Rommel kein Nazi-Opfer, sondern Nazi-Täter

Zitate aus dem lesenswerten Artikel „Generalabrechnung“ über den Kult um Rommel in Heidenheim:

„Sicher ist: Er war ein heftiger Bewunderer Hitlers und hat den Aufstieg der Nationalsozialisten ausdrücklich begrüßt. Er befehligte eine Panzerdivison beim Angriffskrieg gegen Frankreich, ab Februar 1941 bekämpfte er in Libyen und Ägypten die britischen Truppen, zeitweise mit Erfolg. Hitler protegierte Rommel, innerhalb von nur elf Jahren stieg dieser vom Major zum Generalfeldmarschall auf. Hitlers Vertrauen dankte Rommel mit Ergebenheit.
Sicher ist auch, dass Rommel kein Antisemit war. Er hat allerdings nie öffentlich gegen judenfeindliche NS-Politik protestiert. Als er sich – spätestens im Frühsommer 1944 nach der erfolgreichen Invasion der Alliierten in der Normandie – zumindest innerlich von Hitler distanzierte, tat er das keinesfalls aus moralischen Gründen. Ihn störte nicht der Diktator, sondern dessen Erfolglosigkeit.“

„Heidenheim ist nicht die einzige deutsche Stadt, die noch an Erwin Rommel erinnert. 22 Straßen und Wege tragen seinen Namen, 15 davon in Baden-Württemberg, dazu zwei Kasernen der Bundeswehr. Das liegt ganz wesentlich an zwei Mythen. Der erste lautet: Rommel führte einen sauberen, ritterlichen Krieg, verhielt sich auch dem Feind gegenüber anständig. Der zweite besagt, Rommel habe mit dem Widerstand sympathisiert, sei gar in die Pläne der Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg involviert gewesen. Beides muss heute stark bezweifelt werden.“

„Am 14.10.1944 wurde Rommel als Verschwörer gegen Hitler zum Selbstmord gezwungen.
Ganz falsch ist das nicht, bloß irreführend. Tatsächlich fuhren an besagtem Tag zwei hochrangige Generäle zu Rommels Anwesen. Sie konfrontierten ihn mit Aussagen verhörter Widerstandskämpfer, die seinen Namen genannt hatten. Rommel bestritt jede Beteiligung, wurde aber vor die Wahl gestellt: Suizid oder Anklage vor dem Volksgerichtshof. Er entschied sich für die Zyankalikapsel. Dass er wirklich von dem Bombenanschlag vom 20. Juli wusste, gilt heute als unwahrscheinlich. Auch die Witwe und Sohn Manfred, später Oberbürgermeister von Stuttgart, haben das nach Kriegsende bezeugt.“

Quelle:
* Generalabrechnung, 13.11.2011, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/generalabrechnung/5827484.html