Archiv für Oktober 2011

DMZ Nr. 84 vom November/Dezember 2011 und DMZ-Sonderausgabe zu Fallschirmjägern erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 84 vom November/Dezember ist 2011 erschienen.
DMZ Nr. 84

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Khaled al-Kassamani (* 1970), Funktionär der „Syrisch Sozialen Nationalistischen Partei“ (SSNP) im Libanon, die 2005 einer von der syrischen Baath-Partei unter Assad geführten Einheitsfront beigerteten ist. Die „Syrische Soziale Nationalistische Partei“ (SSNP) wurde von einem Hitlerverehrer gegründet. Ihre Mitglieder träumen von einem großsyrischen Reich, das den Libanon, Zypern, Jordanien, Kuwait, Teile von Ägypten und der Türkei und natürlich Israel einschließt.
Als Parteisymbol verwendet sie eine Art Hakenkreuz und Mitglieder singen auf die Melodie von „Deutschland, Deutschland über alles“ eine arabische Hymne „Gegrüßet seist Du, Syrien …“ und sollen auch den faschistischen Gruß verwenden.
SSNP

Das Interview führte der ehemalige DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter. Dieser hat aus offenkundiger Sympathie diesen syrischen Faschisten interviewt. Auch dessen Verbündeten Assad, den syrischen Machthaber, skizziert Ochsenreiter in seinem Artikel „Syrien im Würgegriff“ als eine Art von Außen bedrängten Landesvater. In Wahrheit ist Assad gerade verantwortlich für die blutige Niederschlagung eines unbewaffneten Aufstandes. Die Schätzungen gehen inzwischen von mehreren tausend Toten aus.
Syrien im Würgegriff

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen.
* dem extrem rechten Tübinger Grabert-Verlag.
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin

Darüber hinaus ist ein DMZ-Sonderheft zum Thema „Fallschirmjäger“ erschienen.
DMZ-Sonderheft Fallschirmjäger
Dem DMZ-Sonderheft liegt auch eine CD bei, dass drei Lieder enthält: 1. „Rot scheint die Sonne“, 2. „Fallschirmjäger greifen an“ und 3. „Es war ein verwegenes Jagen“)

In dem, in Bundeswehr-Fallschirmjäger-Kreisen inoffiziell bis heute gern gesungenen Lied „Fallschirmjäger greifen an“, heißt es:

Hurra, wir starten, hurra, wir starten, / wenn die erste Morgensonne scheint, / Fallschirmjäger, Fallschirmjäger / gehen ran an den Feind!

Und im Refrain heißt es unter Bezug auf Siege der deutschen Wehrmacht:

Narvik, Rotterdam, Korinth / Und das heiße Kreta sind / Stätten unserer Siege! / Ja, wir greifen immer an, / Fallschirmjäger gehen ran, / Sind bereit, zu wagen!

Quellen:
* DMZ Nr. 8?
* DMZ-Sonderausgabe zum Thema „Fallschirmjäger“

„Deutsche Militärzeitschrift“ unter neuer Führung

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) hat seit Mitte dieses Jahres einen neuen Chefredakteur. Für den alten Chefredakteur, Manuel Ochsenreiter (* 1976), sprang ein gewisser Michael Kraus ein. Der Burschenschafter Ochsenreiter, der seit Ende 2004 DMZ-Chefredakteur war, wirkt aber weiterhin als Autor mit. Ochsenreiter ist nun aber vor allem als Chefredakteur des Nazi-Magazins „Zuerst!“ tätig.
Michael Kraus, DMZ-Chefredakteur

Reservisten beim Neujahrsempfang eines rechten Vereins in Berlin

Die „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg“ ist politisch strammrechts einzuordnen. Sie lädt immer wieder extrem rechte Referenten ein und ihr Vize-Präsident ist Dr. Erik Lehnert, der seit September 2008 Geschäftsführer des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“ (IfS) ist. In der Preussischen Gesellschaft tummeln allerhand Reaktionäre, Kaisertreue, Rechtskonservative und auch extreme Rechte. In solchen Kreisen existiert eine starke Liebe zum Militär.
Das zeigen auch die Bilder vom Neujahrsempfang. Auf denen finden sich nicht nur diverse Uniformierte, es sieht auch so aus als ob der Reservistenverband einen eigenen Stand beim Neujahrsempfang hatte.
Jahresempfang Preussischer Gesellschaft a
Jahresempfang Preussische Gesellschaft b

Quellen:
* Homepage der „Preussischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg“
* APABIZ-Dossier zur „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg“, www.apabiz.de/archiv/material/Profile/Preussische%20Gesellschaft%20Berlin-Brandenburg.htm

Reservistenverband statt Wehrsportgruppe

Wie die Tageszeitung „taz“ berichtet haben beim Reservistenverband der Deutschen Bundeswehr Mitglieder und Funktionäre der NPD Schießübungen auch mit Waffen aus dem Bundeswehrbestand abgehalten.
Ein Beispiel wäre der Reservist Gerd Fritzsche, der parteilose Kreistagsabgeordnete für die NPD im Kreistag des Landkreises Leipzig sitzt. Auch der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Winfried Petzold sowie Sachsens NPD-Landesvize Helmut Herrmann aus Leipzig sollen mit Fritsche im Leipziger Schützenhof beim „Kurz- oder Langwaffenschießen“ Übungen absolviert haben.
Diese Fakten wurde durch einen Hcak interner NPD-Emails bekannt. In diesen heißt es u.a. in der Email eines NPD-Mitglieds:
„Dank meiner Hilfe haben Herrmann, Petzold und seine Frau auch Waffenbesitzkarten und entsprechende Waffen (Pistolen und Gewehre) durch den Reservistenverband der Bundeswehr in Leipzig erhalten.“

Der Verband der Reservisten der Bundeswehr bestätigte gegenüber der Presse offiziell, dass zwei der drei in der E-Mail erwähnten Personen bei ihm Mitglied sind. Der Reservistenverband gab sich gegenüber kritischen Fragen der Presse machtlos. Denn wer Mitglied bei der Reservistenorganisation ist, kann auch eigene Gäste mit zu den Schießübungen mitbringen.

Die Linkspartei-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz stellte die Frage:

Für mich stellt sich auch die Frage, ob hier nur die Spitze eines Eisberges sichtbar wird und die Bewaffnung der NPD über die genannten drei Personen hinausgeht.

In einer PM der NPD-Sachsen vom 7. Oktober heißt es:

Leipzigs NPD-Chef und ein NPD-Landtagsabgeordneter haben Waffenbesitzkarten über den Reservistenverband der Bundeswehr erhalten – Und wo ist das Problem?“ und es wird der betroffene NPD-Funktionär Helmut Herrmann mit folgenden Worten zitiert: „Ich bin stolz darauf, dem Reservistenverband als Feldwebel der Reserve anzugehören und habe meinen Dienst in der Nationalen Volksarmee – konkret im Luftsturmregiment 1 – in bester Erinnerung.

Quellen:
* Neonazis im Reservistenverband Rechtsextreme ballern mit, in: taz, 07.10.2011, https://www.taz.de/Neonazis-im-Reservistenverband/!79536/
* Pressemitteilung der MdL Köditz: Waffen für NPD-Funktionäre vom Reservistenverband der
Bundeswehr? Klärungsbedarf – auch für Verfassungsschutz, http://linksfraktionsachsen.de/index.php?section=news&cmd=details&newsid=1694
* Jürgen Kochinke und Kai Kollenberg: NPD-Kader am Schießstand. Interner Streit deckt Mitgliedschaft von Funktionären bei Reservistenverband der Bundeswehr auf, in: „Leipziger Volkszeitung Online“, http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0858_reservisten_npd.htm
* NPD-Kader kommen über Reservistenverband an Waffenbesitzkarten, MDR 1 Radio Sachsen, http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/0858_reservisten_npd.htm
* Pressemitteilung der NPD-Sachsen: Medienhysterie um nationaldemokratische Sportschützen, 07.10.2011

Gericht bestätigt Entlassung von fundamentalistischen Bundeswehr-Soldaten

Sascha B. (28) aus Lennestadt (Sauerland), ein Bundeswehrzeitsoldat mit islamisch-fundamentalistischer Einstellung war zum 15. März 2010 aus der Bundeswehr entlassen worden, zwei Wochen vor dem regulären Ende der Dienstzeit, entlassen. Der vor sechs Jahren zum Islam salafistischer Ausprägung, eine fundamentalistische Strömung aus Saudi-Arabien, konvertierte Mann hatte sich u.a. über die Internetseite des deutschen Islamisten Pierre Vogel Flyer bestellt, die er verteilen wollte. „Aber nicht in der Kaserne!“, wie er sagte. In Gesprächen hatte der Islamist, der heute als LKW-Fahrer arbeitet, sich zur religiösen Rechtsordnung der Sharia bekannt und diese gegenüber der freiheitlich-demokratischen Grundordnung favourisiert.
Vor seinem Rauswurf hatte Sscha B. Fast vier Jahre lang als Stabsunteroffizier im Panzergrenadierbataillon 212 in der Augustdorfer Rommel-Kaserne gedient. Da ihn durch die frühzeitige Entlassung eine Entschädigung entgangen war, klagte der Islamist vor dem Verwaltungsgericht Minden. Das Gericht aber entschied, dass die Entlassung des „charakterlich ungeeigneten“ Stabsunteroffiziers rechtens gewesen sei.

Ein muslimischer Fundamentalist in der Bundeswehr ist eine absolute Seltenheit, viel häufiger dürften christliche Fundamentalisten dort zu finden sein. Über eine Entlassung solcherart Fundamentalisten ist dem Blog „BraunzoneBundeswehr“ aber bisher nichts bekannt geworden. Ist die Bundeswehr also auf dem christlichen Auge blind?
Überdies lässt sich noch hinzufügen, dass auch mit dem Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung Soldaten nicht per se zu den besseren Menschen macht, ihr Beruf besteht weiterhin darin auf andere Menschen zu schießen.

Quellen:
* Zeitsoldat pries die Scharia. Gericht: Bundeswehr durfte »charakterlich ungeeigneten« Stabsunteroffizier entlassen, 04. Oktober 2011, http://www.westfalen-blatt.de/nachricht/2011-10-04-zeitsoldat-pries-die-scharia/?tx_ttnews[backPid]=613&cHash=c3762984d621c9f035e7f1f6dd393251
* Stefan Koch: Streit um Bart und Scharia beim Bund. Ehemaliger Stabsunteroffizier wehrt sich gegen seine Entlassung vor dem Mindener Verwaltungsgericht, 05.10.2011, http://www.mt-online.de/lokales/minden/5080361_streit_um_bart_und_scharia_beim_bund.html
* ddp: Radikal-islamischer Soldat entlassen. Bundeswehr Gericht billigt Schritt – 28-Jähriger: Scharia bessere Staatsform, 5. Oktober 2011, http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Nachrichten/NWZ/Artikel/2704880/Radikal-islamischer-Soldat-entlassen.html

Frauenfeindliche Praxis in Unteroffiziersschule

Wie die Presse berichtet soll ein 35jähriger Oberfeldwebel seine Position als Ausbilder gegenüber neuen Soldatinnen ausgenutzt haben, um Drohungen (u.a. eine Pistole auf der Brust), entwürdigende Sprüche, und dazu rechte Äußerungen machen zu können.
Das Ganze soll sich an zwei Unteroffiziersschulen in Heide und Gaushorn abgespielt haben und der Unteroffizier steht dafür nun vor in Heide Gericht. Er behauptet nun, seine Äußerungen seien „Running Gags“ gewesen.

Quelle:

* Unteroffiziersschulen in Heide. Keine Strafe für Frauenfeindlichkeit, 23. September 2011, http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/artikeldetail/article/2158/keine-strafe-fuer-frauenfeindlichkeit.html

Kreta-Gedenken mit Bezug auf Wehrmachts-Kriegsverbrecher

Der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Bad Reichenhall, Mafred Held, zitierte bei der “Kreta Gedenkfeier 2011″ in Anwesenheit des Kommandeurs der Gebirgsjägerbrigade 23 “Bayern”, Johann Langenegger, und Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner aus den Erlebnisberichten des NS-Kriegsverbrechers General Hubert Lanz.
Das Gedenken soll an den 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht, in erster Linie Gebirgsjäger und Fallschirmjäger, auf die Insel Kreta erinnern. Die Folge war eine brutale Besatzung, die tausende das Leben kostete.

Quelle:
* E. Maly: Fragwürdige “Kreta-Feier” 2011 in Bad Reichenhall, 26. September 2011, http://www.hagalil.com/archiv/2011/09/26/kreta-feier/

Bundeswehr-Soldat kann wegen Nazi-Symbolik fristlos entlassen werden

Ein Soldat bei der Bundeswehr kann während der ersten vier Dienstjahre fristlos entlassen werden, wenn er Nazisymbolik bei Übungen trägt. Im konkreten Fall hatte ein Soldat bei einer dienstinternen Sportveranstaltung ein Trikot mit dem Staffelwappen seines Regiments, auf dem das Wort „Arisch“ und das Kürzel „18“ (steht für den 1. und 8. Buchstabe im Alphabet, also für AH = „Adolf Hitler“) aufgebracht war. Begründung für die Entlassung, war dass sein Verbleiben in seinem Dienstverhältnis als Zeitsoldat das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährden würde. Das Verwaltungsgericht Hannover entschied, dass der Kläger durch sein Verhalten gegen Dienstpflichten verstoßen hat. Ein Soldat, der im Dienst Bekleidungsstücke trägt, auf denen u.a. Propagandaparolen von Goebbels und Anspielungen auf Adolf Hitler aufgedruckt sind, verletzt seine politische Treuepflicht i. S. d. § 8 SG.

Quelle:
* Entlassung wegen rechtsextremistischer Symbole auf Trikot, 28. September 2011, http://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/entlassung-wegen-rechtsextremistischer-symbole-auf-trikot-333539

Rechter bleibt auf Chefredakteur-Posten bei Bundeswehr-Uniblatt

Die drei neurechten Redakteure des Münchner Bundeswehr-Uni-Magazins „Campus“, Martin Böcker, Felix Springer und Larsen Kempf, bleiben im Amt. Besonders das der Chefredakteur Martin Böcker, der intellektuellen Strömung „Neue Rechte“ der extremen Rechten nahe steht, war auf Kritik gestoßen („BraunzoneBw“ berichtete). Trotzdem wurde Böcker im Studentischen Konvent der Bundeswehr-Universität München mit 16 zu 4 Stimmen bei drei Enthaltungen in seinem Amt bestätigt. Böcker hatte in seiner ersten Ausgabe von „Campus“ angekündigt, er wolle den Schutz der Meinungsfreiheit „schamlos ausnutzen“.

Quelle:
* Rüdiger Löster: Bundeswehr-Universität in Neubiberg: Martin Böcker bleibt Chefredakteur,
29.09.2011, http://www.endstation-rechts-bayern.de/2011/09/bundeswehr-universitat-in-neubiberg-martin-bocker-bleibt-chefredakteur/