Türkei: Homophobie in der Armee

In einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ geht es um Homophobie in der türkischen Armee. In der Türkei gilt die Wehrpflicht und Homosexualität gilt als eines der wenigen Argumente, dass die Armee akzeptiert, um junge Männer vom Wehrdienst zu entschuldigen. In der Türkei gilt Homosexualität als „Krankheit“
In dem Artikel heißt es:

Verweigerern droht sogar Gefängnisstrafe. So mancher junge Mann kommt da auf den Gedanken, sich als schwul auszugeben, nur um dem Wehrdienst zu entgehen. Das ist aber gar nicht so leicht.
Denn die Armee hat diesen Weg, um den verhassten 15-monatigen Wehrdienst herumzukommen so schwer und erniedrigend wie nur möglich gemacht. „In der Regel werden zumindest Fotos verlangt“, sagte kürzlich ein Betroffener namens Gökhan in einer Dokumentarsendung der BBC vom 27. März. Akzeptiert würden Fotos des Kandidaten in Frauenkleidern, oder beim Sex – aber nur in passiver Rolle.
[…] Ist man erst einmal anerkannt, können die Folgen ein Leben lang nachwirken. In der Türkei weigern sich viele Arbeitgeber, ungediente Männer einzustellen. Routinemäßig fragen Unternehmen beim Militär nach, und erfahren so den Grund für die Befreiung vom Wehrdienst: „Psychosexuelle Störung (Homosexualität)“ lautet die offizielle Formel. Damit ist man dann gebrandmarkt. Entweder man bekommt den Job nicht, oder man bekommt ihn, und wird von den Kollegen verspottet. […] Warum aber die ganze Schwulen-Phobie? Es ist eine Mischung aus traditionellen Vorurteilen in der muslimischen Türkei, und aus veralteten Nato-Regeln. Die „Sag’ nichts, frag’ nichts“-Regel wurde aus den USA übernommen, und auch die Kennzeichnung von Homosexualität als „psychosexuelle Störung“ erwuchs nicht aus einheimischen Studien, sondern wurde aus einem amerikanischen Dokument aus dem Jahr 1968 übernommen.“

Quelle:
* Boris Kálnoky: Die Angst der türkischen Armee vor den Schwulen, 09.04.12, http://www.welt.de/vermischtes/article106156264/Die-Angst-der-tuerkischen-Armee-vor-den-Schwulen.html