Bundeswehr wird mit Wehrmachts-Literatur trainiert

Ein Artikel in der Berliner Tageszeitung „taz“ berichtet über die Verwendung von Wehrmachts-Literatur bei der Ausbildung von Bundeswehr-Soldaten. Dabei bezieht sich die „taz“ auf einen Beitrag des Historikers Detlef Bald in der neuen Ausgabe des Hefts des „Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik“ an der Universität Hamburg mit dem Titel „Bundeswehr im Krieg – wie kann die Innere Führung überleben?“. Der Historiker analysiert darin kritisch die Ausbildungsrichtlinien und -materialien der Bundeswehr. Dabei stieß er auch auf die Bücher „Einsatznah ausbilden“ und „Üben und schießen“, die in der Grundausbildung benutzt werden und den Ausbildern als Nachschlagewerke dienen.
So wird u.a. empfohlen die „Vorstellung von Kriegswirklichkeit“ u.a. durch beispielhafte Erfahrungsberichte des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg heranzuziehen. Eine positive Bezugnahme auf den Rasse- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht also. Im Konkreten dient z.B. der Winterkampf in der Sowjetunion oder die Abwehr der Operation der Alliierten in der Normandie als vorbildhaftes Schlachtengemälde.
Auch kleine gereimte Merksätze für die Panzerabwehr der Wehrmacht werden zitiert:
„Selbst in der äußersten Erregung /
bewahre kühle Überlegung.“
Der Historiker Bald fasst zusammen: „Die ,Ausbildungshilfen‘ sind ein Machwerk der Legendenbildung. […] Perfide ist der Duktus, Vorschriften und Richtlinien aus der Zeit des Nationalsozialismus in vermeintlich unpolitischer Absicht durch Zitate in die Gegenwart der Bundeswehr zu holen und amtlich zu erklären, diese Lehren seien ,zeitlos‘. Damit werden Wehrmacht und ihre Nazi-Ideale ethisch gesäubert und enthistorisiert. Das Gütesiegel des Heeresamtes bestätigt dies.“

Quelle:
* Bettina Gaus: Bundeswehr-Lehrmaterial von der Wehrmacht. Von Stalingrad nach Afghanistan, 08.12.09,
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/von-stalingrad-nach-afghanistan/


1 Antwort auf „Bundeswehr wird mit Wehrmachts-Literatur trainiert“


  1. 1 Bundeswehr wird mit Wehrmachts-Literatur trainiert « braunzonebw « dokumentationsarchiv Pingback am 25. Dezember 2009 um 15:55 Uhr
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