70. Jahrestag der Besetzung von Kreta – Wehrmachts-Veteranen und -Fans wollen feiern

Das Hartmut-Mayer-Archiv meldet:

Der „Bund Deutscher Fallschirmjäger“ (BDF) will aus Anlaß des 70. Jahrestags der Kämpfe um Kreta bei den diesjährigen Gedenkfeiern in der Suda-Bucht und in Maleme verstärkt Präsenz zeigen. Organisiert wird deshalb für den 18. bis 25. Mai eine Reisegruppe für „BDF-Mitglieder, Veteranen, militärhistorisch Interessierte und deren Angehörige/Lebenspartner“. Gemeinsam will man militärhistorische Stätten besuchen und am 21. und 22. Mai an den Gedenkfeiern auf Kreta teilnehmen.

Quelle:
* hma: Gedenkfeiern auf Kreta, in: Antifaschistische Nachrichten 07/April 2011, http://www.nrw.vvn-bda.de/hma/an_2011_07.htm


4 Antworten auf „70. Jahrestag der Besetzung von Kreta – Wehrmachts-Veteranen und -Fans wollen feiern“


  1. 1 Jakob Knab 25. April 2011 um 17:28 Uhr

    Der „Vater der Fallschirmjäger“ ist Generaloberst Kurt Student (1890-1978). Student war vom 1.1.1941 bis 30.4.1944 Kommandierender General des XI. Fliegerkorps (u.a. 7. Fallschirmjäger-Division). Die operative Planung für den Überfall („kühner Angriff“) auf Kreta am 20. Mai 1941 lag bei Student. Die Bevölkerung Kretas wehrte sich verbissen gegen die Invasoren. Das OKW meldete am 30. Mai 1941: „Bei den Kämpfen auf KRETA sind deutsche Soldaten nach ihrer Verwundung in so tierischer Weise verstümmelt worden, wie es im Verlaufe dieses Krieges bisher nur im Feldzug gegen Polen vorgekommen ist. Die deutsche Wehrmacht wird mit allen Mitteln dafür Sorge tragen, dass die Anständigkeit und Ritterlichkeit des Kampfes gewahrt bleibt. Mit dem härtesten Strafgericht wird sie daher die für diese barbarischen Verstümmelungen verantwortliche Truppe oder die schuldigen Einwohner treffen.“

    Am 31. Mai 1941 erließ General Student einen Befehl über Vergeltungsmaßnahmen: „Es kommt nun darauf an, alle Maßnahmen mit größter Beschleunigung durchzuführen, unter Beseitelassung aller Formalien und unter bewußter Ausschaltung von besonderen Gerichten. Bei der ganzen Sachlage ist dies Sache der Truppe und nicht von ordentlichen Gerichten. Sie kommen für Bestien und Mörder nicht in Frage.“ Darin forderte er weitere Strafmaßnahmen gegen die kretische Bevölkerung. General Student ordnete ferner an, die Vergeltung solle möglichst jeweils von derjenigen Einheit vorgenommen werden, die zuvor unter dem Verhalten der Bevölkerung gelitten habe. Die Möglichkeiten der Vergeltungsmaßnahmen erstreckten sich von Kontributionszahlungen über Erschießungen bis hin zum Niederbrennen von Ortschaften und der „Ausrottung“ der männlichen Bevölkerung ganzer Gebiete. Die beiden letzeren Maßnahmen bedurften der Genehmigung des Generals. In der Folgezeit wurden in mehreren Orten alle kampffähigen Männer erschossen. Die Dörfer selbst wurden „geschleift“, d.h. zunächst niedergebrannt und anschließend gesprengt. Ein Beispiel für diese Greueltaten ist das Kriegsverbrechen der Fallschirmjäger in dem Dorf Kondomari auf Kreta am 2. Juni 1941: Nach einem Partisanenanschlag treiben Fallschirmjäger die Bewohner des nächstliegenden Dorfes zusammen. Die Männer werden abgeführt, in einen Olivenhain gebracht und erschossen. General Kurt Student trug für die Soldaten der 7. Fallschirmjäger-Division auf Kreta die truppendienstliche Verantwortung.

    Student war einer der willfährigsten Handlanger Hitlers in der Wehrmacht. Einen Tag nach dem Sturz und der Verhaftung Mussolinis am 25. Juli 1943 erhielt Student von Hitler Anweisungen für den Fall „Schwarz“. Es wurde nun ein Banditenstück inszeniert, das selbst Kesselring zu dem bitteren Kommentar nötigte: „Da denkt man ein Leben lang, man wäre Offizier und Ehrenmann, bis sich auf einmal herausstellt, dass man ein Räuberhauptmann ist.“ . Die operative Planung zur Befreiung Mussolinis lag bei General Student. Am 12. September 1943 glückte dieser Teil des Banditenstücks, die Befreiung des „Duce“. Beim zweiten Teil des Falles „Schwarz“ ging es im Grunde um den deutschen Staatsstreich in Italien. Im Rahmen seiner Durchführung sollten Sondereinheiten des Generals Student die des „Verrats“ an Deutschland verdächtigen Personen in Rom festnehmen. Student hatte Ende Juli / Anfang August 1943 bei Rom rund 20 000 Fallschirmjäger zusammengezogen, um den „großen Coup“ auszuführen. Räuberhauptmann Student beabsichtigte, die italienische Königsfamilie sowie mindestens zwei Kinder derselben „im nächtlichen Handstreich“ zu entführen. Dieses „Räuber- und Gendarm-Spiel“ kam nicht zur Durchführung, da u.a. Kesselring die technische Unterstützung versagte.

    Von November 1944 bis Januar 1945 war Student Oberbefehlshaber (OB) der Heeresgruppe A im Westen. Ab Januar 1945 war er OB der Fallschirmtruppe. Eine Woche vor Kriegsende wurde dem Durchhaltegeneral Student der Oberbefehl über die Heeresgruppe Weichsel übertragen.

    Student wurde im Mai 1946 vor ein britisches Militärgericht gestellt. In erster Instanz wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Berufung wurde er auf dem Gnadenwege freigesprochen. In der Landserliteratur fand dies weite Beachtung: „Nach Beendigung des Krieges wurde Generaloberst Student unter entwürdigenden Umständen in Lüneburg vor einem britischen Gericht wegen angeblicher Kriegsverbrechen, die im Verlauf der Schlacht um Kreta begangen worden sein sollten, angeklagt. Aber gerade in jenen finsteren Tagen erlebte er, dass trotz der Schäbigkeit jener Jahre die Ritterlichkeit zwischen gegnerischen Soldaten nicht ausgestorben war. Wie ein deus ex machina erschien nämlich zur Überraschung von Anklage und Verteidigung plötzlich der neuseeländische Brigadegeneral Ingles im Gerichtssaal. Er begehrte als alter Kreta-Kämpfer als Zeuge vernommen zu werden. Seine dann folgende Aussage war eine einzige Ehrenerklärung für Kurt Student und seine Fallschirmjäger. So brachte Ingles die gegen Generaloberst Student erhobene Anklage zu Fall.“

    In den Traditionsverbänden der Wehrmacht zählte Student zu den führenden Köpfen; so betrieb er die Begnadigung des Kriegsverbrechers Schörner. Student gehörte zu den Ehrengästen, wenn alte Kameraden der Wehrmacht und Soldaten der neuen Bundeswehr alljährlich am 20. Mai den Kreta-Tag feierlich begingen.

  2. 2 Jakob Knab 25. April 2011 um 17:29 Uhr

    Bruno Bräuer ist der unter den alten Kameraden der Fallschirmjäger legendäre „Fallschirmjäger Nr. 1“; denn am 11. Mai 1936 hatte er als erster Soldat der Fallschirmtruppe den ersten Absprung von einem Flugzeug gewagt. Bräuer begann seinen militärischen Aufsteig im Regiment „General Göring“.

    Oberst Bruno Bräuer führte am 20. Mai 1941 eine Einheit der Fallschirmjäger (Kdr.FSchjRgt1) beim Überfall auf die Insel Kreta. Die Kriegspropaganda lobte die „Kühnheit“ und den „Heldenmut“ von Bräuers Kämpfern. Von September 1942 bis Juni 1944 war General Bruno Bräuer Kommandeur der Festung Kreta und Befehlshaber des Luftwaffenstabes Kreta. Am 3. November 1942 hatte Generalleutnant Bräuer als Kommandant der Festung Kreta die OKW-Weisung übernommen, daß Menschenleben in den betroffenen Ländern vielfach nichts gelten und eine abschreckende Wirkung nur durch ungewöhnliche Härte erreicht werden könne. „Dabei ist zu bedenken, daß ein Menschenleben in den betroffenen Ländern vielfach nichts gilt und eine abschreckende Wirkung nur durch ungewöhnliche Härte erreicht werden kann. Als Sühne für ein deutsches Soldatenleben muß in diesem Fall im allgemeinen die Todesstrafe für 50 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten. Die Art der Vollstreckung muß die abschreckende Wirkung noch erhöhen.“
    Bräuers verbrecherischer Befehl zeigte Wirkung: Am 14. September 1943 wurden in der Gemeinde Viannos auf Kreta fast 500 Einwohner, meist Frauen und Kinder umgebracht. Am 10. Februar 1944 befahl General Bräuer in Anlehnung an den Foertsch-Befehl (Heeresgruppe E) vom 15. Juli 1943, junge Mädchen als Geiseln bei LKW-Konvois mitzuführen. Diese Mädchen seien bei Anschlägen ebenfalls sofort zu töten.

    Am 12. Mai 1944 war die Weisung des Reichsführers SS Heinrich Himmler ergangen, die Juden auf Korfu und Kreta beschleunigt wegzubringen. Dies war die aktive Einbeziehung der Wehrmacht in die Vernichtung der Juden. Die Wehrmacht erließ Befehle zur Erfassung und Verhaftung der Juden; sie stellte Transportmittel und vielfach das Bewachungspersonal für die Deportationen.
    Mitte Mai 1944 erhielt General Bruno Bräuer aus Berlin den Befehl zur Festnahme aller Juden in der Stadt Chania auf Kreta. In der Nacht auf den 20. zum 21. Mai 1944 wurde das Judenviertel von umstellt. Lautsprecher brüllten den Befehl in die Nacht: Alle Juden in fünfzehn Minuten vors Haus treten. Wer sich versteckt oder zu fliehen versucht, wird auf der Stelle erschossen. Der nächtliche Überfall war erfolgreich: Nur vier der in Chania anwesenden Juden entkamen der Menschenjagd. Am 5. Juni 1944 wurden die Juden von Chania auf einen Frachter gebracht, der auf der Überfahrt zum griechischen Festland unterging.
    Auf Weisung des Reichssicherheitshauptamtes waren vom 23. bis 25. Mai 1944 die restlichen griechischen Festlandsjuden schlagartig verhaftet und nach Auschwitz deportiert worden. Ende Juli 1944 ging der letzte Transport mit Juden von Rhodos in die Gaskammern nach Auschwitz. Fast 85% der griechischen Juden, etwa 58900 Menschen, wurden ermordet.

    Im April 1945 geriet General Bruno Bräuer in englische Kriegsgefangenschaft; er wurde an Griechenland ausgeliefert. Am 9. Dezember 1946 wurde Bräuer von einem Athener Sondergericht als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 20. Mai 1947, dem 6. Jahrestag des Überfalls der Fallschirmjäger auf Kreta, vollstreckt.

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