Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige“

Der Munin-Verlag mit Sitz in Trier (ehemals: Reinsfeld bzw. Pluwig) ist ebenso wie das ihm zugehörige Magazin „Der Freiwillige“ eine Quasi-Hinterlassenschaft des 1992 aufgelösten „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG). Auf Regionalebene existieren freilich noch bis heute HIAG-Gliederungen. Der Munin-Verlag war ehemals der vereinseigene HIAG-Verlag.
BILD Munin-Verlag 1972

Das Magazin „Der Freiwillige“ ist das ehemalige Organ des Waffen-SS-Veteranenverbandes „HIAG“ und ist bis heute das Traditionsblatt der ehemaligen SS-Mitglieder. Ein Text in „Der Freiwillige“ 3/2001 (Seite 4 f.) verdeutlicht die ungebrochene Traditionslinie:
„Wenngleich »Der Freiwillige« nun nicht mehr das offizielle Organ der HIAG ist, bleibt seine Aufgabe, das Mitteilungsblatt aller Soldaten der früheren Waffen-SS darzustellen, unverändert.“
Inhaltlich besteht „Der Freiwillige“ u.a. aus Schlachtberichten von SS-Mitgliedern. Die Leserschaft bestand ja früher auch vor allem aus ehemaligen SS-Angehörigen. Diese „Erlebnisgeneration“ starb aber langsam aus. Vermutlich aus diesen Gründen ging die Auflagenzahl von „Der Freiwillige“ stark zurück. Im Jahr 1954 gegründet hatte „Der Freiwillige“ zu Hoch-Zeiten eine Auflage von 11.500 Stück, die 1992 noch 8.000 betrug und 2006 waren es nur noch 5.000 Exemplare. Heute erfreut sich das Heft vor allem in Neonazi-Kreisen bleibender Beliebtheit.

Der Munin-Verlag ist ähnlich gestrickt wie das Magazin. Er ist eindeutig extrem rechts und veröffentlichte vor allem Erlebnisberichte von SS-Mitgliedern. Nun hat sich der Munin-Verlag einer „Deutschen Buchunion“ (DBU) angeschlossen.
Der Redakteur Agte („Schriftleitung »Der Freiwillige«“) schreibt in: „Der Freiwillige“ 9/10-2010 (Seite 63) zu dieser Veränderung:
„Um Ihnen ab sofort ein noch interessanteres und vielseitigeres Programm […] anbieten zu können, hat sich der Munin-Verlag mit der Deutschen Buchunion – Verlag und Medienhandelsgesellschaft m.b.H. Zusammengeschlossen.“

Inhaber des Munin-/DBU-Verlages ist ein Patrick Agte (* 1965) aus Trier, Geschäftsführer des Veteranenverbandes Kameradschaftsverband des 1. Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS e.V. und u.a. Herausgeber des Bildbandes „Michael Wittmann, erfolgreichster Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg, und die Tiger der Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Seit 2000 ist Agte Inhaber des Munin-Verlages. Agte schein auch über gute Kontakte zu Jungnazis zu verfügen. Agte war laut einer Meldung von „Blick nach Rechts“ Nr. 4/2004 Ehrengast beim 2. Tag des Nationalen Widerstandes am 27. Mai 2000 der NPD in Passau. Ein Patrick Agte wird auch in einem Verzeichnis des NPD-Landesverband Rheinland-Pfalz von 1990 als Beisitzer im Landesvorstand aufgeführt.

Auf Agte ist die Homepage der „Deutschen Buchunion“ angemeldet, deren Symbol dem des Munin-Verlages gleicht.
Deutsche Buchunion
OBEN: Screenshot von der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (DBU), Header der Homepage der Deutschen Buchunion in verkleinerter Darstellung

Laut eigener Darstellung der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (Stand/Screenshot v. 30.01.2011) ist die DBU anscheinend ein Gemeinschaftsprojekt („unsere Verlage“) von: Munin-Verlag, Dörfler-Verlag, UraCant, Ares-Verlag, Verlag Pour le Merite (Arndt-Verlagskomplex), dwj Verlags-GmbH, Waffen-Arsenal, Waffen-Revue und „alio.lt“.
Kooperiert tatsächlich eine nicht explizit rechte Zeitschrift wie die „Waffen-Revue“ mit dem extrem rechten Munin-Verlag? Es sieht stark danach aus …

Verwendete Quellen:

* The Next Generation, in Antifa-Infoblatt Nr. 53 – 2.2001, Seite 16-17
* Blick nach Rechts Nr. 4-2004, 19. Februar 2004
* die oben benannten Ausgaben von „Der Freiwillige“


1 Antwort auf „Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige““


  1. 1 Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige“ « dokumentationsarchiv Pingback am 16. Januar 2011 um 15:36 Uhr
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