Archiv für Juli 2011

Neurechte Offiziere an Bundeswehruni in München

Martin Böcker aus München war anfangs Betreiber des rechten Interview-Blogs „www.dasgespraech.de“ und schrieb später für rechte Blätter wie „Junge Freiheit“ und „Sezession“. Boeckers bei Sezession Zudem nahm er auch an einer Kranzniederlegung am Grab des rechten Vordenkers Oswald Spengler teil. Außerdem gibt er bereitwillige zu, er besuche regelmäßig „guten Gewissens“ Veranstaltungen des ultrarechten thinktanks „Institut für Staatspolitik“ (IfS).

Nun sorgte Böcker für Furore. Er ist nämlich nicht nur Student an der Bundeswehr-Universität in München, sondern auch der neue Chefredakteur des Studierenden-Magazins seiner Universität.
Campus 1-2011
In der Ausgabe Nr. 131 des Magazins „Der Rechte Rand“ findet sich in dem Artikel „Rechtsum im »Institut für Staatspolitik«“ (Seite 22) von Robert Andreasch folgender Abschnitt:

Eines hat [Martin] Böcker freilich mit [Götz] Kubitschek gemeinsam: Jener war, was Böcker noch ist: Soldat, das heißt genauer studierender Offizier an der Universität der Bundeswehr (Fachbereich Staats- und Sozialwissenschaften) in Neubiberg bei München. Zusammen mit Leutnant zur See Felix Springer (Autor für »Sezession« und JF) und […] Larsen K[…] (Autor in JF und »Blaue Narzisse«) bildet Böcker den Kern der Münchner IfS-Aktivisten. Das rechte Trio stellt keine Ausnahme dar: Ein größerer Trupp von Soldaten/Studierenden der Bundeswehruniversität besucht zusammen mit Burschenschafter regelmäßig rechte Veranstaltungen in München, ob von der »Bürgerbewegung Pax Europa« oder beispielsweise von »Politically Incorrect«.

Der genannte Martin Böcker ist nun der neue Chefredakteur der Studierendenzeitung „Campus“ Organ des Studentischen Konvents an der Bundeswehr-Universität in München.
Bereits im Editorial von „Campus“ kündigen der Oberleutnant und seine Gesinnungsgenossen an, den Schutz der Pressefreiheit „werden wir schamlos ausnutzen.“

Böcker nennt auch den „Dienst“ der Frauen in der Bundeswehr „dankenswert, edel und gut“, schreibt aber zugleich von „der misslungenen Integration der Frau in den Streitkräften“. Im Heft führt der Redakteur und Leutnant zur See, Felix Springer, diese antifeministische These weiter aus:

Unbestritten ist, dass sich die körperlichen Anlagen männlicher und weiblicher Soldaten grundlegend unterscheiden, damit auch die reale Leistungsfähigkeit. […] In der militärischen Ausbildung sind entweder doppelte Maßstäbe oder eine Absenkung des allgemeinen Leistungsniveaus die Folge. Beides wirkt negativ auf den Kampfwert

Die Auswirkungen der Neubesetzung des Chefpostens bei „Campus“ zeigen sich sogleich. Das IfS konnte eine ganzseitige Anzeige in dem Magazin schalten.
Immerhin: Die Uni-Präsidentin erklärte laut „Süddeutsche“ eine Anzeige wie die des „Instituts für Staatspolitik“ werde es in Campus nicht mehr geben.
Doch Böcker ist nicht der einzige braune Passagier an Bord von „Campus“. So berichtet das AIDA-Archiv:

Doch Martin Böcker ist nicht allein bei „Campus“ eingestiegen: Mindestens ein weiterer „Campus“-Redakteur ist als Autor für „Sezession“ tätig, ein dritter schreibt für die extrem rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und das IfS-nahe Online-Portal „Blaue Narzisse“.

Quellen:
* Maria Holzmüller Bundeswehr: Rechtsruck im Uni-Magazin Rechter Aktivist leitet Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199 & http://www.sueddeutsche.de/karriere/bundeswehr-rechtsruck-im-uni-magazin-rechter-aktivist-leitet-zeitung-an-bundeswehr-uni-1.1120199-2
* DWK/rb: Rechter Aktivist lenkt Zeitung an Bundeswehr-Uni, 14.07.2011, http://www.welt.de/regionales/muenchen/article13487682/Rechter-Aktivist-lenkt-Zeitung-an-Bundeswehr-Uni.html
* Robert Andreasch: Skandal an Bundeswehr-Uni in Neubiberg, AIDA-Archiv, 14. Juli 2011, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2444:skandal-an-bundeswehr-uni-in-neubiberg-&catid=43:weitere-rechte-aktivitn&Itemid=151
* Andreas Speit: Lufthoheit über den Seminaren, taz, 18.07.2011, http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2011%2F07%2F18%2Fa0027&cHash=fb013a5a50

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 82 vom Juli/August 2011 erschienen

DMZ Nr. 82
In der aktuellen DMZ schreibt u.a. Rolf Michaelis über skandinavischen Waffen-SS-Freiwillige.

DMZ über Srebrenica
OBEN: Auch das Massaker von Srebrenica wird in der aktuellen DMZ als „angeblich“ geleugnet.

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Hector Torres (* 1968), Leutnant der Reserve der US-Spezialeinheit Navy-SEALs.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen.
* dem Militaria-Magazin.
* dem „Nation Europa“-Nachfolger „Zuerst!“.
* dem extrem rechten Tübinger Grabert-Verlag.
* dem DVD-Verlag „History Films“

Quelle:
* DMZ Nr. 82

NVA-Kameradschaft verteidigt Wehrmacht

In der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 82 findet sich folgender Leserbrief:
DMZ-Leserbrief

Verteuflung muß aufhören
Wir, die Angehörigen des Kameradschaftsbunds Dresden-Löbtau der ehemaligen 7. Panzerdivision der NVA, beobachten mit Interesse die Umgestaltung des Militärhstorischen Museums in Dresden. Uns liegt am Herzen, daß auch das Kapitel Deutsche Wehrmacht nicht zu kurz kommt. Leider darf man sich wohl über die Darstellung dieses Kapitels deutscher Militärgeschichte keine Illusionen machen. Wir sind – genau wie die DMZ – der Überzeugung, daß die kollektive Verteufelung endlich ein Ende haben muß! Vielleicht kann die Deutsche Militärzeitschrift sich dieses Themas annehmen , wenn das Museum am 14. Oktober 2011 neueröffnet wird.

Deutschnationale Bundeswehr-Aktive und –Reservisten mit Rocker-Attitüde

Wolfsgarde Srennshot
Den eigentümlichen Namen „Wolfsgarde“ trägt eine Gruppe von Personen, die wie Motorrad-Rocker („Wir sind Soldaten, wollen ein bißchen Rocker sein“) auftreten und für eine Mitgliedschaft eine militärische Ausbildung voraussetzen. Laut ihrer Homepage besteht die Gruppe mit Anschrift in Oberhausen aus Bundeswehr-Soldaten und Ex- Bundeswehr-Soldaten:

Wir sind eine Armee-Club Bruderschaft, deren Mitglieder aus Reservisten oder -angehörigen und ehemaligen Bundeswehrangehörigen besteht, repräsentierend, Heer, Luftwaffe, Marine.

Diese „Wolfsgarde Bruderschaft Deutschland“ behauptet 1965 in Kassel in der  Fuldatal Fritz Erlen Kaserne gegründet worden zu sein, als Nachfolger der „Ehrenkreuz Reuß Bruderschaft“.

Nun wäre das alles nichts Besonderes würde die „Wolfsgarde“ auf ihrer Homepage nicht deutlich deutschnationale Töne anschlagen:

Wir denken deutsch, wir träumen deutsch. Selbst unsere Ängste, Gebete und Hoffnungen sind in keiner anderen Sprache. Wir lieben auch in deutsch, sind geboren in Deutschland, leben und arbeiten in Deutschland und werden vermutlich auch dort sterben. Wir dienten in einer Verteidigungs- und Friedenssicherungsarmee, wurden auf das deutsche Grundgesetz vereidigt. Es gabt [Fehler im Original] die Wehrpflicht in unserem Land, aber egal, ob einer unserer Soldaten sein Leben verliert, der sich verpflichtet hat oder seinen Wehrdienst ableistet, so hat er doch den Auftrag unsere Werte zu verteidigen. Daher ist ein offenes Wort an all die hirnlosen Spinner, die uns in eine Nazi-Schublade stecken wollen, hier unumgänglich.

Die Gruppe bedient den üblichen, rechten Schlussstrich-Diskurs:

Wir haben genug davon das uns eingehämmert wird, das in Deutschland als Deutscher geboren zu werden, automatisch Arschloch heißt. Wir gewähren uns einfach die Frechheit einen gesunden Patriotismus auch wieder fühlen zu dürfen.

Die „Wolfsgarde“ vertritt mit ihrem Motto „Stolz, Ehre, Treue – Vaterland und Freundschaft“ eine Mischung aus soldatischen und nationalistischen Einstellungen. Das ihr Motto an die Waffen-SS-Parole „Ruhm und Ehre“ erinnert wird ignoriert.

Diese Kleinstgruppe ist ein gutes Beispiel dafür das im Umfeld der Bundeswehr rechte, nationalistische und männerbündische Gruppen existieren, die nicht nazistisch sind und sich als weitgehend unpolitisch verstehen („Deutschland ist unser Vaterland. Das hat mit Nazi sein genauso viel zu tun, wie Schlampen und Hurenböcke mit Anstand, nämlich nix !“).

Neurechter Vordenker kritisiert die „Feminisierung der Armee“ in Offiziersblatt

Der neurechte Vordenker Dr. Erik Lehnert, Geschäftsführer des extrem rechten „Instituts für Staatspolitik“ (im Selbstanspruch ein „Reemtsma-Institut von rechts“) mit Sitz in Schnellroda (Sachsen-Anhalt), konnte unlängst in der Zeitschrift „Marineforum“ Ausgabe 7/8 2011 zum Thema „Gleichstellung um jeden Preis? Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten“ schreiben. Lehnert beschreibt in seinem Beitrag, der offenbar eine Kurzversion seiner IfS-Studie „Die Frau als Soldat – der Gorch Fock-Skandal, Minister zu Guttenberg und der Einsatz von Frauen in den Streitkräften“ darstellt, die Transformation der Bundeswehr und kritisiert dabei vor allem den zunehmenden Zugang von Frauen zu den Streitkräften.
Er schreibt u.a.:

Seither ist die Armee das Experimentierfeld einer Gleichheitsideologie, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Zu denen nicht zuletzt der Tod der Kadettin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November 2010 gehört.

Frauen spricht er qua biologischer Voraussetzung die Möglichkeit zum Militärdienst ab:

Obwohl der große technologische Fortschritt viele Entbehrungen und Strapazen, die Soldaten über Jahrhunderte ertragen mussten, erleichtert hat, bleibt der Kampfeinsatz immer noch eine außergewöhnliche physische und psychische Herausforderung. Die Natur hat Frauen und Männer diesbezüglich unterschiedlich ausgestattet.

Denn den Frauen fehle es am aggressiv machenden Testosteron-Hormon:
„Mit Blick auf die Tatsache, dass Kampf und Krieg ein gewisses Maß an Aggression erfordert, sind die meisten Frauen in dieser Hinsicht denkbar ungünstig ausgestattet.“
Lehnert folgert, dass die „Feminisierung der Streitkräfte“ inhuman sei und die zwei tödlich verunglückten Gorch Fock-Kadettinen Opfer weiblicher Umstände, also selber Schuld, seien:

Unter Absehung von der Realität wurde den jungen Frauen vorgegaukelt, ihr Geschlecht sei nur eine Konstruktion und es bedürfe nur der Überwindung dieses Vorurteils, um es den Männern in allen Belangen gleichzutun. Insofern sind die beiden verunglückten Kadettinnen (2008, 2010) Opfer einer Ideologie, die aus vermeintlich guter Absicht die Konsequenzen solcher »Gleichberechtigung« verschwiegen hat.

Spiegel-Online nennt Lehnerts Text treffend einen „erstaunliche[n] Rückfall in sexistische Denkmuster“. Das neben dem Inhalt auch schon der Autor an sich ein Skandal ist, erwähnt Spiegel-Online leider nicht. Immerhin gelang es dem Geschäftsführer eines extrem rechten thinktanks in dem Fachblatt der Marine-Offizier-Vereinigung (Auflage: 8.500 Exemplare) einen Artikel zu platzieren.
Auch nach der Kritik am Artikelinhalt, verteidigte der Chefredakteur Jürgen Kratzmann gegenüber Spiegel-Online den Beitrag und lehte Wert darauf, dass es bei dem Beitrag „auch nicht ansatzweise“ um eine „Verhöhnung“ der tödlich verunglückten Kadettin gehe.

Quellen:
* Marine-Magazin verunglimpft Frauen an Bord, 08.07.2011, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,773161,00.html
* Joachim Zepelin: Soldatinnen fallen leichter, 07.07.2011
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bundeswehr-soldatinnen-fallen-leichter/60075426.html

Waffen-SS-Ikone der Neonazis verstorben

Herbert Schweiger aus Mürzzurchlag in der Steiermark (Österreich) ist am 5. Juli im Alter von 87 Jahren verstorben. Schweiger galt nach dem „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ als „die graue Eminenz der deutsch-österreichischen Neonazi-Szene“. Schweiger, Jahrgang 1924, meldete sich als 17jähriger 1941 freiwillig zur Waffen-SS. Dort diente er als Untersturmführer bei den Pionieren in der „Leibstandarte-SS Adolf Hitler”und war auf der SS-Junkerschule Braunschweig.

Im Jahr 1953 war er der steirische Landesobmann des „Verbandes der Unabhängigen“ (VdU), dem Vorgänger der FPÖ. 1956 trat er als Spitzenkandidat der Nachfolgepartei FPÖ in Graz an, später gründete er die Landesorganisation Steiermark der neonazistischen „Nationaldemokratischen Partei“ (NDP). Anfang der 1960er Jahre unterstützte er aktiv den Bombenterror in Südtirol.
Er stand in Kontakte mit diversen neonazistischen Organisationen und war langjähriger Funktionär des „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“.
Viermal wurde Schweiger in Österreich wegen des Verstoßes gegen das NS-Wiederbetätigungsgesetz inhaftiert.
Schweiger war Vorsitzender des extrem rechten Verein „Deutsch-Russische Friedensbewegung Europäischen Geistes“. Seine Motivation für die Gründung dieses Vereines erläutert er in dem NPD-Hausblatt „Deutsche Stimme“ vor zwei Jahren als er sagte:

Geopolitisch betrachtet kann uns nur eine Partnerschaft mit Russland vor einer demographischen Überflutung durch die anschwellenden Bevölkerungsmassen Asiens und Afrikas retten.

Aus dem März 2009 ist folgendes Zitat von Schweiger überliefert:

Der Jude von der Wall Street ist verantwortlich für die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Es ist heute dasselbe wie 1929, als 90 Prozent des Geldes in der Hand des Juden war. Hitler hatte damals die richtigen Lösungen.

Quellen:
* Die “Große Armee” wird immer größer und größer…, 6. Juli 2011, http://www.stopptdierechten.at/2011/07/06/die-grose-armee-wird-immer-groser-und-groser/
* APA: „Graue Eminenz“ der Neonazi-Szene ist tot, 06.07.2011, http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/675668/Graue-Eminenz-der-NeonaziSzene-ist-tot?_vl_backlink=/home/politik/zeitgeschichte/index.do
* Horst Freires: „Zur Großen Armee abberufen“, 08.07.11, http://www.bnr.de/content/ae-zur-grossen-armee-abberufen-ae
* hma: Schweiger tot