Archiv für Februar 2010

Rechtspopulistischer Reservist

In Nordrhein-Westfalen baut sich seit einigen Jahren eine neue extrem rechte Partei auf – mit Verbindung zum Reservistenverband der Bundeswehr.

Die rechtspopulistische „Pro-Bewegung“ konnte ihre Sitze in den Kreistagen, Stadträten und Bezirksvertretungen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen bei der letzten Kommunalwahl 2009 von 15 auf jetzt 46 Sitze mehr als verdreifachen. Grundlage für den erfolgreichen Stimmgewinn am rechten Rand ist unter anderem eine gezielte Abgrenzung zu neonazistischen Parteien und Kameradschaften. Dennoch kann die laut NRW-Verfassungsschutz nur einige hundert Mitglieder zählende rechtsextreme Pro-Bewegung ihre Wurzeln nicht leugnen: Pro-Deutschland Vorsitzender Manfred Rouhs war in den 1980er-Jahren Vorsitzender der Jugendorganisation der NPD in Nordrhein-Westfalen und trat dort auch als Direktkandidat für die neonazistische Partei an. Zusammen mit Markus Beisicht gründete Rouhs auch den Kölner Kreisverband der Republikaner. Beide waren zuvor in der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ aktiv, Beisicht ist heute Vorsitzender von Pro-NRW. Ein weiterer Punkt verbindet die Rechtspopulisten mit den Neonazis: ihr Militarismus.
Pro-Funktionär Hauer
Kevin Gareth Hauer gehört zur Führungsspitze der selbsternannte „Bürgerbewegung“. Hauer, ein ehemaliges Mitglied der Republikaner, gründete vor einigen Jahren die Ortsgruppe „Pro Gelsenkirchen“, deren Vorsitzender er ist und deren Meinung er auch im Rat der Stadt Gelsenkirchen vertritt. Zudem ist Hauer stellvertretender Vorsitzender von Pro-NRW und Reservist der Bundeswehr im Rang eines Leutnants, womit er sich in der Öffentlichkeit rühmt. Hauer soll auch nicht vor Kontakten mit der NPD und freien Neonazi-Kameradschaften in Bochum-Wattenscheid zurückschrecken.

Quellen:
* N.N.: „Der Vorstand“, in: www.pro-nrw.org – letzter Zugriff am 16. Februar 2010.
* Laurin, Stefan: Pro Gelsenkirchen: Zum Glück ist es Hauer, 5. Februar 2009, in: www.ruhrbarone.de – letzter Zugriff am 16. Februar 2010.

Mittenwald & bundesweit: entwürdigende Aufnahmerituale

Der Beschwerdebrief eines ehemaligen Soldaten, der von April bis September 2009 in Mittenwald stationiert war, deckte auf, dass in Mittenwald im Juni 2009 offenbar drei bis heute aktive Gebirgsjäger und einige Ehemalige ihn „außerhalb der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne“ Soldaten gezwungen hätten, Alkohol bis zum Erbrechen zu trinken und rohe Schweineleber zu essen, um in der internen Hierarchie des Bataillon 233 aufzusteigen. Ebenso mussten die Neulinge nackt Kletterübungen machen. Diese Aufnahme-Rituale soll es seit Ende der 1980er Jahre geben.

Inzwischen haben sind nach den Medienberichten über 50 weitere Fälle aufgetaucht, vor allem durch Hinweise ehemaliger Soldaten. Militär und Politik sprechen trotz dieser Lawine von „Ausrutschern“ und „Einzelfällen“. Seltsam aber, dass die Aufnahmerituale in der Bundeswehr sogar eigene Bezeichnungen haben. Solche kruden Aufnahmerituale passen übrigens gut in die Analyse der Bundeswehr als archaischer Männerbund.
Aufnahmeritual in der Bundeswehr
OBEN: Internetfundsache

Quelle:
* Christof Schnürer: „Tiefpunkt meines Soldatenlebens“, in: Garmisch-Partenkirchener Tagblatt vom 11. Februar 2010

USA: Rüstungskonzern stanzt christliche Sprüche auf Waffen

Nach einem Bericht von ABC News hat der Rüstungskonzern Trijicon aus Wixom im US-Bundesstaat Michigan christliche Bibelsprüche auf seine Waffen einstanzen lassen. Die Einprägungen bestehen aus Verweisen auf Bibelstellen, z.B. 2COR4:6, also 2. Korither 4. Vers, 6. Zeile. Dies geschah ohne das Wissen des US-Militärs, dass sich von dieser speziellen Prägung distanzierte. Die von Trijicon hergestellten Gewehre werden auch im Irak und in Afghanistan verwendet. Trijicon hat einen 660-Millionen-Dollar Vertrag mit der US-Regierung um an diese 800,000 Visiere zu liefern.

Quelle:
* Joseph Rhee, Tahman Bradley and Brian Ross U.S. Military Weapons Inscribed With Secret ‚Jesus‘ Bible Codes. Pentagon Supplier for Rifle Sights Says It Has ‚Always‘ Added New Testament References, ABC-News, 18.01.2010, http://abcnews.go.com/Blotter/us-military-weapons-inscribed-secret-jesus-bible%E2%80%91%20codes/story?id=9575794

Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) Nr. 74 vom März/April 2010 erschienen

DMZ Nr. 74
Dieser DMZ-Ausgabe lag eine farbige Einladung zum Lesertreffen von „Lesen & Schenken“ am 19. bis 21. März 2010 bei Bamberg bei, zu dem Dietmar Munier, der Leiter der extrem rechten Verlage zu denen auch die DMZ zu rechnen ist, einlädt. Bei diesem Lesertreffen sollen allerhand Größen der extrem rechten Szene auftreten.

Interviewpartner dieser Ausgabe sind:
* Olaf Haselhorst (* 1963), zwölf Jahre Dienst bei der Marine, Autor für das neurechte Strategieblatt „Sezession“ und die militaristische „Militär & Geschichte“. Laut „Blick nach Rechts“ gehört er der rechten Burschenschaft Germania Hamburg an.
* Reinhard Uhle-Wettler (* 1932), der die Bundeswehr 1989 als stellvertretender Kommandant der 1. Luftlandedivision in Bruchsal verließ. Eine Zeit lang war er niedersächsischer Landesvorsitzende der rechtskonservativen DSU. Beiträge von ihm erschienen im revanchistischen „Ostpreußenblatt“, im extrem rechten Magazin „Nation+Europa“ (NE), in dem REPs-Blatt „Zeit für Protest“, in der extrem rechten Zeitschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ (DGG) oder in „Neue Ordnung“. Von 1995 bis 2008 war Uhle-Wettler Vorsitzender der äußerst rechten „Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung“. Im Jahr 1996 erschien von ihm im extrem rechten Hohenrain-Verlag das Buch „Die Überwindung der Canossa-Republik“ und 1998 war er (Mit-) Herausgeber einer Festschrift für den Holocaustleugner David Irving.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* Venatu-Messer
* dem Miliatria-Magazin
* der Waffensammlerbörse Luzern
* der Firma History-Films
*dem „Nation Europa“-Nachfolger „Zuerst!“, bei dem der DMZ-Chefredakteur Ochsenreiter auch Redakteur ist.
* das Waffen-SS-Ehemaligen-Magazin „Der Freiwillige“.
* dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag.
* dem NPD-Verlag „Deutsche Stimme“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“.
* den Verlagen „Bonus“ und „Pour le Merite“, die beide wie die DMZ zum Imperium des Verlegers Dietmar Munier gehören.

Quellen:
* Illustrer Kreis. Rechtsextreme Gäste im Schlosshotel, Blick nach Rechts, http://www.bnr.de/content/illustrer-kreis
* Jan Phillip: Der Preuße, in: Der Rechte Rand Nr. 104 – Jan./Febr. 2007, Seite 16
* Anton Maegerle: Graberts Autoren und ihre Bedeutung für die rechte Szene, in: Martin Finkenberger / Horst Junginger (Hrsg.): Im Dienste der Lügen, Seite 172-174