Archiv für Mai 2013

Guter Text zur „DMZ Zeitgeschichte“

DMZ Zeitgeschichte
Von der Homepage „Endstation Rechts“:

Zu den in den Regalen der Bahnhofsbuchhandlungen unter der Rubrik „Geschichte“ angebotenen Zeitschriften hat sich 2012 mit „DMZ Zeitgeschichte“ ein neues Angebot gesellt, dessen Titel allgemein und unverfänglich klingt. Doch bereits mit seinem Namen täuscht es die Passanten, denn das Heft widmet sich nicht den vielfältigen Bereichen der Zeitgeschichte, sondern konzentriert sich auf ein einziges Thema. Dieses behandelt es zudem nicht aus einer populärwissenschaftlichen, sondern aus einer für Rechtsextremisten typischen Sicht. Die „DMZ Zeitgeschichte“ beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Verherrlichung der Waffen-SS. Ein Gastbeitrag.
Die einseitige Ausrichtung auf die nationalsozialistische Streitmacht der seit 2012 erscheinenden Zeitschrift „DMZ Zeitgeschichte“ verwundert allerdings angesichts des verlegerischen Hintergrundes nicht, denn das Heft ist ein Seitenprojekt der „Deutschen Militärzeitschrift“ (DMZ). Bei ihr handelt es sich um ein 1995 entstandenes Magazin, das nach einer 2003 erfolgten Insolvenz vom Kieler Verleger Dietmar Munier übernommen wurde. Munier wiederum ist einer der wichtigsten Akteure der rechtsextremistischen Publizistik, der ein Zeitschriften- und Verlagsgeflecht um seinen „Arndt-Verlag“ und seinen Versandhandel „Lesen & Schenken“ betreibt. Die DMZ widmet sich seit der Übernahme einer Themenpalette, die sowohl die Bundeswehr und moderne Waffentechnik als auch die Wehrmacht und die Waffen-SS abdeckt. Während das Magazin dabei einerseits aktuelle wehrpolitische Themen nüchtern behandelt, verbreitet es andererseits beschönigende Artikel über die Streitkräfte des „Dritten Reiches“. Dadurch macht sich die DMZ für einen breiten Leserkreis interessant, der von nicht extremistisch eingestellten Personen mit einem generellen Interesse am Militärwesen bis hin zu Rechtsextremisten mit ihrer verklärenden Sicht auf den NS-Staat reicht. Da dies unter Verzicht auf eine offene rechtsextremistische Agitation erfolgt, schreckt die Zeitschrift die Laufkundschaft der Zeitschriftenhändler nicht ab, könnte jedoch aufgrund dieser Mäßigung für nicht wenige der am „Dritten Reich“ interessierten Leser auf Dauer zu langweilig sein.

Mit der „DMZ Zeitgeschichte“ richtet sich nun ein neues Blatt an die zuletzt genannten Personen. Dabei stellt die vierteljährlich erscheinende Schrift die Waffen-SS als militärische Eliteeinheit vor und sieht sie als Opfer einer angeblichen Desinformation, die deren öffentlichen Ruf negativ bestimmt. Dementsprechend beabsichtigt die Zeitschrift, der von ihr abgelehnten öffentlichen Meinung ihre Sicht entgegenzustellen und – nach eigener Aussage – vor allem Jugendliche anzusprechen. Im Aufbau verfügt sie über eine feste Struktur. Die einzelnen Rubriken enthalten hauptsächlich Schilderungen einstiger Kampfhandlungen, Vorstellungen wichtiger SS-Soldaten, Berichte über deren Ausrüstung sowie Interviews mit Veteranen. Inhaltlich entsprechen die Artikel der in der gemäßigten rechtsextremistischen Publizistik üblichen Ausrichtung. Dazu gehört – wie bei der DMZ – der Verzicht auf eine direkte rechtsextremistische Agitation. Stattdessen enthalten die Beiträge eine Kombination aus der Unterschlagung des ideologischen Hintergrundes der Waffen-SS mit der Betonung ihrer militärischen Leistungen. Gleichzeitig geht die Zeitschrift nicht auf deren in ganz Europa verübte Kriegsverbrechen und ihre Rolle im Holocaust ein, sondern stellt von alliierten Soldaten an ihren Angehörigen begangene Taten heraus. Dies geschieht etwa durch eine Berichterstattung über mehrere 1944/45 erfolgte Erschießungen gefangener SS-Soldaten durch amerikanische Soldaten, wobei unterschlagen wird, dass die alliierten Kombattanten unter dem Eindruck der massenhaften Verbrechen des „Dritten Reiches“ standen, derer sie unter anderem in den von ihnen befreiten Konzentrationslagern gewahr geworden waren.

Die Artikel über Kampfhandlungen beschreiben unter vor allem für die Waffen-SS besonders bedeutende Schlachten wie Charkow (1943) oder Budapest (1944/45). Dies erfolgt jeweils aus einer rein militärgeschichtlichen Perspektive. Ebenso werden bei der Vorstellung besonders erfolgreicher SS-Soldaten lediglich deren militärische Leistungen, nicht jedoch deren politische Werdegänge vorgestellt, sodass sie allein als Elitekrieger erscheinen. Die Berichte über deren ehemalige Ausrüstung bestehen aus sachlichen Beschreibungen von Waffen, Uniformen und Orden. Dies dürfte das Interesse von generell an Militaria interessierten Lesern wecken. Mit den verschiedenen Interviews ermöglicht „DMZ Zeitgeschichte“ nicht nur ehemaligen Veteranen, sich nach mehr als sechs Jahrzehnten öffentlich darzustellen, sondern präsentiert den von ihr erhofften jugendlichen Lesern Vorbilder.

Insgesamt lenkt die Zeitschrift durch ihre Berichterstattung davon ab, dass es sich bei der Waffen-SS nicht um eine Streitmacht wie andere auch handelte, sondern um eine vom Nationalsozialismus durchdrungene Parteiarmee der NSDAP, die als Instrument in einem rassistischen Vernichtungskrieg diente. Somit verherrlicht sie einerseits die Truppe und präsentiert andererseits insbesondere jungen Rechtsextremisten ein historisches Ideal für deren eigene Lebensgestaltung. Dietmar Munier hat mit der „DMZ Zeitgeschichte“ sein publizistisches Angebot erweitert. Das Magazin ist dadurch Teil eines unauffälligen Expansionsprozesses, der die starke Stellung des norddeutschen Verlegers im rechtsextremistischen Publikationswesen festigt.

Quelle:
* Elmar Vieregge: Das Magazin „DMZ Zeitgeschichte“ und die Verherrlichung der Waffen-SS am Zeitschriftenkiosk, 18. Mai 2013, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=8253:das-magazin-%E2%80%9Edmz-zeitgeschichte%E2%80%9C-und-die-verherrlichung-der-waffen-ss-am-zeitschriftenkiosk&Itemid=773