Lettland: Von der Waffen-SS in die Regierung

In Lettland ist am 8. November 2010 der 86-jährige Abgeordnete Visvaldis Lacis um Vorsitzenden des Parlamentsausschusses gewählt worden, der für den Umgang mit der russischen Minderheit im baltischen Staat zuständig ist.
Die russische bzw. russischsprachige Minderheit des Baltikum-Landes wird von größeren Teilen der lettischen Mehrheitsbevölkerung diskriminiert, u.a. wird vielen russischen Letten bis heute die Staatsbürgerschaft verweigert und Russisch ist keine gleichberechtigte Amtssprache.
Lacis ist Mitglied der extrem rechten Partei „Alles für Lettland“ und ein ehemaliges Mitglied der Waffen-SS. Die auch als „Lettische Legion“ bekannte 15. Waffen-SS-Division wurde 1943 aufgestellt. Viele einheimische Kollaborateure, die sich vorher an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung Lettlands (ca. 70.000 Menschen) beteiligt hatten, wurden Mitglied. Später beteiligten lettische SS-Angehörige sich auch an der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto, den Massenerschießungen im Bikernieksker Wald und des Konzentrationslagers in Salaspils.
Insgesamt hatte diese Einheit etwa 150.000 Mitglieder, von denen 50.000 bei Kampfhandlungen starben.
Den lettischen SS-Veteranen wird bis heute vom deutschen Staat eine Pension bezahlt, im Gegensatz übrigens zu den deutschen Angehörigen der „Internationalen Brigaden“. Außerdem unterstützen ehemalige deutsche „Kampfgenossen“ vom extrem rechten „Verband deutscher Soldaten“ in Deutschland Legions-Angehörige. Auch heute noch werden die Legionäre in Lettland als „Freiheitskämpfer“ angesehen und geehrt. Der 16. März, an dem 1942 der erste lettische Freiwilligenverband aufgestellt wurde, wird als Legionärstag begangen. Er war bis 2000 ein nationaler Feiertag in Lettland.

Quelle:
* Markus Salzmann: Lettische Regierung ernennt SS-Veteran zum Ausschussvorsitzenden, 17. November 2010, http://www.wsws.org/de/2010/nov2010/lett-n17.shtml


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