Archiv für August 2011

PM des RABATZ-Bündnis zum NS-Verbrechen in Skines in Griechenland (27.07.2011)

Kriegsverbrechen nicht verschweigen

Reichenhall – 70 Jahre ist es am kommenden Montag, 1.August, her, dass Reichenhaller Gebirgsjäger die griechische Ortschaft Skines zerstörten und 148 Zivilist_innen ermordeten. In der oberbayerischen Kurstadt erinnert bislang aber nichts an die Opfer, stattdessen wird dort der Täter gedacht.

Während der deutschen Besatzung der Mittelmeer Insel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 aber sind den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division durch den eigenen „Tätigkeitsbericht“ nachzuweisen. Dort heißt es wörtlich: „Auf Befehl des Kdt. d. Fest. Kreta wird im Westteil der Insel eine Sonderaktion gegen Freischärler durchgeführt.
Sie erfasst die Orte Alikianu, Skines, Furnes, Prasses, Meskla. (…) Der Leiter des Unternehmens ist Major Friedmann, Kdr. II/G.J.R. [Gebirgsjäger Regiment] 100. Wegen Freischärlerei, Fledderei oder unerlaubten Waffenbesitzes wurden vom Standgericht abgeurteilt und erschossen: 146 männliche und 2 weibliche Personen. Bei Einschließung der Ortschaft Skines wird gegen die Truppe gefeuert. Als Vergeltungsmassnahme wird Skines niedergebrannt.“ [1]
Nach dem Krieg bauten die nach Skines zurück gekehrten Einwohner_innen an der Kreuzung nach Alikianos ein Denkmal für die „von den Deutschen erschossenen Widerstandskämpfer aus den umliegenden Gemeinden.“[2] In Bad Reichenhall hingegen erinnert im Ortsbild nichts an die
Kriegsverbrechen der örtlichen Gebirgsjäger. Für das antifaschistische Bündnis RABATZ ist das Gegenteil der Fall. „Durch rechte, geschichtsrevisionistische Traditionspflege werden in Bad Reichenhall die Täter zu Helden verklärt. Die Bundeswehrkaserne ist immer noch nach einem Nazigeneral benannt und eine ‚Kreta Brücke‘[3] glorifiziert den faschistischen deutschen Angriffskrieg. Und das sind nur zwei Beispiel von vielen.” so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses. Da sich in Bad Reichenhall trotz einer antifaschistischen Kampagne die Zustände bisher offensichtlich nichts geändert hätten, sieht sich das Bündnis verpflichtet nochmals zu intervenieren. „Wir planen für September eine Vorführung des Filmes ‚Als die Deutschen vom Himmel fielen‘[4]. Dieser behandelt die Geschehnisse auf Kreta zwischen 1941-45. Selbstverständlich überlegen wir auch, nächstes Jahr erneut in Bad Reichenhall zu demonstrieren,” so Jade über mögliche weitere Aktionen.

[1] BA-MA, RH 28-1/ 6, Tätigkeitsbericht der 5.Geb.Div. Vom 1.8.194 – 15.3.1942, Blatt 105 ff. Seite 2 des Berichtes (ohne Paginierung).
[2] Vgl. Inschrift des Denkmals, insgesamt werden  141 Opfer  genannt: Gemeinde Fournes 45, Skines 32 (Nördliche Ortschaften:) Alikianos 13, Koufos 5, Vatolakkos 17, (Westlich Ortschaften:) Nea Roumata 5, Prases 12, (Südliche Ortschaften: ) Orthouni 9, Karanos 2, Meskla 1
[3] Bereits im Mai diesen Jahres fordete das Bündins eine Umbenennung der Brücke nach den Bad Reichenhaller Antifaschisten Johann Winkler und Gottfried Reischl gefordert, der Stadtrat blieb aber bis heute untätig. Vgl. Pressemitteilung BRH 2011-3 vom 14.05.2011
[4] Der Film erzählt vom Widerstand der Bevölkerung Kretas gegen die deutschen Truppen, die im Mai 1941 die Mittelmeerinsel angriffen. Für die Frauen, Männer und Kinder war es ein Kampf um Freiheit, gegen die Vernichtung ihrer Angehörigen und die Zerstörung der Dörfer. Weitere Infos: www.kreta-film.net

USA: Ex-Marine schwerbewaffnet und auf der Flucht

Charles Dyer, ein Ex-Marine und Mitglied einer Miliz in Oklahoma (paramilitärische, rechte Verbände in den USA) löste eine landesweite Fahndung aus.
Die Behörden befürchten, dass Charles Dyer auf der Flucht und schwer bewaffnet ist. Ursprünglich sollte Dyer sich am Montag vor Gericht einfinden, weil er wegen der Vergewaltigung eines siebenjährigen Familienmitgliedes
In der Vergangenheit hatten Dyers und seine Gesinnungsgenossen mehrfach Drohungen geäußert.

Quelle:
* Dana Hertneky: Oklahoma Ex-Marine Sparks Nationwide Manhunt, News 9, 16.08.11,
http://www.news9.com/story/15272659/oklahoma-ex-marine-sparks-nationwide-manhunt

Österreich: 51. Ulrichsberg-Gedenkfeier

Das Hartmut-Mayer-Archiv schreibt:

Österreich/Klagenfurt. Die „Ulrichsberggemeinschaft“, die seit vielen Jahren unter dem Einfluß von Akteuren der SS-Veteranenorganisation „Kameradschaft IV“ steht, mobilisiert zu ihrer „51.Ulrichsberg-Gedenkfeier“ am 17. und 18.September in Kärnten. Am Samstag beginnt die Auffahrt zum Ulrichsberg um 13 Uhr. Nach einer Feier, die um 16.30 Uhr endet, findet abends ein „Heimatabend“ im Kursaal Krampendorf statt. Am Sonntag soll ab 10 Uhr eine große Festveranstaltung im Klagenfurter Konzerthaus stattfinden und später ein Festabend mit Musikbegleitung im Hotel Rosenheim in Krumpendorf. Beworben wird die Veranstaltung u.a. in der „Deutschen Nationalzeitung“.

Antifeministischer Vortrag in Kiel

Das Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ Nummer 31-32/2011 berichtet von dem Vortrag von Martin van Creveldt in Kiel. Er trat dort für die „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ und den „Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr“ an der Hermann-Ehlers-Akademie auf, dem Ableger der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Schleswig-Holstein. Er referierte vor allem über den Inhalt seines Buches „Das Wesen des Krieges“, dass in deutscher Übersetzung im äußerst rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich erschienen ist. Das Publikum bestand angeblich aus 100 Menschen, darunter auch drei Generale. Die „Junge Freiheit“ gibt auch van Creveldts antifeministischen Aussagen zum Thema Frauen in den Streitkräften wieder:

Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch „wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“. Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden.

Das solche rechten Töne von Martin van Creveldt kommen überrascht Kennen nicht. Der Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem gilt als Wehrmachts-Apologet und war Autor für die rechten Blätter „Junge Freiheit“ (regelmäßig), „Deutsche Militär-Zeitschrift“ und Sezession, zudem gilt er als „Ikone der Zeitschrift eigentümlich frei.“
Er war im Dezember 2004 auch schon bei dem extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ zu Gast.

Quellen:
* „Junge Freiheit“ 31-32/2011
* Frank Brendle: „In Kameradschaft treu“. Die Bundeswehr zwischen Tradition und Reform, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 77 – 4/2007, Seite 9

Estland: Waffen-SS-Veteranen hielten Gedenk-Demo ab

Am 30. Juli 2011 haben sich in Sinimiae (Estland) noch lebende Mitglieder der 20. (estnischen) Waffen-SS-Division versammelt. Es gab auch eine antifaschistische Gegenkundgebung.
Diese Veteranen-Versammlungen werden regelmäßig auch von Weltkriegs-Veteranen aus Lettland und Finnland besucht.
Sinimiae ist der Ort an dem 1944 eine größere Schlacht zwischen den Deutschen und ihren Verbündeten und der Roten Armee stattfand.

SS-Treffen Sinimiae a

SS-Treffen Sinimiae b

SS-Treffen Sinimiae c

Quellen:

* Recurrences of Nazism: Estonian Waffen-SS vets hold another rally, 30. Juli 2011, http://english.ruvr.ru/2011/07/30/53951198.html
* News-Meldung: http://rt.com/news/ss-division-celebration-activists/

PM des RABATZ-Bündnis zum Bundeswehrskandal in Bad Reichenhall (10.6.2011)

Rabatz: „Auch Name der Kaserne ist skandalös“

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten GebirgsjägerRegiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren¹“. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr-Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.

¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Bad Reichenhall a
OBEN: Reichsadler mit Edelweiß an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall NS-Wandbild
OBEN: nationalsozialistisches Wandgemälde an der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall c
OBEN: Grab Rudolf Konrads am Reichenhaller Friedhof