Archiv für Mai 2010

Der Feuerwehrmann als Brandstifter

Gastkolumne von Ulrich Sander
 
Der eifrige Feuerwehrmann, der das Feuer selbst legt, das er dann zum eigenen Ruhme löschen kann, ist bekannt. Den gibt es immer mal wieder, so lesen wir es in der Zeitung. Allerdings, dass der Chef der Feuerwehr selbst Hand anlegt, um als erster am Brandort zu sein, das kennen wir nur aus Dortmund.
 
Klaus Schäfer heißt der hochbezahlte Amtsleiter der Stadt, der seit Monaten in der ersten Reihe der Nazis marschiert, auf dass dann die Großeinsätze der Kollegen von der Polizei so richtig Nahrung und Anlass finden. Dieser Brandstifter betätigt sich allerdings nicht wie der Pyromane als erster an der Spritze, sondern als einer, der noch Öl ins Feuer gießt. Schäfer taucht nun auf zahlreichen Pressefotos von ebenso vielen Nazimärschen auf – das schwarze Transparent tragend. Und diese Photos präsentierten die Medien; Verfassungsschutz und Polizei waren angeblich ahnungslos. Und auch die SPD, deren Mitglied Schäfer noch ist. Der Ausschluss soll eingeleitet sein, auch die Suspendierung vom Dienst des bisherigen Feuerwehrchefs von Dortmund und jetzigen Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR).
Die Medieninformationen über Klaus Schäfer sind erschreckend, aber nicht vollständig. Wer nur den IFR-Kooperationspartnern des Herrn Schäfer in den auf der Dortmunder Feuerwehr-Web-Site bezüglich der dort aufgeführten Projekte nachgeht, gerät auf den Weg in den bundesweit vernetzten zivil-militärischen Bereich aus Politik, Bundeswehr, Polizei, Behörden und Forschung wie auch Reservistenverbänden. Das wird nicht besser, wenn man sich über Prof. Rainer Koch von der Uni Paderborn informiert, den Stellvertreter des Nazifreundes Schäfer im IFR. Er behauptet gern, dass er an rein zivilen Feuerwehrprojekten arbeitet. Auf der Feuerwehrwebsite wird aber berichtet, dass ständig bis zu 50 Angehörige von Freiwilliger und Berufsfeuerwehr Dortmunds auf Einladung der Bundeswehr an Übungen auf dem Truppenübungsplatz Daaden teilnehmen und dass diese Übungen in acht Durchgängen vom Herbst 2009 bis Herbst 2010 anhalten. Dabei wurden bisher „militärische Operationen größeren Umfangs“ simuliert und nunmehr auch auf dem Gebiet der Zivilmilitärischen Zusammenarbeit (ZMZ) angewendet. Hubschrauber und Pionierkräfte der Bundeswehr werden eingeplant und spielerisch eingesetzt. Immer dabei: Dortmunds Feuerwehr und das Dortmunder Kreisverbindungskommando der Bundeswehr. Wörtlich heißt es in der Mitteilung der Feuerwehr Dortmund wie auch in einer Veröffentlichung eines Jörg Schäfer von der Dortmund-Evinger Feuerwehr: „Die dort eingeplanten Reservisten der Bundeswehr halten einen exzellenten Draht zur Stadtverwaltung. Sie ermöglichen auch die unkomplizierte wie schnelle Hilfe durch die Truppe, wenn der Krisenstab diese benötigt.“
Klaus Schäfer war nicht nur an Naziaufmärschen in Dresden und Dortmund beteiligt, sondern er nahm auch am 4. Februar im Rathaus am Bürgerforum über Rechtsextremismus als Redner im Sinne der Neonazis teil. Er behauptete, nicht die rechte Szene sei das Problem, sondern die linke antifaschistische, gegen „deren Gewalt“ der Staat vorzugehen hätte. Den Stadtoberen, die am Bürgerforum teilnahmen, war die Personalie Klaus Schäfer bekannt, doch sie handelten nicht. Sie kannten auch die Forschungsprojekte seines Instituts, so zum Beispiel das Projekt „Lage“. Auf der Instituts-Internetseite heißt es dazu: „Lage“ wolle eine „vernetzte Einsatzführung“ bei „innerstädtischen Großveranstaltungen“ ermöglichen. Man weiß: Dazu zählen Aufmärsche der Nazis wie Aktionen der Linken ebenso wie Umtriebe von Hooligans bei Fußballspielen. Schäfer war involviert in die „Terrorismusabwehr in Großstädten“ und arbeitet mit der Polizei in Forschungsprojekten. Er verfügt, so wird nun von recherchierenden Journalisten berichtet, über präzise Kenntnisse über Terrorismusabwehr, Einsatzplanungen, Einsatzstrategien und Funkkommunikation bei Großeinsätzen. Doch all dies beunruhigt die Polizeiführung nicht. „Wir ermitteln nicht“, teilte sie mit.
Der Mitstreiter der Autonomen Nationalisten ist 55 Jahre alt und bekommt ein Monatsgehalt von 6000 Euro. Notfallpläne für Anschläge sollen in seinem Besitz sein. Ob er sein dienstliches Wissen den Nazis weitergab, „wird noch geprüft“, sagte eine SPD-Sprecherin.
Wer Wolfgang Schorlaus „München-Komplott“ über das Oktoberfestattentat gelesen hat, der ahnt, wie das V-Leutesystem im Lande funktioniert, um Verbrechen von rechts zu begehen, um sie der Linken in die Schuhe zu schieben. Wer sich an die brennenden Gleise der Dortmunder S-Bahn am 1. Mai 2007  erinnert, die im Zuge der Auseinandersetzung mit den Neonazis sich zu brennenden Barrikaden ausweiteten, ohne dass ein Feuerwehrschlauch in ihre Nähe kam, der muss nun zwangsläufig an Klaus Schäfer denken, den wackeren Feuerwehrmann an der Seite der „nationalen Jugend“.

Nazis auf Vortrag von Wehrmachtsflieger

Das neonazistische „Freie Netz Süd“ berichtet unter der Überschrift „Vortrag mit Walter Schuck“ von dem Besuch einer Vortragsveranstaltung am 15. April in der Nähe von Coburg durch Neonazis aus Bayreuth. Unklar ist, ob die ganze Veranstaltung ein extrem rechtes Event ist. Der Bericht spricht immerhin von „weiteren gut 120 anwesenden Kameraden“.
Walter Schuck (* 1920) war laut Wikipedia Luftwaffenoffizier und hochdekorierter Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg. Für seine „Erfolge“, insgesamt soll er 206 Luft“siege“ errungen haben, wurde ihm die hohe NS-Auszeichnung Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen.

Quelle:
* Bericht auf der Homepage „Freies Netz Süd“1, 27.04.2010

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 75 vom Mai/Juni 2010 erschienen

DMZ Nr. 9

Interviewpartner dieser Ausgabe der extrem rechten Militärmagazin sind:
* Leonid Iwaschew, ein Ex-Sowjet-General
* Martem Hilmer, ein ehemaliger Angehöriger der dänischen Sirius-Patrouille auf Grönland.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* Venatu-Messer
* dem Miliatria-Magazin
* der Firma History-Films
* dem extrem rechten Tübinger Grabert-Verlag.
* dem NPD-Hausverlag „Deutsche Stimme“
* den Verlagen „Bonus“ und „Pour le Merite“, die beide wie die DMZ zum Imperium des Verlegers Dietmar Munier gehören.
* der Buchdienst „Freisinn“ mit Sitz in Wien

Neonazi-Gedenken für SS

Am 8. Mai 2010 fand in Bad Reichenhall-Karlstein ein Gedenken von 35 Neonazis statt (2006: 130), dass der SS-Division „Charlemagne“ gewidmet war. Unter den Teilnehmern befand sich Uwe Brunke, der lokale NPD-Kreisvorsitzende, und Edda Schmidt, Bundesvorsitzende der NPD-Frauengruppe „Ring Nationaler Frauen“. Seit 35 Jahren findet in Bad Reichenhall am 8. Mai eine derartige Veranstaltung statt.
Nächstes Jahr wird es Gegenprotest geben, das AIDA-Archiv München schreibt:
„Rechte Traditionspflege können und wollen wir in keiner Form akzeptieren“, verweist die Sprecherin auch darauf, dass in Bad Reichenhall die Bundeswehrkaserne immer noch nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist.

Quelle:
* SS-Gedenken in Bad Reichenhall, http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1891:ss-gedenken-der-npd-in-bad-reichenhall&catid=130:npd-in-bayern&Itemid=152