Archiv für November 2010

Österreich: die Spur führt ins Bundesheer

Die Nazi-Homepage „alpen-donau.info“ ist die wichtigste neonazistische Homepage für Österreich. In den vergangenen Tagen sind Hintergrundinformationen über die Macher bekannt geworden, die teilweise in die österreichische Armee, das Bundesheer, führen.
So schreibt die Newspage „tt.com“:

Nicht zuletzt soll ein 21-Jähriger dazugehören, der die Theresianische Militärakademie besucht haben soll. Letzterer dürfte auch einer der Hauptgründe sein, warum sich das Abwehramt – offenbar nicht in Absprache mit dem BVT – so für den Fall interessiert.

Und das Blatt „Der Standart“ schreibt:

Nach Erkenntnissen des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) traten diese wiederholt bei mehreren Veranstaltungen auf, darunter beim Ulrichsberg-Treffen 2009 und beim sogenannten Dresdner Trauermarsch. Am Ulrichsberg war der Sohn des Ex-BVT-Beamten übrigens in einer Ausgehuniform des Bundesheeres erschienen.

Auch die „Kleine Zeitung“ aus Kärnten berichtet über den Fall:

Ein 22-jähriger Kärntner wird verdächtigt, hinter der rechtsextremen “alpendonau”-Seite zu stecken. Der Villacher fiel schon beim Ulrichsbergtreffen auf. Nur eine einzige Bundesheeruniform war beim letzten Treffen am Ulrichsberg im September 2009 zu sehen. Eine Uniform zu viel – denn auf Weisung von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) musste sich das Bundesheer von der “Gedenkveranstaltung” fernhalten. Der damals 21-jährige Milizsoldat Benjamin F. aus Villach verweigerte den Befehl des Ministers und präsentierte sich für alle Anwesenden sichtbar in seiner grauen Ausgehuniform. […] Benjamin F. blieb weiterhin Teil des Milizheeres – und ist es heute noch. Kein Ausrutscher Im Zuge der Ermittlungen um die rechtsextreme Website “alpen-donau.info” wird jetzt klar, dass der Auftritt von Benjamin F. am Ulrichsberg wohl nicht unter die Kategorie Ausrutscher fällt. Wie das Nachrichtenmagazin “News” in seiner donnerstägigen Ausgabe berichtet, wird Benjamin F. verdächtigt, sich im engsten Kreis der Homepagebetreiber zu befinden. Das ginge aus Ermittlungsunterlagen über die Hauptverdächtigen der Nazi-Website hervor. In den Akten soll auch vermerkt sein, dass Benjamin F. während einer Heeresübung mehrmals die Hand zum Hitlergruß gehoben hätte. Dieser Vorfall habe aber keine Konsequenzen verursacht, möglicherweise deshalb, weil der Vater von Benjamin F. zum damaligen Zeitpunkt beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) tätig war.

Quellen:
* Neonazi-Homepage: Ein Fall für die Korruptionsstaatsanwaltschaft, http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3%9Cberblick/1655551-6/neonazi-homepage-ein-fall-f%C3%BCr-die-korruptionsstaatsanwaltschaft.csp
* Die Hintermänner der Neonazi-Homepage, 08. November 2010, http://derstandard.at/1288659807831/Hintergrund-Die-Hintermaenner-der-Neonazi-Homepage
* Josef Puschitz: Milizsoldat in Nazi-Netz verstrickt, 11.11.2010, http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/klagenfurt/2551896/milizsoldat-nazi-netz-verstrickt.story

USA: Oberstes Gericht verlängert Homosexuellen-Diskriminierung

Nachdem erst ein Gericht in Kalifornien die homophobe Regelung “Don’t ask, don’t tell” als diskriminierend verboten hatte (BraunzoneBw berichtete), wurde sie von der nächsthöreren Instanz, dem Obersten Gerichtshof (Supreme Court), bestätigt. Mit “Don’t ask, don’t tell” (Frage nicht, sage nichts) ist gemeint, dass Homosexuelle in der US-Army geduldet werden, so lange sie sich nicht offen outen, also zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen. Andererseits dürfen die Vorgesetzten auch nicht nach der sexuellen Orientierung ihrer Untergebenen fragen.
Nach dem Beschluss des Supreme Court ist nur noch der US-Präsident Obama in der Lage diese Diskriminierung von Homosexuellen in der US-Army abzuschaffen.
Der Spiegel berichtet über die Auswirkungen der Regelung:
„Nach Angaben von Homosexuellen-Gruppen wurden seit 1993 rund 10.000 bekennende Schwule aus der Armee entlassen.“

Quelle:

* sev/dpa: Oberstes Gericht verlängert Schwulen-Regelung, 12.11.10, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728929,00.html#ref=rss

Sonderausgabe der „Deutschen Militärzeitschrift“ zur Panzerwaffe

Die extrem rechte „Deutschen Militärzeitschrift“ (DMZ) hat im November 2010 eine Sonderausgabe zum Thema „Panzerwaffe“ herausgebracht.
DMZ Sonderausgabe
Auch die Panzer-Einheiten der Waffen-SS finden lobend Erwähnung.
SS-Panzerwaffe
Für ein Interview stand Prof. Dr. Uri Milstein (* 1940), seit 1980 Dozent für Militärgeschichte an der Universität Jerusalem, der DMZ erneut zur Verfügung.

Die Anzeigen dieser DMZ-Ausgabe stammen u.a. von:
* dem Scherzers Militärverlag aus Sachsen
* dem national“revolutionären“ Bublies-Verlag
* dem Waffen-SS-Traditions-Verlag Munin
* dem extrem rechten Grabert-Verlag aus Tübingen

Zwei Autoren dieser DMZ-Sonderausgabe sind u.a. Heinz Magenheimer und Rolf Michaelis.
* Heinz Magenheimer (* 1943) war Dozent an der österreichischen Landesverteidigungsakademie Wien (Institut für strategische Grundlagenforschung) und vertritt die Präventivkriegs-These, also die Behauptung das der Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion einem Angriff der UdSSR zuvorkam. Damit rechtfertigen rechte Historiker gerne den Rasse- und Vernichtungskrieg Deutschlands im Osten,
* Der DMZ-Autor Rolf Michaelis gründete 1994 den Michaelis-Verlag. Michaelis ist Mitglied im SS-nahen „Kameradenwerk Korps Steiner“ und spezialisiert auf die Herausgabe von Büchern zur Waffen-SS; aber auch Bücher des antisemitischen Verschwörungsfantasten van Helsing fanden sich schon im Programm des Verlages. Um bei diesen Programm auch möglichst viele Kunden zu erreichen schaltete der Verlag Anzeigen in der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“, in der nationalliberalen „Criticon“ (2005 umbenannt in „Neue Nachricht“) und in der neurechten Wochenpostille „Jungen Freiheit“.

Quellen:
* Oliver Schröm: Braune Esoterik auf dem Vormarsch: Viele Bücher aus der New-Age-Szene zeichnen ein rassistisches Weltbild, in: die Zeit 1998, http://www.zeit.de/archiv/1998/23/esoterik.txt.19980528.xml
* Neuigkeiten Inland, in: BnR-Ausgabe 7/2000