Archiv für Mai 2011

Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit Intervention

Am 17. Mai 2011 fand in Bad Reichenhall eine Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe am 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta statt. Allerdings gab es auch Gegenprotest.

Hier ein paar Bilder:
Kreta-Gedenken a

Kreta-Gedenken b

Kreta-Gedenken c

Kreta-Gedenken d

Kreta-Gedenken e

Kreta-Gedenken Protest

Auch in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wird das Datum „gewürdigt“. In einer
Kleinanzeige heißt es „Deutsche Fallschirmjäger der 20. Mai ist und bleibt unser Gedenktag“. Die Anzeige erschien in Verantwortung von Jens Hinrichsen aus Fellbach (Württemberg), der 2011 für die extrem rechten Republikaner kandidierte und Bundeswehrangestellter ist.

In einem Bericht auf dem linken Newsportal Indymedia heißt es:

Im Rahmen der antifaschistischen und antimilitaristischen Kampagne „Wo die Zeit Urlaub macht – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls“ fand heute eine Kundgebung gegen das in unmittelbarer Nähe stattfindende geschichtsrevisionistische Kreta Gedenken der Gebirgsjägerkameradschaft Bad Reichenhall statt.
Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine Feier zu Ehren der beim Kampf um Kreta gefallenen „Reichenhaller Gebirgsjäger“ und ein Gedenken an den Bombenangriff auf die Stadt Reichenhall. Dagegen hatte das Rabatz Bündnis, eine autonome Vernetzung in Oberbayern, Salzburg und Tirol zu einer Kundgebung aufgerufen.
Während auf der einen Seite der Straße Antifas in Redebeiträgen das geschichtsrevisionistische Gedenken scharf kritisierten, bemühten sich auf der anderen, Alt- und Neonazis sowie Bundeswehr-Rekruten der Reichenhaller Gebirgsjäger gemeinsam mit Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner, ihr Gedenken trotz der lautstarken Proteste abzuhalten, das in den letzten 40 Jahren ungestört statt finden konnte. Das war diesmal allerdings nur in Teilen möglich, da die Teilnehmer_innen die Reden, die immer wieder von Musik und Parolen übertönt wurden, nicht verstehen konnten. Sie entrüsteten sich wiederholt über „pietätlose Parolen“ wie „Hoch die Partisan_innen“ und die lautstark abgespielte Musik.
Trotz des ungünstigen Termins (Dienstag Mittag) gelang es der überschaubaren Zahl Antifas das Gedenken spürbar zu stören und zum verfrühten Abbruch zu zwingen.

Quelle:
* Bad Reichenhall:Kundgebung gg. Kretagedenken, 18.05.2011, http://de.indymedia.org/2011/05/307876.shtml, für weitere Infos: http://badreichenhall.org

Italien: Prozess gegen NS-Kriegsverbrecher in Verona

Aus einer Pressemitteilung der AG Reggio-Emilia:

Berlin, 19. Mai 2011

Verona: Einer der letzten großen Prozesse gegen deutsche NS-Täter kurz vor Urteilsverkündung

Lebenslange Haftstrafen beantragt/Prozessbeobachterin zu Gast in Berlin

Am 22. Juni wird das Urteil des Militärgerichts Verona gegen zehn ehemalige Wehrmachtsangehörige erwartet. Es ist einer der letzten NS-Prozesse dieser Größenordnung. Die Staatsanwaltschaft wird nach eigenen Angaben für alle Angeklagten lebenslange Haftstrafen beantragen. Nebenkläger sind hunderte Angehörige der Opfer, die Provinzen Toskana und Emilia Romagna und lokale Gemeindeverwaltungen.
Den ehemaligen Angehörigen der Fallschirm-Panzerdivision „Hermann Göring“ wird vorgeworfen, im Frühjahr 1944 bei als „Partisanenbekämpfung“ getarnten Massakern in Norditalien über 400 ZivilistInnen ermordet zu haben. Trotz der Schwere der Vorwürfe wird in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt. Deutschland weigert sich bis heute, Täter aus der NS-Zeit ohne ihr Einverständnis auszuliefern:

„Die deutsche Regierung ist dafür verantwortlich, dass keine der im Ausland verurteilten NS-Täter jemals ihre Haftstrafen antreten müssen, sondern hier unbehelligt ihren Lebensabend genießen können“, so Anne Lepper, Pressesprecherin der AG Reggio-Emilia.

Ohne bisherige Berichterstattung in deutschen Medien findet der Prozess erst über 65 Jahre nach den Ereignissen statt. Viele Angehörige der Opfer sind mittlerweile gestorben.

Prozessbeobachterin Marianne Wienemann betont: „Der Prozess ist die längst fällige Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die von der Allgemeinheit verdrängt und vergessen wurde. Jetzt gilt es, diese aus den Mauern des Gerichtes in die Öffentlichkeit zu tragen!“

Marianne Wienemann wird auf Einladung der AG Reggio-Emilia vom aktuellen Stand in Verona berichten und auf Besonderheiten von NS-Strafprozessen in Italien eingehen. Sie ist freie Mitarbeiterin des Istoreco (Institut zur Geschichte der Resistenza und zur Zeitgeschichte in Reggio-Emilia) und steht nach Anmeldung gern für Interviews zur Verfügung.

Gespräch mit Prozessbeobachterin: „Die Angeklagten erscheinen nicht…“
Freitag, 27. Mai 2011, 19 Uhr, Statthaus Böcklerpark, Prinzenstr.1a, Berlin

Rechter Zeitzeuge von SS hetzt und wird festgenommen

Der Blog „BraunzoneBw“ berichtete in der Vergangenheit schon mehrmals über das neonazistische „Treffen der Generationen“ auf dem Altnazis aus Waffen-SS und Wehrmacht vor Neonazis referieren.
Wie der Berliner Blog „Berlin Rechtsaußen“ schreibt fand nun am 7. Mai 2011 das „4. Treffen der Generationen – Zentrale Gendenkveranstaltung für die Opfer des 8. Mai 1945“ statt und zwar in der so genannten „Erlebnisscheune“ in Kirchheim bei Erfurt (Thüringen).
Der Blog „Berlin Rechtsaußen“ schreibt:

Am vergangenen Samstag sollen vor allem in der Szene bekannte Berliner für die Unterhaltung der Anwesenden gesorgt haben. Neben dem ehemaligen Krankenpfleger des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der in Spandau lebende Abdallah Melaouhi, waren auch ein Mitglied der „Waffen SS Division Frundsberg“ und der Berliner Szene-Liedermacher Sebastian Döring, der unter dem Künstlernamen „Fylgien“ auftritt, angekündigt.

Gleichzeitig berichten die Medien in Zusammenhang mit der Veranstaltung von der Festnahme eines 89jährigen Berliners wegen Volksverhetzung und der Beschlagnahme seines Vortragpapiers. Offenbar hatte der Waffen-SS-Veteran in seine Zeitzeugen-Rede zuviel vom Geist des Nationalsozialismus einfließen lassen.

Quelle:

* „Treffen der Generationen“ mit Berliner Gästen, 10. Mai 2011, http://www.blog.schattenbericht.de/2011/05/%E2%80%9Etreffen-der-generationen%E2%80%9C-mit-berliner-gasten/

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 81 vom Mai/Juni 2011 erschienen

DMZ Nr. 81 a
In dieser DMZ-Ausgabe finden sich u.a. in der Kategorie „Landser erzählen“ der Neuabdruck eines Textes aus dem Wehrmachts-Verlag von 1943 und ein Artikel des DMZ-Chefredakteurs Manuel Ochsenreiter, in dem er sich eindeutig auf der Seite des Diktators Gaddafis positioniert.

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Dr. Dimitry Chmelnizki (* 1953), ein russischer Geschichtsrevisionist.
DMZ Nr. 81 b
Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen.
* der SS-Ehemaligen-Zeitschrift „Der Freiwillige“.

Bundeswehr bei Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall mit von der Partie

In dem sehr lesenswerten Artikel „Mit Verspätung entnazifizieren“ von Johannes Müller in der Wochenzeitung „Jungle World“ heißt es u.a.:

Der Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU) wohnt regelmäßig dem »Kreta-Gedenken« des Kameradenkreises der Gebirgstruppe bei. Dieser Verein wird vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege als »Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher« bezeichnet und organisiert auch das jährliche Treffen von Wehrmachts- und SS-Veteranen in Mittenwald (Jungle World 22/09). In der übernächsten Woche will der Kameradenkreis wieder der »beim Kampf um Kreta im Zweiten Weltkrieg gefallenen Reichenhaller Gebirgsjäger« gedenken. Anregungen wie die des Münchener Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD), auch den »dunklen Teil« der Geschichte zu durchleuchten, hört der Kameradenkreis hingegen nicht gern. So schimpfte Manfred Held, der Vorsitzende der Bad Reichenhaller Sektion, auf der Gedenkfeier 2009: »Wenn aber, wie auch Ude erkannte, ›das Militär für einen verbrecherischen Krieg missbraucht wurde‹, wer kann da an dieser Stelle vorwurfsvoll an die Vergangenheit erinnern?« Etwa 80 Zuhörer hatte Held nach Polizeiangaben.
Unter ihnen waren auch Angehörige der Bundeswehr. Die Traditionspflege der Armee passt zu Bad Reichenhall. Die Kaserne in der Stadt trägt den Namen des Nazigenerals Rudolf Konrad. An einem Gebäude an ihrem Eingang prangt nicht nur ein großes, nationalsozialistisches Wandgemälde, das Wehrmachtssoldaten zeigt, sondern auch ein steinerner Reichsadler. Bei diesem wurde lediglich das Hakenkreuz, das er in den Krallen hielt, durch ein Edelweiß ersetzt.

Quellen:
* Johannes Müller: Mit Verspätung entnazifizieren, in: „Jungle World“ Nr. 18 vom 5. Mai 2011,
http://jungle-world.com/artikel/2011/18/43120.html
* Johannes Müller: Erneut SS-Gedenken in Bad Reichenhall, 9. Mai 2011, http://www.hagalil.com/archiv/2011/05/09/bad-reichenhall-2/