Archiv für Juni 2013

Unkritischer Text der Bundeswehr zum „Eisernen Kreuz“

Auf der Homepage der Bundeswehr erschien ein unkritischer Text zum „Eisernen Kreuz“. Darin heißt es u.a. unter der Überschrift „Vereinnahmt vom NS-Regime“:
Bundeswehr Eisernkreuz

Vom Norddeutschen Bund bereits in der Kriegsflagge gezeigt, avancierte das Eiserne Kreuz im Gefolge des Deutsch-Französischen Krieges zum gesamtdeutschen Militärsymbol. In der Zwischenkriegszeit spielte es in der Heraldik der Reichswehr eine wichtige Rolle, aber auch in bei öffentlichen Auftritten rechtskonservativer Kriegerbünde.
Die Akzeptanz des ehemals preußischen Kreuzes als militärisches Nationalsymbol veranlasste die Machthaber nach 1935 zu seiner Adaption für die Gestaltung von Truppenfahnen der Wehrmacht und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Neustiftung des Eisernen Kreuzes. Seine nationalsozialistische Vereinnahmung war durch das Aufbringen eines Hakenkreuzes auf dem Avers augenfällig.
Dieser Missbrauch des Kreuzes der nationalsozialistischen Herrschaft und im Kontext des deutschen Vernichtungskrieges 1939 bis 1945 überlagerte für geraume Zeit den ursprünglichen Sinngehalt des Eisernen Kreuzes.

Angeblich

stand das Eiserne Kreuz nicht für Militarismus und obrigkeitliche Willkür, sondern im Gegensatz dazu für die staatsbürgerliche Pflicht und die Bereitschaft des Volkes, seine Rechte und Freiheiten zu verteidigen. Des Weiteren erinnerte es an die Legitimität einer bewaffneten Auflehnung gegen Unterdrückung und Tyrannei.

Das ist falsch! Das Eiserne Kreuz war immer ein militaristisches und nationalistisches Symbol. Als es 1813 entstand, kämpften nationalistisch motivierte Freiwillige gegen die französische Besatzung unter Napoleon. Die allermeisten dieser Freiwilligen zogen die Herrschaft des „eigenen“ Königs, der des „fremden“ Kaisers vor, die Art der Herrschaft an sich wurde kaum infrage gestellt.
Am Ende des Textes heißt es: „Die Bundeswehr hat sich seitdem oft gewandelt. Das Eiserne Kreuz ist aber ihr unverwechselbares Markenzeichen geblieben.“

Quelle:
* Vereinnahmt vom NS-Regime, http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYy9DsIwEIOfpQ9ArpGKKGxUXYCNBcqCrumpjcifwpUsPDzJgC15-WzDA7IdfvSMrL1DA3cYlD6MSYxpIoEvXskYeotEminSkxey5OBWhrmgvCMuyeRY55wjso8i-MimkDXGTISeYKhl38ld_Zf87reXc9fKpulP3bUchoizRRic3yhUC0Gwtk3HqvoBlfwj9g!!/

Alkoholprobleme im Auslands-Einsatz

Aus einem Artikel in der „Süddeutschen“:

Die Mitteilung des Befehlshabers ist soldatisch-nüchtern gehalten. Am Sonntag um 23:20 Uhr Ortszeit sei es in einem Unterkunftscontainer des Feldlagers Masar-i-Scharif „zu einer ungewollten Schussabgabe mit einer Pistole P8″ gekommen – so steht es im Schreiben von Generalleutnant Hans-Werner Fritz an einen kleinen Kreis von Bundestagsabgeordneten.
„Das Geschoss drang in den gegenüberliegenden Unterkunftscontainer ein und blieb in einem Bett stecken.“ Der Bundeswehrsoldat, „der sich zu diesem Zeitpunkt schlafend in dem Bett befand“, sei nicht verletzt, so der Chef des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. „Nach derzeitigem Sachstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Schussabgeber Alkohol konsumiert hatte.“
[…] Ein betrunkener Soldat, der um ein Haar einen schlafenden Kameraden erschossen hätte? Die Zutaten des Falls genügten, um ihn am Mittwoch zum Thema im Verteidigungsausschuss zu machen – zumal es innerhalb weniger Tage der zweite schwerwiegende Vorfall war, bei dem Alkohol eine Rolle spielte. Auch ein Soldat, der sich in Masar-i-Scharif wohl selbst erschossen hat, war laut Spiegel Online schwer betrunken. Durch die beiden Fälle kam im Ausschuss die Frage auf, ob man in Afghanistan und speziell in Masar-i-Scharif ein Alkoholproblem habe?
Eigentlich gilt dort die „Zwei-Dosen-Regel“, nach der jeder Soldat nur zwei Dosen Bier am Abend trinken darf. Im deutschen Kontingent wird die allerdings gern mal so ausgelegt: „Zwei Dosen müssen übrig bleiben.“ Das ist zunächst nur ein beliebter Spruch – der aber wohl hin und wieder in die Tat umgesetzt wird.
Ursprünglich gab es im Feldlager gar nicht groß die Möglichkeit, abseits von Vorgesetztenaugen ein bisschen Vergessen zu suchen. Nach und nach aber eröffneten die einzelnen Verbände auf dem Gelände ihre eigenen sogenannten Betreuungseinrichtungen. Im Soldatenmund heißen diese offiziell genehmigten Ausschankstellen schlicht „Nebentheken“.
[…] Derzeit allerdings kursieren vor Ort Geschichten über eine gestiegene Anzahl der Vorfälle unter Alkoholeinfluss. Darunter fallen Verkehrsunfälle im Lager genauso wie Soldaten, die schlafend im Graben gefunden wurden – in einer Zeit, in der die Bundeswehr das Camp deutlich seltener für Operationen verlassen muss als früher. Den US-Truppen hingegen sind noch nicht einmal zwei Dosen erlaubt. Dort gilt die Nullgrenze – was nicht bedeutet, dass nicht gegen sie verstoßen würde.
Beim Einsatzführungskommando heißt es auf Anfrage, man habe keine Statistik zur Gesamtzahl der Vorfälle unter Alkoholeinfluss – dafür müsste man schließlich jede Meldung aus den Einsatzgebieten einzeln auswerten. „Von einem Alkoholproblem im Einsatz kann auch keine Rede sein“, sagt ein Sprecher, „sondern vom Querschnitt einer gesellschaftlichen Problematik, wie sie überall anzutreffen ist.“ Im Gegensatz zum Rest der Gesellschaft, fügt er hinzu, würden Verstöße „bei uns dann aber auch geahndet“.
Nicht immer allerdings halten sich die Auswirkungen so in Grenzen wie am späten Sonntagabend. Bei der „ungewollten Schussabgabe“, so Generalleutnant Fritz, seien lediglich „Schäden am Mobiliar und an den Unterkunftscontainern entstanden“.

Quelle:
* Christoph Hickmann: Schwer geladen, Süddeutsche, 14. Juni 2013, http://www.sueddeutsche.de/politik/alkoholproblem-in-der-bundeswehr-schwer-geladen-1.1696229

Fundstück: Rechte in der Bundeswehr in den 1980ern

Ein Undercover-Journalist berichtet in dem Buch „Die Neonazis“ von 1978 an einer Stelle von einem Gespräch mit einem Mitglied der Kühnen-Truppe „Aktion Nationaler Sozialisten“:

Michael winkt ab: »Der ist okay. Es ist einer von uns. Der ist Bundeswehrsoldat. Bei uns gibt es die Anordnung, daß sich Soldaten sämtlichen Kontakten mit uns enthalten müssen. Die NSDAP-Mitglieder in der Bundeswehr haben eine eigene Organisationsstruktur. Wir müssen verhindern, daß sie – wie ich – rausfliegen.« Der Anteil der Soldaten in neonazistischen Gruppen ist verhältnismäßig groß. Die wehrsportbegeisterten Jungnazis zählen schon die Monate, wann sie in die Truppe einrücken dürfen und ihr militärisches Wissen und Können »offiziell« erweitern können. Andererseits haben auch – wenn auch nur wenige – Unteroffiziere und manche Offiziere für Naziorganisationen ihr Herz entdeckt. Major Lindner, Oberleutnant Temmler und Oberstleutnant Witt sind einige der bekannten Beispiele für Offiziere, die hohe NPD-Funktionen ausüben, ohne nur im geringsten Schwierigkeiten mit der Bundeswehrführung zu bekommen.

Quelle:
* Jürgen Pomorin / Reinhard Junge: Die Neonazis, Dortmund 1978, Seite 58