapp 6 Jahren dieser Zeit gesammelt wurde und bis heute international auch vielfältige Anerkennung findet.“

Die Trennung von Wehrmacht und NS-Politik ist aber eine zutiefst künstliche. Die Strategien im Kampf mit der Roten Armee sind immer auch unter dem Hintergrund des Rasse- und Vernichtungskrieges von Deutschland zu sehen, dessen ausführendes Organ eben auch die Wehrmacht war.
Kaum überraschend, kritisieren die drei Autoren auch die Kasernen-Aufräum-Aktion der Verteidigungsministerin und fordern:

„Die Ministerin muss sich bei der Bundeswehr entschuldigen!“

Generell kritisieren sie auch die „durchpazifizierte Gesellschaft“, wünschsen sich also offenbar eine stärker militarisierte Gesellschaft.
Von SoldatInnen fordern die Autoren Gehorsam und Opferbereitschaft bis zum Tode:

„Die Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr haben mit ihren Vorgängern in den deutschen Armeen gemeinsam, in letzter Konsequenz auch das Leben bei der Auftragsdurchführung einsetzen und notfalls auch opfern zu müssen. Man muss deshalb erwarten können, dass Traditionslinien sich so bilden können und akzeptiert werden, die diese soldatische Besonderheit berücksichtigen. Dem ein oder anderen Stirnrunzeln in der Gesellschaft muss da gelassen, aber auch kontrovers begegnet werden.“