Archiv für Mai 2012

Österreich: „Kreta-Gedenken“ diesmal ohne Bundesheer?

Die österreichische Zeitung „Der Standart“ berichtet über eine umstrittene Gedenkveranstaltung in Gniebing in der Steiermark:

Am Samstag soll im steirischen Gniebing (Bezirk Feldbach) wieder eine Gedenkveranstaltung stattfinden, zu der die Vereine Kameradschaft vom Edelweiß, der Militär Fallschirmspringer Verbund-Ostarrichi und der Bund ehemaliger Fallschirmjäger einladen. Zumindest von 2009 bis 2011 nahmen dort auch Rekruten und Offiziere des Bundesheers teil, wie Fotos, die die Veteranenvereine online stellten, beweisen.
Laut Einladungstext von 2011 gedenkt man dem Überfall der Wehrmacht auf Kreta 1941 und dem als „heldenhaft“ bezeichneten Kampf gegen die Alliierten im Frühling 1945 im Raum Feldbach.
Dass das Bundesheer an Veranstaltungen teilnimmt, bei denen des NS-Regimes gedacht wird, ist durch den sogenannten Traditionserlass verboten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte dem Standard bisher nur die Teilnahme junger Soldaten im Vorjahr, erklärte diese aber damit, dass „eines 2010 verstorbenen jungen Bundesheersoldaten, der aus Feldbach stammte, gedacht wurde“. Ob dabei „gegen einschlägige Bestimmungen des Bundesheers verstoßen wurde, wird umgehend untersucht werden“, heißt es weiter. Für heuer ist die Teilnahme von Bundesheerangehörigen jedenfalls verboten. Grün-Abgeordneter Harald Walser, der das Gedenken mit jungen Soldaten aufdeckte, reicht das nicht: „Wieder reagiert der Minister nur mit Einzelweisung, es braucht nachhaltige Lösungen.“

Quellen:
* cms: Veteranenfeier: Ministerium prüft Teilnahme von Heer, Der Standart, 18. Mai 2012, http://derstandard.at/1336697148336/Steiermark-Veteranenfeier-Ministerium-prueft-Teilnahme-von-Heer
* Gniebing (Stmk) / Hörsching (OÖ) : Rechte Umtriebe beim Heer, 18. May 2012, http://www.stopptdierechten.at/2012/05/18/gniebing-stmk-horsching-oo-rechte-umtriebe-beim-heer/

USA: Soldat trainierte Neonazis für „Rassenkrieg“

Nach Medienberichten wurde letzte Woche in Florida eine zehnköpfige Neonazi-Gruppe verhaftet. Dabei kam heraus, dass diese Gruppe von einem Soldaten in Armee-Strategien trainiert wurde

Quelle:
* Adam Weinstein: US Soldier Trained Neo-Nazis in Florida for „Race War“, 09.05.12, http://www.motherjones.com/mojo/2012/05/report-us-soldier-trained-neo-nazis

USA: antimuslimischer Rassismus in der Army

Wie die „Welt Online“ berichtet hat ein Ausbilder der US-Army „ein Planspiel für den „totalen Krieg“ gegen Muslime entwickelt und im Unterricht vorgestellt“. Die Zeitung schreibt:

Ein US-Offizier hat nach Informationen des Magazins „Wired“ in Lehrstunden für Soldaten Massenmorde an Muslimen ins Auge gefasst. In einer Präsentation am Joint Forces Staff College in Norfolk (Virgina), die das Magazine im Internet veröfffentlichte, ist von einem „totalen Krieg“ gegen Muslime die Rede. Die Militärführung reagierte mit Entsetzen.

Der Offizier sagte u.a., es würde sich „die Option eröffnen, den Krieg auf zivile Bevölkerung zu richten, wo immer dies notwendig ist“.
Der Generalstabschef Martin Dempsey verurteilte diese Aussagen und das Pentagon hat den Kurs inzwischen gestrichen. Allerdings bleibt der für die Lehrstunde zuständige Offizier am „Joint Forces Staff College“ in Norfolk (Virgina), ist aber vom Unterricht vorerst suspendiert.

Quelle:
* dpa/tts: Hiroshima als Vorbild. US-Offizier lehrt am College Mord an Muslimen, 12.05.12, http://www.welt.de/politik/ausland/article106294566/US-Offizier-lehrt-am-College-Mord-an-Muslimen.html

DMZ Nr. 87 vom Mai/Juni 2012 erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 87 vom Mai/Juni 2012 ist erschienen.
DMZ Nr. 87 a
Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Major Dr. Thomas Müller, Schweizer Militärexperte
DMZ Nr. 87 b
Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem Nazi-Magazin „Zuerst!“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“
* dem rechten Blatt „Zur Zeit“
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin
* History-Films
* dem Atlas-Verlag

PM „Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren“ vom 22.04.2012

Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren Die „General-Konrad-Kaserne wird umbenannt“, dass berichtet die
„Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens am Freitag den 20.04.2012 [1]. Dem Bericht zufolge habe das Bundesverteidigungsministerium angekündigt, die General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall noch im Laufe dieses Jahres umbenennen zu wollen. Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) bestätigte in dem
TV-Bericht diese Meldung. Wörtlich sagte er: „Es ist in der Tat richtig, dass der bisherige Name der General Konrad Kaserne umbenannt werden soll. Das ist jetzt ein Thema, das man angehen kann, weil jetzt erst klar ist, dass die Kaserne überhaupt weiterhin besteht“. Zum möglichen neuen Namen wollte sich Schmidt laut Süddeutscher Zeitung [2] nicht äußern. Nachdem der Nazigeneral Konrad auch für das Bundesverteidigungsministerium untragbar geworden ist, sieht das RABATZ-Bündnis nun auch Bad Reichenhalls Bürgermeister Herbert Lackner (CSU) in der Pflicht. Er solle sich von dem von General Konrad gegründeten Kameradenkreis der Gebirgstruppe distanzieren, so Anna Jade eine Sprecherin des Bündnisses. Dieser von Kritikern als „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ [3] bezeichnete Kameradenkreis organisiert jährlich im Mai in Bad Reichenhall eine sogenannte „Kreta Gedenkfeier“. Dazu Anna Jade wörtlich: „Es ist ein Skandal, dass ein demokratischer Bürgermeister bei einer solch geschichtsrevisionistischen Gedenkfeier, bei der die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt werden, teilnimmt“.

1 http://www.br.de/themen/aktuell/inhalt/kaserne-bad-reichenhall-umbenennung100.html

2 http://www.sueddeutsche.de/V5938X/583965/Reichenhaller-Kaserne-wird-umbenannt.html

3 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html

PM „Bad Reichenhall: Kasernenumbenennung kann nur ein erster Schritt sein“

Der in den Medien [1] diskutierte Vorschlag der “Initiative gegen falsche Glorie“, die nach dem dem Nazigeneral Konrad („Schlächter von der Krim“ [2]) benannte Bad Reichenhaller Kaserne endlich umzubenennen, wird vom Rabatz Bündnis begrüßt. Das Bündnis hatte in der Vergangenheit
mehrfach auf die skandalöse Namensgebung und rechte Traditionspflege hingewiesen [3].
An der menschenverachtenden Ideologie von General Konrad besteht für das Rabatz Bündnis keinerlei Zweifel. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte der Bad Reichenhaller Nazigeneral [4]: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück“. Der Kasernenname steht für das Rabatz-Bündnis symbolisch für die kontinuierliche rechte Traditionspflege in Bad Reichenhall. Konrad war nach dem II. Weltkrieg auch an der Gründung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ beteiligt.
Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“

Der von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnete „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ veranstaltet noch immer jährlich im Mai eine sogenannte Kretagedenkfeier. Dabei wird der „Kampf um Kreta“ „gefallenen“ Reichenhaller Gebirgsjäger und dem Bombenangriff auf Reichenhall gedacht, wobie die Täter_innen zu Opfern und Held_innen
verklärt werden. Dass Rabatz-Bündnis geht davon aus, dass dabei auch dieses Jahr die auf Kreta begangenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht (über 3500 Zivilist_innen wurden ermordet und über 30 Dörfer komplett zerstört) im Allgemeinen und die Greueltaten der Reichenhaller Gebirgstruppe im Besonderen (u.a. die Zerstörung der Stadt Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941) verschwiegen werden. Angesichts dieser Bad Reichenhaller Zustände erklärt Anna Jade, eine Sprecherin des Rabatz-Bündnisses:

„Eine Umbenennung der Bundeswehrkaserne ist mehr als überfällig, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Die rechte Gedenkpolitik in Bad Reichenhall stinkt seit Jahrzehnten zum Himmel. Egal ob das ungestörte jährliche SS-Gedenken der NPD am Kugelbach oder die geschichtsrevisionistische Kretagedenkfeier des Kamaradenkreises, eine solche Gedenkpolitik ist nicht tolerierbar. Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert werden“

1 Nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/y5w38v/562924/Neue-Debatte-um-Konrad-Kaserne.html) berichtet auch die Lokalpresse (u.a. bgland24.de). Der Radiosender Bayernwelle Süd -Ost fragt in einer Umfrage bereits: „Die General-Rudolf-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll einen neuen Namen bekommen. Denn Konrad war ein General in der Nazi-Zeit. Nach wem oder wie würden Sie die Kaserne benennen?“

2 Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden
bombadieren“. Vgl. Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.

3 Zuletzt am 10.Juni 2011 in der Pressemitteilung „Auch Name der Kaserne ist skandalös“,
http://rabatz-buendnis.org/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/)

4 Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100

Türkei: Homophobie in der Armee

In einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ geht es um Homophobie in der türkischen Armee. In der Türkei gilt die Wehrpflicht und Homosexualität gilt als eines der wenigen Argumente, dass die Armee akzeptiert, um junge Männer vom Wehrdienst zu entschuldigen. In der Türkei gilt Homosexualität als „Krankheit“
In dem Artikel heißt es:

Verweigerern droht sogar Gefängnisstrafe. So mancher junge Mann kommt da auf den Gedanken, sich als schwul auszugeben, nur um dem Wehrdienst zu entgehen. Das ist aber gar nicht so leicht.
Denn die Armee hat diesen Weg, um den verhassten 15-monatigen Wehrdienst herumzukommen so schwer und erniedrigend wie nur möglich gemacht. „In der Regel werden zumindest Fotos verlangt“, sagte kürzlich ein Betroffener namens Gökhan in einer Dokumentarsendung der BBC vom 27. März. Akzeptiert würden Fotos des Kandidaten in Frauenkleidern, oder beim Sex – aber nur in passiver Rolle.
[…] Ist man erst einmal anerkannt, können die Folgen ein Leben lang nachwirken. In der Türkei weigern sich viele Arbeitgeber, ungediente Männer einzustellen. Routinemäßig fragen Unternehmen beim Militär nach, und erfahren so den Grund für die Befreiung vom Wehrdienst: „Psychosexuelle Störung (Homosexualität)“ lautet die offizielle Formel. Damit ist man dann gebrandmarkt. Entweder man bekommt den Job nicht, oder man bekommt ihn, und wird von den Kollegen verspottet. […] Warum aber die ganze Schwulen-Phobie? Es ist eine Mischung aus traditionellen Vorurteilen in der muslimischen Türkei, und aus veralteten Nato-Regeln. Die „Sag’ nichts, frag’ nichts“-Regel wurde aus den USA übernommen, und auch die Kennzeichnung von Homosexualität als „psychosexuelle Störung“ erwuchs nicht aus einheimischen Studien, sondern wurde aus einem amerikanischen Dokument aus dem Jahr 1968 übernommen.“

Quelle:
* Boris Kálnoky: Die Angst der türkischen Armee vor den Schwulen, 09.04.12, http://www.welt.de/vermischtes/article106156264/Die-Angst-der-tuerkischen-Armee-vor-den-Schwulen.html