Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt

Der neurechte Vordenker Dr. Erik Lehnert, Geschäftsführer des extrem rechten „Instituts für Staatspolitik“ (im Selbstanspruch ein „Reemtsma-Institut von rechts“) mit Sitz in Schnellroda (Sachsen-Anhalt), konnte unlängst in der Zeitschrift „Marineforum“ Ausgabe 7/8 2011 zum Thema „Gleichstellung um jeden Preis? Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten“ schreiben. Lehnert beschreibt in seinem Beitrag, der offenbar eine Kurzversion seiner IfS-Studie „Die Frau als Soldat – der Gorch Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften“ darstellt, die Transformation der Bundeswehr und kritisiert dabei vor allem den zunehmenden Zugang von Frauen zu den Streitkräften.
Er schreibt u.a.:

Seither ist die Armee das Experimentierfeld einer Gleichheitsideologie, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Zu denen nicht zuletzt der Tod der Kadettin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November 2010 gehört.

Frauen spricht er qua biologischer Voraussetzung die Möglichkeit zum Militärdienst ab:

Obwohl der große technologische Fortschritt viele Entbehrungen und Strapazen, die Soldaten über Jahrhunderte ertragen mussten, erleichtert hat, bleibt der Kampfeinsatz immer noch eine außergewöhnliche physische und psychische Herausforderung. Die Natur hat Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich ausgestattet.

Denn den Frauen fehle es am aggressiv machenden Testosteron-Hormon:
„Mit Blick auf die Tatsache, dass Kampf und Krieg ein gewisses Maß an Aggression erfordert, sind die meisten Frauen in dieser Hinsicht denkbar ungünstig ausgestattet.“
Lehnert folgert, dass die „Feminisierung der Streitkräfte“ inhuman sei und die zwei tödlich verunglückten Gorch Fock-Kadettinen Opfer weiblicher Umstände, also selber Schuld, seien:

Unter Absehung von der Realität wurde den jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun. Insofern sind die beiden verunglückten Kadettinnen (2008, 2010) Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen solcher »Gleichberechtigung« verschwiegen hat.

Spiegel-Online nennt Lehnerts Text treffend einen „erstaunliche[n] Rückfall in sexistische Denkmuster“. Das neben dem Inhalt auch schon der Autor an sich ein Skandal ist, erwähnt Spiegel-Online leider nicht. Immerhin gelang es dem Geschäftsführer eines extrem rechten thinktanks in dem Fachblatt der Marine-Offizier-Vereinigung (Auflage: 8.500 Exemplare) einen Artikel zu platzieren.
Auch nach der Kritik am Artikelinhalt, verteidigte der Chefredakteur Jürgen Kratzmann gegenüber Spiegel-Online den Beitrag und lehte Wert darauf, dass es bei dem Beitrag „auch nicht ansatzweise“ um eine „Verhöhnung“ der tödlich verunglückten Kadettin gehe.

Quellen:
* Marine-Magazin verunglimpft Frauen an Bord, 08.07.2011, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,773161,00.html
* Joachim Zepelin: Soldatinnen fallen leichter, 07.07.2011
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bundeswehr-soldatinnen-fallen-leichter/60075426.html


1 Antwort auf „Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt“


  1. 1 Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt « dokumentationsarchiv Pingback am 12. Juli 2011 um 9:48 Uhr
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