Bundeswehr-Studimagazin fest in neurechter Hand

Die neue Ausgabe von „campus“, der „Zeitschrift des studentischen Konvents“ der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München ist erschienen. Die letzte Ausgabe von „campus“ war umstritten, weil der neue Chefredakteur, Oberleutnant Martin Böcker aus München, und mehrere weitere Mitarbeiter der rechten Strömung der „Neuen Rechten“ zuzuordnen sind (BraunzoneBw berichtete), die sich an der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ orientiert. So trat Böcker als Autor für die neurechten Online-Formate „Blaue Narisse“ und „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009) und die Print-Formate „Sezession“ und „Junge Freiheit“ in Erscheinung. Böckers politische Orientierung schlug sich auch massiv inhaltlich im ersten Heft unter seiner Ägide als Chefredakteur nieder, in dem sich u.a. eine Anzeige des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“. Trotz laut gewordener Kritik konnte sich Böcker auf dem Posten als Chefredakteur halten.

campus 02-2011

Die zweite „campus“-Ausgabe unter Böckers Verantwortung trägt das Titelthema „Offizierskorps und Gesellschaft – Wer nicht redet, wird nicht gehört“.
Der Chefredakteur Martin Böcker beklagt in seinem Leitartikel unter der Überschrift „Wirkung geht vor Deckung“ die „Marginalisierung des Soldaten“ und fordert den (politisch) eigenmächtigen Soldaten, der sich als Teil der Elite versteht. Als Gewährsmann wird der Rechtsschreiber Gerd-Klaus Kaltenbrunner und dessen Elite-Definition herangezogen. Mit Verweis auf Kaltenbrunner wird sich auf dessen Absage an die „„humanitaristischen Werten“ wie „Mündigkeit, Emanzipation, Gleichheit“. Martin Böcker nennt diese Werte, „Werte, die in einer funktionierenden Armee nicht im selben Maße umgesetzt
werden können, wie in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft – auch und gerade, wenn die Armee diese Gesellschaft schützt.“ Böcker beendet seinen Leitartikel mit der Forderung:

Dazu müssen deutsche Offiziere aus dem Schatten der reinen Funktions-Elite heraustreten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs beanspruchen, in Teilen also selbst Elite werden.

Als Interviewpartner stand dem Magazin der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld zur Verfügung, dessen Gast-Vortragsreihe in Trier auf Grund seines vulgären Antifeminismus und Sexismus nach Protesten abgebrochen werden musste (BraunzoneBw berichtete).
Auf die Frage „Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung deutscher Offiziere?“ antwortet van Creveld:

Ihre Offiziere haben Angst. Und das auch aus guten Gründen, schließlich kann der kleinste Fehler zur Folge haben, dass er als „Extremist“ gebrandmarkt und wie ein wildes Tier zur Strecke gebracht wird. Das Ergebnis ist, dass man keine Bundeswehr-Einrichtung betreten kann, ohne sofort mit diesem Geruch von Bürokratie, politischer Korrektheit und Unterwürfigkeit konfrontiert zu werden.

Unter dem Titel „Entschieden für die Tapferkeit“ schreibt Böckers Gesinnungsgenosse Lars Kempf über Tapferkeit „nicht nur ein pathetischer Anspruch an den Soldaten, sondern“ als „ethisches Fundament.“ Kempf will im Kampf das Nachdenken ausgeschaltet wissen:

So relevant die Fragen nach Gewissen und Verantwortlichkeit im Vorfeld sein mögen, führen sie im Gefecht selbst bloß zu Irritationen und stiften Verwirrung.

Zu der Bundeswehr-Werbekampagne „Wir. Dienen. Deutschland“ hat Böcker einen lobenden Kommentar verfasst:

Diese implizit vermittelte Erkenntnis [Deutschland zu dienen] bringt dem Soldaten die Achtung entgegen, die der irgenwie eher so pazifistische Bionade-Intellektuelle nicht aufbringen kann. […] Vielleicht könnte dieser Zusammenhang, würde er in der Kampagne deutlicher hervorgebracht, nicht nur für den Dienst in den Streitkräften, sondern auch für den Dienst der Streitkräfte werben.

Fazit: So genannte „Neue Rechte“, Sympathiegänger der antidemokratischen „Konservativen Revolution“, haben das Studimagazin an einer Universität gekapert, an der etwa die Hälfte des deutschen Offiziersnachwuchses ausgebildet wird. Die rechte Wortergreifungsstrategie im Rahmen des geschriebenen Wortes schlägt sich auch inhaltlich nieder. Ganz unverhohlen und vor allem offenbar auch ohne dabei aufgehalten zu werden arbeitet eine rechte Jungoffiziers-Riege an der rechten, politischen Verschiebung ihrer Offizierskameraden.