Alle Jahre wieder: braune Heldenverehrung in Wien

Am 8. November findet auf dem Wiener Zentralfriedhof wie jedes Jahr eine Gedenkzeremonie für den 1944 gestorbenen Piloten Walter Nowotny, Jahrgang 1920, statt. Nowotny war ein Jagdflieger der deutschen Luftwaffe mit hoher Trefferquote, d.h. er hatte im Zweiten Weltkrieg auf der Seite Nazi-Deutschlands Erfolge zu verzeichnen.
Diese „Leistung“ macht Nowotny zu einer idealen „Stahlgestalt“. Beim Prinzip „Stahlgestalt“ werden Einzelpersonen der deutschen Wehrmacht her genommen, die im Kampf besonders gute „Leistungen“ erbracht haben. Diese „Leistungen“ werden entpolitisiert und entkontextualisiert als vorbildhaft dargestellt. Die Träger dieser „Leistungen“, „Stahlgestalten“, stehen meist nicht in einem direkten Zusammenhang mit NS-Verbrechen und sind damit vermeintlich ohne Schuld. Das ist natürlich Unsinn, gute Leistungen in einem Krieg auf der Seite eines verbrecherischen Staates bedeuteten, dass dieser länger Bestand hatte und in diesem Fall seinen Rasse- und Vernichtungskrieg im Osten weiterführen konnte. Außerdem waren die „Stahlgestalten“ des NS-Staates immer auch von der NS-Propaganda aufgebaute Vorbilder. Die Jugend und andere Soldaten wurde angehalten ihnen nachzueifern.
Das auch Nowotny ein Werbeträger für den Nationalsozialismus war erkennt man gut an dem Bericht über seine Beerdigung im „Völkischen Beobachter“. Das ideologische NS-Organ „Völkischer Beobachter“ schreibt am 17. November 1944 über die Beerdigung von Walter Nowotny unter dem Titel „Abschied von Walter Nowotny, dass Hitler einen Kranz sandte („Der Kranz des Führers beim Staatsakt in Wien“) und das auch der „Reichsjugendführer“ Baldur von Schirach anwesend war. In der im „Völkischen Beobachter“ wiedergegebenen Trauerrede heißt es: „Du bist als Nationalsozialist und Offizier unbeirrt Deinen Weg gegangen, ein bedingungsloser, fanatischer Kämpfer, erfüllt von dem Wissen um den Endsieg: Du warst getreu bis in den Tod.“
Anti-Nowotny
In den vergangenen Jahren nahmen an dem Nowotny-Gedenken Mitglieder des „Österreichischen Kameradschaftsbundes“ (ÖKB) teil. Der ÖKB ist eine Veteranenvereinigung und hat nach Eigenangaben eine konstante Mitgliederzahl von 250.000 Aktiven, von denen mittlerweile über zwei Drittel keine (Welt-)Kriegsteilnehmer mehr sind.
Die meisten Teilnehmer kamen aber wohl von der FPÖ-Jugendorganisation „Ring Freiheitlicher Jugend Österreich“, dem „Ring Freiheitlicher Studenten“ und den deutschnationalen Studentenverbindungen (insbesondere Burschenschaften). Daneben nahmen auch Mitglieder des neonazistischen „Bund freier Jugend“ (BfJ) teil bzw. organisierten ein eigenes Gedenken.
Seit 2003 wird die Haupt-Veranstaltung organisiert durch den FPÖ-nahen „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“. Dieser wurde im Juli 2003 von Stadtrat Johann Herzog (FPÖ-Stadtrat), Hans-Jörg Jenewein (FPÖ-Kommunalpolitiker) und Walter Seledec (ORF-Chefredakteur) gegründet. Obmann (Vorsitzender) ist (war?) der Wiener Professor und Burschenschaftler Gerhard Pendl.


1 Antwort auf „Alle Jahre wieder: braune Heldenverehrung in Wien“


  1. 1 Alle Jahre wieder: braune Heldenverehrung in Wien « dokumentationsarchiv Pingback am 01. November 2010 um 15:37 Uhr
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