Bundeswehr bei Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit von der Partie

In dem sehr lesenswerten Artikel „Mit Verspätung entnazifizieren“ von Johannes Müller in der Wochenzeitung „Jungle World“ heißt es u.a.:

Der Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU) wohnt regelmäßig dem »Kreta-Gedenken« des Kameradenkreises der Gebirgstruppe bei. Dieser Verein wird vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege als »Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher« bezeichnet und organisiert auch das jährliche Treffen von Wehrmachts- und SS-Veteranen in Mittenwald (Jungle World 22/09). In der übernächsten Woche will der Kameradenkreis wieder der »beim Kampf um Kreta im Zweiten Weltkrieg gefallenen Reichenhaller Gebirgsjäger« gedenken. Anregungen wie die des Münchener Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), auch den »dunklen Teil« der Geschichte zu durchleuchten, hört der Kameradenkreis hingegen nicht gern. So schimpfte Manfred Held, der Vorsitzende der Bad Reichenhaller Sektion, auf der Gedenkfeier 2009: »Wenn aber, wie auch Ude erkannte, ›das Militär für einen verbrecherischen Krieg missbraucht wurde‹, wer kann da an dieser Stelle vorwurfsvoll an die Vergangenheit erinnern?« Etwa 80 Zuhörer hatte Held nach Polizeiangaben.
Unter ihnen waren auch Angehörige der Bundeswehr. Die Traditionspflege der Armee passt zu Bad Reichenhall. Die Kaserne in der Stadt trägt den Namen des Nazigenerals Rudolf Konrad. An einem Gebäude an ihrem Eingang prangt nicht nur ein großes, nationalsozialistisches Wandgemälde, das Wehrmachtssoldaten zeigt, sondern auch ein steinerner Reichsadler. Bei diesem wurde lediglich das Hakenkreuz, das er in den Krallen hielt, durch ein Edelweiß ersetzt.

Quellen:
* Johannes Müller: Mit Verspätung entnazifizieren, in: „Jungle World“ Nr. 18 vom 5. Mai 2011,
http://jungle-world.com/artikel/2011/18/43120.html
* Johannes Müller: Erneut SS-Gedenken in Bad Reichenhall, 9. Mai 2011, http://www.hagalil.com/archiv/2011/05/09/bad-reichenhall-2/