Archiv für August 2012

Österreich: Fallschirmjäger-Verein organisiert ein Gedenken an „Helden“ der Wehrmacht

Der „Verein Militärischer Fallschirmjäger Verbund Ostarrichi“ organisiert in Feldbach (Südsteiermark) ein Treffen zum Gedenken gefallener Wehrmachtssoldaten. Die „Kretafeier“ zog 2010 und 2011 etwa 200 Personen an, 2009 sind es nur 50 gewesen.
Für Zulauf soll nach Medienberichten Josef Paul Puntigam, Brigadier a. D., ehemaliger Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres und ehemaliger Kommandant der Jägerschule, gesorgt haben. Puntigam ist seit 2008 zum Präsidenten des Fallschirmjäger-Vereins. Außerdem ist Puntigam Mitglied der Studentenverbindung Tafelrunde Wiking und hat das Vorwort zu dem 2006 im extrem rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst. Der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ stand er für die Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006 als Interviewpartner zur Verfügung.
Unter den Teilnehmenden befanden sich Bundesheerangehörige in Uniform ,Polizisten und Mitglieder der rechtsextremen Kameradschaft IV, der frühere Waffen-SS-Mitglieder angehören. Dem Heer wurde von offizieller Stelle die Teilnahme am Treffen in Feldbach untersagt. Deswegen dürfen Vereinsmitglieder bei ihren Veranstaltungen keine Uniform tragen.

Wie das Magazin „Falter“ herausgefunden hat, ist der Verein mehr als nur ein brauner Traditionsverband:

Die Soldaten sollen im Kampfanzug erscheinen, bei Polizisten ist die Uniform erwünscht. So steht es auf dem Anmeldeformular für den „Ersten Internationalen Hochgebirgsmarsch samt Schießen“, bei dem die Teilnehmer vergangenes Wochenende in der Gegend von Kaprun auf bis zu 2639 Metern Seehöhe durchs Gebirge marschierten. […] Der Milf-O klingt nicht nur militärisch, er ist auch straff organisiert und hat in den Bundesländern „Standortkommandanten“, „Kommandanten“ für die verschiedenen Bundesheerkasernen sowie für Polizei und die Justizwache und auch einen „Ansprechpartner für unsere deutschen Kameraden“. […] Oder die ausländischen Kameraden kommen zu Besuch nach Österreich. Der „bayerische Soldatenbund“ konnte auf einem Schießplatz in Niederösterreich „mit Großkalibergewehren der Marke Heckler & Koch SL 7 und Steyr AUG StG 77“ das Schießabzeichen des Milf-O „erringen“. Ermöglicht worden sei dies durch die „hervorragenden Kontakte“ eines Bundesheer-Vizeleutnants, der ebenfalls im Vorstand des Milf-O sitzt.
Überhaupt nützt dieser Verein Bundesheereinrichtungen, als wäre er Teil des Heeres, darf sich bei Tagen der offenen Tür in verschiedenen Kasernen präsentieren, hat in der „Heeresunteroffiziersakademie“ in Enns sogar eine eigene Informationsecke zur Verfügung gestellt bekommen.

Quellen:
* Kerstin Scheller, Gudrun Springer: Militärverein organisiert braune Feier, Der Standard, 21. August 2012, http://derstandard.at/1345164758910/Militaerverein-organisiert-braune-Feier
* Schießübungen für Ostarrichi?, 22. August 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/08/22/schiesubungen-fur-ostarrichi/
* Nina Horaczek: An die Gewehre, an die Gewehre!, aus FALTER 34/12, http://www.falter.at/falter/2012/08/21/an-die-gewehre-an-die-gewehre/

Aufruf zur Unterwanderung von Polizei und Bundeswehr

In einem Text des „Hartmut-Mayer-Archiv“ wird der undatierte Aufruf von Neonazis zur Unterwanderung von Polizei und Bundeswehr wiedergegeben:

Junge Kameraden, die vor der Berufswahl stehen, unbelastet, intelligent und sportlich sind, sollten eine Ausbildung bei Bundeswehr und Polizei in Erwägung ziehen, mit dem Ziel, sich in besonders qualifizierten Spezialeinheiten das nötige Wissen und Können anzueignen

Quelle:
* Hartmut-Mayer-Archiv: Rechter Terror, http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0977_rechter_terror.htm

Vergewaltigungs-Fall bei der Bundeswehr

Eine junge Soldatin ist in einer Kaserne in Bückburg (Niedersachsen) am 12. August vergewaltigt worden.

Quelle:
* dpa: Junge Soldatin vergewaltigt, 2012

USA: Neonazi-Amokläufer war Ex-Soldat

Für den Mord an sieben Menschen, mehrheitlich Angehörige der Sikh-Minderheit, in Oak Creek im US-Bundesstaat Wisconsin zeichnet sich nach Medien-Berichten der Neonazi und Ex-Soldat Wade Michael Page verantwortlich. Page war von 1992 bis 1998 in der US-Armee. Dort war er ein ausgebildeter Fallschirmspringer und auf psychologische Kriegsführung spezialisiert gewesen. Er wurde entlassen nachdem er betrunken zum Dienst erschien war. Page war Mitglied der Naziskin-Band „End Apathy“.
Der Täter trug Tätowierungen mit Bezug auf den 11.09.2001. Offenbar hatte er die Sikhs, deren männlichen Angehörigen traditionell Bart und Turban tragen, für Muslime gehalten, weil dass seinem rassistischen Klischee von Muslimen entsprach.

Quelle:
* n-tv.de, rpe/dpa/AFP/rts: Attentat auf Sikh-Tempel in den USA:Täter war Ex-Soldat und Neonazi, 06. August 2012, http://www.n-tv.de/politik/Taeter-war-Ex-Soldat-und-Neonazi-article6904481.html

USA: US-Soldaten bei gay pride

Zum ersten mal durften in Kalifornien US-Soldaten offiziell in Uniform an einer Homosexuellen-Parade teilnehmen.
Im letzten Jahr mussten die teilnehmenden US-Soldaten an der gay pride in San Diego noch ein neutrales Outfit tragen.

Quelle:
* Associated Press: For first time, troops get OK to march in gay pride parade in uniform, 20.07.2012, http://www.washingtonpost.com/national/pentagon-to-allow-service-members-to-march-in-uniform-in-gay-pride-parade-for-first-time/2012/07/19/gJQAu24ywW_story.html

PM Demonstration „Entnazifizierung und Entmilitarisierung“ in Bad Reichenhall

Dieser Blog veröffentlicht mit einiger Verspätung eine Pressemitteilung des antifaschistischen RABATZ-Bündnis:
„Am Samstag, 19. Mai 2012 demonstrierten  in Bad Reichenhall rund 150 Menschen für die „Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“. Auf der vom RABATZ-Bündnis organisierten Demonstration  wurde unter anderem der Umgang mit der Neonaziszene in Bad Reichenhall  kritisiert und ein Ende der ungebrochen rechten Traditionspflege durch die Bundeswehr gefordert. „Wir sind heute hier, um rechte Traditionspflege der Bundeswehr
anzugreifen. Dabei wollen wir keineswegs den Ruf der Bundeswehr oder den Ruf des Ortes Bad Reichenhall retten, sondern den militaristischen Normalzustand in der oberbayerischen Provinz angreifen.“ Mit diesen Worten startete einer der ersten Redebeiträge auf der antifaschistischen Demonstration. Die Polizei hingegen schien andere Ziele zu verfolgen: Unter juristisch äußerst fragwürdigen Vorwänden wurde die Demonstration mehrfach gestoppt und ein reibungsloser Ablauf verhindert. Ohne gesetzliche Grundlage mussten sich Anreisende beinahe ausnahmslos schon
bei der Ankunft Taschen und Rucksäcke durchsuchen lassen und ihre Personalien aufnehmen lassen. Neben den völlig übertriebenen Kontrollen schon vor Beginn der Demonstration, wurden einzelne Demonstrationsteilnehmer*innen dazu gezwungen Fahnenstangen abzusägen. Die zahlreichen Repressalien, denen die Demonstrationsteilnehmer*innen ausgeliefert waren, stehen nach Auffassung der Veranstalter*innen im Widerspruch zu demokratischen Grundrechten wie der im Grundgesetz formulierten Versammlungsfreiheit. „Dass die Demokratie nicht durch uns Antifaschisten und Antifaschistinnen gefährdet ist,“ so Maximilian Buchner, Pressesprecher des Rabatz-Bündnis, „sondern dadurch, dass von Seiten der Staatsgewalt Teilnehmer*innen antifaschistischer Demonstrationen gegängelt werden, hat sich in Bad Reichenhall wieder einmal gezeigt. Die Stadt Bad Reichenhall und das Landratsamt Berchtesgadener Land, das die Durchführung der Demonstration mit völlig unverhältnismäßigen Auflagen eingeschränkt hat, hatte alle Register gezogen, um einer längst überfälligen Auseinandersetzung mit der  in der Stadt betriebenen geschichtsrevisionistischen Gedenkpolitik um Kretabrückenfest und SS-Gedenken sowie dem lokalen Naziproblem aus dem Weg zu gehen.“
Erst vergangenen Samstag konnte in Bad Reichenhall am Kugelbach ein SS-Gedenken störungsfrei stattfinden bei dem sich ca. 70 Neonazis zusammenfanden. Bei der letztjährigen SS-Feier waren auch die beiden verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger anwesend, die 2003 wegen einem geplanten Sprengstoff-Attentat auf die Grundsteinlegung des jüdischen Kulturzentrums in München inhaftiert wurden.
Am kommenden Dienstag soll in Bad Reichenhall, unter Beteiligung der Bundeswehr, wieder die sogenannte „Kretagedenkfeier“ des örtlichen Kameradenkreis der Gebirgstruppen stattfinden. Der oftmals als „Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher“ bezeichnete Kameradenkreis wurde u.a. von dem als „der Schlächter von der Krim“ bekannten Nazi-General Rudolf Konrad gegründet. Das RABATZ-Bündnis befürchtet, dass dort erneut „Geschichtsklitterung betrieben und der Angriffskrieg der Wehrmacht auf Kreta glorifiziert wird“.  Nach Auffassung des Vorsitzenden des örtlichen Kameradenkreises der Gebirgstruppen, Manfred Held, stehe das Gedenken im Zeichen „sinnloser Gewalt von beiden Seiten“. Buchner ist empört über solche Aussagen: „ Der Widerstand der kretischen Zivilbevölkerung und der Partisanen war legitim und alles andere als sinnlos, denn jeder Widerstand gegen die Wehrmacht hat dazu beigetragen, den Krieg schneller zu beenden und damit, Europa vom Faschismus zu befreien“.

Braune Namensgeber bei der Bundeswehr

Nicht nur die Kasernen der Bundeswehr haben braune Namenspaten. Ein sehr lesenswerter Artikel von Thorsten Stegemann untersucht beleuchtet die Hintergründe des Namensgebers des „Werner-Hahlweg-Preis“, der vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung verliehen wird.
Der Militärhistoriker Werner Hahlweg engagierte sich offenbar früh im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDSt), trat im Juni 1933 in die SS ein und wurde 1936 Mitglied der NSDAP. Außerdem war Hahlweg 1937 im Auftrag der Danziger Gaupropagandaleitung der NSDAP an der Ausstellung „Das politische Danzig“ beteiligt. Im Jahr 1939 wurde er einberufen, habilitierte sich, nahm am Feldzug gegen die Sowjetunion teil und schaffte es 1942 zum Dozenten für Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsgeschichte, Heeres- und Waffenkunde. Ab 1943 war er im Heereswaffenamt und übernahm später ein nicht näher definiertes „Kommando in den besetzten Gebieten“. Für was bitteschön ist dieser Mann denn ein Vorbild?

Interessant ist was auch noch in dem Artikel berichtet wird:
„Dass sich die Reihe der unseligen Querverbindungen endlos fortsetzen ließe, liegt vor allem daran, dass sie permanent aktualisiert wird. So findet in diesen Tagen am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, das als Dienststelle der Bundeswehr und Teil der Streitkräftebasis fungiert, ein Kolloquium mit dem Titel „Neue Perspektiven organisierter Gewalt“ statt.
Dort wird der Weg des Gerhard Graf von Schwerin „vom General der Panzertruppen zum Unternehmens- und Politikberater“ nachgezeichnet. Es geht aber auch um einen mentalitätsgeschichtlichen Vergleich zwischen dem Irak-Krieg und „Großbritanniens strategischem Bombenkrieg“ in den Jahren 1939 bis 1945 oder um „ethnic cleansing and hidden retribution in the Czechoslovak Army 1944-1952″.“

Quelle:
* Thorsten Stegemann: Die Altlasten der Bundeswehr, 21.06.2012, http://www.heise.de/tp/artikel/37/37133/1.html

Österreich: FPÖ beschäftigte sich mit Kosovo-Konflikt

Die rechtspopulistische FPÖ beschäftigt sich unter Beteiligung von Militär-Experten mit dem Kosovo-Konflikt:
FPÖ zum Kosovo-Konflikt

Bundeswehrgeheimdienst MAD will sich offenbaren

Was seine Verwicklung in die V-Männer-Affäre um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ angeht, will nun auch der „Militärische Abschirmdienst“ (MAD) laut einer Meldung der Zeitung „Die Welt“ die geheimen Akten für Mitglieder des Bundestags-Untersuchungsausschusses offenlegen.
Der MAD hatte von 1999 bis 2003 Informationen Neonazi-Netzwerk „Thüringischer Heimatschutz“ gesammelt. Dabei sollte es darum gehen festzustellen, ob Bundeswehrsoldaten in
rechte Aktivitäten involviert waren.

Quelle:
* Auch MAD LEGT Akten zu Neonazi-Affäre offen, in: „Die Welt“ vom 04.07.12, http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/schlaglichter_nt/article107809386/Auch-MAD-legt-Akten-zu-Neonazi-Affaere-offen.html

Neonazis wollten in Leipzig eine Veranstaltung mit Waffen-SS-Mitglied abhalten

Für den Raum Leipzig, mutmaßlich das „Nationale Zentrum Leipzig“, wurde nach Recherche des DOKMZ per Facebook ein „SS-Zeitzeugenvortrag“ beworben. Angekündigt war ein Mitglied der SS-Division Frundsberg, der „von seinen Kriegserlebnissen und seiner Gefangenschaft“ berichten soll.
Als Zeitzeuge vor Neonazis trat bisher bereits ein Gottfried Pönitz, Jahrgang 1926, aus Hartha auf. Pönitz soll sich 1942 als Kriegsfreiwilliger zur Waffen-SS gemeldet haben, gehörte zeitweise der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ an und war später SS-Rottenführer der 10. Waffen-SS-Division Frundsberg.
Bisher unbestätigt ist ein aktueller Eintrag bei Facebook, der lautet: “Der Vortrag wird aus gesundheitlichen Gründen verschoben”.