Offiziersnachwuchs: bedenkliche rechte Minderheit

Erneut hat eine neue Studie offenbart, dass es unter jungen Bundeswehr-Offizieren eine bedenkliche rechte Minderheit gibt. Elf Prozent der befragten Jung-Offiziere sind dafür die Macht des Parlaments einzuschränken.
Die Studie wurde Ende 2007 vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben und unter den 2.300 Studierenden der Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München durchgeführt.
Die abgefragte parteipolitische Präferenz zeigt, dass die Bundeswehr keinesfalls ein Spiegel der Gesellschaft ist, sondern vielmehr deren rechter Zerrspiegel.
Etwa 70 Prozent der Befragten verorteten sich bei CDU/CSU, allerdings nur vier Prozent bei den extrem rechten Parteien NPD, DVU oder REPs. Es stellt sich nun die Frage, wie sehr diese Verortung politischen Konjunkturen unterliegt. Eventuell sind es auch einzelne Unions-Prominente wie der Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, die derzeit einen Teil des rechten Randes zu integrieren vermögen.
Außerdem darf nicht angenommen werden, dass nur vier Prozent der Bundeswehr-Uni-Studierenden eine extrem rechte Einstellung besitzen. Die Studie erbrachte nämlich, dass 13 Prozent der Befragten deutliche Sympathien für das Gedankengut der sogenannten Neuen Rechten haben.
Es stimmten sogar 38 Prozent der Forderung zu, Deutschland solle wieder von einer starken Elite geführt werden. Bedenklich ist, dass sich die Jung-Offiziere wohl selbst als zukünftige Angehörige der Elite sehen dürften. Auch Rassismus ist weiterhin weit verbreitet unter den Offizieren, 25 Prozent waren dafür, die Zuwanderung von Ausländern nach Deutschland zu stoppen.
Angeblich ist die Zustimmung zur „Neuen Rechten“ unter jungen Zivilisten insgesamt doppelt so hoch wie unter den Offizieren, wiegeln die Studienmacher ab. Interessant wäre es aber, wie der Vergleich zwischen zivilen und militärischen Akademikern aussieht.

Quelle:

* Peter Blechschmidt: Die Rechtsverteidiger, in: Süddeutsche Zeitung vom 22.03.2010, http://www.sueddeutsche.de/politik/420/506589/text/


1 Antwort auf „Offiziersnachwuchs: bedenkliche rechte Minderheit“


  1. 1 Stefan Igl 30. April 2010 um 12:58 Uhr

    Dass die Studie zu einem anderen Fazit kommt (vgl. dort S. 132):

    „Alles in allem fällt die Zustimmung zu politischen Vorstellungen der „Neuen Rechten“ unter den 15- bis 32-Jährigen
    wesentlich größer aus als unter den Studierenden an den Bundeswehruniversitäten. Der Anteil derjenigen, die höhere Zustimmungswerte aufweisen, ist bei den Jugendlichen
    und jungen Erwachsenen mit 26 Prozent doppelt so groß wie bei den Bundeswehrstudenten. Selbst unter den jungen Männern mit Hochschulreife liegt der Anteil mit 21 Prozent über dem Wert für die Studierenden an den Universitäten der Bundeswehr.“

    Daraus kann man den Schluss ziehen, dass die Studenten der BW-Hochschule weniger als die altersmäßige Vergleichskohorte für rechtes Gedankengut anfällig sind… Komisch, was man aus so einem Ergebnis im Rahmen eines vermeintlich gut recherchierten Zeitungsartikel machen kann…

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