Archiv für Juli 2010

Evangelikale in der Bundeswehr

Der Dachverband der Evangelikalen (protestantische Fundamentalisten) in Deutschland, „Evangelische Allianz“, unterhält auch einen „Arbeitskreis Soldaten“. Interessant wäre es nun herauszufinden, wieviel Einfluss diese homophobe, antifeministische Strömung in der Bundeswehr hat.

Evangelikale in der Bundeswehr

Stabsfeldwebel in „Junger Freiheit“

In dem neurechten Wochenblatt „Junge Freiheit“ äußert sich ein Stabsfeldwebel zu den erwarteten Protesten gegen das Bundeswehr-Gelöbnis in Stuttgart am 30. Juli 2010.
Stabsfeldwebel in JF

Österreich: FPÖ lässt den Macho heraus

In einem Interview mit dem Titel „Ohne männliche Eigenschaften funktioniert Militär nicht“ hat ein Vertreter der rechtspopulistischen FPÖ das Mobbing von Frauen geleugnet.
Der ehemalige FPÖ-Nationalratsabgeordnete und Oberst, sowie Ersatzmitglied in der Bundesheer-Beschwerdekommission Dr. Reinhard Eugen Bösch aus Vorarlberg kommentierte die Ergebnisse einer aktuelle Mobbing-Studie, wonach jede zweite Frau wegen aggressiven Verhaltens männlicher Kollegen das Bundesheer wieder verläßt: „Mir sind solche Fälle nicht bekannt.“
Und führte weiter aus:
„Beim Militär handelt es sich um eine streng hierarchische, auf Befehl und Gehorsam aufgebaute Organisation, welche in der Lage sein muss, auftragsgemäß auch militärische Gewalt einzusetzen. Grundlage dazu sind traditionelle männliche Eigenschaften wie Gruppenbildung, Kameradschaft und Mut zur Auseinandersetzung. Ohne diese Elemente funktioniert „Militär“ nicht.“
Das Interview erschien auf der Homepage „www.unzensuriert.at“, der Homepage des FPÖ-Mandatras und strammrechten Burschenschaftlers Martin Graf.

FPÖ pro Wehrpflicht
BILD: Die FPÖ setzt sich für die Wehrpflicht ein


Quelle:

* Interview: „Ohne männliche Eigenschaften funktioniert Militär nicht“, 28. Juli 2010, http://www.unzensuriert.at/001632-interview-ohne-m-nnliche-eigenschaften-funktoniert-milit-r-nicht

Mitarbeiter von Dresdner Militärmuseum der Bundeswehr veröffentlicht im NPD-Verlag

Sein Buch „Sachsen 1945“ hat Wolfgang Fleischer (* 1952) im Riesaer Verlag „Deutsche Stimme“ veröffentlicht, dem NPD-Hausverlag. Fleischer selbst ist seit den Anfängen des Militärmuseums 1972 dessen ziviler Mitarbeiter und hatte laut der Sächsischen Zeitung (SZ) „bislang tadellosem Ruf als Experte“. Der Fachgebietsleiter beim Bundeswehrmuseum in Dresden hatte bereits der jüngsten Ausgabe des braunen Magazin „Deutsche Militärzeitschrift“ ein Interview gegeben (BraunzoneBw berichtete).
Screenshot: Sachsen 1945 auf der Homepage des DS-Versand
Sein neuestes Buch erschien nun in dem NPD-Verlag in der „Edition Tyr“, benannt nach einem germanischen Gott bzw. benennt sich nach diesem auch eine Rune. Diese Rune wurde auch im „Dritten Reich“ als Abzeichen der Reichsführerschulen der NSDAP verwendet. Das kann Zufall sein, ist aber bei der NPD eher unwahrscheinlich.
Der Museumsleiter, Oberstleutnant Matthias Rogg, gab sich schockiert und die SZ zitiert ihn mit den Worten „Das ist uns alles äußerst unangenehm“. Immerhin wurde mit einer Pressekonferenz reagiert, auf der Rogg klarstellte, dass das Museum sich ausdrücklich von der „Deutschen Stimme“ distanziere.
Die SZ gibt Rogg in ihrem Bericht wieder:

Der Mitarbeiter sei nicht vom Dienst suspendiert, „wir haben den Fall zur gründlichen Bearbeitung weitergegeben. Die Wehrbereichsverwaltung Ost in Strausberg übernimmt die juristische Prüfung, das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam die inhaltliche“, so Rogg. „Erst danach können wir über weitere Maßnahmen nachdenken.“ Im für ihn schlimmsten Fall muss Fleischer wohl mit seiner Entlassung rechnen.

Fleischer saß auch in der Dresdner Historikerkommission zum 13. Februar 1945, in der der Nazimythos über die hunderttausende Tote der Bombardierung endgültig ins Reich der Mythen verbannt und die Opferzahl mit 18-25.000 beziffert wurde.

Fleischers Co-Autor ist Roland Schmieder, ein Oberst der Reserve, der auch eine Zeit lang im Museum beschäftigt worden war.

Quellen:

* Oliver Reinhard: Verlagswechsel ins Abseits, in: Sächsische Zeitung, http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2512068
* bnr: Grenzüberschreitung, Blick nach Rechts, 15.07.2010, http://www.bnr.de/content/grenzueberschreitung
* Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Tyr-Rune_%28Orden%29

Fundstück: In Wehrmachtstradition

Hier der Ausschnitt aus einem Artikel in der Wochenzeitung „Jungle World“:

Apropos Waffenkunde: Schon die Tatsache, dass die gepanzerten Fahrzeuge der Bundeswehr, »Leopard«, »Dingo« und »Marder«, wie schon die »Tiger« und »Panther« der Wehrmacht, ihre Typenbezeichnungen aus der Raubtierwelt entlehnen, gibt Auskunft über militärisches Traditionsbewusstsein. Dieses existiert auch in der Redaktion des Soldatensenders »Radio Andernach«. In der Programmbeschreibung des Senders aus dem Eifelstädtchen Andernach erfahren wir, dass jeden Abend »pünktlich um 22.00 Uhr (…) zum Programmschluss das nicht nur bei den deutschen Soldaten so beliebte Lied von ›Lili Marleen‹« ertönt. Den alten Landser-Schlager von Lale Andersen hatten bereits die Wehrmachtssoldaten während ihres Vernichtungsfeldzuges auf den Lippen. Seit 1941 lief die sentimentale Schnulze zum Programmschluss der Wehrmachtssender. Bis 1948 war sie in den alliierten Besatzungszonen verboten.

Quelle:
* Uli Schuster: Rauchende Colts, Jungle World Nr. 4, 28. Januar 2010, http://jungle-world.com/artikel/2010/04/40274.html

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 76 vom Juli/August 2010 erschienen

DMZ Nr. 76
Interviewpartner dieser DMZ-Ausgabe sind:
* Dr. Uri Milstein (* 1940), ein israelischer Militärhistoriker.
* Dr. Albrecht Rothacher (* 1955), Leiter einer Asien-Europa-Stiftung.
* Wolfgang Fleischer (* 1952), Fachgebietsleiter beim Bundeswehrmuseum in Dresden.
* Thorsten Heinrich (* 1982), Betreuer der Homepage „http://soldatengedenken.de/“ einem digitalen heldentümelnden Ehrenmal für Bundeswehrsoldaten (ähnlich: http://www.gelbe-schleife.de/). Er berichtet der DMZ stolz, dass seine Facebook-Gruppe bereits 1.800 Mitglieder habe und dass er mit einem Hauptfeldwebel der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr zusammenarbeite. Heinrich plant in Zukunft die Gründung eines „Unterstützungsvereins Soldatengedenken.de”. Bereits zwei Mal führte Heinrich Gedenkmärsche für getötete Bundeswehrsoldaten durch.
Die ultrarechte „Junge Freiheit“ berichtet über den Würzburger Trauerzug von Soldatengedenken wie folgt.
„Hinter einer schwarz-rot-goldenen Fahne ziehen knapp fünfzig Personen schweigend und in Zweierreihe durch die Straßen der Würzburger Innenstadt. Viele Passanten bleiben stehen und schauen dem Zug hinterher. Ihnen bietet sich ein buntes Bild: Einfache Bürger und Studenten, manche in Freizeitkleidung, andere im Anzug, einige durch Band und Mütze als Korporierte erkennbar.“
Mit von der Partie waren also auch Verbindungsstudenten. Auf den Fotos des Schweigemarsch vom 18.04.2010 sind auch einige Bändelträger erkennbar1.

Die Anzeigen dieser DMZ-Ausgabe stammen u.a. von:
* dem Militaria-Magazin
* einer militaristischen Geschichtenreihe namens „Schiffe Menschen Schicksale“, die sehr der Landser-Heft-Reihe ähnelt
* Scherzers Militärverlag aus Sachsen
* Venatus-Messer
* dem extrem rechten Bonus-Verlag
* der SS-Ehemaligen-Zeitschrift „Der Freiwillige“
* dem NPD-Hausverlag „Deutsche Stimme“
* dem extrem rechten Germania-Verlag

Rechtsklerikale tagten 2008 in Offiziersheim

In der Ausgabe 2/2008 von „Salz und Licht“, dem Blatt der christlich-fundamentalistischen und homophoben Kleistpartei „Partei Bibeltreuer Christen“ (PBC) wird berichtet, dass die Bundestagung des „Arbeitskreises Christlicher Publizisten“ (ACP) am 28. Juni 2008 im Offiziersheim der Bundeswehr in Fritzlar stattfand.
ACP 2008 in Offiziersheim
Dem ACP werden laut einem Beitrag auf dem NPD-Blog „ seit Jahren extrem rechte Sichtweisen vorgeworfen.“ Zudem wies der ACP in früheren Jahren eine gewisse Nähe zu der extrem rechten Republikaner-Partei und der rechten Politsekte „Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis“ (VPM), die aber inzwischen offiziell aufgelöst ist, auf. Bei der Bundestagung 2008 trat auch Dr. Konrad Löw (* 1931) aus München als Redner auf. Laut Wikipedia wurde bereits eine Ausgabe der Publikation „Deutschland-Archiv“ der Bundeszentrale für politische Bildung eingestampft, weil Löw darin antisemitische Stereotype wiederkäut. Als Referent trat Löw bereits für die extrem rechte Burschenschaft Danubia München (2002) oder das neurechte „Institut für Staatspolitik“ (2004) auf.
Auch 2007 und 2009 fanden ACP-Veranstaltungen in Fritzlar statt. Die ACP-Homepage verschweigt aber wo diese genau stattgefunden haben. Die Vermutung liegt nahe, dass auch diese Treffen in dem Offiziersheim stattfanden.

Quellen:
* NPD-Blog: CDU-Politiker Wulff spricht bei umstrittenem ACP, 19.05.10, http://npd-blog.info/2010/05/19/acp-wulff-100/
* Stefan Schölermann: Offene Fragen nach Vortrag von Ministerpräsident Wulff, NDR-Reportage, 20.05.2010, http://www3.ndr.de/sendungen/niedersachsen_1800/nachrichten/vortragwulff100.html
* Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_L%C3%B6w