Archiv für September 2013

Leserbrief in extrem rechter Zeitung bringt nach Jahrzehnten Licht ins Dunkel

Im Jahr 1982 stirbt Hans-Ullrich Rudel, höchstdekorierter Luftwaffenpilot im „Dritten Reich“, Ikone des Nationalsozialismus und des Nachkries-Rechtsextremismus.
Bundeswehrsoldaten in Uniform nehmen damals in Dornhausen an der Beerdigung des Altnazis und Wehrmachtfliegers Hans-Ullrich Rudel teil, die von insgesamt 2.500 Personen, vor allem aus dem rechten Spektrum, begleitet wird.
Während des Begräbnisses überflogen Bundeswehr-Kampfflugzeuge der Typen „Phantom“ und „Starfighter“ mehrfach im Tiefflug den Ort.

Nun äußerte sich in der extrem rechten Wochenzeitung „National-Zeitung“, dem Ex-DVU-Blatt, Nr 3 vom 11. Januar 2013 ein Lauftwaffen-Veteran in einem Leserbrief:
„Sehr geehrter Dr. Frey!
In der National-Zeitung wurde ein interessanter Artikel über Oberst Rudel veröffentlicht. Ich selbst bin ehemaliger Starfighter- und Phantom-Pilot der Luftwaffe und kann mich noch sehr gut an
die Sache mit dem Überflug erinnern. Auch daran, wie verzweifelt die dem Primat der Politik unterworfene Luftwaffenführung die „Schuldigen“ gesucht hatte. Ich habe allerdings „Manschetten“ vor der Macht der Political Correctness, die die Gut-Menschen immer wieder dazu verleitet, Existenzen Andersdenkender zu vernichten. Das „Letzte Geleit“ des Überflugs in Flugformation „Missing Man“ beim Rudel-Begräbnis war eine Sache, die nicht geplant, noch weniger per Flugauftrag ausgegeben werden durfte, sondern die sich spontan unter den Formationsfliegern ergeben hatte, zumal Ort und Zeit des Begräbnisses kein „Geheimnis“ waren.
Denn jeder Luftwaffen-Pilot sah damals die Einsatzbereitschaft und die fliegerischen Leistungen
von Oberst Rudel als Vorbild. Das durfte allerdings damals schon in der Öffentlichkeit nicht laut gesagt werden, man hatte den „Fall Kruppi und Franke“ noch zu gut in Erinnerung.
R. Bockelmann, per E-Post“
(Seite 12)

Rechte Vorkommnisse in der Bundeswehr – eine Ansammlung von Einzelfällen

Ein Bericht für 2012 nennt mindestens 70 Bundeswehrsoldaten, die durch 67 rechte Aktivitäten aufgefallen sind.

Spiegel-Online zählt einige Beispiele auf:

Am 25. September 2012 stoßen Soldaten beim Stöbern im Internet auf das Facebook-Profil eines Kameraden aus Ellwangen. Die Bilder, die der Zeitsoldat hochgeladen hat, zeigen ihn in SS-Uniform, darunter die Worte: „Arier – nicht nur sauber, sondern rein.“
Am 25. August 2012 werden Soldaten in der Kaserne Germersheim an einem Schießsimulator trainiert. Sie sollen dafür auf im Display dargestellte Menschen zielen. Auf die Frage eines Schützen, warum auf dem Bildschirm ein Bauer zu sehen sei, antwortet ein Zeitsoldat: „Keine Ahnung, vielleicht ist er Jude.“
In der Nacht vom 11. auf den 12. März 2012 wacht eine Soldatin in der Kaserne Stadum auf, weil in der benachbarten Stube ohrenbetäubend laut der „Kanakensong“ der Skinheadband Standarte gespielt wird. Der Urheber des Lärms, ein Zeitsoldat, hört regelmäßig rechtsextremistische Musik in geselliger Runde. Bei einer Durchsuchung in seiner Stube stoßen Vorgesetzte auch auf eine Stichwaffe.
Anfang September 2012 äußert ein Offiziersanwärter auf dem Standortübungsplatz Wendisch-Evern sinngemäß: „Ich hasse Juden. Juden schauen Deutsche immer so abwertend an.“ Dann fährt er fort: „Der Völkermord an den Juden war gar nicht so schlimm, teilweise sogar gerechtfertigt.“ Die Liste ließe sich fortsetzen.
[…] So nötigte etwa im August 2012 ein in Masar-i-Scharif stationierter Zeitsoldat ein afghanisches Kind, den „Hitlergruß“ zu zeigen. Ebenfalls in Afghanistan, diesmal in Kunduz, brüllte ein Soldat dreimal „Sieg“ – während aus der Nachbarstube mit „Heil“ geantwortet wurde.
[…] Im April 2012 stellte sich ein Wehrdienstleister in Schwarzenborn einem Kameraden so vor: „Nachname mit SS. SS ist mein Motto.“ In Luttmersen sagte ein Zeitsoldat über einen syrisch-libanesischen Kameraden, der einen langen Flur entlanglief: „Das schaut aus, als wäre das der Weg zur Gaskammer.“
[…] So platzierte ein Zeitsoldat aus Munster auf seiner Facebook-Seite einen Hund mit rot-weißer Hakenkreuzbinde, der den „Hitlergruß“ zeigt, darunter die Worte: „Sieg Wuff“. Auf YouTube wurde im April ein Video entdeckt, das mehrere Soldaten bei Liegestützen und Sit-ups zeigt. Ein Kamerad steht daneben, streckt den rechten Arm und ruft „Sieg Heil“. In Laage wiederum diente ein Zeitsoldat, der auf dem Kurznachrichten-Service „Whatsapp“ eine unmissverständliche Statusmeldung verwendete – ein Hakenkreuz.

Die Beteiligung an solchen Taten führt keinesfalls in allen Fällen zur entlassung. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei geht hervor, dass in den Jahren 2010 bis 2012 76 Angehörige der Truppe eindeutig als extreme Rechte erkannt, aber nur 18 von ihnen vorzeitig entlassen wurden.

Quellen:

* Matthias Gebauer und Jörg Schindler: Rechtsextremismus bei der Bundeswehr: „Schaut aus, als wäre das der Weg zur Gaskammer“, Spiegel-Online, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextremismus-bei-der-bundeswehr-67-vorfaelle-in-2012-registriert-a-921222.html
* Rechtsextreme Umtriebe in Bundeswehr reißen nicht ab, http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/rechtsextreme-umtriebe-in-bundeswehr-reissen-nicht-ab-a-920999.html