Großbritannien: Wikileaks bringt Folter-Leitfaden ans Licht

Die britische Armee hat nach Quellen, die der Internetplattform „Wikileaks“ zugespielt wurden, eine Art Folter-Leitfaden.
Zunächst war unbekannt, was sich hinter der Bezeichnung „Frago 242“ verbarg, die häufig auftauchte, wenn in den Feldberichten von Misshandlung der Festgehaltenen die Rede war.
Es stellte sich heraus, dass „Frago 242“ für eine „fragmentary order“ aus dem Juni 2004 ist. Diese Direktive an das US-Militär besagte ursprünglich, dass Gesetzesbrüche durch Iraker nicht weiter zu verfolgen seien. Es sollten also Foltertaten der einheimischen Verbündeten straf- und folgenlos bleiben.
Die britische Zeitung „Guardian“ berichtet nun davon, dass das britische Militär Leitfäden für Verhörmethoden vorgab. Diese beschrieben in einer Art Handbuch detailliert wie Verdächtige gequält werden sollen. Es gab Anweisungen wie den Verdächtigen durch Drohungen und Erniedrigungen Informationen entlocken werden sollten. Dazu sollte unter anderem das Mittel der Demütigung systematisch eingesetzt werden. In einer Power-Point-Präsentation von 2008 sei zu lesen sei: „Zieh sie aus“ und: „Lass sie nackt, wenn sie Aufforderungen nicht befolgen.“
Andere angeratene Mittel sind Augenbinden, Ohrstöpseln und Plastik-Handfesseln, Schlafentzug und die Drohung mit Isolationshaft.
Die Anweisungen könnten einen Verstoß gegen die Genfer Konvention bedeuten, laut der körperlicher oder moralischer Zwang bei Verhören verboten ist.
Eventuell wurden auch härtere Verhörmethoden angewandt. Der Standard schreibt: „Wie aus den Wikileaks-Dokumenten hervorgeht, starben zwischen 2004 bis 2009 insgesamt mehr als 15.000 Zivilisten bei bislang unbekannten Vorfällen.“

Quelle:
* fin: Britische Armee gibt Folter-Leitfaden heraus, in „Der Standart“ vom 27. Oktober 2010, http://derstandard.at/1288160084831/Wikileaks-Daten-Britische-Armee-gibt-Folter-Leitfaden-heraus