Archiv für Januar 2011

Hintergrund: Munin-Verlag und „Der Freiwillige“

Der Munin-Verlag mit Sitz in Trier (ehemals: Reinsfeld bzw. Pluwig) ist ebenso wie das ihm zugehörige Magazin „Der Freiwillige“ eine Quasi-Hinterlassenschaft des 1992 aufgelösten „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG). Auf Regionalebene existieren freilich noch bis heute HIAG-Gliederungen. Der Munin-Verlag war ehemals der vereinseigene HIAG-Verlag.
BILD Munin-Verlag 1972

Das Magazin „Der Freiwillige“ ist das ehemalige Organ des Waffen-SS-Veteranenverbandes „HIAG“ und ist bis heute das Traditionsblatt der ehemaligen SS-Mitglieder. Ein Text in „Der Freiwillige“ 3/2001 (Seite 4 f.) verdeutlicht die ungebrochene Traditionslinie:
„Wenngleich »Der Freiwillige« nun nicht mehr das offizielle Organ der HIAG ist, bleibt seine Aufgabe, das Mitteilungsblatt aller Soldaten der früheren Waffen-SS darzustellen, unverändert.“
Inhaltlich besteht „Der Freiwillige“ u.a. aus Schlachtberichten von SS-Mitgliedern. Die Leserschaft bestand ja früher auch vor allem aus ehemaligen SS-Angehörigen. Diese „Erlebnisgeneration“ starb aber langsam aus. Vermutlich aus diesen Gründen ging die Auflagenzahl von „Der Freiwillige“ stark zurück. Im Jahr 1954 gegründet hatte „Der Freiwillige“ zu Hoch-Zeiten eine Auflage von 11.500 Stück, die 1992 noch 8.000 betrug und 2006 waren es nur noch 5.000 Exemplare. Heute erfreut sich das Heft vor allem in Neonazi-Kreisen bleibender Beliebtheit.

Der Munin-Verlag ist ähnlich gestrickt wie das Magazin. Er ist eindeutig extrem rechts und veröffentlichte vor allem Erlebnisberichte von SS-Mitgliedern. Nun hat sich der Munin-Verlag einer „Deutschen Buchunion“ (DBU) angeschlossen.
Der Redakteur Agte („Schriftleitung »Der Freiwillige«“) schreibt in: „Der Freiwillige“ 9/10-2010 (Seite 63) zu dieser Veränderung:
„Um Ihnen ab sofort ein noch interessanteres und vielseitigeres Programm […] anbieten zu können, hat sich der Munin-Verlag mit der Deutschen Buchunion – Verlag und Medienhandelsgesellschaft m.b.H. Zusammengeschlossen.“

Inhaber des Munin-/DBU-Verlages ist ein Patrick Agte (* 1965) aus Trier, Geschäftsführer des Veteranenverbandes Kameradschaftsverband des 1. Panzerkorps der ehemaligen Waffen-SS e.V. und u.a. Herausgeber des Bildbandes „Michael Wittmann, erfolgreichster Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg, und die Tiger der Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Seit 2000 ist Agte Inhaber des Munin-Verlages. Agte schein auch über gute Kontakte zu Jungnazis zu verfügen. Agte war laut einer Meldung von „Blick nach Rechts“ Nr. 4/2004 Ehrengast beim 2. Tag des Nationalen Widerstandes am 27. Mai 2000 der NPD in Passau. Ein Patrick Agte wird auch in einem Verzeichnis des NPD-Landesverband Rheinland-Pfalz von 1990 als Beisitzer im Landesvorstand aufgeführt.

Auf Agte ist die Homepage der „Deutschen Buchunion“ angemeldet, deren Symbol dem des Munin-Verlages gleicht.
Deutsche Buchunion
OBEN: Screenshot von der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (DBU), Header der Homepage der Deutschen Buchunion in verkleinerter Darstellung

Laut eigener Darstellung der Homepage der „Deutschen Buchunion“ (Stand/Screenshot v. 30.01.2011) ist die DBU anscheinend ein Gemeinschaftsprojekt („unsere Verlage“) von: Munin-Verlag, Dörfler-Verlag, UraCant, Ares-Verlag, Verlag Pour le Merite (Arndt-Verlagskomplex), dwj Verlags-GmbH, Waffen-Arsenal, Waffen-Revue und „alio.lt“.
Kooperiert tatsächlich eine nicht explizit rechte Zeitschrift wie die „Waffen-Revue“ mit dem extrem rechten Munin-Verlag? Es sieht stark danach aus …

Verwendete Quellen:

* The Next Generation, in Antifa-Infoblatt Nr. 53 – 2.2001, Seite 16-17
* Blick nach Rechts Nr. 4-2004, 19. Februar 2004
* die oben benannten Ausgaben von „Der Freiwillige“

3.400 Selbstmörder

In einem Bericht auf Deutschlandradio wurde neulich am Rande erwähnt, dass seit ihrem Bestehen sich 3.400 Bundeswehr-Soldaten umgebracht haben. Leider wurden keine Gründe genannt (Drill?, Mobbing?, …) und auch nicht, ob Soldaten mitgezählt wurden, die sich nach Abschluss ihrer Dienstzeit das Leben nahmen.

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 79 vom Januar/Februar 2010 erschienen

DMZ Nr. 79 a
In dieser DMZ-Ausgabe finden sich die „Erinnerungen des Frontkämpfers Franz Schmid“ und einen Nachruf auf den „Ausnahmesoldaten“ Hajo Herrmann (1913-2010), Bomberpilot der Legion Condor und seit 1942 Mitglied in Hitlers Luftwaffenführungstab und zum Vertrauten des NS-Reichsmarschalls Hermann Göring. Nach Kriegsende vertrat Herrmann als Rechtsanwalt vor allem Altnazis, Neonazis und Holocaustleugner (u.a. Otto Ernst Remer, David Irving, Fred A. Leuchter).

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Prof. Franz W. Seidler (* 1933), ein extrem rechter Militärhistoriker. Der emeritierte Ordinarius für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München war in Vergangenheit Referent bei diversen extrem rechten und deutschnationalen Gruppen. Er ist Buchautor des extrem rechten Pour le Merite-Verlages und Beiträge von ihm erschienen in den „Burschenschaftlichen Blättern“ oder der DMZ. In dem Interview bezeichnet er die Nürnberger Prozesse gegen die NS-Führungsriege als „Vergewaltigung des Rechts“.
DMZ Nr. 79 b
Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* dem Militaria-Magazin.
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen.
*dem „Nation Europa“-Nachfolger „Zuerst!“, bei dem der DMZ-Chefredakteur Ochsenreiter auch Redakteur ist.
* der SS-Ehemaligen-Zeitschrift „Der Freiwillige“.
* der Michaelis-Verlag von Rolf Michaelis , der Mitglied im SS-nahen „Kameradenwerk Korps Steiner“ und spezialisiert auf die Herausgabe von Büchern zur Waffen-SS ist.
* der FPÖ-nahen Wochenzeitung „Zur Zeit“.
* dem extrem rechten Tübinger Grabert-Verlag.
* für die extrem rechte Veteranenvereinigung „Kameradenwerke“.
* der rechten SciFi-Reihe „Kaiserfront“.
* der Filmfirma „History-Films“.
* Venatus-Messer.

Quellen:
* DMZ Nr. 79
* AG „Zurück nach Workuta“: „Politischer Soldat? Was sonst!“ – Ritterkreuzträger Hajo Herrmann immer noch an der Front, in: Terz, 25.2.04, www.terz.org/texte/texte_03_04/hajo_herrmann.htm
* Antifaschistisches AutorInnenkollektiv: Hajo Herrmann – ein Helden-Update, in: Terz, 26.3.04, www.terz.org/texte/texte_04_04/hajo_herrmann.htm

Reserveoffizier kritisiert in NPD-Zeitung die Bundeswehrreform

Bundeswehrreform-Kritik in
Unter der Überschrift „Eine Armee wird abgewickelt“ verfasste ein Dr. Peter Berrenberg in der Januar-Ausgabe der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ einen Beitrag über die Bundeswehrreform. In dem Artikel weist der Verfasser darauf hin, dass die Wehrpflicht 1935 wieder eingeführt wurde.
Im Artikel wird sich über den angeblich miserablen Zustand der Bundeswehr ausgelassen und „Das Verschwinden des Soldaten“ in der Gesellschaft beklagt:

Mit der Abschaffung bzw. der Aussetzung der Wehrpflicht werden die verpflichtenden Beziehungen der jungen Bürger zum Staat lediglich die zum Finanzamt sein und die Soldaten werden noch mehr aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwinden, als das ohnehin schon der Fall ist.

Ein Dr. Peter Berrenberg veröffentlichte seine Erlebnisse in der Bundeswehr von 1959 bis 2000 unter dem Pseudonym Klaus Bergner in dem 2002 erschienenen Buch „Begegnungen mit Faulen Säcken und Potentiellen Mördern“. Im Internet findet sich ein Solinger Dr. Peter Berrenberg als Oberstleutnant der Reserve, der über 50 Sport-Abzeichen erworben hat.
Der Leserbrief eines Dr. Peter Berrenberg aus Haan findet sich zudem in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Nr. 21/2005 vom 20. Mai 2005. In im heißt es zum 8. Mai 1945, dem Tag der Niederlage Nazi-Deutschlands, u.a.:

Die Deutschen waren vogelfrei, es begann eine furchtbare Notzeit, es starben in den ersten Jahren doppelt so viele Deutsche wie in der Kriegszeit; Gesetz, Moral, Völkerrecht und Friedensordnung galten nicht.

Quelle:
* Eine Armee wird abgewickelt, in: „Deutsche Stimme“ vom 02.11.2010

Wehrmachts-Zeitzeuge referierte bei Neonazis

Unter dem Titel “Mit dem DAK am Feind – Zeitzeugenvortrag am 7. November“ wurde von dem Neonazi-Newsportal „Netzwerk Mitte“ aus Dresden eine Veranstaltungsbericht veröffentlicht. DAK steht für „Deutsches Afrikakorps“ und war die Bezeichnung des von dem General Rommel geführten deutschen Heeres in Nordafrika. Das DAK war ursprünglich eine Unterstützung für die kolonialen Großmachtsambitionen des faschistischen Italiens im afrikanischen Mittelmeerraum gedacht. Durch Siege über die Briten trotz Unterlegenheit war das DAK und sein kommandierender Generalfeldmarschall Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“, sehr populär bei Hitler und der Bevölkerung Nazi-Deutschlands.
Wüstenfuchs Rommel
Bis heute genießen Rommel und sein DAK starkes Ansehen sowohl in der bürgerlichen Mitte als in Neonazi-Kreisen. In der bürgerlichen Mitte wird Rommel als scheinbar unpolitischer General, genialer Stratege und Widerstandskämpfer hochgehalten. Zwar wurde Rommel nach dem Stauffenberg-Attentat vom paranoiden Hitler zum Gift-Selbstmord gezwungen, aber für Verbindungen Rommels zur Militär-Opposition unter Stauffenberg gibt es keinerlei Beweis. Im Gegenteil, Rommel war bis dahin ausgesprochen „führertreu“ gewesen.
Auch das DAK hat keine weiße Weste. Unter der deutschen Besatzung Nordafrikas wurden die nordafrikanischen Juden massiv diskriminiert und im Gefolge Rommels fand sich auch eine Einsatzgruppe, ein Todesschwadron, dass für die jüdische Bevölkerung Palästinas bestimmt war.
Davon freilich erzählte der Zeitzeuge und ehemalige DAK-Soldat Rudolf Schneider aus Strauchitz bei Dresden, der zeitweise persönlicher Fahrer von Rommel war, seinen angeblich 140 Zuhörern (Eigenangabe) nichts.

Berichte von DAK-Veteranen scheinen bei extrem Rechten beliebt zu sein. Ein anderer DAK-Veteran und Waffen-SS-Freiwilliger, Wilhelm Langsam aus Göppingen, referierte unter dem Titel „Mit Rommel in Afrika und mit der Bibel um die Welt“ am 27. März 2010 bei der NPD Heilbronn. In dem Veranstaltungsbericht auf der NPD-Homepage heißt es:

Seine bisherigen Eindrücke vom politischen Wollen dieser Partei und dies, auch und gerade, im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Volkes und Staates, ließen ihn jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass seine Lebensmaximen und die der NPD im wesentlichen Deckungsgleich sind.
Seinen beeindruckenden Vortrag schloss er mit den Worten: „Ich bin einer von Euch“!
Auf diese Aussage können wir stolz sein!“

Wilhelm Langsam ist nicht nur irgendein Veteran, er ist der offizielle Vorsitzende des „Verband Deutsches Afrika- Korps“ e.V.

Dass Rommels Afrikakorps unter Neonazis einen legendären Ruf genießt, kann man auch daran erkennen, dass in den Szene-Versänden Kleidungsstücke mit Bezugnahme auf das DAK vertrieben werden wie die unten stehenden Bilder zeigen.

Afrika-Corps

Tshirt Afrikakorps