Kanzlerin-Berater veröffentlichte in neurechtem Strategieblatt

Erich Vad, laut Berliner „taz“ „der wichtigste Militärberater der Kanzlerin“, soll demnächst zum General befördert werden. Der 53jährige ist sicherheitspolitischer Berater der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bzw. oberster militärischer Berater im Kanzleramt und damit zuständig für den Bundessicherheitsrat. Zum General soll Vad befördert werden, um laut „taz“ einen Weggang Vads aus von seinem bisherigen Posten zu verhindern.
Derselbe Vad hat im April 2003 einen Text mit der Überschrift „Freund oder Feind: Zur Aktualität Carl Schmitts“ in dem Magazin „Sezession“ veröffentlicht. Die „Sezession“ ist das Hausblatt des „Institut für Staatspolitik“ (IfS) mit Sitz in Albersroda (Sachsen-Anhalt) und das Strategieblatt der „Neuen Rechten“. Wer hier veröffentlicht steht normalerweise der extrem rechten Strömung der „Neuen Rechten“ nahe. Die „Neue Rechte“ bezieht sich nicht auf den Nationalsozialismus, sondern sucht ihre Götter vor allem im Fundus der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Zu diesen Köpfen der „Konservativen Revolution“ wird auch Carl Schmitt gezählt. Im Gegensatz zu anderen „Konservativen Revolutionären“ die den Nationalsozialismus als plebejisch (nicht etwa wegen dessen Antisemitismus oder Demokratiefeindlichkeit) machte Schmitt im „Dritten Reich“ Karriere. So rechtfertigte er die Morde nach dem angeblichen Röhmputsch mit seiner Schrift „Der Führer schützt das Recht“ und feierte den Nürnberger Parteitag der NSDAP von 1935, an dem die Rassegesetze verkündet wurden, als „Reichsparteitag der Freiheit“.

Auch bei der IfS-Winterakademie hielt Vad 2003 einen Vortrag, ebenso im selben Jahr bei der Berliner Burschenschaft Gothia. Da Vad aber ansonsten nicht mehr durch eine Nähe zur „Neuen Rechten“ aufgefallen ist, muss der Inhalt seines „Sezession“-Artikels genauer betrachtet werden.
Vad in Sezession
Bereits am Anfang des Artikels zitiert Vad unkritisch Nolte mit dem Begriff „Europäischer Bürgerkrieg“, also eine verharmlosende Zusammenfassung der Zeit 1914-1945 in der auch der Zweite Weltkrieg mit enthalten ist. Positiv besetzt scheinen bei ihm Begriffe wie „Europäischer Großraum“ oder „Westliche Welt“, die es gegen andere Zivilisationen zu verteidigen gelte. Analog zu Samuel Huntington sieht er vor allem im Konflikt der Kulturkreise zukünftige Probleme. Unter Berufung auf Carl Schmitt fordert er eine Verschärfung der Feindbilder.
Der Artikel atmet einen rechten Geist und ist in seiner Analyse überaus banal, trotz aller Bezugnahme auf (rechts)intellektuelle Köpfe.
„Aus heutiger Sicht würde ich es nicht mehr machen“ sagte Vad gegenüber der „taz“. Mag sein, dass Vad heutzutage taktischer agieren würde, aber Vads Artikel passt inhaltlich hervorragend in die „Sezession“ und das ist mehr als bedenklich.

Quellen:
* Wolf Schmidt: Militärischer Berater im Kanzleramt. Merkels rechte Hand, in: taz vom 01.04.2010, http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/merkels-rechte-hand/
* Erich Vad: Freund oder Feind. Zur Aktualität Carl Schmitts, in: „Sezession“ Nr. 1-2003, Seite 20-25


1 Antwort auf „Kanzlerin-Berater veröffentlichte in neurechtem Strategieblatt“


  1. 1 Kanzlerin-Berater veröffentlichte in neurechtem Strategieblatt « dokumentationsarchiv Pingback am 06. April 2010 um 22:45 Uhr
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