Archiv für März 2014

PM des Rabatz-Bündnis: Sprengstoff bei Neonazi der Kameradschaft Berchtesgadner Land

Bad Reichenhall 2010
BILD: Benjamin Hager 8Glatze, mit Sonnenbrille) auf SS-Gedenken in Bad Reichenhall, Quelle: rabatz-Bündnis

Pressemitteilung 1/2014
25.03.2014
www.rabatz.tk
Sprengstoff bei Neonazi der Kameradschaft Berchtesgadner Land

rabatz: „Zivilgesellschaft muss endlich gegen rechte Aktivitäten aktiv werden“

Traunstein/Waging. Benjamin Hager, ein Aktivist der Neonazi-Kameradschaft Berchtesgadner Land wurde am 6. März 2014, wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt. Das rabatz-Bündnis fordert von der Zivilgesellschaft in der Region auf endlich gegen Neonazis aktiv zu werden.

Bei einer Hausdurchsuchung am 21. Dezember 2012 fanden Polizeibeamte bei dem 26-jährigen Waginger „Munition, Waffen, Sprengstoff und allerhand unerlaubte Pyrotechnik“[1]. Das Amtsgericht Traunstein hat nun am 6. März diesen Jahres den Neonazi wegen Erwerbs, Beförderung, Verkehrs und Umgang von und mit explosionsgefährlichen Stoffen zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt[2]. Allerdings wurde die Freiheitsstrafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Vor Gericht wurde Benjamin Hager von dem neonazistischen Szenanwalt Frank Miksch (Fürth)[3] vertreten.
Bei einer Hausdurchsuchung am 21. Dezember 2012 fanden Polizeibeamte bei dem 26-jährigen Waginger „Munition, Waffen, Sprengstoff und allerhand unerlaubte Pyrotechnik“[1]. Das Amtsgericht Traunstein hat nun am 6. März diesen Jahres den Neonazi wegen Erwerbs, Beförderung, Verkehrs und Umgang von und mit explosionsgefährlichen Stoffen zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt[2]. Allerdings wurde die Freiheitsstrafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Vor Gericht wurde Benjamin Hager von dem neonazistischen Szenanwalt Frank Miksch (Fürth)[3] vertreten.
Benjamin Hager ist laut dem a.i.d.a.-Archiv einer „der langjährigen Aktivisten des neonazistischen ‚Freien Netz Süd‘ (FNS). Er tritt in der Öffentlichkeit für die ‚Kameradschaft Berchtesgadener Land‘ sowie die ‚Bürgerinitiative Ausländerstopp‘ München auf“[4]. In der Vergangenheit nahm er auch auf der ultra rechten SS-Gedenkfeier in Bad Reichenhall teil. Dazu Anna Jade vom antifaschistischen rabatz-Bündnis:
„Der Vorfall zeigt erneut welche Gefahr von der Naziszene in der Region Chiemgau/ Berchtesgadner Land ausgeht. Das Reichenhaller SS-Gedenken ist ja schon lange als Treff von Alt- und Neonazis, Rechtsterroristen[5], Waffennarren[6] und Geschichtsrevisionisten bekannt. Jetzt zeigt sich auch, dass sich auch lokale Neonazis bewaffnen.“ Ihre Gewaltbereitschaft hat die Kameradschaft Berchtesgadner Land bereits mehrfach unter Beweis gestellt. So waren beispielsweise im November letzten Jahres Aktivisten der KS BGL wie Mathias Häuslmann und Alexander Donninger an den Neonazisübergriffen auf eine antirassistische Demonstration in Aachen beteiligt. Das rabatz-Bündnis fordert die
Zivilgesellschaft in der Region auf endlich gegen Neonazis aktiv zu werden. Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung: „Egal ob sich Neonazis im Pidinger Gasthaus „Altwirt“ zu einem sogenannten „Heimattreuen Volkstanz“ oder am Kugelbachparkplatz zum SS-Gedenken treffen, wir meinen Alt und Neonazis darf kein Millimeter Platz zugestanden werden. Die Bewohner*innen des Berchtesgadener Landes haben rechte Aktivitäten bereits zulange ignoriert- es wird Zeit zu handeln“.

[1] http://www.heimatzeitung.de/lokales/berchtesgadener_land/1225814_Bewaehrung-fuer-Waginger-Sprengkoerper-Bastler.html
[2] http://www.endstation-rechts-bayern.de/2014/03/bewaehrungs-und-geldstrafen-fuer-bayerische-neonazis/
[3] Frank Miksch war laut a.i.d.a. in der Vergangenheit mehrfach bei Aufmärschen des Neonazi Netzwerkes „Freies Netz Süd“ anwesend, vgl. http://aida-archiv.org/index.php?option=com_content&view=article&id=3047:25-juni-2012&catid=226:2012-juni&Itemid=1367
[4] http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4459:6-maerz-2014&catid=248:maerz-2014
[5] 2011 waren bei dem SS-Gedenken in Bad Reichenhall auch die für den geplanten Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Zentrums am Münchner Jakobsplatz als Rechtsterroristen verurteilten Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger anwesend, obwohl gegen die beiden ein gerichtliches Kontaktverbot verhängt worden war.
[6] Als die Polizei 2006 erstmals die Teilnehmer*innen der Reichenhaller SS-Gedenkfeier kontrollierte wurden neben Hakenkreuzfahnen auch Sprengmittel, Pistolen, Rauchbomben und andere Waffenteile bei den damals ca. 130 anwesenden Alt- und Neonazis (u.a. aus Deutschland, Frankreich, Italien und Dänemark) beschlagnahmt.

Landser-Magazin ‚zur großen Armee abberufen‘ – Nachfolge-Projekt taucht auf

Kaum ist das Landser-Magazin eingestellt, schon schließt ein Ersatz-Magazin die Lücke an ‚Bedarf‘ an kriegsverherrlichenden Soldaten-Geschichten. Auf „Blick nach Rechts“ schreibt Anton Maegerle:

Im vergangenen September sind die soldatischen Groschenromane „Landser“ nach öffentlichen Protesten eingestellt worden – eine neue Reihe „Weltkrieg. Erlebnisberichte“ ist jetzt auf dem Markt.
Die kriegsverherrlichende Heftromanreihe „Der Landser“, ein pseudodokumentarisches Abenteuerheft für Weltkriegsbegeisterte, wurde nach öffentlichen Protesten im September 2013 eingestellt. Wenige Wochen später gingen neue Kriegsroman-Reihen mit dem Titel „Weltkrieg. Erlebnisberichte“ an den Start. Diese knüpfen unverhohlen am alten „Landser“ an.
5000 Ausgaben des „Landserheftes“, teilweise in einer Auflage von bis zu 500 000 Exemplaren hatte der Pabel-Moewig Verlag (Bauer Media Group) im Zeitraum von 1957 bis 2013 wöchentlich verbreitet. Im Sommer letzten Jahres veröffentlichte das renommierte Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles eine Studie, in der dokumentiert wurde, dass in den soldatischen Groschenromanen der Holocaust und die Waffen-SS verharmlost sowie der Nationalsozialismus verherrlicht werde. Als Fazit forderte das SWC ein Verbot der „Landser-Hefte“, dem die Bauer Media Group schließlich durch Einstellung des „Landser“ zuvorkam.
Zu den Autoren der „Landser“-Serie gehörten unter anderem Kurt Ziesel und Wilhelm Tieke. Ziesel, Ex-NSDAP-Mitglied, arbeitete als Journalist von 1931 bis 1945 bei NS-Propagandablättern. Er war einer der Gründer der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“. Tieke war Ehrenmitglied des Waffen-SS-treuen Kameradenwerkes Korps Steiner.
Am 17. Dezember 2013 gingen die ersten Hefte der neuen Kriegsroman-Reihen „Weltkrieg. Erlebnisberichte“ in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien (Südtirol) und Luxemburg in den Handel. In den drei Reihen sollen alle zwei Wochen ein „Weltkrieg“-Originalband und je alle vier Wochen ein „Weltkrieg“-Doppelband und ein „Weltkrieg“-Flieger erscheinen. Weitere Reihen sind für dieses Jahr geplant.
[…] Erschienen sind seitdem unter anderem die Hefte „Krieg im Mittelmeer“ von Hajo Herrmann und „Luftschlacht von Oschersleben“ von Walther Dahl. Oberst a.D. Dahl wurde am 26. Januar 1945 von Hermann Göring zum Inspekteur der Tagjäger ernannt. Dahl gehörte später dem Funktionärsgremium „Freiheitlicher Rat“ im Umfeld der Deutschen Volksunion (DVU) an. Noch Anfang der 80er Jahre amtierte Dahl als Ehrenvorsitzender des „Unabhängigen Freundeskreises aller Waffengattungen“. Der im November 2010 im Alter von 97 Jahren verstorbene Oberst a.D. Hajo Herrmann war bis 1945 Inspekteur der Nachtjäger und Vertrauter Görings. Der über Jahrzehnte in Düsseldorf wohnhafte Rechtsanwalt Herrmann war eine der letzten noch lebenden Größen aus der NS-Zeit und damit ein vielgefragter Gesprächspartner in rechtsextremen Kreisen. Mehrfach trat der bekennende NPD-Wähler als Referent auf Veranstaltungen der DVU und der NPD in Erscheinung.

Quelle:
* Anton Maegerle Unverhohlene Nachfolge, 26.03.2014, http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/unverhohlene-nachfolge

Veteranen-Blatt „Soldat im Volk“ hat Betrieb eingestellt

Das rechtslastige und geschichtsrevisionistische Vereinsorgan „Soldat im Volk“ des Wehrmachtveteranen-Organisation „Verband deutscher Soldaten“ (VdS) wurde Ende letzten Jahres eingestellt.
Bei „Blick nach Rechts“ hieß es in einem sehr lesenswerten Analyse über „Soldat im Volk“:

Für Tradition und Fortschritt europäischen Soldatentums“ will das Blatt „Soldat im Volk“ eintreten. Tatsächlich ist das Organ des Verbands Deutscher Soldaten (VDS) nach wie vor ein Hort extrem rechten Gedankenguts.
Den Leitartikel der Zeitschrift, die seit 1951 erscheint, verfasst stets der VDS-Bundesvorsitzende Max Klaar (Bonn). Bei der Bundeswehr befehligte er einst eine Einheit von Fallschirmjägern. Klaar findet: „Beide Weltkriege wurden von Großbritannien und seinen Verbündeten als zweiter 30-jähriger Krieg geführt, um Deutschland als Wirtschaftsmacht auszuschalten.“ So steht es in der Ausgabe 4/2012. […] Als Autoren kommen in „Soldat im Volk“ einschlägig bekannte Namen zu Wort: die geschichtsrevisionistischen Publizisten Franz Uhle-Wettler und Gerd Schulze-Rhonhof zum Beispiel, der rechtsextreme Verleger Gert Sudholt, Ex-Tagesschau-Moderatorin Eva Herman, der Ökonom Eberhard Hamer sowie Jürgen Reichardt, der in den 80er Jahren Sprecher des damaligen Verteidigungsministers Manfred Wörner war und heute Präsident des völkisch-reaktionären Bayerischen Soldatenbundes ist. Die Beiträge werden teilweise aus anderen Publikationen übernommen. […] Die Bundesregierung fand im Jahr 2000 bei der Zeitschrift „einzelne tatsächliche Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund“. So wurde in Anzeigen für die revisionistische Schrift „Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung“ (VffG) geworben. „Soldat im Volk“ druckte auch einen unkommentierten Text eines Führungsmitglieds der US-Neonazipartei NSPA ab. „Die Grundaussagen vieler Artikel in ,Soldat im Volk‘ sind kaum von denen in rechtsradikalen Publikationen unterscheidbar“, stellten schon in den 90er Jahren Bundestagsabgeordnete der Grünen in einer kleinen Anfrage fest.
VDS-Chef Klaar fuhr 2011 nach Washington, um an einer eigenartigen Zeremonie teilzunehmen. Dabei entschuldigte sich der ehemalige US-Major Merrit Drucker stellvertretend beim VDS-Vorsitzenden für Zustände in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern nach dem Zweiten Weltkrieg. Drucker wurde bei der Aktion von dem revisionistischen Publizisten James Bacque („Der geplante Tod“) unterstützt. Dessen Thesen hat die seriöse Geschichtswissenschaft längst widerlegt.“
Auf der Homepage des „Verbandes Deutscher Soldaten“ findet sich folgender Eintrag vom 28. November 2013:
„So rufe ich Ihnen heute diese vier Worte zu, ohne dabei lächeln zu können. Es heißt, Abschied zu nehmen von unserer Verbandszeitung, die wir mangels Finanzmasse nicht länger herausgeben können, wenn nicht unerwarteter Geldregen eintrifft.
Vor fast 10 Jahren übernahm ich den Bundesvorsitz in scheinbar auswegsloser Situation; damals stand der VdS als berufsständische Vereinigung wegen der von Minister Struck verhängten Kontaktsperre zur Bundeswehr vor der Auflösungsfrage und war praktisch pleite. Ich bat Sie dann für die Fortsetzung der Arbeit um Spenden. Sie halfen seit 2004 mit insgesamt rund 150.000 Euro; namens des Bundesvorstandes kann ich Ihnen dafür auch heute gar nicht genug erneut dafür danken.
Die noch verbliebenen Mittel werden bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über die Kontaktsperre benötigt. Wer irgend kann, wird inständig um weitere Spenden gebeten, um die Zeit bis dahin durchstehen zu können. Sollte der Haushaltstopf durch glückliche Fügung die Wiederaufnahme von Soldat im Volk erlauben, wollen wir das gerne versuchen.
Der Verband deutscher Soldaten erkämpfte in den Anfangsjahren mit der 131-er Gesetzgebung die Kriegsopferversorgung. Zahllose VdS-Mitglieder bauten die neuen deutschen Streitkräfte mit auf und wirkten in besonderer Weise bei der Weitergabe soldatischer Tugenden und Traditionen an unsere jungen Soldaten mit.
Gegenwärtig erleben wir tief bestürzt, wie in der Bundeswehr die Erinnerung an unsere deutschen Armeen und deren Truppenteile gelöscht wird.
[…] In den letzten 10 Jahren widmete sich der VdS über Soldat im Volk besonders der Verteidigung von Recht und Freiheit des deutschen Volkes.

Quelle:
* Magnus Bosch: Völkisch-reaktionäres Weltbild, Blick nach Rechts, 27.02.2013, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/voelkisch-reaktionaeres-weltbild

DMZ fusioniert mit „Der Freiwillige“

Der Verlagskomplex des norddeutschen Rechtsextremisten Dietmar Munier hat die Waffen-SS-treue Zweimonatszeitschrift „Der Freiwillige“ geschluckt. Das knapp 60 Jahre lang erscheinende militärgeschichtliche Heft ist in dem Munier-Hausblatt „DMZ Zeitgeschichte“ aufgegangen.
Anfang des Jahres hatten Dietmar Munier, Patrick Agte (bisheriger Herausgeber des „Freiwilligen“)  und Guido Kraus (Chefredakteur „DMZ Zeitgeschichte“) in einem Schreiben kundgetan, dass das einstige Mitteilungsblatt der ehemaligen Soldaten der Waffen-SS mit der „DMZ Zeitgeschichte“ aus dem Hause Munier zusammengeführt wurde. Konkret heißt das, dass die bisherige Konzeption der im dritten Jahrgang vierteljährlich erscheinenden „DMZ Zeitgeschichte“ komplett beibehalten und von der einstigen Aufmachung und Gestaltung des „Freiwilligen“ nichts übernommen wurde. Das Ende des im 59. Jahrgang erscheinenden „Freiwilligen“, der bisherigen Leserschaft des Blattes als „Stärkung“ und Konzentration der Kräfte scheinbar schmackhaft gemacht, bedeutet insofern einen weiteren Ausbau des Munier-Verlagskomplexes, der sich in den letzten Jahren auch die langjährigen rechten Periodika „Nation& Europa“ und „Der Schlesier“ einverleibt hat.
Auf ihre geschichtsrevisionistische und NS-apoletische Lektüre hatten Leser/innen des „Freiwilligen“ seit dem vergangenen Sommer warten müssen. Erst im Februar dieses Jahres lieferte Patrick Agte, der Anfang 2000 den „Freiwilligen“ und den Munin-Verlag übernommen hatte, die Doppelausgabe für Juli/August und eine Gesamtausgabe für die Monate September, Oktober, November und Dezember 2013 nach.


Quelle:

* Anton Maegerle: Geschichtsrevisionistische Fusion, Blick nach Rechts, 19.02.2014, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/geschichtsrevisionistische-fusion